Mit 29 lies Haruki Murakami sein altes Leben als Nachtschwärmer und Besitzer eines Jazzclubs los und tauschte es gegen einen Wecker, der um 5 Uhr morgens klingelte, und einen Beruf, der nicht anders hätte sein können.

In diesem Artikel geht es um Murakamis untypische Anfänge und seinen Mut zu einer radikalen Veränderung, die einen der bekanntesten Schriftsteller der Moderne hervorbrachte.

Murakami verstand früh, was viele Menschen nie lernen: Du musst nicht bleiben, was du früher entschieden hast zu sein. Dieser Artikel lädt dich ein, dein aktuelles Kapitel abzuschließen.

Loslassen lernen: Haruki Murakamis Mut zur Veränderung

Haruki Murakami eröffnete nach seinem Theaterstudium einen Jazzclub in Tokio. Das war 1974 (hier findest du die Geschichte hinter Murakamis Anfängen).

Als Inhaber einer Bar stehst du in der Öffentlichkeit und bist die zentrale Anlaufstelle für jeden Gast. Außerdem verpflichtest du dich dem Nachtleben. Murakami schloss seinen Club meist um Mitternacht, räumte auf, rechnete ab und war selten vor 3 Uhr zu Hause.

Mit 29 begann er nebenbei zu schreiben. Doch weil er so viel arbeitete, blieben ihm nur die frühen Morgenstunden nach Ladenschluss. So verfasste Murakami zwei Bücher. Seine Küchentisch-Novellen, wie er sie nennt.

Doch Murakami wollte ein tiefgründigeres Buch schreiben. Er verspürte den Drang, tiefer zu graben. Keine leichte Aufgabe, wenn dein Beruf dich so vereinnahmt. Seine Ambitionen erstickten im Lärm des Nachtlebens.

Murakami stand vor einer Wahl: Entweder opferte er seine aufkeimende Leidenschaft für die Sicherheit seiner Bar oder er schenkte dem Schreiben eine ehrliche Chance.

Murakami entschied sich für das Schreiben. Er verkaufte seine Bar.

Quelle

Murakami, H. (2010). Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede (U. Gräfe, Übers.; 8. Auflage). btb. S. 29.

Wenn Loslassen zum Neuanfang wird

Nach dieser Entscheidung krempelte Murakami sein Leben konsequent um. Von heute auf morgen stand er um fünf Uhr auf, statt erst um drei Uhr ins Bett zu gehen.

Auch seine Schreibroutine veränderte er. Murakami bemerkte, dass er am Morgen am klarsten denken konnte. Also setzte er das Schreiben an den Tagesanfang.

Seine wichtigste Arbeit priorisiert er seitdem über all seinen anderen Aktivitäten. Erst am Nachmittag treibt er Sport oder kümmert sich um administrative Aufgaben. Den Abend hält er sich für Musik, Lesen und Entspannung frei.

Quelle

Murakami, H. (2010). S. 39ff.

Dieser Umstellung und der daraus resultierenden Routine schreibt Murakami bis heute einen großen Teil seines Erfolges zu. Doch als er den Club verkaufte, passierte auch noch etwas anderes.

Er zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Aus dem Inhaber, der stets zentraler Anlaufpunkt für alle Gäste war, wird ein schreibender Einsiedler. Für Murakami eine Rückkehr zu seinem eigentlichen, introvertierten Wesen.

Doch warum eröffnet ein Frühaufsteher, der die Öffentlichkeit nicht mag, ausgerechnet einen Jazzclub? Und was kannst du aus seiner Geschichte lernen?

Finde dich selbst – und lebe nach deinem Rhythmus

Murakamis Wandel von der Nachteule zur Lerche war eine bewusste Entscheidung. Er stellte fest, dass das Nachtleben nicht länger tragbar war.

Das Schreiben war nun seine höchste Priorität. Doch da er am frühen Morgen nach dem Aufstehen am konzentriertesten arbeitete, vertrug sich das nicht mit seiner Routine als Jazzclub-Besitzer. Sein Job arbeitete gegen seine Natur.

Die Entscheidung gegen die Bar war letztlich eine Entscheidung für seine eigene Gesundheit, seinen persönlichen Rhythmus und seine Vorstellung. Diesem Ideal verpflichtete er sich fortan.

Diese Lektion kannst du direkt auf deinen Alltag übertragen. Auch du funktionierst nicht wie eine Maschine. Doch die Arbeitswelt verlangt, dass wir stets gleichmäßig produktiv sind.

Immer arbeiten, immer beschäftigt sein, nicht zu viele Pausen einlegen. Das ist völlig unnatürlich. Also nimm dir doch mal Zeit für ein Experiment:

Schalte am Abend deine Geräte und Bildschirme aus. Zieh am besten den Stecker für das Internet. Nimm dir ein Buch zur Seite oder lerne, mit der Langeweile umzugehen. Widersteh der Versuchung. Halte diesen Rhythmus für ein paar Tage aufrecht. Dann schau, wie schnell du am Abend müde wirst.

Es kann dir passieren, dass du so zum ersten Mal in deinem Leben spürst, wie deine innere Uhr wirklich funktioniert, wenn du nicht ständig unter Strom stehst.

