Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind, sondern auch die Zeit der Neujahrsvorsätze.
Die Bücherläden füllen sich mit self-help vom Feinsten. Die Motivationsvideos fluten Youtube und Coaches ködern dich mit dem Schlüssel zum erfolgreichsten Jahr deines Lebens.
Auch ich kann als Blogger die Finger nicht von diesem Thema lassen. Die Ironie ist mir bewusst. Aber keine Sorge, ich will dir hier nichts andrehen. Ich hab den Dreh nämlich selbst noch nicht so wirklich raus.
Vor allem im letzten Jahr erreichte ich meine Ziele ungefähr genauso zuverlässig wie die Deutsche Bahn ihre Pünktlichkeitsambitionen.
Aus diesem Grund gehe ich nun auf Kurskorrektur und will meine Ziele anders denken. Dafür werfe ich für 2025 einen Blick zurück. Vielleicht kannst auch du aus meinen Fehlern etwas lernen.
Inhaltsverzeichnis
- Meine größten Fehler 2024
- Warum ich an quantifizierten Zielen zweifele.
- Qualität statt Quantität
- Ziele anders denken: Tipps für den Alltag.
- 2025 wird das Jahr der Qualität.
- Quellen
Versetzen wir uns kurz ein Jahr zurück. Mein 2024-Ich sitzt an seinem Schreibtisch und denkt darüber nach, was es im neuen Jahr alles erreichen möchte.
Mehrere Bestleistungen im Fitnessstudio aufstellen, einen Marathon laufen, Schlagzeug lernen, ein Buch pro Woche lesen, mehrere Artikel pro Monat schreiben, vielleicht sogar ein Manuskript für ein eigenes Buch verfassen…
… und das alles in einem Jahr.
Bei meinem Rückblick springen mir sofort einige offensichtliche Fehler ins Auge:
Meine größten Fehler 2024
Zu viele Ziele
Es ist meinem 2024-Ich anzurechnen, dass es im Leben weiterkommen wollte und sich dafür Ziele gesetzt hat. Doch zu viel Ehrgeiz kann auch demotivieren.
Die individuellen Vorhaben waren nicht grundsätzlich verkehrt. Das Problem lag vor allem in ihrer Summe, wodurch einzelne Ziele wiederum unerreichbar wurden.
Unrealistische Ziele
Am Anfang des Jahres legte ich Lieder fest, die ich am Schlagzeug lernen wollte. Dabei hatte ich als Anfänger keine Ahnung, wie komplex manche dieser Songs sind.
Nicht nur in der Summe müssen Ziele realistisch sein. Sie wollen auch auf individueller Ebene durchdacht sein.
Unsichtbare Ziele
Ich schrieb meine Ziele in ein Notizbuch, das ich danach in einen Schrank legte. Den Rest des Jahres klappte ich es nicht mehr auf.
Diese Vorgehensweise hat keinerlei Sichtbarkeit. An die Hälfte meiner Ziele für 2024 konnte ich mich wahrscheinlich schon im Februar nicht mehr erinnern.
Quantitative Ziele
60 Minuten täglich, 3 Mal wöchentlich, 1 Lied pro Monat, 20 kg Steigerung in 3 Monaten, 1 Buch pro Woche - mein Notizbuch war gefüllt mit quantitativen Zielen.
Anhand der SMART-Regel (Ziele sollen spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert sein) versuchte ich, meine Vorsätze in möglichst viele Unterpunkte herunter zu brechen und dabei so spezifisch wie möglich zu sein.
Ich verlor mich in penibler Genauigkeit.
Warum ich an quantifizierten Zielen zweifele.
Unser Leben ist heutzutage stark quantifiziert. Im Job verfolgen wir Kennzahlen und werden an ihnen gemessen. Wir bewerten unsere Produktivität anhand der Menge erledigter Aufgaben oder beantworteter E-Mails.
Oft versuchen wir dabei, das Unquantifizierbare zu quantifizieren. Diese Logik übertragen wir mittlerweile auch auf unsere Freizeit.
Es ist ironisch, dass wir Freizeit als Abwesenheit von Arbeit konzipieren und dann die Anforderung der Arbeitswelt nach ständiger Produktivität auf genau die Zeit übertragen, die zur Erholung gedacht ist.
