Das Buch Fight Club ist totale Anarchie. Genau deshalb liebe ich es. Chuck Palahniuk hat mit diesem Werk eines meiner Lieblingsbücher geschaffen.

Auf den knapp 200 Seiten Chaos erwarten dich ein paar zeitlose Erkenntnisse. Vier davon stelle ich dir hier vor.

Das ist die Fight Club Philosophie.

VORSICHT: Es folgen kleinere Spoiler, die der Hauptgeschichte aber nichts vorwegnehmen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Fight Club Philosophie #1: Das Hamsterrad bewältigen.
  2. Fight Club Philosophie #2: Die Sinnkrise überwinden.
  3. Fight Club Philosophie #3: Goldene Ketten ablegen.
  4. Fight Club Philosophie #4: Nihilismus überstehen.

Fight Club Philosophie #1: Das Hamsterrad bewältigen.

Du erlernst einen Beruf. Du übst ihn aus. Tag für Tag drückst du Knöpfe und ziehst an Hebeln. Oder du füllst Formulare aus und beantwortest eine Unmenge an E-Mails. Du bist immer beschäftigt.

Du fragst dich, ob das alles ist. Stunde um Stunde gleitet dir das Leben aus den Händen. Es läuft dir durch die Hände wie Sand. Der Tod kommt schleichend, bis er plötzlich vor dir steht.

So in etwa beginnt das Buch Fight Club. Für viele Menschen ist diese Darstellung die Realität der Erwerbsarbeit - vielleicht auch für dich. Du verbringst ungefähr die Hälfte deiner Wachzeit mit deinem Job, sofern du in Vollzeit arbeitest.

Dabei wäre es realitätsfern, wenn ich davon ausginge, dass dein Beruf auch deine Berufung ist. In dem Buch Bullshit-Jobs schreibt der Autor David Graeber, dass rund 37 % der Befragten einer Studie in ihrem Beruf keinerlei Mehrwert erkennen. 13 % waren sich darüber unsicher. Nach dieser Studie ist also nur jeder zweite Beschäftigte vom Wert seiner Arbeit für die Gesellschaft überzeugt.

Kann sich das wirklich wie Berufung anfühlen?

Das Gefühl der Belanglosigkeit des eigenen Lebens verbindet auch die Männer, die dem Fight Club beitreten. Sie fühlen sich in ihrem Alltag gefangen. Sie wollen ihm entkommen. Sie suchen nicht einfach nur nach Gewalt. Die körperliche Extremsituation eines Kampfes dient ihnen lediglich der Selbsterfahrung – der Flucht aus der Taubheit des Alltags.

Durch ihre Mitgliedschaft im Fight Club haben sie plötzlich ein Ziel vor Augen. Sie fangen an abzunehmen. Sie stärken ihren Körper. Sie verbessern ihre Fähigkeiten im Kampf.

Der Fight Club vermittelt ihnen Selbstwirksamkeit und zeigt ihnen dadurch, dass sie ihr Leben meistern können. Sie lösen sich aus der Passivität und beginnen damit, ihre Zukunft aktiv mitzugestalten.

Sie lernen eine wichtige Lektion: Das Leben gibt dir zurück, was du investiert. Du musst also die Veränderung, die du dir wünscht, selbst herbeiführen.

Veränderung ist schmerzhaft. Viele Menschen verändern sich nie. Doch Veränderung ist notwendig, wenn du mit deinem aktuellen Zustand unzufrieden bist.

Niemand verlangt, dass du dein Leben von heute auf morgen auf den Kopf stellst. Du musst auch nicht versuchen, die Welt in Anarchie zu stürzen, so wie es der Erzähler aus Fight Club macht, denn das Problem ist nicht die Welt. An ihr kannst du nichts ändern - an dir schon.

Viele Menschen arbeiten ihr Leben lang in einem Job, den sie hassen, statt sich auch nur einen Tag für ein Leben einzusetzen, das sie wirklich führen wollen. Das ist die Bequemlichkeitsfalle. Das ist das Hamsterrad.

Du kannst das Hamsterrad überwinden. Du kannst das Leben führen, das du haben möchtest. Du musst dir dafür nicht die Zähne ausschlagen lassen oder die Welt in Anarchie stürzen. Doch du wirst einen Teil von dir zurücklassen müssen.

Veränderung beginnt und endet bei dir. Welchen Tod bist du bereit dafür zu sterben?

Fight Club Philosophie #2: Die Sinnkrise überwinden.

Wir haben ein zwiespältiges Verhältnis zu unserer Arbeit. Zum einen ziehen wir unseren Selbstwert aus unserem Job. Fragt dich jemand "Was machst du?", dann antwortest du in der Regel mit deiner Stellenbeschreibung, nicht mit deinem Hobby. Zum anderen gibt es genug Menschen, die ihren Job nicht leiden können und sich nichts sehnlicher wünschen als finanzielle Freiheit.