In den vergangenen drei Jahren habe ich dieses Experiment mehrfach durchgeführt. Jedes Mal profitierte mein Schlafrhythmus davon. Und wenn der Schlaf profitiert, so meine persönliche Erfahrung, verbessern sich auch die meisten anderen Bereiche im Leben.

Die Erkenntnis über deinen eigentlichen Rhythmus kann dir helfen, dein Leben besser auf dein Energielevel abzustimmen. Haruki Murakami verstand das und passte seine Gewohnheiten an seine Natur an. Das war der erste Schritt zu seinem Erfolg.

Versteh das Leben in Phasen: Nichts bleibt für immer.

Nicht nur dein Tag, sondern auch dein Leben verläuft zyklisch. Es besteht aus Phasen ähnlich wie Jahreszeiten.

Wir alle folgen diesen Rhythmen. Du erkennst sie vielleicht nicht so offensichtlich wie in der Natur, doch sie existieren. Jeder Lebensentwurf sieht zwar anders aus. Doch eines ist das Leben nicht: linear.

In seinem Buch Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede, schreibt Murakami über die Zeit, als er den Jazzclub betrieb:

Eine solche Existenz kann man nicht ewig führen. Es ist wie mit jeder Schule: Man fängt damit an, man lernt etwas und irgendwann verlässt man sie.

Quelle

Murakami, H. (2010). S. 39.

Murakami betrachtet seinen Club als Lebensabschnitt, als Phase. Er versteht, dass nicht alles für immer ist. Und es auch nicht sein muss.

Eine Zeit lang ein öffentliches Leben zu führen war eine gute Sache, glaube ich; im Nachhinein betrachtet habe ich sehr viel daraus gelernt. Diese Zeit war für mich so etwas wie eine Schule des Lebens.

Quelle

ebd.

Den Club zu führen war für den introvertierten Murakami genau die richtige Sache zur richtigen Zeit, aber nicht die richtige Sache für alle Zeit.

Bis heute prägen Stabilität und Linearität unser Verständnis von Beruf und Karriere. Mit der Ausbildung oder dem Studium entscheidet sich oft, was Menschen die nächsten 50 Jahre tun.

Ein ganzes Leben reduziert sich mitunter auf eine Entscheidung, die du triffst, wenn du gerade zum ersten Mal ein Bier kaufen darfst. Das kann funktionieren. Muss es aber nicht. Und genau deshalb fühlen sich manche Entscheidungen später an wie goldene Fesseln.

Murakami versteht das. Der Jazzclub war eine wichtige Phase in seinem Leben. Doch mit 30 Jahren war es an der Zeit, von diesem Abschnitt loszulassen.

Nur weil du etwas anfängst, musst du es nicht ewig durchziehen. Als Blogger dachte ich schon mehrfach, ich hätte meine Nische gefunden, nur um festzustellen, dass ich falsch lag. Die Themen, über die ich schrieb, fühlten sich zu eng an wie ein falsches Korsett. Also verwarf ich meine Nische.

Auch du darfst Abschnitte in deinem Leben beenden, die nicht mehr zu dir passen oder sich falsch anfühlen. Du darfst dich neu erfinden. So wie sich Murakami neu erfunden hat.

Veränderung ist schwierig, doch sie kann uns in ein neues Leben führen, wenn wir uns trauen, alte Laster loszulassen.

Neuorientierung: Das Leben kennt keine Blaupausen.

Es gibt keine Blaupausen für das Leben. Du darfst unsicher sein. Du darfst deine Meinung ändern. Du darfst andere Entscheidungen treffen.

Das Leben ist kein geradliniger Weg. Manche Pfade sind klar erkennbar. Andere schlängeln sich durch tiefes Geäst und müssen viele Höhenmeter überwinden.

Die meisten von uns wurden darauf trainiert, einer Autobahn zu folgen. Sie soll dich auf direktem Weg ans Ziel bringen. Besonders abwechslungsreich ist das aber nicht. Nach 200 Kilometern auf dem Gaspedal schläft dir der Fuß ein.

Deshalb lohnt es sich, ab und zu andere Wege zu erkunden. Folge nicht, wohin der Pfad dich führt. Gehe stattdessen dort entlang, wo es noch keinen Pfad gibt und hinterlasse eine Spur.

Du musst am Anfang deines Lebens nicht alle Antworten kennen.
Verdammt, du musst sie nicht mal am Ende deines Lebens kennen.

Halte an dem fest, was dir langfristig gut tut.
Lass los, was nicht mehr zu dir passt.

Statt sein Leben lang einen Jazzclub zu führen, der nicht mit seiner Persönlichkeit harmonierte, beendete Haruki Murakami dieses Kapitel, bevor es ihn zerstörte.

Manche Geschichten sind irgendwann erzählt. Das wusste Haruki Murakami scheinbar schon bevor er Schriftsteller wurde.

Er entschloss sich Anfang 30, ein neues Leben zu beginnen. Er wusste: Ich muss nicht so bleiben, wie ich mich Anfang 20 entschieden hatte zu sein.

Deshalb frage ich dich:
Wie wirst du gewesen sein?

Wenn diese Frage etwas in dir ausgelöst hat, dann bist du genau richtig hier.

In meinem Newsletter teile ich regelmäßig solche Denkanstöße – für Menschen, die ihr Leben bewusst gestalten wollen, statt es einfach passieren zu lassen.

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