Nach dieser Logik rückt das quantifizierte Ziel zunehmend in den Vordergrund.
So wollen wir z.B. nicht lesen, sondern gelesen haben, um das Leseziel zu erreichen. Wir wollen nicht trainieren, sondern trainiert haben, um auf dem Foto gut auszusehen.
Wir leben für das um-zu, nicht für die Freude am Prozess.
Dabei vergessen wir, dass der Weg das Ziel ist. Bereitet dir der Weg keinen Spaß, drehst du irgendwann wieder um.
but in the end, no matter what I pretend
the journey is more important than the end or the start
- Linkin Park1
Das gilt auch für mich. Ich fokussiere mich in meinem Leben zu oft auf Quantität und betrachte meine Hobbys als to-dos.
Das will ich 2025 ändern. Ich nehme mir vor, meinen Hobbys wieder die verdiente Aufmerksamkeit zu schenken, dabei präsent zu bleiben und den Prozess zu genießen.
Dieses Jahr will ich meine Ziele anders denken. Statt für einzelne Vorsätze entscheide ich mich für ein übergeordnetes Motto:
Qualität statt Quantität
Das Motto bietet den Vorteil, dass ich es mir leicht merken kann. Statt mir zu viele spezifische Ziele zu merken, kann ich mir im Zweifel jederzeit eine einfache Frage stellen:
Was würde jemand gerade tun, der an Qualität und nicht an Quantität interessiert ist?
Dabei ermöglicht dieses Motto genügend Flexibilität, um spezifischere Ziele zu verfolgen. Der Maßstab ist nun jedoch ein anderer. Der Fokus liegt auf Qualität.
Doch wie lässt sich ein Motto in die Praxis umsetzen?
Ziele anders denken beim Schreiben
2021 war das erste Jahr, in dem ich mehr als 40 Bücher las. Am Ende des Jahres wusste ich jedoch von manchen Büchern noch ungefähr genau so viel, wie auf dem Klappentext steht. Quantität war in diesem Fall kein guter Maßstab für Verständnis oder Erinnerung.
Seit dieser Erkenntnis schreibe ich. Zunächst waren es nur kleinere Notizen. Heute sind es ganze Artikel. Das Schreiben dient nicht nur der besseren Erinnerung, sondern auch der Verknüpfung von Wissen. Darüber hinaus macht es mir schlicht und ergreifend Spaß.
Ich verwende für all meine Erstentwürfe Stift und Papier. In einer digitalen Welt wirkt das archaisch, erzeugt jedoch eine für mich notwendige Friktion. Ich muss überlegen, ob es mir eine Information wert ist, Stift und Notizbuch zu zücken.
Nicht zuletzt muss ich genauer nachdenken, bevor ich etwas schreibe, da ich es nicht so einfach ausbessern kann wie am Computer. Das verbessert sowohl die Qualität meiner Mitschriften als auch meiner Gedanken.
Das Schreiben verringert die Zeit, die mir für das Lesen zur Verfügung steht. Es verbessert jedoch die Auseinandersetzung mit der Lektüre - Qualität statt Quantität.
Ziele anders denken beim Lesen
Mein Jahresziel für gelesene Bücher stieg seit 2021 kontinuierlich an. Es schien mir unausweichlich, jedes Jahr mehr lesen zu müssen.
Besonders lange oder detaillierte Lektüren ließ ich außen vor. Zu groß war meine Angst etwas zu verpassen, wenn ich mich mehrere Wochen oder Monate mit nur einem Buch beschäftigte. Gegen Ende 2024 erwischte ich mich sogar dabei, wie ich absichtlich zu kurzen Büchern griff, nur um mein Leseziel zu erreichen.
Das ist absurd.
Dieses Jahr definiere ich deshalb keinerlei Mengenziele. Stattdessen entscheide ich mich für Kategorien, wie z.B. für das Römische Reich, Platon oder Klassik.
Kategorien erlauben mir eine gewisse Breite, um meine Interessen abzudecken, stärken allerdings den Fokus auf Tiefe. Das Ziel ist Verständnis, nicht Quantität.