Wie viel Genugtuung du aus deinem Job ziehst, hängt unter anderem mit dem wahrgenommenen Mehrwert zusammen, den dein Beruf für die Gesellschaft leistet. Doch nicht alle Jobs sind unter diesem Aspekt gleichwertig.

Ein Negativbeispiel hierfür findest du in Fight Club. Der Erzähler arbeitet als Rückrufkoordinator für einen namhaften Automobilhersteller. Ähnlich wie manchmal Lebensmittel oder Medikamente aufgrund unvorhergesehener Nebenwirkungen oder Unverträglichkeiten zurückgeholt werden, prüft der Erzähler, ob sich der Rückruf einer fehlerhaften Autoserie finanziell rechnet.

Dahinter steht eine einfache Kalkulation: Erwartet der Hersteller, dass der finanzielle Schaden einer erfolgreichen Klage größer ist als die Kosten einer Rückrufaktion, dann wird die produzierte Serie zurückgeholt. Verursacht eine Rückrufaktion jedoch höhere Kosten als eine Strafzahlung, dann passiert - richtig geraten - gar nichts.

Die Menschen, die in einem Verkehrsunfall sterben, weil ihre Bremse nicht richtig funktioniert hat und das Auto nicht zurückgerufen wurde, haben in so einem Fall schlicht und ergreifend Pech. Ihr Leben hat sich einfach nicht gerechnet.

Nach David Graeber handelt es sich bei dem Job des Erzählers um einen Bullshit-Job. Darunter versteht Graeber eine Tätigkeit gegen Entgelt, die sinnlos, unnötig oder sogar schädlich ist und die nicht einmal von der ausübenden Person gerechtfertigt werden kann.

Auch im echten Leben begegnen uns solche Bullshit-Jobs. Der Sinn einiger Berufe in der Werbeindustrie besteht lediglich darin, eine Nachfrage für Produkte zu erzeugen, die niemand wirklich braucht. Sind die grundlegenden Bedürfnisse einer Gesellschaft nämlich gedeckt, sehen sich Unternehmen dazu angehalten, eine zusätzliche Nachfrage erzeugen zu müssen, wenn sie weiterhin Profit machen wollen.

Das beste Beispiel hierfür ist der aktuelle Hype um die Dubai-Schokolade. Während die Inflation unseren Geldbeutel frisst, rennen die Menschen den Läden die Türen ein, um eine maßlos überteuerte Schokolade zu kaufen. Neben unserer eigenen Dummheit haben wir das vor allem der Werbeindustrie und einigen Influencern zu verdanken.

Dort jedoch, wo die Menschen täglich um ihre Existenz ringen, haben derartige Produkte keine Existenzberechtigung. Sie sind Schlangenöl. Somit sind auch die Berufe überflüssig, die diese Produkte bewerben.

Gemäß Graebers Definition sind manche der Jobs in der Werbeindustrie sogar schädlich. Um Produkte verkaufen zu können, weisen Werbespots die Menschen nicht selten auf ihre Unzulänglichkeiten hin. Deine Haut könnte schöner sein. Hier hast du das passende Produkt! Du hast nicht genug Freunde. Hier hast du die passende App!

Dabei werden Produkte und ihre Wirkung oftmals kräftig beschönigt. Werbung erzeugt somit nicht nur ein negatives Selbstbild beim Konsumenten, sondern versucht ihn auch bewusst zu täuschen und zum Kauf zu manipulieren.

Nicht alle Jobs sind gleichwertig. Viele richten mehr Schaden an, als dass sie Gutes für unsere Gesellschaft bewirken. Manche Jobs sind sogar so verwerflich, dass sie das Geld, das du mit ihnen verdienen kannst, schlicht und ergreifend nicht wert sind.

Für welchen Job wirst du dich entscheiden?

Fight Club Philosophie #3: Goldene Ketten ablegen.

Ich glaube mein Postbote hat PTBS. Er schaut mich immer so entsetzt an, wenn er mich sieht. Aber ich schwöre, dass ich dieses Jahr brav war. Das muss also an meinen Nachbarn liegen. Die haben ihn zum Black Friday vor zwei Wochen mal wieder ganz schön schleppen lassen.

Ich versteh es - ehrlich. Ich bin nicht besser. Diese Rabatte sind so verdammt verlockend.

Du kennst das wahrscheinlich auch. Ein neuer Fernseher muss her. Der Alte ist einfach zu klein. Neue Klamotten sind auch mal wieder notwendig. Der Kleiderschrank platzt zwar aus allen Nähten, aber in dem Fummel vom letzten Jahr kann ich mich doch heute nicht mehr zeigen. Apropos: Ich brauch einen neuen Kleiderschrank. Ach und mein iPhone ist auch schon ein Jahr alt. Es wird doch einen Grund geben, warum Apple die Dinger jedes Jahr neu rausbringt.

