# Markus Dotzler Blog > Schreib dein eigenes Skript. Hier geht es um Arbeit, Sinn & persönliches Wachstum. Mit Psychologie und Philosophie im Rücken. Für ein Leben nach deinen Regeln. Public Ghost content for AI and LLM tooling. This file includes a bounded export of public pages first, then recent public posts. Append `.md` to any post or page URL to get the content in Markdown (for example, `/example-post.md`). ## Pages ### Blog URL: https://www.markusdotzler.de/blog/ Last updated: 2026-07-29T15:13:24.000Z Willkommen auf meinem Blog. Hier veröffentliche ich seit Dezember 2024 regelmäßig Artikel. Starte am einfachsten mit dem aktuellen Artikel ganz oben. Alternativ kannst du meine Favoriten filtern, indem du auf „empfohlene Artikel“ klickst. Viel Spaß beim Lesen. ### Tags URL: https://www.markusdotzler.de/tags/ Last updated: 2026-04-08T13:08:12.000Z Hier findest du all meine Tags. Filter meine Artikel nach den Themen, die dich interessieren – Fokus, Wachstum, bewusste Lebensführung und Persönliches. ### Mitgliedschaft URL: https://www.markusdotzler.de/plans/ Last updated: 2026-01-16T14:27:10.000Z _No content available._ ### Anmelden URL: https://www.markusdotzler.de/signin/ Last updated: 2026-01-16T14:36:39.000Z _No content available._ ### Registrieren URL: https://www.markusdotzler.de/signup/ Last updated: 2026-01-16T14:36:56.000Z _No content available._ ### Über mich URL: https://www.markusdotzler.de/about/ Last updated: 2026-08-03T12:51:58.000Z ![Markus Dotzler, the owner of www.markusdotzler.de, wearing a black jacket and carrying a camera](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/05/Foto-.webp) Du funktionierst. Aber lebst du auch? Ich kenne diese Frage, weil ich jahrelang mit ihn lebte. Bis ich irgendwann meinen sicheren Job kündigte – ohne Anschlussbeschäftigung, ohne Plan B, ohne Einkommen. ## Wer ich bin Hi, ich bin Markus, Blogger und mittlerweile auch [Content Creator auf Youtube](https://www.youtube.com/@markusdotzler?ref=markusdotzler.de). Fünf Jahre lang arbeitete ich als [Ausbildungskoordinator](https://de.linkedin.com/in/markusdotzler?ref=markusdotzler.de) für eines der größten deutschen Unternehmen und war jährlich für über 100 Auszubildende an insgesamt 5 Standorten in ganz Bayern zuständig. Nebenbei schrieb ich meine Masterarbeit im Bereich Human Ressource Management (*was für ein schreckliches Wort*) über soziale Beschleunigung und wie sich digitale Technologien auf unsere Gesundheit auswirken und erwarb 2023 meinen Master of Arts. Meine Lehrer in der Schule hätten meinen Abschluss damals nicht für möglich gehalten, denn ich war [nie ein guter Schüler](https://www.markusdotzler.de/kein-talent/): laut, verhaltensauffällig, unruhig. Meine Neugier trieb mich überall hin, aber nie dorthin, wo mich andere haben wollten. Lange Zeit dachte ich, mit mir stimmt etwas nicht. Doch heute verstehe ich, dass ich meiner Neugier viel früher hätte vertrauen sollen. ## Was dieser Blog ist Dieser Blog ist meine Einladung an dich, den Standardpfad zu verlassen und herauszufinden, wohin dich deine Neugier treibt. Über 30 Jahre lang habe ich mich nicht getraut, dieser Stimme zu folgen. Doch damit ist Schluss. Ein Blog, ein Ziel: ***Nie wieder NPC im eigenen Leben sein.*** Der NPC folgt einem fremden Skript. Hier schreiben wir unser eigenes. Denn ich bin überzeugt: Jeder Mensch braucht eine **Heldenreise** – zumindest eine kleine. Und ich hoffe sehr, dass ich dir mit diesem Blog helfen kann, deine eigene Reise zu starten. ## Wie dir dieser Blog aus dem Autopiloten hilft Der erste Grundsatz ist, dass ich meinen Lesern mit [psychologischer](https://www.markusdotzler.de/tag/psychologie/) und [philosophischer](https://www.markusdotzler.de/tag/philosophie/) Tiefe helfe. Wenn du Listicles und schnelle Anleitungen suchst, bist du hier falsch. Der zweite Grund, dass ich über das schreibe, was ich herausfinde, *während* ich es herausfinde. Das bedeutet, dass ich dich mitnehme, statt dir nur das glänzende Ergebnis zu präsentieren. Der dritte Grundsatz ist, dass ich dir auch meine Misserfolge zeige. Denn ich glaube daran, dass andere von mir lernen können, wenn ich zeige, wie ich stolpere. ## Was dieser Blog nicht ist Bitte erwarte hier keine Anleitungen. Es gibt keinen Masterplan fürs Leben. Wer dir das erzählt, lügt dich an, weil es sich gut verkauft. Ich kenne nicht alle Antworten. Aber vielleicht stelle ich die richtigen Fragen. Drei Dinge kannst du von mir erwarten: 1. **Kein Gurusprech.** Ich verkaufe dir keine Formeln. Ich würde dich nicht ernst nehmen, wenn ich das täte. 2. **Keine Highlight-Reels.** Ich zeige dir nicht einfach nur, was gut aussieht, sondern vor allem das, was ich falsch mache und daraus lerne. 3. **Selbstständiges Denken.** Meine Artikel sind eine Einladung zum Nachdenken – auch für mich: Kein Text, den ich dir sende, ist KI-generiert. ## Du willst dabei sein? Ich schreibe, wenn ich etwas herausgefunden habe. Nicht öfter. So steigst du ein*:* 1. Lies meinen aktuellen Artikel. 2. Entscheide, ob er dich weiterbringt. 3. Abonniere meinen Newsletter, um dran zu bleiben. ## Über welche Themen ich schreibe All meine Kategorien findest du auf meiner [Tag-Übersicht](https://www.markusdotzler.de/tags/). Mit diesen Themen und Artikeln kannst du starten: [Arbeit & Sinn](https://www.markusdotzler.de/tag/arbeit-sinn/): Wofür arbeiten wir? Und wie finden wir berufliche Erfüllung? Meine mit Abstand beliebtesten Artikel in dieser Kategorie: - [Warum Hustle Culture toxisch ist](https://www.markusdotzler.de/warum-hustle-culture-toxisch-ist/) - [Wie ich selbst unter toxischer Produktivität litt](https://www.markusdotzler.de/produktivitaetsluege/) Außerdem stelle ich mich folgenden Fragen: - [Ist berufliche Erfüllung ein Privileg?](https://www.markusdotzler.de/berufliche-erfuellung-ist-kein-luxus/) - [Warum kündigen wir nicht, obwohl wir unseren Job hassen?](https://www.markusdotzler.de/unzufrieden-im-job-nicht-kuendigen/) [**Fokus**](https://www.markusdotzler.de/tag/fokus/)**:** Moderne [Technologien](https://www.markusdotzler.de/tag/tech/) kämpfen um deine Aufmerksamkeit. Hier schreibe ich für alle, die ihren Verstand behalten möchten. Meine beliebtesten Artikel helfen dir dabei, - dein [Gehirn vor Information Overload zu retten](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/), - zu verstehen, warum [Fokus heute die wichtigste Fähigkeit ist](https://www.markusdotzler.de/warum-fokus-wichtig-ist/) und - zu durchblicken, wie [Konzerne deine Willenskraft ausnutzen](https://www.markusdotzler.de/warum-willenskraft-scheitert/). [**Wachstum**](https://www.markusdotzler.de/tag/wachstum/)**:** Hier schreibe ich über persönliche Entwicklung, [menschliches Lernen](https://www.markusdotzler.de/tag/lernen/) und wie wir an Herausforderungen wachsen. Meine beliebtesten Artikel helfen dir dabei, - [Prokrastination zu besiegen](https://www.markusdotzler.de/prokrastination-ueberwinden/), - [Selbstüberschätzung zu vermeiden](https://www.markusdotzler.de/dunning-kruger-effekt/) und - zu verstehen, warum sich dein[ Körper an jede Herausforderung anpasst](https://www.markusdotzler.de/homoeostase/). [Tech](https://www.markusdotzler.de/tag/tech/) & [Content Creation](https://www.markusdotzler.de/tag/content-creation/): Während ich mich in Tech kritisch mit AI, Social Media und ihren Auswirkungen auf unsere Gesellschaft beschäftige, schreibe ich in Content Creation über alles, was ich als Blogger und Youtuber lerne. Du findest Artikel darüber, [wie sich KI auf unsere Selbstwirksamkeit auswirkt](https://www.markusdotzler.de/selbstwirksamkeit-staerken/), aber auch schonungslos ehrliche Artikel, was ich auf meinem [Blog schon alles verbockt](https://www.markusdotzler.de/blog-nicht-bei-google-gefunden/) habe. Das neueste Projekt sind meine [Randnotizen](https://www.markusdotzler.de/tag/readings/). Dabei handelt es sich um Auseinandersetzungen mit Büchern, Autoren und ihren Ideen. Ich teile meine Meinungen, Erkenntnisse, aber auch meine schriftlichen Notizen. Interesse? Fang hier an: - [Wie dir Friedrich Nietzsche Aphorismen den Kopf umkrempeln](https://www.markusdotzler.de/readings/nietzsche-froehliche-wissenschaft-interpretation/) - [Wie berufliche Veränderung ohne klares Ziel funktioniert](https://www.markusdotzler.de/readings/pathless-path-paul-millerd-deutsch/) ## Du möchtest mich kontaktieren? Schreib mir 'ne E-Mail: [E-Mail senden ](mailto:markus@markusdotzler.de?subject=E-Mail-Anfrage%20an%20www.markusdotzler.de) ### Datenschutzerklärung URL: https://www.markusdotzler.de/datenschutz/ Last updated: 2026-09-14T08:53:01.000Z ## Präambel Mit der folgenden Datenschutzerklärung möchten wir Sie darüber aufklären, welche Arten Ihrer personenbezogenen Daten (nachfolgend auch kurz als "Daten" bezeichnet) wir zu welchen Zwecken und in welchem Umfang verarbeiten. Die Datenschutzerklärung gilt für alle von uns durchgeführten Verarbeitungen personenbezogener Daten, sowohl im Rahmen der Erbringung unserer Leistungen als auch insbesondere auf unseren Webseiten, in mobilen Applikationen sowie innerhalb externer Onlinepräsenzen, wie z. B. unserer Social-Media-Profile (nachfolgend zusammenfassend bezeichnet als "Onlineangebot"). Unser Onlineangebot enthält Links zu externen Websites. Beim Aufruf dieser Websites gelten die Datenschutzbestimmungen der jeweiligen Anbieter; auf deren Datenverarbeitung haben wir keinen Einfluss. Die verwendeten Begriffe sind nicht geschlechtsspezifisch. Stand: 4\. August 2026 ## Verantwortlicher Markus Dotzler c/o Online-Impressum 11009 Europaring 90 53757 Sankt Augustin E-Mail-Adresse: [markus@markusdotzler.de](mailto:markus@markusdotzler.de) Impressum: ## Übersicht der Verarbeitungen Die nachfolgende Übersicht fasst die Arten der verarbeiteten Daten und die Zwecke ihrer Verarbeitung zusammen und verweist auf die betroffenen Personen. ### Arten der verarbeiteten Daten - Bestandsdaten. - Kontaktdaten. - Inhaltsdaten. - Vertragsdaten. - Nutzungsdaten. - Meta-, Kommunikations- und Verfahrensdaten. - Protokolldaten. ### Kategorien betroffener Personen - Interessenten. - Kommunikationspartner. - Nutzer. - Teilnehmer. ### Zwecke der Verarbeitung - Erbringung vertraglicher Leistungen und Erfüllung vertraglicher Pflichten. - Kommunikation. - Sicherheitsmaßnahmen. - Direktmarketing. - Reichweitenmessung. - Tracking. - Zielgruppenbildung. - Affiliate-Nachverfolgung. - Organisations- und Verwaltungsverfahren. - Feedback. - Marketing. - Bereitstellung unseres Onlineangebotes und Nutzerfreundlichkeit. - Informationstechnische Infrastruktur. - Öffentlichkeitsarbeit und Informationszwecke. - Öffentlichkeitsarbeit. ## Maßgebliche Rechtsgrundlagen **Maßgebliche Rechtsgrundlagen nach der DSGVO:** Im Folgenden erhalten Sie eine Übersicht der Rechtsgrundlagen der DSGVO, auf deren Basis wir personenbezogene Daten verarbeiten. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass neben den Regelungen der DSGVO nationale Datenschutzvorgaben in Ihrem bzw. unserem Wohn- oder Sitzland gelten können. Sollten ferner im Einzelfall speziellere Rechtsgrundlagen maßgeblich sein, teilen wir Ihnen diese in der Datenschutzerklärung mit. - **Einwilligung (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. a) DSGVO)** \- Die betroffene Person hat ihre Einwilligung in die Verarbeitung der sie betreffenden personenbezogenen Daten für einen spezifischen Zweck oder mehrere bestimmte Zwecke gegeben. - **Vertragserfüllung und vorvertragliche Anfragen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. b) DSGVO)** \- Die Verarbeitung ist für die Erfüllung eines Vertrags, dessen Vertragspartei die betroffene Person ist, oder zur Durchführung vorvertraglicher Maßnahmen erforderlich, die auf Anfrage der betroffenen Person erfolgen. - **Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO)** \- die Verarbeitung ist zur Wahrung der berechtigten Interessen des Verantwortlichen oder eines Dritten notwendig, vorausgesetzt, dass die Interessen, Grundrechte und Grundfreiheiten der betroffenen Person, die den Schutz personenbezogener Daten verlangen, nicht überwiegen. **Nationale Datenschutzregelungen in Deutschland:** Zusätzlich zu den Datenschutzregelungen der DSGVO gelten nationale Regelungen zum Datenschutz in Deutschland. Hierzu gehört insbesondere das Gesetz zum Schutz vor Missbrauch personenbezogener Daten bei der Datenverarbeitung (Bundesdatenschutzgesetz – BDSG). Das BDSG enthält insbesondere Spezialregelungen zum Recht auf Auskunft, zum Recht auf Löschung, zum Widerspruchsrecht, zur Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten, zur Verarbeitung für andere Zwecke und zur Übermittlung sowie automatisierten Entscheidungsfindung im Einzelfall einschließlich Profiling. Ferner können Landesdatenschutzgesetze der einzelnen Bundesländer zur Anwendung gelangen. **Geltung der Datenschutzvorgaben im Sitzland:** In dem Land, in dem der Verantwortliche seinen Sitz hat, gelten neben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) auch nationale Datenschutzvorschriften. ## Sicherheitsmaßnahmen Wir treffen nach Maßgabe der gesetzlichen Vorgaben unter Berücksichtigung des Stands der Technik, der Implementierungskosten und der Art, des Umfangs, der Umstände und der Zwecke der Verarbeitung sowie der unterschiedlichen Eintrittswahrscheinlichkeiten und des Ausmaßes der Bedrohung der Rechte und Freiheiten natürlicher Personen geeignete technische und organisatorische Maßnahmen, um ein dem Risiko angemessenes Schutzniveau zu gewährleisten. Zu den Maßnahmen gehören insbesondere die Sicherung der Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Daten durch Kontrolle des physischen und elektronischen Zugangs zu den Daten als auch des sie betreffenden Zugriffs, der Eingabe, der Weitergabe, der Sicherung der Verfügbarkeit und ihrer Trennung. Des Weiteren haben wir Verfahren eingerichtet, die eine Wahrnehmung von Betroffenenrechten, die Löschung von Daten und Reaktionen auf die Gefährdung der Daten gewährleisten. Ferner berücksichtigen wir den Schutz personenbezogener Daten bereits bei der Entwicklung bzw. Auswahl von Hardware, Software sowie Verfahren entsprechend dem Prinzip des Datenschutzes, durch Technikgestaltung und durch datenschutzfreundliche Voreinstellungen. Sicherung von Online-Verbindungen durch TLS-/SSL-Verschlüsselungstechnologie (HTTPS): Um die Daten der Nutzer, die über unsere Online-Dienste übertragen werden, vor unerlaubten Zugriffen zu schützen, setzen wir auf die TLS-/SSL-Verschlüsselungstechnologie. Secure Sockets Layer (SSL) und Transport Layer Security (TLS) sind die Eckpfeiler der sicheren Datenübertragung im Internet. Diese Technologien verschlüsseln die Informationen, die zwischen der Website oder App und dem Browser des Nutzers (oder zwischen zwei Servern) übertragen werden, wodurch die Daten vor unbefugtem Zugriff geschützt sind. TLS, als die weiterentwickelte und sicherere Version von SSL, gewährleistet, dass alle Datenübertragungen den höchsten Sicherheitsstandards entsprechen. Wenn eine Website durch ein SSL-/TLS-Zertifikat gesichert ist, wird dies durch die Anzeige von HTTPS in der URL signalisiert. Dies dient als ein Indikator für die Nutzer, dass ihre Daten sicher und verschlüsselt übertragen werden. ## Übermittlung von personenbezogenen Daten Im Rahmen unserer Verarbeitung von personenbezogenen Daten kommt es vor, dass diese an andere Stellen, Unternehmen, rechtlich selbstständige Organisationseinheiten oder Personen übermittelt beziehungsweise ihnen gegenüber offengelegt werden. Zu den Empfängern dieser Daten können z. B. mit IT-Aufgaben beauftragte Dienstleister gehören oder Anbieter von Diensten und Inhalten, die in eine Website eingebunden sind. In solchen Fällen beachten wir die gesetzlichen Vorgaben und schließen insbesondere entsprechende Verträge bzw. Vereinbarungen, die dem Schutz Ihrer Daten dienen, mit den Empfängern Ihrer Daten ab. Datenübermittlung innerhalb der Organisation: Wir können personenbezogene Daten an andere Abteilungen oder Einheiten innerhalb unserer Organisation übermitteln oder ihnen den Zugriff darauf gewähren. Sofern die Datenweitergabe zu administrativen Zwecken erfolgt, beruht sie auf unseren berechtigten unternehmerischen und betriebswirtschaftlichen Interessen oder erfolgt, sofern sie zur Erfüllung unserer vertragsbezogenen Verpflichtungen erforderlich ist beziehungsweise wenn eine Einwilligung der Betroffenen oder eine gesetzliche Erlaubnis vorliegt. ## Allgemeine Informationen zur Datenspeicherung und Löschung Wir löschen personenbezogene Daten, die wir verarbeiten, gemäß den gesetzlichen Bestimmungen, sobald die zugrundeliegenden Einwilligungen widerrufen werden oder keine weiteren rechtlichen Grundlagen für die Verarbeitung bestehen. Dies betrifft Fälle, in denen der ursprüngliche Verarbeitungszweck entfällt oder die Daten nicht mehr benötigt werden. Ausnahmen von dieser Regelung bestehen, wenn gesetzliche Pflichten oder besondere Interessen eine längere Aufbewahrung oder Archivierung der Daten erfordern. Insbesondere müssen Daten, die aus handels- oder steuerrechtlichen Gründen aufbewahrt werden müssen oder deren Speicherung notwendig ist zur Rechtsverfolgung oder zum Schutz der Rechte anderer natürlicher oder juristischer Personen, entsprechend archiviert werden. Unsere Datenschutzhinweise enthalten zusätzliche Informationen zur Aufbewahrung und Löschung von Daten, die speziell für bestimmte Verarbeitungsprozesse gelten. Bei mehreren Angaben zur Aufbewahrungsdauer oder Löschungsfristen eines Datums, ist stets die längste Frist maßgeblich. Daten, die nicht mehr für den ursprünglich vorgesehenen Zweck, sondern aufgrund gesetzlicher Vorgaben oder anderer Gründe aufbewahrt werden, verarbeiten wir ausschließlich zu den Gründen, die ihre Aufbewahrung rechtfertigen. Aufbewahrung und Löschung von Daten: Die folgenden allgemeinen Fristen gelten für die Aufbewahrung und Archivierung nach deutschem Recht: - 10 Jahre - Aufbewahrungsfrist für Bücher und Aufzeichnungen, Jahresabschlüsse, Inventare, Lageberichte, Eröffnungsbilanz sowie die zu ihrem Verständnis erforderlichen Arbeitsanweisungen und sonstigen Organisationsunterlagen (§ 147 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. Abs. 3 AO, § 14b Abs. 1 UStG, § 257 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. Abs. 4 HGB). - 8 Jahre - Buchungsbelege, wie z. B. Rechnungen und Kostenbelege (§ 147 Abs. 1 Nr. 4 und 4a i.V.m. Abs. 3 Satz 1 AO sowie § 257 Abs. 1 Nr. 4 i.V.m. Abs. 4 HGB). - 6 Jahre - Übrige Geschäftsunterlagen: empfangene Handels- oder Geschäftsbriefe, Wiedergaben der abgesandten Handels- oder Geschäftsbriefe, sonstige Unterlagen, soweit sie für die Besteuerung von Bedeutung sind, z. B. Stundenlohnzettel, Betriebsabrechnungsbögen, Kalkulationsunterlagen, Preisauszeichnungen, aber auch Lohnabrechnungsunterlagen, soweit sie nicht bereits Buchungsbelege sind und Kassenstreifen (§ 147 Abs. 1 Nr. 2, 3, 5 i.V.m. Abs. 3 AO, § 257 Abs. 1 Nr. 2 u. 3 i.V.m. Abs. 4 HGB). - 3 Jahre - Daten, die erforderlich sind, um potenzielle Gewährleistungs- und Schadensersatzansprüche oder ähnliche vertragliche Ansprüche und Rechte zu berücksichtigen sowie damit verbundene Anfragen zu bearbeiten, basierend auf früheren Geschäftserfahrungen und üblichen Branchenpraktiken, werden für die Dauer der regulären gesetzlichen Verjährungsfrist von drei Jahren gespeichert (§§ 195, 199 BGB). Fristbeginn mit Ablauf des Jahres: Beginnt eine Frist nicht ausdrücklich zu einem bestimmten Datum und beträgt sie mindestens ein Jahr, so startet sie automatisch am Ende des Kalenderjahres, in dem das fristauslösende Ereignis eingetreten ist. Im Fall laufender Vertragsverhältnisse, in deren Rahmen Daten gespeichert werden, ist das fristauslösende Ereignis der Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Kündigung oder sonstige Beendigung des Rechtsverhältnisses. ## Rechte der betroffenen Personen Rechte der betroffenen Personen aus der DSGVO: Ihnen stehen als Betroffene nach der DSGVO verschiedene Rechte zu, die sich insbesondere aus Art. 15 bis 21 DSGVO ergeben: - **Widerspruchsrecht: Sie haben das Recht, aus Gründen, die sich aus Ihrer besonderen Situation ergeben, jederzeit gegen die Verarbeitung der Sie betreffenden personenbezogenen Daten, die aufgrund von Art. 6 Abs. 1 lit. e oder f DSGVO erfolgt, Widerspruch einzulegen; dies gilt auch für ein auf diese Bestimmungen gestütztes Profiling. Werden die Sie betreffenden personenbezogenen Daten verarbeitet, um Direktwerbung zu betreiben, haben Sie das Recht, jederzeit Widerspruch gegen die Verarbeitung der Sie betreffenden personenbezogenen Daten zum Zwecke derartiger Werbung einzulegen; dies gilt auch für das Profiling, soweit es mit solcher Direktwerbung in Verbindung steht.** - **Widerrufsrecht bei Einwilligungen:** Sie haben das Recht, erteilte Einwilligungen jederzeit zu widerrufen. - **Auskunftsrecht:** Sie haben das Recht, eine Bestätigung darüber zu verlangen, ob betreffende Daten verarbeitet werden und auf Auskunft über diese Daten sowie auf weitere Informationen und Kopie der Daten entsprechend den gesetzlichen Vorgaben. - **Recht auf Berichtigung:** Sie haben entsprechend den gesetzlichen Vorgaben das Recht, die Vervollständigung der Sie betreffenden Daten oder die Berichtigung der Sie betreffenden unrichtigen Daten zu verlangen. - **Recht auf Löschung und Einschränkung der Verarbeitung:** Sie haben nach Maßgabe der gesetzlichen Vorgaben das Recht, zu verlangen, dass Sie betreffende Daten unverzüglich gelöscht werden, bzw. alternativ nach Maßgabe der gesetzlichen Vorgaben eine Einschränkung der Verarbeitung der Daten zu verlangen. - **Recht auf Datenübertragbarkeit:** Sie haben das Recht, Sie betreffende Daten, die Sie uns bereitgestellt haben, nach Maßgabe der gesetzlichen Vorgaben in einem strukturierten, gängigen und maschinenlesbaren Format zu erhalten oder deren Übermittlung an einen anderen Verantwortlichen zu fordern. - **Beschwerde bei Aufsichtsbehörde:** Sie haben unbeschadet eines anderweitigen verwaltungsrechtlichen oder gerichtlichen Rechtsbehelfs das Recht auf Beschwerde bei einer Aufsichtsbehörde, insbesondere in dem Mitgliedstaat ihres gewöhnlichen Aufenthaltsorts, ihres Arbeitsplatzes oder des Orts des mutmaßlichen Verstoßes, wenn Sie der Ansicht sind, dass die Verarbeitung der Sie betreffenden personenbezogenen Daten gegen die Vorgaben der DSGVO verstößt. ## Bereitstellung des Onlineangebots und Webhosting Wir verarbeiten die Daten der Nutzer, um ihnen unsere Online-Dienste zur Verfügung stellen zu können. Zu diesem Zweck verarbeiten wir die IP-Adresse des Nutzers, die notwendig ist, um die Inhalte und Funktionen unserer Online-Dienste an den Browser oder das Endgerät der Nutzer zu übermitteln. - **Verarbeitete Datenarten:** Nutzungsdaten (z. B. Seitenaufrufe und Verweildauer, Klickpfade, Nutzungsintensität und -frequenz, verwendete Gerätetypen und Betriebssysteme, Interaktionen mit Inhalten und Funktionen); Meta-, Kommunikations- und Verfahrensdaten (z. B. IP-Adressen, Zeitangaben, Identifikationsnummern, beteiligte Personen); Protokolldaten (z. B. Logfiles betreffend Logins oder den Abruf von Daten oder Zugriffszeiten.). Inhaltsdaten (z. B. textliche oder bildliche Nachrichten und Beiträge sowie die sie betreffenden Informationen, wie z. B. Angaben zur Autorenschaft oder Zeitpunkt der Erstellung). - **Betroffene Personen:** Nutzer (z. B. Webseitenbesucher, Nutzer von Onlinediensten). - **Zwecke der Verarbeitung und berechtigte Interessen:** Bereitstellung unseres Onlineangebotes und Nutzerfreundlichkeit; Informationstechnische Infrastruktur (Betrieb und Bereitstellung von Informationssystemen und technischen Geräten (Computer, Server etc.)). Sicherheitsmaßnahmen. - **Aufbewahrung und Löschung:** Löschung entsprechend Angaben im Abschnitt "Allgemeine Informationen zur Datenspeicherung und Löschung". - **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO). **Weitere Hinweise zu Verarbeitungsprozessen, Verfahren und Diensten:** - **Bereitstellung Onlineangebot auf gemietetem Speicherplatz:** Für die Bereitstellung unseres Onlineangebotes nutzen wir Speicherplatz, Rechenkapazität und Software, die wir von einem entsprechenden Serveranbieter (auch "Webhoster" genannt) mieten oder anderweitig beziehen; **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO). - **Erhebung von Zugriffsdaten und Logfiles:** Der Zugriff auf unser Onlineangebot wird in Form von sogenannten "Server-Logfiles" protokolliert. Zu den Serverlogfiles können die Adresse und der Name der abgerufenen Webseiten und Dateien, Datum und Uhrzeit des Abrufs, übertragene Datenmengen, Meldung über erfolgreichen Abruf, Browsertyp nebst Version, das Betriebssystem des Nutzers, Referrer URL (die zuvor besuchte Seite) und im Regelfall IP-Adressen und der anfragende Provider gehören. Die Serverlogfiles können zum einen zu Sicherheitszwecken eingesetzt werden, z. B. um eine Überlastung der Server zu vermeiden (insbesondere im Fall von missbräuchlichen Angriffen, sogenannten DDoS-Attacken), und zum anderen, um die Auslastung der Server und ihre Stabilität sicherzustellen; **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO). **Löschung von Daten:** Logfile-Informationen werden für die Dauer von maximal 30 Tagen gespeichert und danach gelöscht oder anonymisiert. Daten, deren weitere Aufbewahrung zu Beweiszwecken erforderlich ist, sind bis zur endgültigen Klärung des jeweiligen Vorfalls von der Löschung ausgenommen. - **E-Mail-Versand und -Hosting:** Die von uns in Anspruch genommenen Webhosting-Leistungen umfassen ebenfalls den Versand, den Empfang sowie die Speicherung von E-Mails. Zu diesen Zwecken werden die Adressen der Empfänger sowie Absender als auch weitere Informationen betreffend den E-Mailversand (z. B. die beteiligten Provider) sowie die Inhalte der jeweiligen E-Mails verarbeitet. Die vorgenannten Daten können ferner zu Zwecken der Erkennung von SPAM verarbeitet werden. Wir bitten darum, zu beachten, dass E-Mails im Internet grundsätzlich nicht verschlüsselt versendet werden. Im Regelfall werden E-Mails zwar auf dem Transportweg verschlüsselt, aber (sofern kein sogenanntes Ende-zu-Ende-Verschlüsselungsverfahren eingesetzt wird) nicht auf den Servern, von denen sie abgesendet und empfangen werden. Wir können daher für den Übertragungsweg der E-Mails zwischen dem Absender und dem Empfang auf unserem Server keine Verantwortung übernehmen; **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO). - **Content-Delivery-Network:** Wir setzen ein "Content-Delivery-Network" (CDN) ein. Ein CDN ist ein Dienst, mit dessen Hilfe Inhalte eines Onlineangebotes, insbesondere große Mediendateien, wie Grafiken oder Programm-Skripte, mit Hilfe regional verteilter und über das Internet verbundener Server schneller und sicherer ausgeliefert werden können; **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO). - **Magic Pages:** Managed Ghost-Webhosting sowie Versand von E-Mails und Newslettern; **Dienstanbieter:** Jannis Fedoruk-Betschki, Wiesingerstraße 2, 4820 Bad Ischl, Österreich; **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO); **Website:** [https://www.magicpages.co](https://www.magicpages.co/?ref=markusdotzler.de); **Datenschutzerklärung:**[https://www.magicpages.co/legal/privacy/](https://www.magicpages.co/legal/privacy/?ref=markusdotzler.de). **Auftragsverarbeitungsvertrag:** Mit dem Anbieter wurde ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO geschlossen. **Eingesetzte Unterauftragsverarbeiter:** Hetzner Online GmbH (Serverbetrieb und Datenspeicherung, Deutschland), Cloudflare, Inc. (CDN, DNS und Web Application Firewall, EU/USA), Mailgun Technologies, Inc. (Versand von Transaktions- und Newsletter-E-Mails, EU/USA). - **Hetzner:** Serverbetrieb und Datenspeicherung; **Dienstanbieter:** Hetzner Online GmbH, Industriestr. 25, 91710 Gunzenhausen, Deutschland; **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO); **Website:** [https://www.hetzner.com](https://www.hetzner.com/?ref=markusdotzler.de); **Datenschutzerklärung:**[https://www.hetzner.com/de/rechtliches/datenschutz/](https://www.hetzner.com/de/rechtliches/datenschutz/?ref=markusdotzler.de). **Serverstandort:** Deutschland. - **Cloudflare:** Content-Delivery-Network, DNS-Auflösung und Web Application Firewall; **Dienstanbieter:**Cloudflare, Inc., 101 Townsend St., San Francisco, CA 94107, USA; **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO); **Website:** [https://www.cloudflare.com](https://www.cloudflare.com/?ref=markusdotzler.de); **Datenschutzerklärung:**[https://www.cloudflare.com/privacypolicy/](https://www.cloudflare.com/privacypolicy/?ref=markusdotzler.de); **Grundlage Drittlandtransfers:** Standardvertragsklauseln (EU Data Processing Addendum des Anbieters). - **Web-Analyse:** Wir werten aus, wie unser Onlineangebot genutzt wird, insbesondere wie häufig einzelne Seiten und Beiträge aufgerufen werden und über welche Quelle Besucher zu uns gelangen. Die Erhebung erfolgt ausschließlich über unsere eigene Domain und ohne Cookies oder eine vergleichbare Speicherung im Browser; eine geräte- oder sitzungsübergreifende Wiedererkennung einzelner Personen findet nicht statt. Besuche werden innerhalb eines Zeitfensters von 24 Stunden zusammengefasst gezählt. Bei angemeldeten Mitgliedern wird zusätzlich die interne Mitgliedskennung erfasst. Die Verarbeitung findet auf der Infrastruktur unseres Hosters in Rechenzentren innerhalb der Europäischen Union statt; eine Weitergabe an Dritte zu Werbezwecken erfolgt nicht; **Zwecke der Verarbeitung:** Reichweitenmessung, Verbesserung unserer Inhalte; **Rechtsgrundlagen:**Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO). ## Registrierung, Anmeldung und Nutzerkonto Nutzer können ein Nutzerkonto anlegen. Im Rahmen der Registrierung werden den Nutzern die erforderlichen Pflichtangaben mitgeteilt und zu Zwecken der Bereitstellung des Nutzerkontos auf Grundlage vertraglicher Pflichterfüllung verarbeitet. Zu den verarbeiteten Daten gehören insbesondere die Login-Informationen (Nutzername, Passwort sowie eine E-Mail-Adresse). Im Rahmen der Inanspruchnahme unserer Registrierungs- und Anmeldefunktionen sowie der Nutzung des Nutzerkontos speichern wir die IP-Adresse und den Zeitpunkt der jeweiligen Nutzerhandlung. Die Speicherung erfolgt auf Grundlage unserer berechtigten Interessen als auch jener der Nutzer an einem Schutz vor Missbrauch und sonstiger unbefugter Nutzung. Eine Weitergabe dieser Daten an Dritte erfolgt grundsätzlich nicht, es sei denn, sie ist zur Verfolgung unserer Ansprüche erforderlich oder es besteht eine gesetzliche Verpflichtung hierzu. Die Nutzer können über Vorgänge, die für deren Nutzerkonto relevant sind, wie z. B. technische Änderungen, per E-Mail informiert werden. - **Verarbeitete Datenarten:** Bestandsdaten (z. B. der vollständige Name, Wohnadresse, Kontaktinformationen, Kundennummer, etc.); Kontaktdaten (z. B. Post- und E-Mail-Adressen oder Telefonnummern); Inhaltsdaten (z. B. textliche oder bildliche Nachrichten und Beiträge sowie die sie betreffenden Informationen, wie z. B. Angaben zur Autorenschaft oder Zeitpunkt der Erstellung); Nutzungsdaten (z. B. Seitenaufrufe und Verweildauer, Klickpfade, Nutzungsintensität und -frequenz, verwendete Gerätetypen und Betriebssysteme, Interaktionen mit Inhalten und Funktionen). Protokolldaten (z. B. Logfiles betreffend Logins oder den Abruf von Daten oder Zugriffszeiten.). - **Betroffene Personen:** Nutzer (z. B. Webseitenbesucher, Nutzer von Onlinediensten). - **Zwecke der Verarbeitung und berechtigte Interessen:** Erbringung vertraglicher Leistungen und Erfüllung vertraglicher Pflichten; Sicherheitsmaßnahmen; Organisations- und Verwaltungsverfahren. Bereitstellung unseres Onlineangebotes und Nutzerfreundlichkeit. - **Aufbewahrung und Löschung:** Löschung entsprechend Angaben im Abschnitt "Allgemeine Informationen zur Datenspeicherung und Löschung". Löschung nach Kündigung. - **Rechtsgrundlagen:** Vertragserfüllung und vorvertragliche Anfragen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. b) DSGVO). Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO). **Weitere Hinweise zu Verarbeitungsprozessen, Verfahren und Diensten:** - **Registrierung mit Pseudonymen:** Nutzer dürfen statt Klarnamen Pseudonyme als Nutzernamen verwenden; **Rechtsgrundlagen:** Vertragserfüllung und vorvertragliche Anfragen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. b) DSGVO). - **Profile der Nutzer sind nicht öffentlich:** Die Profile der Nutzer sind öffentlich nicht sichtbar und nicht zugänglich. - **Löschung von Daten nach Kündigung:** Wenn Nutzer ihr Nutzerkonto gekündigt haben, werden deren Daten im Hinblick auf das Nutzerkonto, vorbehaltlich einer gesetzlichen Erlaubnis, Pflicht oder Einwilligung der Nutzer, gelöscht; **Rechtsgrundlagen:** Vertragserfüllung und vorvertragliche Anfragen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. b) DSGVO). - **Keine Aufbewahrungspflicht für Daten:** Es obliegt den Nutzern, ihre Daten bei erfolgter Kündigung vor dem Vertragsende zu sichern. Wir sind berechtigt, sämtliche während der Vertragsdauer gespeicherte Daten des Nutzers unwiederbringlich zu löschen; **Rechtsgrundlagen:** Vertragserfüllung und vorvertragliche Anfragen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. b) DSGVO). ## Community Funktionen Die von uns bereitgestellten Community Funktionen erlauben es Nutzern miteinander in Konversationen oder sonst miteinander in einen Austausch zu treten. Hierbei bitten wir zu beachten, dass die Nutzung der Communityfunktionen nur unter Beachtung der geltenden Rechtslage, unserer Bedingungen und Richtlinien sowie der Rechte anderer Nutzer und Dritter gestattet ist. - **Verarbeitete Datenarten:** Bestandsdaten (z. B. der vollständige Name, Wohnadresse, Kontaktinformationen, Kundennummer, etc.). Nutzungsdaten (z. B. Seitenaufrufe und Verweildauer, Klickpfade, Nutzungsintensität und -frequenz, verwendete Gerätetypen und Betriebssysteme, Interaktionen mit Inhalten und Funktionen). - **Betroffene Personen:** Nutzer (z. B. Webseitenbesucher, Nutzer von Onlinediensten). - **Zwecke der Verarbeitung und berechtigte Interessen:** Erbringung vertraglicher Leistungen und Erfüllung vertraglicher Pflichten; Sicherheitsmaßnahmen. Bereitstellung unseres Onlineangebotes und Nutzerfreundlichkeit. - **Aufbewahrung und Löschung:** Löschung entsprechend Angaben im Abschnitt "Allgemeine Informationen zur Datenspeicherung und Löschung". - **Rechtsgrundlagen:** Vertragserfüllung und vorvertragliche Anfragen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. b) DSGVO). Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO). **Weitere Hinweise zu Verarbeitungsprozessen, Verfahren und Diensten:** - **Beiträge der Nutzer sind öffentlich:** Die von Nutzern erstellten Beiträge und Inhalte sind öffentlich sichtbar und zugänglich; **Rechtsgrundlagen:** Vertragserfüllung und vorvertragliche Anfragen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. b) DSGVO). - **Schutz eigener Daten:** Die Nutzer entscheiden selbst, welche Daten sie über sich innerhalb unseres Onlineangebotes preisgeben. Zum Beispiel, wenn Nutzer Angaben zur eigenen Person machen oder an Konversationen teilnehmen. Wir bitten die Nutzer ihre Daten zu schützen und persönliche Daten nur mit Bedacht und nur im erforderlichen Umfang zu veröffentlichen. Insbesondere bitten wir die Nutzer zu beachten, dass sie die Zugangsdaten ganz besonders schützen und sichere Passwörter verwenden müssen (d. h. vor allem möglichst lange und zufällige Zeichenkombinationen); **Rechtsgrundlagen:** Vertragserfüllung und vorvertragliche Anfragen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. b) DSGVO). ## Blogs und Publikationsmedien Wir nutzen Blogs oder vergleichbare Mittel der Onlinekommunikation und Publikation (nachfolgend "Publikationsmedium"). Die Daten der Leser werden für die Zwecke des Publikationsmediums nur insoweit verarbeitet, als es für dessen Darstellung und die Kommunikation zwischen Autoren und Lesern oder aus Gründen der Sicherheit erforderlich ist. Im Übrigen verweisen wir auf die Informationen zur Verarbeitung der Besucher unseres Publikationsmediums im Rahmen dieser Datenschutzhinweise. - **Verarbeitete Datenarten:** Bestandsdaten (z. B. der vollständige Name, Wohnadresse, Kontaktinformationen, Kundennummer, etc.); Kontaktdaten (z. B. Post- und E-Mail-Adressen oder Telefonnummern); Inhaltsdaten (z. B. textliche oder bildliche Nachrichten und Beiträge sowie die sie betreffenden Informationen, wie z. B. Angaben zur Autorenschaft oder Zeitpunkt der Erstellung); Nutzungsdaten (z. B. Seitenaufrufe und Verweildauer, Klickpfade, Nutzungsintensität und -frequenz, verwendete Gerätetypen und Betriebssysteme, Interaktionen mit Inhalten und Funktionen). Meta-, Kommunikations- und Verfahrensdaten (z. B. IP-Adressen, Zeitangaben, Identifikationsnummern, beteiligte Personen). - **Betroffene Personen:** Nutzer (z. B. Webseitenbesucher, Nutzer von Onlinediensten). - **Zwecke der Verarbeitung und berechtigte Interessen:** Feedback (z. B. Sammeln von Feedback via Online-Formular); Bereitstellung unseres Onlineangebotes und Nutzerfreundlichkeit; Sicherheitsmaßnahmen. Organisations- und Verwaltungsverfahren. - **Aufbewahrung und Löschung:** Löschung entsprechend Angaben im Abschnitt "Allgemeine Informationen zur Datenspeicherung und Löschung". - **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO). **Weitere Hinweise zu Verarbeitungsprozessen, Verfahren und Diensten:** - **Kommentare und Beiträge:** Wenn Nutzer Kommentare oder sonstige Beiträge hinterlassen, können ihre IP-Adressen auf Grundlage unserer berechtigten Interessen gespeichert werden. Das erfolgt zu unserer Sicherheit, falls jemand in Kommentaren und Beiträgen widerrechtliche Inhalte hinterlässt (Beleidigungen, verbotene politische Propaganda etc.). In diesem Fall können wir selbst für den Kommentar oder Beitrag belangt werden und sind daher an der Identität des Verfassers interessiert.Des Weiteren behalten wir uns vor, auf Grundlage unserer berechtigten Interessen die Angaben der Nutzer zwecks Spamerkennung zu verarbeiten.Auf derselben Rechtsgrundlage behalten wir uns vor, im Fall von Umfragen die IP-Adressen der Nutzer für deren Dauer zu speichern und Cookies zu verwenden, um Mehrfachabstimmungen zu vermeiden.Die im Rahmen der Kommentare und Beiträge mitgeteilten Informationen zur Person, etwaige Kontakt- sowie Webseiteninformationen als auch die inhaltlichen Angaben werden von uns bis zum Widerspruch der Nutzer dauerhaft gespeichert; **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO). - **Profilbilder von Gravatar:** Profilbilder - Wir setzen innerhalb unseres Onlineangebotes und insbesondere im Blog den Dienst Gravatar ein.Gravatar ist ein Dienst, bei dem sich Nutzer anmelden und Profilbilder und ihre E-Mail-Adressen hinterlegen können. Wenn Nutzer mit der jeweiligen E-Mail-Adresse auf anderen Onlinepräsenzen (vor allem in Blogs) Beiträge oder Kommentare hinterlassen, können deren Profilbilder neben den Beiträgen oder Kommentaren dargestellt werden. Hierzu wird die von den Nutzern mitgeteilte E-Mail-Adresse an Gravatar zwecks Prüfung, ob zu ihr ein Profil gespeichert ist, verschlüsselt übermittelt. Dies ist der einzige Zweck der Übermittlung der E-Mail-Adresse. Sie wird nicht für andere Zwecke verwendet, sondern danach gelöscht.Die Nutzung von Gravatar erfolgt auf Grundlage unserer berechtigten Interessen, da wir mit Hilfe von Gravatar den Beitrags- und Kommentarverfassern die Möglichkeit bieten, ihre Beiträge mit einem Profilbild zu personalisieren.Durch die Anzeige der Bilder bringt Gravatar die IP-Adresse der Nutzer in Erfahrung, da dies für eine Kommunikation zwischen einem Browser und einem Onlineservice notwendig ist. Wenn Nutzer nicht möchten, dass ein mit ihrer E-Mail-Adresse bei Gravatar verknüpftes Benutzerbild in den Kommentaren erscheint, sollten sie zum Kommentieren eine E-Mail-Adresse nutzen, welche nicht bei Gravatar hinterlegt ist. Wir weisen ferner darauf hin, dass es auch möglich ist eine anonyme oder gar keine E-Mail-Adresse zu verwenden, falls die Nutzer nicht wünschen, dass die eigene E-Mail-Adresse an Gravatar übersendet wird. Nutzer können die Übertragung der Daten komplett verhindern, indem sie unser Kommentarsystem nicht nutzen; **Dienstanbieter:** Aut O’Mattic A8C Irland Ltd., Grand Canal Dock, 25 Herbert Pl, Dublin, D02 AY86, Irland; **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO); **Website:**[https://automattic.com](https://automattic.com/?ref=markusdotzler.de); **Datenschutzerklärung:** [https://automattic.com/privacy](https://automattic.com/privacy?ref=markusdotzler.de); **Auftragsverarbeitungsvertrag:** Wird vom Dienstanbieter bereitgestellt. **Grundlage Drittlandtransfers:** Data Privacy Framework (DPF), Standardvertragsklauseln (Werden vom Dienstanbieter bereitgestellt). ## Newsletter und elektronische Benachrichtigungen Wir versenden Newsletter, E-Mails und weitere elektronische Benachrichtigungen (nachfolgend „Newsletter") ausschließlich mit der Einwilligung der Empfänger oder aufgrund einer gesetzlichen Grundlage. Sofern im Rahmen einer Anmeldung zum Newsletter dessen Inhalte genannt werden, sind diese Inhalte für die Einwilligung der Nutzer maßgeblich. Für die Anmeldung zu unserem Newsletter ist normalerweise die Angabe Ihrer E-Mail-Adresse ausreichend. Um Ihnen jedoch einen personalisierten Service bieten zu können, bitten wir gegebenenfalls um die Angabe Ihres Namens für eine persönliche Ansprache im Newsletter oder um weitere Informationen, falls diese für den Zweck des Newsletters notwendig sind. Löschung und Einschränkung der Verarbeitung: Wir können die ausgetragenen E-Mail-Adressen bis zu drei Jahren auf Grundlage unserer berechtigten Interessen speichern, bevor wir sie löschen, um eine ehemals gegebene Einwilligung nachweisen zu können. Die Verarbeitung dieser Daten wird auf den Zweck einer potenziellen Abwehr von Ansprüchen beschränkt. Ein individueller Löschungsantrag ist jederzeit möglich, sofern zugleich das ehemalige Bestehen einer Einwilligung bestätigt wird. Im Fall von Pflichten zur dauerhaften Beachtung von Widersprüchen behalten wir uns die Speicherung der E-Mail-Adresse alleine zu diesem Zweck in einer Sperrliste (sogenannte „Blocklist") vor. Die Protokollierung des Anmeldeverfahrens erfolgt auf Grundlage unserer berechtigten Interessen zum Zweck des Nachweises seines ordnungsgemäßen Ablaufs. Soweit wir einen Dienstleister mit dem Versand von E-Mails beauftragen, erfolgt dies auf Grundlage unserer berechtigten Interessen an einem effizienten und sicheren Versandsystem. **Inhalte:** Persönlicher wöchentlicher Newsletter mit eigenen Beobachtungen, kuratierten Empfehlungen (z. B. Buch, Text, Musik, Film) sowie Hinweisen auf neue Beiträge auf markusdotzler.de. - **Verarbeitete Datenarten:** Bestandsdaten (z. B. der vollständige Name, Wohnadresse, Kontaktinformationen, Kundennummer, etc.); Kontaktdaten (z. B. Post- und E-Mail-Adressen oder Telefonnummern); Meta-, Kommunikations- und Verfahrensdaten (z. B. IP-Adressen, Zeitangaben, Identifikationsnummern, beteiligte Personen). Nutzungsdaten (z. B. Seitenaufrufe und Verweildauer, Klickpfade, Nutzungsintensität und -frequenz, verwendete Gerätetypen und Betriebssysteme, Interaktionen mit Inhalten und Funktionen). - **Betroffene Personen:** Kommunikationspartner. - **Zwecke der Verarbeitung und berechtigte Interessen:** Direktmarketing (z. B. per E-Mail oder postalisch). - **Rechtsgrundlagen:** Einwilligung (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. a) DSGVO). Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO). - **Widerspruchsmöglichkeit (Opt-Out):** Sie können den Empfang unseres Newsletters jederzeit kündigen, d. .h. Ihre Einwilligungen widerrufen, bzw. dem weiteren Empfang widersprechen. Einen Link zur Kündigung des Newsletters finden Sie entweder am Ende eines jeden Newsletters oder können sonst eine der oben angegebenen Kontaktmöglichkeiten, vorzugswürdig E-Mail, hierzu nutzen. **Weitere Hinweise zu Verarbeitungsprozessen, Verfahren und Diensten:** - **Mailgun:** Versand von Transaktions-E-Mails und Newslettern; **Dienstanbieter:** Mailgun Technologies, Inc., 112 E Pecan St #1135, San Antonio, TX 78205, USA; **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO); **Website:** [https://www.mailgun.com](https://www.mailgun.com/?ref=markusdotzler.de); **Datenschutzerklärung:**[https://www.mailgun.com/legal/privacy-policy/](https://www.mailgun.com/legal/privacy-policy/?ref=markusdotzler.de); **Grundlage Drittlandtransfers:** Standardvertragsklauseln (Data Processing Agreement des Anbieters). Der Dienst wird über unseren Hoster Magic Pages als Unterauftragsverarbeiter eingesetzt. - **Messung von Öffnungs- und Klickraten:** Unsere Newsletter enthalten eine Zählmarke in Form einer kleinen, nicht sichtbaren Bilddatei. Wird der Newsletter geöffnet, ruft Ihr E-Mail-Programm diese Datei vom Server unseres Versanddienstleisters ab. Dabei werden der Zeitpunkt des Abrufs, Ihre IP-Adresse sowie technische Angaben zu Ihrem Programm und System übermittelt. Ferner sind die im Newsletter enthaltenen Links so ausgestaltet, dass wir erkennen können, welcher Link von welcher Empfängeradresse angeklickt wurde. Wir werten aus, ob und wann ein Newsletter geöffnet und welche Inhalte darin aufgerufen wurden, und ordnen diese Angaben der jeweiligen Empfängeradresse zu. Zweck ist es, unsere Inhalte an den Interessen der Leserinnen und Leser auszurichten sowie die technische Zustellbarkeit und Lesbarkeit unserer Newsletter zu überprüfen. Die Auswertung erfolgt auf Grundlage der bei der Anmeldung erteilten Einwilligung. Sie können diese jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, indem Sie den Newsletter abbestellen. Ein isolierter Widerspruch allein gegen die Messung ist technisch nicht möglich; in diesem Fall ist der Newsletter insgesamt abzubestellen. Die erhobenen Angaben werden gelöscht, sobald sie für den genannten Zweck nicht mehr erforderlich sind, spätestens jedoch mit der Abmeldung vom Newsletter; **Rechtsgrundlagen:** Einwilligung (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. a) DSGVO). ## Affiliate-Programme und Affiliate-Links In unser Onlineangebot binden wir sogenannte Affiliate-Links oder andere Verweise (zu denen z. B. Suchmasken, Widgets oder Rabatt-Codes gehören können) auf die Angebote und Leistungen von Drittanbietern ein (zusammenfassend bezeichnet als "Affiliate-Links"). Wenn Nutzer den Affiliate-Links folgen, bzw. anschließend die Angebote wahrnehmen, können wir von diesen Drittanbietern eine Provision oder sonstige Vorteile erhalten (zusammenfassend bezeichnet als "Provision"). Um nachverfolgen zu können, ob die Nutzer die Angebote eines von uns eingesetzten Affiliate-Links wahrgenommen haben, ist es notwendig, dass die jeweiligen Drittanbieter erfahren, dass die Nutzer einem innerhalb unseres Onlineangebotes eingesetzten Affiliate-Link gefolgt sind. Die Zuordnung der Affiliate-Links zu den jeweiligen Geschäftsabschlüssen oder zu sonstigen Aktionen (z. B. Käufen) dient alleine dem Zweck der Provisionsabrechnung und wird aufgehoben, sobald sie für den Zweck nicht mehr erforderlich ist. Für die Zwecke der vorgenannten Zuordnung der Affiliate-Links können die Affiliate-Links um bestimmte Werte ergänzt werden, die ein Bestandteil des Links sind oder anderweitig, z. B. in einem Cookie, gespeichert werden können. Zu den Werten können insbesondere die Ausgangswebseite (Referrer), der Zeitpunkt, eine Online-Kennung der Betreiber der Webseite, auf der sich der Affiliate-Link befand, eine Online-Kennung des jeweiligen Angebotes, die Art des verwendeten Links, die Art des Angebotes und eine Online-Kennung des Nutzers gehören. **Hinweise zu Rechtsgrundlagen:** Sofern wir die Nutzer um deren Einwilligung in den Einsatz der Drittanbieter bitten, ist die Rechtsgrundlage der Verarbeitung von Daten die Einwilligung. Ansonsten werden die Daten der Nutzer auf Grundlage unserer berechtigten Interessen (d. h. Interesse an effizienten, wirtschaftlichen und empfängerfreundlichen Leistungen) verarbeitet. In diesem Zusammenhang möchten wir Sie auch auf die Informationen zur Verwendung von Cookies in dieser Datenschutzerklärung hinweisen. - **Verarbeitete Datenarten:** Vertragsdaten (z. B. Vertragsgegenstand, Laufzeit, Kundenkategorie); Nutzungsdaten (z. B. Seitenaufrufe und Verweildauer, Klickpfade, Nutzungsintensität und -frequenz, verwendete Gerätetypen und Betriebssysteme, Interaktionen mit Inhalten und Funktionen). Meta-, Kommunikations- und Verfahrensdaten (z. B. IP-Adressen, Zeitangaben, Identifikationsnummern, beteiligte Personen). - **Betroffene Personen:** Interessenten. Nutzer (z. B. Webseitenbesucher, Nutzer von Onlinediensten). - **Zwecke der Verarbeitung und berechtigte Interessen:** Affiliate-Nachverfolgung. - **Aufbewahrung und Löschung:** Löschung entsprechend Angaben im Abschnitt "Allgemeine Informationen zur Datenspeicherung und Löschung". - **Rechtsgrundlagen:** Einwilligung (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. a) DSGVO). Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO). **Weitere Hinweise zu Verarbeitungsprozessen, Verfahren und Diensten:** - **Amazon-Partnerprogramm:** Affiliate-Partnerprogramm (Amazon und das Amazon-Logo sind Warenzeichen von Amazon.com, Inc. oder eines seiner verbundenen Unternehmen); **Dienstanbieter:** Amazon EU S.à r.l. (Société à responsabilité limitée), 38 avenue John F. Kennedy, L-1855 Luxemburg; \*\*Rechtsgrundlagen:\*\*Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO); **Website:** [https://www.amazon.de](https://www.amazon.de/?ref=markusdotzler.de); **Datenschutzerklärung:** [https://www.amazon.de/gp/help/customer/display.html?nodeId=201909010](https://www.amazon.de/gp/help/customer/display.html?nodeId=201909010&ref=markusdotzler.de). **Grundlage Drittlandtransfers:** Data Privacy Framework (DPF). ## Präsenzen in sozialen Netzwerken (Social Media) Wir unterhalten Onlinepräsenzen innerhalb sozialer Netzwerke und verarbeiten in diesem Rahmen Nutzerdaten, um mit den dort aktiven Nutzern zu kommunizieren oder Informationen über uns anzubieten. Wir weisen darauf hin, dass dabei Nutzerdaten außerhalb des Raumes der Europäischen Union verarbeitet werden können. Hierdurch können sich für die Nutzer Risiken ergeben, weil so zum Beispiel die Durchsetzung der Nutzerrechte erschwert werden könnte. Ferner werden die Daten der Nutzer innerhalb sozialer Netzwerke im Regelfall für Marktforschungs- und Werbezwecke verarbeitet. So können beispielsweise anhand des Nutzungsverhaltens und sich daraus ergebender Interessen der Nutzer Nutzungsprofile erstellt werden. Letztere finden möglicherweise wiederum Verwendung, um etwa Werbeanzeigen innerhalb und außerhalb der Netzwerke zu schalten, die mutmaßlich den Interessen der Nutzer entsprechen. Daher werden im Regelfall Cookies auf den Rechnern der Nutzer gespeichert, in denen das Nutzungsverhalten und die Interessen der Nutzer gespeichert werden. Zudem können in den Nutzungsprofilen auch Daten unabhängig der von den Nutzern verwendeten Geräten gespeichert werden (insbesondere, wenn sie Mitglieder der jeweiligen Plattformen und dort eingeloggt sind). Für eine detaillierte Darstellung der jeweiligen Verarbeitungsformen und der Widerspruchsmöglichkeiten (Opt-out) verweisen wir auf die Datenschutzerklärungen und Angaben der Betreiber der jeweiligen Netzwerke. Auch im Fall von Auskunftsanfragen und der Geltendmachung von Betroffenenrechten weisen wir darauf hin, dass diese am effektivsten bei den Anbietern geltend gemacht werden können. Nur Letztere haben jeweils Zugriff auf die Nutzerdaten und können direkt entsprechende Maßnahmen ergreifen und Auskünfte geben. Sollten Sie dennoch Hilfe benötigen, dann können Sie sich an uns wenden. - **Verarbeitete Datenarten:** Kontaktdaten (z. B. Post- und E-Mail-Adressen oder Telefonnummern); Inhaltsdaten (z. B. textliche oder bildliche Nachrichten und Beiträge sowie die sie betreffenden Informationen, wie z. B. Angaben zur Autorenschaft oder Zeitpunkt der Erstellung); Nutzungsdaten (z. B. Seitenaufrufe und Verweildauer, Klickpfade, Nutzungsintensität und -frequenz, verwendete Gerätetypen und Betriebssysteme, Interaktionen mit Inhalten und Funktionen); Bestandsdaten (z. B. der vollständige Name, Wohnadresse, Kontaktinformationen, Kundennummer, etc.). Meta-, Kommunikations- und Verfahrensdaten (z. B. IP-Adressen, Zeitangaben, Identifikationsnummern, beteiligte Personen). - **Betroffene Personen:** Nutzer (z. B. Webseitenbesucher, Nutzer von Onlinediensten). - **Zwecke der Verarbeitung und berechtigte Interessen:** Kommunikation; Feedback (z. B. Sammeln von Feedback via Online-Formular); Öffentlichkeitsarbeit; Bereitstellung unseres Onlineangebotes und Nutzerfreundlichkeit; Informationstechnische Infrastruktur (Betrieb und Bereitstellung von Informationssystemen und technischen Geräten (Computer, Server etc.)). Öffentlichkeitsarbeit und Informationszwecke. - **Aufbewahrung und Löschung:** Löschung entsprechend Angaben im Abschnitt "Allgemeine Informationen zur Datenspeicherung und Löschung". - **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO). **Weitere Hinweise zu Verarbeitungsprozessen, Verfahren und Diensten:** - **Bluesky:** Dezentralisiertes Social-Media-Netzwerk - ermöglicht das Erstellen, Teilen und Kommentieren von Inhalten sowie das Folgen von Nutzerprofilen; **Dienstanbieter:** Bluesky, PBLLC., Seattle, USA, [support@bsky.app](mailto:support@bsky.app); **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO); **Website:**[https://bsky.social/](https://bsky.social/?ref=markusdotzler.de). **Datenschutzerklärung:** [https://bsky.social/about/support/privacy-policy](https://bsky.social/about/support/privacy-policy?ref=markusdotzler.de). - **Instagram:** Soziales Netzwerk, ermöglicht das Teilen von Fotos und Videos, das Kommentieren und Favorisieren von Beiträgen, Nachrichtenversand, Abonnieren von Profilen und Seiten; **Dienstanbieter:** Meta Platforms Ireland Limited, Merrion Road, Dublin 4, D04 X2K5, Irland; **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO); **Website:** [https://www.instagram.com](https://www.instagram.com/?ref=markusdotzler.de); **Datenschutzerklärung:**[https://privacycenter.instagram.com/policy/](https://privacycenter.instagram.com/policy/?ref=markusdotzler.de). **Grundlage Drittlandtransfers:** Data Privacy Framework (DPF). - **LinkedIn:** Soziales Netzwerk - Wir sind gemeinsam mit LinkedIn Irland Unlimited Company für die Erhebung (jedoch nicht die weitere Verarbeitung) von Daten der Besucher verantwortlich, die zur Erstellung der „Page-Insights" (Statistiken) unserer LinkedIn-Profile genutzt werden. Zu diesen Daten gehören Informationen über die Arten von Inhalten, die Nutzer sich ansehen oder mit denen sie interagieren, sowie die von ihnen vorgenommenen Handlungen. Außerdem werden Details über die genutzten Geräte erfasst, wie z. B. IP-Adressen, Betriebssystem, Browsertyp, Spracheinstellungen und Cookie-Daten, sowie Angaben aus den Nutzerprofilen, wie Berufsfunktion, Land, Branche, Hierarchieebene, Unternehmensgröße und Beschäftigungsstatus. Datenschutzinformationen zur Verarbeitung von Nutzerdaten durch LinkedIn können den Datenschutzhinweisen von LinkedIn entnommen werden: [https://www.linkedin.com/legal/privacy-policy.](https://www.linkedin.com/legal/privacy-policy?ref=markusdotzler.de) Wir haben mit LinkedIn Irland eine spezielle Vereinbarung geschlossen („Page Insights Joint Controller Addendum", [https://legal.linkedin.com/pages-joint-controller-addendum](https://legal.linkedin.com/pages-joint-controller-addendum?ref=markusdotzler.de)), in der insbesondere geregelt wird, welche Sicherheitsmaßnahmen LinkedIn beachten muss und in der LinkedIn sich bereit erklärt hat, die Rechte der Betroffenen zu erfüllen (d. h. Nutzer können z. B. Auskunfts- oder Löschungsanfragen direkt an LinkedIn richten). Die Rechte der Nutzer (insbesondere das Recht auf Auskunft, Löschung, Widerspruch und Beschwerde bei der zuständigen Aufsichtsbehörde) werden durch die Vereinbarungen mit LinkedIn nicht eingeschränkt. Die gemeinsame Verantwortlichkeit beschränkt sich auf die Erhebung und Übermittlung der Daten an LinkedIn Irland Unlimited Company, ein Unternehmen mit Sitz in der EU. Die weitere Verarbeitung der Daten obliegt ausschließlich LinkedIn Irland Unlimited Company, insbesondere was die Übermittlung der Daten an die Muttergesellschaft LinkedIn Corporation in den USA betrifft; **Dienstanbieter:** LinkedIn Ireland Unlimited Company, Wilton Plaza, Dublin 2, Irland; **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO); **Website:** [https://www.linkedin.com](https://www.linkedin.com/?ref=markusdotzler.de); **Datenschutzerklärung:**[https://www.linkedin.com/legal/privacy-policy](https://www.linkedin.com/legal/privacy-policy?ref=markusdotzler.de); **Grundlage Drittlandtransfers:** Data Privacy Framework (DPF), Standardvertragsklauseln ([https://www.linkedin.com/legal/privacy-policy](https://www.linkedin.com/legal/privacy-policy?ref=markusdotzler.de)). **Widerspruchsmöglichkeit (Opt-Out):** [https://www.linkedin.com/psettings/guest-controls/retargeting-opt-out](https://www.linkedin.com/psettings/guest-controls/retargeting-opt-out?ref=markusdotzler.de). - **Pinterest:** Soziales Netzwerk, ermöglicht das Teilen von Fotos, Kommentieren, Favorisieren und Kuratieren von Beiträgen, Nachrichtenversand, Abonnieren von Profilen; **Dienstanbieter:** Pinterest Europe Limited, 2nd Floor, Palmerston House, Fenian Street, Dublin 2, Irland; **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO); **Website:** [https://www.pinterest.com](https://www.pinterest.com/?ref=markusdotzler.de). **Datenschutzerklärung:**[https://policy.pinterest.com/de/privacy-policy](https://policy.pinterest.com/de/privacy-policy?ref=markusdotzler.de). - **Threads:** Soziales Netzwerk; **Dienstanbieter:** Meta Platforms Ireland Limited, Merrion Road, Dublin 4, D04 X2K5, Irland; **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO); **Website:**[https://www.threads.com/](https://www.threads.com/?ref=markusdotzler.de). **Datenschutzerklärung:** [https://help.instagram.com/515230437301944](https://help.instagram.com/515230437301944?ref=markusdotzler.de). - **X:** Soziales Netzwerk; **Dienstanbieter:** X Internet Unlimited Company, One Cumberland Place, Fenian Street, Dublin 2 D02 AX07, Irland; **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO); **Website:** [https://x.com](https://x.com/?ref=markusdotzler.de). **Datenschutzerklärung:** [https://x.com/de/privacy](https://x.com/de/privacy?ref=markusdotzler.de). - **YouTube:** Soziales Netzwerk und Videoplattform; **Dienstanbieter:** Google Ireland Limited, Gordon House, Barrow Street, Dublin 4, Irland; **Rechtsgrundlagen:** Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO); **Datenschutzerklärung:** [https://business.safety.google/privacy/](https://business.safety.google/privacy/?ref=markusdotzler.de); **Grundlage Drittlandtransfers:** Data Privacy Framework (DPF). **Widerspruchsmöglichkeit (Opt-Out):** [https://myadcenter.google.com/](https://myadcenter.google.com/?ref=markusdotzler.de). ## Plug-ins und eingebettete Funktionen sowie Inhalte Wir binden Funktions- und Inhaltselemente in unser Onlineangebot ein, die von den Servern ihrer jeweiligen Anbieter (nachfolgend als „Drittanbieter" bezeichnet) bezogen werden. Dabei kann es sich zum Beispiel um Grafiken, Videos oder Stadtpläne handeln (nachfolgend einheitlich als „Inhalte" bezeichnet). Die Einbindung setzt immer voraus, dass die Drittanbieter dieser Inhalte die IP-Adresse der Nutzer verarbeiten, da sie ohne IP-Adresse die Inhalte nicht an deren Browser senden könnten. Die IP-Adresse ist damit für die Darstellung dieser Inhalte oder Funktionen erforderlich. Wir bemühen uns, nur solche Inhalte zu verwenden, deren jeweilige Anbieter die IP-Adresse lediglich zur Auslieferung der Inhalte anzuwenden. Drittanbieter können ferner sogenannte Pixel-Tags (unsichtbare Grafiken, auch als „Web Beacons" bezeichnet) für statistische oder Marketingzwecke einsetzen. Durch die „Pixel-Tags" können Informationen, wie etwa der Besucherverkehr auf den Seiten dieser Website, ausgewertet werden. Die pseudonymen Informationen können darüber hinaus in Cookies auf dem Gerät der Nutzer gespeichert werden und unter anderem technische Auskünfte zum Browser und zum Betriebssystem, zu verweisenden Websites, zur Besuchszeit sowie weitere Angaben zur Nutzung unseres Onlineangebots enthalten, aber auch mit solchen Informationen aus anderen Quellen verbunden werden. **Hinweise zu Rechtsgrundlagen:** Sofern wir die Nutzer um ihre Einwilligung in den Einsatz der Drittanbieter bitten, stellt die Rechtsgrundlage der Datenverarbeitung die Erlaubnis dar. Ansonsten werden die Nutzerdaten auf Grundlage unserer berechtigten Interessen (d. h. Interesse an effizienten, wirtschaftlichen und empfängerfreundlichen Leistungen) verarbeitet. In diesem Zusammenhang möchten wir Sie auch auf die Informationen zur Verwendung von Cookies in dieser Datenschutzerklärung hinweisen. - **Verarbeitete Datenarten:** Nutzungsdaten (z. B. Seitenaufrufe und Verweildauer, Klickpfade, Nutzungsintensität und -frequenz, verwendete Gerätetypen und Betriebssysteme, Interaktionen mit Inhalten und Funktionen). Meta-, Kommunikations- und Verfahrensdaten (z. B. IP-Adressen, Zeitangaben, Identifikationsnummern, beteiligte Personen). - **Betroffene Personen:** Nutzer (z. B. Webseitenbesucher, Nutzer von Onlinediensten). - **Zwecke der Verarbeitung und berechtigte Interessen:** Bereitstellung unseres Onlineangebotes und Nutzerfreundlichkeit; Reichweitenmessung (z. B. Zugriffsstatistiken, Erkennung wiederkehrender Besucher); Tracking (z. B. interessens-/verhaltensbezogenes Profiling, Nutzung von Cookies); Zielgruppenbildung. Marketing. - **Aufbewahrung und Löschung:** Löschung entsprechend Angaben im Abschnitt "Allgemeine Informationen zur Datenspeicherung und Löschung". Speicherung von Cookies von bis zu 2 Jahren (Sofern nicht anders angegeben, können Cookies und ähnliche Speichermethoden für einen Zeitraum von zwei Jahren auf den Geräten der Nutzer gespeichert werden.). - **Rechtsgrundlagen:** Einwilligung (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. a) DSGVO). Berechtigte Interessen (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO). **Weitere Hinweise zu Verarbeitungsprozessen, Verfahren und Diensten:** - **YouTube-Videos:** Videoinhalte; **Dienstanbieter:** Google Ireland Limited, Gordon House, Barrow Street, Dublin 4, Irland; **Rechtsgrundlagen:** Einwilligung (Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. a) DSGVO); **Website:**[https://www.youtube.com](https://www.youtube.com/?ref=markusdotzler.de); **Datenschutzerklärung:** [https://business.safety.google/privacy/](https://business.safety.google/privacy/?ref=markusdotzler.de); **Grundlage Drittlandtransfers:** Data Privacy Framework (DPF). **Widerspruchsmöglichkeit (Opt-Out):** Opt-Out-Plugin: [https://tools.google.com/dlpage/gaoptout?hl=de](https://tools.google.com/dlpage/gaoptout?hl=de&ref=markusdotzler.de), Einstellungen für die Darstellung von Werbeeinblendungen: [https://myadcenter.google.com/personalizationoff](https://myadcenter.google.com/personalizationoff?ref=markusdotzler.de). ## Änderung und Aktualisierung Wir bitten Sie, sich regelmäßig über den Inhalt unserer Datenschutzerklärung zu informieren. Wir passen die Datenschutzerklärung an, sobald die Änderungen der von uns durchgeführten Datenverarbeitungen dies erforderlich machen. Wir informieren Sie, sobald durch die Änderungen eine Mitwirkungshandlung Ihrerseits (z. B. Einwilligung) oder eine sonstige individuelle Benachrichtigung erforderlich wird. Sofern wir in dieser Datenschutzerklärung Adressen und Kontaktinformationen von Unternehmen und Organisationen angeben, bitten wir zu beachten, dass die Adressen sich über die Zeit ändern können und bitten die Angaben vor Kontaktaufnahme zu prüfen. ## Begriffsdefinitionen In diesem Abschnitt erhalten Sie eine Übersicht über die in dieser Datenschutzerklärung verwendeten Begrifflichkeiten. Soweit die Begrifflichkeiten gesetzlich definiert sind, gelten deren gesetzliche Definitionen. Die nachfolgenden Erläuterungen sollen dagegen vor allem dem Verständnis dienen. - **Affiliate-Nachverfolgung:** Im Rahmen der Affiliate-Nachverfolgung werden Links, mit deren Hilfe die verlinkenden Webseiten Nutzer zu Webseiten mit Produkt- oder sonstigen Angeboten verweisen, protokolliert. Die Betreiber der jeweils verlinkenden Webseiten können eine Provision erhalten, wenn Nutzer diesen sogenannten Affiliate-Links folgen und anschließend die Angebote wahrnehmen (z. B. Waren kaufen oder Dienstleistungen in Anspruch nehmen). Hierzu ist es erforderlich, dass die Anbieter nachverfolgen können, ob Nutzer, die sich für bestimmte Angebote interessieren, diese anschließend auf die Veranlassung der Affiliate-Links wahrnehmen. Daher ist es für die Funktionsfähigkeit von Affiliate-Links erforderlich, dass sie um bestimmte Werte ergänzt werden, die ein Bestandteil des Links werden oder anderweitig, z. B. in einem Cookie, gespeichert werden. Zu den Werten gehören insbesondere die Ausgangswebseite (Referrer), der Zeitpunkt, eine Online-Kennung der Betreiber der Webseite, auf der sich der Affiliate-Link befand, eine Online-Kennung des jeweiligen Angebotes, eine Online-Kennung des Nutzers als auch nachverfolgungsspezifische Werte, wie, z. B. Werbemittel-ID, Partner-ID und Kategorisierungen - **Bestandsdaten:** Bestandsdaten umfassen wesentliche Informationen, die für die Identifikation und Verwaltung von Vertragspartnern, Benutzerkonten, Profilen und ähnlichen Zuordnungen notwendig sind. Diese Daten können u.a. persönliche und demografische Angaben wie Namen, Kontaktinformationen (Adressen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen), Geburtsdaten und spezifische Identifikatoren (Benutzer-IDs) beinhalten. Bestandsdaten bilden die Grundlage für jegliche formelle Interaktion zwischen Personen und Diensten, Einrichtungen oder Systemen, indem sie eine eindeutige Zuordnung und Kommunikation ermöglichen. - **Inhaltsdaten:** Inhaltsdaten umfassen Informationen, die im Zuge der Erstellung, Bearbeitung und Veröffentlichung von Inhalten aller Art generiert werden. Diese Kategorie von Daten kann Texte, Bilder, Videos, Audiodateien und andere multimediale Inhalte einschließen, die auf verschiedenen Plattformen und Medien veröffentlicht werden. Inhaltsdaten sind nicht nur auf den eigentlichen Inhalt beschränkt, sondern beinhalten auch Metadaten, die Informationen über den Inhalt selbst liefern, wie Tags, Beschreibungen, Autoreninformationen und Veröffentlichungsdaten - **Kontaktdaten:** Kontaktdaten sind essentielle Informationen, die die Kommunikation mit Personen oder Organisationen ermöglichen. Sie umfassen u.a. Telefonnummern, postalische Adressen und E-Mail-Adressen, sowie Kommunikationsmittel wie soziale Medien-Handles und Instant-Messaging-Identifikatoren. - **Meta-, Kommunikations- und Verfahrensdaten:** Meta-, Kommunikations- und Verfahrensdaten sind Kategorien, die Informationen über die Art und Weise enthalten, wie Daten verarbeitet, übermittelt und verwaltet werden. Meta-Daten, auch bekannt als Daten über Daten, umfassen Informationen, die den Kontext, die Herkunft und die Struktur anderer Daten beschreiben. Sie können Angaben zur Dateigröße, dem Erstellungsdatum, dem Autor eines Dokuments und den Änderungshistorien beinhalten. Kommunikationsdaten erfassen den Austausch von Informationen zwischen Nutzern über verschiedene Kanäle, wie E-Mail-Verkehr, Anrufprotokolle, Nachrichten in sozialen Netzwerken und Chat-Verläufe, inklusive der beteiligten Personen, Zeitstempel und Übertragungswege. Verfahrensdaten beschreiben die Prozesse und Abläufe innerhalb von Systemen oder Organisationen, einschließlich Workflow-Dokumentationen, Protokolle von Transaktionen und Aktivitäten, sowie Audit-Logs, die zur Nachverfolgung und Überprüfung von Vorgängen verwendet werden. - **Nutzungsdaten:** Nutzungsdaten beziehen sich auf Informationen, die erfassen, wie Nutzer mit digitalen Produkten, Dienstleistungen oder Plattformen interagieren. Diese Daten umfassen eine breite Palette von Informationen, die aufzeigen, wie Nutzer Anwendungen nutzen, welche Funktionen sie bevorzugen, wie lange sie auf bestimmten Seiten verweilen und über welche Pfade sie durch eine Anwendung navigieren. Nutzungsdaten können auch die Häufigkeit der Nutzung, Zeitstempel von Aktivitäten, IP-Adressen, Geräteinformationen und Standortdaten einschließen. Sie sind besonders wertvoll für die Analyse des Nutzerverhaltens, die Optimierung von Benutzererfahrungen, das Personalisieren von Inhalten und das Verbessern von Produkten oder Dienstleistungen. Darüber hinaus spielen Nutzungsdaten eine entscheidende Rolle beim Erkennen von Trends, Vorlieben und möglichen Problembereichen innerhalb digitaler Angebote - **Personenbezogene Daten:** "Personenbezogene Daten" sind alle Informationen, die sich auf eine identifizierte oder identifizierbare natürliche Person (im Folgenden "betroffene Person") beziehen; als identifizierbar wird eine natürliche Person angesehen, die direkt oder indirekt, insbesondere mittels Zuordnung zu einer Kennung wie einem Namen, zu einer Kennnummer, zu Standortdaten, zu einer Online-Kennung (z. B. Cookie) oder zu einem oder mehreren besonderen Merkmalen identifiziert werden kann, die Ausdruck der physischen, physiologischen, genetischen, psychischen, wirtschaftlichen, kulturellen oder sozialen Identität dieser natürlichen Person sind. - **Protokolldaten:** Protokolldaten sind Informationen über Ereignisse oder Aktivitäten, die in einem System oder Netzwerk protokolliert wurden. Diese Daten enthalten typischerweise Informationen wie Zeitstempel, IP-Adressen, Benutzeraktionen, Fehlermeldungen und andere Details über die Nutzung oder den Betrieb eines Systems. Protokolldaten werden oft zur Analyse von Systemproblemen, zur Sicherheitsüberwachung oder zur Erstellung von Leistungsberichten verwendet. - **Reichweitenmessung:** Die Reichweitenmessung (auch als Web Analytics bezeichnet) dient der Auswertung der Besucherströme eines Onlineangebotes und kann das Verhalten oder Interessen der Besucher an bestimmten Informationen, wie z. B. Inhalten von Webseiten, umfassen. Mit Hilfe der Reichweitenanalyse können Betreiber von Onlineangeboten z. B. erkennen, zu welcher Zeit Nutzer ihre Webseiten besuchen und für welche Inhalte sie sich interessieren. Dadurch können sie z. B. die Inhalte der Webseiten besser an die Bedürfnisse ihrer Besucher anpassen. Zu Zwecken der Reichweitenanalyse werden häufig pseudonyme Cookies und Web-Beacons eingesetzt, um wiederkehrende Besucher zu erkennen und so genauere Analysen zur Nutzung eines Onlineangebotes zu erhalten. - **Tracking:** Vom "Tracking" spricht man, wenn das Verhalten von Nutzern über mehrere Onlineangebote hinweg nachvollzogen werden kann. Im Regelfall werden im Hinblick auf die genutzten Onlineangebote Verhaltens- und Interessensinformationen in Cookies oder auf Servern der Anbieter der Trackingtechnologien gespeichert (sogenanntes Profiling). Diese Informationen können anschließend z. B. eingesetzt werden, um den Nutzern Werbeanzeigen anzuzeigen, die voraussichtlich deren Interessen entsprechen. - **Verantwortlicher:** Als "Verantwortlicher" wird die natürliche oder juristische Person, Behörde, Einrichtung oder andere Stelle, die allein oder gemeinsam mit anderen über die Zwecke und Mittel der Verarbeitung von personenbezogenen Daten entscheidet, bezeichnet. - **Verarbeitung:** "Verarbeitung" ist jeder mit oder ohne Hilfe automatisierter Verfahren ausgeführte Vorgang oder jede solche Vorgangsreihe im Zusammenhang mit personenbezogenen Daten. Der Begriff reicht weit und umfasst praktisch jeden Umgang mit Daten, sei es das Erheben, das Auswerten, das Speichern, das Übermitteln oder das Löschen. - **Vertragsdaten:** Vertragsdaten sind spezifische Informationen, die sich auf die Formalisierung einer Vereinbarung zwischen zwei oder mehr Parteien beziehen. Sie dokumentieren die Bedingungen, unter denen Dienstleistungen oder Produkte bereitgestellt, getauscht oder verkauft werden. Diese Datenkategorie ist wesentlich für die Verwaltung und Erfüllung vertraglicher Verpflichtungen und umfasst sowohl die Identifikation der Vertragsparteien als auch die spezifischen Bedingungen und Konditionen der Vereinbarung. Vertragsdaten können Start- und Enddaten des Vertrages, die Art der vereinbarten Leistungen oder Produkte, Preisvereinbarungen, Zahlungsbedingungen, Kündigungsrechte, Verlängerungsoptionen und spezielle Bedingungen oder Klauseln umfassen. Sie dienen als rechtliche Grundlage für die Beziehung zwischen den Parteien und sind entscheidend für die Klärung von Rechten und Pflichten, die Durchsetzung von Ansprüchen und die Lösung von Streitigkeiten. - **Zielgruppenbildung:** Von Zielgruppenbildung (englisch "Custom Audiences") spricht man, wenn Zielgruppen für Werbezwecke, z. B. Einblendung von Werbeanzeigen bestimmt werden. So kann z. B. anhand des Interesses eines Nutzers an bestimmten Produkten oder Themen im Internet geschlussfolgert werden, dass dieser Nutzer sich für Werbeanzeigen für ähnliche Produkte oder den Onlineshop, in dem er die Produkte betrachtet hat, interessiert. Von "Lookalike Audiences" (bzw. ähnlichen Zielgruppen) spricht man wiederum, wenn die als geeignet eingeschätzten Inhalte Nutzern angezeigt werden, deren Profile, bzw. Interessen mutmaßlich den Nutzern zu denen die Profile gebildet wurden, entsprechen. Zur Zwecken der Bildung von Custom Audiences und Lookalike Audiences werden im Regelfall Cookies und Web-Beacons eingesetzt. ### Willkommen! URL: https://www.markusdotzler.de/welcome/ Last updated: 2026-07-30T14:23:21.000Z _This page is for subscribers only._ ### Willkommen als Supporter! 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Stay tuned! ## Posts ### Was ein UFC-Champion über Social Media versteht URL: https://www.markusdotzler.de/khabib-nurmagomedov-social-media-weisheit/ Last updated: 2026-10-11T08:00:26.000Z Stunden saß ich hier, fügte Bilder ein und schrieb Texte neu. ***Heute ist der Tag.*** Ein paar letzte Sätze, die Aufmerksamkeit erregen. Ein Vorschaubild als Kirsche. Der Link im ersten Kommentar. Dann drücke ich auf *Senden* – *Feuer auf allen Kanälen* – und öffne der Welt das Tor zu meiner neuen Homepage. Ich warte. Und warte. Doch in der ersten Woche, als ich meine neue Homepage bewerbe – *endlich inkl. Newsletterfunktion!* – bleiben die einzigen Mitglieder die drei Personen, die den Anmeldeprozess vorher getestet haben. Mein Bruder, meine Freundin… … und ich. Das Tor, durch das in meiner Vorstellung die Massen strömen werden, hätte genauso gut ein Türchen zu meiner Abstellkammer sein können. Apropros Newsletterfunktion: Du willst meine Texte in deinen Posteingang? Dann meld dich hier zum Newsletter an. Jeden Sonntag ein Text gegen den Autopiloten. [Nie wieder NPC ](#/portal/signup/free) ## Die Anmeldung auf Substack In den Monaten danach versuche ich alles, um Traffic auf meine Homepage zu lenken. Ich poste täglich auf Threads, starte einen Youtube-Kanal und arbeite mich parallel in Search Engine Optimization ein. Nix funktioniert. Dann melde ich mich auf Substack an. Plötzlich bekomme ich Rückmeldungen von Menschen, die ich nicht persönlich kenne – und ärgere mich. Nicht über die Leser, sondern über *meine Entscheidungen*. „*Wie viele Abonnenten könntest du schon haben, wenn du dich direkt für Substack entschieden hättest?!*“, sagt die Elster in meinem Kopf, die das Funkeln der Kennzahlen schon aus weiter Entfernung sieht. Doch eines Tages dämmert es mir – ausgerechnet im Fitnessstudio: Seit Beginn meiner Reise trete ich immer wieder in dieselbe Falle wie eine Maus, die dem Käse nicht widerstehen kann. Und meinen Fehler zeigt mir jemand, der mit Schreiben nichts am Hut hat. Dafür aber mit *„smashen“* – und zwar **Menschen smashen**. Darf ich vorstellen? ***Khabib Nurmagomedov.*** Der Mäusefänger höchstpersönlich. ![](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/10/Nurmagomedov-Khabib-Weigh-In-229-Hero.jpg.jpg) Khabib Nurmagomedov. [Quelle.](https://www.ufc.com/news/khabib-eagle-nurmagomedov-named-ufc-hall-fame-class-2022?ref=markusdotzler.de) ## Khabib Nurmagomedov über den Erfolg in der UFC Bevor ich mich im Fitnessstudio aufs Laufband stelle, um mich aufzuwärmen, suche ich mir einen Podcast aus. Dann sehe ich sie. **Episode 500.** Lex Friedman Podcast. Nein, besser gesagt: Da sehe ich ***ihn***. Der schwarze Bart so ikonisch wie die blonde Perücke, mit der er in die Halle lief. 3 Stunden Podcast mit einem Mann, der normalerweise lieber seine Fäuste schwingt als Reden hält. Ich schwitze noch bevor ich einen Schritt gegangen bin. Khabib Nurmagomedov. Der Name steht für 29 Kämpfe, 29 Siege. Pure Dominanz. Dieser Mann weiß, was es bedeutet, sich an die Spitze zu kämpfen – im wörtlichsten Sinne. Und während ich zu den Klimmzügen übergehe – in der stillen Hoffnung, dass davon nicht nur der Lat, sondern auch der Bart wächst –, da frage ich mich: *Wie blickt ein Mensch auf Erfolg, der so viel davon erlebt hat?* ### Aus welchem Holz bist du geschnitzt? Genau darüber spricht Khabib ab Minute 29:42\. Aber er erzählt nicht nur davon, wie schwer es in der UFC ist, überhaupt Erfolg zu erreichen, sondern vor allem *erfolgreich zu bleiben*: > *Ein Mensch weiß manchmal selbst nicht, wozu er in der Lage ist. Manchmal kann er sich erst dann verstehen, sobald der Erfolg eintritt. Dann entdeckt er, aus welchem Holz er geschnitzt ist.* > *Solange ihm etwas fehlt – Geld, Macht oder alles, was der Erfolg mit sich bringt –, versteht er nicht, wie er sich in seiner neuen Rolle verhalten wird \[…\]. Niemand weiß es.* > *Du weißt nie, wie du dich verhalten wirst, sobald du an der Spitze ankommst. Es ist so eine heikle Sache, nach oben zu steigen und Mensch zu bleiben.* – Khabib Nurmagomedov Wenn wir an Erfolg denken, sehen wir all das Funkeln, das er mit sich bringt. Geld, Status und Anerkennung für unsere Anstrengung. Die Blogger, Substacker und Youtuber denken vielleicht weniger an Sex und Macht, aber durchaus an Abonnenten, Likes und Aufrufe. Das ist nicht verwerflich. *Don’t hate the player, hate the game.* Doch selten fragen wir uns dabei, wie diese Aufmerksamkeit uns verändern könnte, sollte sie eintreten, oder wie Khabib sagen würde: *Was sie zum Vorschein bringt.* Ist das Holz, aus dem wir geschnitzt sind, widerstandsfähig genug, um selbst dem stärksten Windstoß standzuhalten? Oder fault der Stamm bereits an der Wurzel? Dafür benötigt es keine UFC, kein Glanz und Gloria, manchmal nur Alltag. Genau das erleben manche Menschen – vielleicht auch du – täglich. ## Die Machtspiele der Kleinganoven In meinen bisherigen Jobs habe ich viele gute Führungskräfte erlebt. Das betone ich, weil ich nun über eine Ausnahme spreche. Im Job lernte ich Menschen kennen, die ihre Spitzel im Betrieb verteilten und sich Listen über das Verhalten von Mitarbeitern anlegten, um sie in Gesprächen gegen sie zu verwenden, während sie das gleiche Verhalten bei anderen tolerierten. Personen, die eine Handvoll Menschen mit Gefallen überhäuften und andere aus dem Unternehmen ekelten, die von dieser Vetternwirtschaft nichts wissen wollten. Die sich keiner Verantwortung bewusst waren, wenn ihre Mitarbeiter sie in Gesprächen mit der Wahrheit konfrontierten und ohne Hemmungen logen, um sich aus der Schlinge zu winden. --- Falls du solche Menschen kennen solltest, empfehle ich dir: - „[Tyrannen im Alltag](https://vistic.substack.com/p/tyrannen-im-alltag-entlarven)“ auf Substack von Victor Schmidt - „Die Psychopathen sind unter uns“ von Jon Ronson --- Es heißt, Macht korrumpiert. Doch es braucht nicht viel, keine Vorstandsebenen oder Präsidien. Manchmal reicht eine Prise, ein wenig Personalverantwortung und ein guter Draht zum nächsten Chef und schon herrschen in einem Unternehmen Zustände wie bei *Game of Thrones*. *„Lasset die Spiele beginnen.“* Macht korrumpiert – den Einen schneller als den Anderen. Doch ihre Versuchungen verstecken sich auch in Aufmerksamkeit. **Ich smashe Wörter wie Khabib. Falls dir mein Wortsmash gefällt, spendier mir doch 'nen Kaffee – dann smashe ich schneller.* [Hier geht's zur Kaffeekasse ](https://ko-fi.com/markusdotzler?ref=markusdotzler.de) ## Die Götzen, nach denen wir streben ![](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/10/The_Fall_of_Icarus_-SM_1689-.jpg) Der Sturz des Ikarus. [Quelle.](https://commons.wikimedia.org/wiki/File:The%5FFall%5Fof%5FIcarus%5F%28SM%5F1689%29.png?ref=markusdotzler.de) Als ich meinen Blog 2024 online nahm, empfahl mir ein Kollege, meine Artikel auf Linkedin zu bewerben. Zusätzlich richtete ich mir Instagram, Threads und Facebook ein. *Hol dir die Klicks, Junge!* Heute frage ich mich jedoch, ob das ein Schritt in die falsche Richtung war. Der Anfang einer Suche nach Bestätigung in Kennzahlen. Ich verteufle Analytics nicht wie der Priester das umgedrehte Kreuz. In Kennzahlen steckt auch Erkenntnis. Sie verraten uns, was funktioniert und was nicht. Doch zuweilen wird aus dem Kapitän und seinem Schiff ein Spielball der Gezeiten. Ein Fokus auf Kennzahlen – gerade am Anfang – richtet oft mehr Schaden an, als dass er hilft. Wonach lernen wir zu streben, wenn wir unsere Likes, Aufrufe und Restacks zählen? Wer hat uns überhaupt eingeredet, dass sich der Erfolg deiner und meiner Arbeit in einer Statistik ausdrückt? Und wie sehr manipuliert uns das? *„Be careful what you wish for“*, weiß der Engländer. Ich hingegen weiß nicht, wie mich etwas verändert, dass ich noch nie erfahren habe. Steckt darin nicht auch die Geschichte des Ikarus, der mit Flügeln aus Wachs Richtung Sonne flog und vom Himmel fiel? Das Internet hat die Sonne durch Likes und Abonnenten ersetzt. Doch auch daran können wir verbrennen. ## Das Streben nach ewigem Wachstum Verfallen wir der Wachstumslogik der [Hustle Culture](https://www.markusdotzler.de/warum-hustle-culture-toxisch-ist/) online, stellen wir unsere Arbeit in Frage, wenn Likes und Aufrufe nicht mit unseren Erwartungen übereinstimmen. Wir überlegen, wie wir unsere Reichweite steigern, als käme es auf die Zahlen mehr an als auf den Inhalt und wie er uns verändert. Als wäre das Dashboard **Gunnery Sergeant Hartman** aus *Full Metal Jacket*, der uns drillt. ![](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/10/0agdtyr263551-2.jpg) Gunnery Sergeant Hartman. [Quelle.](https://i.redd.it/0agdtyr263551.jpg?ref=markusdotzler.de) **MEHR AUFRUFE, MADE!** Doch Kennzahlen kennen keine Grenze. Du schon. Aufmerksamkeit zu wollen, ist aber nur die eine Seite, mit ihr (oder ihrem Mangel) umzugehen die andere. In den 2 Jahren, in denen ich nun Artikel schreibe und in dem halben Jahr auf Youtube, entdeckte ich immer wieder vereinzelte Kanäle, die an ihren Analytics kaputt gingen. Die davon sprachen, dass sie sich ihr eigenes Hamsterrad aus Likes und Aufrufen gebaut hatten und die schließlich ihrer Kreativität den Rücken zukehrten, weil sie sich nicht *„rechnete“*. *Und glaub mir, ich verstehe den Schmerz*. Ein einzelnes meiner Youtube-Videos benötigt inkl. Schnitt, Sounddesign und Animation mehrere Tage Arbeit. Klickt dann niemand, will mir der [innere Kritiker](https://www.markusdotzler.de/zu-hohe-erwartungen-hobby/) einreden, dass die Anstrengung vergebens war. Doch denke ich heute darüber nach, dann waren die Monate, in denen sich niemand für meinen Newsletter angemeldet hat oder in denen mein Youtube-Kanal auf 37 Abos *(bis heute)* stagniert, *keine Niederlage*. Sie waren und sind die wichtigste Lektion. ### Schatten ist mehr als Dunkelheit 2024 nahm ich meinen Blog online, bevor ich überhaupt wusste, worüber ich schreiben wollte. Es brauchte rund 1,5 Jahre, bis ich verstand, was mich antreibt und wie ich damit anderen Menschen helfen kann. Übrigens auch unzählige Richtungswechsel: Meinen ersten Artikel schrieb ich über [Sport](https://www.markusdotzler.de/fitness-ist-einfach/), den zweiten über die [Fight Club Philosophie](https://www.markusdotzler.de/fight-club-philosophie/). Erst heute bin ich bei *„Nie wieder NPC“* angekommen, aber suche immer noch: Nach einem nachhaltigen Weg, meinen Lesern dabei zu helfen, das größte Spiel überhaupt – das Leben – nach ihren eigenen Regeln zu gestalten. In dieser ganzen Zeit hätte mir jegliche Form öffentlicher Aufmerksamkeit geschadet. Zumindest kann ich nicht mit Sicherheit das Gegenteil behaupten. Wie ein gekapertes Schiff wäre ich im Kielwasser von Likes und Aufrufen in eine Richtung getrieben, die ich noch nicht verstand. Die nicht meine Richtung gewesen wäre. Was ich dir sagen will: Wenig Aufmerksamkeit ist kein Makel, viel mehr ein Freifahrtschein. ***Probier dich aus, mach Fehler, schärf deine Botschaft und finde dabei deine Stimme.*** Unsichtbarkeit zeigt dir außerdem, ob du das, was du tust, wirklich verfolgen willst. ***Liebst du den Prozess mehr als das Ergebnis?*** Dann schreibst du auch in den Momenten, in denen niemand hinschaut oder veröffentlichst deine Videos, wenn niemand klickt. Unsichtbarkeit ist Teil des Prozesses. Ein „Feature“, kein Fehler. Das kapierte ich erst so richtig dank Khabib. ## Werde, der du bist, im Schatten In der UFC hat Khabib eine Seite des Erfolgs erlebt, die ich nicht einmal erahnen kann. Doch er startete nicht als unbesiegbarer Champion, sondern als kleiner Junge aus Sildi, einem kleinen Bergdorf in Dagestan. Bevor er Kämpfe gewann, verlor er sie auch und um überhaupt wettbewerbsfähig zu werden, musste Khabib zuerst an seinen Fähigkeiten arbeiten, nicht an öffentlicher Aufmerksamkeit. Diese Ereigniskette – zuerst Kompetenz, dann Erfolg – verklickert uns Social Media heute andersherum. Zuerst kommt die Viralität, dann die Moral. Doch Nietzsche schrieb, *„Du sollst werden, der du bist”*. Er schrieb **nicht**: *„Du sollst viral gehen“*. Höchstens: *„Du sollst wandern gehen!“* Ob es Erfolg braucht, um zu werden, wer du bist, oder ob Khabib Recht hat und der Erfolg bloß zeigt, wer du schon bist, das weiß ich nicht. Doch ich weiß, dass eine Pflanze ihre Wurzeln schlägt, wo ich sie nicht sehen kann. Und damit sind sich Khabib und Nietzsche ähnlicher, als du denkst. Khabib hat das Kämpfen im Schatten der Berge Dagestans gelernt und Nietzsche das Philosophieren im Schatten der Schweizer Alpen. Das Rampenlicht hat sich in dieser Zeit für beide nicht interessiert – und sie sich nicht für es. Deshalb sage ich: Werde, der du bist, bevor dir die Öffentlichkeit dabei zusieht. Sonst verbiegst du dich beim ersten Sonnenstrahl. Werde der du bist... aber wie? Ich helf dir dabei. Jede Woche ein Artikel gegen den Autopiloten. [Anmelden ](#/portal/signup/free) ## Substack und die Zukunft Als ich meinen dritten Artikel auf Substack veröffentlichte, schwebte mein Mauszeiger über dem Dashboard. *Wie viele Aufrufe hat er bekommen? Wird Substack meine Probleme lösen?* Die Stimme, die nach Aufmerksamkeit schreit wie damals bei der Veröffentlichung meiner neuen Homepage, steckt wohl immer noch in meinem Kopf. *Doch ich hab nie geklickt.* Geheilt bin ich deshalb nicht. Aber vielleicht hat mich der Dagestani mit dem schwarzen Bart und der blonden Perücke tatsächlich ein bisschen geerdet. Statt mich in Analytics zu verlieren, öffne ich heute Obsidian und schreibe meinen nächsten Artikel. Den Rest überlasse ich dir. ****... wo wir beim Thema wären:** **Dieser Blog lebt von deiner Unterstützung.* **Schenk ihm doch ein paar Streicheleinheiten und schick diesen Artikel einer Person,* der er gefallen könnte. ****Gracias!** [spread the love ](#/share) ### Digital Detox ist das schlechteste Mittel für Digital Detox URL: https://www.markusdotzler.de/digital-detox-was-funktioniert-tipp/ Last updated: 2026-10-04T08:00:02.000Z Du willst deine Bildschirmzeit reduzieren, weil sich dein [Gehirn anfühlt, als würden Blauwale darin Polka tanzen](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/)? Dann zeige ich dir hier, was besser funktioniert als bloße Digital Detox, um dein Gehirn von Brainrot zu befreien. ## Warum Digital Detox langfristig scheitert In meinem letzten Job als Ausbildungskoordinator war ich Führungskraft für rund 100 Azubis jedes Jahr. In dieser Zeit sprach ich mit unzähligen jungen Menschen – vor allem aber mit den *„Kandidaten“*, die nicht durch Bestleistungen glänzten. *Eine Ironie des Schicksals, aber dazu später mehr.* Falls einer meiner ehemaligen Azubis diesen Artikel liest *(schön, dass du da bist)*, dann kann er oder sie dir genau sagen, was meine Lieblingsfrage in solchen Leistungsgesprächen war: > *„Wie hoch ist deine Bildschirmzeit am Smartphone?“* Ja, ich bin ein kleiner Sadist. Doch durch diese Frage beobachtete ich drei Phänomene konsequent über fast fünf Jahre: 1. Tägliche Nutzungszeiten jenseits der sechs Stunden waren keine Seltenheit. Der Großteil fiel dabei auf Social Media Apps. 2. Azubis, die extrem viel Zeit auf Social Media verbrachten, waren in der Regel leistungsschwächer. 3. Das Smartphone war meist nicht die Krankheit, sondern das Symptom – eine Flucht vor privaten Problemen, die aufgrund [manipulativer App-Designs](https://www.markusdotzler.de/warum-willenskraft-scheitert/) in einer digitalen Sucht endete. An einen Fall erinnere ich mich bis heute. ### Wir verstehen das Ausmaß unserer Abhängigkeit nicht Im Gespräch stelle ich dem Azubi also meine Lieblingsfrage: *„Wie hoch ist deine Bildschirmzeit?“* Er antwortet, er verbringe viel Zeit auf TikTok, aber habe seine Bildschirmzeit bereits reduziert. Meine Alarmglocken schlagen an. *„Der Junge hat keine Ahnung, wie viel er wirklich auf TikTok hängt.“* Ich bleibe hartnäckig. *„Hol bitte mal dein Handy raus und schau nach.“* **32 Stunden TikTok – jede Woche.** Neben seiner Ausbildung ***in Vollzeit*** besaß der Junge einen Social Media-Zweitjob ***in Vollzeit***. Denn zu TikTok gesellten sich auch noch Instagram und Youtube Shorts. ### Nein, es sind nicht nur die jungen Menschen Falls du jetzt schimpfst – *„DiE JuGeND!!!“* –, dann tu dir doch selbst den Gefallen, schau auf deine Bildschirmzeit und schreib sie mir in die Kommentare. Guck, ich mach mit: ![Screenshot einer Bildschirmzeit von 35 Minuten wöchentlich](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/10/WhatsApp-Image-2026-10-01-at-12.59.59.jpg) In U-Bahn oder Zug reicht heute ein 180-Grad-Blick, um festzustellen: ***Nicht nur die Gen Z hängt viel am Bildschirm.*** Ich kenne Rentner, die sich den ganzen Tag im Fernseher verlieren oder sehe Babyboomer in U-Bahnen, die AI-Slop nicht von der Realität unterscheiden können. Auch ich bin kein Deut besser... Ich rühme mich einer geringen Bildschirmzeit am Smartphone, aber kriege trotzdem viereckige Augen, wie meine Oma gesagt hätte, weil es manchmal zwei Flaschen Nagellackentferner braucht, um mich vom Laptop zu lösen. > ***Die Aufmerksamkeitsökonomie unterscheidet weder nach Alter noch nach (Bildschirm-)Größe.*** Aber wenn du dich lösen willst – egal, wie alt du bist –, wie gehst du vor? Mit was ersetzt du 6 Stunden TikTok am Tag? Ersetz dein Doomscrolling doch mit meinem Newsletter. Garantiert kein Doomletter! [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ### Digital Detox ist eine Mogelpackung Eine Lösung, die immer wieder in den Raum geworfen wird und die ich selbst schon unzählige Male probiert habe, heißt Digital Detox. Du entfernst für 2 Wochen oder 30 Tage sämtliche digitalen Medien aus deinem Leben. Kein TikTok und kein Youtube. Kein Fortnite für die Gen Z oder Facebook für die Boomer. **Nüscht.