Bloggen ist tot. Das höre ich jedes Jahr aufs Neue. Aber wer hat's getötet?
Als ich 2024 anfing zu bloggen, wollte ich Menschen Wissen vermitteln. Ich schrieb über die Fähigkeit, sich neu zu erfinden, warum sich Menschen an jede Herausforderung anpassen und wie sie so ihr Denken verändern.
Ich war überzeugt, dass mehr Menschen davon erfahren mussten. Doch als ich 2025 fleißig meine Artikel tippte, stellte ich fest, dass ich dafür wahrscheinlich die schlechteste Zeit gewählt hatte.
Bloggen ist tot – Problem #1: Marktsättigung.
Rechnet man alle Informationen aus TV, Radio und Print zusammen, las der durchschnittliche Mensch bereits 2007 ca. 174 Zeitungen am Tag.
Ich stelle mir einen gestressten Postboten vor, der jeden Tag 174 Zeitungen in meine Bude schleppt. Wie schnell versinkt meine Wohnung im Chaos? Aber digital saugen wir diese Informationen auf wie Swiffer.
Seit 2007 hat sich jedoch viel verändert. Im selben Jahr stellte Steve Jobs das iPhone vor. Instagram, Youtube und Spotify reichern seitdem unsere Informationskost an – in der Pause, in der U-Bahn und beim Kacken.
174 Zeitungen pro Tag reichen im Jahr 2026 wahrscheinlich nur noch für die Vorspeise. Deshalb verstehe ich auch, warum die Menschen kaum noch Blogs lesen.
Ein Blog malt mit weniger grellen Farben als Social Media und wer ihn lesen will, dreht dadurch den Lautstärkeregler der Onlinewelt weiter Richtung Anschlag.
Bloggen ist tot – Problem #2: Der neue Spieler.
2025 schlug dann auch noch Künstliche Intelligenz ein. Sie existierte natürlich schon vorher, aber der Hype erreichte ein völlig neues Level. Selbst Social Media musste sich warm anziehen.
2025 war das Jahr der Chatbots. GPT stieß TikTok zum ersten Mal vom Appstore-Thron. Außerdem fügte Google die hauseigene KI in die Suchfunktion ein – mit gravierenden Folgen.
Vor ein paar Wochen erzählte mir mein Bruder vor einem Knorkator-Konzert von der Seite stackoverflow.com. Früher die Adresse für Programmierer. Doch heute gerät die Seite in Vergessenheit. Wofür die Menschen früher Foren aufsuchten, wenden sie sich heute an Chatbots.
Wenn sich ein Blog nur um Informationen dreht, dann befindet sich der Traffic heute wahrscheinlich im Sturzflug: Die einen googeln, um die KI-Zusammenfassung zu lesen. Die anderen fragen einfach direkt ChatGPT, Gemini oder Claude.
Aber trotzdem glaube ich, dass Bloggen nicht tot ist.
Was ist ein Blog heute?
Mein Papa hat mir früher gerne Ratschläge gegeben, doch die Anzahl der Ratschläge, die ich wirklich befolgte, steht in keinerlei Verhältnis zu der Anzahl, die er mir erteilte.
Ich orientierte mich lieber an meinen Freunden, auch wenn das bedeutete, dass ich häufig auf die Schnauze flog und mein Papa im Nachgang die Situation zusammenfasste mit einem „Ich habs dir doch gesagt.“
Ratschläge fühlen sich selten gut an. Sie sind wie die Chefin, die einem sagt, dass es gut wäre, man würde die Aufgabe bis Freitag 15 Uhr erledigen. Nein, wirklich, es wäre SEHR GUT, wenn du das bis FREITAG 15 UHR ERLEDIGST.
Erfahrungen hingegen kommen eher von nebenan – auf Augenhöhe. Sie sind wie der Arbeitskollege beim Tratsch an der Kaffeemaschine, der seine Arbeit genauso vor sich herschiebt wie du.
Deshalb glaube ich, dass ein Blog heute vor allem dann überzeugt, wenn er Menschlichkeit vermittelt. So wie bei meinen Freunden früher. Ich konnte an ihren Problemen teilhaben, ihr Verhalten beobachten und helfen, wenn sie in der Scheiße steckten.
Und vielleicht ist ein guter Blog heutzutage genau so ein Freund, weißt du?
Ich weiß nicht, was das alles bedeutet, aber ich hab eine Meinung dazu.
Wir lesen Blogs nicht mehr, um zu wissen, was ist, sondern um zu verstehen, wie sich etwas anfühlt. Wissen hat immer noch einen Platz, nur weniger in Form von Fakten und Ratschlägen, sondern als spürbare Veränderung.
Auf diesem Weg wollen wir den Blogger ein Stück begleiten. Was treibt er diese Woche? Was probiert er aus? Was geht völlig schief? Was lernt er daraus?
In den über 20 Jahren, seitdem Blogs nun existieren, war es wahrscheinlich noch nie so schwer wie heute, eine erfolgreiche Homepage ins Leben zu rufen. Die technologischen Hürden sind riesig.
Trotzdem glaube ich, dass Blogs auch dieses Jahr überleben werden. Ein Blog stirbt 2026 nur, wenn er keine Menschlichkeit vermittelt, aber ohne Menschlichkeit stirbt ein Blog nicht.
Ohne Menschlichkeit hat er nie gelebt.
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