Die Werbeindustrie behandelt uns wie Esel und hält unserer Hoffnung auf ein erfülltes Leben die sprichwörtliche Karotte vor die Nase. Sie lässt uns kontinuierlich nach den neuesten Trends jagen - und wir fallen darauf rein. Nur noch diese eine Sache, dann sind wir zufrieden.

Wir denken viel darüber nach, was wir uns als nächstes kaufen. Zu wenig überlegen wir uns dabei, wie die Zufriedenheit, die wir mit diesen Produkten erreichen wollen, eigentlich aussieht. Deshalb kaufen wir einfach weiter. Wir kaufen uns in einen Rausch. Wir jagen Konsum statt Sinn. Unser Besitz wächst. Unsere Zufriedenheit bleibt aber irgendwo auf der Strecke.

Als ich damals aus meinem WG-Zimmer auszog, war ich entsetzt, wie viel Mist auf 14 m2 Platz findet. Parkinsons Gesetz besagt, dass sich die Komplexität einer Aufgabe auf die für sie zur Verfügung stehenden Zeit ausdehnt. Mein Gesetz hingegen besagt, dass sich die Menge des persönlichen Besitzes stets auf den ihm zur Verfügung stehenden Raum ausdehnt.

Stehen dir 14 m2 zur Verfügung, dann hast du bald genauso viel Besitz. Steigst du auf eine 60 m2 Wohnung um, weil dir das Zimmer mittlerweile zu klein geworden ist, dann hast du bald 60 m2 Besitz. Und wenn du dir dann ein Haus kaufst, dann hoffe ich, dass du darin alt werden kannst und sich deine Erben um deine Hinterlassenschaften kümmern müssen. Ansonsten wünsche ich dir viel Spaß beim Umzug.

Das Problem dabei ist nicht der Besitz selbst, sondern die Folge. Um dir all die schönen Dinge leisten zu können, brauchst du eine Einnahmequelle. Je mehr du kaufst, desto mehr musst du verdienen. Doch denk bloß nicht, dass ein höheres Einkommen deine Probleme löst. Je mehr du verdienst, desto teurer werden deine Spielzeuge und desto mehr musst du wiederum arbeiten.

Auf einmal arbeitest du für deinen Besitz. Es ist ein ewiger Kreislauf. Es ist ein Fass ohne Boden. Die Dinge, die du besitzt, besitzen irgendwann dich.

Fight Club zeigt dir, dass dein Bedürfnis nach mehr Besitz keine Quelle der Zufriedenheit ist. Die Anzahl an Personen auf unserem Planeten, die durch mehr Geld, mehr Macht oder mehr Besitz wahrhaftig zu besseren Menschen werden, ist enorm klein.

Dieser ständige Kaufimpuls beraubt dich letztendlich deiner Freiheit. Alles, was du kaufst, muss erst verdient werden. Der Ware Preis einer Sache ist deine Lebenszeit.

Der Lebensinhalt mancher Menschen besteht lediglich aus ihren Impulsen, Dinge kaufen und besitzen zu wollen. Das muss nicht so sein. Du musst nicht so sein.

Du bist mehr als dein Besitz.

Hör auf, kurzfristige Bedürfnisbefriedigung mit langfristiger Lebenszufriedenheit zu verwechseln.

Fight Club Philosophie #4: Nihilismus überstehen.

Der Erzähler in Fight Club stellt sein Leben und die Welt um sich herum komplett auf den Kopf. Er lässt seine Wohnung, seinen Job, sein gesamtes Leben zurück.

Er will sich von sämtlichen Fesseln lösen und trifft dabei immer wieder harte Urteile über unsere Gesellschaft. Im letzten Kapitel kommt er jedoch zu einer einfachen, aber wichtigen Erkenntnis.

Die meisten Leben sind nichts besonderes. Sie bestehen vor allem aus ganz alltäglichen Dingen. Sie sind nicht besonders gut, aber auch nicht besonders schlecht.

Sie sind.

Viele von uns versuchen einfach nur durch den Tag zu kommen. Wir haben uns unsere Existenz nicht ausgesucht und müssen sie trotzdem bewältigen. Doch nur, weil wir existieren, sind wir trotz all der Probleme, die wir verursachen, weder besonders gut noch böse.

Wir sind.

Ultimativ geht es in Fight Club also darum, den Nihilismus zu überwinden, der unsere Existenz so oft begleitet. Was hat das Leben für einen Sinn?

Die Antwort des Erzählers auf diese Frage wäre wahrscheinlich ganz einfach:

Der Sinn des Lebens ist das Sein.