** Aber meiner Erfahrung nach sind zwei Probleme mit Digital Detox verbunden: #### 1\. Was ersetzt deine Bildschirmzeit? Du stellst also fest, dass du zu viel auf TikTok rumhängst und deinstallierst die App. *Und jetzt?* Was machst du mit den sechs Stunden, die dir plötzlich zur Verfügung stehen? ***Haaaalt, stopp! Schließ den Inkognito-Modus, du ungezogenes Kind!*** Digital Detox hinterlässt ein Zeitvakuum, mit dem du nichts anzufangen weißt. Du wirst dich des Todes langweilen und der beklemmende Gedanke daran, nichts zu tun zu haben, hält viele Menschen ab, überhaupt etwas zu verändern. Diejenigen, die ihren Medienkonsum kontrollieren, sagen dir dann, du musst lernen, Langeweile auszuhalten. Das stimmt. Aber wenn du heute noch fünf Mal pro Minute zum Handy greifst, verwandelst du dich morgen nicht in einen buddhistischen Mönch, der täglich drei Stunden meditiert. #### 2\. Was geschieht danach? Nur weil du für 30 Tage auf dein Smartphone verzichtest, lernst du dadurch noch lange keinen *„gesunden Umgang“ (was sowieso für jeden etwas anderes bedeutet)*. Manche Menschen verzichten im Urlaub auf ihr Smartphone, nur um danach in dasselbe Verhaltensmuster zurückzufallen. ***Was auf Gran Canaria klappt, funktioniert nicht automatisch auch in Duisburg.*** In meiner Jugend spielte ich so viel *World of Warcraft*, dass es meinen Zeugnissen vorgekommen sein muss, als hätte sich mein Gehirn von der nächsten Klippe gestürzt. **Jetzt kommen wir zur Ironie des Schicksals:** *Der Kerl, der als junger Mann schlechte Noten schrieb, muss später junge Männer motivieren, bessere Noten zu schreiben.* ***PAH!*** In jeder neuen Woche, in der die Lehrer mit meinen 5ern und 6ern Bingo spielten, versuchte ich mich von WoW zu distanzieren. Im Urlaub oder unterwegs war das nie ein Problem, bis ich mich zu Hause beim nächsten Login wieder darin verlor. Heute kontrolliere ich das besser. Trotz World of Warcraft hab ich es sogar noch bis zum Masterabschluss geschafft *(Master of Desaster versteht sich)*. Doch die Lösung dafür liegt nicht in Digital Detox, sondern in dem, was ich dir jetzt verrate. ## Was besser funktioniert als Verzicht Mein Vorschlag lautet, deine Detox nicht zu starten, bevor du weißt, *wie* du die überschüssige Zeit füllst. Vertraue deinem Gehirn nicht. Vertraue nicht darauf, dass du die Langeweile *„irgendwie“* aushalten wirst. Finde stattdessen eine Aktivität, die dich begeistert, *bevor* du deine Bildschirmzeit reduzierst. Etwas, das du schon immer ***lernen*** wolltest. Wenn ich das Wort *„Lernen“* sage, denkst du wahrscheinlich ähnlich schockiert wie meine Azubis an Schulbank. Du siehst unvollständig geführte Vokabelhefte, erinnerst dich mit Schrecken an Integralfunktionen oder wachst heute noch schweißgebadet auf, weil dir dein Deutschlehrer früher 24 Mal pro Woche gedroht hat, dass du auch um 3 Uhr in der Nacht noch wissen musst, was ein Pleonasmus ist *(weißer Schimmel)*. **Aber die Schule ist vorbei.** Du kannst jetzt lernen, was du verdammt noch mal *willst*. Also frag dich: Was hat dich schon als Kind begeistert? Hier ein paar Ideen: - Gitarre, Bass oder Topfschlagen - Spanisch, Türkisch oder Kauderwelsch - Kochen oder zumindest die Kunst, dein Essen nicht mehr zu verbrennen Mit einem Hobby löst du mehrere Probleme, die ein bloßer Verzicht verursacht. ## Warum ein Hobby besser funktioniert als Digital Detox ### 1\. Hobbys füllen das Zeitvakuum Eine Lektion musste ich bei meinen letzten Versuchen auf die harte Art lernen: ***Dein Gehirn ist ein mieser Ve*rräter.** Es sabotiert dich, während du versuchst, dich an selbstauferlegte Beschränkungen zu halten. Ehe du dich versiehst, findest du Ausreden und Möglichkeiten, um *„nur ein bisschen“* gegen die Regel zu verstoßen. *Wie können 20 Minuten Youtube schon schaden?* Bumms, schon steckst du wieder drin. *„Idle hands are the devils playtools“,* sagt der Engländer*.* Während du dich langweilst, kommst du schnell auf dumme Gedanken. Schon greifst du wieder zum Smartphone und pumpst Tralalero Tralala und Trippi Troppi Hopsasa auf TikTok. *Trippi was?* Das ist italienischer AI-Brainrot. Bitte google das **nicht**! *Ok, jetzt wirst du es erst recht tun, oder? Na gut, aber ich hab dich gewarnt:* Trippi Troppi AI-Brainrot auf TikTok Vor so etwas Gottlosem schützt dich ein Hobby. Es gibt dir eine Aufgabe, die so viel Zeit beanspruchen kann, wie du willst. Außerdem dient es dir als Stütze, wenn du dich von Trippi Troppi erholt hast und Social Media wieder in dein Leben einführen möchtest. Und wer weiß, durch ein Hobby und einen langfristigen Verzicht auf AI-Tralalero und Brainrot-Tralala lernst du sogar wieder, [dich auf etwas zu konzentrieren](https://www.markusdotzler.de/warum-fokus-wichtig-ist/), ohne dass es dich sofort mit Likes und Aufrufen versorgen muss. Das bringt mich zum nächsten Punkt. Ich versorg dich mit Substanz statt Brainrot. Hier unterstützt du mich mit einem digitalen Kaffee: [Hier geht's zur Kaffeekasse ](https://ko-fi.com/markusdotzler?ref=markusdotzler.de) #### 2\. Hobbys fördern ein gesundes Dopamin-Gleichgewicht Social Media fühlt sich hohl an, weil es uns mit schnellen, einfach zu erreichenden Dopaminkicks *en masse* versorgt. Doch wie bei Heroin benötigst du einerseits immer mehr davon, während sich andererseits alle übrigen Aktivitäten *leer* anfühlen. Ein Hobby fixt das, aber wahrscheinlich anders, als du denkst: Mit 13 oder 14 Jahren lernte ich E-Bass. Aus mir wurde nie ein Profi, doch ich brachte es weit genug, um zu verstehen, warum sich Instrumente lohnen. ![Weißer Mann spielt live E-Bass](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/10/IMG_5062-1.jpg) Dabei geht es nicht nur um Liebe und Leidenschaft, denn ein Instrument ist vor allem eins: verdammt viel harte Arbeit. *Aber genau deshalb lohnt es sich.* Du lernst ein Lied manchmal tagelang, bis du es plötzlich zum ersten Mal fehlerfrei spielst. Dann ballst du die Fäuste, springst im Kreis und jubelst, dass es die Nachbarn hören. Eine ähnliche Erfahrung mache ich heute auch mit 32\. Ich lerne gerade *Davinci Resolve*, ein Programm zur Videobearbeitung *(Dank geht raus an den lieben Wampus für seine genialen Tutorials und Kurse)*. Ist das immer Spaß? *Hell no*. Statt stundenlang Videomaterial zu sichten und Animationen zu erstellen, würde ich manchmal lieber einem Amateur beim Geige üben zuhören. > *Grausames wird erreicht, wenn der Mensch die Geige streicht.* Aber wenn du das Video fertig stellst und bemerkst, dass dir *Davinci* nicht mehr im Weg steht oder du sogar etwas umsetzen konntest, das dir neulich noch Probleme bereitet hat – **DAS** lohnt sich mehr als jede Stunde TikTok. Dann verstehst du, wie sich [Selbstwirksamkeit](https://www.markusdotzler.de/selbstwirksamkeit-staerken/) anfühlt. #### 3\. Hobbys versorgen dich mit Flow Erinnerst du dich noch daran, wie du dich als Kind stundenlang mit etwas beschäftigen konntest? Hast du beim Fußball spielen schon mal die Zeit vergessen und von deinen Eltern eine Standpauke kassiert, weil du nicht rechtzeitig zum Abendessen zu Hause warst? Sich völlig in einer Handlung zu verlieren, bezeichnet der Psychologe Mihalyi Csikszentmihalyi *(tschick-sent-mi-hai)*als [**Flow**](https://de.wikipedia.org/wiki/Flow%5F%28Psychologie%29?ref=markusdotzler.de). In diesem Zustand vergisst du alles um dich herum. Du verlierst dein Gefühl für Zeit. Menschen berichten sogar, dass sie im Flow körperliche Leiden weniger wahrnehmen. Aus diesem Grund setzt Csikszentmihalyi ein erfülltes Leben mit einem Leben voller Flow-Momente gleich. ![Ein Flow Diagramm: Flow entsteht zwischen Überforderung und Langeweile](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/10/Flow-Grafik.jpg) Flow Grafik (mit KI nachgebaut) Doch um in einen Flow Zustand zu geraten, musst du an etwas arbeiten, das etwas außerhalb deiner Komfortzone liegt. Etwas, das dich fordert, ohne dich zu überfordern, aber auch ohne dich zu langweilen. *Ein Hobby – vor allem gepaart mit einem guten Lehrern – schafft genau das.* Beim Üben erfährst du regelmäßig Flowzustände. Dann beginnt die Zeit zu fließen und das fühlt sich gut an. Während dir viele Social Media Anwendungen also ***schaden***, versorgt dich ein Hobby mit Flow und verbessert so deine psychische Gesundheit. Jede Woche ein Text gegen den Autopiloten. Garantiert frei von Trippi Troppi und Bums Fallera. [Jetzt Deepletter abonnieren ](#/portal/signup/free) ## Was wirst du lernen? Als Ausbildungskoordinator redete ich mit vielen jungen Menschen über ihre Bildschirmzeit. Niemand von ihnen war stolz darauf, viele sogar schockiert. Aber wenn sie mir davon erzählten, was sie im Verlauf ihrer Ausbildung gelernt hatten oder sie mir von ihren Hobbys erzählten, dann konnten sie sich das Grinsen nicht verkneifen. Genau dieses Grinsen will ich häufiger in den Gesichtern anderer Menschen sehen. Durch ein Hobby wächst du, eignest dir Fähigkeiten für die Zukunft an und lässt deiner Psyche regelmäßig ein warmes Schaumbad ein. Und indem du ein Hobby findest, das du mehr liebst als Social Media, entwickelst du auch ein gesünderes Verhältnis zu deinem Smartphone oder Laptop. Digital Detox ist die schlechteste Form von Digitial Detox. Hobbys funktionieren besser. ***Also was wirst du meistern?*** Schreib es mir. Ich freu mich drauf, von dir zu hören. --- ***Vielen Dank für deine Zeit!** **Bevor du gehst, eine letzte Bitte:* ***Dieser Artikel mag digitale Streicheleinheiten.** **Zeig ihm deine Liebe und teile ihn mit deinen Lieblingsmenschen.* ***Gracias!** ### Die Ju/'Hoansi, Erwerbsarbeit und der liebe Gott URL: https://www.markusdotzler.de/von-ju-hoansi-ueber-erwerbsarbeit-lernen/ Last updated: 2026-10-04T11:41:42.000Z Adam und Eva gingen in den Wald, da war es finster und auch so– *Moment, da passt was nicht.* ## Adam, Eva und der liebe Gott Adam und Eva lebten im Garten Eden. Zumindest bis sie die Frucht vom Baum der Erkenntnis naschten und damit die erste Todsünde begingen. In der Folge verbannte Gott die beiden aus dem Garten, verfluchte die Erde unter ihnen und verdammte Adam und Eva zu lebenslanger Arbeit im *„Schweiße ihres Angesichts“*. Ach ja, und all ihre Kinder und Kindeskinder und damit auch dich und mich, denn laut der Bibel stammen wir alle von ihnen ab. *Who’s your daddy?* **Adam.** Für deine 40-Stunden-Woche kannst du dich also bei seinem Schleckermaul bedanken. Die Geschichte des Sündenfalls wird dich nicht mehr beeindrucken. Du hast sie schon hundertfach gehört: - in der Kirche *(falls du dich dort noch blicken lässt)* - im Religionsunterricht (*falls du dort nicht eingeschlafen bist*) - oder von Manfred in der Fußgängerzone *Du weißt schon, der Kerl mit der lauten Stimme, der immer vom Erlöser spricht, und der das Wort „Schamgefühl“ nicht zu kennen scheint, während er dir mehrsprachige Flyer in die Hand presst.* Keine Sorge, ich bin nicht Manfred. Trotzdem glaube ich, dass du mir zuhören solltest *(also bin ich doch ein bisschen Manfred)*. Denn dieser Artikel erzählt dir nicht nur vom Sündenfall, sondern von einer Erkenntnis, die sich darin versteckt. Eine Erkenntnis über nichts weniger als eine der einschneidendsten Entwicklungen des modernen Menschen. Aber um das zu verstehen, müssen wir zuerst die **Ju/’Hoansi** kennenlernen. Ich schreibe gegen den Autopiloten im Leben. Jede Woche ein Text, um Muster zu brechen. [Anmelden ](#/portal/signup/free) ## Die brutale Vergangenheit der Ju/’Hoansi Die Ju/’Hoansi sind ein indigenes Volk, das im Kalahari-Becken lebt. Stell dir das Kalahari-Becken wie einen unförmigen Teller vor. Die trockene Wüste liegt im Inneren. ![Geografische Lage der Kalahari-Wüste in Afrika](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/09/Kalahari_Desert_and_Kalahari_Basin_map.svg.jpg) Das Kalahari-Becken. [Quelle](https://www.mehr-namibia.com/wp-content/uploads/2022/01/Kalahari%5FDesert%5Fand%5FKalahari%5FBasin%5Fmap.svg.jpg?ref=markusdotzler.de). Die [Ju/’Hoansi](https://www.lcfn.info/de/juhoansi/informationen/ethnologie?ref=markusdotzler.de) leben bis heute am nördlichen Tellerrand des Beckens an der Grenze von Namibia und Botswana. *Doch ihre Heimat hat sich verändert.* Bis ins 20\. Jahrhundert waren die Ju/’Hoansi eines der letzten Jäger-Sammler-Völker der Welt. Sie lebten vom Land, jagten Tiere und sammelten Früchte, Gemüse und Wurzeln. Da die Ju/’Hoansi ursprünglich in kleinen Gruppen von nicht mehr als 25 Personen lebten, bot das Kalahari-Becken stets genug Essen, um davon leben zu können. Es war ihr eigener, wenn auch sehr heißer Garten Eden. Das änderte sich in den 1920er Jahren. ### Der Sündenfall der Ju/’Hoansi Weiße Siedler bevölkerten das Land. Sie kamen mit Schusswaffen und Stacheldraht. Sie teilten den Boden untereinander auf und vertrieben die Ju/’Hoansi aus ihrer Heimat. Das bevorzugte Werkzeug der Siedler war dabei nicht das Wort, sondern die Peitsche. Doch Viehzucht und Ackerbau in der Kalahari erforderten viele helfende Hände – und die besorgte sich der weiße Mann, indem er die »wilden Buschmänner« jagte, versklavte und erpresste, indem er ihre Kinder zur Geisel nahm. *Wie muss sich das für die Ju/’Hoansi angefühlt haben?* Ein einst freies Volk muss sich plötzlich nach der Peitsche fremder Menschen richten und bleibt bis heute abhängig von Regierungshilfen, weil man ihre Jagd per Gesetz einschränkt und ihr Land in gewinngetriebene Farmen verwandelt hat. *Was hatten die Ju/’Hoansi verbrochen, um dieses Leid zu erfahren? Wie erklärten sie sich ihr Schicksal?* Vielleicht so. ### Die Bekehrung der *„Wilden“* ![3 Mitglieder eines indigenen Volkes](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/09/Juhoansi02-2.jpg) Die [Ju/'Hoansi](https://www.lcfn.info/de/juhoansi?ref=markusdotzler.de). Als die Siedler kamen, folgten auch die ersten Missionare. Sie wollten die »Wilden« zivilisieren, belehren und bekehren. Sie erzählten ihnen vom Christentum, von Gott und auch von Adam und Eva. Und vielleicht erschien den Ju/’Hoansi die Erzählung vom Sündenfall wie eine Erklärung für ihr Leid. Hatten sie selbst eine Todsünde begangen, für die irgendeine höhere Gewalt sie aus ihrem Garten Eden verbannte? Waren die Ju/’Hoansi fortan dazu verdammt, im Schweiße ihres Angesichts die verfluchte Erde des weißen Mannes zu beackern? Es heißt, Geschichte wiederholt sich. Was den Ju/’Hoansi durch Siedler und Kolonialisten widerfahren ist, erlebten auch andere Völker – nicht durch dieselben, aber durch die gleichen Menschen. Es heißt auch, Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Was wäre also, wenn in der Entwicklung der Ju/’Hoansi ein brutaler, von außen erzwungener Reim auf die Geschichte der gesamten Menschheit steckt? **Gib diesmal nicht mir, sondern den Ju/'Hoansi einen Kaffee aus:* **Die Living Culture Foundation hilft im Kampf gegen Armut und beim Erhalt traditioneller Kulturen in Namibia.* [Unterstützen ](https://www.lcfn.info/de/unterstuetzung?ref=markusdotzler.de) ## Der Sündenfall und die Geschichte der Menschheit Vor rund 12.000 Jahren waren wir alle Jäger und Sammler wie die Ju/’Hoansi. > *„Zweieinhalb Millionen Jahre lang ernährten sich die Menschen von Pflanzen und Tieren, die ohne menschliche Eingriffe lebten und sich vermehrten.“* \- Yuval Noah Harari (2015, S. 101) Sesshaft wurden wir erst vor rund 10.000 Jahren, als wir begannen, uns auf die Zucht weniger Tier- und Pflanzenarten wie z.B. Schafe und Weizen zu konzentrieren. Das bezeichnet **Yuval Noah Harari** als *erste landwirtschaftliche Revolution*. Diese neue Form von Arbeit produzierte mehr Nahrung und ermöglichte ein bis dahin einzigartiges Bevölkerungswachstum. Das war auch bitter nötig, denn Ackerbau und Viehzucht verlangten – wie die Ju/’Hoansi 10.000 Jahre später erfahren mussten – vor allem Arbeitskraft. So entstand eine Abhängigkeit. Je mehr Weizen es gab, desto mehr Arbeitskräfte waren nötig. Doch je mehr Menschen zur Welt kamen, desto mehr Weizen brauchten sie. Eine Affenart, die lange Zeit ein angenehmes Leben als Jäger und Sammler führte, war innerhalb weniger Generationen an Feldarbeit und Tierzucht gebunden. Und wie Yuval Noah Harari treffend schlussfolgert, domestizierten wir den Weizen nie. Das Wort *„domestizieren“*stammt vom lateinischen *„domus“* und bedeutet *„Haus“*. > *„Wer lebt eingesperrt in Häusern? Der Mensch, nicht der Weizen.”* Wir domestizierten uns selbst. ### Der Mensch als Sklave seines Lebensstils? Heute ersetzen Maschinen die helfenden Hände in der Landwirtschaft, doch abhängig von Massenproduktion bleiben wir trotzdem, denn eine Rückkehr zum Jäger-Sammler-Dasein würde den Hungertod von Milliarden Menschen weltweit bedeuten. *Wir können nicht zurück.* #### Modern, aber monoton? Dieser Artikel wünscht sich auch keine Rückkehr zur *„guten alten Zeit“*. Nein, der Verfasser dieses Artikels mag fließend warmes Wasser ganz gerne. Trotzdem glaube ich, dass die Arbeit auf den Feldern *„im Schweiße unseres Angesichts“* deutlich monotoner und zeitraubender war als das Leben der Ju/’Hoansi bis ins 20\. Jahrhundert. Um das zu verstehen, schau dir bitte unbedingt dieses Video an: Im Video siehst du einen San, eine Sammelbezeichnung für verschiedene indigene Völker. Die Ju/’Hoansi sind die größte Untergruppe der San. Der San im Video versetzt sich bei der Jagd in die Gedankenwelt eines Kudus, um seine Fährte wieder aufzunehmen. Ich kann mir diesen Stilbruch nicht verkneifen: *WIE ABGEFAHREN IST DAS DENN?!* Wann hat sich Manfred bitte das letzte Mal in die Gedankenwelt eines Hundes versetzt, um zu verstehen, warum ihm der Köter neben seinen Stand gekackt hat? Auch die Art und Weise, wie der San das tote Tier behandelt, spricht Bände über die Verbundenheit zu seiner Umwelt, die ich bei Hähnchenbrust aus Plastikverpackungen noch nie erlebt habe. Das Verständnis für Natur und Umgebung der indigenen Völker ist uns seit Beginn des Ackerbaus, spätestens mit dem Umzug in Städte und Büros verloren gegangen. Vielleicht schlummert es auch nur. Doch so, wie wir die Natur behandeln, fehlt uns seine Abwesenheit. Auch in meinem letzten Job hab ich diese Form von Verbundenheit mit dem, was ich tue, selten gespürt und ich weiß, dass es vielen Menschen ähnlich geht. Wir leben entkoppelt. [Emotional distanziert](https://www.markusdotzler.de/wie-sich-emotionale-distanz-anfuehlt-job/) zu dem, was wir tun. #### Weniger ist mehr? Zudem wissen wir heute, dass frühere Jäger-Sammler-Kulturen nicht täglich gegen den Hungertod kämpften. Auch die Ju/’Hoansi waren Zeit ihres Lebens wohlgenährt und dafür mussten sie, anders als wir, nur 15-20 Stunden *„arbeiten“*. Die Mangelernährung der Ju/’Hoansi begann ironischerweise erst, als die Siedler ihnen das Land streitig machten und versuchten, sie zu zivilisieren. Zwar kennt die Kalahari-Wüste nicht das Übermaß, das wir Deutschen in Rewe und Aldi vorfinden. Doch unser Luxus bindet auch. Wir arbeiten heute vor allem, um unseren Lebensstandard zu steigern. Um uns zu leisten, was wir haben wollen. Oder besser gesagt: *Um uns zu leisten, was wir zu wollen gelernt haben.* > *„Menschen \[…\] sind von der Werbung wohlerzogene Konsumenten“* – Richard David Precht (2022, S. 189) Deshalb erkenne ich in den Ju/’Hoansi keine Primitivlinge. Sie verstehen mehr über die Welt als ich, denn bis vor 100 Jahren hing ihr Überleben von einer genauen Kenntnis ihrer Umgebung ab. Ich vermute sogar, dass ich von einem vermeintlich *„Wilden“* mehr lernen könnte als von jedem Finanzbroker dieser Welt. Vor allem eine Lektion sticht aus ihrem Leben heraus: > Verzicht ist Freiheit. #### Wirkliche Menschen Der Verzicht der Ju/’Hoansi auf Rewe und Aldi ist zwar kein „freiwilliger“, sie kennen es einfach nicht anders, doch trotzdem bedeutet ihr Verzicht Freiheit. Ungebundenheit. Niemand von ihnen ist das [Eigentum seines Eigentums](https://www.markusdotzler.de/5-lieder-gegen-den-npc/). Der Name „Ju/’Hoansi“ trifft in diesem Kontext ins Mark, denn er bedeutet *„die wirklichen Menschen“*. Wie verrückt ihnen unser Lebensstil vorkommt, zeigt die Dokumentation *„*[*Ghostlands*](http://ghostland-themovie.com/index.php?lang=de&ref=markusdotzler.de)*“* *(gibt es leider nur als DVD zu kaufen)*. Im Trailer dazu sagt einer der Ju/’Hoansi: > *„Die Menschen in \[der westlichen Welt\] schlafen nicht. Sie sind wie Verrückte. Sie arbeiten den ganzen Tag!”* Dabei unterscheiden wir uns nicht von diesen vermeintlich „Wilden“. ### Der Mensch läuft noch auf Windows 98 Durch Sesshaftigkeit, Ackerbau und technologischen Fortschritt erreichten große Teile der Menschheit Wohlstand und immer mehr folgen. Das Leben der Ju/’Hoansi zeigt allerdings auch, was wir dadurch verlieren. Wir verdrängen heute gerne, dass der moderne Mensch immer noch mit einem alten Betriebssystem durch die Welt läuft. Nicht iOS, mehr Windows ’98. 10.000 Jahre sind aus Sicht der Evolution ein Katzensprung. Die Jäger-Sammler stecken uns noch immer in den Genen. ***Die Jäger-Sammler sind wir und wir sind sie.*** Nur weil wir unser Leben in den Städten und Büros heute als normal bezeichnen, ist es noch lange nicht natürlich. Doch bis heute verbringen wir mehr als doppelt so viel Zeit auf unseren Ärschen in Büros wie die Ju/’Hoansi auf der Pirsch. Ist es deshalb so abwegig, dass die Menschen sich durch den Sündenfall ihre Existenz auf den Feldern und Äckern erklärten? Und welche Bedeutung besitzt der Sündenfall heute noch? Fühlen sich monotone Jobs, von denen es auch im 21\. Jahrhundert noch genug gibt, wie eine Strafe an, weil sie nicht unserer Natur entsprechen? Erkennen wir in den Büros dieser Welt immer noch den Schatten Gottes, unseren persönlichen Sündenfall? ## Dein Job, der Sündenfall und du Ich erzähle dir die Geschichte der Ju/’Hoansi und des Sündenfalls nicht, damit wir wieder in die Savanne ziehen, sondern damit du und ich zwei Dinge tun: ### 1\. Hinterfragen, was wir brauchen. In meinem Artikel „[Ankunftsfehler sagt nein](https://www.markusdotzler.de/ankunftsfehler-arrival-fallacy/)“ schreibe ich darüber, wie schnell wir uns an Erreichtes gewöhnen. *„Immer mehr“* stellt uns nicht zufrieden. Bevor wir also immer wieder unser Glück in neuen Autos suchen, lass uns an die Ju/’Hoansi denken: > Verzicht ist Freiheit. Meld dich jetzt zum Newsletter an. [Nie wieder NPC. ](#/portal/signup/free) ### 2\. Hinterfragen, was wir von Arbeit erwarten. [Nietzsche](https://www.markusdotzler.de/readings/nietzsche-froehliche-wissenschaft-interpretation/) sagte sinngemäß: Gott ist tot, doch wir werden noch lange mit seinem Schatten kämpfen. ![Auszug aus Friedrich Nietzsches „Die Fröhliche Wissenschaft“](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/09/eae1d080-608b-4556-82a7-29455798dfe3-2.jpg) Ausschnitt aus „Die Fröhliche Wissenschaft“ Behält er Recht *(und das tut er erschreckend häufig)* und Gott ist wirklich tot, dann ist es vielleicht auch an der Zeit, uns vom Sündenfall zu lösen. Deshalb frage ich dich: Fühlt sich das, was du täglich tust, *natürlich* für dich an? Passt es zu deiner Persönlichkeit? Bietet dir dein Job Abwechslung, Sinn, vielleicht sogar ein Ventil für die Kreativität, die immer noch in dir schlummert *(auch wenn du dafür keine Kudus mehr brauchst)*. Fühlst du dich wie ein Ju/’Hoansi, ein *wirklicher Mensch*? Oder… Steckst du noch immer fest in deinem eigenen, persönlichen Sündenfall? **Dieser Blog lebt von deiner Unterstützung.* **Schick diesen Artikel einem Freund oder einer Freundin.* ## Quellen: - Harari, Y. N. (2015). *Sapiens: A brief history of humankind* (J. Purcell & H. Watzman, Übers.). Vintage Books. - Precht, R. D. (2022). *Freiheit für alle: Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten* (Originalausgabe, 1\. Auflage). Goldmann. ### Falco und das Schreiben im KI-Zeitalter URL: https://www.markusdotzler.de/ki-vorwuerfe-beim-schreiben/ Last updated: 2026-10-11T10:39:23.000Z Vor ein paar Tagen passierte es. Spätestens seit meinem [ersten Hater auf Youtube](https://www.markusdotzler.de/wie-du-mit-negativen-kommentaren-umgehst/) hatte ich schon damit gerechnet. So viele Autoren und Blogger habe ich bereits fallen sehen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es mich erwischte. ## Das Schreiben im KI-Zeitalter In einer meiner letzten Notes auf [Substack](https://markusdotzler.substack.com/) verwendete ich das Wort *„erstaunlich“*. ![](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/09/image-1.png) Einen Tag später wurde ich freundlich darauf hingewiesen, dass auch die Chatbots dieser Welt das Wort *„erstaunlich“* erstaunlich oft benutzen. Das fand ich… *überraschend*. Haste gedacht, wa’? Ich bin eben ein lernfähiges System! Was mich überraschte, fragst du? Die erstaunliche Anspielung, ich hätte meine Note mit KI generiert, ohne den Vorwurf direkt auszusprechen. Nun... Ich schreibe gegen den Autopiloten im Leben. Jede Woche ein Text zum selber denken. [Anmelden ](#/portal/signup/free) ## Textemacher brauchen gerade viel Humor Da die erstaunliche Katze nun aus dem erstaunlichen Sack ist und meine treuen und durchaus erstaunlichen Leser jetzt wissen, dass ich ein Cyborg bin, kann ich mich ja ENDLICH austoben. Erstaunlich. Erstaunlich. Erstaunlich. Erstaunlich. Erstaunlich. Erstaunlich. Erstaunlich. Erstaunlich. Erstaunlich. Erstaunlich. Erstaunlich. Erstaunlich. Erstaunlich. Erstaunlich. Spaß, meine verehrten und sehr erstaunlichen Leser, Leserinnen und Cyborgs. Bitte machen Sie sich keine Sorgen. Mein Schriftstellerego ist nicht so verletzbar, dass ich mich von der erstaunlichen Andeutung auf Social Media, ein Cyborg zu sein, angegriffen fühle. Aber Spaß haben ist bekanntlich nicht verboten. Außer bei der Spaßpolizei. Die bin ich nicht. Aber vielleicht eine KI?! Nun ja, was ich eigentlich sagen will: Wenn ihr online einen Text lest, bleibt bitte freundlich – auch zu den Cyborgs. Vor allem zu denen von uns, die Gedankenstriche benutzen – und Satzfragmente. Und Wortwiederholungen. Und Wortwiederholungen. Hups, mein Skript hängt. Moment, kurz neu laden. ... Also, zurück zum Wesentlichen: Wir Cyborgs wollen euch nichts Böses. ***Außer ihr steht uns im Weg.*** Moment, falsches Skript. *\*räusper\** **Erstaunlich.** *Ok, jetzt läufts wieder.* ## Falco und die Frage, ob ich mit KI schreibe Falls nach all dem Kauderwelsch also immer noch unklar ist, ob in Wirklichkeit eine KI meine Texte schreibt, dann beantworte mir bitte folgende Frage: *Würde ein LLM diesen Vorwurf als Vollhorstigkeit bezeichnen?* ... Ich natürlich auch nicht! Was nur eine Sache bedeuten kann: > *Der Fall is’ klar, lieber Herr Kommissar, der Dotzler isn Robotah.* Naja, Falco werde ich damit wohl keine Ehre machen. Doch was ich hier auf sehr konfuse Art und Weise zum Ausdruck bringen will, ist das: Ich halte diese Hexenjagd nach KI-generierten Texten für idiotisch. Das steht hier natürlich nicht nur, weil es ein Cyborg tippt, der nicht ertappt werden will. Doch wem bringt diese Schuldvermutung etwas? Und wem schadet eine falsche Behauptung? ## KI als Kunst des Selbstbetrugs Viel schwerer wiegt für mich außerdem, dass nicht nur eine falsche Behauptung Schaden anrichtet, sondern auch ein falscher Einsatz von KI. Ich bin davon überzeugt, dass KI-generierte Texte mehr Selbst- als Fremdbetrug sind, denn ein gut formulierter Gedanke erfordert oft mehr Hirnschmalz vom Autor als vom Leser. Weißt du, als gut geprompteter Cyborg greife ich auf echte Lebenserfahrung zurück, wenn ich dir sage: ***Etwas einfach auszudrücken, klingt leichter, als es ist.*** Das sagte schon meine Cyborg Mutter zu mir, die mich liebevoll mit ihren Carbon-Händen aufzog und mich in stürmischen Winternächten an ihrem Prozessor wärmte. Nein, sich verständlich auszudrücken erfordert manchmal Hunderte Überarbeitungen des gleichen, nein, desselben – oder doch des gleichen… *Jetzt hab ich’s.* Hunderte Überarbeitungen eines Satzes. **HA!** *Siehst du, was ich meine?* Und genau das geht verloren, indem wir alles prompten und generieren. [KI ist Selbstbetrug in Selbstwirksamkeit](https://www.markusdotzler.de/selbstwirksamkeit-staerken/). Mir ist bewusst, dass das nicht jeder so sieht. Der ein oder andere Highperformer wird sich darüber freuen, dass er das Statusgejodel, das er als Beitrag bezeichnet, in Zukunft nicht mehr selbst fabrizieren muss. Endlich können sich Highperformer wieder ihren Highperformer-Sachen widmen, wie z.B. sich mit der KI darüber unterhalten, welche 5 Mitarbeiter sie nächsten Monat durch Chatbots ersetzen. > *Die Macher machen ihr Geschäft!* > *Den Tüchtigen gehört die Welt zurecht!* > *Wer kümmert sich noch um den Ruf* > *Seit man die Leistungsprämie schuf?* > **– Falco, Hinter Uns Die Sintflut** Weißte wie viele Tokens mein Hirn frisst, um Texte zu generieren? Spendier mir doch 'nen Kaffee, sonst geht dem LLM in meinem Kopf der Saft aus. [Hier geht's zur Kaffeekasse ](https://ko-fi.com/markusdotzler?ref=markusdotzler.de) ## Schreiben bleibt Denken Vielleicht bin ich kein [Highperformer oder Hustler](https://www.markusdotzler.de/warum-hustle-culture-toxisch-ist/). Vielleicht fehlt mir das richtige MINDSET, aber mir persönlich bedeutet das Schreiben und Umschreiben noch etwas. Denn letztendlich bin ich von dem überzeugt, was das Unternehmen *Leuchtturm* auf den Punkt bringt *(und aufs Papier, hehe)*: > Schreiben ist Denken. Der eigentliche Slogan heißt zwar, *„Schreiben ist Denken auf Papier“*, aber: > Haste kein Papier parat, > tut’s auch der Handyapparat. Ok, keine selbstgeschriebenen Reime mehr... Indianerehrenwort. Naja. Deshalb halte ich generierte Texte also vor allem für Selbstbetrug im eigenen Denken. Wie Falco singt: > *Es steht geschrieben* > *Und was Wahres hat es schon* > *Ja, der Dumme lebt sich tot* > *Nur mit Hirn kommst du davon* > **– Falco, Nie mehr Schule** Problematisch wird es für mich vor allem dann, wenn ich diesem Selbstbetrug nicht mehr entkommen kann… ## AI-Slop und der Imperativ der KI Aber Selbstbetrug hin oder her – ich werde die Texte anderer nicht auf Gedankenstriche, Satzfragmente und Wortwiederholungen und Wortwiederholungen und Wortwiederholungen untersuchen. Auch werde ich einem Schriftsteller, dem ich vertraue, morgen nicht unterstellen, dass die *erstaunliche* Verwendung eines Wortes den **eindeutigen** *(und erstaunlichen)* Beweis liefert, dass er seine Texte generiert. *Wo kommen wir denn da hin?* Und nein, damit entschuldige ich nicht den ganzen AI-Slop, der sich mittlerweile auf Spotify, Youtube und Linkedin, vor allem aber auf Linkedin und insbesondere auch auf Linkedin tummelt. Es stimmt schon, es gibt sie, diese offensichtlich KI-generierten Inhalte. Den Gallensaft, der sich dabei vom Magen aus an die Frischluft bahnen will, spüre ich dabei genauso in mir aufsteigen wie du. Trotzdem muss jeder Mensch selbst entscheiden, ob er seine Texte generiert, sich selbst betrügt oder nicht. *Immerhin* können Autoren und Textemacher das noch entscheiden! Auf viele andere Bereiche trifft das nicht mehr zu. KI ist die Kondomtechnologie der Moderne. Überall überstülpen, weil sicher ist sicher! Selbst meine Stadt fühlt sich schon genötigt, einen Chatbot zu verwenden, damit ihnen diese lästigen Bürger keine Löcher mehr in den Bauch fragen. *Der Imperativ künstlicher Intelligenz!* ## Wie wir mit KI umgehen, entscheiden wir (noch) selbst Natürlich wünsche ich mir, dass Autoren und Content Creator offen mit ihrem Einsatz von KI umgehen. Der Fakt, dass viele Menschen das vertuschen, sagt vielleicht mehr über unsere Einstellung zu KI im kreativen Prozess als über die Person, die sie einsetzt. Aber letztendlich machen Menschen eben Menschendinge. Die einen lieben, die anderen lügen. Wat willste erwarten? Deshalb werde ich mich nicht daran beteiligen, andere aufgrund einer Vermutung an den Pranger zu stellen, nur weil sie bestimmte Wörter oder Satzzeichen verwenden. Vielleicht ist das ein netter Zeitvertreib, wenn man sonst nichts zu tun hat. Meine eigene Arbeit bringt das aber nicht voran. Außerdem erinnert mich die digitale Hexenjagd immer an diesen Song von Falco: > Draaaah di ned um oh oh oh > Der Kommissar geht um oh oh oh Was ich sagen will: > Be a Mensch. Not a Kommissar. Alles klar? *Indianerehrenwort gebrochen, aber ich konnte nicht widerstehen.* ## Ungefragter Rat ist der beste Rat, oder? Und wenn du am Ende dieses Textes noch offen für einen Tipp bist: > Nutze KI als Werkzeug und nicht als Ersatz für dein Gehirn. Weißt, die KI is’ scho’ gscheit, aber halt trotzdem bloß a Automat. A gscheita Automat, aber manchmal auch a gschissener. Gä? Für meinen Einsatz bedeutet das: > In den Bereichen, in denen ich Kompetenz aufbauen will, nutze ich sie ***nicht***. Das schließt ERSTAUNLICH viel in meinem Leben aus – zum Beispiel meine Texte. Daran ändern auch die von mir heiß geliebten Gedankenstriche oder das Wort *„erstaunlich“* nichts. Denn egal wie gedankenverloren meine Texte manchmal wirken mögen, sie bleiben menschlich – oder – sind – es – vielleicht – genau – deswegen. Aber das würde ein Cyborg auch behaupten. Oder? PS: ![](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/09/image-2.png) *Biberkacke!* Hattest du beim Lesen genauso viel Spaß wie ich? Na worauf wartest du? Meld dich an und hör regelmäßig von mir. [Zum Newsletter ](#/portal/signup/free) ### 5 Lieder, die dein Denken verändern URL: https://www.markusdotzler.de/5-lieder-gegen-den-npc/ Last updated: 2026-09-19T11:17:05.000Z Gute Kunst verändert und rüttelt wach. Genau das haben diese 5 Lieder für mich getan und sie können es auch für dich. Ein Artikel zum Nachdenken und Mitsingen. ## 1\. Rage Against The Machine – Killing In The Name Am 17\. Dezember 2009 traten **Rage Against The Machine** live bei der BBC unter der Bedingung auf, dass das Wort *„Fuck“* nicht fallen dürfe. Gar nicht so einfach: *Fuck* kommt in *„Killing In The Name“* 17 Mal vor – inkl. *„Motherfucker“* (*ja, ich hab nachgezählt*). Doch Fuck dient dem Song nicht bloß als Kraftausdruck. Es ist ein Stilmittel. Es ist das Wort, das die Emotion, den Verdruss und den Widerstand des Songs trägt und kommt deshalb bis Minute 4:10 überhaupt nicht vor. Wie Rage Against The Machine das Verbot bei der BBC interpretieren, siehst du im Video, und genau deshalb liebe ich den Auftritt, den Song und die Band. > *Fuck you! I won’t do what you tell me!* PS: Später [entschuldigt sich die BBC](https://www.theguardian.com/media/2009/dec/17/rage-agains-machine-singer-swears?ref=markusdotzler.de) bei allen Hörern, die sich vom Wort *„Fuck“* angegriffen fühlten. > *„We were expecting it, we asked them not to do it and they did it anyway“* > *– BBC* Pah! Eurer Einschaltquote hat es sicherlich geholfen. ## 2\. Cage The Elephant – In One Ear Ich war 15 Jahre alt, als ich **Cage The Elephant** durch das Videospiel *„Borderlands“* entdeckte. Borderlands spiele ich zwar nicht mehr, aber die Jungs aus Kentucky sind geblieben. Beim Release ihres ersten Albums 2008 war Sänger Matt Schultz selbst erst 24 Jahre alt. Vielleicht fühlte ich deshalb eine sofortige Verbindung zu den Lyrics und der Musik: Es war, als hätte mein großer Bruder ein Album *nur für mich* geschrieben. Das erste Album einer Band ist oft etwas Besonderes: Die Musiker sind noch jünger, roher und ungeformter. Das hörst du auch dem Lied *„In One Ear“* an, mit dem Cage The Elephant das Album eröffnen. Es schreit: *„Mir ist es egal, ob du mich magst. Ich muss dir nicht gefallen.“* Und das war genau der richtige Soundtrack für einen Teenager, der seine Wut nicht benennen konnte. > *Here's the moral to the story* > *We don't do it for the glory* > *We don't do it for the money* > *We don't do it for the fame* > *So all the critics who despise us, go ahead and criticize us* > *It's your tyranny that drives us, adds the fire to our flames* ## 3\. Udo Jürgens – Ein Ehrenwertes Haus Meine Oma liebte die Musik von **Udo Jürgens** und dieses Lied hat viel damit zu tun. Als meine Großeltern nach ihrer ersten gemeinsamen Wohnung suchten, erwartete die Gesellschaft, dass sie verheiratet waren. Denn damals vermietete man nicht an ein Paar, das keinen Trauring trug – zumindest nicht in einem *„ehrenwerten Haus“.* Diese Situation spiegelt sich 1:1 in *„Ein Ehrenwertes Haus“* von Udo Jürgens: > *Weil wir als Paar zusammenleben und noch immer ohne Trauschein sind* > *Hat man sich gestern hier getroffen und dann hat man abgestimmt* > *Und die Gemeinschaft aller Mieter schreibt uns nun: „Zieh'n Sie hier aus“* > *Denn eine wilde Ehe, das passt nicht in dieses ehrenwerte Haus* Solche Überzeugungen wirken später absurd, aber zeigen sich in der Geschichte immer wieder und Udo Jürgens war derjenige, der diese Heuchelei nicht nur in ein Lied packte. Nein, von ihrer Doppelmoral verpasste er den Deutschen auch noch einen Ohrwurm! Jedes Mal, wenn ich dieses Lied höre, sehe ich meine Oma wieder – ihre grauen Locken, ihr sanftes Lächeln und die Art, wie sie beim Kochen zur Musik summte. Doch wenn ich sie sehe, summt sie nicht nur. Sie singt zu Udo Jürgens. > *Wenn du mich fragst, diese Heuchelei halt' ich nicht länger aus* > *Wir packen unsre sieben Sachen und zieh'n fort aus diesem ehrenwerten Haus* Danach legt sie den Song *„Mit 66 Jahren“* auf und schwingt sich in den Armen meines Opas durch die Wolken. ## 4\. Knorkator – Eigentum Ein ehemaliger Schulfreund empfahl mir **Knorkator**, *die meiste Band der Welt*, als wir in dem kleinen Waldstück vor unserem Haus Bier tranken. *Wir waren natürlich vollkommen volljährig und die Bäume dienten uns nicht als Versteck!* An den Rest des Tages erinnere ich mich kaum – *spontane Amnesie* –, doch seitdem höre ich Knorkator und rede über dieses Lied. Denn kein anderes benennt den goldenen Käfig so klar wie die *meiste Band der Welt* auf dem *„Nächsten Album Aller Zeiten“*. Und wie könnten unsere Fesseln schöner klingen als durch die liebliche Stimme von Alf Ator? > *Ich bin das Eigentum von meinem Eigentum* > *Bin allem hörig, was mir gehört* > *Ich bin besessen von dem, was ich besitze* > *Und werd' gefressen von dem, was mich ernährt* > *Ich bin der Diener von dem, was ich verdiene* > *Ich bin der Sklave von dem, was ich versklavt* > *Und allen Dingen über die ich verfüge* > *Füge ich mich brav* Du willst nicht das Eigentum deines Eigentums sein? Trenn dich doch und spendier mir einen Kaffee. Hier kannst du das. [Hier geht's zur Kaffeekasse ](https://ko-fi.com/markusdotzler?ref=markusdotzler.de) ## 5\. Linkin Park – Numb Chester Bennington starb 2017. *Kaum zu glauben, oder?* Chesters Tod veränderte mich. Wegen ihm schrieb ich meine Bachelorarbeit über Depressionen. Ich konnte einfach nicht verstehen, warum er sich das Leben nahm. Doch mehr als Chesters Tod formte mich sein Leben, formten mich **Linkin Park**. Dank meines großen Bruders war *Meteora* von Linkin Park eines der ersten Alben, die ich *jemals* hörte. Es gefiel mir so gut, dass ich es mit auf den Weg zur Grundschule nahm. Dafür musste ich meinen tragbaren CD-Spieler von Sony *(der wahrscheinlich eher meinem Bruder gehörte als mir – *große* Geschwister kennen das Problem)* mit einem Clip am Gürtel meiner viel zu großen Jeans befestigen *(die wahrscheinlich auch mal meinem Bruder gehörte – *kleine* Geschwister kennen das Problem)*. ![](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/09/31BY76YQ-XL.jpg) Der Sony D-E220 – nicht hosentaschenfreundlich Mit hoher Wahrscheinlichkeit sah ich weniger cool aus, als ich es mir damals vorstellte. Doch es zeigt, wie sehr ich das Album lieben musste, damit ich mich dafür zum Deppen machte. Auf Meteora befindet sich auch einer der kommerziell erfolgreichsten Songs von Linkin Park: **Numb*.* Das Lied erzählt die Geschichte eines Menschen, der sich von den Erwartungen seiner Eltern, vielleicht auch einer ganzen Gesellschaft entfremdet fühlt. > *I'm tired of being what you want me to be* > *Feeling so faithless, lost under the surface* > *I don't know what you're expecting of me* > *Put under the pressure of walking in your shoes* Die Person will ausbrechen und ihren eigenen Weg gehen. Auch wenn das bedeutet, dass sie Fehler begehen und andere enttäuschen wird. > *And I know* > *I may end up failing too* > *But I know* > *You were just like me with someone disappointed in you* Mit *Numb* verliehen Linkin Park einer ganzen Generation eine Stimme. *Jeder 30-jährige kennt es.* Doch jetzt kommt der Kicker. Jedes Mal, wenn *Numb* spielt, singen wir die Wörter zusammen mit Chester. Doch trotzdem stehen wir hier, Seite an Seite, und haben immer noch Angst davor, unseren eigenen Weg zu gehen. Zu uns zu stehen. Wir hören *Numb* nicht. Wir **sind** *numb.* Deshalb frage ich dich: > ***Was braucht es noch, damit wir uns endlich trauen?*** 5 Lieder sind nur der erste Schritt. Mein Newsletter ist der zweite. Hier meldest du dich an: [Jetzt abonnieren ](#/portal/signup/free) ### Für wen funktionierst du eigentlich? (mit Nietzsche, Hesse und B.-C. Han) URL: https://www.markusdotzler.de/ich-funktioniere-nur-noch/ Last updated: 2026-10-03T14:19:29.000Z Fühlst du dich gegenüber der Gesellschaft verpflichtet, einen Job zu behalten, der zwar eine Funktion, aber nicht **dich** erfüllt? Nietzsche beäugte diese Selbstlosigkeit skeptisch. In Aphorismus 21 der „[Fröhlichen Wissenschaft](https://www.markusdotzler.de/readings/nietzsche-froehliche-wissenschaft-interpretation/)“ fragt er, wer **wirklich** von dieser Aufopferung profitiert. Wie Marcus Tullius Cicero einst fragte: *Cui bono?* Wem nutzt das? Nietzsches Antwort: Dem Nächsten. Den Anderen. Der Gesellschaft. *Nicht unbedingt dir.* ### Aphorismus 21: An die Lehrer der Selbstlosigkeit > *„Man nennt die Tugenden eines Menschen gut, nicht in Hinsicht auf die Wirkungen, welche sie für ihn selber haben, sondern in Hinsicht auf die Wirkungen, welche wir von ihnen für uns und die Gesellschaft voraussetzen“* – Nietzsche Lobt die Gesellschaft dein Pflichtbewusstsein, weil sie selbst davon profitiert? Hebt deine Chefin deine Gewissenhaftigkeit hervor, weil ihr dein Fleiß mehr nutzt als dir? Nietzsche dreht den Aufruf zur Selbstlosigkeit auf den Kopf: Wer zur Selbstlosigkeit aufruft, um von ihr zu profitieren, handelt nicht besonders selbstlos, oder? Das erinnert mich an Hermann Hesses *„Unterm Rad“*. ## Hesses „**Unterm Rad**“: Nietzsches Aphorismus am Beispiel Hans Giebenrath Der Hauptcharakter in Hesses *„Unterm Rad“* heißt Hans Giebenrath. Er ist ein vorbildlicher Junge. Fleißig, schlau, gewissenhaft. Nietzsche würde ihn als »**braver Mensch**« bezeichnen. Hans’ Vater und Lehrer üben einen ungeheuren Druck auf den Jungen aus. Ich werde dir das Buch nicht spoilern, nur folgendes Zitat zum Ende des Buches: > „\[Giebenrath\] kam sich so gebrochen und elend vor, als müsse er nun eine Ewigkeit ruhen, schlafen, sich schämen.“ – Hermann Hesse Hans Giebenraths Umfeld betrachtet den Jungen als **Gemeingut**. Der Vater sucht im Erfolg des Sohnes die eigene Selbstverwirklichung. Die Lehrer sehen den Jungen als Beleg ihrer eigenen Genialität. Das ganze Dorf setzt Hoffnung in Hans nach dem Motto: „**Er ist einer von uns!**“ Doch was der Junge will? Das interessiert niemanden. > *„Gelingt die Erziehung, so ist jede Tugend des Einzelnen eine öffentliche Nützlichkeit“* – Nietzsche Weißt du, was auch eine öffentliche Nützlichkeit ist? Dieser Text. Und mit 3 Tassen Kaffee im Blut tippe ich neue Texte schneller als ein gedopter Lance Armstrong. [Hier geht's zur Kaffeekasse ](https://ko-fi.com/markusdotzler?ref=markusdotzler.de) ### Hans Giebenrath – ein Opfer der Gesellschaft? Giebenrath ist das perfekte Beispiel für Nietzsches Argumentation: ein Junge, den die Gesellschaft für seine Tugenden lobt. Doch diese Tugenden dienen anderen, nicht Hans selbst. > *„Für das ganze Grosse der Gesellschaft ist auch der Verlust des besten Einzelnen nur ein kleines Opfer! Schlimm, dass das Opfer Noth thut! Viel schlimmer freilich, wenn der Einzelne anders denken und seine Erhaltung und Entwickelung wichtiger nehmen sollte, als seine Arbeit im Dienste der Gesellschaft!“* – Nietzsche Ich hoffe, du erkennst die Ironie in Nietzsches letztem Satz. Vielleicht stellst du an diesem Punkt fest, dass ein Teil deiner [Unzufriedenheit im Job](https://www.markusdotzler.de/unzufrieden-im-job-nicht-kuendigen/), sogar im Leben selbst, darauf zurückzuführen ist, dass du für alle anderen funktionierst, außer für dich selbst. Vielleicht sagst du aber auch: Nein, ich bin kein Hans Giebenrath. Mein Leistungsstreben hängt weder von der Gesellschaft noch von verinnerlichten Glaubensansätzen meiner Lehrer, Eltern oder Vorgesetzten ab. Doch ist das so? ## Funktionieren ohne Chef: Warum du dich selbst ausbeutest (Byung-Chul Han) Du bist nicht Hans Giebenrath. Doch der Philosoph Byung-Chul Han würde heute argumentieren, dass du die „*äußeren Umstände*“, die Hans Giebenrath zusetzten, nicht mehr brauchst. ***Du hast sie längst verinnerlicht.*** In der „*Müdigkeitsgesellschaft*“ argumentiert B.C.-Han, dass wir heute in einer Leistungsgesellschaft leben, die ohne Kontrolle von außen funktioniert. Sie braucht diese Zwänge nicht mehr, denn sie lebt vom *„alles ist möglich“*. **Du musst es nur wollen!