Wie wirst du erfolgreich? Haruki Murakamis simple Antwort: einfach anfangen. Das ist das Murakami-Prinzip und es ist das beste Argument, den ersten Schritt zu wagen und Perfektionismus zu besiegen.
Haruki Murakamis Weg vom Jazz-Club zum Bestseller
Der Musikliebhaber Haruki Murakami eröffnete nach seinem Theaterstudium einen Jazz Club in Tokio. Das war 1974.
Freunde und Familie liehen ihm Geld, doch rieten von seiner Unternehmung ab.
Er habe keine Ahnung von Geschäftsführung.
Sie prophezeiten einen Flop.
Doch Murakami betrieb den Club erfolgreich. Eine Pleite, so schreibt er, war für ihn einfach nicht vorstellbar. Also arbeitete er. Hart. Das zahlte sich aus.
Doch was machst du mit einem gut laufenden Geschäft? Bleibst du dabei?
1978, mit 29 Jahren, kam Murakami die Idee, einen Roman zu schreiben. Eine Eingebung bei einem Baseballspiel. Vielleicht aber auch eine unbewusste Rückkehr zu seiner kreativen Ader aus dem Theaterstudium.
Also kaufte er Füller, Tinte und Papier und begann zu schreiben. Ein halbes Jahr später hielt er das Manuskript seines ersten Buches in der Hand. Es hieß Wenn der Wind singt.
Und was machst du mit einem fertigen Manuskript?
Du schickst es an einen Verlag. Ohne dir eine verdammte Kopie vom Originaltext zu machen. Und danach? Nicht mehr dran denken. Weitermachen.
Das klingt leichtsinnig. Vielleicht war Murakami aber auch weniger am Ergebnis und mehr am kreativen Prozess interessiert. Das Schreiben war ihm wichtiger als die Veröffentlichung.
Murakami setzte alles auf eine Karte
Als der Bücherverlag Gunzo ein weiteres halbes Jahr später anrief und mitteilte, dass das Buch in der engeren Auswahl stand, konnte sich Murakami nur noch vage an die Ausschreibung erinnern.
Er war noch immer sehr mit seinem Jazz Club beschäftigt. In den frühen Morgenstunden nach Feierabend schrieb er bereits an seinem zweiten Buch, Pinball 1973. Für andere Sachen hatte er nicht viel Zeit. Also traf er einen Entschluss.
Das Lokal lief gut, warf deutlich bessere Einnahmen ab als der Verdienst aus seinen beiden Büchern. Doch er verkaufte den Jazz Club, um Schriftsteller zu werden.
Murakami wollte dem Schreiben eine ehrliche Chance geben. Er setzte alles auf eine Karte.
Quelle
Murakami, H. (2010). Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede (U. Gräfe, Übers.; 8. Auflage). btb. S. 29ff.
Heute zählt Haruki Murakami zu den bekanntesten Schriftstellern der Welt. Was also ist die Moral seiner Geschichte? Steckt darin ein Erfolgsrezept?
Steckt dahinter ein Erfolgsrezept?
Menschen haben einen Hunger nach Narrativen. Geschichten helfen uns, die Welt zu erklären. In Zufällen hingegen können wir keine Muster erkennen.
Deshalb suchen wir auch in Murakamis Geschichte nach einem Erfolgsrezept. Doch auf den ersten Blick scheint seine Karriere als Schriftsteller von Zufällen geprägt zu sein.
Im Gegensatz zu Murakami erhielt der Autor Benedict Wells unzählige Absagen, bevor er beim Diogenes Verlag landete. Das ist in diesem Metier üblich.
Murakamis sofortige Veröffentlichung wirkt dagegen eher wie ein Riss in der Matrix. So beeindruckend seine Geschichte ist, hätte sie auch anders verlaufen können.
Das Leben ist manchmal unvorhersehbar. Es muss nicht linear verlaufen - Ausbildung, Arbeit, Heirat, Haus und Kinder, Rente. Manchmal ist kreuz und quer auch eine Richtung. Manchmal kann das Loslassen sogar deine Rettung sein.
Wie Murakami kannst du Theaterwissenschaften studieren, dann ein Lokal eröffnen, nur um später Schriftsteller zu werden. Vorhersagbarkeit? Nicht vorhanden.
An mancher Stelle hatte Murakami sogar nicht wegen, sondern trotz seines Verhaltens Erfolg. Keine Sicherungskopie seines ersten Buches? Inspirierend, aber nichts, was du nachmachen solltest.
Hüte dich also vor Schlussfolgerungen, die aus Zufällen eine Geschichte basteln.
Trotzdem kann ich es mir nicht verkneifen: Bei genauerem Hinsehen schimmert etwas durch, das du dir für deinen Weg zunutze machen kannst.
Einfach anfangen: Die Konstante in Murakamis Leben
Es stimmt: Garantien gibt es nicht. Selbst wenn du dich anstrengst, bedeutet das nicht, dass du es schaffst. Aber: Falls du es schaffst, dann oft nur, weil du dich anstrengst.
