Bulimielernen ist nicht nur eine schlechte Lernmethode. Sie hält dich ein Leben lang zurück. Lass uns das ändern. Hier erfährst du:

Bulimielernen: Das Erfolgsrezept, mit dem du dich selbst betrügst.

Viele Menschen enden später in einer Sackgasse. Und der Grund dafür ist oft der Gleiche:

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Sie haben nie gelernt, selbstständig zu denken.

Ich weiß das aus eigener Erfahrung: Im Studium habe ich Klausuren mit 1,0 bestanden, ohne auch nur einmal die Vorlesung zu besuchen.

Die Erfolgsformel? Eine Woche vor der Klausur auswendig lernen, was der Professor hören will und es ihm am Tag der Klausur aufs Blatt spucken. Wie eine Kuh hab ich stumpf die Inhalte zerkaut, um sie später hochzuwürgen – und anschließend zu vergessen.

Die Ironie? Das Bildungssystem sagt dir zwar nicht explizit, dass Auswendiglernen der beste Weg ist. Doch es belohnt dich dafür mit einer guten Note und einem Abschluss.

Gelernt habe ich viel. Verstanden hab ich dadurch nichts.

Manche Abschlüsse sind nichts anderes als eine Bescheinigung im Selbstbetrug. Die Note gaukelt uns vor, dass wir etwas verstehen, von dem wir eigentlich keine Ahnung haben und das wir schon bald wieder vergessen. Der Dunning-Kruger-Effekt schlägt zu.

Doch wenn ein System Bulimielernen belohnt, dann ist die logische Folge, dass Schüler, Studenten, aber auch Angestellte im Arbeitsleben sich nicht auf Lernmethoden fokussieren, die Verstehen fördern.

Und ich versteh es. Verständnis ist anstrengend. Ich selbst leide an chronischer Aufschieberitis, weshalb ich mich schon viel damit auseinandersetzte (und hier findest du 4 Tipps gegen Prokrastination).

Außerdem kostet Verstehen Zeit und Zeit ist immer knapp. Also hämmern wir uns Stoff ins Hirn, um ihn bald wieder zu vergessen. Damit betrügen wir uns selbst, denn: Aus mehreren Studien geht hervor, dass Auswendiglernen nur einen kurzfristigen Lernerfolg verspricht.

Beim Cramming 10 Minuten vor dem Test landen die Inhalte maximal im Kurzzeitgedächtnis. Dort sind sie frisch, weshalb es sich (für den geringen Zeitaufwand) wie eine gute Lernmethode anfühlt.

Ich sag das verdammt ungern, aber: Wenn du morgen einen Test schreibst, ist es tatsächlich keine schlechte Idee, den Stoff kurz vorher fast schon mechanisch zu wiederholen.

Aber Vorsicht:

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Was schnell kommt, geht auch wieder schnell.

In denselben Studien reichte schon eine einzige Woche aus, um den Großteil des Stoffes zu vergessen.

Denjenigen hingegen, die den Inhalt wirklich verstanden und langsamere Lernmethoden nutzten (z.B. Interleaving, Zusammenfassungen schreiben, Schaubilder erstellen, Selbsttests und die Feynman-Technik anwenden), passierte das nicht.

Quelle

Beck, H. (2021). Das neue Lernen heißt Verstehen (Ungekürzte Ausgabe, 1. Auflage). Ullstein. S. 48ff.

Willst du Wissen also nachhaltig ins Langzeitgedächtnis befördern, bringen dich Cramming und Nachtschichten nicht weiter.

Für viele Tests können kurzfristige Lernmethoden funktionieren. Doch je länger der Zeitraum ist, für den du Wissen im Kopf behalten musst, desto mehr Informationen musst du am Ende wieder auffrischen, wenn du nur paukst statt zu verstehen.

Was ich als Ausbilder über Auswendiglernen kapierte

Früher arbeitete ich als Ausbildungskoordinator für eines der größten Unternehmen in Deutschland. Ich war dafür zuständig, die Ausbildung für jährlich über 100 Auszubildende an 5 Standorten zu verbessern und auszubauen. Dazu gehörte natürlich auch die Organisation der Prüfungsvorbereitung.

In der Berufsschule hatten nur die wenigsten meiner Azubis schlechte Noten. Dort reichte es, sich kurzfristig auf eine Ex oder Schulaufgabe vorzubereiten.

Doch in der Folge vergaßen sie danach den Großteil des Gelernten. Für die Notenbildung im ersten Berufsschuljahr war das kein Problem. Vor ihrer Abschlussprüfung kamen sie allerdings mächtig ins Schwitzen.

Auf einmal bemerkten sie, dass sie den ganzen Stoff, den sie sich am Abend vor der Schulaufgabe reingeballert hatten, schon längst wieder vergessen hatten.

Jetzt mussten sie alles wieder aufzuholen. Drei Jahre Ausbildung 4 Wochen vor der Abschlussprüfung lernen? Ich verrat dir was.

Das funktioniert nicht.

Ein Großteil der Azubis, der in der Abschlussprüfung durchfiel, hatte schlichtweg zu spät angefangen zu lernen und dabei festgestellt, dass kaum noch etwas vorhanden ist, was sie irgendwann mal wussten.