** In dieser Gesellschaft braucht es keinen kontrollierenden Chef, der dich antreibt. Du bist dein eigener Antreiber. [Du optimierst dich](https://www.markusdotzler.de/produktivitaetsluege/) und deine Prozesse, um dein Potenzial zu verwirklichen. Du denkst, du tust das für dich. Doch in Wahrheit hat sich der Zwang, den Vater und Lehrer dem jungen Hans noch von außen zufügten, längst in dein Inneres verschoben. > Du bist Opfer und Täter zugleich. Der toxische Vorgesetzte sitzt heute längst in deinem Kopf. Dir wurde [Selbstausbeutung als Selbstverwirklichung](https://www.markusdotzler.de/warum-hustle-culture-toxisch-ist/) verkauft. Und du hast den Drops gelutscht. Also frag ich dich wie bereits zu Beginn: Cui bono? Wem nutzt dein Funktionieren? Bauen dein Fleiß, deine Zuverlässigkeit, dein Pflichtgefühl – deine Tugenden – dich selbst auf oder verzehren sie dich? ## Ist es Egoismus, sich aus der Leistungskultur auszuklinken? Vielleicht hast du mehr fremde Zwänge verinnerlicht, als du glauben willst. Ein kurzer Blick über den Tellerrand, z.B. zu den [Ju/'Hoansi und ihrer Auffassung von „Leistung“](https://www.markusdotzler.de/von-ju-hoansi-ueber-erwerbsarbeit-lernen/) zeigt uns, wie unterschiedlich wir Arbeit heute denken. Doch möchtest du aus diesem System aussteigen, werfen dir manche Mitmenschen deinen Versuch als Egoismus vor die Füße. Menschen in deinem Umfeld werden dir sagen: *„Denk doch nicht bloß an dich! Wenn das jeder macht, braucht es keine Gesellschaft mehr.“* Doch ist der Austritt aus der Leistungskultur wirklich Egoismus? Wenn wir jeden Menschen, der sich gegen die Anforderungen der Leistungsgesellschaft stellt, als egoistisch bezeichnen, nur weil er sich selbst erhalten will, sind wir damit nicht Teil des Problems? Die Schafe nennen Selbstfürsorge egoistisch, weil sie nicht dem Wohl der Herde dient. Doch nur weil etwas dem Einzelnen dient, muss es der Herde noch lange nicht schaden. Selbstfürsorge ist kein Egoismus. Nein, Selbstfürsorge ist – vielleicht vor allem heute – Selbsterhaltung. ## Berufliche Erfüllung ist Selbstfürsorge – kein Egoismus Für Nietzsche steckt in der Selbsterhaltung kein Egoismus. In einem späteren Werk, Zarathustra, schreibt Nietzsche sogar, man müsse reich an sich selbst sein, um anderen schenken zu können. > ***Doch wie sollst du reich an dir selbst werden, solange du dich ausbeutest?*** Dein Wunsch, von deiner Kreativität zu leben oder [berufliche Erfüllung](https://www.markusdotzler.de/berufliche-erfuellung-ist-kein-luxus/) zu finden, ist nicht egoistisch. Er ist nicht gierig, selbst wenn du damit gegen den Strom schwimmst. > „Man muß sich selber lieben lernen \[…\] mit einer heilen und gesunden Liebe: daß man es bei sich selber aushalte und nicht umherschweife. – Nietzsche Aphorismus 21 zeigt, dass die Aufopferung, die andere als Tugend an dir loben, dir selbst Schaden zufügen kann. Das nicht länger zuzulassen ist kein Egoismus, sondern der erste Schritt, um reich an dir selbst zu werden. Also falls du dich momentan für einen Job, vielleicht sogar für eine private Rolle aufopferst, weil andere deine Selbstlosigkeit so an dir schätzen: *Cui bono?* ****Und jetzt?** Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass du für alle funktionierst ****außer für dich**, fängt dich mein Newsletter auf: keine Optimierungs-Hacks, keine Guru-Versprechen. [Jetzt anmelden – nie wieder NPC ](#/portal/signup/free) ### Ankunftsfehler sagt nein: Das Erreichen deiner Ziele macht dich langfristig nicht glücklich. URL: https://www.markusdotzler.de/ankunftsfehler-arrival-fallacy/ Last updated: 2026-09-27T12:07:45.000Z Warum macht dich das Erreichen eines Ziels nicht dauerhaft glücklich? Lass uns über den Ankunftsfehler sprechen. ## Meetings und Hamsterrad Es ist 12 Uhr. Du sitzt seit 2 Stunden im Meeting. Deine einzige Freude ist der Kaffee auf dem Schreibtisch und das schlechte Wetter vor dem Fenster. *Du hättest sowieso nichts besseres zu tun gehabt*. Diese endlosen Meetings nerven – schon immer. Also scannst du nebenbei die Stellenanzeigen, um deiner [Unzufriedenheit](https://www.markusdotzler.de/unzufrieden-im-job-nicht-kuendigen/) Luft zu machen. Du träumst von einem anderen Job, vielleicht von einer Beförderung. Auf jeden Fall besseres Gehalt. Das muss sein. Gehaltserhöhung als Entschädigung für diese innere Leere. Neue Stelle, neues Leben – denkste. Aber ist das so? ## Was ist der Ankunftsfehler (Arrival Fallacy)? Der Glaube, dass dich das Erreichen eines Ziels glücklich macht, bezeichnet Dr. [Tal Ben-Shahar](https://www.talbenshahar.com/?ref=markusdotzler.de) als **Ankunftsfehler** (oder auch Ankunftsfehlschluss). Ein psychologischer Irrglauben, der auf einem *„Wenn-Dann“-Denken* basiert: *Wenn* du nur mehr Geld verdienen würdest, *dann* fühltest du dich endlich sicher. *Wenn* du die Beförderung erhalten würdest, *dann* wärst du endlich wer. *Wenn* du die Stelle wechseln würdest, *dann* könntest du deinen Job wieder lieben – vielleicht sogar dich selbst. Auch mein Denken war früher von *„Wenn-Dann“* geprägt: Wenn ich mich trauen würde, meinen Job zu kündigen, dann wäre ich endlich glücklich. Das war ich dann auch. Ungefähr 1 Woche lang. Auf einmal spürte ich dieses Nagen. Wer bin ich ohne Job? Nach welchen Erfolgsmaßstäben bemesse ich mich jetzt? Wie geht es weiter? Die Falle schnappt zu. ## Das Hoch nach dem Ankommen hält nicht lang Die Genugtuung des Ankommens an einem Ziel verpufft wie Sommerregen auf heißem Asphalt. Kaum bist du da, denkst du bereits an den nächsten Kick. Das ist der **Ankunftsfehler**: Du glaubst, dass du Glück findest, sobald du ein bestimmtes Ziel erreichst – Geld, Status, Reichweite. Doch sobald du den Berg bestiegen hast, stellst du fest, dass der Gipfel nie die Lösung war. Also suchst du weiter. Redest dir ein, du hättest zu klein gedacht. [Steckst dir höhere Ziele](https://www.markusdotzler.de/ziele-anders-denken/). Brauchst mehr, immer mehr. Der Anstieg beginnt von vorne, nur der Startpunkt verschiebt sich. ## Steckt Unzufriedenheit in unseren Genen? Mit dem Ankunftsfehler verhält es sich wie mit dem Topf voll Gold am Ende des Regenbogens. Dein Glück rennt dir jedes Mal davon, sobald du glaubst, dass du es greifen kannst. Nietzsche argumentiert in ***„***[***Die fröhliche Wissenschaft***](https://www.markusdotzler.de/readings/nietzsche-froehliche-wissenschaft-interpretation/)***“***: **Alles, was der Mensch tut, dient dem Trieb der Arterhaltung** – *selbst unser Streben nach höheren Zielen* (wie z.B. [beruflicher Erfüllung](https://www.markusdotzler.de/berufliche-erfuellung-ist-kein-luxus/)). Doch wenn hinter Zielen wirklich Trieb steckt, die Zielerreichung aber nicht glücklich macht, dann stecken du und ich in einem echten Schlamassel. Denn das würde bedeuten, dass der Mensch mit chronischer Unzufriedenheit auf die Welt kommt. **Verdammt.** Gegen Unzufriedenheit hilft guter Kaffee, hab ich gehört. Spendier mir doch einen, wenn dir der Artikel hilft: [Hier geht's zur Kaffeekasse ](https://ko-fi.com/markusdotzler?ref=markusdotzler.de) ## Ist die hedonistische Tretmühle unser Hamsterrad? Aus evolutionärer Sicht ergäbe das in gewisser Weise Sinn. Dein Gehirn ist für die *Suche* geschaffen, **nicht** für das *Ankommen*. Dahinter steckt keine böse Absicht, sondern purer Überlebensdrang. *Wo sind die nächsten Beeren, wo der Honig?* Im Deutschen heißt das die **„**[***Hedonistische Tretmühle***](https://de.wikipedia.org/wiki/Hedonistische%5FTretm%C3%BChle?ref=markusdotzler.de)**“**: Die Tendenz des Menschen, nach einem stark positiven oder negativen Lebensereignis relativ schnell zu einem emotionalen Gleichgewicht zurückzukehren. Du passt dich so schnell an das Erreichen eines Ziels an, dass du das höhere Einkommen, die Beförderung oder den neuen Lebensstandard bald als völlig gewöhnlich ansiehst. Wie der Lottogewinner, der ein Jahr später genauso unzufrieden ist wie vorher. Also begibst du dich wieder auf die Suche. Mark Manson bringt die hedonistische Tretmühle auf den Punkt: > *Goals are a fun game to play. Just don't expect them to make you happy.* – Mark Manson Aber das ist noch nicht alles. ## Fixed Points: Wie Gesellschaft uns formt In „[**The Pathless Path**](https://www.markusdotzler.de/readings/pathless-path-paul-millerd-deutsch/)“ argumentiert [Paul Millerd](https://pmillerd.com/?ref=markusdotzler.de), dass fast jeder Mensch sogenannte **Fixpunkte** (*fixed points*) im Leben anstrebt: ein Haus, ein abgeschlossenes Studium, ein bestimmtes Nettoeinkommen. Ein Kollege sagte mal zu mir, er wolle 3.000 € netto verdienen. Ich fragte ihn, warum. *Das sei ein schöner runder Betrag.* Ok. Die 3.000 € netto gehörten zu seinen Fixpunkten im Leben. Sicherlich erstrebenswert, doch woher die Zahl kam, wusste er selbst nicht so recht. Sie existierte in seinem Kopf und das genügte, um sein Verhalten zu steuern. Wie das Rennrad, das Männer durch die Midlife-Crisis begleitet. Ich weiß nicht, wer uns einredet, dass wir ausgerechnet dann zu engen Radfahrerhosen greifen, wenn die Plauze zunehmend daraus hervor quillt wie ein bleicher Weizensauerteig. Also woher kommen diese Fixpunkte? Natürlich sind sie nicht, denn die [Ju/'Hoansi](https://www.markusdotzler.de/von-ju-hoansi-ueber-erwerbsarbeit-lernen/), eine Jäger-Sammler-Kultur, kennt sie nicht. Doch das Problem mit Fixpunkten ist nicht so sehr, dass sie **überhaupt existieren**, sondern dass sie nicht **für jeden funktionieren**. *„One size fits all“* funktioniert gesellschaftlich, denn es hält die Maschine am Laufen. Aber entfremdet es auch einen Teil der Menschen, die sich eigentlich etwas anderes vom Leben wünschen? Falls auch du zu den Personen gehörst, die nach einem Fixpunkt streben, der nicht zu ihnen passt, dann fühlst du dich im Alltag wie nach dem letzten Weihnachtsfest, als diese eine verdammte Hose irgendwie noch gepasst hat. Plötzlich spürst du nur noch Reibung. Du weißt schon, die zwischen den Schenkeln. Nein, nicht die angenehme Reibung. > *„The problem with these default fixed points is that they are culturally derived rather than a product of our unique motivations and desires.“* – Paul Millerd ### Wenn Fixpunkte aufhören zu funktionieren Manchmal hören Fixpunkte auf zu funktionieren. Blöd nur, dass sie das vorher nicht ankündigen. Während du und ich also immer noch rennen, hat sich die Strecke ans Ziel längst verändert. Das erleben wir heute in Deutschland. Lt. einer [Studie des ifo-Instituts](https://www.ifo.de/pressemitteilung/2025-09-05/soziale-mobilitaet-deutschland-geht-zurueck?ref=markusdotzler.de) ist die soziale Mobilität in Deutschland seit den 1970er Jahren deutlich zurückgegangen. Der Erwerbsjob, der für deine Eltern und Großeltern als Fixpunkt funktioniert hat, wirkt für viele Menschen heute wie ein leeres Versprechen aus einer anderen Zeit. Mein Opa konnte von seinem Einkommen in einem mittelständischen Unternehmen eine vierköpfige Familie, ein Haus, ein Auto und Urlaub bezahlen. Zwei Generationen später reicht das noch für Miete, ETF und den Matcha-Latte, in den wir unsere stillen Tränen weinen, während wir vorgeben, einen hippen Lifestyle zu führen. Doch wenn du anerkennst, dass *„one size fits all“* nicht für dich als Individuum funktioniert, warum richtest du dann dein Leben nach diesen Fixpunkten? ## Ernest Becker: Die Angst vor dem Tod als Antrieb In *„The Denial of Death“* vertritt [Ernest Becker](https://de.wikipedia.org/wiki/Ernest%5FBecker?ref=markusdotzler.de) die These, dass dein tägliches Handeln von einer tiefen, unterbewussten Angst vor dem Tod getrieben wird. Becker argumentiert, dass das Leugnen des Todes die Gesellschaft formt. Wir praktizieren Longevity, träumen von der Besiedlung des Mars und betäuben uns in digitalen Parallelwelten. Alles, um unserem unausweichlichen Schicksal nicht in die Augen zu blicken. Becker betrachtet Nietzsches *„Trieb der Arterhaltung“* eher als einen **Trieb der Todesvermeidung**. Betrachtest du dein Leben durch diese Brille, verwandelt sich das Streben nach Sicherheit, Status und Rennrad plötzlich in so etwas wie einen Proxy, durch den du versuchst, deiner Todesangst entgegenzuwirken. Doch jedes Mal, wenn du etwas erreichst, stellst du fest, dass das Ankommen dir die Angst vor dem Tod **nicht** nimmt. Also suchst du weiter nach dem vermeintlichen Heilmittel. Du konsumierst, weil in jedem Amazonpaket eine neue Lösung für deine alten Probleme stecken könnte. Du wechselst die Stelle, weil du im neuen Job eine Antwort auf deine alte Unzufriedenheit vermutest. Wenn ich so darüber nachdenke, nimmt das Hamsterrad damit eine völlig neue Dimensionen an. Es wird zu einem existenziellen Kampf. Wir streben nach Erfolg in der Hoffnung, dass er uns Erlösung bringt. Doch in den Zielen, die uns dafür als Annäherung dienen, finden wir diese Erlösung nie, egal wie viele Meilensteine auf dem Weg an die Spitze fallen. Also was können wir tun? ## Wie überwinden wir den Ankunftsfehler? Der Tod lässt sich nicht lösen. Auch Longevity, [Produktivitätshacks](https://www.markusdotzler.de/produktivitaetsluege/) und Amazonpakete liefern dir darauf keine Antworten (*nicht einmal mit Primeversand*). Ich glaube nicht, dass du zu unproduktiv bist, zu wenig konsumierst oder zu wenige Beförderungen erhältst. Das ist der Ankunftsfehler, der die Tretmühle anschiebt. Ziele sind deshalb nicht schlecht. Der Ankunftsfehler entsteht nicht, weil du dir Ziele setzt, sondern durch die Erwartungshaltung, also das *„Wenn-Dann“-Denken*, das du an ihre Erreichung knüpfst. Also was, wenn wir den Ankunftsfehler nur überwinden, indem wir aufhören, nach einer äußeren Lösung für unsere innersten Probleme zu suchen? Müssen wir lernen, mit unserer Todesangst umzugehen, statt sie mit Arbeit, Konsum und Statusspielchen zu betäuben? Seneca schrieb in *„Von der Kürze des Lebens“*: > *„Alles fürchtet ihr wie Sterbliche, alles wollt ihr aber haben wie Unsterbliche.“* Deshalb frag ich dich: > *Womit betäubst du dich?* In meinem Newsletter dokumentiere ich, wie ich versuche, ohne Wenn-Dann-Denken zu leben – und was ich dabei lerne. Ungefiltert und ehrlich. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ### 3 Phasen auf dem Weg zur Kündigung URL: https://www.markusdotzler.de/3-phasen-auf-dem-weg-zur-kuendigung/ Last updated: 2026-08-16T12:02:31.000Z Die größte Hürde, die du vor deiner Kündigung überwinden musst, bist du selbst – und so fühlt sich das an. ## Stein im Schuh: Das erste Zeichen, dass dich dein Job aufreibt In vielen Menschen reift der Entschluss zur Kündigung langsam. In der Podcast-Episode „[**This Is What a Male Identity Crisis Sounds Like**](https://zigzagpod.com/episodes/2019/07/18/s4-ep11-this-is-what-a-male-identity-crisis-looks-like?ref=markusdotzler.de)“ beschreibt der Ex-Black Rock Angestellte [**Khe Hy**](https://www.khehy.com/?ref=markusdotzler.de) seinen Weg zur Kündigung: > „Es war keine plötzliche Erkenntnis. Es fühlte sich ein bisschen an wie ein Stein im Schuh. Du läufst, aber irgendetwas stimmt nicht. Es fühlt sich unangenehm an.“ (Minute 08:16) In meinem letzten Job spüre ich dasselbe. Irgendetwas stimmt hier nicht. Seit Wochen arbeitete ich [emotional völlig distanziert von meinem Job](https://www.markusdotzler.de/wie-sich-emotionale-distanz-anfuehlt-job/), nur konnte ich das Gefühl damals noch nicht benennen. Doch es drückte – genug, um mich daran zu stören. Das ist der Stein im Schuh. Er ist oft das erste Anzeichen, dass etwas in deinem Job schief läuft oder deine momentane Stelle einfach nicht *(mehr)* **zu dir** passt. Eine Kündigung beginnt oft mit einem inneren Störgefühl, das du ignorierst, weil der Job auf dem Papier gut genug klingt, um mit dem unangenehmen Drücken im Schuh weiterzulaufen. > Das Gefährliche an diesem Stein ist also nicht, dass er weh tut, sondern dass er *noch nicht weh genug tut*, um stehen zu bleiben und den Schmerz anzuerkennen. ## Das letzte Aufbäumen: Der Kampf gegen die innere Kündigung Einige Zeit später erkenne ich, dass ich nicht nur einen Stein, sondern eine ganze Kiesbank im Schuh spazieren trage. Als würde ich barfuß über Schotter laufen. Obwohl ich immer deutlicher sehe, dass ich mich beruflich verändern will, traue ich mich nicht. Im Gegenteil: Ich fange an zu klammern (dahinter steckt die [Schmerzformel](https://www.markusdotzler.de/unzufrieden-im-job-nicht-kuendigen/)). *Warum erfülle ich nicht einfach meine Pflicht? Warum kann ich nicht wie jeder andere Mensch zur Arbeit fahren, bis ich 70 bin? Warum kann ich nicht so oder so sein, Hauptsache anders?* Der toxische Vorgesetzte, den du gerne im Chefsessel vermutest, nistet manchmal unbemerkt in deinem Kopf. Ich wehre mich gegen die Veränderung und versuche, meinem Job neues Leben einzuhauchen. Verpflichtete mich zu neuen Projekten. Startete meine eigenen. Fülle meinen Tag mit To-dos, um zu betäuben, was ich nicht spüren will. Nichts hilft. Diese verzweifelten Versuche, Gefallen an einem Job zu finden, obwohl du innerlich längst gekündigt hast, bezeichne ich als *„letztes Aufbäumen“*. ### Warum du dich gegen Veränderung wehrst Das Gehirn mag Veränderung nicht, denn sie erfordert Anpassung. Es bevorzugt Stabilität, die Sicherheit durch Vorhersehbarkeit garantiert. Also wehrst du dich. Du kratzt, strampelst und schreist. Du redest dir ein, dass alles nicht so schlimm ist: *Sei doch nicht so verdammt undankbar für das, was du hast! Anderen Menschen geht es viel schlechter. Du musst doch nur noch 40 Jahre durchhalten.* Das ist der letzte verzweifelte Versuch deines Gehirns, die Kündigung zu vermeiden. Es will dich vor unvorhersehbarem Chaos schützen. Doch mittlerweile verstehe ich: > *Hinter dem letzten Aufbäumen steckt kein Neuanfang, sondern die immer gleiche Misere.* ## Angst: Die Unsicherheit über die eigene Zukunft. Die größte Hürde für Veränderung bist letztlich du selbst – oder sagen wir die Angst, die damit verbunden ist. Seit deiner Geburt folgst du einem Weg, für den zumindest eine grobe Anleitung existiert: Kindergarten, Schule, Ausbildung oder Studium, dein erster Job. Paul Millerd nennt das den *„Default Path“*. Viele bereits etablierte Jobs liefern dir außerdem eine klare Stellenbeschreibung. In größeren Unternehmen existieren sogar akribisch notierte Prozesse, manchmal sogar Kataloge, an die du dich halten musst. So verinnerlichst du, dass du auf äußere Strukturen (wie Stellen- und Prozessbeschreibungen) angewiesen bist, um überhaupt handlungsfähig zu sein. Doch sobald du deine gewohnte Umgebung verlässt, hört das Skript des Standardpfades auf zu funktionieren. Kein klarer nächster Schritt, kein definierter Weg ans Ziel. Du tappst im Dunkeln. ### Unsicherheit ist ein realer Schmerz Ich werde dieses Gefühl nicht schönreden. Unsicherheit verfolgt mich seit dem Tag, an dem ich die Unterschrift unter meinen Aufhebungsvertrag setzte. Seitdem oszilliere ich ständig zwischen „**Ich pack das**“- und „**Was tu ich hier eigentlich**“, als wäre ich ein Atom, das sich nicht auf einen Aggregatzustand festlegen kann. Diese Unsicherheit ist **kein** Phantomschmerz. Gehirnscans zeigen, dass der bloße [Gedanke an etwas Unangenehmes die Schmerzareale im Gehirn aktiviert](https://www.markusdotzler.de/prokrastination-ueberwinden/). Wenn du also an die Unsicherheit denkst, die mit einer Kündigung verbunden ist, dann bildest du dir den Schmerz nicht ein. Also schiebst du den schmerzhaften Gedanken in die hinterste Abstellkammer deines Gehirns und lässt ihn nur zum Essen raus wie Harry Potter. Du ignorierst den Stein im Schuh, solange er noch nicht genug schmerzt. Und sobald du ihn nicht mehr ignorieren kannst, beißt du die Zähne zusammen, weil du den Gedanken an die Unsicherheit noch weniger erträgst als deinen Job. ### Unsicherheit bringt nicht nur Angst, sondern auch Klarheit Für diese Unsicherheit kann ich dir keine Lösung bieten. Ich habe sie schließlich selbst noch nicht überwunden. Doch eine Sache verstehe ich mittlerweile: > ***Das Nichts, in das ich nach meiner Kündigung springe, ist beruflich gesehen das Beste, das mir jemals passiert.*** Das meine ich absolut ernst. Zum ersten Mal in meinem Erwachsenenleben spüre ich, dass ich selbst entscheide, wo es hingeht. Wie nach einer langen Wanderung hat mein Kopf endlich eine Bank gefunden, auf der er sich ausruhen und in die Ferne gucken kann. Früher vermied ich Langeweile wie die Pest. Ich bekämpfte sie mit Youtube, World of Warcraft und Pornografie. Heute stelle ich fest, dass wir der Stille, Leere und auch Orientierungslosigkeit in unserer gehetzten Gesellschaft viel übler nachreden, als sie es verdienen. Denn wenn du deinem Gehirn nur einmal Raum zum Atmen lässt, wirst du feststellen, dass es dich von allein mit Sinn versorgt. Der Trick besteht also nicht darin, Unsicherheit zu vermeiden. Indem du sie als Teil deiner Neuausrichtung akzeptierst, zeigt sie dir, dass du dich gerade neu erfindest. Und genau darum geht es doch hier, oder? ## Fazit: Der Mönch, der seinen Schmerz anerkannte Im Jahr 1969 reist ein junger Amerikaner nach Japan. Sein Name ist Steve Young und er will buddhistischer Mönch werden. Also verordnet ihm der Abt des Klosters, 100 Tage in einer winzigen, unbeheizten Hütte in den Kii-Bergen Japans zu leben. Doch wie er bald feststellt, besteht Youngs eigentliche Prüfung darin, sich dreimal täglich mit bitterkaltem Wasser zu reinigen. > „*Es (war) so kalt, dass das Wasser gefriert, sobald es den Boden berührt, und das Handtuch gefriert in der Hand*“. Es war eine „*entsetzliche Tortur*“. #### Quelle Burkeman, O. (2022). **4000 Wochen: Das Leben ist zu kurz für Zeitmanagement* (H. Lutosch, Übers.). Piper. S. 118. Verzweifelt versucht sich Young von den Schmerzen abzulenken, doch egal, wohin er gedanklich flieht, die Übung bleibt unerträglich. In seiner Verzweiflung entscheidet er sich für einen Kurswechsel. Er beginnt, sich bewusst auf das Ritual zu konzentrieren und stellt zu seiner Überraschung fest, dass er die Kälte als weniger quälend empfindet, je mehr er seine Aufmerksamkeit darauf richtet. So versteht er die Lektion der Prüfung: Für die Vermeidung seiner Schmerzen bestraft ihn sein Körper mit noch mehr Schmerz. Doch indem Young seinen Fokus aktiv auf die Kälte richtet, verringern sich seine Qualen. Der Trick könnte also darin bestehen, nicht zu fliehen, sondern anzuerkennen. Diese Erkenntnis gilt auch für den Schmerz beruflicher Veränderung und die damit verbundene Unsicherheit: Solange du den Stein im Schuh ignorierst, besitzt er das Potenzial, deine Haut aufzuscheuern, bis sich die Wunde entzündet. Doch indem du ihn anerkennst und dich der Unsicherheit stellst, lernst du, mit ihr umzugehen. Besser noch: Du wächst an ihr. Keine Sorge, ich verordne dir keine Eisbäder oder kalte Duschen. Ich entlasse dich lediglich mit einer Frage: *Wie stark drückt *dein* Schuh?* ### Müdigkeitsgesellschaft: Warum du ständig erschöpft bist (Byung-Chul Han) URL: https://www.markusdotzler.de/readings/muedigkeitsgesellschaft-byung-chul-han/ Last updated: 2026-07-31T12:57:26.000Z **Byung-Chul Han** erklärt in seinem Buch „***Müdigkeitsgesellschaft***“, warum du ständig so erschöpft bist – und wie ein Gegenentwurf zum [Hustle der Leistungskultur](https://www.markusdotzler.de/warum-hustle-culture-toxisch-ist/) aussieht. In diesem Artikel findest du Antworten: - [Warum Selbstoptimierung Selbstausbeutung ist](#warum-selbstoptimierung-selbstausbeutung-bedeutet) - [Warum dich das moderne Arbeiten so erschöpft](#warum-dich-die-leistungsgesellschaft-so-ersch%C3%B6pft) - [Warum du dich ständig überreizt fühlst](#warum-du-st%C3%A4ndig-%C3%BCberreizt-bist) - [Warum sich alles so hektisch anfühlt](#warum-f%C3%BChlt-sich-dein-alltag-so-hektisch-an) - [Wie ein bewusster Gegenentwurf zur Leistungsgesellschaft aussieht](#bewusst-leben-was-ein-erf%C3%BClltes-leben-wirklich-bedeutet) - Bonus: [FAQ zum Buch „Müdigkeitsgesellschaft"](#faq-zu-byung-chul-hans-%E2%80%9Em%C3%BCdigkeitsgesellschaft%E2%80%9C) ## Was ist die Müdigkeitsgesellschaft? Die Müdigkeitkeitsgesellschaft ist Byung-Chul Hans zweideutiger Gegenentwurf für die Leistungsgesellschaft des 21\. Jahrhunderts. Werden wir an der Selbstoptimierung ermüden oder zu einer Form der tieferen Müdigkeit zurückkehren, die das Nichtstun ermöglicht? ## Was du vor der „Müdigkeitsgesellschaft“ von Byung-Chul Han wissen musst. ### Die Souveränitätsgesellschaft in „Der Graf von Monte Cristo“ In dem Roman „*Der Graf von Monte Cristo*“, der Anfang des 19\. Jahrhunderts spielt, beschreibt Alexandre Dumas eine öffentliche Hinrichtung namens **Mazzolata**. 💡 ****Vorsicht, es wird grafisch.** Beim Mazzolata schlägt der Henker dem Schuldigen mit einer Keule gegen den Kopf, um ihn zu betäuben. Danach schneidet er ihm die Kehle durch und steigt ihm auf den Bauch, um ihn auszubluten. Warum ich dir das erzähle? Die Gesellschaft in „*Der Graf von Monte Cristo*“ hätte der Philosoph Michel Focault später als ***Souveränitätsgesellschaft*** bezeichnet. In dieser Zeit übt der Staat zur Machtdemonstration und Bestrafung körperliche Gewalt gegen die Bürger aus. Doch was kommt nach ihr? ## Der Wandel von der Disziplinargesellschaft zur Leistungsgesellschaft Auf die Souveränitätsgesellschaft folgt, so Focault, die ***Disziplinargesellschaft***. Darin kontrolliert der Staat die Bürger durch Überwachung, Normierung und institutionelle Disziplinierung. Denk an die Fabriken der Industrialisierung, die Strafen, die deine (Ur-)Großeltern vielleicht noch aus der Schule kennen (*mit Stöcken auf die Finger schlagen*). Denk Stasi. Das Leitbild der Disziplinargesellschaft sind Mauern und Verbote. Doch Byung-Chul Han argumentiert in der „*Müdigkeitsgesellschaft*“, dass wir auch diese Stufe zu großen Teilen hinter uns gelassen haben. Denn: > „*Die Gesellschaft des 21\. Jahrhunderts ist \[…\] eine Leistungsgesellschaft*“ (S. 19) In der Leistungsgesellschaft ersetzen Fitnessstudios, Bürotürme, Banken und Shopping Malls die Spitäler, Gefängnisse, Kasernen und Fabriken der Disziplinargesellschaft. ## Warum Selbstoptimierung Selbstausbeutung bedeutet Han sieht den Wandel zur Leistungsgesellschaft als Voraussetzung für kontinuierliches Wirtschaftswachstum. Arbeitnehmer leisten besser, wenn sie sich selbst antreiben. Denk „***intrinsische Motivation***“. Während die Disziplinargesellschaft also noch Zwänge einsetzt, um Produktivität zu fördern, lockt die Leistungsgesellschaft mit Möglichkeiten. Autonomie ersetzt Kontrolle. ### Das unendliche Potenzial der Leistungskultur In der Leistungsgesellschaft ist alles möglich. Denk an Obamas „*Yes, we can*“ oder an Merkels „*Wir schaffen das*“. Oder denk an dein (*und auch mein*) „*Du kannst alles schaffen*“. Der Arbeitnehmer wird zum **Arbeitskraftunternehmer**. Er treibt sich an und optimiert sich wie ein Unternehmen, das sich am freien Markt behaupten muss. ### Bedeutet Autonomie automatisch Freiheit? Diese Autonomie halten wir für Freiheit. Doch was, wenn das nur die halbe Wahrheit ist? > „*Der Wegfall der Herrschaftsinstanz führt nicht zur Freiheit. Er lässt viel mehr Freiheit und Zwang zusammenfallen.*“ (S. 24) Autonomie, die uns übergestülpt wird, entpuppt sich als innerer Zwang, das eigene Potenzial zu realisieren. Du fühlst dich [verpflichtet, stets maximal produktiv zu sein](https://www.markusdotzler.de/produktivitaetsluege/). Selbstoptimierung ist Selbstausbeutung. Und das, so Han, führt zu Erschöpfung. [ ![Buy Me a Coffee at ko-fi.com](https://storage.ko-fi.com/cdn/kofi2.png?v=6) ](https://ko-fi.com/O8I321XETW?ref=markusdotzler.de) ## Warum dich die Leistungsgesellschaft so erschöpft In meinem letzten Job empfand ich eine starke [emotionale Entfremdung vom Job](https://www.markusdotzler.de/wie-sich-emotionale-distanz-anfuehlt-job/). Ähnliche Gefühle prägen den Alltag vieler Menschen. Aber warum? Das 21\. Jahrhundert, so Han, ist das Zeitalter der neuronalen Erkrankungen – Depression, ADHS, Burnout. B.-C. Han erkennt darin *Infarkte der Seele*, die aus einem „Zuviel“ stammen. Denn anders als die Disziplinargesellschaft, die von der Negativität der Verbote lebt, existiert heute ein Übermaß an Positivität – ein Zuviel von allem. Social Media, Werbung, 24-stündige Nachrichtenzyklen, Konsum. Ein Blick auf deine Bildschirmzeit und du weißt, wovon ich rede. Doch während die Negativität der Disziplinargesellschaft noch eine „*immunologische Abwehrreaktion*“ erzeugt (*das Auflehnen gegen Unterdrückung und Kontrolle*), wehrst du dich gegen die Positivität der Leistungsgesellschaft nicht. Dein Immunsystem springt auf „*immer mehr vom Gleichen*“ nicht an, anders als bei einem Fremdkörper oder Virus. Gegen die Gewalt des Übermaß an Kommunikation, Information und Konsum entwickelst du keine Abwehrkräfte. Du verinnerlichst sie von Kindesbeinen an. Du akzeptierst die Überreizung als gegeben. Du wehrst dich nicht – und erkrankst. Du erschöpfst, ermüdest und erstickst am Zuviel. ### Warum Leistungszwang zu psychischem Leid führt Die neuronalen Erkrankungen unserer Zeit „*weisen auf ein Übermaß an Positivität hin*“ (S. 18). Das Burnout-Syndrom beschreibt Han z.B. als das „*Durchbrennen des Ich bei Überhitzung, die auf ein Zuviel des Gleichen zurückgeht*“ (S. 18). Doch weil du heute autonom arbeitest, kannst du deinem Arbeitgeber keine Schuld für deine Erschöpfung zuweisen. Du bist gezwungen, die Schuld bei dir zu suchen. Somit verwandelt sich das *Nicht-Mehr-Können-Können* der Erschöpfung zu einem **persönlichen Versagen**. Als Abgehängter der Leistungsgesellschaft *versagst du dir deinen eigenen Erfolg*. Nicht der Leistungsdruck erschöpft dich, nein – ***du bist defekt.*** Scheitern ist nur möglich, **weil du es zulässt*.* > Die Disziplinargesellschaft erzeugt „*Verrückte und Verbrecher. Die Leistungsgesellschaft bringt dagegen Depressive und Versager hervor.*“ (S. 20) ### Warum du dich so erschöpft fühlst Der Grund, warum du dich so erschöpft fühlst, könnte also sein, dass du die Logik des Wirtschaftswachstums verinnerlicht hast. Du schraubst die [Erwartungen an dich ins Unermessliche](https://www.markusdotzler.de/zu-hohe-erwartungen-hobby/), aber bemerkst nicht, wie du dich geißelst. Doch sobald du nicht mehr kannst, heißt es: Du bist schwach. Du willst es nicht genug. ## Warum du ständig überreizt bist Wann hast du die letzte Pause ohne dein Smartphone verbracht? Machst du überhaupt noch Pause – oder sind E-Mails deine Pause? Han spricht von einer Fettleibigkeit der Informations-, Kommunikations- und Produktionssysteme, die deine Aufmerksamkeit zerstreut. Das neuronale Dauerfeuer erlaubt keine Zwischenräume. Es zerstört sie. Den Ansprüchen an deine Zeit begegnest du durch [Multitasking](https://www.markusdotzler.de/multitasking-illusion/). Du verarbeitest eingehende Reize in immer kleiner werdenden Abständen. Du zerstreust dich. Ist das Fortschritt? ### Multitasking ist ein evolutionärer Rückschritt Dein Verhalten erinnert an das eines Tieres. Hast du schon einmal eine Antilope beim Essen gesehen? Ständig schaut sie um sich. Aus Angst vor Raubtieren kann sie sich Ruhe nicht leisten. [Fokus](https://www.markusdotzler.de/warum-fokus-wichtig-ist/) ist ein Luxus, den sich der Mensch erkämpft hat. *Ein evolutionärer Quantensprung, den die Moderne ausradiert.* Du bist heute nicht mehr aufmerksam. Du bist ***hyperaufmerksam***. Hyperwachsam, um auf jeden eingehenden Reiz unmittelbar zu reagieren. In diesem Zustand fällt es dir schwer, dich zu konzentrieren. Die Wahrscheinlichkeit der Ablenkung steigt. Du ähnelst heute der Antilope mehr als du denkst. Multitasking ist nicht die Lösung. Es ist das Symptom einer gestressten Gesellschaft. ### Was du durch Multitasking verlierst Du verlernst Ruhe, Nachdenken und Langeweile. Du vergisst, dass echtes **Abschalten** kein **Anschalten** eines Bildschirms bedeutet. Der Verlust der Zwischenräume schadet dir. Deiner Erholung, aber auch deiner [Kreativität](https://www.markusdotzler.de/kreativitaet-verlieren/) – und somit echtem Fortschritt. Denn Wachstum benötigt Kreativität und die braucht Stille. > „*Eine reine Hektik bringt nichts Neues hervor. Sie reproduziert und beschleunigt das bereits Vorhandene.*“ (S. 28) Also frag dich: Wann warst du das letzte Mal wirklich entspannt? Wann standest du mal nicht unter Strom? > Bin den Krach so gewohnt, für mich Stille nun Lärm > – Casper, Auf und davon (auf [Youtube](https://www.youtube.com/watch?v=TEcvU3fYpGA&ref=markusdotzler.de)) Die Hektik deines Alltags ist kein Fortschritt. Sie ist ein Rückschritt. ### Warum du so überreizt bist Den ganzen Tag wirst du mit Reizen befeuert. Dieses „Zuviel“ akzeptierst du als Normalzustand, doch dein Gehirn hält nicht mehr mit. Du bist ständig überreizt, weil dein Glas bis zum Rand mit Wasser gefüllt ist, aber der Kellner nicht aufhört, nachzufüllen. Doch wer ist der Kellner? ****Mein Newsletter ist ein Gegenentwurf zur ständigen Überreizung.** Artikel mit Tiefe über Arbeit, Sinn und persönliches Wachstum – frei von Algorithmen und AI-Slop. [Hol dir dein Gehirn zurück. ](#/portal/signup/free) ## Warum fühlt sich dein Alltag so hektisch an? Hast du das Gefühl, dein Leben zieht an dir vorbei? Oder besser gefragt: Verfolgt dich dieses Gefühl irgendwann mal **nicht**? Nietzsche schreibt in „[Die fröhliche Wissenschaft](https://www.markusdotzler.de/readings/nietzsche-froehliche-wissenschaft-interpretation/)“: > „*Gott ist todt! Gott bleibt todt! Und wir haben ihn getödtet!*“ – Nietzsche, §125 Früher glaubten die Menschen an das ewige Leben. Doch der Tod Gottes, den Nietzsche bereits beobachtete, verkürzt das Leben radikal. ### Was ersetzt den Glauben? Han argumentiert: „*An die Stelle des Glaubens, der Wunder bewirkt, tritt das Handeln \[…\], zu dem das Geborensein den Menschen verpflichtet*” (S. 33). Um das Leben nach dem Tod zu kompensieren, maximieren die Menschen ihre Erfahrungen. Sie erhöhen ihre Aktivität. Sie optimieren ihre Gesundheit, ihre Produktivität, ihren Konsum. > „*Gerade auf das nackte, radikal vergänglich gewordene Leben reagiert man mit der Hyperaktivität, mit der Hysterie der Arbeit und Produktion.*” (S. 37) Arbeit gilt spätestens [seit der protestantischen Revolution](https://www.markusdotzler.de/schlechtes-gewissen-wenn-unproduktiv/) als moralische Pflicht. Das Handeln ersetzt den Glauben. Das neue Christentum heißt Produktivität. ### Produktivität verlängert dein Leben nicht Doch das produktive Leben ist kein freies Leben. „*Die Arbeits- und Leistungsgesellschaft \[…\] erzeugt neue Zwänge*” (S. 37). Du unterwirfst dich deinem Leistungszwang. Trotz deiner tiefen [Unzufriedenheit](https://www.markusdotzler.de/unzufrieden-im-job-nicht-kuendigen/) kannst du nicht von deiner Arbeit loslassen. Doch wenn Hektik ein Rückschritt ist, was wäre, wenn ausgerechnet das langsame, nachdenkliche, bewusste Leben (*vor dem wir heute schreiend davon rennen*) den Menschen zu dem macht, was er ist? ### Warum dein Alltag so hektisch ist Der Gedanke an deine Endlichkeit produziert den Zwang, deinen Alltag mit Aktivität und Erfahrung zu füllen. Doch zieht in all der Hektik dein Leben nicht noch schneller an dir vorbei? ## Bewusst leben: Was ein erfülltes Leben wirklich bedeutet In ‚*Götzen-Dämmerung*’ schreibt Nietzsche, für ein [erfülltes Leben](https://www.markusdotzler.de/berufliche-erfuellung-ist-kein-luxus/) müssen wir ausgerechnet das Alltägliche neu lernen: das Sehen, Denken, Sprechen und Schreiben. Er redet nicht von ‚*Public-Speaking Skills*’, Schreibkursen oder davon, dass du zum Augenarzt gehen solltest. Er redet von der Fähigkeit, „*auf einen Reiz nicht sofort zu reagieren*“. Leichter gesagt, als getan. Das 21\. Jahrhundert ist die Zeit der [**Reizüberflutung**](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/). Und die beginnt bereits ab Kindesbeinen. Neulich sehe ich eine Frau, die ihr Baby im Kinderwagen schiebt. Am Griff des Wagens ist eine Handyhalterung befestigt. Das Smartphone ist nicht zur Mutter gerichtet, sondern auf das Kind. Kann mir jemand erklären, seit wann einjährige Kinder Youtube brauchen, während Eltern sie durch die Gegend schieben? Von Kindesbeinen lernen wir, zu wischen, scrollen und konsumieren. Wir füllen unsere Pausen mit Beschäftigung und halten das abgelenkte Leben für normal. Das 21\. Jahrhundert ist geprägt vom „*Unvermögen, einem Reiz Widerstand zu leisten*“. ### Beschäftigung vs. Produktivität Die Ironie daran ist, so Han, dass die Hyperaktivität nicht in Selbstbestimmung, sondern ultimativ in einer Hyperpassivität mündet. Denn es ist ausgerechnet der ständig Beschäftigte, der zum Opfer seiner Impulse wird. > „*Es ist eine Illusion zu glauben, je aktiver man werde, desto freier sei man*“ (S. 42). Dabei trifft Han in diesem Kapitel eine interessante Unterscheidung zwischen **Beschäftigung** und echter Produktivität. Der Beschäftigte reagiert lediglich auf die Reize der Arbeit – das Signal der Chatnachricht, die aufploppende E-Mail, die Anfrage des Kollegen, der verlernt hat, seine Probleme selbst zu lösen. In den Worten Nietzsches: > „*Die Tätigen rollen, wie der Stein rollt, gemäß der Dummheit der Mechanik*“ (*Menschliches, Allzumenschliches*, S. 235f). Diese Dummheit der Mechanik, das bloße ‚*beschäftigt sein*’, ist ein Zustand arm an Unterbrechungen. Was einen wahrhaft produktiven Menschen also ausmacht, ist *nicht* sein frenetisches Arbeiten. ### Weniger ist mehr > Viel wichtiger als das, was du tust, ist das, was du meidest. Hinter dem Nichtstun versteckt sich keine Faulheit und keine Passivität. Reizen zu widerstehen, ist ein *bewusster* Akt. Ein *aktiver* Einsatz des eigenen Willen. Etwas nicht zu tun, bedeutet nicht automatisch, unfähig zu sein, es zu tun, nein. > Nichts zu tun ist heute, wenn überhaupt, das revolutionärste, das du tun *kannst*. ## Heilende Müdigkeit: Gibt es Hoffnung für die Leistungskultur? Solange du dich als Maschine betrachtest, die störungsfrei zu funktionieren hat, wirst du niemals Entspannung erfahren. Die Leistungsgesellschaft bringt als ihre Kehrseite eine tiefe Müdigkeit und Erschöpfung hervor. Selbstoptimierung führt gelegentlich zum Herzinfarkt – öfter aber zum ***Infarkt der Seele***. In seinem letzten Kapitel appelliert Han deshalb, eine andere Form der Müdigkeit wieder zu entdecken. Es ist die Müdigkeit des bloßen Seins. Eine Müdigkeit, die weglässt. Die das Nichts-Tun heiligt. Das Nicht-Leisten, Nicht-Scrollen und Nicht-Konsumieren. Eine Müdigkeit, die das *um-zu* der Leistungsgesellschaft durch ein *nicht-zu* ersetzt. Die dem bloßen Sein keine Aktivität entgegensetzt. Ein Zustand, der wahrnimmt, aber Raum lässt. Ein Zustand, der ist. Für nichts anderes als das Sein. ****Deine Müdigkeit ist ein Signal.** Ein Signal, dass du funktionierst, aber nicht lebst. Auf diesem Blog schreibe ich für alle, die aus dem fremden Skript ausbrechen wollen, um ihr eigenes zu schreiben. Hier meldest du dich an für neue Impulse – jeden Freitag. [Nie wieder NPC ](#/portal/signup/free) ## FAQ zu Byung-Chul Hans „Müdigkeitsgesellschaft“ #### Ist „Müdigkeitsgesellschaft“ (Burnout-Society) schwer zu lesen? Kurze Antwort: Ja. Lange Antwort: Das Buch richtet sich eher an Philosophen oder philosophisch Interessierte als an die „breite Masse“. Byung-Chul Han verwendet in „**Müdigkeitsgesellschaft*“ einerseits einen gehobeneren Wortschatz. Wörter wie „Immanenz“ oder „Dialektik“ fallen. Andererseits bezieht er sich auf die Werke anderer Philosophen (z.B. Hannah Arendt). Die Kombination verleiht dem Buch Komplexität. Wer vorab „**Vita Activa*“ gelesen hat, versteht viele der Bezüge besser. Han widmet außerdem ein ganzes Kapitel der Erzählung „**Bartleby der Schreiber*“ von Herman Melville. Aber: **Das Buch ist machbar*. Es ist dicht, aber auch kurz. Zwei Mal Lesen lohnt sich. #### Warum finde ich unterschiedliche Versionen des Buches? „**Müdigkeitsgesellschaft*“ erschien im Original 2010 im Matthes & Seitz Verlag. 2016 erschien eine überarbeitete Version im selben Verlag unter dem Titel „**Müdigkeitsgesellschaft Burnoutgesellschaft Hoch-Zeit*“. Die Neuauflage ergänzt die 2010-Version um zwei weitere Texte: - „**Burnoutgesellschaft*“ - „**Hoch-Zeit*“ Dieser Artikel bezieht sich auf die 2010-Version. #### Was ist „**The Burnout Society*“? „**The Burnout Society*“ ist die englische Übersetzung der „**Müdigkeitsgesellschaft*” aus dem Jahr 2010\. Sie enthält also **momentan* ****nicht** die beiden zusätzlichen Texte, obwohl das der Titel vermuten lässt. Das Buch erfreut sich im englischen Raum großer Beliebtheit. ### Du fühlst dich schuldig, wenn du unproduktiv bist – wegen diesem Kerl? URL: https://www.markusdotzler.de/schlechtes-gewissen-wenn-unproduktiv/ Last updated: 2026-09-27T12:11:00.000Z Warum fühlst du dich schuldig, wenn du unproduktiv bist? Das liegt an Johannes Calvin – *Johannes Calvin war ein echter Motherfucker.* Es folgt eine kleine, nicht ganz so ernste Geschichte über eine der größten Umprogrammierungen unserer Psyche (angelehnt an „[*The Pathless Path*](https://www.markusdotzler.de/readings/pathless-path-paul-millerd-deutsch/)“ von Paul Millerd). ## Wie Aristoteles über Arbeit dachte. Du reist in der Zeit zurück und unterhältst dich 330 v. Chr. mit Aristoteles über deinen Job. Du erzählst ihm, dass du die Hälfte deiner Wachzeit in einem Büro am Computer verbringst, nur um am Ende des Monats zu überlegen, ob du dir die Autoreparatur leisten kannst. Aristoteles würde mit dem Kopf schütteln. Hauptsächlich, weil du so viel Zeit im Büro verbringst. Aber auch wegen deinem Fiat 500. In der griechischen Antike gilt Lohnarbeit als unfreier Zustand. Sie ist ein notwendiges Übel, um die eigenen Grundbedürfnisse zu decken – mehr nicht. Naja, zumindest diejenigen denken so, die es sich leisten können *(wie Aristoteles).* Denn Fakt ist auch, dass die alten Griechen ihre Freiheit auf dem Rücken unzähliger Sklaven ausleben. Trotzdem bleibt eine Wahrheit bestehen: Die alten Griechen halten manche Formen der Arbeit für ein Übel. Diese Ansicht hält sich bis ins Mittelalter. [Was du von Jäger-Sammlern über Erwerbsarbeit lernstErkenntnisse aus einer anderen Welt.![](https://www.markusdotzler.de/content/images/icon/Logo-1_1-5-4aa6862b-008f-40b4-9841-b28c04c5d9df.png)Markus Dotzler BlogMarkus Dotzler![](https://www.markusdotzler.de/content/images/thumbnail/Michelangelo-_Fall_and_Expulsion_from_Garden_of_Eden_00-2-1-37ae0d1b-7d5f-47ae-8c84-99a7ade5701f.jpg)](https://www.markusdotzler.de/von-ju-hoansi-ueber-erwerbsarbeit-lernen/) Mit ihrer Einstellung sind die Griechen übrigens nicht allein: Auch die Ju/'Hoansi kennen eine andere Auffassung von Arbeit als wir. ## Sündenfall: Die Vorstellung von Arbeit in der Bibel Lass uns über den Sündenfall sprechen. Du weißt schon: Adam und Eva naschen vom Baum der Erkenntnis. Gott taugt das überhaupt nicht und er verbannt die beiden aus dem Paradies – alles wegen einer Frucht. In Genesis 3, 17 sagt Gott zu Adam: > „Verflucht sei der Erdboden deinetwegen. / Unter Mühsal sollst du dich von ihm ernähren alle Tage deines Lebens.“ Junge, Junge, wat für ein Choleriker! Aber was lernen wir daraus? Die Bibel interpretiert Arbeit bzw. die damit verbundene Anstrengung als ***Bestrafung***. Amen. ![Adam und Eva nehmen den Apfel und werden aus dem Paradies verbannt](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/07/Michelangelo_S--ndenfall-3-2.jpg) Der Sündenfall (Michelangelo) – [Wikimedia Commons](https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Michelangelo%5FS%C3%BCndenfall.jpg?uselang=de&ref=markusdotzler.de) ## Traditionalismus: Das Gegenteil vom Hustle? Diese Einstellung zur Arbeit bezeichnet der Soziologe Max Weber später als Traditionalismus. Als Traditionalist arbeitest du, bis du genug Geld verdient hast, um deine Kosten zu decken. Diese Logik stellt den Kapitalismus auf den Kopf: Bietest du einem Traditionalisten statt 10 Euro 20 pro Stunde, um ihn zur Arbeit zu motivieren, erreichst du das Gegenteil. Der Traditionalist deckt nun seine Kosten mit halb so viel Arbeit. Also packt er seine 7 Sachen nach 4 Stunden statt 8 und hüpft in Freudensprüngen nach Hause. Zwischenfrage: Kämst du auf die Idee, aufgrund einer Lohnerhöhung weniger zu arbeiten? Wahrscheinlich nicht. Ich auch nicht. Mehr Geld ist immer besser, oder? Vor allem, weil heute die Inflation die Lohnsteigerung längst auffrisst, bevor sie auf deinem Konto landet (*but that's beside the point!).* Doch was der Kapitalist für normal hält, ist eigentlich das Resultat einer noch jungen Umprogrammierung. Der Hauptschuldige? Johannes Calvin. ## Die protestantische Revolution: Warum Arbeit heute Lebensinhalt ist. Die protestantische Revolution beginnt nicht mit Calvin, sondern mit Martin Luther, der die katholische Kirche für ihren Machtmissbrauch kritisiert. Luthers damaliges Verhalten? Definitiv revolutionär. Luthers Einstellung zur Arbeit? Weniger. Sie erinnert noch stark an den Traditionalismus. Luther erhebt zwar den Beruf zur Berufung, doch sieht ihn weiterhin als Pflicht gegenüber Gott, nicht als Selbstverwirklichung. Dann tritt Johannes Calvin auf die Weltbühne. ![Weißer Mann mit Mütze und langem braunen Bart](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/07/John_Calvin_Museum_Catharijneconvent_RMCC_s84_cropped.webp) Johannes Calvin, [Wikimedia Commons](https://commons.wikimedia.org/wiki/File:John%5FCalvin%5FMuseum%5FCatharijneconvent%5FRMCC%5Fs84%5Fcropped.png?uselang=de&ref=markusdotzler.de) ### Die Prädestinationslehre Calvin vertritt die „*Prädestinationslehre*“ und glaubt damit an die absolute Macht Gottes. Er ist überzeugt, dass bereits vor der Geburt feststeht, ob ein Mensch im Himmel oder in der Hölle landet. Ja, ich höre dich rufen: *Moooment mal.* Wie war das noch gleich mit *„Wir sind alle Kinder Gottes“?* Lass mich diesen Widerspruch auflösen – oder es zumindest versuchen. Könnte der Mensch sein eigenes Schicksal durch gute Taten beeinflussen, dann wäre Gott nicht mehr ganz so erhaben, oder? Noch schlimmer: Er wäre manipulierbar. Und das würde dem Menschen Macht über Gott verleihen. Also sagt Calvin: Nix da. Hat Gott dich für die Hölle vorbestimmt, dann pack deinen Saunahut ein – es wird heiß! Hätte jemand dem guten Calvin mal 'nen Kaffee spendiert, hätte er sich das mit der Verdammnis vielleicht noch mal anders überlegt. [Hier geht's zur Kaffeekasse ](https://ko-fi.com/markusdotzler?ref=markusdotzler.de) ### Das Problem der Prädestinationslehre Die Menschen damals finden das „für die Hölle vorbestimmt“ nicht so toll. Die Prädestinationslehre sät eine tiefe Angst: Woher weißt du, ob du zu den Gesegneten oder den Verdammten gehörst? Die Pastoren nach Calvin begegnen der Angst pragmatisch: Es müsse sich doch schon zu Lebzeiten zeigen, zu welcher Gruppe du gehörst. Wenn jemandem Gutes widerfährt wie z.B. die Geburt in eine reiche Familie, sozialer Aufstieg, wirtschaftlicher Erfolg, dann ist das kein Zufall. *Es ist ein Zeichen für Gottes Segen!