Murakamis Erfolg als Schriftsteller war Zufall - und er war es nicht.
Aus einer Vielzahl an Manuskripten wird ausgerechnet sein Buch ausgewählt. Aber:
Ohne sein Handeln kein Manuskript. Ohne Manuskript keine Chance auf Veröffentlichung.
Die Magie des ersten Schrittes
Das weiß auch Benedict Wells, der sich zuerst durch einen Sturm an Absagen kämpfte:
Man kann beim Schreiben alles überarbeiten - außer weiße Seiten.
Quelle
Wells, B. (2024). Die Geschichten in uns: Vom Schreiben und vom Leben. Diogenes. S. 125.
Soll heißen: Fang an. Der Erstentwurf muss nicht gut werden, sondern fertig. Das gilt auch für andere Hobbys.
Deine erste Präsentation wird holprig.
Deine erste getöpferte Schüssel wird krumm und schief.
Deine erste Arbeitswoche? Chaos.
Bei meinem ersten Fußballspiel schoss ich ein Eigentor. Die Reaktion meines Trainers verriet mir: Das erlebte er nicht zum ersten Mal.
Du musst nicht perfekt anfangen, sondern einfach anfangen.
Anfangen, lernen, besser werden
Die Einstellung, dass das Anfangen der wichtigste Schritt ist, verbindet Haruki Murakami und Benedict Wells. Sie haben gehandelt. Sie präsentierten sich. Sie arbeiteten an sich. Sie wurden besser.
Murakami bezeichnet sich - vielleicht übermäßig bescheiden - weniger als intelligent. Er sieht sich als Arbeitstier, nicht als Rennpferd. Sein Fleiß und seine Beharrlichkeit sind sein Markenzeichen.
Also arbeitet er Schritt für Schritt an dem, was er sich vornimmt - egal, ob Jazz Club oder Buch. Als ihm die Idee kommt, einen Roman zu schreiben, legt er einfach los.
Nur wer beginnt, kann besser werden. Gerade wenn es darum geht, etwas Neues zu wagen, ist anfangen besser als zögern. Dein Wachstum hasst Prokrastination.
Nur so entwickelt sich eine Gewohnheit und du erfährst Selbstwirksamkeit. Du verstehst, dass du etwas in der Welt verändern kannst. Selbstwirksamkeit stärkt unseren Mut zur Veränderung.
Also probier etwas. Mach Fehler. Dann probier es erneut und scheitere besser. Experimentiere und wachse daran.
Sometimes it’s better to do a thing than live with the fear of it.
- Joe Abercrombie, Red Country
Kein Start ist perfekt – das ist der Punkt
Als ich die Arbeit an meinen Blogartikeln begann, erstellte ich direkt eine Homepage auf WordPress und begann, die Beiträge zu veröffentlichen.
Die Seite ist bis heute nicht gut. Gerade am Anfang beging ich so viele Fehler, dass ich manchmal gerne die Zeit zurückdrehen und meine Homepage komplett neu aufsetzen möchte.
Auch heute mache ich noch viele Fehler. Meine Migration von Wordpress zu Ghost hab ich total verkackt. Ich beschäftigte mich auch viel zu spät mit SEO. Fehler enden nie. Doch das sollte uns nicht daran hindern, zu handeln.
Doch durch die Veröffentlichung meiner Homepage entstand Verbindlichkeit. Hätte ich nicht angefangen, hätte ich die Gelegenheit, überhaupt etwas falsch machen und daran wachsen zu können, nie in mein Leben eingeladen.
Genau dasselbe erlebe ich momentan mit meinem Youtube-Kanal. Es fühlt sich seltsam an, in eine Kamera zu sprechen. Ständig verliere ich meinen Gedanken oder verspreche ich mich. Mit dem Ergebnis bin ich selten zu frieden.
Das Wissen, dass das normal ist, macht es mir nicht angenehmer. Doch es hilft mir, den Prozess zu akzeptieren.
Denk dran: Wenn du etwas beginnst, muss es nicht gut werden, sondern fertig. Perfektionismus stellt dir an der Startlinie das Bein. Besser kannst du später werden.
Für mich bedeutet Scheitern nicht, Fehler zu machen. Für mich ist Scheitern, sich nicht in eine Lage zu bringen, in der man überhaupt erst scheitern kann.
Kompetenz entsteht durch sichtbare Erfolge. Wenn du irgendwann die Selbstsicherheit besitzt, die aus der Überwindung von Herausforderungen und Fehlern entsteht, sei stolz auf dich.
Also: Warum glaube ich, ist Haruki Murakami bis heute erfolgreich? Weil er angefangen hat. So einfach. Und doch so schwer.
Und wann fängst du an?
Einfach anfangen ist der erste Schritt in ein Leben, das zu dir passt.
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