Dabei schränke ich mich nicht zu sehr ein und lasse mir die Freiheit, Bücher außer der Reihe zu lesen. Doch am Ende des Jahres will ich mich mit einigen wenigen Themen auskennen - Qualität statt Quantität.
Ziele anders denken beim Sport
Ich trainiere gerne. Ich mag es, wenn die Muskeln brennen. Ich mag es, meinen Körper zu bewegen und spüre deutlich, wie sich meine Stimmung während des Trainings, aber auch danach bessert. Bewegung bedeutet für mich Leben.
Im Alltag hake ich das Training oft einfach ab, statt seine Effekte zu genießen. Deshalb möchte ich mich dieses Jahr wieder daran zurückerinnern, wofür ich Sport mache.
Ich werde mich mehr auf die Ausführung konzentrieren und die Übungen langsam und technisch möglichst korrekt ausführen. Die Gewichte sind mir dabei egal.
Ich bleibe beim Training präsent. Ich lasse mein Smartphone zu Hause. Die Stunde Training am Tag gehört meinem Körper. In dieser Zeit verpasse ich nichts.
Technologische Gadgets können das Training sinnvoll ergänzen. Oft sind sie jedoch auch eine Ablenkung und richten den Blick zu sehr auf das Messbare.
Trotz des Zugewinns an Informationen durch smarte Technologien dürfen wir das Gefühl für unsere Körper nicht verlieren - Qualität statt Quantität.
Falls du 2025 mit dem Sport beginnen möchtest, dann lies hier, wie du es dir einfach machst.
Ziele anders denken: Tipps für den Alltag.
Die wichtigsten Lektionen aus dem letzten Jahr habe ich dir hier zusammengefasst:
Tipp Nr. 1: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Ziele müssen auf individueller Ebene, aber auch in ihrer Gesamtheit umsetzbar sein.Tipp Nr. 2: Schreib dir deine Ziele an einem Ort auf, an dem du sie sehen kannst. Ein Whiteboard ist eine gute Idee. Ein Zettel an einer Wand neben deinem Schreibtisch tut es aber auch.Tipp Nr. 3: Bleib präsent. Schaff dir eine Umgebung, in der du bei der Sache bleiben kannst. Wenn du Apps verwendest, um deine Ziele zu verfolgen, dann sei vorsichtig, dass du dich nicht von all dem Lärm auf deinem Smartphone ablenken lässt.Tipp Nr. 4: Alte Verhaltensweisen sind hartnäckig. Du änderst dich nicht von heute auf morgen, nur weil es die Jahreszahl vormacht. Gib dir Zeit, neues Verhalten zu etablieren.Tipp Nr. 5: Nimm dir nicht zu viel vor. Transformation benötigt keine großen Taten, sondern oftmals lediglich kleine, ganz alltägliche Verhaltensänderungen.Tipp Nr. 6: Wenn du dich auf Qualität fokussieren willst, übertreib es nicht. Mach deine Sache gut, nicht perfekt, sonst kommst du nicht in Bewegung.Tipp Nr. 7: Bleib realistisch. Nicht alles wird so laufen, wie du es dir vorstellst. Du landest am Ende des Jahres wahrscheinlich irgendwo zwischen deinen höchsten Erwartungen und deinen niedrigsten Ansprüchen.Tipp Nr. 8: Sei nachsichtig mit dir selbst. Fehlschläge sind Teil des Prozesses und verraten oft mehr über dich als ein Erfolg.
Tu, was du kannst, mit dem, was du hast - mehr brauchst du nicht - Rick Rubin2
2025 wird das Jahr der Qualität.
Ich entscheide mich dieses Jahr für Qualität statt Quantität.
Ein Fokus auf Qualität bedeutet für mich bewusst zu leben. Genau diese Bedeutung hat für mich auch das Zitat von H.D. Thoreau, das ich dir am Ende dieses Artikels mit auf den Weg geben möchte:
Ich ging in die Wälder, weil ich bewusst leben wollte. Ich wollte das Dasein auskosten. Ich wollte das Mark des Lebens einsaugen!
Und alles fortwerfen, das kein Leben barg, um nicht an meinem Todestag innezuwerden, daß ich nie gelebt hatte - H.D. Thoreau3
Wie wirst du dieses Jahr leben?