* So entsteht eine „ungewollte Nebenfolge“ der Reformation, wie Weber es nannte: > Plötzlich arbeiten die Menschen nicht mehr, um ihre Pflicht zu erfüllen, sondern um zu beweisen, ***dass sie bereits gerettet sind***. Nicht ganz Calvins Logik, doch sie setzte sich durch. ### Die protestantische Revolution als Grundlage des Kapitalismus? Durch die protestantische Revolution verwandeln sich Arbeit, Erfolg und Status zur Eintrittskarte ins Himmelreich. Damit ist, so Weber, das Fundament für den modernen Kapitalismus gelegt. Ein gewissenhaftes, fleißiges Arbeiten ist nicht länger eine Pflicht, **sondern Zeichen Gottes Segen**. > **Wer arbeitet, gehört zu den Erlösten.** Ob Calvin damit wirklich den Kapitalismus einleitet, ist unter Ökonomen umstritten. [Lt. dieser Studie](https://bse.eu/research/working-papers/economic-effects-protestant-reformation-testing-weber-hypothesis-german?ref=markusdotzler.de) kann man zwischen 1300-1900 keinen Effekt des Protestantismus auf das Wirtschaftswachstum feststellen. Was allerdings niemand bestreitet, ist, dass sich die protestantische Arbeitsethik fortan in unsere Psyche einbrennt. Und diese Einstellung hält sich bis heute – trotz zunehmender Kirchenaustritte. ## Leistungsdruck heute: Wenn Produktivität zur Lebensgrundlage wird. In „[Müdigkeitsgesellschaft](https://www.markusdotzler.de/readings/muedigkeitsgesellschaft-byung-chul-han/)“ stellt der Philosoph Byung-Chul Han fest: „*Die Gesellschaft des 21\. Jahrhunderts ist \[…\] eine Leistungsgesellschaft*“ (S. 19). Ein Beispiel dafür ist die [Hustle Culture](https://www.markusdotzler.de/warum-hustle-culture-toxisch-ist/). Sie prägt die Kultur und verkauft dir Leistung als Annäherung an [berufliche Erfüllung](https://www.markusdotzler.de/berufliche-erfuellung-ist-kein-luxus/). Auch der Bundeskanzler scheint betroffen. Am CDU-Parteitag sagte Friedrich Merz: > „Arbeit ist doch nicht eine mehr oder weniger unangenehme Unterbrechung unserer Freizeit." – [Friedrich Merz](https://www.zeit.de/politik/deutschland/2025-02/cdu-parteitag-friedrich-merz-markus-soeder?ref=markusdotzler.de) Was dir Herr Merz damit eigentlich sagen will: Du arbeitest nicht genug! ### Erholung rück immer mehr in den Hintergrund Doch wenn Politiker mit solchen Parolen Stimmung machen, verliert Erholung ihren geschützten Raum. Und ich glaube, du spürst das. Erholung dient heute nicht mehr der bloßen Entspannung, **sondern der Wiederherstellung deiner Leistungsfähigkeit** und verwandelt sich so in den siamesischen Zwilling der Arbeit. Am besten also, wenn du auch in deiner Freizeit fleißig und produktiv bleibst, oder? Heute denken wir Freizeit mehr vom Tun her als vom Nichtstun. Wir verfallen der [Produktivitätslüge](https://www.markusdotzler.de/produktivitaetsluege/). Doch ich frage mich: Funktioniert Arbeit als Wohlstandsversprechen heute noch? ## Warum die Fassade der Leistungskultur bröckelt Nach dem zweiten Weltkrieg entsteht ein unvorstellbares Wirtschaftswachstum. Harte Arbeit dient dabei als Tourguide zum sozialen Aufstieg. Doch lt. einer [Studie des ifo-Instituts](https://www.ifo.de/pressemitteilung/2025-09-05/soziale-mobilitaet-deutschland-geht-zurueck?ref=markusdotzler.de) ist die soziale Mobilität in Deutschland seit den 1970er Jahren **deutlich** zurückgegangen. Naja, zumindest für manche Menschen ([*Familie Quandt*](https://de.wikipedia.org/wiki/Quandt%5F%28Familie%29?ref=markusdotzler.de) *zwinkert mit den Augen*). Denn der Einfluss des Vermögens der Eltern auf den Wohlstand der Kinder hat sich innerhalb einer Generation verdoppelt. > „*Im Jahr 2018 titelte der Spiegel, dass 45 Superreiche \[in Deutschland\] so viel Vermögen besitzen wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung; heute sind es nur noch zwei Familien. Zwei Familien haben mehr Vermögen als 42 Millionen Menschen.*“ [ungleichheit.infoungleichheit.info ist eine Plattform für Informationen und Diskussionen über Ungleichheit.![](https://www.markusdotzler.de/content/images/icon/G-Favicon-150x150-cc6e6182-4b11-476b-923d-7b5953a956eb.png)ungleichheit.info![](https://www.markusdotzler.de/content/images/thumbnail/ungleichheit-preview-df3b19a4-84a1-43bc-bcb5-72923d6b02a2.jpg)](https://ungleichheit.info/de/deutschland?ref=markusdotzler.de) Und während Elon Musk kurzzeitig Vermögen in Höhe von über einer **Billion** (*1000 Milliarden!!*) besaß, bleiben Menschen, die in Deutschland im Niedriglohnsektor arbeiten, mit immer höherer Wahrscheinlichkeit Teil des unteren Einkommensdrittels. Aber denk dran: Du musst nur hustlen. Dann wird das schon. ### Das Versprechen der Arbeit funktioniert immer seltener Während es für meinen Opa noch möglich war, von einem einzigen Einkommen eine vierköpfige Familie, ein Haus und ein Auto zu finanzieren, treiben heute allein Miete und Lebenshaltungskosten manche Familien mit zwei Vollverdienern an ihre Grenzen. Trotzdem glaube ich, dass deine Großeltern oder Eltern dich nicht anlügen, wenn sie dir sagen: „*Ohne Fleiß kein Preis. Du musst nur hart arbeiten!“* > Denn das Wohlstandsversprechen ist für ältere Generationen keine Lüge, sondern gehört zu ihrer gelebten Wahrheit. Genau darin besteht der [Generationenkonflikt](https://www.markusdotzler.de/generationenkonflikt/) – er ist das Aufeinandertreffen verschiedener Wahrheiten, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten funktioniert haben. Doch was, wenn das System sein Versprechen längst nicht mehr halten kann? ## Fazit: Wir können Arbeit anders denken. Die protestantische Arbeitsethik ist eine noch sehr junge Interpretation der Arbeit. Die 500 Jahre, in denen sie sich vollzog, sind aus evolutionärer Sicht *unbedeutend*. Allmählich bröckelt die Fassade. Viele Menschen spüren heute eine tiefe [Unzufriedenheit über einen Job](https://www.markusdotzler.de/unzufrieden-im-job-nicht-kuendigen/), der sie mehr bindet als befreit. Ich kann dir nicht sagen, was hinter dieser Fassade zum Vorschein treten wird. Doch nach dieser kurzen Reise – von Aristoteles bis Friedrich Merz – will ich dich etwas fragen: > Können wir Arbeit nicht anders *denken?* ****500 Jahre Umprogrammierung wirst du nicht an einem Nachmittag los.** Wenn du das Gefühl kennst, in einem Skript zu leben, das jemand anderes für dich geschrieben hat – Calvin, dein Chef, der Algorithmus –, dann ist mein Newsletter der erste Schritt raus. Keine Produktivitätshacks. Nur ehrliche Gedanken darüber, wie man der Held seiner eigenen Geschichte wird. [Nie wieder NPC – jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ### Kündigen oder bleiben? Traust du deinem Bauchgefühl?! URL: https://www.markusdotzler.de/kuendigen-oder-bleiben-entscheidung/ Last updated: 2026-07-31T12:42:49.000Z *„Soll ich kündigen oder bleiben?"* Eine Frage, die sich viele Menschen stellen, wenn sie [unzufrieden im Job](https://www.markusdotzler.de/unzufrieden-im-job-nicht-kuendigen/) sind. Doch woher weißt du, ob dein Bauchgefühl richtig liegt? Ist das deine Stimme, die du hörst oder sind es doch bloß fremde Erwartungen? ## Die Orientierungslosigkeit, wenn der Berufsweg nicht mehr passt Bevor ich damals mit meiner Chefin über die Kündigung sprach, war ich bereits 1,5 Jahre lang unzufrieden und erlebte eine [starke emotionale Entfremdung](https://www.markusdotzler.de/wie-sich-emotionale-distanz-anfuehlt-job/). In dieser Zeit dämmerte mir, dass ich beruflich falsch abgebogen war. Also fragte ich mich ständig: > Soll ich kündigen oder bleiben? In der Folge tat ich, was wahrscheinlich die meisten Menschen heute probieren, wenn sie nicht wissen, ob sie kündigen sollen: Sie informieren sich. Timothy Ferriss, Mark Manson, Dan Koe, die üblichen Verdächtigen. Zusätzlich Bücher (wie z.B. „[*The Pathless Path*](https://www.markusdotzler.de/readings/pathless-path-paul-millerd-deutsch/)“), Artikel, Videos – *you know the drill*. Ich konsumierte so viele Informationen, dass ich bald die Frage nicht mehr klar sehen konnte. Die Informationen waren hilfreich, doch ich hörte mich selbst nicht mehr. Irgendwann wusste ich nicht mehr: > ***Wer entscheidet hier eigentlich? Und woher weiß ich, was ich wirklich will?*** Dir geht es vielleicht genauso. Deshalb will ich dir helfen, deine eigene Antwort zu finden. Wie immer stellen wir uns der Frage durch [Psychologie](https://www.markusdotzler.de/tag/psychologie/) und [Philosophie](https://www.markusdotzler.de/tag/philosophie/). ## Das „Soll-Selbst“ *(Ought to Self)*: Die innere Stimme, die dir Befehle erteilt Die Stimme, die uns regelmäßig an Veränderung hindert, bezeichnet Edward Tory Higgins als das **Soll-Selbst** *(Ought to Self)*. Dahinter versteckt sich so etwas wie ein innerer Imperativ: „*Ich sollte, müsste, könnte*". Das „*Ought to Self*“ erfüllt eine wichtige Funktion, denn es hält uns auf der Spur. „*Ich sollte lernen*" ist vor der Prüfung genau die Stimme, die du hören „*solltest*“ (*da ist es wieder, dieses Wort*). Doch die „*ich sollte*“-Stimme kann dich auch lähmen. Sie verbietet dir, dem Wunsch nach [beruflicher Erfüllung](https://www.markusdotzler.de/berufliche-erfuellung-ist-kein-luxus/) zu folgen, indem sie sagt: - *„Du solltest die Erwartungen deiner Eltern erfüllen.“* - *„Du solltest deine gesellschaftliche Pflicht wahrnehmen.“* - *„Du solltest dich* [*schlecht fühlen, wenn du unproduktiv bist*](https://www.markusdotzler.de/schlechtes-gewissen-wenn-unproduktiv/)*.“* Das Problem mit unserer inneren Stimme ist, dass das, ***was wir vermeintlich sollten, nicht immer ist, was wir wirklich wollen*.** Doch jetzt wird's knifflig. Sagen wir, du bist unzufrieden im Job und möchtest eine Veränderung riskieren. Woher weißt du, ob sich hinter deinem „*Wollen*“ nicht insgeheim ein „*Sollen*“ versteckt? ## Auch „Kündige!" kann ein „Du solltest" sein In „[Die fröhliche Wissenschaft](https://www.markusdotzler.de/readings/nietzsche-froehliche-wissenschaft-interpretation/#aphorismus-5-misstraue-jedem-der-sagt-er-kenne-die-wahrheit)“ schreibt Nietzsche in Aphorismus §5 über die „*Principien des unbedingten Sollens*“. Darin kritisiert Nietzsche Menschen, die von „*Pflichten mit dem Charakter des Unbedingten*" sprechen. Sie verkaufen ihre Meinung als die einzige Wahrheit. Sie reden vom Sollen und vom Müssen, als wäre es deine Pflicht zu folgen. Sagen wir, du bist dir unschlüssig über deinen Wunsch zur beruflichen Veränderung und beginnst, Content darüber zu konsumieren. Schon stellt sich der Algo darauf ein. Dein Feed füllt sich mit Menschen, die dir sagen, was du tun *solltest*. Youtube verwandelt sich in eine einzige Motivationsblase. Ganz Linkedin will dich plötzlich coachen oder – *dare I say it* – du landest auf diesem Blog. Doch woher weißt du, ob die Stimme, der du folgst, wirklich noch deine eigene ist? „*Kündige auf gar keinen Fall!*“ und „*Riskier es!*“ könnten schließlich zwei Seiten derselben Medaille sein – der Medaille eines fremden „*Sollens*“, aber nicht deines eigenen „*Wollens*“. Bist das du, der kündigen will, oder ist es dein *Algobrain?* Hilft dir der Artikel gegen dein Algobrain? Dann spendier mir doch 'nen Kaffee. Hier kannst du das: [Hier geht's zur Kaffeekasse ](https://ko-fi.com/markusdotzler?ref=markusdotzler.de) ### Wo sich dieser Blog in deinem Kopf platziert Auf diesem Blog schreibe ich viel über [Arbeit & Sinn](https://www.markusdotzler.de/tag/arbeit-sinn/). Doch meine Perspektive dazu ist letztlich geprägt von der Entscheidung, meinen eigenen Job ohne Plan B zu kündigen. Deshalb eine ehrliche Selbsteinordnung: Ich erkenne in vielen Berufen eine [Bequemlichkeitsfalle](https://www.markusdotzler.de/lebenslanges-lernen/). Außerdem stehe ich Arbeit z.B. in Form von [Hustle Culture](https://www.markusdotzler.de/warum-hustle-culture-toxisch-ist/) kritisch gegenüber und glaube, dass der Philosoph [Byung-Chul Han](https://www.markusdotzler.de/readings/muedigkeitsgesellschaft-byung-chul-han/) Recht hat, wenn er in Selbstoptimierung eine Selbstausbeutung erkennt. Somit platziere auch ich mich auf der Seite der Mutmacher, die dir sagen: „*Riskier etwas, bevor du unglücklich in deinem Job wirst.*“ Doch nur, weil ich dich bestärke, bedeutet das nicht, dass du rein auf Basis meiner Ermutigung handeln *solltest* (*schon wieder dieses Wort*). Falls du gerade völlig verwirrt bist und dich fragst, „*Was will er denn jetzt eigentlich von mir?*" – ich möchte folgenden Punkt rüberbringen: > [Solange du in einer Content-Schleife steckst](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/), ist es fast unmöglich einzuschätzen, ob dein „*Wollen*“ (also *aus dem Job auszusteigen*) nicht insgeheim das „*Sollen*“ einer anderen Person ist. Die Anti-Work-Einstellung kann dich genauso in einem gedanklichen Gefängnis einmauern wie das 9-5-Hamsterrad. Es ist völlig menschlich, sich an den Erfahrungen anderer Menschen zu orientieren. So lernen wir. Aber: Letztendlich musst **du** hinter der Entscheidung stehen, wenn du die Kündigung einreichst. Nicht irgendein Kerl im Internet, der dir das in einem Artikel empfiehlt. Also was kannst du jetzt tun? Hier eine Idee. > **Klink dich für eine begrenzte Zeit völlig aus.** ## Content Detox vor einer großen Entscheidung Ich bin schon lange Fan von Content Detox. Meine Whatsapp-Kontakte würden sogar sagen, ich übertreibe gelegentlich damit. Detox funktioniert nicht nur digital, aber lass uns dort starten: ### Digitales Detox - Geh offline, zumindest am Abend. Vielleicht reicht dir eine bildschirmfreie Zeit ab 20:00 Uhr, um Ruhe im Kopf zu finden. Was ich gerade probiere: Kein digitaler Content nach dem Feierabend. - Plane einen analogen Urlaub. Hardcore-Modus: Allein. Das könnte der langweiligste Urlaub aller Zeiten werden, aber vielleicht auch der, der dir am meisten Klarheit verschafft. - Deaktiviere jede App, deren Algorithmus dich zu mehr Content verführt, bis sich dein Smartphone in einen langweiligen Klotz verwandelt (*Gruß geht raus an alle meine Whatsappkontakte. Sorry für die lange Leitung).* - Schau 2 Wochen lang nicht in dein E-Mail-Postfach (*ich nehm's dir nicht krumm, versprochen!*) Das Ziel ist, dich für eine begrenzte Zeit von jeglicher fremden Stimme zu distanzieren. Denn aus eigener Erfahrung weiß ich: Irgendwann hast du genug konsumiert. Ist dein Glas bis zum Rand gefüllt, fabrizierst du nur eine Sauerei, wenn du weiter Wasser hinein schüttest (*mehr Ideen findest du in meinem Artikel „*[*Mehr Fokus*](https://www.markusdotzler.de/mehr-fokus/)*“*). Doch Detox funktioniert nicht nur digital. ### Analoges Detox: Eine Schreibübung, die dir bei der Entscheidung hilft Für alle Bücherwürmer wird's jetzt schmerzhaft. Ich *liebe* Bücher, doch auch sie konfrontieren dich mit den Gedanken einer anderen Person. Also probier's mal damit: Ersetze das Lesen an einem Tag in der Woche durch Schreiben. Kein Input. Nur deine Gedanken auf Papier. Falls du nicht weißt, worüber du schreiben sollst, hier eine Idee: Stell dir vor, wie das Leben aussieht, das du *auf gar keinen Fall* führen möchtest. Arbeite diese Vorstellung aus. Frag dich z.B: > *Was müsste mein Ich in der Zukunft getan haben, um unglücklich zu sein?* Von dort kannst du rückwärts arbeiten und überlegen, wie du nicht in die Fallen trittst, die du bereits sehen kannst (*vielleicht hilft dir dabei auch mein Artikel über* [*analoge Planung*](https://www.markusdotzler.de/analoge-planung/)). ## Warum Content Detox sinnvoll ist Wozu das Ganze? In „*Unzeitgemäße Betrachtungen*“ schreibt Nietzsche (*nerve ich dich schon mit ihm?*): > „Die Hast ist allgemein, weil jeder auf der Flucht vor sich selbst ist.“ – Friedrich Nietzsche Inhalte sind nicht böse. Doch manchmal steckt hinter deinem Konsum eine Vermeidungshaltung, um dich nicht mit dir selbst auseinanderzusetzen. > **Also warum führst du dein Leben wie ein Dieb auf der Flucht vor sich selbst?** Dieses Bauchgefühl, von dem immer alle reden, hörst du nicht, solange du vor ihm wegrennst. Wie sollst du dich auf eine Stimme verlassen, die der Lärm deines Lebens übertönt? ## Fazit: Was auf dem Spiel steht Ich hoffe, dass dir dieser Artikel bei der Entscheidung hilft, ob du kündigen oder bleiben sollst. Dieser Frage begegnet wahrscheinlich jeder Mensch im Lauf seines Lebens (*falls nicht: Was ist dein Geheimnis?!*). Nicht alle treffen dabei ihre eigene Entscheidung. Doch um dein Leben lang einem Pfad zu folgen, der sich nicht nach dir anfühlt, steht viel zu viel auf dem Spiel. [Bronnie Ware](https://bronnieware.com/?ref=markusdotzler.de) begleitete als Krankenschwester auf einer Palliativstation unzählige Menschen beim Sterben. In ihrem Post „[*Regrets of the Dying*](https://bronnieware.com/blog/regrets-of-the-dying/?ref=markusdotzler.de)“ schreibt sie, dass das stärkste Bedauern sterbender Mensch dieser Satz war: > „*I wish I’d had the courage to live a life true to myself, not the life others expected of me.*“ Ein Leben nach deinen Vorstellungen zu gestalten, fühlt sich unsicher, manchmal sogar unvernünftig an. Es benötigt Stärke, dich gesellschaftlichen Normen zu widersetzen, sowie Mut, auf dich selbst zu hören oder – wie ich es gerne nenne – ***dein eigenes Skript zu schreiben, statt ein NPC im Leben zu bleiben***. Deshalb frage ich dich: *Was steht für dich auf dem Spiel?* ****Bevor du gehst...** ...ich habe dir gerade empfohlen, dich von fremden Erwartungen zu distanzieren. Jetzt lade ich dich in meinen Newsletter ein. Merkst du was? Deshalb ohne Druck: Lass den Artikel wirken. Mach dein Detox. Und wenn du danach feststellst, dass dir mein Impuls geholfen hat, dann bin ich hier. [zum Newsletter anmelden ](#/portal/signup/free) *PS: Falls du ein bisschen Inspiration für deinen beruflichen Neuanfang brauchst, findest du hier eine Geschichte über den* [*radikalen Neuanfang eines der größten Schriftsteller*](https://www.markusdotzler.de/murakami-prinzip/) *unserer Zeit.* [ ![Buy Me a Coffee at ko-fi.com](https://storage.ko-fi.com/cdn/kofi2.png?v=6) ](https://ko-fi.com/O8I321XETW?ref=markusdotzler.de) ### The Pathless Path: Über Arbeit anders denken mit Paul Millerd URL: https://www.markusdotzler.de/readings/pathless-path-paul-millerd-deutsch/ Last updated: 2026-09-27T12:13:49.000Z Wie funktioniert berufliche Neuorientierung ohne klares Ziel? Darum geht es in „*The Pathless Path*“ von Paul Millerd. 3 Ideen aus dem Buch nehme ich hier genauer unter die Lupe. ## Bevor du das Buch kaufst „The Pathless Path“ existiert bisher **nicht auf Deutsch**. Es liest sich jedoch leicht und locker. Du musst kein Muttersprachler sein, um es zu verstehen. ## Wer sollte „*The Pathless Path*“ lesen? Ich empfehle Paul Millerds Buch ***jedem***, der [unzufrieden im Job](https://www.markusdotzler.de/unzufrieden-im-job-nicht-kuendigen/) ist und über eine Veränderung nachdenkt. Besonders dann, wenn das mehr als einen Stellenwechsel umfasst. Außerdem empfehle ich es denjenigen, die an ihrer Veränderung zweifeln, weil sie noch nicht klar sehen, wo die Reise hingeht. Denn wenn Millerd eine Sache beweist, dann ist es diese: > Es ist möglich, sich neu zu orientieren, auch wenn man noch gar nicht weiß, wohin. ## Worum geht es (und wer ist Paul Millerd)? 2017 steigt [Paul Millerd](https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=https://pmillerd.com/&ved=2ahUKEwiA-%5FP2qLGVAxUAbfEDHaAoBDIQFnoECEMQAQ&usg=AOvVaw1yG0nqM-VFyhprFymGsicG) aus. Er hüpft von der Karriereleiter, die ihn bereits zu McKinsey und der Boston Consulting Group führte, und entscheidet sich für... Nichts, um genau zu sein. Als Millerd seinen Job kündigt, verfügt er über [keinerlei vorhersehbare Einkommensströme](https://pathlesspath.com/about/?ref=markusdotzler.de). Und genau darum geht es in „*The Pathless Path*“: > **Die Suche nach dem eigenen Weg in Abwesenheit eines klaren Pfads.** Der pfadlose Weg ist der, den wir nicht sehen, während wir ihn gehen. Wir verstehen ihn erst, sobald er hinter uns liegt. > The pathless path \[...\] is an embrace of uncertainty and discomfort. It’s a call to adventure in a world that tells us to conform. – Paul Millerd Paul Millerd ist diesen Weg gegangen. Er startete ohne Plan, ohne Einkommen und ohne klares Ziel vor Augen (so konnte er schon mal nicht in die [Falle des Ankunftsfehlers](https://www.markusdotzler.de/ankunftsfehler-arrival-fallacy/) treten). ## 3 Ideen aus „The Pathless Path" im Detail Der pfadlose Weg ist eine Einladung, dein Denken über Arbeit zu hinterfragen. Lass uns einige Ideen daraus näher beleuchten. ## Ist Arbeit wirklich alles im Leben? Die letzten 15 Jahre seines Arbeitslebens verbrachte mein Vater als Gefängnisdirektor. Ein Beruf, der ihm lag, aber der ihn auch forderte. Ich erinnere mich, als er zu mir sagte: > Markus, könnte ich die Zeit zurückdrehen, hätte ich damals weniger gearbeitet. In dieser Aussage hörte ich den Schmerz über seine Abwesenheit als Vater und Ehemann, den er rund 30 Jahre mit sich trug. Deshalb frage ich mich bis heute: > *Ist Arbeit wirklich das Wichtigste im Leben?* Obwohl mein Vater seinen Job mochte, reute ihn zumindest ein Teil der Zeit, die er deshalb nicht mit seiner Familie verbrachte. Doch wahrscheinlich glaubte er, Arbeit als Lebensmittelpunkt gehöre zu seiner Pflicht, denn so wurde er erzogen. So wurdest du erzogen. Aber ist das so? ### Die Leistungskultur ist eine Ausnahme, nicht die Norm Wir sehen unseren Erwerbsjob heute als moralische Pflicht. Doch Paul Millerd erklärt dieses [(oft toxische) Leistungsdenken](https://www.markusdotzler.de/warum-hustle-culture-toxisch-ist/) als das Ergebnis einer jungen Umprogrammierung. Sie nennt sich [protestantische Arbeitsethik](https://www.markusdotzler.de/schlechtes-gewissen-wenn-unproduktiv/) und ist erst 500 Jahre alt. Vielleicht denkst du, das wäre viel. Doch in Anbetracht der rund 300.000-jährigen Menschheitsgeschichte? Höchstens ein kurzes Flackern. Wie modern unsere Interpretation von Leistung ist, zeigt z.B. das Jäger-Sammler-Volk der [Ju/'Hoansi, das Arbeit völlig anders interpretiert](https://www.markusdotzler.de/von-ju-hoansi-ueber-erwerbsarbeit-lernen/) als wir. Welchen Stellenwert Arbeit in deinem Leben haben sollte, kann ich nicht für dich beantworten – genauso wenig wie ich es für meinen Vater konnte. *Das kannst nur du.* Deshalb will ich dir folgende Frage stellen: > Wer wärst du, wenn du nie wieder auch nur einen Tag mit deinem Erwerbsjob verbringen würdest? Ich hoffe, diese Frage hilft dir bei deiner Entscheidung, ob du [kündigen oder bleiben](https://www.markusdotzler.de/kuendigen-oder-bleiben-entscheidung/) sollst. ### Was mir an „The Pathless Path" fehlt Die Vorstellung, dass die Suche nach [beruflicher Erfüllung](https://www.markusdotzler.de/berufliche-erfuellung-ist-kein-luxus/) eine der wichtigsten im Leben ist, teile ich mit Millerd. Ich glaube nicht daran, dass Menschen Arbeit hassen. Sie hassen *sinnlose* Arbeit – und die gibt's heute im Übermaß. Doch dabei bleiben Fragen offen, für die ich bis heute noch keine Antwort gefunden habe (*und die ich auch in Millerds Buch nicht gefunden habe*): - Können wir dem Hamsterrad als Gesellschaft entkommen oder nur auf individueller Ebene? - Ist es möglich, Arbeit so grundlegend anders zu denken, dass sie für jeden funktioniert? - Muss ein Teil der Menschen leiden, damit sich ein paar wenige frei nennen dürfen? Und die wahrscheinlich wichtigste Frage von allen: - Wären wir überhaupt bereit, unseren Wohlstand gegen berufliche Erfüllung zu tauschen, wenn das eine Verschlechterung des Lebensstandards für alle bedeutet? Wie beantwortest du diese Fragen? [ ![Buy Me a Coffee at ko-fi.com](https://storage.ko-fi.com/cdn/kofi2.png?v=6) ](https://ko-fi.com/O8I321XETW?ref=markusdotzler.de) ## Wie sich eine Kündigung ohne Plan B anfühlt Was ich an Millerds Buch schätze, ist, wie genau er die Unzufriedenheit im Job beschreibt, die seine Leser (*du?*) täglich spüren: - Die [emotionale Entfremdung zu Kollegen und Vorgesetzten](https://www.markusdotzler.de/wie-sich-emotionale-distanz-anfuehlt-job/), nein, zur ganzen Unternehmenswelt - Der Wunsch nach Freiheit, aber das gleichzeitige Bedürfnis nach Sicherheit, das uns trotz Unzufriedenheit an unseren Job bindet - Die Stimme, die sich berufliche Erfüllung wünscht, aber dir gleichzeitig einredet, das wäre was für Träumer Wenn du darüber nachdenkst, dich beruflich zu verändern, vielleicht sogar etwas völlig Neues zu riskieren, wirst du viele Überschneidungen zwischen deinem und Millerds Denken finden. Doch es bestehen auch ein paar feine Unterschiede, die ich beim Lesen nicht ignorieren konnte. ### Millerds Ausgangslage ist nicht deine Millerd folgte der *Corporate Ladder* der New Yorker Consulting-Szene. Die Gehälter, über die er redet, verursachen einem „*Normalo*“ Schwindelgefühle wie der Blick vom Empire State Building. Millerd verdiente über 200.000 $ jährlich. Auch [Khe Hy](https://www.khehy.com/?ref=markusdotzler.de), den Millerd im Buch zitiert, arbeitete früher bei BlackRock. Nicht gerade ein Kleinverdiener. Millerd schreibt zwar, dass er über keine besonders großen Rücklagen verfügte. Trotzdem wünschte ich mir, er hätte sein Buch (*Erscheinungsdatum: 2022*) mit Personen angereichert, die vor ihrem Ausstieg nicht 6-stellig nach Hause gingen. Denn immerhin verdienten 50 % aller erwerbstätigen US-Amerikaner im Erscheinungsjahr des Buches rund [55.000 $ oder weniger](https://www.bls.gov/cps/aa2022/cpsaat37.htm?ref=markusdotzler.de) im Jahr. Deshalb bleibt irgendwo immer ein Restzweifel: Ist Millerds Geschichte mit der eigenen vergleichbar? ### Die Angst vor Altersarmut und Ungewissheit Als ich meinen Job kündigte, verdiente ich ungefähr ein Viertel von Millerds letztem Gehalt (*in Euro*). Da ich früher nicht für BlackRock arbeitete, kreisen meine Gedanken regelmäßig um das Thema Geld: - Schieße ich mir mit meiner Auszeit ins Knie? - Werde ich die Entscheidung irgendwann bereuen? - Befördert mich das in die Altersarmut? Das sind echte Sorgen, die auch dich bei einer beruflichen Neuorientierung verfolgen. Doch eine Antwort, wie du konkret mit finanziellen Sorgen umgehst, wirst du in Millerds Buch nicht finden. ### Ein Ausstieg funktioniert nicht mit „*wishful thinking*" Finanzielle Sorgen sind real. Ein Gehaltszettel flattert nicht von allein durchs Fenster. Das wäre Wunschdenken. Millerd benennt „*wishful thinking*“ zwar in seinem Buch, doch er behebt es nicht. Vielleicht kann ich an dieser Stelle also mit meiner persönlichen Erfahrung ergänzen. Was ich jedem empfehlen kann, der einen beruflichen Ausstieg oder Umstieg wagen will: > **Stell einen Finanzplan auf.** Schreib dir vor deiner Kündigung deine täglichen Ausgaben für mind. 3 Monate auf und bilde daraus einen monatlichen Durchschnitt. So weißt du, wie lange du dir einen Ausstieg leisten kannst. Ich hab das damals mit einem [Monatsplaner in einem Notizbuch](https://www.markusdotzler.de/analoge-planung/) getrackt. Alternativ bieten manche Banken eine automatische Auswertung im Online-Banking-Dashboard an. Das funktioniert, sofern du alles per Karte zahlst. Ein Finanzplan schafft Fakten – und damit Sicherheit. Wenn du nicht weißt, was du monatlich ausgibst, wird dich die Angst vor deinen Kosten früher in die Arme der Erwerbsarbeit zurücktreiben, als dir lieb ist. ## Berufliche Neuorientierung ist kein einzelner Moment In unserer Gesellschaft glorifizieren wir Aussteigergeschichten. Ich denke an *Christopher McCandless'* Geschichte in *Into The Wild*: Straight-A-Student widersetzt sich der Zukunft, die seine Eltern für ihn planen, spendet sein Erspartes, verbrennt das übriggebliebene Bargeld und wandert nach Alaska aus. Doch die Wahrheit ist: Aussteigergeschichten funktionieren selten mit „großen Gesten“. Die Kündigung ist nicht DER Schritt, sondern einer von vielen. Sowas wie der Vorsatz: „*Ich zieh das jetzt wirklich durch.*“ Du wirst oft darüber nachdenken, ob dein alter Job vielleicht doch nicht so schlecht war. Ein Ausstieg besteht aus tausend Schritten – mal nach vorn, mal zurück. In dieser Tatsache steckt eine riesige Hürde. ### Rückschläge sind keine Fehlschläge Unsere Tendenz, Aussteigergeschichten zu glorifizieren, führt zu der „*alles oder nichts*"-Falle, wie Millerd sie nennt. Du glaubst, du müsstest alles auf eine Zahl setzen. Kein Zurück. Auf dieses Risiko reagieren wir automatisch mit einer Vermeidungshaltung. Psychologen nennen das [**Verlustaversion**](https://de.wikipedia.org/wiki/Verlustaversion?ref=markusdotzler.de). Menschen gewichten Verluste höher als Gewinne. Also reden wir uns ein, wir wären noch nicht bereit für eine Veränderung oder halten das Aussteigen für unrealistisch. > So verschwören wir uns stillschweigend zu Konformität. ### Wenn die Angst vor Misserfolg lähmt Die Angst vor Misserfolgen lähmt uns. Wir schieben die berufliche Veränderung auf und suchen lieber nach einer sicheren Stelle. Damit wird alles besser, reden wir uns ein. Doch wir übersehen die wichtigste Sache: > Es ist nicht die Aufgabe einer Stellenbeschreibung, uns zu befreien. **Das ist unsere Aufgabe.** Berufliche Neuorientierung ist kein „alles oder nichts"-Moment. Nach deiner Kündigung werden noch Tausende weiterer Momente folgen, die mehr zu deinem neuen Weg beitragen als die Kündigung selbst. Wenn ich heute daran denke, wieder einen Job in meiner alten Branche anzunehmen, fühlt sich das wie eine Niederlage an. Doch das ist es nicht. Es ist lediglich ein Rückschlag, kein Fehlschlag. Mein Pathless Path geht trotzdem weiter. Deiner wird es auch tun. Deshalb will ich dir folgendes zum Schluss mit auf den Weg geben: ### Unsicherheit ist Teil des Prozesses Sobald du von dem Weg abweichst, den die Gesellschaft für dich zeichnet, tust du etwas grundlegend Kreatives: Du erschaffst ein neues Leben. > Ein Leben *nach deinen Regeln* zu gestalten, ist der ultimative kreative Akt. Wer kreativ arbeitet, erschafft etwas Neues – und Neues ist *nie* garantiert. Unsicherheit ist also von Grund auf in das eingebaut, was du probierst. Sie zu vermeiden, ist unmöglich. Viel wichtiger ist deshalb deine Fähigkeit, Unsicherheit als Begleiter auf deinem Weg zu akzeptieren – zumindest am Anfang. Und ich hoffe, diese Randnotiz hilft dir dabei, das klarer zu sehen. ***Du willst deinen eigenen Pathless Path gehen?** Ich freue mich, wenn ich dich auf diesem Weg begleiten darf. Melde dich hier für den kostenlosen Newsletter an, erhalte regelmäßige Denkanstöße zum Thema Arbeit, Sinn und Gesellschaft und tritt mit mir in Kontakt. Gemeinsam schaffen wir das. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) [ ![Buy Me a Coffee at ko-fi.com](https://storage.ko-fi.com/cdn/kofi2.png?v=6) ](https://ko-fi.com/O8I321XETW?ref=markusdotzler.de) ### Der beste Rat gegen Hate-Kommentare ist 140 Jahre alt URL: https://www.markusdotzler.de/wie-du-mit-negativen-kommentaren-umgehst/ Last updated: 2026-10-11T10:43:55.000Z Der beste Rat gegen Hate im Netz kommt ausgerechnet von einem Mann, der das Wort „*Internet*“ nie gehört hat. ## Negative Kommentare auf Social Media sind unausweichlich Bei meinem vierten Youtube-Video erhalte ich zum ersten Mal einen Kommentar. Lt. Account heißt der Mann Reinhard und scheint um die 70 Jahre alt zu sein. Ich freue mich wie Bolle. Endlich kommentiert jemand! Was wird er wohl sagen? Voller Spannung klicke ich zum Kommentar. „*Wenden Sie sich doch einem anderen Hobby zu.*“ Autsch. Das ist kein [**Hate Speech**](https://hateaid.org/hatespeech/?ref=markusdotzler.de). Der liebe Reinhard beleidigt oder bedroht mich nicht. Aber weißt du, was er tut? Er trifft einen Nerv. ### Was ein mieser Kommentar in uns auslöst Ich beginne zu zittern – vor Wut. Ich will Reinhard an die Gurgel springen, doch ich sehe ihn nirgends. Nur diesen blöden Kommentar. Das schockiert mich. Nicht Reinhard, sondern wie stark ich seinen Kommentar spüre. Deshalb ist die Art und Weise, wie wir online kommunizieren, so tückisch: Kommentare landen in deinem Kopf, bevor du weißt, dass sie dir schaden wollen. Sie existieren in so vielfältiger Anzahl (die neue Hexenjagd heißt: [„Das ist doch KI-generiert!“](https://www.markusdotzler.de/ki-vorwuerfe-beim-schreiben/)), dass du aufgeben wirst, bevor deine Onlinepräsenz überhaupt erst richtig anfängt. Aus diesem Grund hoffe ich, dass ich dich erreiche, bevor dir das Gleiche passiert. Denn wo Reinhard herkommt, da gibt es noch ganz andere Kollegen. Wer sich im Internet bewegt, der weiß: [Auf den Wunsch nach Aufmerksamkeit](https://www.markusdotzler.de/khabib-nurmagomedov-social-media-weisheit/) folgen auch Personen, deren Aufmerksamkeit man sich so überhaupt nicht wünscht. Was wir im Umgang mit solchen Personen brauchen? Eine neue Philosophie: Die Philosophie von Hatekommentaren. Und die kommt von einem Mensch, der die Wörter „*Social Media*“ und „*Internet*“ zu Lebzeiten nie gehört hat. ## Nietzsche: Die Philosophie der Hate-Kommentare In §3 des ersten Buches von „[Die fröhliche Wissenschaft](https://www.markusdotzler.de/readings/nietzsche-froehliche-wissenschaft-interpretation/#aphorismus-3-projektion-%E2%80%93-warum-wir-glauben-wir-w%C3%BCssten-es-besser)“ schreibt Friedrich Nietzsche über die „*gemeine*“ und die „*edle*“ Natur des Menschen. Die **gemeine Natur** *(im Sinne von gewöhnlich, nicht fies)* behält „*ihren Vortheil unverrückt im Auge*". Sie denkt rational, aber auch eigennützig. Die **edle** Natur folgt „*der Leidenschaft*" – sie strebt z.B. nach Selbstverwirklichung, handelt dabei aber auch affektiver, also weniger rational. Es ist unerheblich, zu welcher Natur du gehörst. In §3 geht es Nietzsche vor allem um das Verständnis der beiden Naturen füreinander: Denn das fehlt völlig. Dir gefällt der Artikel? Spendier mir doch 'nen Kaffee. Hier kannst du das: [Hier geht's zur Kaffeekasse ](https://ko-fi.com/markusdotzler?ref=markusdotzler.de) ### Warum Menschen einander nicht verstehen Die edle und die gemeine Natur nehmen die Welt durch ihre individuelle Brille wahr. Sie besitzen Vorstellungen, wie sich jemand zu verhalten hat. Hast du schon mal jemanden gefragt, warum er etwas tut, und die Person hat dir geantwortet, „*weil man das halt so macht*“? Point made. Case closed. #### Wir können unserer Subjektivität nicht entkommen Die meisten Menschen besitzen zwar zwei Augen – das bedeutet aber nicht, dass sie die Welt mit *denselben* Augen sehen. > Die Persönlichkeit eines Menschen formt seine [Wahrnehmung](https://www.markusdotzler.de/erster-eindruck/) und so seine Realität. Deshalb verstehen wir einander manchmal überhaupt nicht. Wir erklären uns das Verhalten anderer durch unsere eigene, stark verfärbte Brille. Doch das bedeutet gleichzeitig: > Unsere Annahmen sind ein Spiegel unseres eigenen Denkens. In seinem Aphorismus über die edle und gemeine Natur beschreibt Nietzsche ein psychologisches Konzept, das du unbedingt kennen musst, wenn du im Netz aktiv bist. ## Was Projektion ist – und was sie mit Hate-Kommentaren zu tun hat In der Psychologie spricht man von **Projektion**, wenn wir anderen Menschen Eigenschaften zuschreiben, die wir versteckt in uns tragen, manchmal sogar an uns selbst nicht mögen. Ein Mensch, der sich z.B. unehrlich verhält, misstraut anderen, da er sich unterbewusst selbst nicht über den Weg traut. Martin Wehrle schreibt dazu in „*Den Netten beißen die Hunde*“: > „*Wie ein Maler nur Farben verwenden kann, die seine eigene Palette enthält, so finden die meisten Menschen für das Handeln anderer nur Erklärungen, die ihrem eigenen Wertesystem entsprechen*“ > > – Martin Wehrle Solange wir anderen Menschen unsere eigenen Motive unterstellen, sind wir niemals in der Lage, die andere Person zu verstehen. > **Unsere Urteile verraten somit manchmal mehr über uns als über diejenigen, die wir verurteilen.** Vielleicht ist Projektion sogar in Teilen für den [Generationenkonflikt](https://www.markusdotzler.de/generationenkonflikt/) verantwortlich – aber das ist ein anderes Thema. Wie hilft uns dieses Wissen nun im Umgang mit Hass online? ![Gemälde von zwei kämpfenden Menschen mit dritter Person, die den Streit schlichtet](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/07/umgang-mit-hate-im-netz.webp) Hate gab es schon immer: „Die sieben Todsünden“ von Hieronymus Bosch ### Wie Projektionen helfen, negative Kommentare einzuordnen Übertragen auf den Hater, Ragebaiter oder Troll bedeutet Projektion: > **Negative Kommentare sagen mehr über den, der sie schreibt, als über deine Arbeit.** Oder, wie es ein User auf [gutefrage.net](https://www.gutefrage.net/frage/hate-kommentare-was-tun-2?ref=markusdotzler.de) so schön zusammenfässt: „*Was der Hans über den Fritz sagt, sagt mehr über den Hans als über den Fritz.*“ Der Hass, den andere Menschen gegen dich richten, ist manchmal also nicht mehr als Selbsthass und Frustration über das eigene Leben. > **Hate-Kommentare werden so zur Selbstdiagnose.** Sie funktionieren wie ein Spiegel, den sich jemand ungewollt vor die eigene Nase hält. Aber lass uns noch eine wichtige Unterscheidung treffen: Kurzer Einschub: Wenn dich dieses Denken anspricht, verschicke ich jede Woche mehr davon in meinem Newsletter. Hier meldest du dich an. Jetzt zurück zu Reinhard. [Werde Teil des Newsletters ](#/portal/signup/free) ## Der Unterschied zwischen Hate und konstruktiver Kritik ![](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/07/Picture0003.webp) Quelle: [Simpsons Fandom](https://simpsons.fandom.com/wiki/Nelson%5FMuntz?ref=markusdotzler.de) Konstruktive Kritik weist dich auf Schwachstellen hin, um dich aufzuwerten. Ihr zuzuhören, hilft uns langfristig weiter (nicht zu verwechseln mit dem [inneren Kritiker](https://www.markusdotzler.de/nicht-gut-genug-prokrastination-erfahrung/), der oft genau das Gegenteil tut). Der Hater macht das Gleiche, um dich abzuwerten. Ihm geht es nicht um gute Argumente. Er will verletzen, abwerten und beleidigen. Er will dich runterziehen, damit du dich so fühlst wie er. Deshalb sage ich dir jetzt etwas, was ich gerne von jemandem gehört hätte, als ich meine ersten Beiträge veröffentlichte: > **Der Hass online kritisiert weder dich noch deine Arbeit. Er attackiert lediglich das, was er nicht versteht. Er hasst das, was er an sich selbst hasst.** Der Fakt, dass du zum Ziel eines Haters wirst, bedeutet vielleicht bloß, dass du etwas tust, das über das „*Gewöhnliche*“ (das „*Gemeine*“) hinausgeht. Das verachtet der Hater, denn es übersteigt seinen Horizont. Und mal ehrlich: > **Es wäre verdammt schade, wenn du dir deinen Traum von jemandem zerstören lässt, der mit sich selbst nicht im Reinen ist.** ## 5 Tipps im Umgang mit Hate-Kommentaren Um dir noch ein paar praktische Tipps an die Hand zu geben, will ich dir erzählen, was mir hilft, wenn der Blutdruck steigt. ### 1\. Atme durch Ja, ernsthaft. Das ist kein WuHu-BuHu-Bullshit. Du liest einen Kommentar mit deiner gedanklichen Stimme. Der Hater landet in deinem Kopf, bevor du überhaupt weißt, dass er dir schaden will. Das führt zu einer körperlichen Reaktion (*wie mein wütendes Zittern*). Mir hat es deshalb geholfen, dieser physischen Reaktion auf Ebene meines Körpers zu begegnen. Abstand nehmen, tief durchatmen, wiederholen, bis der Puls sinkt. ### 2\. Treib Sport Wenn du gar nicht mehr klar denken kannst, reg dich körperlich ab. Schwing dich auf's Rad, mach ein paar Liegestützen, prügel auf einen Boxsack oder ein Kissen ein (*bitte nicht auf den Hater, selbst wenn du die Chance dazu hast*). Selbes Prinzip wie beim Durchatmen – nur intensiver. Nach ein paar Gewichten sieht die Welt schon anders aus. ### 3\. Sprich darüber Dir Hilfe zu suchen, ist nicht schwach. Wenn dir jemand sagt: „*Ist doch bloß ein Kommentar*“, dann kennt er sich mit der Situation nicht aus. Jemanden anzurufen ist keine Schwäche, sondern [**Coping**](https://de.wikipedia.org/wiki/Bew%C3%A4ltigungsstrategie?ref=markusdotzler.de) (Problembewältigung). Reden hilft, Dampf abzulassen. Es tut verdammt gut, sich gemeinsam über jemanden aufzuregen. *Vorsicht: Die Person, der du davon erzählst, könnte genauso wütend werden wie du. Empfiehl ihr danach also diesen Artikel (hehe).* ### 4\. Reagiere auf den Kommentar, wenn du es willst Automatisch auf „*Blockieren*“ drücken, muss nicht immer die beste Lösung sein. Wenn dich jemand in ein schlechtes Licht rückt oder etwas sagt, das klar gegen deine Haltung geht, ***steh für dich ein***. Kippt ein Kommentar zur Beleidigung oder Drohung, darfst du dich dagegen [juristisch wehren](https://www.hilfe-info.de/Webs/hilfeinfo/DE/Merkblaetter/merkblatt%5Fhass%5Fund%5Fgewalt%5Fim%5Fnetz.html?ref=markusdotzler.de). Dabei geht es um nichts geringeres als [Selbstwirksamkeit](https://www.markusdotzler.de/selbstwirksamkeit-staerken/#was-selbstwirksamkeit-bedeutet-und-was-sie-mit-musik-zu-tun-hat), also das Gefühl, dass wir nicht das Opfer sind, sondern uns behaupten können. Beim gewöhnlichen Youtube-Troll oder *Ragebaiter* vergeudest du mit langen Antworten jedoch oft deine Energie und vor allem die Zeit, die du für deine Arbeit nutzen könntest. Viele Plattformen (z.B. Youtube unter „Einstellungen“ – „Community-Moderation“ – „Nutzerverwaltung“) bieten Community-Funktionen, durch die du Personen für deinen Kanal stumm schaltest. Das Beste daran: Der Hater kriegt nichts davon mit. Er kann weiter kommentieren und seine Zeit verschwenden, aber niemand sieht es. ### 5\. Besiege den Hate durch Weitermachen Wenn dir jemand sagt, dass er deinen Beitrag scheiße findet, schreib direkt den nächsten. Wenn er dir sagt, du siehst im Video hässlich aus, stell dich noch näher an die Kamera. Zeig der Person, dass sie keinerlei Kontrolle über dich besitzt. Damit tust du genau das, wovor sie sich selbst fürchtet: Du stehst zu dir und deiner Leidenschaft. Und dazu ist der Hater nicht in der Lage. ## Deine Reaktion auf Kritik ist der Grund, warum du weitermachen musst Als ich damals so stark auf Reinhards Youtubekommentar reagiert hatte, fragte ich mich, ob ich mich für eine Onlinepräsenz eigne. Bin ich vielleicht zu sensibel? Bringe ich die falsche Persönlichkeit dafür mit? Doch [Paul Millerd](https://pmillerd.com/?ref=markusdotzler.de) hat mich in „[*The Pathless Path*](https://www.markusdotzler.de/readings/pathless-path-paul-millerd-deutsch/)“ davon überzeugt, dass eine emotionale Reaktion auf Kritik keine Schwäche ist. Der Fakt, dass du dir Kritik zu Herzen nimmst, vielleicht sogar mehr als dir gut tut, ist exakt der Grund, warum du deine Arbeit mit anderen Menschen teilen solltest. Deine Reaktion bedeutet, dass dir das, was du tust, am Herzen liegt, dass dir *andere* am Herzen liegen. Du sorgst dich darum, was deine Arbeit in ihnen auslöst. Das ist keine Schwäche: > **Das macht dich zu genau der Person, die anderen überhaupt erst helfen *kann*.** Ich glaube schon lange daran, dass das, was wir oft als [Schwäche bezeichnen, manchmal Stärke ist.](https://www.markusdotzler.de/schwaeche-zeigen/) Also bleib dran. Ich steh hinter dir. > Seit ich des Suchens müde ward, > Erlernte ich das Finden > Seit mir ein Wind hielt Widerpart > Segl ich mit allen Winden > > – Nietzsche ****Auch auf deinem Weg wird es Reinhards geben.** Und Tage, an denen du am liebsten aufhören würdest. In meinem Newsletter schreibe ich für alle, die an ihrem Weg festhalten wollen. Der einfachste Schritt dafür? Den Button klicken. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) PS: Dir gefällt meine Arbeit? Ein Kaffee hält mich wach beim Schreiben: [ ![Buy Me a Coffee at ko-fi.com](https://storage.ko-fi.com/cdn/kofi2.png?v=6) ](https://ko-fi.com/O8I321XETW?ref=markusdotzler.de) ### Wie fühlt sich emotionale Distanz im Job an? URL: https://www.markusdotzler.de/wie-sich-emotionale-distanz-anfuehlt-job/ Last updated: 2026-07-17T08:11:28.000Z Das ist keine Geschichte über Burnout, aber über einen Teil davon: emotionale Distanz. Hier will ich dir zeigen, wie sich das anfühlt, um es mit deiner eigenen Erfahrung zu vergleichen. ## Was ist Burnout eigentlich? Die [WHO definiert Burnout](https://www.who.int/news/item/28-05-2019-burn-out-an-occupational-phenomenon-international-classification-of-diseases?ref=markusdotzler.de) als Reaktion auf chronische, unbewältigte Stressfaktoren am Arbeitsplatz. Für eine Diagnose existieren drei entscheidende Charakteristika: - Gefühle der Erschöpfung oder des Kraftverlustes - verringerte berufliche Leistungsfähigkeit - zunehmende Distanzierung bzw. Entfremdung und negative Gefühle ggü. dem eigenen Job Bei Burnout handelt es sich um ein „*berufsbedingtes Phänomen*“, nicht um eine eigenständige Krankheit. Das bedeutet allerdings nicht, dass das Leid, das dabei entsteht, minderwertig wäre. Deshalb ist es wichtig, darüber zu sprechen. Auch wenn ich nicht glaube, dass ich an Burnout litt, stelle ich etwas an meiner damaligen Situation fest, über das ich unbedingt mit dir sprechen möchte: > Distanzierung bzw. Entfremdung und negative Gefühle gegenüber dem eigenen Job ## Wie zeigt sich emotionale Distanz im Job? Die Frage ist schwer zu beantworten. Emotionale Distanz schleicht sich viel mehr an dich heran, als dass sie dir plötzlich ins Auge springt. So war es zumindest bei mir. Welche Anzeichen mir im Rückblick auffallen: - Prokrastination. Nicht aus Faulheit, sondern weil die Arbeit nichts mehr bedeutet; weil kein Sinn darin erkennbar ist. - Sozialer Rückzug. Ich fühlte mich fehl am Platz, ging seltener ins Büro, damit ich niemanden treffe. Tage und Termine vor Ort raubten mir die Energie. - Gefühle der Wertlosigkeit. Wenn ich den Job nicht erledige, tut's halt ein anderer. Ich hatte den Stolz auf meine Arbeit verloren. - „*Sollen sie doch machen*“-Einstellung. Entscheidungen des Konzerns berührten mich nicht länger. Ich reagierte höchstens zynisch: Lass das Schiff doch sinken. - Desinteresse an Team-Events. Die jährliche Weihnachtsfeier? Bloß nicht. Und wenn, dann suchte ich nach Gründen, warum ich früher nach Hause musste.. Was nicht bei mir passierte: Eine Zunahme der Fehltage. Ich blieb nie motivationsbedingt zu Hause oder meldete mich krank, sondern setzte mich vor den PC und ertrug mein Dasein. Als hätte ich mein Schicksal akzeptiert. ## Wie sich emotionale Distanz im Job anfühlt Ca. 1,5 - 2 Jahre vor meinem Austritt aus dem Konzern stellte ich fest, dass irgendetwas nicht stimmte. Es war Winter, als ich eine völlige Demotivation bemerkte, am Morgen aufzustehen. Ich konnte mir aber nicht erklären wieso. In dieser Zeit fühlte ich mich wie ein Schlafwandler im eigenen Leben, bewegte mich rein mechanisch durch den Tag. Doch niemand weckte mich auf. Es entwickelte sich ein Gefühl der Leere in mir, das sich auch auf mein Privatleben auswirkte. Meine Arbeit und die Projekte, für die ich verantwortlich war, ließen mich vollkommen kalt. Sie interessierten mich nicht. Deshalb [prokrastinierte](https://www.markusdotzler.de/prokrastination-ueberwinden/) ich – nicht aus Faulheit, sondern weil es mir nichts mehr bedeutete. Das blieb nicht lange ohne Folgen. Ich geriet in einen Strudel aus Lethargie und Hektik. Musste ich etwas erledigen, erkannte ich keinen Sinn darin, bis eine Frist so nah rückte, dass ich unter Hochdruck daran arbeitete, damit niemand etwas bemerkte. Irgendwie ging das immer (*gerade so*) gut. Nichts eskalierte je in der Form, dass es jemandem aufgefallen wäre. Im Nachhinein betrachtet, verschlimmerte das die Situation wahrscheinlich. Es erlaubte mir, so zu tun, als läge nichts im Argen. Hätte es geknallt, wäre zumindest jemand aufmerksam geworden. ### Ist emotionale Distanz ein Abwehrmechanismus? Im Jahr meiner Kündigung hielt ich diesen Zustand nicht länger aus. Darüber schreibe ich in Teilen in einer sehr persönlichen Geschichte über [krankhafte Produktivität und ihre Auswirkungen](https://www.markusdotzler.de/produktivitaetsluege/). Doch in diesem Beitrag benenne ich die Entfremdung nicht, die ich spürte. Die Leere veränderte sich erst in den letzten Monaten vor meinem Austritt. Es war ein ständiges Wechselbad der Gefühle zwischen Aufbruchsstimmung und Zukunftsangst. Aber immerhin spürte ich wieder etwas. Die Distanzierung wirkt heute auf mich wie ein Abwehrmechanismus, um meine [Unzufriedenheit im Job](https://www.markusdotzler.de/unzufrieden-im-job-nicht-kuendigen/) nicht an mich heranzulassen. Deshalb bin ich froh, dass ich das Gefühl irgendwann nicht länger ignorierte (*auch wenn ich mir fast 2 Jahre etwas vormachte*). Denn hätte ich es nicht getan, wäre ich heute immer noch da, wo ich längst nicht mehr sein wollte. ## Ein Appell, die Distanz zum Job nicht hinzunehmen Deinen Job als etwas zu betrachten, das du lediglich hinter dich bringen musst, wird dich irgendwann innerlich zerreißen. Im besten Fall wirst du jemand sein, der 8-10 Stunden täglich so emotional entkoppelt verbringt, dass sich dein Leben wie ein einziger Brei aus irrelevanten Momenten anfühlt. Du sagst vielleicht, du wirst das durchhalten, denn noch besitzt du die Kraft dazu. Noch ist der Stein in deinem Schuh zu klein, um ihn anerkennen zu müssen. Du redest dir ein, du müsstest nur noch 10, 20, 30 oder 40 Jahre [hustlen](https://www.markusdotzler.de/warum-hustle-culture-toxisch-ist/). Aber willst du wirklich deine emotionale Anwesenheit für den Rest deines Lebens bloß vortäuschen? Was du dir da vornimmst, ist ein unvorstellbarer Kraftakt. Der Arbeitstag bestimmt die Hälfte deiner Wachzeit. Überleg dir das also gut. Entfremdung im Job erinnert mich ein bisschen an Pluto (*ich mein den Eisbrocken, nicht den Hund*). Pluto kreist Zeit seines Lebens um die Sonne, aber gehört trotzdem nicht dazu. So ist das manchmal auch im Job. Wir sind anwesend, aber driften bloß vor uns her. Eigentlich wünschen wir uns dazu zu gehören – vielleicht nicht zu unserer aktuellen Stelle, vielleicht nicht zu unserem momentanen Team. Aber definitiv zum Leben. ## Wie wir wieder Hoffnung finden Ich verstehe, dass ich aus einer sehr komfortablen Situation heraus schreibe. Ich bin kinderlos und unverheiratet. Du bist vielleicht Papa oder Mama. In diesem Fall gestaltet sich deine Situation völlig anders als meine. Ein einfaches Ausbrechen ist dann schwer. Trotzdem glaube ich, dass der [Wandel möglich](https://www.markusdotzler.de/mut-zur-veraenderung/) ist. Denn er beginnt im Kopf. Das wird jetzt kurz nach Bauernweisheit klingen, aber bleib bei mir: Erinner dich kurz, als du dir das letzte Mal ein Auto oder ein Fahrrad einer bestimmten Marke gekauft hast. Wenn du dir z.B. unbedingt einen roten Opel zulegen willst, siehst du plötzlich überall rote Opel herumfahren. Die waren schon immer da, doch erst jetzt schenkst du ihnen die nötige Aufmerksamkeit. Bei beruflicher Veränderung verhält es sich ähnlich. Als ich damals nach einem Weg raus suchte, erkannte ich plötzlich neue Möglichkeiten. Viele davon waren völliger Unsinn (*ich überlegte z.B. eine Muay Thai-Schule zu gründen, nachdem ich erst 3 Monate Muay Thai trainierte*). Doch die Suche begann. Plötzlich erkennst du Möglichkeiten statt in Stein gemeißelte Tatsachen. Du hältst deine Zukunft nicht mehr für unumgänglich. Du entwickelst ein Gefühl von [Selbstwirksamkeit](https://www.markusdotzler.de/selbstwirksamkeit-staerken/#was-selbstwirksamkeit-bedeutet-und-was-sie-mit-musik-zu-tun-hat), um an deiner beruflichen Situation etwas zu verändern. Für mich ist [berufliche Erfüllung kein Luxusdenken](https://www.markusdotzler.de/berufliche-erfuellung-ist-kein-luxus/). Es gehört zur menschlichen Natur. Das Streben nach einem Gefühl von Sinn im Leben ist wahrscheinlich die wichtigste Reise, die du unternehmen kannst. Und sobald sich dein Unterbewusstsein auf deine Möglichkeiten ausrichtet, suchst du nach den Rissen in der Fassade deiner gelebten Realität. Je nach Lebenssituation zeigen sich diese Risse mehr oder weniger deutlich. Doch sie existieren. Du musst die Mauer nicht sofort mit dem Vorschlaghammer einreißen. Andy Dufresne kratzt in „[*The Shawshank Redemption*](https://www.imdb.com/de/title/tt0111161/?ref=markusdotzler.de)“ über einen Zeitraum von fast 20 Jahren mit einem kleinen Geologenhammer Beton aus der Wand. Wichtig ist also nicht, wie schnell du dich befreist. Wichtig ist, dass du nach den Rissen suchst und dich langsam auf das Licht zubewegst. Irgendwie ist dieser Artikel hinten raus etwas ins Biblische abgedriftet. Um nicht wie ein Prophet zu klingen, ende ich deshalb mit [Friedrich Nietzsche](https://www.markusdotzler.de/readings/nietzsche-froehliche-wissenschaft-interpretation/): > „Wo du stehst, grab tief hinein! > Drunten ist die Quelle! > Lass die dunklen Männer schrein: > »Stets ist drunten – Hölle!«“ Und wenn du dich momentan so fühlst, wie ich es in diesem Artikel beschreibe, hilft dir dieser Artikel, herauszufinden, ob du [kündigen oder wirklich bleiben willst](https://www.markusdotzler.de/kuendigen-oder-bleiben-entscheidung/). Du musst die Mauer nicht heute einreißen. Aber such weiter nach den Rissen. Mein Newsletter ist dafür der erste, kleine Schritt dazu. [Anmelden ](#/portal/signup/free) [ ![Buy Me a Coffee at ko-fi.com](https://storage.ko-fi.com/cdn/kofi2.png?v=6) ](https://ko-fi.com/O8I321XETW?ref=markusdotzler.de) ### Unzufrieden im Job? Warum wir bleiben, obwohl wir leiden URL: https://www.markusdotzler.de/unzufrieden-im-job-nicht-kuendigen/ Last updated: 2026-08-17T15:07:04.000Z Alfred Adler und die Schmerzformel erklären dir, warum du an einem Job klammerst, den du hasst, obwohl deine Hände längst bluten. ## Was bedeutet Job Hugging? Ein **Job Hugger** klammert sich trotz Unzufriedenheit an seinen aktuellen Job. Das Phänomen ist das Gegenteil zum „*Job Hopping*“ (also dem ständigen Stellenwechsel) und kursiert vor allem seit 2025 im Netz. Online wird es hauptsächlich durch die aktuelle Konjunktur erklärt: - [**Schlechte wirtschaftliche Lage**](https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/fruehjahrsprojektion-2026-2422692?ref=markusdotzler.de): Die Bundesregierung halbiert die Prognose für das dt. Wirtschaftswachstum für 2026 auf 0,5 % und rechnet gleichzeitig mit einer Inflationsrate von 2,7 %. - [**Veränderung des Arbeitsmarktes**](https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1224/umfrage/arbeitslosenquote-in-deutschland-seit-1995/?ref=markusdotzler.de): Die Arbeitslosenquote stagniert auf dem höchsten Niveau der letzten 10 Jahre. - **Bedrohung durch Künstliche Intelligenz**: Die Rhetorik der KI-Doomsdayer zeigt Wirkung. Mehr als 40 % der amerikanischen Gen Z spricht lt. Gallup Institut von einer [Angst vor KI](https://news.gallup.com/poll/708224/gen-adoption-steady-skepticism-climbs.aspx?ref=markusdotzler.de). Jeder dritte Deutsche fürchtet sich vor [gesellschaftlichen Veränderungen durch KI](https://www.ruv.de/newsroom/themenspezial-die-aengste-der-deutschen/pressemitteilungen/2025-11-19-angst-folgen-ki?ref=markusdotzler.de). Auf diese Entwicklungen reagiert das Internet, wie es das immer tut: Es erfindet einen neuen Trendbegriff. Willkommen, *Job Hugging*. Und? Bist du ein *Job Hugger*? Gut möglich. Die wirtschaftliche Lage motiviert aktuell niemanden, seinen Job an den Nagel zu hängen. Was mir bei der Diskussion allerdings fehlt, ist, dass das Phänomen nicht neu ist. Es existierte schon, bevor das Internet ihm einen trendigen Namen gab. ## Das Problem mit „Job Hugging“ als Trendbegriff Seit meiner Jugend treffe ich Menschen, die nichts lieber tun, als sich über Job und Unternehmen aufzuregen. Sie durchlaufen zwar immer wieder die [3 Phasen zur Kündigung](https://www.markusdotzler.de/3-phasen-auf-dem-weg-zur-kuendigung/), fühlen sich sogar [emotional entfremdet vom Job](https://www.markusdotzler.de/wie-sich-emotionale-distanz-anfuehlt-job/), doch letztendlich bleiben sie. Manchmal ein Leben lang. Hinter dem Trendbegriff Job Hugging steckt also kein Trend, bloß ein trendiger Name. Wir erklären das Klammern am Job durch einen Arbeitsmarkt, *der momentan zugegebenermaßen beschissen ist*, aber vergessen, dass Job Hugging zu den Evergreens der Arbeitswelt gehört, um dem Denglischen treu zu bleiben. Die Frage bleibt also, ob ein Job Hugger nicht auch dann seinen Job huggt, wenn der Arbeitsmarkt eine Veränderung ermöglicht. Anders ausgedrückt: Warum klammerst du statt loszulassen? Der Psychotherapeut Alfred Adler würde sagen: Weil du gar nicht kündigen *willst*. Du sagst es nur. Und das liegt an der Schmerzformel. ## Was ist die Schmerzformel? > Angst vor Zukunft > Schmerz der Gegenwart = keine Veränderung Solange die Angst vor der Zukunft größer ist als der Schmerz der Gegenwart, veränderst du dich nicht. Das klingt erst mal unsinnig. Warum hältst du eine Situation aus, die dir nicht gut tut, *obwohl* du etwas daran ändern *könntest?* *Wichtig: Ich red hier von „*Können*“. Ich versteh, dass Mama und Papa nicht einfach mal den Job schmeißen.* Lass es mich auf meine Situation übertragen, dann wird es klarer. ## Meine persönliche Erfahrung mit der Schmerzformel Bevor ich meinen letzten Job kündige, erinnere ich mich an mindestens zwei Winter, in denen ich mich fühle, als ginge die Sonne am Morgen überhaupt nicht mehr auf. Die Aufgaben bieten keinerlei Herausforderung mehr. Alles wiederholt sich. Ich lerne nichts mehr dazu, obwohl ich regelmäßig Schulungen besuche. Täglich grüßt das Murmeltier. Ich fühl mich, als hätte jemand den Muntermacher in meinem Kaffee durch Narkotika ersetzt. Damals bin ich 29 Jahre alt und viel zu jung für eine Midlife-Crisis. Dabei stecke ich längst mittendrin. [ ![Buy Me a Coffee at ko-fi.com](https://storage.ko-fi.com/cdn/kofi2.png?v=6) ](https://ko-fi.com/O8I321XETW?ref=markusdotzler.de) ### Aufgeschoben ist nicht aufgehoben Doch vor ungefähr 2-3 Jahren war der Arbeitsmarkt viel entspannter als heute. 2023 raucht die Jobbörse noch Haschisch. 2026? Crack. *Kein empfehlenswerter Umstieg, Kinder.* Ich hätte damals also locker kündigen können. Doch ich ertrage die Situation lieber, als etwas zu verändern. 2 Jahre später kündige ich dann in eine der schlechtesten Arbeitsmarkt Situationen der letzten Jahre rein. Warum? Wegen der Schmerzformel. ### Die Schmerzformel erklärt, warum wir uns nicht verändern Meine berufliche Unzufriedenheit ist damals ein Schmerz, auf den ich mich einstellen kann. Du kennst ihn vielleicht: Das Bauchgefühl, das dich beim Pendeln zur Arbeit begleitet, als hättest du es am Morgen in deinen Rucksack oder in deine Handtasche gepackt. Das Gefühl, das du jeden Sonntag beim Gedanken an die To-dos von Montag spürst und das dich bis Mittwoch durch die Woche peitscht, bevor es am Donnerstag endlich die Klappe hält, weil du den Freitag riechst. Das Gefühl mein ich. Und das kenn ich damals – nein, ich *gewöhne* mich daran wie bei einem Muttermal, das plötzlich auftaucht. Aber nach zwei Wochen denkst du: *„Och, ich glaub das war schon immer da.“* ### Menschen leben mit inneren Widersprüchen Zu Freunden und Familie sage ich damals, dass ich mich verändern ***will***, aber jedes Mal, wenn ich über die Kündigung nachdenke, fallen mir 27 Gründe ein, warum es grad nicht passt. Denn ich hab mehr Schiss vor der Unsicherheit der Zukunft als vor dem Schmerz der Gegenwart. Den Schmerz kenn ich. Ich weiß ungefähr, wann er kommt und wie er sich anfühlt – wie Regelschmerzen *(hab ich gehört)*. Doch die Zukunft kenn ich nicht und das macht mir Angst. Das ist die Schmerzformel. Und jetzt kommen wir gleich zu Alfred Adler, aber lass mich noch eine Sache einschieben. ## Prokrastination ist menschlich Die Passivität, nichts zu ändern, ist normal. Das Gehirn liebt Sicherheit. Sein Job besteht darin, das Überleben zu sichern und das gelingt besser, wenn es weiß, worauf es sich einlässt. Also greift das Gehirn auf Muster und Erfahrungen zurück, um die Zukunft vorherzusehen – oder lass uns sagen *„zu erahnen“*, denn wenn du glaubst, du könntest die Zukunft vorhersehen, dann müsstest du für AstroTV arbeiten… *…und das tust du nicht, oder?!* Was dein Gehirn überhaupt nicht mag, ist Unsicherheit, denn die ist gefährlich, vielleicht sogar lebensbedrohlich. Der Autopilot ist ihm schon lieber. Das ist der NPC Modus, von dem ich hier ständig spreche. Er ist die Kuscheldecke deines Gehirns. Doch der Autopilot ist auch der Grund, warum dir die Entscheidung, ob du [kündigen oder bleiben](https://www.markusdotzler.de/kuendigen-oder-bleiben-entscheidung/) solltest, so schwer fällt. ### Über Spatzen und Tauben Du kennst vielleicht den Spruch: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. *5 Euro fürs Phrasenschwein, ich weiß*, aber bei einem Jobwechsel stimmt das: Du weißt nicht, was dein Jobwechsel mit sich bringt – oder wie es *Illidan Sturmgrimm* aus *World of Warcraft* so lieblich zusammenfasst: YOU ARE NOT PREPAAAARED! Was, wenn in der neuen Abteilung ein noch viel größeres Arschloch im Chefsessel sitzt als in deinem jetzigen Job? Was, wenn deine einzigartige Idee für deine Selbstständigkeit gar nicht so einzigartig ist? Also bleibst du passiv – aus Angst vor Veränderung. Und JETZT folgt Alfred Adlers kleiner Mindfuck. ## Alfred Adlers und die Umkehrung deiner Probleme Was ist, wenn es gar nicht das Problem ist, ***dass*** du Angst hast, sondern dass du deine Angst brauchst, **damit du dich nicht veränderst?** Ja, du hast richtig gelesen. Dich mein ich. Stell dir die Frage, auch wenn sie schmerzt: Ist deine Angst nur der \_Vorwand, **um dich nicht zu verändern**? So wie damals, als du dir vorgenommen hast, das süße Mädel oder den attraktiven Kerl (oder beides – *whatever floats your boat*) am Badesee anzusprechen. Plötzlich fallen dir 27 Gründe ein, warum das gerade eine schlechte Idee ist. *‚Mh, ich will momentan eigentlich gar keine Beziehung. Meine Haare hab ich heute auch nicht gewaschen. Außerdem komm ich grad vom Sport und riech ein bisschen streng.’* Sind das wirklich in Stein gemeißelte Tatsachen oder lediglich Vorwände deines Gehirns, um dir die Blöße einer Ablehnung zu ersparen? Brauchst du die Ausrede, *um nicht zu handeln?* ### Alfred Adler und die Zukunftsbezogenheit Alfred Adler war der Ansicht, dass sich dein Verhalten eher durch deine Ziele und Absichten erklären lässt als durch deine Vergangenheit. Er sagt quasi: „*Moment, achte darauf, was du mit deinem Verhalten in der Zukunft beabsichtigst.*“ Das nennt sich „*Zukunftsbezogenheit*“. Wenn du bei der Schmerzformel also durch ein nachdenkliches Nicken (*ich hab’s genau gesehen!*) erkannt hast, dass du deinen Job erträgst, weil du Angst vor der Zukunft hast, dann probier’s mal mit folgender Brille: Statt zu sagen, dass du deinen Job erträgst, *weil* du Angst vor der unsicheren Zukunft hast, frag dich, ob du in Wahrheit deine Angst brauchst – *du sie benutzt* –, damit du dich nicht verändern musst. **Denn es könnte sein, dass dein eigentliches Ziel ist, *dich nicht zu verändern*.** Und als ich das damals kapiere, klingelt es in meiner Rübe – nicht, weil mein Kopf ein Vakuum ist *(zumindest nicht mehr als die meisten*), **sondern weil der Groschen gefallen ist**. **MICDROP!** ## Deine Einwände sind real – und trotzdem sind es Ausreden Du hast also Angst vor der Zukunft und sagst *„Veränderung ist unsicher“*. Ich geb dir recht. Sie kann schief gehen. Merke ich gerade, also lass uns das nicht schönreden. Aber was ist die Alternative? > ***Dein ganzes Leben lang jemand bleiben, der du nicht mehr sein willst?*** Oder du sagst: *„Veränderung ist anstrengend“*. Auch da stimm ich dir zu, denn ich spür gerade dasselbe wie du: Ich *versuch* mich zu verändern, ich *versuch* mir was Eigenes aufzubauen, aber es haut einfach noch nicht hin. Das **ist** unsicher. Das **ist** schwierig. Das **ist** anstrengend. Aber eine Sache kann ich dir aus der Erfahrung meines letzten Jobs garantieren: > Es ist noch viel, **viel** anstrengender, für den **Rest deines Lebens** – *8 Stunden! jeden fucking Tag!* – so zu tun, als ob du glücklich wärst. ## Die Hoffnung in Alfred Adlers Psychologie Alfred Adlers kleine Umkehrung deiner Psychologie besitzt im ersten Moment dieselbe Wirkung wie ein Mund voller Center Shocks. Doch sobald sich deine Gesichtszüge aus der Schockstarre lösen, erkennst du die Hoffnung, die darin steckt. Adler war überzeugt, dass Menschen **nicht** das bloße Produkt ihrer Vergangenheit sind oder bleiben müssen. Seine gesamte Psychologie dreht sich darum, dass Menschen einen Handlungsspielraum besitzen, solange sie sich ihrer echten Ziele und Absichten bewusst werden. Adler glaubte, dass Veränderung möglich ist und dass **du** diese Veränderung herbei führen *kannst*. Und ich glaub das auch. Deshalb frage ich dich: > Wie sieht die Version von dir aus, die du dich bis heute nicht getraut hast zu träumen? ****Du willst deinen eigenen Weg gehen?** Dafür gibt es keine vorgezeichnete Karte. Doch ich kann dir bei den ersten Schritten helfen, denn ich gehe den Weg gerade selbst. In meinem Newsletter schreibe ich ehrlich darüber, was es heißt, aus dem NPC-Modus auszusteigen und, wie Nietzsche sagt, dem eigenen Charakter Stil zu geben. Du bist bereit für den ersten Schritt? Dann trag dich in den Newsletter ein. Kein Spam, keine Hektik. Nur Erkenntnisse. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ### Die fröhliche Wissenschaft – Wie Nietzsches Aphorismen das Denken verändern [Megapost] URL: https://www.markusdotzler.de/readings/nietzsche-froehliche-wissenschaft-interpretation/ Last updated: 2026-07-31T12:48:47.000Z Das ist eine Auseinandersetzung mit Friedrich Nietzsches „Die Fröhliche Wissenschaft“, die wächst, *während ich mich durch das Buch arbeite*. **Das ist keine Zusammenfassung**. Es geht nicht darum, Nietzsche und jeden seiner Aphorismen zu erklären, sondern dir zu zeigen, wie ein Buch einen Menschen verändert, *während er es liest*. Dieser Beitrag wird solange bearbeitet, bis ich das Buch fertig gelesen habe. [ ![Buy Me a Coffee at ko-fi.com](https://storage.ko-fi.com/cdn/kofi2.png?v=6) ](https://ko-fi.com/O8I321XETW?ref=markusdotzler.de) ## Aphorismus 1: Die Suche nach dem Sinn des Lebens ist Instinkt Der erste Aphorismus („*Die Lehrer vom Zwecke des Daseins“*) hat mich sofort für Nietzsche begeistert und einen ganzen Artikel inspiriert. Darin geht es im Kern um zwei radikale Gedanken: ### **1\. Alles, was der Mensch tut, dient dem Trieb der Arterhaltung** Das gilt auch für unser *Streben nach höheren Zielen*. Ein Beispiel ist unser Wunsch nach [beruflicher Erfüllung](https://www.markusdotzler.de/berufliche-erfuellung-ist-kein-luxus/) (mehr dazu im Link). Den habe ich bisher immer als „höheres Motiv“ gesehen. Etwas, das uns von Tieren unterscheidet. Aber was, wenn unser Wunsch nach Sinn, Erfüllung und Glück im Kern dazu dient, uns am Leben zu erhalten? Wenn z.B. unser Streben nach Erfüllung im Beruf lediglich ein Gegenmittel ist, um nicht an der Realität eines 9-5 zu verzweifeln? Wenn der [Wunsch nach beruflicher Veränderung](https://www.markusdotzler.de/readings/pathless-path-paul-millerd-deutsch/) Trieb ist? Selbst das, was wir als Menschheit oft als Grundlage für unsere „höhere Art“ erkennen, könnte mehr Natur als göttlicher Funke sein. Ohne dieses Streben würden wir am Leben „erschlaffen“. Die Frage, die in meinem Kopf hängen bleibt: Ist der menschliche Glauben mehr Natur als Göttlichkeit, egal, ob er sich in Religion, Leidenschaft oder Revolution äußert? ### **2\. Auch das „Böse“ dient dem Trieb der Arterhaltung**. Nietzsche schreibt: „*Auch der schädlichste Mensch ist vielleicht immer noch der allernützlichste \[...\], denn er unterhält bei sich oder, durch seine Wirkung, bei Anderen Triebe, ohne welche die Menschheit längst erschlafft oder verfault wäre*“. Wenn ich das also richtig verstehe, dann erkennt Nietzsche selbst im Bösen einen Zweck, da wir uns als Menschheit gegen Hass, Raub- und Herrschsucht auflehnen und so nicht an der viel bequemeren Sicherheit des Alltags „erschlaffen“. Nietzsche heißt das Böse nicht gut. Er bezeichnet es als kostspielig, verschwenderisch und töricht. Ich verstehe seine Interpretation des Bösen viel mehr als Gegenpol. Das Böse rüttelt uns wach. Entfacht ein Feuer in uns. Die Implikation, mit der ich noch kämpfe: Sind Kriege unausweichlich? Braucht der Mensch sowohl Chaos als auch Ordnung, Krieg wie Frieden und das Böse wie das Gute? ## Aphorismus 3: Projektion – Warum wir glauben, wir wüssten es besser In „*Edel und Gemein*“ schreibt Nietzsche über zwei unterschiedliche Naturen der Menschen: Die **gemeine Natur** (im Sinne von gewöhnlich, nicht fies) behält „*ihren Vortheil unverrückt im Auge*". Sie denkt rational, aber auch kalkulierend und eigennützig. Die **edle Natur** hingegen folgt der Leidenschaft – sie strebt nach dem „Höheren“ (z.B. Selbstverwirklichung), handelt dabei aber auch affektiv und unvernünftig. Was diesen Aphorismus so interessant macht, sind nicht die Konzepte von „gemein“ und „edel“, sondern dass Nietzsche das beschreibt, was wir heute als **Projektion** bezeichnen: Menschen übertragen manchmal unbewusst ihre eigenen Motive und Charaktereigenschaften auf andere. Das hat zur Folge, dass wir manchmal so in unserer eigenen Wahrnehmung / Welt gefangen sind, dass uns das Verständnis für die Motive anderer gänzlich fehlt, denn wir übertragen immer einen Teil von uns selbst auf sie. Wir nehmen völlig selbstverständlich, aber auch irrtümlich an, jeder müsse die Welt so sehen, wie wir das tun. Doch das ist nur der Blick aus unserer eigenen, stark verfärbten Sicht. Das führt zu viel Ärger, Streit und [fiesen Kommentaren online](https://www.markusdotzler.de/wie-du-mit-negativen-kommentaren-umgehst/). Und genau hier muss ich mir selbst an die Nase fassen: Ich nehme gerne an, meine Sichtweise wäre die richtige. Dabei gibt es 100 verschiedene Sichtweisen und niemals die „eine“ Wahrheit. Also was, wenn wir seltener Recht haben, als wir denken? Was, wenn zwei Wahrheiten gleichzeitig gelten? Was, wenn unsere Sicht – egal, für wie richtig oder tolerant wir sie halten – engstirnig und klein ist? ## Aphorismus 4: Nietzsches Definition von Gut und Böse Über „*Das Arterhaltende*“ stolpere ich bis heute. Nietzsche vertieft hier Aphorismus 1, indem er schreibt: > *„Die stärksten und bösesten Geister haben bis jetzt die Menschheit am meisten vorwärts gebracht.“ – Nietzsche* Damit spielt er im Kern auf den Arterhaltungstrieb an, in dessen Sinne ja auch das „Böse“ einen Zweck erfüllt, da es die Menschheit am „Erschlaffen“ hindert. Für Nietzsche scheint eine Definition von gut und böse zu gelten, die ich noch nicht völlig verstehe. Er behandelt das „Böse“ nicht moralisch. Er setzt es viel mehr mit „dem Neuen“ gleich, das bestehende Konventionen verwirft. > *„Das Neue ist aber unter allen Umständen das Böse, als Das, was erobern, die alten Grenzsteine und die alten Pietäten umwerfen will; und nur das Alte ist das Gute! Die guten Menschen jeder Zeit sind die, welche die alten Gedanken in die Tiefe graben \[...\], die Ackerbauer des Geistes.“ – Nietzsche* Vielleicht interpretiert Nietzsche also das „Neue“ als böse aus Sicht des Bestehenden. Soll heißen: Das Alte bezeichnet das Neue als böse, weil es die bekannte Ordnung bedroht. Das bedeutet jedoch nicht, dass es moralisch böse ist. Ein ganz schöner Mindfuck, den ich noch nicht völlig lösen kann. Falls du das tust, schreib mir bitte. Doch auch hier wird die Frage, die ich im ersten Aphorismus gestellt habe, wieder laut: Liegen Umwälzungen in der menschlichen Natur? Nietzsche scheint das zu glauben, denn er schreibt: > *„Aber jedes Land wird endlich ausgenützt, und immer wieder muss die Pflugschar des Bösen kommen.“* – Nietzsche Und bisher behält er damit Recht. ## Aphorismus 5: Misstraue JEDEM, der sagt, er kenne die Wahrheit In „*Unbedingte Pflichten*“ steckt die Frage: Folgst du dem Sollen eines anderen oder deinem eigenen Wollen? Wir [konsumieren heute so viel Content wie nie zuvor](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/) – und damit auch so viele Meinungen wie nie zuvor. Doch bei all diesen fremden Ansichten, woher weißt du noch, ob du das tust, was DU tun ***willst***? Das ist eine der häufigsten Fragen im Job: [Soll ich kündigen oder bleiben](https://www.markusdotzler.de/kuendigen-oder-bleiben-entscheidung/)? Woher weiß ich, ob ich wirklich hinter meiner Entscheidung stehe? ### Hüte dich vor Moralpredigern In „*Unbedingte Pflichten*“ kritisiert Nietzsche das „*Princip des unbedingten Sollens*". Damit meint er Prediger, die von „*Pflichten mit dem Charakter des Unbedingten*" sprechen. Das sind Menschen, die dir sagen: Es gibt die EINE Wahrheit. Sie reden vom Sollen und vom Müssen, als wäre es deine hoheitliche Pflicht, ihrer Meinung zu folgen. Ich bin mir nicht sicher, ob dahinter immer eine böse Absicht steckt. Manchmal ist es vielleicht schlichte Inkompetenz. Der [Dunning-Kruger-Effekt](https://www.markusdotzler.de/dunning-kruger-effekt/) schlägt zu: Sie wissen genug, um zu denken, sie lägen richtig, aber nicht genug, um zu erkennen, dass sie falsch liegen. Du kennst solche Menschen heute vor allem aus Religion, Politik und Social Media. Nietzsche bezeichnet sie als „*Gegner der moralischen Aufklärung*“. Und das bringt mich ins Grübeln: ### Wo sich dieser Blog platziert Inwiefern bin eigentlich *ich* durch diesen Blog zu so einem Prediger geworden? Verkünde ich hier meine Wahrheit quasi als „moralischer Imperativ“ oder lasse ich meinen Lesern den Raum, ihre eigenen Schlussfolgerungen zu treffen? In der Vergangenheit bin ich öfters in die Falle getappt, anderen zu sagen, was sie tun „sollen“. Bis zu einem gewissen Grad ist das wahrscheinlich auch menschlich. Doch es wurmt mich, denn ich selbst lehne solche Menschen ab. So jemand möchte ich nicht sein. Deshalb will ich in Zukunft kritischer auf das blicken, was und wie ich hier schreibe. Die Lektion, die ich aus dem fünften Aphorismus mitnehme: Bleib misstrauisch gegenüber Menschen, die dir einfache Lösungen und Wahrheiten verkaufen. Das Internet ist voll von ihnen: ![Google Suchergebnis für die Folge „the real reason whats coming next changes everything“ von Diary of a CEO](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/06/image.png) ![Google Suchergebnis für die Folge „we have 2 years before everything changes“ von Diary of a CEO](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/06/image-1.png) > **Menschen, die dir ihre Wahrheit verkaufen, brauchen den Glauben an diese Wahrheit oft dringender als du – denn dein Folgen dient ihrem Vorteil, nicht deinem.** ## Aphorismus 6: Beginnt die Hektik des 21\. Jahrhunderts im 19\. Jahrhundert? „*Verlust an Würde*“ ist wahrscheinlich einer der relevantesten Aphorismen für unsere Zeit. Nietzsche spricht darin über den Verlust der Fähigkeit, in Ruhe zu denken und Stille zu genießen. Einige seiner Sätze passen so gut ins 21\. Jahrhundert, dass ich sie im Original zitieren muss: > *„Wir denken zu rasch, und unterwegs, und mitten im Gehen, mitten in Geschäften aller Art, selbst wenn wir an das Ernsthafteste denken" – Nietzsche* > *„es ist, als ob wir eine unaufhaltsam rollende Maschine im Kopf herumtrügen, welche selbst unter den ungünstigsten Umständen noch arbeitet" – Nietzsche* „*Die Fröhliche Wissenschaft*“ erschien 1882, also ca. 100 Jahre nach der *ersten industriellen Revolution* (eine der größten Umwälzungen aller Zeiten). Schon damals nahm Nietzsche die Hast als Problem wahr. Man könnte fast von einer ersten Form der [Hustle Culture](https://www.markusdotzler.de/warum-hustle-culture-toxisch-ist/) sprechen. Also was zum Teufel würde er sagen, wenn er uns heute sehen könnte? ## Aphorismus 8: Du kontrollierst weniger, als du denkst „Unbewusste Tugenden“ ist einer der „seltsameren“ Aphorismen. Im Kern sagt Nietzsche, dass wir im Alltag, im bewussten Zustand, lediglich einen kleinen Teil unserer Eigenschaften erkennen und verstehen. Vieles entzieht sich völlig unserer Wahrnehmung. Doch Nietzsche spricht nicht nur von „unbekannten Eigenschaften“. Für ihn liegen selbst manche unserer bewussten Eigenschaften zum Teil im Verborgenen: > *„Wir haben zum Beispiel unsern Fleiss, unsern Ehrgeiz, unsern Scharfsinn: alle Welt weiss darum –, und ausserdem haben wir wahrscheinlich noch einmal unseren Fleiss, unseren Ehrgeiz, unseren Scharfsinn; aber für diese \[...\] ist das Mikroskop noch nicht erfunden!“ – Nietzsche* Und das hat interessante Konsequenzen. ### Widerspricht Nietzsche den Stoikern? Ich bin Fan des „*Handbüchlein der Moral*“ von Epiktet. Epiktet schreibt dort, dass wir bestimmte Dinge kontrollieren können. Das Begreifen, das Handeln, das Begehren. Andere Dinge kontrollieren wir hingegen nicht. Das Altern unserer Körper, unseren Besitz und unser Ansehen. Aphorismus §8 wirkt wie ein Widerspruch oder zumindest eine radikale Erweiterung. Indem Nietzsche sagt, dass selbst die uns bekannten Eigenschaften „ihren eigenen Gang gehen“, dann entzieht sich viel mehr unserer Kontrolle, als wir glauben. Denn um unser Handeln, unser Wesen oder unseren Willen zu kontrollieren, müssten wir sie überhaupt erst vollständig erkennen – was, so Nietzsche, unmöglich ist. Epiktet sagt, dass wir mit dem Leben hadern werden, wenn wir versuchen zu kontrollieren, worüber wir nicht gebieten. Nietzsche würde dieser Aussage *vielleicht* zustimmen. Doch mit §8 erweitert Nietzsche den Raum des Unkontrollierbaren fast aufs Ganze. ### Was bedeutet das für Selbstbestimmung? Sein eigenes Leben nicht im Autopilot zu verbringen (was ich als NPC-Modus bezeichne), ist eines der zentralen Themen dieses Blogs. Nietzsches Argument könnte man als Gegenentwurf zu dieser Denkweise betrachten. Doch ich sehe es anders. Aus dem NPC-Modus auszubrechen bedeutet für mich nicht, alles zu kontrollieren. Wenn du dir den Ausbruch aus deinem bisherigen Leben wünscht, scheint in dir bereits ein Trieb zu existieren, der nicht auf die Erlaubnis deiner Vernunft oder Rationalisierung warten will. Das bedeutet nicht, dass du bloß noch „dem Bauch nach“ leben sollst. Doch es bedeutet, dass du deine Natur anerkennst und ihr Gestalt gibst, statt dich hauptsächlich auf deine Rationalität zu stützen. Nietzsche verleiht damit, glaube ich, der Selbstbestimmung eine völlig neue Bedeutung. Aus dem NPC-Modus auszubrechen bedeutet für mich, wie Nietzsche es selbst sagt: „*seinem Charakter »Stil geben*«“ (§290). ## Aphorismus 9: Du weißt nicht, was in dir schlummert Ich liebe §9 „*Unsere Eruptionen*“. Der Aphorismus schließt gedanklich an §8 an, allerdings aus der Perspektive der in uns verborgenen positiven Eigenschaften. Im Kern sagt Nietzsche, dass viel von dem, das sich die Menschheit über den Verlauf der Zeit aneignete, im Verborgenen bleibt. Manche Fähigkeiten, Talente oder Eigenschaften schlummern in uns ohne unsere Kenntnis. Andere Menschen, selbst unsere Eltern, sind also oft nicht in der Lage, vollumfänglich einzuschätzen, wozu wir in der Lage sind. Die Ironie daran: Gerade bei Fremden hält sich unser [erster Eindruck](https://www.markusdotzler.de/erster-eindruck/) oft besonders hartnäckig. Wir urteilen, ohne wirklich zu verstehen. Deshalb will ich dir zum Schluss aus diesem Aphorismus eine der schönsten Metaphern für [persönliches Wachstum](https://www.markusdotzler.de/tag/wachstum/) mitgeben, die ich kenne: > *„Wir sind alle wachsende Vulcane“ – Nietzsche* **Also geh da raus und brich aus, verdammt!** ## Aphorismus 11: Das Bewusstsein ist deine Schwäche In §11 „*Das Bewusstsein*“ schreibt Nietzsche, dass unser Bewusstsein zu den jüngeren Entwicklungen gehört. Lange war der Mensch ein Tiere *ohne* Bewusstsein wie (*vermutlich*) alle anderen und nicht in der Lage, zu denken, reflektieren usw. Somit ist unser Bewusstsein noch nicht völlig ausgereift. > „Die Bewusstheit ist die letzte und späteste Entwicklung des Organischen und folglich auch das Unfertigste und Unkräftigste daran.“ – Nietzsche Doch ist das nicht gefährlich – ein Organismus, der sich im Alltag auf ein unausgereiftes System stützt? Ja, sagt Nietzsche, weshalb er unsere Instinkte und Triebe nicht als veraltetes Betriebssystem betrachtet, sondern als „*erhaltenden Verband*“. Denn solange das Bewusstsein nicht ausgereift ist, wird es von unserer Natur ertüchtigt. Aber was bedeutet das für unseren Alltag? ### Warum Disziplin und Willenskraft schwache Stützen sind Wir sprechen heute oft über bewusste Verhaltenssteuerung, z.B. in Form von [Routinen und Disziplin](https://www.markusdotzler.de/vergiss-disziplin/) oder auch [Willenskraft](https://www.markusdotzler.de/warum-willenskraft-scheitert/). In meinen Artikeln dazu beäuge ich unsere Fähigkeiten zur Selbstkontrolle immer etwas kritisch. Vor allem die Produktivitätsprediger bilden sich manchmal zu viel darauf ein. Sie sagen: „*Alles eine Frage der Willenskraft! Du brauchst mehr Disziplin! Du musst deine Impulse besser kontrollieren!*“ Tja, wenn das nur so einfach wäre, nicht? Wir kontrollieren weniger, als wir denken (siehe §8). Und ich glaube, dass Nietzsche das erkannte. Hier drei Fragen zum Nachdenken: - Was, wenn unsere Instinkte bis heute die stärkste Kraft sind, weil sie schlicht mehr Zeit hatten, unseren Organismus zu formen? - Was, wenn uns unsere Triebe nicht bloß fesseln, sondern auch erden? - Was, wenn die Einbildung, unser Verhalten vollständig kontrollieren zu können, in einem ziemlich grausamen Spiel mündet? Lass mich auf die letzte Frage näher eingehen. ### Warum Disziplin und Willenskraft grausame Spiele sind Jeden Tag führen wir einen Kampf gegen [Konzerne und ihre Werbung](https://www.markusdotzler.de/warum-willenskraft-scheitert/). Sie locken uns mit bunten Farben, perfekt abgestimmten Geschmacksprofilen und Versprechen, die den Kern unserer menschlichsten Bedürfnisse betreffen: Status, Sex, Zugehörigkeit, Anerkennung usw.. Um diesen Verheißungen zu widerstehen, predigt man, wir müssten lediglich unsere Willenskraft einsetzen. Doch wenn wahr ist, was Nietzsche sagt, ist das ein Spiel gegen ein unausgereiftes System. Dem Einzelnen wird die Verantwortung in den Schoß gelegt, sich gegen die Versuchungen mächtiger Konzerne aufzulehnen, die psychologische Tricks verwenden, um ihn zu manipulieren. Das finde ich grausam. Wir werden zum Kauf getrieben, aber wenn wir nicht mehr kaufen wollen, *verkauft* man uns Willenskraft als einzige Rettung (statt Konzerne in die Verantwortung zu ziehen). ### Was können wir dagegen unternehmen? Hier gibt es kein Heilsversprechen und keinen 3-Punkte-Plan. Wenn ich Nietzsches Aphorismus richtig deute, beginnt alles damit: Wir müssen aufhören, unsere Fähigkeit zur bewussten Verhaltenssteuerung zu überschätzen. Willenskraft ist etwas, das wir trainieren müssen, aber die selbst dann, wenn sie trainiert ist, erschöpft. Solange wir glauben, wir besäßen „*Bewusstheit*“ einfach, bauen wir keine Abwehrkräfte gegen Manipulation von außen auf. > „*Weil die Menschen die Bewusstheit schon zu haben glaubten, haben sie sich wenig Mühe darum gegeben, sie zu erwerben*“ – Nietzsche Das eigene Bewusstsein auszubilden – z.B. durch Lesen, Denken, Reflektieren – ist nichts geringeres als eine ***Lebensaufgabe***. Das geht nicht von heute auf morgen und dafür existieren keine Hacks. Das klingt ernüchternd (*was soll ich denn noch alles tun?!*), aber vielleicht steckt darin auch eine kleine Erlösung: Dass wir von Zeit zu Zeit unseren Trieben erliegen, ist völlig menschlich. Ein Eis hier, das Bierchen dort, zwei Folgen unserer Lieblingsserie statt einer. Unsere Natur ist tief in uns verankert. *Also wat willste machen*?! Das soll kein Freifahrtschein für exzessive Gönnung sein. Aber lass dir von den [Disziplin-Gurus kein schlechtes Gewissen einreden](https://www.markusdotzler.de/schlechtes-gewissen-wenn-unproduktiv/), wenn du dem enormen Druck von außen ab und zu Luft machst. > „*We're just a bunch of fucking animals*“ – Architects – Animals [https://www.architectsofficial.com](https://www.architectsofficial.com/?ref=markusdotzler.de) Also lass dir dein Eis schmecken. ## Aphorismus 14: Warum uns Besitz nicht glücklich macht Deine Falten sind hässlich, deine Klamotten schäbig und dein Auto zu klein, zu billig, zu dreckig. Was sollen bloß die Nachbarn denken? Kein Marketer würde dir das ins Gesicht sagen. Doch er wird 100 Wege finden, es dir trotzdem unterzujubeln. Werbung verkauft dir Mangel, nicht Glück. Ein ewiger Kreislauf. > „*Wir werden des Alten, sicher Besessenen allmählich überdrüssig und strecken die Hände wieder aus; selbst die schönste Landschaft \[...\] ist unserer Liebe nicht mehr gewiss*“. Dahinter steckt der *„Ankunftsfehler“* (Arrival Fallacy): Du denkst, wenn du dein Traumauto besitzt, wirst du glücklich. Doch du wirst es nicht, also träumst du vom nächsten. Nietzsche wusste: Menschen wollen das Wollen mehr als das Haben. „*Der Besitz wird durch das Besitzen zumeist geringer.*“ Noch schlimmer: „*Man kann auch am Zuviel leiden*“. Nein, ich rede dir nicht ein, Geld oder ein Auto seien unwichtig. Ich spreche dir Mut zu. Dein Wert bemisst sich nicht an deinem Konsum. Und was dein Nachbar von dir hält, war schon immer egal. Was wirklich wichtig ist, kriegst du nicht im Onlineshop. Also lass dir nicht einreden, dass der Kauf einer Designerhose das ändert (*auch wenn dein Arsch darin verdammt gut aussieht!*). > **Glück fängt dort an, wo du aufhörst, es zu erkaufen.** ## Aphorismus 21: Für wen funktioniere ich eigentlich? ‚*An die Lehrer der Selbstlosigkeit*’ stellt die Frage: Für wen funktionierst du eigentlich? Dieser Aphorismus beschäftigte mich so, dass ich ihm einen eigenständigen Artikel widmen werde (Link folgt). > „*Man nennt die Tugenden eines Menschen gut, nicht in Hinsicht auf die Wirkungen, welche sie für ihn selber haben, sondern in Hinsicht auf die Wirkungen, welche wir von ihnen für uns und die Gesellschaft voraussetzen*“ – Nietzsche Die Gesellschaft ist ein riesiges Geflecht. Wir sind alle in ihr verwoben. Du erfüllst eine Funktion, erbringst einen Nutzen für das große Ganze. Doch Nietzsche fragt in diesem Aphorismus: Cui bono? Wem nutzt das? Dir oder den anderen, dem Nächsten, der Gesellschaft? ### Warum das wichtig ist Viele Menschen reden sich ein, dass der Versuch, sich eine Selbstständigkeit aufzubauen, eigennützig und egoistisch wäre. Sie spüren eine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft. Ich finde das lobenswert. Ich bewundere Menschen, die sich täglich in einen Job schleppen, den sie nicht mögen, weil sie eine Verpflichtung gegenüber etwas Größerem spüren. Doch was nutzt dir dieses Lob, wenn du unglücklich bist? Nietzsche dreht in §21 diese Selbstlosigkeit auf den Kopf. Tugenden wie Fleiß, Gewissenhaftigkeit, aber auch Selbstaufopferung dienen anderen oft mehr als dir. > „*Gelingt die Erziehung, so ist jede Tugend des Einzelnen eine öffentliche Nützlichkeit und ein privater Nachtheil*“ – Nietzsche Also was, wenn die Chefin, die deinen Fleiß, oder die Gesellschaft, die deine Aufopferung bejubeln, selbst davon am meisten profitieren? Verhalten sie sich selbstlos, indem sie deine Selbstlosigkeit fordern? §21 ist kein Aufruf zum Egoismus. Es ist eine Aufforderung, dich ehrlich mit der Frage zu beschäftigen: > Wem dienst du? Für wen funktionierst du? Cui bono? (mehr dazu im Artikel) ## Aphorismus 23: Warum wir so viel konsumieren > „*Es giebt jetzt so wenig sichere Zukunft: da lebt man für heute: ein Zustand der Seele, bei dem alle Verführer ein leichtes Spiel spielen, – man lässt sich nämlich auch nur »für heute« verführen und bestechen und behält sich die Zukunft und die Tugend vor!*“ – Nietzsche Ich liebe diesen Satz in „*Die Anzeichen der Corruption*“. Nietzsche schießt damit unserer Konsumgesellschaft mitten ins Herz. Das Christentum büßt in der westlichen Welt erheblich an Stellenwert ein. Doch das bedeutet: Die Menschen glauben nicht mehr an ein Leben nach dem Tod. Dadurch verkürzt sich die Zeit, die dir bleibt, radikal. Darüber schreibt auch Byung-Chul Han in „*Müdigkeitsgesellschaft*“. YOLO kennst du, oder? You only live once. Du findest den Begriff vielleicht peinlich. Doch mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit lebst du nach ihm. YOLO bedeutet nichts anderes als Lebensmaximierung – möglichst viel aus dem Hier und Jetzt herauszukitzeln. Konsum spielt dabei eine tragende Rolle. Wir kaufen wie die Weltmeister. Lauter Produkte, die spätestens nächstes Jahr im Keller landen. Doch macht uns das besser? Oder macht es uns anfällig für Marketing-Manipulation? Statt uns mit uns selbst auseinanderzusetzen, suchen wir unser Glück im Konsum und lassen uns nur »*für heute*« noch manipulieren. Doch verwandelt sich dein »**morgen**« nicht spätestens am nächsten Tag wieder in ein »**heute**«? ## Aphorismus 24: Unzufriedenheit als Motor In ‚*Verschiedene Unzufriedenheit*’ unterscheidet Nietzsche zwei Unzufriedenheit. Die Eine versucht das Leben zu verschönern und vertiefen, die andere es zu verbessern und sichern. Hier schwingt §3 mit: Die edle Natur entspricht dem verträumten, künstlerischen Charakter und versucht tiefer zu graben. Die gemeine Natur, rational und eigennützig, denkt an das Optimieren ihrer Vorteile. Nietzsche sagt, dass die Unzufriedenheit, die nach Tiefe strebt, unheilbar krank ist. Sie akzeptiert die Oberflächlichkeit des Lebens nicht, aber kann nicht aufhören, tiefer zu graben. Das würde auch zu Nietzsches kurzem Gedicht im Vorspiel der fröhlichen Wissenschaft passen: > „Wo du stehst, grab tief hinein! > Drunten ist die Quelle! > Lass die dunklen Männer schrein: > »Stets ist drunten – Hölle!«“ Die Unzufriedenheit der gemeinen Natur hingegen besteht aus genau den „*dunklen Männern*“, die vor dem Bohren warnen. Sie fürchten die Tiefe, weil dort, neben der Erkenntnis, auch Schmerz und Zweifel lauern, die an der Oberfläche (*oder Oberflächlichkeit*) der Realität nicht existieren. Diese Unzufriedenheit bezeichnet Nietzsche deshalb als plump. Sie lässt sich durch eine reine Nutzenmaximierung überwinden. Dadurch ist sie zu leicht zufriedenzustellen. Dieser Unzufriedenheit fehlt die Pferdestärke. Wichtig: Das ist meine Interpretation i.V.m. §3. ### Warum Nietzsches Unzufriedenheiten heute wichtig sind Das Erste, das du aus diesem Aphorismus lernen kannst: Unzufriedenheit ist der Motor für Veränderung. Nietzsche geht sogar so weit, dass sich die europäische Kultur nur aufgrund der Unzufriedenheit der edlen Naturen entwickelt hat. Andererseits bedeutet Unzufriedenheit für Nietzsche nicht: Mein Nachbar hat einen Porsche. Ich will auch einen. Also bin ich unzufrieden, bis ich einen Porsche besitze. Das wäre zu plump gedacht. Das ist die Unzufriedenheit der gemeinen Natur (oder der eines Kindes). Sobald der Porsche in der Garage steht, setzt die geistige Sättigung ein. Das ist die [Bequemlichkeitsfalle](https://www.markusdotzler.de/lebenslanges-lernen/). Materialismus und Geld – das greift Nietzsche nicht tief genug. Er will tiefer bohren. Deshalb glaube ich auch, dass er Hustle Culture und Selbstoptimierung kritisch gegenüber stünde. Beides optimiert lediglich das Funktionieren *innerhalb eines Systems*. Wie [B.-C. Han in „*Müdigkeitsgesellschaft*“](https://www.markusdotzler.de/readings/muedigkeitsgesellschaft-byung-chul-han/) sagt: > „*Eine reine Hektik bringt nichts Neues hervor. Sie reproduziert und beschleunigt das bereits Vorhandene.*“ Selbstoptimierung bedeutet Effizienz, nicht Tiefe. Und das, so Nietzsche, ist zu plump für echtes Wachstum. Also wonach suchst du? Versuchst du gerade, dein Leben zu vertiefen – oder es bloß effizienter zu gestalten? ## Quelle Nietzsche, F., & Figal, G. (2012). *Die fröhliche Wissenschaft* (Nachdr.). Reclam. ### Berufliche Erfüllung ist kein Luxus – sagt Nietzsche URL: https://www.markusdotzler.de/berufliche-erfuellung-ist-kein-luxus/ Last updated: 2026-09-01T15:14:28.000Z Lass dir deinen Wunsch nach beruflicher Erfüllung nicht ausreden. Folgst du ihm nicht, verlierst du die Lust am Leben – sagt zumindest Nietzsche. Für alle, die springen wollen: - [Welche Rolle spielt der Mensch auf der Erde?](#welche-rolle-spielt-der-mensch-auf-der-erde) - [Ist Erfüllung im Job ein Luxusproblem?](#ist-erf%C3%BCllung-im-job-ein-luxusproblem) - [Warum wir berufliche Erfüllung brauchen](#warum-wir-erf%C3%BCllung-brauchen-%E2%80%93-und-was-das-mit-metakognition-zu-tun-hat) ## Welche Rolle spielt der Mensch auf der Erde? Friedrich Nietzsche, der Philosoph mit dem Hammer, schreibt in „[Die Fröhliche Wissenschaft](https://www.markusdotzler.de/readings/nietzsche-froehliche-wissenschaft-interpretation/)": > *„ich finde \[die Menschen\] immer bei einer Aufgabe \[...