Wenn ein Azubi wegen Prüfungsangst durchfiel, dann hat mir das wirklich weh getan. Aber wenn er durchrasselte, weil er dachte, dass er es mit Auswendiglernen retten kann, dann hat mich das wütend gemacht. Nicht nur auf den Azubi, weil ich wusste, dass er mehr kann.

Sondern vor allem auf das System, dass das Bulimielernen belohnt, wissenschaftlich widerlegte Lernmythen verbreitet und effektive Lernmethoden wie das Interleaving oder active Recall nicht ausreichend behandelt.

Verständnis ist der einzige Weg zu selbstständigem Denken

Warum gibt es so viele Auszubildende, die in der Berufsschule überzeugen, diese guten Leistungen allerdings nicht auf ihre Abschlussprüfungen übertragen können? Worüber ich mich lange Zeit wunderte, leuchtet mir heute ein:

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Die Schule belohnt kurzfristiges Lernen. Die Abschlussprüfung hingegen belohnt Verständnis.

Die Azubis, die Verständnis priorisieren, haben hintenraus nicht nur weniger Stress, sondern profitieren auch noch nach der Abschlussprüfung von ihrem Wissen.

Ergo: Wer schnell lernt, vergisst auch schnell. Wer sich hingegen Zeit nimmt und versteht, wird langfristig belohnt.

Reine Fakten zu kennen bedeutet noch lange nicht, sie zu verstehen. Und Wissen, das nach einer Ausbildung nicht mehr da ist, bringt dir überhaupt nichts. In einer Ausbildung zum Elektroniker oder Lokführer kann dir Verständnis sogar das Leben retten.

Und genau das ist das Problem an unserem Bildungssystem: Es belohnt immer noch das Pauken, Auswendig- und Bulimielernen, obwohl es Verständnis fördern sollte.

Das Ziel des Bildungssystems – wie ich es zumindest definiere – ist die Selbstbefähigung der Menschen. Zusammenhänge erkennen, kritisch Denken, Probleme lösen. All diese Fähigkeiten bilden die Grundlage für Selbstbefähigung.

Doch wenn wir Informationen gegenüber Verständnis priorisieren, dann befähigen wir niemanden. Du lernst lediglich auszuspucken, was dir Autoritäten vorgegeben und innerhalb eines vorgegebenen Rahmens zu funktionieren.

Die einzige Tatsache, die du so kapierst, ist, dass Verständnis nicht nötig ist, sondern nur die Note zählt. So wirst du zu einem Nebendarsteller in deinem eigenen Leben. Du wirst passiv. Du wirst gefügig. Das nennen Psychologen erlernte Hilflosigkeit.

Die einzige Lösung ist, das Verständnis wieder stärker in den Fokus deines Lebens zu rücken.

Noten lügen: Was dich Bulimielernen kostet.

Es ist mir egal, ob du die Mittelschule, eine Walldorfschule oder ein Gymnasium besucht hast; ob du 10 oder 12 Jahre, 6 oder 8 Semester für deinen Abschluss gebraucht hast.

Mich interessiert auch nicht, für welches Wissen du mal gute Noten bekommen hast. Das Meiste davon hast du eh schon wieder vergessen.

Wichtig ist, was du auf deinem Bildungsweg kapiert hast. Denn wer versteht, muss gelernt und das Gelernte angewendet haben. Doch wer nur lernt, hat noch lange nicht verstanden.

Eine Information ist nur so gut wie ihre Anwendung. Ein Seminar nur so gut wie die Veränderung, die es bewirkt. Ein Sachbuch nur so gut wie seine praktische Umsetzung.

Dein Erfolg im Leben bemisst sich nicht daran, ob du Informationen treffsicher auf ein Blatt Papier kotzen kannst. Dein Erfolg hängt davon ab, ob du Zusammenhänge erkennst, Probleme löst, Informationen kritisch hinterfragst und Wissen anwendest.

Kurzum: Dein Erfolg bemisst sich daran, ob du dein Leben so gestalten kannst, wie du es willst. Und wenn du dich nicht selbst befähigst, dann wirst du die Richtung, die dein Leben einschlägt, niemals bestimmen (oder zumindest beeinflussen).

Lernen ist nicht Pauken, sture Wiederholung oder Auswendiglernen. Es bedeutet nicht, das zu sagen, was der Professor hören will. Es geht viel mehr um persönliches Wachstum. Kontinuierlichen Fortschritt. Anpassung an eine sich immer rasanter verändernde Welt.

Denn wenn du lernst, Zusammenhänge zu verstehen, lernst du, dich auf die Zukunft einzustellen. Nur so funktioniert Selbstbefähigung.

Du bist nicht schuld daran, wenn du nicht weißt, wie du richtig lernst. Aber sobald du verstanden hast, wie es besser geht, trägst du die Verantwortung dafür, es anders zu machen.

Also nimm deine Bildung selbst in die Hand. Befähige dein zukünftiges Ich.

Falls du jetzt wissen willst, wie du jede Fähigkeit meisterst, lies meinen Artikel über deliberate practice.

Das Bildungssystem hat dir beigebracht zu pauken. Mein Blog zeigt dir, wie du selbstständig denkst. Für ein Leben nach deinen Vorstellungen.

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