\]: Das zu thun, was der Erhaltung der menschlichen Gattung frommt.“* #### Quelle Nietzsche, F., & Figal, G. (2012). **Die fröhliche Wissenschaft* (Nachdr.). Reclam. S. 31. Die Aufrechterhaltung der eigenen Art, so Nietzsche, ist unser grundlegender Instinkt, der menschliche Motor. Nietzsche spricht damit einen Gedanken aus, der mich schon länger beschäftigt: Wir Menschen halten uns oft für etwas Höheres. Doch wir ähneln den Tieren stärker, als wir glauben (*wollen*). Dieser Glaube hat sich in unseren Köpfen hartnäckig verankert: Wir sehen uns als Herrscher der Erde. Doch mehr als das: Wir tragen etwas Göttliches in uns. Der Glaube daran steht bereits in der Bibel. In Genesis 1,27 heißt es: > *„Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild“* Nicht nach dem Bild eines Tieres oder nach dem eines hübschen Steines. Nein, Gott guckte in den Spiegel und dachte: Gefällt mir. So soll auch der Mensch aussehen. ### Der Mensch: Fast ein Gott, aber auch fast ein Schimpanse Irgendwann begannen die Menschen also, sich als gottesähnlich oder direkt von Gott abstammend zu betrachten. Sie distanzierten sich vom bloßen Tier und erkannten in sich selbst den göttlichen Funken. Dieser Gedanke scheint mir überheblich. Ich will nicht sagen, dass wir *exakt wie* die Tiere sind. Wir sind zu Dingen in der Lage, die keine andere Spezies sonst beherrscht. Zum Beispiel Avatar gucken, ohne zwischendrin aufs Klo zu rennen. Trotzdem sind wir dem Tier ähnlicher, als wir es zugeben (*wollen*). Zumindest erkenne ich keinen göttlichen Funken darin, wenn wir uns in Angriffskriegen das Leben nehmen. Kriege führen Schimpansen auch, selbst wenn sie keine Drohnen steuern. Ich fühle mich auch nicht besonders erhaben, wenn ich mich vor dem Abendessen vor lauter Hunger nicht einmal mehr auf ein Gespräch konzentrieren kann. Bei jeglicher Nahrungszufuhr wird mir als Mann immer wieder klar, wie einfach ich gestrickt bin. Natürlich überspitze ich bewusst. Denn selbst wenn wir den Tieren ähnlicher sind, als wir im Alltag glauben wollen, gibt es einen entscheidenden Unterschied: das menschliche Streben. Aber was, wenn selbst darin mehr Instinkt als göttlicher Funken steckt? [ ![Buy Me a Coffee at ko-fi.com](https://storage.ko-fi.com/cdn/kofi2.png?v=6) ](https://ko-fi.com/O8I321XETW?ref=markusdotzler.de) ## Ist Erfüllung im Job ein Luxusproblem? Für Nietzsche zählt auch das Streben nach Sinn und Bedeutung zu den grundlegenden Trieben der Menschen. Wie er es so wunderschön ausdrückt: Das Streben nach Erfüllung *frommt der Erhaltung der menschlichen Gattung*. Danke, Friedrich (*nicht du, Merz*). Zu diesem Trieb zählt für Nietzsche übrigens auch die Religion. Seine Argumentation lässt zumindest darauf schließen, dass Gott nicht den Menschen geschaffen hat, um ihn zu Höherem zu erheben, sondern die Menschen ihren Gott, damit sie etwas haben, *für das es sich zu streben lohnt*. Dieser Denkweise folgend müssten wir Genesis 1,27 also neu denken: Nach Nietzsches Auffassung hat Gott den Menschen nicht *nach seinem Bild* erschaffen, sondern der Mensch seine Götter *im Bilde seiner eigenen Menschlichkeit*. Entschuldige den Exkurs. Jetzt klinge ich wahrscheinlich wie ein verdammter Ketzer. Kommen wir also zurück zum Thema: Das Streben nach Bedeutung dient, so Nietzsche, der Aufrechterhaltung unserer Art. Es treibt uns an und motiviert uns zum Handeln. Es lässt uns an eine bessere Zukunft glauben, für die es sich lohnt, hart zu arbeiten, Familien zu gründen und unser Geld in ETF-Sparpläne zu investieren (**das* können Schimpansen schon mal nicht!*). Es führt dazu, dass der Eine den Sinn seines Daseins in einer Karriere als Anwalt erkennt, während der Andere die Schnauze voll von Anwälten hat und deshalb von der Besiedlung des Mars träumt (*und manch eine verirrte Seele versucht es als Blogger, hab ich mir sagen lassen*). Doch letztlich tun wir das alle nicht, weil wir dazu bestimmt sind, sondern aufgrund unserer Natur, deren Ziel es ist, uns am Leben zu halten. > *„Jener Trieb, \[...\] der Trieb der Arterhaltung, bricht von Zeit zu Zeit als Vernunft und Leidenschaft des Geistes hervor \[...\] und will mit aller Gewalt vergessen machen, dass er im Grunde Trieb, Instinct, Thorheit, Grundlosigkeit ist.“* > > – Friedrich Nietzsche #### Quelle ebd. S. 33. 💡 ****Der Wunsch nach beruflicher Erfüllung ist kein Luxusproblem, sondern menschliche Natur.** ****Du willst dich endlich trauen, deinem Instinkt zu folgen?** Dann schreibe ich genau für dich. Mein Newsletter hilft dir dabei, ein Leben zu denken, das sich mehr nach dir anfühlt, indem ich dir zeige, wie ich den Weg selbst gehe – mit allen Umwegen, Zweifeln und Fehlern. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ## Warum wir Erfüllung brauchen – und was das mit Metakognition zu tun hat So weit so gut. Erfüllung als Trieb klingt ja irgendwie ermutigend. Blöd nur, dass Nietzsche auch glaubt, dass das Leben an sich zwecklos ist (*Spielverderber*). Diese Zwecklosigkeit ist jedoch gefährlich, denn der Mensch ist zu komplexem Denken in der Lage (*oder zumindest zu dem, was er für komplex hält*). Psychologen sprechen von [**Metakognition**](https://www.markusdotzler.de/schluss-mit-dem-pauken/#metakognition-warum-wir-unser-wissen-falsch-einsch%C3%A4tzen). Menschen können über ihr Denken nachdenken. Falls du schon mal einen Gedanken hattest und dich im Anschluss gefragt hast, warum du diesen Gedanken hattest, dann weißt du jetzt, dass das Metakognition heißt. Das Denken, Grübeln und Sinnieren erlaubt es, die Zwecklosigkeit unseres Daseins zu durchschauen und an ihr, wie Nietzsche es nennt, zu „*erschlaffen*“ (*das andere erschlaffen, Mann!*), zu verzweifeln und lebensüberdrüssig zu werden. Der Trick der menschlichen Natur besteht darin, dass wir *trotz* dieser Zwecklosigkeit nach Höherem streben. Wir suchen nach Erfüllung, nicht weil wir dazu *bestimmt* sind, sondern weil uns Bestimmung *am Leben erhält*. Der Mensch muss wissen, „*warum er existiert, seine Gattung kann nicht gedeihen ohne ein periodisches Zutrauen zu dem Leben*“. #### Quelle ebd. S. 34. Und obwohl Nietzsche von der Zwecklosigkeit unserer Existenz spricht, finde ich seinen Gedanken irgendwie ermutigend. Denn selbst wenn kein Zweck existiert, so gehört es trotzdem zu unserer Natur, danach zu suchen. Nietzsches Ansichten in „[Die Fröhliche Wissenschaft](https://www.markusdotzler.de/readings/nietzsche-froehliche-wissenschaft-interpretation/)“ bedeuten für mich: 💡 Wir werden den Sinn unseres Daseins nicht finden, solange wir ihn nicht selbst erschaffen. ## Persönliche Erfahrung: Keine Erfüllung im Job vs. Erfüllung in der Arbeitslosigkeit Tun wir das nicht, empfinden wir ein Gefühl, mit dem du vielleicht vertraut bist. Es drückt sich in einem Frust über unsere momentane Situation aus. Es ist das tiefe Unbehagen über ein Leben, das wir selbst nicht führen wollen. Ein Leben als NPC im Hamsterrad. Genau dieses Gefühl trieb mich dazu, meinen letzten Job zu kündigen. Ich kam mir vor, als steckte ich in einem zu engen Korsett. Und da ein Korsett ohnehin ein untypisches Kleidungsstück für einen Mann ist, MUSSTE ich es zerschneiden. Nur um das klarzustellen: Für manche Menschen funktioniert ein 9-5\. Er bietet Sicherheit, Struktur und, gekoppelt mit der richtigen Berufswahl, gelegentlich sogar Erfüllung. Wer in einem 9-5 gedeiht, folgt seinem Trieb der Arterhaltung. Doch gleichzeitig glaube ich, dass dieses System eine Schattenseite besitzt. Viele Menschen nehmen an, dass ihr Erwerbsjob der „*Zweck des Daseins*“ ist, weil alle ihm folgen – selbst dann, wenn die Arbeitskultur von [toxischer Produktivität](https://www.markusdotzler.de/warum-hustle-culture-toxisch-ist/) geprägt ist. Falls du diesen Text liest, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass du bereits an dem konventionellen System zweifelst oder vielleicht selbst [unzufrieden im Job](https://www.markusdotzler.de/unzufrieden-im-job-nicht-kuendigen/) bist. Du spürst, dass der Standardpfad nicht zu dir passt. Dass du funktionierst, aber [emotional entfremdet von deiner Arbeit bist](https://www.markusdotzler.de/wie-sich-emotionale-distanz-anfuehlt-job/). In diesem Falle **musst** du ausbrechen und deinen eigenen Sinn erschaffen. Alles andere ginge gegen deinen Trieb der Arterhaltung. Und das sagt nicht irgendein Dulli (*also ich*), sondern *Friedrich fucking Nietzsche* (sorry, aber ich konnte dem Autoritätsfehlschluss nicht widerstehen)! > Wenn du nichts gegen die Reibung unternimmst, die du spürst, wirst du an ihr zermürben. Seit meiner Kündigung verläuft mein Leben alles andere als reibungslos. Mein Austritt war ein kurzer Befreiungsschlag, aber kein langfristiges Heilmittel, und auf das erste Hoch folgte ein langes Tief der Orientierungslosigkeit, durch das ich mich bis heute kämpfe. Das ist genau das, was Paul Millerd in seinem Buch „[*The Pathless Path*](https://www.markusdotzler.de/readings/pathless-path-paul-millerd-deutsch/)“ beschreibt. Doch letztendlich höre ich immer wieder diese Stimme, die mir sagt: Was ich gerade tue, erfüllt mich (*nicht so sehr die Arbeitslosigkeit, sondern die Arbeit während meiner Arbeitslosigkeit*). Und falls du in einer ähnlichen Situation steckst wie ich damals, dann wünsche ich dir, dass auch du diese Stimme kennenlernst. ## Sich gegen das Streben nach Erfüllung zu wehren, ist unnatürlich Dein Streben nach Sinn ist nichts, gegen das du dich wehren musst. Im Gegenteil: Das [Streben selbst ist vielleicht wichtiger als das Ankommen](https://www.markusdotzler.de/ankunftsfehler-arrival-fallacy/). Manchmal höre ich Menschen sagen, Erfüllung sei ein Privileg, das nur für bestimmte Personen gälte, aber nicht für einen selbst. Und ja, es ist ein Privileg. Hätte ich mir damals keine finanziellen Rücklagen aufgebaut, weiß ich nicht, [ob ich es mich getraut hätte zu kündigen](https://www.markusdotzler.de/kuendigen-oder-bleiben-entscheidung/). Unser Kontostand diktiert unser Verhalten manchmal stärker als unser Wunsch nach Erfüllung. Doch wenn du hier schon länger mitliest, weißt du, dass ich ein Fan von kleinen Schritten bin. Vielleicht ist es dir trotz allem möglich, heute nur einen einzigen davon zu gehen, selbst wenn du glaubst, dass das nicht reicht oder du [nicht gut genug](https://www.markusdotzler.de/nicht-gut-genug-prokrastination-erfahrung/) bist. Es muss nicht gleich die Kündigung sein. Vielleicht verzichtest du ab heute auf deinen täglichen Coffee-to-go. Vielleicht ist es auch die Erstellung einer Unternehmensseite auf Linkedin oder die eigene Homepage. Das weißt nur du. Es könnte auch schlicht bedeuten, sich einer kleinen verrückten Sache in deinem Leben zu widmen, zu der du dich noch nie getraut hast. Mein Schwiegervater trat mit 58 Jahren zum ersten Mal bei einer Standup-Comedyshow auf. Seitdem erkenne ich ihn manchmal nicht mehr, so stark hat ihn das verändert. Niemand weiß vorab, wohin der nächste Schritt führt und welche Folgen er hat. Die Auswirkungen vieler kleiner Schritte erkennen wir oft erst im Nachhinein. > *„Ein Mensch, noch Neuling auf der Welt,* > *Das Leben für recht einfach hält.* > *Dann, schon erfahren, klug er spricht:* > *So einfach ist die Sache nicht!* > *Zum Schlusse sieht er wieder klar* > *Wie einfach es im Grunde war.“* > > – Eugen Roth ## Fazit: Berufliche Erfüllung ist, was du draus machst Deshalb hoffe ich, Nietzsche konnte dich überzeugen, dass hinter deinem Wunsch nach beruflicher Erfüllung kein esoterischer Quatsch steckt, sondern menschliche Natur. 💡 Sinn ist nichts, das uns jemand in die Wiege legt. Sinn ist etwas, das der Mensch erschafft. Und selbst wenn das Leben an sich zwecklos ist, macht es einen immensen Unterschied, wie gut du dich auf dieser kleinen, vermeintlich zwecklosen Reise ans Ende fühlst. Allein dafür lohnt es sich zu kämpfen. Findest du nicht? ****Du spürst die Reibung, aber zweifelst am nächsten Schritt?** Dann schreibe ich genau für dich. Mein Newsletter hilft dir dabei, ein Leben zu denken, das sich mehr nach dir anfühlt, indem ich dir zeige, wie ich den Weg selbst gehe – mit allen Umwegen, Zweifeln und Fehlern. Kein Gurusprech, kein 5 am-Club. Nur ehrliche Gedanken über den Weg raus aus dem NPC-Modus – von jemandem, der ihn selbst geht. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ### Nicht gut genug? Warum sich anfangen trotzdem lohnt URL: https://www.markusdotzler.de/nicht-gut-genug-prokrastination-erfahrung/ Last updated: 2026-07-17T08:14:56.000Z Du willst dich beruflich umorientieren, aber hältst dich für nicht gut genug, um anzufangen? Ich kenne das und hab mich gefragt: *Wie überwinden wir die Angst, nicht gut genug zu sein, damit wir endlich anzufangen, uns auszuprobieren?* Vielleicht gelingt es dir mit diesem Perspektivwechsel. ## Erwachsene wissen noch lange nicht, wie das Leben funktioniert Weißt du noch, als wir Kinder waren? Die Welt war ein Wunder. Wir konnten sie uns nicht erklären. „*Mama, warum machen die Bienen den Honig so süß? Und warum macht Papa immer so komische Geräusche, wenn er sich hinsetzt?*“ Wir waren davon überzeugt, dass unsere Eltern genau verstehen, wie das Leben funktioniert. Vielleicht *mussten* wir das sogar glauben, denn wenn Mama und Papa nicht wussten, wo es lang geht, wer fährt dann dieses verdammte Auto?! An diesem Glauben halten wir lange fest – ungefähr so lange, bis wir selbst erwachsen werden. Plötzlich erkennen wir, dass der Moment, in dem alles einen Sinn ergibt, nie kommt – egal wie alt wir werden. Und wenn wir mit 20, 30 oder 40 noch nicht verstehen, wie das Leben funktioniert, dann wussten es unsere Eltern früher auch nicht. Auf einmal kapieren wir: *Erwachsene wissen rein gar nichts*. Na gut, ein kleines bisschen wissen wir ja schon. Wir können erklären, wie ein Leasing-Vertrag funktioniert oder wie man eine Bewerbung schreibt. Manche von uns finden sogar den Kosovo auf einer Landkarte (*zu meiner Schande gelang mir das bis letztes Jahr noch nicht*). Aber wie das *Leben* funktioniert, das verstehen wir heute genauso wenig wie damals, als wir Kinder waren. Wir geben zwar gerne vor, es wäre anders – oft, um andere Menschen zu beeindrucken. Doch letztendlich täuschen wir uns damit bloß selbst. Eine bittere Pille. Noch vor einem Jahr war ich überzeugt, dass ich den Dreh irgendwann rauskriege. Es braucht nur genug Fleiß und viel Grübeln. Doch es stellt sich heraus: So funktioniert das Leben nicht. Überhaupt nicht. Das hätte ich eigentlich schon in meiner Kindheit kapieren können. ## Warum „nicht gut genug“ dein bester Grund ist, um trotzdem anzufangen Wolltest du früher mal in einer Rockband spielen? Als Teenager träumte ich genau davon. Ich wollte mit Slipknot bei Rock im Park auf der Bühne zu stehen. Also übte ich wie besessen (*und vernachlässigte sträflich meine Hausaufgaben*). Mein Basslehrer erkannte das (*mein Üben, nicht meine vernachlässigten Hausaufgaben*) und ermutigte mich, einer Band beizutreten. Doch immer, wenn er das sagte, dachte ich: „*Nein, dafür bin ich noch nicht gut genug.*“ Ich war überzeugt, ich müsse erst ein bestimmtes Niveau erreichen, bevor ich in einer Band spielen darf. Dabei übersah ich vollständig, dass ich nur in einer Band lerne, was es braucht, um in einer Band zu sein. Da konnte ich noch so viel zu Hause üben. Das Seltsame daran ist, dass es sich gar nicht so schlecht anfühlte, meine Träume zu verraten. Indem ich meinen Versagensängsten nachhing, musste ich nämlich meine Komfortzone nicht verlassen. Die fühlte sich schön flauschig an. Die Ironie daran ist, dass meine Angst davor, nicht gut genug zu sein, mich daran hinderte, jemals wirklich gut zu werden. Und ich glaube, du kennst das. Nicht, weil du schlecht oder ein Angsthase, sondern weil du ein Mensch bist. Als Erwachsene verstecken wir uns oft hinter solchen Zweifeln, wir nennen sie nur anders. Wir reden davon, wir hätten keine Zeit oder es wäre noch nicht der richtige Moment. Ich weiß das, denn auf diesem Blog wäre fast dasselbe passiert. [ ![Buy Me a Coffee at ko-fi.com](https://storage.ko-fi.com/cdn/kofi2.png?v=6) ](https://ko-fi.com/O8I321XETW?ref=markusdotzler.de) ## Warum Perfektionismus der beste Freund der Prokrastination ist Als mir die Idee kam, meine Texte im Internet zu veröffentlichen, verbrachte ich rund zwei Wochen allein mit der Entscheidung, welchen Website-Baukasten ich dafür verwenden sollte. Ich las jeden erdenklichen Internetbeitrag, guckte stundenlang Youtube-Videos und löcherte meinen Bruder (*glücklicherweise ein Webentwickler*) mit unzähligen Fragen. Ich wollte die perfekte Entscheidung treffen. Kurzum: Ich prokrastinierte. Doch nach den besagten zwei Wochen ging mir meine Prokrastination tierisch auf den Keks. Ich wollte meine eigenen Texte schreiben, nicht fremde Texte über Homepage-Baukasten lesen. Also entschied ich mich. [Falsch, wie sich ein Jahr später herausstellte](https://www.markusdotzler.de/monthly-fuck-up-1/), aber ich entschied mich – und darum geht es. Wir können Monate damit verbringen, unsere Vorhaben zu perfektionieren. Das hilft uns allerdings nicht, [Prokrastination zu überwinden](https://www.markusdotzler.de/prokrastination-ueberwinden/). Denn je mehr Informationen wir sammeln, desto schwieriger wird das Anfangen und irgendwann erlischt die Entscheidungslähmung unser Feuer. > „das Bessere ist der Feind des Guten“ – Alexandre Dumas (Der Graf von Monte Cristo) Meinen Blog so schnell online zu nehmen hatte auch Nachteile. Ich beging als Homepagebetreiber jeden erdenklichen Fehler (zum Beispiel, dass mein [Blog 1,5 Jahre unsichtbar](https://www.markusdotzler.de/blog-nicht-bei-google-gefunden/) war). Doch wenn ich heute darauf zurückblicke, stelle ich fest, dass für einen Blogger dasselbe gilt wie für einen Musiker und wahrscheinlich auch für jede andere Leidenschaft: Das „schlecht sein“ ist ein essenzieller Teil des „gut werdens“. ## „Einfach anfangen“ ist nicht immer der beste Rat Jetzt will ich dir aber nicht einreden, dass „einfach anfangen“ immer die beste Entscheidung ist. In meinem letzten Job war ich lange Zeit [unzufrieden, aber kündigte nicht](https://www.markusdotzler.de/unzufrieden-im-job-nicht-kuendigen/). Als ich mich dann endlich zur Kündigung entschied, weil ich die [Entfremdung zum Job](https://www.markusdotzler.de/wie-sich-emotionale-distanz-anfuehlt-job/), die ich spürte, nicht mehr hinnehmen wollte, passierte alles sehr schnell. Ich unterschrieb einen Aufhebungsvertrag und 5 Monate später trat ich aus dem Unternehmen aus – [ohne Anschlussbeschäftigung, ohne Plan B](https://www.markusdotzler.de/readings/pathless-path-paul-millerd-deutsch/). Seitdem versuche ich, meinen Blog *irgendwie* in ein Einkommen zu verwandeln. Doch es stellt sich heraus: Ein Blog gehört nicht unbedingt zu den besten Geschäftsideen. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur ein schlechter Geschäftsmann *(oder gar kein Geschäftsmann, sondern eben einfach nur ein Blogger*). Deshalb frage ich mich bis heute, ob es wirklich mutig war, meine Kündigung „einfach“ einzureichen oder lediglich „einfach“ naiv. Doch Erfolg oder Misserfolg, eine Sache habe ich dabei gelernt: ## Anfangen ist alles, was wir tun können Ob unser Weg der richtige ist, finden wir nur heraus, indem wir ihn ein Stück weit gehen. Indem wir der Band beitreten, die Homepage online nehmen oder die Kündigung einreichen. Ab einem gewissen Punkt hilft das endlose Planen und Grübeln nicht mehr. Der Weg, den wir gehen, ergibt nämlich meistens erst Sinn, *nachdem* wir ihn gegangen sind und aus der Ferne auf ihn zurückblicken. Ob wir dort ankommen, wo wir hinwollen, werden wir nie erfahren, solange wir noch auf der Couch sitzen und anderen Menschen auf Youtube dabei zusehen, wie sie das Leben führen, das wir uns wünschen. Du wirst vor deiner Reise niemals auf alles vorbereitet sein. Du wirst niemals alles wissen, bevor du loslegst. Du wirst auch nie „gut genug“ sein. Diese Unsicherheit gehört zum Leben wie Gegenwind zum Fahrradfahren. Unangenehm, aber sollte dich nicht davon abhalten, kräftig in die Pedale zu treten. Also wenn du die Zweifel sowieso nicht los wirst, warum dann nicht Laufen lernen? Keine Heldentaten, sondern ein Schritt nach dem anderen. Wie Carl Jung mal sagte: > „Wenn du mit Überzeugung das Nächste und Nötigste tust, so tust du immer das schicksalsmäßig Sinnvolle.“ > > – C. G. Jung ## Fazit: Warum du die Kontrolle abgeben musst, um anzufangen Als Kinder glaubten wir, dass Erwachsene die Antwort auf alle Fragen und Probleme im Leben kennen. Doch das, was wir damals als einstudierte Choreografie wahrnahmen, entpuppt sich heute in unserem eigenen Leben eher als spontaner Improvisationstanz. Das ist kein Vorwurf an unsere Eltern. Es ist viel mehr ein Befreiungsschlag. *Niemand* kann die Antworten auf alle Probleme im Leben kennen und deshalb *muss* sie auch auch niemand kennen. Die Kunst besteht nicht darin, alles zu wissen, bevor wir unser Leben wirklich leben, sondern viel mehr darin, irgendwie durchs Leben zu tanzen und nicht hinzufallen, wenn wir uns mal wieder selbst auf die Füße treten. Und wer weiß? Vielleicht ähnelt unser Taumeln und Wanken irgendwann mal sowas wie einer Choreografie. Vielleicht werden andere unser Stolpern und Poltern sogar als Kunst bezeichnen. Vielleicht werden unsere Kinder uns später sogar mal für Superhelden halten – zumindest bis sie selbst erwachsen werden und ihr eigener Tanz beginnt. Deshalb frage ich dich: > *Welche Entscheidung schiebst du vor dir her, weil du glaubst, du wärst nicht gut genug, um sie zu treffen?* *PS: Falls du vor einer beruflichen Veränderung stehst, hilft dir dieser Artikel bei der Entscheidung, ob du* [*kündigen oder bleiben*](https://www.markusdotzler.de/kuendigen-oder-bleiben-entscheidung/) *solltest.* ****Genug vom Zuschauen? Werde zum Gestalter.** Du musst den Weg nicht auswendig kennen, um ihn zu gehen. Wenn du bereit bist, den ersten Schritt zu wagen, helfe ich dir dabei. In meinem Newsletter erhältst du jede Woche ungefilterte Insights, wie du zum Helden deiner eigenen Story wirst. Starte hier: [Nie wieder NPC. ](#/portal/signup/free) ### Hustle Culture ist ein Fiebertraum (wie wir Arbeit anders denken) URL: https://www.markusdotzler.de/warum-hustle-culture-toxisch-ist/ Last updated: 2026-09-27T12:15:45.000Z Dieser Artikel dreht sich um Hustle Culture: - [Was sie ist](#was-ist-hustle-culture), - [warum sie toxisch ist](#warum-toxische-produktivit%C3%A4t-selbstausbeutung-ist), - [welche Ängste dahinterstecken](#die-tiefsitzende-angst-hinter-der-leistungskultur) und - [und wie wir Arbeit anders denken](#das-leben-ohne-hustle-wer-sind-wir-ohne-produktivit%C3%A4t) ## Als ich die Arbeitswelt endlich hinterfragte Vor 2 Jahren laufe ich in meinem gewohnten Stechschritt durch unser Bürogebäude. In einem Eckbüro im ersten Stock sehe ich einen Mann mittleren Alters vor dem Bildschirm sitzen. Der Mann trägt ein schwarzes T-Shirt. Seine Haarfarbe passt sich allmählich der sterilen weißen Wand seines Büros an. Mit verschränkten Armen sitzt er da, sein Kopf liegt auf der Brust und sein Oberkörper hebt und senkt sich regelmäßig. Dann kapiere ich: Der Kerl schläft grad – tief und fest. Ich verübel es ihm nicht. Büros sind keine artgerechte Haltung. Sowas wie die Legebatterien der Menschheit. Nur dass aus unseren Ärschen E-Mails und mehr oder weniger gute Ideen plumpsen. Als ich den Mann so sehe, begreife ich: „*So unproduktiv bist du gar nicht. Ich mein, der Kerl pennt – keine besonders hohe Messlatte.*“ Dafür bin ich dem Mann bis heute dankbar. Sein Nickerchen bewegt mich zu der Frage: [*Wer hat uns diese ständige Produktivität eigentlich eingeredet*](https://www.markusdotzler.de/schlechtes-gewissen-wenn-unproduktiv/)*?* ## Was ist Hustle Culture? ***Hustle Culture*** steht für konstante Leistung: Harte Arbeit, lange Nächte, ständige Erreichbarkeit. Allerdings definiert sie das nicht als Belastung, sondern als aufregenden, alternativlosen Lebensstil. Ein perfektes Beispiel für die Einstellung des Hustlers liefert Céline Flores Willers. In einem Video von *unbubble über die* [*Arbeitseinstellung der Gen Z*](https://youtu.be/6Qy08eYVmsk?si=xcNMVYzoOJD2IkGT&t=448&ref=markusdotzler.de)erzählt sie, sie arbeite im Durchschnitt 16 Stunden pro Tag und sagt über den Wunsch nach Work-Life-Balance: > Ich glaube, wenn man so extrem darauf aus ist, Privates und den Job zu trennen, ganz ehrlich, dann sollte man [einfach den Job wechseln](https://www.markusdotzler.de/kuendigen-oder-bleiben-entscheidung/). Ich glaube fest daran, dass, wenn man seine Leidenschaft findet, dass Leidenschaft nicht um 17 Uhr enden kann. > > – Céline Flores Willers Für die Hustler ist Work-Life-Balance ein Fremdwort. Wer seinen Job liebt, braucht keinen Ausgleich. Wer sich eine 4-Tage-Woche wünscht, wird als Lifestyle-Teilzeitler gebrandmarkt. Und Urlaub? Hängt von deiner Definition ab. Wenn du mit Urlaub den Hustle auf Dubai meinst, wird er dir gegönnt. Kommt schließlich gut auf Social Media. Hustle Culture wirkt auf mich wie eine sozial anerkannte Form von Arbeitssucht. Allerdings frage ich mich manchmal, ob es den Hustlern wirklich um die Arbeit geht oder eher um die soziale Anerkennung online ([auch in Form von Hate](https://www.markusdotzler.de/wie-du-mit-negativen-kommentaren-umgehst/)). Die Arbeit wird zum Motor zur Selbstdarstellung und so erklärt sich auch ihre starke Präsenz auf Social Media: Eine Arbeitssucht ist unattraktiv. Der Hustle hingegen garantiert Klicks. Aber warum hustlen wir? Und woher kommt dieses Denken überhaupt? Einmal tief Luft holen: > Die Hustle Culture ist das kapitalistische Endprodukt der eigenen Selbstausbeutung. Lass mich das erklären. [ ![Buy Me a Coffee at ko-fi.com](https://storage.ko-fi.com/cdn/kofi2.png?v=6) ](https://ko-fi.com/O8I321XETW?ref=markusdotzler.de) ## Warum toxische Produktivität Selbstausbeutung ist Wer produktiv arbeitet, erledigt möglichst viel in einer gewissen Zeit. Um das zu messen, benötigen wir Uhren. Die sind mittlerweile allgegenwärtig – Gott sei Dank, denn es sind praktische kleine Helfer. Doch mit der Verbreitung der Uhr ändert sich auch unser Zeitverständnis. Zeit gilt heute als Ressource. Sie ist sowas wie ein Produktionsfaktor. Doch wenn Zeit Geld ist, dann ist Zeitverschwendung auch Geldverschwendung. Deshalb legen Unternehmen großen Wert auf Effizienz und Produktivität. Das ist nicht grundsätzlich schlecht, schließlich hängen am Umsatz eines Unternehmens auch Arbeitsplätze. Problematisch ist viel mehr das Verhältnis von Geld und Zeit: Das Leben ist endlich, Geld aber nicht. Unternehmen können also immer mehr Kohle erwirtschaften. Ihr Gewinn kennt keine Grenze. Die Zeit, in der sie dieses Geld jedoch verdienen, vermehrt sich nicht. Es bleiben immer dieselben 24 Stunden. Also schütteln sie jedes Goldstück aus ihnen heraus wie aus einem Niffler. ### Der Marktdruck wird an Arbeitnehmer weitergegeben Das spüren auch die Arbeitnehmer. In ihrem Streben nach Gewinnmaximierung geben Unternehmen den Marktdruck unmittelbar an ihre Belegschaft weiter. Dahinter steckt keine böse Absicht, sondern eine einfache Kalkulation: Je effizienter die Angestellten, desto mehr Umsatz. Das nimmt mittlerweile seltsame Züge an. Ein Freund erzählte mir neulich von seinem Chef. In einem Feedbackgespräch ermutigte ihn dieser, sein „*Angestelltenmindset*“ zurückzulassen und zu denken, als wäre er selbst Geschäftsführer. Ein genialer Schachzug, wie ich finde: Arbeitgeber motivieren ihre Angestellten dazu, wie Unternehmer zu leisten, ohne sie wie Unternehmer zu bezahlen. Tatsächlich hat dieses Phänomen einen Namen: Günter Voß und Hans Pongratz bezeichnen es als **Arbeitskraftunternehmer**. Nie wieder „Dienst nach Vorschrift“ (oder wie ich es nenne: *Dienst nach fucking Arbeitsvertrag*), nein: Arbeitnehmer sollen leisten, sich kontrollieren und vermarkten, als wären sie selbst ein Unternehmen, das sich am Markt behaupten muss. Diesen Druck kenne ich aus meinem letzten Job. Er wurde nie benannt, sondern war einfach die Folge der Arbeitsbedingungen. Als Rettung stürzte ich mich in Time Blocking, To-Do-Listen, Inbox Zero und Getting Things Done. Ich wurde zum Produktivitätsjünger erzogen. Ohne es zu bemerken, verinnerlichte ich die Logik des Wirtschaftswachstums. In meinem Newsletter helfe ich dir, aus dieser Logik auszubrechen. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) > *In dieser Zwangsgesellschaft führt jeder sein Arbeitslager mit sich. Die Besonderheit dieses Arbeitslagers ist, dass man Gefangener und Aufseher, Opfer und Täter zugleich ist.* > > *–* [*Byung-Chul Han*](https://www.markusdotzler.de/readings/muedigkeitsgesellschaft-byung-chul-han/) #### Quelle Han, B.-C. (2010). **Müdigkeitsgesellschaft* (Zwölfte Auflage). Matthes & Seitz. S. 38. ### Deshalb halte ich Hustle für Selbstausbeutung Die Hustle Culture ist die Verinnerlichung des unternehmerischen Produktivitätszwangs und trägt dies offen zur Schau. Dazu schreibt [Nietzsche in „Die fröhliche Wissenschaft“](https://www.markusdotzler.de/readings/nietzsche-froehliche-wissenschaft-interpretation/): > Denn das Leben auf der Jagd nach Gewinn zwingt fortwährend dazu, seinen Geist bis zur Erschöpfung auszugeben, im beständigen Sich-Verstellen oder Ueberlisten oder Zuvorkommen: die eigentliche Tugend ist jetzt, Etwas in weniger Zeit zu thun, als ein Anderer. > > – Friedrich Nietzsche #### Quelle Nietzsche, F., & Figal, G. (2012). **Die fröhliche Wissenschaft*. S. 143f. Die Hustler beantworten die uralte Frage – „*Wie führen wir ein erfülltes Leben?*“ – durch **mehr Produktivität* (und damit übrigens völlig anders als z.B. die* [*Ju/'Hoansi*](https://www.markusdotzler.de/von-ju-hoansi-ueber-erwerbsarbeit-lernen/)*, ein Jäger-Sammler-Volk)*. Doch was ist dieses „*produktive Leben*“ eigentlich? ## Was bedeutet Produktivität heute? Wie viele Autos bei Audi in 24 Stunden über das Fließband rollen, können wir exakt messen, um Produktivität zu bestimmen. In Büros ist das schon schwieriger. Wie vergleichen wir die Produktivität verschiedener Personaler oder Buchhalter? Das wissen manchmal selbst die Unternehmen nicht so richtig. Für Arbeitnehmer eine knifflige Situation. Wie zeigen wir unseren Vorgesetzten, wie effizient wir arbeiten? Durch die Brille des Arbeitskraftunternehmers ausgedrückt: Wie vermarkten wir uns? Cal Newport argumentiert: ### *Wir signalisieren Produktivität.* Wir sorgen dafür, dass Microsoft Teams nicht auf „abwesend“ umstellt, reagieren auf E-Mails auch mal vom Klo aus und quälen uns mit halbem Ohr durch zahllose Online-Meetings, damit andere uns sehen. In Abwesenheit echter Produktivitätsmaßstäbe dient Sichtbarkeit als Annäherung zu echter Produktivität. Vielleicht gehört Social Media deshalb zur Hustle Culture wie der Bär zum Honig: Soziale Medien sind die Extremform sichtbarer Produktivität. Doch der Haken: ### Geschäftigkeit und Produktivität are not the same Nur weil jemand zeigt, *dass* er etwas tut, bedeutet das noch lange nicht, dass das, *was* er tut, einen Mehrwert liefert. Er ist den ganzen Tag beschäftigt, aber bewirkt nichts. Das bezeichnet Cal Newport als „***Pseudoproduktivität***“. #### Quelle Newport, C. (2024). **Slow Productivity: Effizienz ohne Überlastung: die vergessene Kunst, ohne Burn-out zu arbeiten* (1\. Auflage). Redline Verlag. S. 26. Dieses Missverhältnis zwischen Produktivität und Geschäftigkeit zeigt auch Casey Neistat in dem Video „[N*avigating the Matrix*](https://www.youtube.com/watch?v=Pdp3p23P-TI&ref=markusdotzler.de)“. Neistat sagt, er ist den ganzen Tag beschäftigt, doch fühlt sich am Abend, als hätte er nichts bewirkt. > There's busy work and then there's like productive work. > > – Casey Neistat So füllt sich der Tag mit To-dos, die sich zwar produktiv anfühlen, es aber nicht sind und uns langfristig keinen Zentimeter näher zu einem erfüllten Leben bringen. Daran ändert auch ein 16-stündiger Arbeitstag nichts. Also warum spielen wir dieses toxische Spiel? ## Die tiefsitzende Angst hinter der Leistungskultur Menschen tragen das Bedürfnis in sich, Erfolge zu erleben. Psychologen nennen das „*Need for Achievement*“. Dieses Bedürfnis motiviert uns, Herausforderungen zu meistern: Die Ausbildung abschließen, die Beförderung verdienen oder den Marathon laufen. Unser Streben nach Erfolg kann jedoch auch ins Negative kippen, z.B. indem wir unseren Selbstwert an äußere Erwartungen koppeln. Plötzlich verändert sich unser Verlangen, selbstgesteckte Herausforderungen zu meistern, in den Glauben, dass unser Wert als Mensch von unserem Output abhängig sei. > Man schämt sich jetzt schon der Ruhe; das lange Nachsinnen macht beinahe Gewissensbisse. Man denkt mit der Uhr in der Hand, wie man zu Mittag isst, das Auge auf das Börsenblatt gerichtet, – man lebt, wie Einer, der fortwährend Etwas „versäumen könnte“. > > – Friedrich Nietzsche #### Quelle Nietzsche, F., & Figal, G. (2012). ebd. Dieses Streben nach [Produktivität ist unheimlich toxisch](https://www.markusdotzler.de/produktivitaetsluege/) (im Link findest du meine persönliche Story dazu), doch es wird uns ständig vorgekaut. Hier ein kleines Experiment: ### Die Rolle von Social Media in der Leistungskultur Ich habe gerade Linkedin für dich geöffnet. Das fiel mir verdammt schwer, glaub mir. Sofort schlägt es mir vor: 5 Dinge, die du für einen produktiven Morgen vor 8 Uhr erledigen musst (*vielleicht sagt dieser Vorschlag mehr über mich aus, als ich zugeben will*). „*Ist doch bloß Linkedin*“, sagst du jetzt vielleicht. Doch wenn sich dein Feed mit Menschen füllt, die dir ihren 16-stündigen Ausnahmezustand als „ganz normalen Dienstag“ verkaufen, dann fühlt sich das eigene Leben irgendwann minderwertig an. Wir konsumieren Informationen lange nicht so gedankenlos wie die Snacks in unserer Schreibtischschublade. Wir nehmen Hustle Culture nicht einfach nur auf, wir messen uns an ihr. Wir sind soziale Vergleichsmaschinen. Wollen wir aus diesem Spiel ausbrechen, müssten wir uns aus unserer Blase und vertrauten Normen lösen, von denen uns viele bereits seit unserer Jugend begleiten. Außerdem besteht letztlich die Chance, dass die Hustler recht behalten. Vielleicht finden wir unser Glück wirklich in 16-stündigen Arbeitstagen und Meetings um 22 Uhr. Also was, wenn wir letztlich bloß unser Potenzial vergeuden und ein erfülltes Leben sowie all den Konsum, Luxus und die tollen Urlaube verpassen, die uns andere auf Social Media vorleben? Und da ist sie wieder, diese Stimme. Siehst du, wie tückisch (und toxisch) sie ist? ### Die dunkle Seite der Selbstoptimierungsbubble Wir streben nach der Sonne, aber verlieren uns im Morast sozialer Vergleiche. Wir senden die gleichen Signale wie alle anderen. Wir bleiben beschäftigt, schreiben fröhlich weiter E-Mails und [multitasken wie die Verrückten](https://www.markusdotzler.de/multitasking-illusion/). Für Reflexion bleibt dabei schlicht keine Zeit. Doch was, wenn wir irgendwann feststellen, dass das Leben zwischen Hustle und Hektik schlicht an uns vorbeigezogen ist? > „Wir arbeiten an unserer täglichen Arbeit heftiger und gedankenloser, als nötig ist, um unser Leben zu erhalten, weil es uns noch notwendiger ist, nicht die Muße zu haben, anzuhalten und nachzudenken. Die Hast ist allgemein, weil jeder auf der Flucht vor sich selbst ist.“ > > – Friedrich Nietzsche (Unzeitgemäße Betrachtungen) Können wir Arbeit nicht anders denken? Wenn du das Gefühl hast, in einem Leben festzustecken, das sich nicht nach dir anfühlt, ist mein Newsletter der erste Schritt. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ## Das Leben ohne Hustle: Wer sind wir ohne Produktivität? Wir glauben, dass effizientes Arbeiten Zeit freischaufelt, die wir später zur Erholung oder für Familie und Freunde nutzen. Doch wie ein Naturgesetz scheint sich die freigesetzte Zeit sofort mit neuen Aufgaben zu füllen. Mein letzter Job fühlte sich an wie ein Katz und Maus Spiel – weit entfernt von [beruflicher Erfüllung](https://www.markusdotzler.de/berufliche-erfuellung-ist-kein-luxus/). Ich war ständig damit beschäftigt, To-dos, E-Mails und Meetings hinterherzurennen. Hatte ich sie alle abgearbeitet, herrschte spätestens nach der nächsten Dienstreise wieder Chaos. Für echte Veränderung blieb nicht viel Energie übrig. Alles, was Zeit kostete, schob ich vor mir her, denn sonst herrschte sofort wieder Chaos im Posteingang. Aber wem erzähl ich das? Du kennst das wahrscheinlich. Es ist das [9-5-Gefühl, das viele Menschen unzufrieden macht](https://www.markusdotzler.de/unzufrieden-im-job-nicht-kuendigen/). > „In der modernen Welt (...) fühlt sich die Zeit wie ein unaufhaltsames Fließband an, das uns neue Aufgaben so schnell bringt, wie wir die alten abarbeiten können. Wenn man »produktiver« wird, beschleunigt sich das Band nur – bis man irgendwann zusammenbricht“ > > – Oliver Burkeman #### Quelle Burkeman, O. (2022). **4000 Wochen: Das Leben ist zu kurz für Zeitmanagement* (H. Lutosch, Übers.). Piper. S. 17. ### Die Effizienzfalle Genauso wie der Konsum von mehr Informationen oft zu Verwirrung statt Klarheit führt ([Information Overload](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/)), resultiert Produktivität nicht automatisch in Freiheit, sondern lediglich in *mehr* To-dos und *weniger Zeit* für das Wesentliche. Das bezeichnet Oliver Burkeman, Autor des Buches „4000 Wochen“, als die **Effizienzfalle**. Wie oft hast du dir schon eingeredet, du müsstest nur zuerst den Kleinkram erledigen, bevor du dich dem Wesentlichen widmest? Hast wichtige Aufgaben tagelang vor dir hergeschoben, während dich dein Gewissen auffraß? Doch irgendwann stellst du fest: Der Kleinkram versiegt nicht. Wie eine Quelle sprudelt immer mehr davon nach oben. Und ehe du dich versiehst, ertrinkst du in einem reißenden Fluss. Damit will ich nicht sagen, dass Kleinkram unwichtig ist. Manchmal ist die einzige Lösung die gute, alte Fleißarbeit. Doch wenn sie unseren Tag bestimmt, verlieren wir das Wesentliche aus dem Blick. Noch wichtiger als Fleißarbeit ist unsere [Fähigkeit, uns zu konzentrieren](https://www.markusdotzler.de/warum-fokus-wichtig-ist/). Denn auch wer fleißig einen Tunnel gräbt, kann in die falsche Richtung buddeln. ### Wir beschleunigen unser eigenes Hamsterrad Ständig reden wir darüber, dem Hamsterrad zu entkommen. Doch die Produktivitätshacks, die uns dabei helfen sollen, führen letztlich nur dazu, dass wir schneller strampeln. Wir steigen nicht aus. Wir treten aufs Gaspedal. > „Is this freedom? > Is this the life you chose? > If this is living the dream > We've hit an all-time low“ > > – Architects, [All Love is Lost](https://www.youtube.com/watch?v=4nXF99fI6cg&ref=markusdotzler.de) Also was, wenn wir uns von der Vorstellung verabschieden müssen, *alles* erledigen zu können? Was, wenn das produktive Leben nicht die Lösung, sondern nur das Symptom einer Gesellschaft ist, die vor lauter [Leistungsdruck](https://www.markusdotzler.de/flow-gaming/) nicht mehr zur Ruhe findet? ## Dein Leben ist kein abzuarbeitendes Projekt. Wir lieben die Vorstellung davon, irgendwann die Kontrolle über unser Leben zu gewinnen. Doch meiner Erfahrung nach hält dieser stabile Zustand nur kurz an. Wir werden niemals Herrscher über unser Leben. Das Leben gehört uns nicht. Wir gehören ihm. Ich verstehe den Wunsch nach Kontrolle. Lange Zeit glaubte ich, ich könnte irgendwie gegen mein Leben gewinnen, indem ich produktiv genug bin. Doch meine Versuche, *alles* unter einen Hut zu bringen, waren nichts anderes als eine Vermeidungstaktik, um mich nicht fragen zu müssen, was mir wirklich wichtig ist. Das verstehe ich ironischerweise erst, seitdem ich versuche, dem „[*Pathless Path*](https://www.markusdotzler.de/readings/pathless-path-paul-millerd-deutsch/)“ zu folgen. > „Wir füllen unseren Geist mit Geschäftigkeit und Ablenkung, um uns [emotional zu betäuben](https://www.markusdotzler.de/wie-sich-emotionale-distanz-anfuehlt-job/).“ > > – Oliver Burkeman #### Quelle Burkeman, O. (2022). S. 42. ### Unserer Begrenzung entkommen wir nicht durch Produktivität Newsflash: Unsere Zeit auf diesem Planeten ist begrenzt. Zum Glück, denn sonst könnten wir Jahrzehnte in einem Stupor voller E-Mails und To-do-Listen verbringen, ohne uns daran zu stören. Doch nur in ganz seltenen Momenten verstehen wir, was Endlichkeit wirklich bedeutet. Der Tod meines Vaters im letzten Jahr gehörte zu solchen Momenten. Im August sitzen wir noch zusammen im Brauhaus. Im September sitze ich dort plötzlich allein. Sein Verschwinden zu akzeptieren war unheimlich ernüchternd. Es zeigte mir, dass ich lediglich mitspielen, vielleicht sogar ein paar gute Hände haben kann. Aber gewinnen werde ich nicht. Diese Endlichkeit ist ein zentraler Teil unserer Menschlichkeit. Uns gegen sie zu wehren, indem wir die Zeit ausbeuten, wirkt auf mich wie ein verzweifelter Kampf gegen die eigene Natur. > „Zuerst musst du wissen, nicht fürchten, sondern wissen, dass du einmal sterben wirst.“ > > – Tyler Durden, Fight Club Unser Leben ist ein wunderschöner Zufall. Die Tatsache, dass wir überhaupt existieren, ist „*die nackte Realität, an der wir uns alle ständig die Zehen stoßen sollten*“. #### Quelle Sarah Bakewell in Burkeman, O. (2022). S. 72. Also warum behandeln wir es wie ein abzuarbeitendes Projekt? ## Die Anti-Hustle-Culture. Sofern wir anerkennen, dass Produktivität eine Falle und unsere Endlichkeit kein Fehler, sondern ein „Feature“ ist, können wir endlich damit beginnen, unwichtige Aufgaben aus unserem Leben zu eliminieren. Deshalb schlage ich eine ***Anti-Hustle-Culture*** vor. Der Hustler fragt sich, was er alles an einem Tag erledigen kann. Der Anti-Hustler fragt sich, [worauf er bewusst verzichtet](https://www.markusdotzler.de/mehr-fokus/). Der Anti-Hustler versteht, dass es eine Fähigkeit ist, dem Drang zu widerstehen, alles zu erledigen und nimmt das Unbehagen in Kauf, das damit verbunden ist, wenn unwichtige Aufgaben mal liegenbleiben. Er entscheidet sich für das, was ihn wirklich weiterbringt, statt jeder Anfrage hinterherzurennen. Indem er den Lärm ausblendet, bewegt er sich kontinuierlich auf sein wichtigstes Ziel zu. Vor allem versteht der Anti-Hustler aber, dass sein Wert als Mensch nicht an seine Produktivität gekoppelt ist. > „Du bist nicht dein Job. Du bist nicht das Geld auf deinem Konto. Nicht das Auto, das du fährst. Nicht der Inhalt deiner Brieftasche. Und nicht deine blöde Cargohose.“ > > – Tyler Durden, Fight Club Der Anti-Hustler ist. Das reicht. Wer bist du? [Die Fight Club Philosophie: 4 Lektionen von Tyler DurdenHamsterrad, Sinnkrise, Konsumfalle: Die Fight Club Philosophie liefert 4 Lektionen, die dein Denken dauerhaft verändern.![](https://www.markusdotzler.de/content/images/icon/Logo-1_1-5-463550375aa418d4f266bc141693511e533196e1539bc16bc9cc4e0aadee7c25.webp)Markus Dotzler BlogMarkus Dotzler![](https://www.markusdotzler.de/content/images/thumbnail/fight-club-book-showcase-a69d122f002d8ae6175c7fa86faa63d7757c136e34b8b24d535ae3e3965a09f7.webp)](https://www.markusdotzler.de/fight-club-philosophie/) Mehr Fight Club? Findest du in diesem Artikel. ****Nie wieder NPC im eigenen Leben.** Mein Newsletter liefert ehrliche Gedanken für Menschen, die ihr Leben selbstbestimmt leben wollen: [Jetzt zum Newsletter anmelden. ](#/portal/signup/free) ### Zu hohe Erwartungen ruinieren deine Hobbys URL: https://www.markusdotzler.de/zu-hohe-erwartungen-hobby/ Last updated: 2026-09-01T15:06:50.000Z Zu hohe Erwartungen sind verdammte Spielverderber. In dieser persönlichen Geschichte erfährst du: - [wie hohe Erwartungen neue Hobbys verderben](#wie-zu-hohe-erwartungen-uns-den-spaß-an-hobbys-verderben) - [was das mit Haruki Murakamis erstem Buch zu tun hat](#was-anf%C3%A4nger-von-haruki-murakami-%C3%BCber-erwartungen-lernen-k%C3%B6nnen) - [wie du von deinen Ansprüchen loslässt](#warum-scheitern-am-anfang-befreiend-ist) und - [3 konkrete Tipps, um sie zu überwinden](#3-tipps-um-den-inneren-kritiker-zu-besiegen) ## Anfänger haben zu hohe Ansprüche an sich selbst Marion ist ungefähr 40 Jahre alt, als ich sie an einem Samstag Vormittag bei einem Anfängerkurs fürs Bogenschießen treffe. Sie trägt ihre braunen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden und ist kleiner als die meisten Frauen. In der Vorstellungsrunde erzählt Marion, sie habe noch nie Pfeil und Bogen in der Hand gehalten und deswegen könne niemand Großes von ihr erwarten. *Moment mal*, denke ich. *Das ist doch ein Anfängerkurs. Niemand erwartet irgendetwas von dir.* Doch plötzlich grübel ich selbst. *Ganz schön viele Fremde hier*. *Wenn ich daneben schieße, sieht das ja jeder*. *Das hatte ich bei der Anmeldung irgendwie nicht bedacht.* Verdammt. Jetzt verunsichert mich Marion mit ihrer Unsicherheit. Aber ich schaff das. Männer sind doch Jäger – Talent fürs Bogenschießen so selbstverständlich wie die Sitzheizung im neuen BMW. Ich versag schon nicht... oder? Bitte? *Pretty please*? ## Wie zu hohe Erwartungen uns den Spaß an Hobbys verderben Nach einer kurzen Einweisung besteht unsere erste Übung darin, 3 Pfeile auf ein etwa 5 Meter entferntes Ziel zu schießen. Jeder von uns tritt einzeln an, der Rest der Gruppe guckt zu. So sollen wir voneinander lernen – oder unserem Nachbarn zumindest nicht in den Fuß schießen. Marion verkrümelt sich prompt an das Kopfende der Gruppe, doch der Uhrzeigersinn verschwört sich gegen sie und so schießt sie kurz darauf ihren ersten Pfeil. Sie trifft. Nicht mittig, aber immerhin. Etwas mutiger setzt Marion zum zweiten Pfeil an. Auch der fliegt zielstrebig nach vorne, driftet jedoch nach rechts ab, prallt gegen die Wand und fällt unbedarft zu Boden wie ich bei meinem letzten Vollrausch. Noch bevor Marion den dritten Pfeil spannt, sagt sie: „*Ich wusste doch, dass ich dafür kein Talent habe*.“ Ihre Aussage irritiert mich. *Sie macht das doch zum ersten Mal.* Doch ich kenne die Stimme in Marions Kopf – der [innere Kritiker, der uns klein redet](https://www.markusdotzler.de/sich-klein-machen/). Noch während ich ihren dritten Schuss beobachte, der natürlich mittig in der Zielscheibe landet, zweifle ich selbst daran, ob ich mich besser anstellen werde. Nur noch eine Person vor mir – ein junger Kerl etwa in meinem Alter. Meine Augen folgen seinen Bewegungen – Pfeil nocken, Bogen heben, Sehne spannen. Doch mein Kopf befindet sich woanders. In diesem Moment erinnere ich mich an die Geschichte, wie Haruki Murakami Schriftsteller wurde. [ ![Buy Me a Coffee at ko-fi.com](https://storage.ko-fi.com/cdn/kofi2.png?v=6) ](https://ko-fi.com/O8I321XETW?ref=markusdotzler.de) ## Was Anfänger von Haruki Murakami über Erwartungen lernen können Als Haruki Murakami sein erstes Buch mit Füller und Papier an seinem Küchentisch schreibt, fällt ihm das unheimlich schwer. Er hat keine Ahnung, wie man eine Geschichte erzählt. Nach Monaten des Schreibens stellt er fest: Ihn langweilt sein eigener Text. Deshalb denkt er für einen kurzen Augenblick ans Aufgeben. Bis er kapiert, was Marion und ich an diesem Samstag in der Bogenhalle noch nicht verstanden haben: > Nach eingehender Überlegung begriff ich, dass mein Unvermögen ganz natürlich war. Ich hatte in meinem Leben noch nie einen Roman geschrieben. Wie konnte ich erwarten, gleich beim ersten Versuch etwas Bahnbrechendes hervorzubringen? – Haruki Murakami #### Quelle Murakami, H. (2018). **Von Beruf Schriftsteller: Essays* (U. Gräfe, Übers.; 1\. Auflage, genehmigte Taschenbuchausgabe). btb. S. 34. In der Folge experimentiert er. Zunächst schreibt er seine Geschichte auf Englisch um, einer Sprache, der er nur begrenzt mächtig ist und die ihn veranlasst, sich einfacher auszudrücken. Diesen Text übersetzt er später zurück ins Japanische. So entwickelt er seinen eigenen Stil (ein typisches Beispiel für das [Growth-Mindset](https://www.markusdotzler.de/growth-mindset/)). > Wenn ich sowieso keinen guten Roman schreiben konnte, warum dann nicht alle meine vorgefertigten Ansichten über Romane und Literatur über Bord werfen und einfach frei von der Leber weg schreiben? – Haruki Murakami Indem Haruki Murakami seine Erwartungen an das verwirft, was er als „*Japanische Hochliteratur*“ bezeichnet, geht er einen völlig anderen Weg und findet dabei zu sich selbst. An diese Geschichte muss ich denken, während ich mir einen Übungsbogen aussuche und an die Linie trete. ## Warum Scheitern am Anfang befreiend ist Ich halte den Bogen in meiner linken Hand und richte meine Schulter seitlich zum Ziel aus. Mit Rechts nocke ich das Ende des Pfeils vorsichtig in die Sehne und setze zum Schuss an. Beim Spannen des Bogens versuche mich krampfhaft an alles zu erinnern, was ich gerade gelernt habe, stelle aber fest, dass ich nichts mehr davon weiß. Je länger ich darüber nachdenke, desto stärker zuckt mein Schultermuskel. „*Lass los!*", schreit er mich an. Ich atme aus und schieße. Doch als sich meine Finger von der Sehne lösen, höre ich ein „*Boing*“, das ich sonst nur aus Comics kenne, und mein Pfeil plumpst wie ein lustloses Kleinkind rechts neben mir klappernd zu Boden. Die gesamte Gruppe in meinem Rücken fängt an zu lachen. In einem Sekundenbruchteil färbt sich mein Gesicht von typisch-blass-deutsch zu höllenfeuer-rot. Jeder gekochte Hummer dieser Welt wäre neidisch gewesen. Um meine Scham zu vertuschen, verbeuge ich mich vor der Gruppe wie ein Schauspieler, als wäre mein Versagen Teil des Plans gewesen. Zwar sage ich nichts, doch geht mir ein ähnlicher Gedanke durch den Kopf wie Marion: *Naja, für dieses Hobby besitze ich wohl kein Talent.* Aber das ist irgendwie befreiend. Denn während ich mich vor der Gruppe verbeuge, distanziere ich mich zumindest ein paar Zentimeter von der Stimme, die mir sagen will, ich sei [nicht gut genug](https://www.markusdotzler.de/nicht-gut-genug-prokrastination-erfahrung/). Denn ich darf das – etwas *nicht* können. An diesem Tag schieße ich noch oft daneben. Manchmal so spektakulär, dass mein Pfeil vom Holz des Zielstandes abprallt und wie ein treuer Hund zu mir zurück fliegt. Doch mit jedem Schuss interessiert es mich ein Stückchen weniger, was ich oder andere von mir halten. Stattdessen hab ich den Spaß meines Lebens. ## Warum unser Versagen nicht über unsere Zukunft entscheidet Marion wollte nach ihrem zweiten Pfeil wahrscheinlich am liebsten den Bogen an die Wand hängen und die nächste Tür nach draußen aufsuchen. Auch ich wäre gerne für einen Moment im Erdboden versunken. Doch wenn ich heute mit etwas Abstand daran zurückdenke, frage ich mich, woher diese natürliche Begabung eigentlich kommen soll, die Marion und ich wie selbstverständlich von uns forderten. Die Jagd mit Pfeil und Bogen hat sich der Mensch und nicht die Natur ausgedacht. Genauso wie niemand uns das Schreiben eines Romans in die Wiege legt (ich nenne das den [Talent-Mythos](https://www.markusdotzler.de/talent-mythos/)). Dann hat der liebe Gott in meinem BMW halt die Sitzheizung vergessen. Und Marion fährt vielleicht eher Trabbi. Ans Ziel kommen wir trotzdem. > »Wie komm ich am besten den Berg hinan?« > Steig nur hinauf und denk nicht dran! > – Friedrich Nietzsche #### Quelle Nietzsche, F., & Figal, G. (2012). **Die fröhliche Wissenschaft* (Nachdr.). Reclam. S. 19. ***Du willst öfter** [***einfach anfangen**](https://www.markusdotzler.de/murakami-prinzip/)***?** Ich schreibe regelmäßig über Psychologie, persönliches Wachstum und die Frage, wie wir aufhören, uns selbst im Weg zu stehen. Kein Schnickschnack, kein Lärm. Nur Ideen für ein Leben nach deinen Vorstellungen. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ## 3 Tipps, um den inneren Kritiker zu besiegen ### 1\. Die Harry-Potter-Methode. In Harry Potter und der Gefangene von Azkaban lernt Harry den Riddikulus-Zauberspruch. Damit besiegt er Irrwichte, die die Gestalt dessen annehmen, wovor er sich am meisten fürchtet. Dasselbe funktioniert mit unserem inneren Kritiker. Bevor du ein neues Hobby lernst, schreib dir auf, was du von dir erwartest. Glaubenssätze sind dann am gefährlichsten, wenn sie unausgesprochen in unseren Köpfen schwirren. Doch indem wir sie aufschreiben, machen wir sie sichtbar und stellen fest, wie irrsinnig manche von ihnen sind. ### 2\. Die Lehrer-Methode. Stell dir vor, du wärst bereits Profi in dem Hobby, das du gerade lernst, und müsstest es einem Freund oder deinen Kindern beibringen: Was würdest du erwarten? Würdest du verlangen, dass dein Freund jeden Pfeil trifft oder deine Kinder sofort die perfekte Kurzgeschichte schreiben? Nein? *Warum erwartest du es dann von dir?* > Vergleiche dich mit der Person, die du gestern warst, nicht mit jemand anderem heute > \- Jordan Peterson #### Quelle Peterson, J. B., Doidge, N., & Van Sciver, E. (2018). **12 rules for life: An antidote to chaos*. Allen Lane, an imprint of Penguin Books. S. 85. ### 3\. Denken in Mindestanforderungen Mein erster PC war eine Blechbüchse. Selbst World of Warcraft lief darauf nicht ruckelfrei. Wollte ich mir damals ein neues Computerspiel kaufen, musste ich mir die Mindestanforderungen auf der Rückseite der Verpackung durchlesen und mit der Hardware meines PCs vergleichen. Meistens lautete die Antwort meines PCs: „Der Computer sagt Nein.“ Doch das Denken in Mindestanforderungen ist gar nicht so übel. Ich weiß, wir sollen nach den Sternen streben und so. Aber vielleicht ist es an der Zeit, unsere [Ziele anders zu denken](https://www.markusdotzler.de/ziele-anders-denken/) und zu verstehen, dass das [Ankommen am Ziel nicht automatisch glücklich](https://www.markusdotzler.de/ankunftsfehler-arrival-fallacy/) macht. Was, wenn du dir nicht vornimmst, jeden Tag 30 Minuten Joggen zu gehen, sondern einfach bloß raus an die frische Luft? Wenn du dir vornimmst, nicht der nächste Robin Hood zu sein, sondern einfach nur zum Anfängerkurs zu erscheinen und mitzumachen? Was ist der kleinste Sieg, den du trotzdem noch feiern könntest? ### Selbstwirksamkeit stärken: Warum uns KI schadet, wenn wir es uns leichter machen. URL: https://www.markusdotzler.de/selbstwirksamkeit-staerken/ Last updated: 2026-09-20T07:30:13.000Z Hier erfährst du: - [wie sich Bequemlichkeit überall einschleicht](#technologischer-fortschritt-steigert-bequemlichkeit) - [wie KI-Konzerne Musik falsch verstehen](#gemini-und-suno-wie-ki-konzerne-musik-falsch-verstehen) - [wie Instrumente uns besser machen](#was-mir-mein-e-bass-%C3%BCber-selbstwirksamkeit-beibrachte) - [was Selbstwirksamkeit in Musik bedeutet](#was-selbstwirksamkeit-bedeutet-und-was-sie-mit-musik-zu-tun-hat) - [warum Anstrengung uns erfüllt](#warum-anstrengung-wichtig-f%C3%BCr-ein-erf%C3%BClltes-leben-ist) und - [warum wir uns trauen müssen, unperfekt zu sein](#unperfekt-sein-macht-uns-menschlich) ## Technologischer Fortschritt steigert Bequemlichkeit Je einfacher ich mein Leben gestalte, desto leerer fühlt es sich an. Vielleicht geht es dir genauso. Unser Essen bestellen wir online – kein Menschenkontakt. E-Mails an unsere Kollegen generieren wir – kein Denken. Musik prompten wir – kein Musiker, kein Instrument. Das zentrale Werbeversprechen vieler Techunternehmen und Onlinedienste lautet: „*Wir machen dein Leben einfacher und sparen Zeit. Du musst nur dafür bezahlen.*“ Seitdem ich Amazon Prime nutze, erzählt mir Ralf Schmitz jeden Abend, wie einfach es ist, mir ein Auto zu kaufen. „*Das machste nebenbei*“. Hast du hingegen keinen Bock mehr auf deine Rostlaube, erzählt dir der andere Ralf (Schuhmacher) im nächsten Spot, wie schnell du den Kübel wieder los wirst. Alle anderen Probleme bewerfen wir heute mit Künstlicher Intelligenz. Die wird das schon richten. Mir kommt es manchmal so vor, als ginge es bei neuen Technologien nicht um den Fortschritt, sondern um die Ausdehnung unserer Bequemlichkeit. Alles einfach, alles reibungslos. Klingt wie ein guter Deal. Doch Selbstwirksamkeit stärken wir nicht durch Bequemlichkeit, sondern durch Anstrengung. Das klingt nicht sexy, aber genau darin liegt der Sinn. Also was verlieren wir dabei, wenn alles bequemer wird? ## Gemini und Suno: Wie KI-Konzerne Musik falsch verstehen. Mit einem Google Gemini Account generierst du heute mit einem einfachen Prompt Musik auf Knopfdruck. Momentan beschränkt dich Google dabei noch auf 30 Sekunden. ![Screenshot des Google Gemini Interfaces, der die Option „Musik erstellen“ mit rotem Feld und Pfeil hervorhebt](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/04/gemini-user-interface-2.webp) Gemini Interface mit der Option zur Musikgenerierung Einen umfangreicheren Service bietet das Unternehmen [Suno](https://suno.com/?ref=markusdotzler.de). Suno wirbt damit, Musik „*für jeden zugänglich*“ zu machen. Ganze Lieder in wenigen Sekunden. Nie wieder müssen User Instrumente lernen, Musiktheorie pauken oder mit anderen Musikern zusammenzuarbeiten. Vergiss Beatlemania. In Zukunft öffnen wir nur noch unsere Brieftaschen, um einen Hit nach dem anderen zu produzieren. Eine Welt, in der Musik so zugänglich ist wie Computerspiele – eine coole Vorstellung, keine Frage. Doch irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass Mikey Shulman, der Mitbegründer von Suno, den Reiz an Musik überhaupt nicht versteht. In einem Interview sagt er: > It's not really enjoyable to make music now. It takes a lot of time. It takes a lot of practice. You need to get really good at an instrument or really good at a piece of production software. I think the majority of people don't enjoy the majority of the time they spent making music. #### Quelle [https://youtu.be/E0YL83U5VWk?si=0AYFHAkykxhJJTGT&t=1397](https://youtu.be/E0YL83U5VWk?si=0AYFHAkykxhJJTGT&t=1397&ref=markusdotzler.de) Laut Shulman bereitet uns Musik meistens keine Freude. Das Zuhören langweilt und das Lernen eines Instruments strengt zu sehr an. Frage: Wie sehr willst du Musikern und leidenschaftlichen Hörern auf die Füße treten? Shulmans Antwort: Ja. Suno will uns diese Reibung abnehmen. Wir müssen nur dafür bezahlen. Aber ist es das, was wir wollen? Mehr über die Musikindustrie im Zeitalter der KI erzählt Adam Neely in diesem Video. ## Was mir mein E-Bass über Selbstwirksamkeit beibrachte. ![Weißer Mann in Karo Hemd spielt E-Bass bei einem Auftritt](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/04/playing-bass-live.webp) Bei einem meiner letzten Auftritte. Mit 13 lernte ich E-Bass. Wie viele Stunden ich in den Jahren danach übte, kann ich nicht sagen. Aber es müssen Tausende gewesen sein. Heute spiele ich nicht mehr. Ein Nervenproblem in meinem Arm verhindert das. Doch obwohl ich nicht mehr spiele, betrachte ich die unzähligen Stunden nicht für eine Sekunde als vergeudet. Als [Teenager versagte ich in der Schule](https://www.markusdotzler.de/kein-talent/) auf ganzer Linie. Ich sammelte 5er und 6er, als würde ich Bingo spielen. In dieser Phase war mein E-Bass mein bester Lehrer. Während meine Anstrengungen in der Schule ins Nirvana führten, hörte ich am Bass unmittelbar das Ergebnis meiner Mühe. Nur weil ich in der Schule versagte, war ich kein Versager im Leben. So verinnerlichte ich, was Haruki Murakami auf den Punkt bringt: > Wenn ein Mensch etwas zutiefst und leidenschaftlich will, kann er es erreichen. #### Quelle Murakami, H. (2020). **Die Ermordung des Commendatore. Band 2: Eine Metapher wandelt sich* (U. Gräfe, Übers.; 1\. Auflage, genehmigte Taschenbuchausgabe). btb. S. 178. War das mit Reibung verbunden? Fuck, ja. Ich verbrachte Tage und Nächte mit Technikübungen und Tonleitern. Bei dem Versuch, Proben mit anderen Musikern zu organisieren, fielen mir wahrscheinlich bereits die ersten Haare aus. Doch trotz dieser Reibung denke ich manchmal so gerne an meine Zeit als Bassist zurück, dass ich Bauchschmerzen bekomme. *Keine Sorge, mein Arzt sagt, ich leide an Nostalgie, nicht an einem Magengeschwür.* Ja, es benötigt einiges an Anstrengung, bis wir ein Instrument beherrschen. Aber genau darin liegt der Reiz: Herausforderungen überwinden und Kompetenz aufbauen. ## Was Selbstwirksamkeit bedeutet (und was sie mit Musik zu tun hat) **Selbstwirksamkeit** bezeichnet die Erfahrung, dass wir durch unser Handeln einen Unterschied in der Welt bewirken. Wir strengen uns an, lösen Probleme und lernen, unser Leben aktiv zu gestalten. Der Glaube an unsere Fähigkeiten entsteht durch bewältigte Herausforderungen. Können wir unser Lieblingsriff von *Linkin Park* auf der Gitarre spielen, probieren wir uns irgendwann auch an *Tool* oder *Dream Theater* (vorausgesetzt wir [üben bewusst](https://www.markusdotzler.de/richtig-ueben/)). Mein Instrument war keine Nebensache, die ich aus dem Weg räumen musste, um endlich Spaß zu haben. Es war Ausdruck meiner Kompetenz und formte meine Persönlichkeit. Wenn ich daran denke, dass manche Menschen in der Zukunft vielleicht *nicht* zu einem Instrument greifen, weil ihnen irgendein KI-Unternehmen erzählt, wie unnötig schwer das doch alles sei, bricht mir das ein bisschen das Herz. Für Mikey Shulmans Ansicht, Musik wäre „*not enjoyable*“, sehe ich zwei Erklärungen: 1. Er versteht grundsätzlich nicht, was Menschen an einem Instrument reizt. Dann verstünde er aber auch nicht, warum wir Fremdsprachen lernen, Schach spielen oder Sport treiben. 2. Er versteht, dass er verdammt viel Geld damit verdient, wenn er Menschen verklickert, dass sich das Lernen eines Instruments nicht lohne und Musikproduktion unnötig kompliziert sei. Doch wenn wir das Streben nach Kompetenz im Namen der Bequemlichkeit oder „*User Experience*“ aufgeben, verlieren wir nebenbei etwas viel wertvolleres. ## Warum Anstrengung wichtig für ein erfülltes Leben ist. ![Bild des Buches 4000 Wochen von Oliver Burkeman (weißes Cover mit gelben Bananen)](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/04/4000-weeks-book-Kopie.webp) Oliver Burkeman beschreibt in seinem Buch „[4000 Wochen](https://www.piper.de/buecher/4000-wochen-isbn-978-3-492-05816-2?ref=markusdotzler.de)“, wie wir uns durch die Suche nach Effizienz und Bequemlichkeit durch schnelle, einfache Lösungen selbst betrügen. > Ganze Branchen leben heute von dem Versprechen, uns bei der Bewältigung einer überwältigenden Menge an Aufgaben zu helfen, indem sie uns lästige und zeitraubende Tätigkeiten abnehmen oder diese beschleunigen. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, (...) dass das Leben unmerklich schlechter wird. #### Quelle Burkeman, O. (2022). **4000 Wochen: Das Leben ist zu kurz für Zeitmanagement* (H. Lutosch, Übers.). Piper. S. 64. Menschen tragen das Bedürfnis in sich, Herausforderungen zu bewältigen und Erfolge zu erfahren. Psychologen nennen das „[*Need for Achievement*](https://en.wikipedia.org/wiki/Need%5Ffor%5Fachievement?ref=markusdotzler.de)“. Doch wo versteckt sich das „*Achievement*“, wenn wir Lieder in Sekunden prompten? Jemand, der in dem Glauben aufwächst, ein Musikinstrument sei Zeitverschwendung, erfährt niemals, wie wertvoll dieser Prozess *trotz seiner Reibung* ist. Und diese Reibung entfernen wir gerade aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen. Zum Beispiel beim Pizza bestellen. Kein Witz. ### Beispiel 1: Pizza bestellen ohne Reibung. Dank Lieferando könnte ich mir jeden Tag 'ne Quattro Formaggi zwischen die Kiemen schieben und müsste mich dabei nicht einmal den entsetzten Blicken der Restaurantinhaber aussetzen. Die Lieferdienste eliminieren jegliche Reibung. Trotzdem ruf ich bei der Pizzeria meines Vertrauens lieber an oder geh direkt hin und – Achtung! – *warte* auf mein Essen. *Manchmal sogar ohne Smartphone – IGITT IGITT*! Aber als ich eines schönen Tages auf meine Quattro Formaggi warte, bietet mir der Inhaber der Pizzeria doch tatsächlich einen Kaffee an – *kostenlos*?! Wo gibt's denn sowas noch? Wir wechseln ein paar Worte – hauptsächlich über Kaffee. Ich kann sehr lange über Kaffee reden. Der Inhaber scheinbar auch. Wurden wir dadurch beste Freunde? Nö. Reden wir jetzt jedes Mal miteinander? Nö. Aber komischerweise esse ich seit diesem Tag meine Pizza dort noch lieber. Je mehr wir auf Onlinedienste zurückgreifen, um Reibung zu vermeiden, desto häufiger berauben wir uns auch dieser Kontakte – und verpassen dabei auch noch kostenlosen Kaffee. ### Beispiel 2: Bloggen ohne Reibung. Auch das Internet füllt sich mit Bequemlichkeit. Als Blogger sind mir persönlich vor allem Videos ein Dorn im Auge, die erklären, wie wir dank KI völlig automatisiert – von der Idee bis zur Veröffentlichung – ganze Artikel mit Tausenden Wörtern generieren. Keine Recherche, kein lästiges Schreiben und keine Korrektur. Menschen legen nur noch fest, wie viele Artikel sie pro Tag veröffentlichen wollen. Den Rest erledigt das LLM. Wer seine Texte noch selbst schreibt, hält damit nicht Schritt. Doch das Prompten eines Blogbeitrags erzeugt niemals die Genugtuung, die nur dann entsteht, sobald ich auf „*Veröffentlichen*“ drücke und weiß, dass *ich* den Artikel geschrieben habe. Wenn ich heute meine alten Beiträge lese, muss ich manchmal schmunzeln, wie schlecht sie klingen. Aber das verrät mir gleichzeitig, dass ich mich weiterentwickelt hab. Genauso wie damals bei meinem E-Bass. Diesen Stolz vermittelt mir keine künstliche Intelligenz, sondern nur meine eigene. ## Anstrengung ist ein Feature, kein Bug. In manchen Bereichen lohnt es sich, Reibung zu eliminieren. Die Online-Terminvergabe bei meinem Zahnarzt finde ich verdammt praktisch. Ich versteh auch, dass sich die Menschen beim Autoverkauf weniger Kopfschmerzen wünschen, obwohl ich das Gesicht von Ralf Schuhmacher langsam nicht mehr sehen kann. Wir müssen unser Leben nicht verkomplizieren, nur um zwanghaft Anstrengung zu erleben. Auch für Künstliche Intelligenz bestehen relevante, praktische Einsatzmöglichkeiten. Mir fällt jedoch auf, dass wir uns bei der Unterscheidung, was ein sinnvoller Einsatz bedeutet, ziemlich gedankenlos verhalten. Als würden wir in einem selbstfahrenden Auto durch den Wald kurven und uns darüber aufregen, dass das Wandern irgendwie keinen Spaß mehr macht. „*Wenn man den Prozess bequemer macht, beraubt man ihn seiner Bedeutung*“, sagt Burkeman. #### Quelle Burkeman, O. (2022). S. 66. Reibung wirkt manchmal wie ein Fehler, ist aber oft der Grund, warum sich viele Aktivitäten in unserem Leben so lohnenswert anfühlen. Der Amerikaner würde sagen: *It's a feature, not a bug.* ## Unperfekt sein macht uns menschlich. Als ich das erste Mal „*Roxanne*“ von The Police am Bass lernte, schepperten die Saiten und ich zeigte das Rhythmusgefühl eines Kindergeburtstages beim Topfschlagen. Die ersten Texte auf meinem Blog lesen sich heute, als hätten sich die Eltern auf besagtem Kindergeburtstag für einen Schreibkurs statt für Topfschlagen entschieden. Meine Cover und Blogbeiträge sind keine Kunstwerke. Aber wer sagt denn, dass sie das sein *müssen*? Reicht es nicht, dass sie das Ergebnis meiner Anstrengung sind? Deshalb bleibe ich auch weiterhin skeptisch gegenüber dem Versprechen der Unternehmen. Es mag sein, dass sie unser Leben vereinfachen möchten. Doch dabei ziehen sie uns nicht nur das Geld aus der Tasche. Vielleicht berauben sie uns gleichzeitig unserer Menschlichkeit. Und wenn wir die erst mal vermissen, ist es vielleicht schon zu spät für uns. PS: Die Lösung sehe ich auch nicht in einer digitalen Hexenjagd. Mehr dazu findest du hier: [Falco und das Schreiben im KI-ZeitalterÜber das Schreiben im KI-Zeitalter![](https://www.markusdotzler.de/content/images/icon/Logo-1_1-5-be11ec1a-e762-469e-89c7-62dc71dc72a5.png)Markus Dotzler BlogMarkus Dotzler![](https://www.markusdotzler.de/content/images/thumbnail/Geh-bitte--des-hod-doch-da-gscheite-Automat-gschissn--1200-x-800-px--bbd7b58f-4421-461f-b27c-49d62948100b.jpg)](https://www.markusdotzler.de/ki-vorwuerfe-beim-schreiben/) ****Bleibst auch du skeptisch?** Mit meinem Newsletter verpasst du keinen Impuls. Auf meinem Blog schreibe ich regelmäßig über Fokus in einer Welt voller Ablenkung, selbstbestimmte Lebensführung und persönliches Wachstum. Mit Psychologie und Philosophie untermauert. Kein Spam. Kein Doomscrolling. Keine KI. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ### Fuck Up #2: Mein Blog war 1,5 Jahre unsichtbar (04/26) URL: https://www.markusdotzler.de/blog-nicht-bei-google-gefunden/ Last updated: 2026-06-20T10:16:32.000Z Es ist mal wieder Zeit für meinen nicht ganz so monatlichen **Monthly Fuck Up**. Heute geht's um **SEO** (SeArCH EnGinE OpTiMiZatIoN), warum ich 1,5 Jahre bei Google unsichtbar war und was du aus meiner Dummheit lernen kannst. ## Blogupdate März 2026: SEO statt Social Media Im März traf ich die Entscheidung, erst mal nicht mehr auf *Social Media* zu posten. Wahrscheinlich werde ich mich dafür irgendwann in einem *Monthly Fuck Up* schelten, aber momentan fühlt es sich richtig an. Da fast der ganze Traffic meiner Homepage von *Threads* stammte, steppt hier momentan der Bär genauso feierwütig wie auf einer Beerdigung. Also musste ich mir etwas überlegen. Wie finden Menschen meinen Blog, wenn ich ihn nicht aktiv auf Social Media bewerbe? Die Antwortet lautet (*vielleicht*): **Google**. Menschen suchen, Google antwortet. So entsteht organischer Traffic. Und wenn ich dafür sorge, dass Google meine Artikel nutzt, um Suchen zu beantworten, dann finden die Menschen meinen Blog und ich werde reich, sexy und überhaupt nicht arrogant. Das ist der Kern von *Search Engine Optimization*: - Schritt 1: Du schreibst Inhalte, die echten Mehrwert bieten. - Schritt 2: Du gestaltest sie, sodass Google kapiert, wem es was vorschlagen soll. Das freut die Nutzer und wenn sich die Nutzer freuen, freut sich Google, denn damit verdient Google Geld. SEO war bis vor 2 Wochen ein Thema, um das ich mich schon längst gekümmert hatte... dachte ich. Zeit für meinen Fuck Up des Monats. ## Mein Fuck Up: SEO ist keine Selbstverständlichkeit Als ich meine Social Media Posts beende, sinken die Besucherzahlen meiner Homepage auf 0\. Das tut erst mal weh. Ich schreibe schließlich seit 1,5 Jahren Artikel. Dieser Fuck Up ist bereits Artikel Nummer 50 (YIPPIE). In meiner Naivität gehe ich davon aus, dass 50 Artikel doch zumindest IRGENDWO in der Google-Suche auftauchen. ### Wie Google funktioniert (einfach ausgedrückt) Verzweifelt werfe ich einen Blick in meine Google Search Console. Das ist sowas wie ein Verzeichnis, das dem Homepage-Betreiber zeigt, welche Inhalte in Google auftauchen. Damit Inhalte auftauchen, muss Google sie zuerst *indexieren*. Stell dir das vor wie damals bei den gelben Seiten. Wer dort nicht drinsteht, bleibt unsichtbar für die Öffentlichkeit. Im Normalfall geschieht das automatisch. Google sucht regelmäßig das gesamte Internet ab, um festzustellen, welche Inhalte existieren und welche es davon ins „Telefonbuch“ aufnimmt. Und da ich technische Themen in Bezug auf meine Homepage so gerne prokrastiniere, verlasse ich mich darauf, dass damit alles stimmt. ### Der SEO Schock für meinen Blog Doch als ich in meine Search Console gucke, stelle ich fest, dass nur ein winziger Bruchteil meiner Homepage im Index steht. Das bedeutet, dass du meine Artikel nicht mal dann findest, wenn du Wort für Wort nach ihnen suchst. ![Screenshot of Google Search Console showing 155 unindexed (grey) and 25 indexed (green) pages.](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/04/google-search-console-snippet.webp) Indexierungsstatus meiner Seite zum 24.03.2026. In diesem Moment sinkt mir das Herz in den Magen. Nach fast 1,5 Jahren Bloggen, nach mehr als 80.000 (!) geschriebenen Wörtern und Hunderten Stunden an Arbeit, bin ich auf Google unsichtbar. Von meinen damals ca. 48 Artikeln befinden sich lediglich 11 im Index. Nicht einmal mein damals neuer Artikel [„Wie du im Gym wie in World of Warcraft levelst“](https://www.markusdotzler.de/training-gamifizieren-anleitung/) steht drin. Dabei hatte ich dafür sogar eine [Videoanleitung](https://www.youtube.com/watch?v=K-9e8AAkCiE&ref=markusdotzler.de) angefertigt. Das war ein absoluter Schlag in den Magen. Das Posten auf Social Media aufgeben, aber nicht in Googles Telefonbuch stehen. Was für ein **Fuck Up**. ### Was ich bei SEO falsch machte Es wäre leicht, die Schuld auf Google zu schieben. Doch falls du mich persönlich kennst (was 100 % meiner Leser tun), weißt du auch, dass das nicht meine Art ist. Also stellen wir uns meine Lieblingsfrage: Was hab ich abgrundtief verkackt? Den Großteil aller Fehler auf meiner Homepage verursache ich als Betreiber selbst. Das ist leider Fakt. Als Grund dafür erkenne ich bei mir eine Hemmung, mich in technische Themen einzuarbeiten. Deswegen wechselte ich im Januar z.B. auch das Betriebssystem meiner Homepage von Wordpress zu Ghost. Ghost beschränkt mich zwar stärker im Design, aber nimmt mir auch viel technische Last von den Schultern. Bei meinem Google-Problem erkenne ich die gleiche Neigung. Ein gewissenhafter Homepagebetreiber hätte früher festgestellt, dass der Großteil seiner Inhalte nicht im Internet steht. Als ich mich damals auf der Google Search Console anmeldete, reichte ich meine Homepage zur Indexierung ein und hakte das Thema ab, ohne es weiterzuverfolgen. Ich hatte einfach keinen Bock, mich mit noch einem technischen Kopfschmerz auseinanderzusetzen. Deshalb guckte ich mir auch die Auswertungen der Search Console nicht an, die mich auf Probleme bei der Indexierung hinwiesen. Ganz schön naiv. Wer sich für eine Homepage entscheidet, trägt nun mal auch die Verantwortung, sich in technische Themen einzuarbeiten. Dafür muss niemand ein IT-Crack sein, aber sich zumindest ein grundlegendes Verständnis aneignen. Und genau dieses grundlegende Verständnis behandelte ich bis vor zwei Wochen ziemlich stiefmütterlich. An diesem Verhalten trägt Google keine Schuld. Dafür ist niemand anderes verantwortlich als ich selbst. Unabhängig von Social Media sein, aber sich nicht um die Technik auf der eigenen Homepage kümmern wollen – die Ironie entgeht mir nicht. ## Was ich gelernt hab (und wie du es besser machst) 2 Lektionen, die ich daraus mitnehme, können dir auch dann helfen, wenn du selbst keine eigene Homepage betreibst: ### Lektion #1: Mindset, Mindset, Mindset Dunning und Kruger bemerkten, dass sich vor allem inkompetente Menschen selbst überschätzen. Sie halten sich für die Größten, weil sie ihre Unfähigkeit nicht angemessen beurteilen können. Immer wieder erwische ich mich selbst dabei, in die Falle des Dunning-Kruger-Effekts zu tappen. Ich halte mich für „*tech-savvy*“, weil ich mit Computern aufwuchs und nehme dadurch irrtümlich an, technisch kompetent zu sein. Selbstwahrnehmung fällt Menschen unheimlich schwer. Deshalb übe ich mich in diesen Fuck Up Artikeln in Selbstreflexion, indem ich offen über Fehler schreibe. Fehler lassen sie sich niemals vollständig vermeiden. Doch ich hoffe, dass ich zumindest schlauer aus ihnen werde, wenn ich mich mit ihnen auseinandersetze. Die Grundlage dafür ist die persönliche Einstellung: 💡 ****Verantwortung übernehmen.** Auch wenn wir denken, dass wir an einem Fehler unbeteiligt sind. Die Schuld z.B. nicht auf Google zu schieben, erlaubt mir, Lücken in meinem Wissen zu schließen. 💡 ****Über Fehler schreiben.** Das muss nicht öffentlich geschehen wie hier. Doch es hilft, sich aktiv mit Fehlern auseinanderzusetzen. Meine Fuck Ups fallen mir zwar schwer, doch ich sehe sie als gute Übung. 💡 ****Auf Muster achten.** Wenn wir nicht auf Ähnlichkeiten achten, treten wir immer wieder in dieselbe Falle. Technische Themen aufzuschieben erkenne ich definitiv als Muster in meinem Leben. Welche Muster erkennst du? Falls du dein Wissen über den [**Dunning-Kruger-Effekt**](https://www.markusdotzler.de/dunning-kruger-effekt/) noch mal auffrischen willst, verlinke ich dir dazu einen ausführlichen Artikel. Ich lese ihn mir wohl am besten auch noch mal durch. ### Lektion #2: Basics, Basics, Basics Der Dunning-Kruger-Effekt erinnert auch daran, unser Grundlagenwissen zu hinterfragen. Die Basics sehen wir manchmal als völlig selbstverständlich, wodurch wir in unserem Verständnis nicht erkennen. Vielleicht sind deshalb Gespräche mit Kindern, die gerade in der „*Warum*“-Phase stecken, für uns Erwachsene so frustrierend. Jedes „*Warum*“ deckt eine mögliche Wissenslücke auf. Kinder führen sie uns durch ihre Neugier vor Augen. Um zu überprüfen, ob wir wirklich kompetent sind oder bloß unserer Wahrnehmung erliegen, fallen mir zwei Methoden ein: ****Einfache Fragewörter.** Die W-Fragen sind der einfachste Selbsttest. Warum ist diese Information für meinen Job wichtig? Wie funktioniert eigentlich die Gangschaltung an meinem Fahrrad? Was geschieht, wenn ich diese Einstellung an meiner Kamera ändere? ****Feynman-Technik.** Der Physiker Richard Feynman überprüfte sein Verständnis, indem er komplexe Sachverhalte anderen Menschen in einfachen Worten erklärte. Gelang ihm das nicht, sah er es als seinen Fehler. Die Feynman-Technik hilft, das eigene Wissen zu überprüfen. Denn wenn andere unsere Erklärung nicht kapieren, verstehen wir es selbst nicht. Für mich als Homepagebetreiber bedeutet das, zumindest die Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung (SEO) zu verstehen. Mein Verständnis überprüfe ich, indem ich z.B. meiner Freundin davon erzähle. Dabei teste ich gleichzeitig ihren Geduldsfaden. Toll. Seit 2 Wochen lese ich mich in das Thema SEO ein. Dadurch sind mir bereits viele Fehler auf meiner Homepage aufgefallen. Einige davon konnte ich schon beheben. Der Trostpreis an der ganzen Geschichte? All meine Artikel stehen mittlerweile zumindest im Index. Yippie. 💡 Quick Win: Falls du schnell überprüfen willst, welche Seiten deine Leser von dir online finden, tippe einfach „site:namedeinerhomepage.de“ in das Suchfenster ein. Außerdem stelle ich heute fest, dass mich mein SEO Fuck Up nicht demotivierte oder ich mir dachte: „*So ein Mist, jetzt muss ich mich auch noch damit beschäftigen*.“ Im Gegenteil: Mich hat der Vorfall angespornt, meine Homepage auf Vordermann zu bringen. Das ist vielleicht sogar die motivierendste Erkenntnis überhaupt: 💡 Wenn du merkst, dass dir etwas wichtig ist und du dich dafür sogar auf ein unliebsames Thema stürzt, dann hast du vielleicht etwas gefunden, für das du gerne kämpfst. Ich berichte regelmäßig offen und ehrlich über meine Fehler als Blogger, Content Creator und Mensch – und was ich aus ihnen lerne. Kein Spam. Nur echte Erfahrungen. [Bleib auf dem Laufenden. ](#/portal/signup/free) --- Allen, die ein Interesse am Bloggen besitzen, gebe ich zum Abschluss noch ein paar persönliche Empfehlungen mit. Allen anderen Lesern sag ich hier bereits Ciao, danke für eure Zeit und bis zum nächsten Artikel. Liebe Grüße von Markus – der Typ, der jetzt im Telefonbuch steht ## Was Blogger wissen müssen ### 1\. Überdenke deine Optionen, bevor du loslegst Um Inhalte zu veröffentlichen, benötigst du heute nicht zwingend eine Homepage. Wer schreiben will, kann auf Substack veröffentlichen. Für Videos gibt's Youtube. Für schnelle Klicks reicht Social Media. Damit will ich nicht sagen, dass du keine Homepage starten solltest. Ich glaube nur, dass manchen Menschen die Inhalte wichtiger sind, als sich um die Technik zu kümmern. Falls du das bist, guck dir Substack, Medium, Youtube oder die gängigen Socials an. Alles kommt mit Vor- und Nachteilen. Ich persönlich bin happy mit meiner Homepage und kann diesen Weg vielen Menschen empfehlen. Müsste ich aber noch mal von vorne starten, sähe Substack ziemlich attraktiv aus. ![white man (representing all bloggers) gazing after a stranger (representing substack) while his wife (representing his homepage) looks at him angry](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/04/distracted-boyfried-meme-substack.webp) ### 2\. Lern die SEO-Basics Die Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung helfen nicht nur, um auf Google höher in den Suchergebnissen aufzutauchen. Über SEO bin ich z.B. auch auf Probleme mit der Ladegeschwindigkeit meiner Seite gestoßen und frage mich, welche Erwartungen meine Artikel auslösen oder wie ich sie ansprechender gestalte. SEO bedeutet im Kern, eine attraktive Umgebung für die eigenen Leser zu schaffen und verliert trotz Künstlicher Intelligenz nicht an Wert. Deshalb empfehle ich folgende Bücher, falls du eine Homepage startest oder du sie bereits betreibst, aber keine Ahnung von SEO hast: - SEO 2026 von Adam Clarke - Suchmaschinen-Optimierung für Dummies von Julian Dziki ### 3\. Indexiere deine Beiträge manuell Nie wieder überlasse ich die Indexierung Google. Sobald ich einen Artikel online nehme, öffne ich meine Search Console und überprüfe, ob Google den Link findet. Danach beantrage ich sofort die Indexierung, damit mein Beitrag möglichst schnell erscheint. Ich kann dir nicht sagen, ob das die „Best Practice“ ist. Online lese ich, dass Google die Indexierung im Normalfall selbst erledigt. Vor allem bei größeren Seiten geht das schnell. Bei kleineren Blogs geschieht das allerdings viel langsamer (oder lange gar nicht). Eine unbekannte Homepage mit nur wenigen aktiven Links übersieht Google gerne mal. Deshalb überprüfe ich meine Artikel manuell. Das kostet mich keine 30 Sekunden und ich erledige zumindest alles, was ich selbst beeinflussen kann. Das beruhigt mich. --- Das sind die 3 Tipps aus meiner persönlichen Erfahrung für angehende Blogger: - Erwäge Alternativen zu einer eigenen Homepage. - Lern die SEO-Basics (und reich deine Sitemap bei der [Google Search Console](https://search.google.com/search-console?ref=markusdotzler.de) ein). - Indexiere deine Beiträge manuell Einen guten Artikel zu diesem Thema verlinke ich dir hier: [Google findet deine Seite nicht? Daran kann es liegenWenn deine Seite bei Google nicht gefunden wird, können Probleme der Indexierung dahinterstecken. Hier erfährst du, wie sie aufdeckst und löst.![](https://www.markusdotzler.de/content/images/icon/cropped-StrategieVier-Favicon-270x270.png)StrategieVier GmbHMichael Hohenleitner![](https://www.markusdotzler.de/content/images/thumbnail/StrategieVier-Wegagentur-Webentwicklung-010.jpeg)](https://strategievier.de/seo/wissen/technische-seo/indexierung/?ref=markusdotzler.de) Bei Fragen, melde dich gerne. Ich hab viel falsch gemacht, aber auch viel gelernt und kann dir helfen. Viel Erfolg und lass dich nicht von der Technik ärgern. ### Informationsflut überwinden: So rettest du dein Gehirn. URL: https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/ Last updated: 2026-10-04T11:17:32.000Z Dein Gehirn steht kurz vor dem Infarkt, denn es rennt jeden Tag von Hamburg nach Paris. Hier erfährst du, warum uns *Information Overload* mental erschöpft und wie wir die Informationsflut überwinden. ## Alles über Information Overload auf einen Blick. - Informationsüberflutung bezeichnet das Gefühl der Überforderung im täglichen Umgang mit einer Vielzahl an Reizen. - Unser Informationspensum hat durch TV, Radio, Print, Internet und eine Fülle an digitalen Technologien rapide zugenommen. - Das Gefühl der Überforderung könnte sich durch die Funktionsweise des Gedächtnisses, unserer Veranlagung zum Monotasking und die „*unerträgliche Langsamkeit*“ des Gehirns erklären. - Informationsüberflutung kann sich als Erschöpfung, Gereiztheit, innerer Unruhe, Aufmerksamkeitsdefizite und Stress bemerkbar machen. - Konzerne, Marketingagenturen und Content Creator (*sorry*) kämpfen um Aufmerksamkeit und erhöhen deshalb die Reizintensität ihrer Botschaften, was die Informationsüberflutung weiter antreibt. - Ein lebenslanger Verzicht auf Informationen ist keine alltagstaugliche Lösung, ein bewusster Umgang hingegen schon. - Das DOPAMINE-Framework von Dr. Anna Lembke kann dir helfen, den Reset-Knopf zu drücken, sobald du ein bestimmtes Verhalten als problematisch erkennst. - 30 Tage Digital Detox oder einfach nur eine Teildiät versetzen deinen Dopamin-Haushalt in seinen Ausgangszustand, damit du klarer siehst, wie du in Zukunft mit Nachrichten, Social Media und TV umgehen willst. Aber Vorsicht: [Digital Detox funktioniert besser unter dieser Bedingung](https://www.markusdotzler.de/digital-detox-was-funktioniert-tipp/). Du willst tiefer graben? Dann lass uns jetzt in den Artikel einsteigen. ## Was ist *Information Overload*? *Information Overload* heißt in Deutschland [**Informationsüberflutung**](https://de.wikipedia.org/wiki/Informations%C3%BCberflutung?ref=markusdotzler.de)**.** Sie bezeichnet das Gefühl der Überforderung im Umgang mit Informationen. Jeden Tag buhlen E-Mails, Nachrichten, Werbung, Social Media (mit all dem Wust an [Hate](https://www.markusdotzler.de/wie-du-mit-negativen-kommentaren-umgehst/) und Aufmerksamkeitshascherei) und auch Blogs wie dieser um die Aufmerksamkeit der Menschen. Die Menge an Inhalten steht jedoch in keinem Verhältnis zu unserer Zeit und Kapazität, sie zu verarbeiten. So entsteht *Informationsüberflutung*. Wir kämpfen mit Sandsäcken gegen Hochwasser und ertrinken allmählich in einem Meer voll Content. Doch wie konnte es so weit kommen? ## Wie sich die Informationsflut entwickelte. In den letzten Jahren stieg die Menge an Informationen dramatisch. Rechnet man TV, Radio und Print zusammen, konsumierten die Menschen bereits 1986 täglich das Äquivalent von 40 Zeitungen pro Tag. Bis 2007 verdreifachte es sich auf über 174 Zeitungen. #### Quelle Hari, J. (2021). **Stolen focus* (First edition). Crown. S. 40. Im selben Jahr stellte Steve Jobs dann das [iPhone](https://de.wikipedia.org/wiki/IPhone%5F%281.%5FGeneration%29?ref=markusdotzler.de) vor. Heute begleiten uns E-Mails, Social Media und Nachrichtenportale in die Pause, die U-Bahn und aufs Klo. Dank Smartphones, Tablets, Fernseher und Laptops prasseln heute [mind. 74 GB an Daten](https://www.minecheck.com/posts/your-brain-is-processing-more-data-than-you-would-ever-imagine/?ref=markusdotzler.de) auf uns ein. Das sind umgerechnet mindestens 350 Zeitungen. *Stell dir den gestressten Postboten vor, der dir jeden Tag 350 Zeitungen in die Bude schleppt. Der arme Kerl – und deine arme Wohnung!* Wie viel unser Postbote in den nächsten Jahren noch schleppen wird, kann niemand sagen. Schließlich können wir uns heute dank Künstlicher Intelligenz mit Google unterhalten. Doch hier wird's knifflig. Theoretisch kann das Gehirn eine unvorstellbare Menge an Informationen speichern. Also warum erschöpfen wir dabei? ## Was Informationsflut mit deinem Gehirn macht. Um das herauszufinden, habe ich mein Gehirn für dich mit Fachliteratur geflutet (*welch Ironie!*). Unangenehm wie das Kind in der letzten Reihe sind mir dabei das Gedächtnis, Multitasking und die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gehirns aufgefallen. ****Spoiler:** Die drei sind eigentlich unschuldig **(so wie ich damals in der letzten Reihe).* ### 1\. Das Gedächtnis ist ein schlechter Jongleur Jeden Tag filtert das **Ultrakurzzeitgedächtnis** (UKZG) eine unvorstellbare Menge an Reizen, ohne dass wir etwas davon bemerken. Alles Unwichtige fliegt sofort raus. 💡 Das UKZG ist sowas wie eine Hochleistungsrezeption, bei der sich eine Information anmeldet, bevor wir uns um ihr Anliegen kümmern. An diesem Punkt kommt Marketing ins Spiel. Werbeagenturen, Nachrichtensender und Influencer nutzen Geräusche, Farben und Emotionen, um dem Gehirn zu signalisieren: „*Beachte mich, ich bin wichtig!*“. Dadurch drängen sich täglich Millionen von Besuchern in die Eingangshalle und schreien laut, warum ausgerechnet sie einen Termin mit dem Chef benötigen. Das UKZG muss dabei in Millisekunden entscheiden, welche Informationen *wirklich* (*also wirklich wirklich*) relevant sind. Die Qualitätskontrolle versagt und immer mehr Inhalte landen auf der nächsten Stufe, dem **Kurzzeitgedächtnis** (KZG). Das KZG kann jedoch viel weniger Informationen aufnehmen als das UKZG. Früher nahmen Psychologen an, dass sich Menschen zwischen 5 und 9 Informationen gleichzeitig merken (die bekannte **7±2-Regel**). *Vergiss das*, denn die 7±2-Regel berücksichtigt **Chunking** nicht angemessen. Statt uns 0172 als 4 unabhängige Ziffern vorzustellen, erkennen wir sie als Vorwahl (*Chunk*). Genauso wie wir uns das Wort Chunk nicht als einzelne Buchstaben einprägen. Neuere Schätzungen gehen deshalb davon aus, dass unser KZG lediglich mit 3-5 (*gechunkten*) Informationen gleichzeitig jongliert. Da wir ihm jedoch immer mehr Bälle zuwerfen, überfordern wir es. Das Ergebnis? **Information Overload**. Ob daran jedoch unser Gedächtnis Schuld ist oder die Menge und Emotionalität der Inhalte, darfst du selbst entscheiden. #### Quelle für dieses Kapitel Richard J. Gerrig & Philip G. Zimbardo (with Dörfler, T., & Roos, J.). (2016). **Psychologie* (A. Klatt, Übers.; 20., aktualisierte und erweiterte Auflage). Pearson. S. 243ff. ### 2\. Das Gehirn ist ein schlechter Multitasker. E-Mails beantworten UND dem Meeting folgen? Auf Instagram doomscrollen UND dem Partner zuhören? Youtube gucken UND nach dem nächsten Youtube-Video suchen? *Glaub mir, ich kenn's. Aber bitte lass uns damit aufhören.* [**Menschen sind keine Multitasker**](https://www.markusdotzler.de/multitasking-illusion/), auch wenn viele das glauben. 💡 Unser Gehirn ist kein Computer, der Aufgaben parallel bearbeitet. Stattdessen wechselt es blitzschnell hin und her. #### Quelle Bannister, F., & Remenyi, D. (2009). **Multitasking: The Uncertain Impact of Technology on Knowledge Workers and Managers*. S. 2ff. Ich weiß, was du jetzt sagst. Ja, du kannst Kochen und gleichzeitig Podcast hören. Doch wenn das Nudelwasser überläuft, kriegst du vom Podcast nichts mehr mit. Deshalb ist das Wort **Multifokussierung** zutreffender. Ständig unsere Aufmerksamkeit neu auszurichten ist anstrengend und führt langfristig zu mentaler Erschöpfung. Das äußert sich z.B. durch: - weniger Erinnerungen - Konzentrationsprobleme - möglicherweise sogar ein Verlust von Hirnzellen #### Quelle - **Gedächtnis*: Hari, J. (2021). S. 40. - **Aufmerksamkeit*: Naish, J. (2010). **Genug: Wie Sie der Welt des Überflusses entkommen*. Bastei Lübbe Taschenbuch. S. 270. - **Hirnzellen*: Dobelli, R. (2020). **Die Kunst des digitalen Lebens: Wie Sie auf News verzichten und die Informationsflut meistern*. Piper. S. 115. Diese Erkenntnisse sind angesichts einer Studie der Soziologin Noelle Chesley problematisch. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass digitale Technologien Multitasking fördern. #### Quelle Chesley, N. (2014). Information and communication technology use, work intensification and employee strain and distress. **Work, Employment and Society*, **28*(4), 589–610. Findet ein Meeting online statt, gehört es für viele Menschen zur gängigen Praxis, nebenbei etwas anderes zu erledigen. Genauso wie wir manchmal in Doomscrolling versinken, obwohl wir eigentlich eine Serie gucken. So überlasten wir unser Arbeitsgedächtnis (*denk an die 3-5 Chunks*), erschöpfen und erinnern uns am Ende des Tages schlechter daran, was passiert ist. Auch hier frage ich dich, ob es wirklich die Schuld unseres Gehirns ist, dass es am liebsten eine Aufgabe nach der anderen bearbeitet oder ob uns die [**Fear Of Missing Out**](https://de.wikipedia.org/wiki/Fear%5Fof%5Fmissing%5Fout?ref=markusdotzler.de) (FOMO) zu unnatürlichem Verhalten antreibt? ### 3\. Das Gehirn ist „*unerträglich langsam*“. Wir wissen nun, dass das Kurzzeitgedächtnis schnell überlastet und wir schlecht multitasken. Zu allem Überfluss arbeitet unser Gehirn aber auch noch „*unerträglich langsam*“. [Jieyu Zheng und Markus Meister vom California Institute for Technology](https://www.caltech.edu/about/news/thinking-slowly-the-paradoxical-slowness-of-human-behavior?ref=markusdotzler.de) berechneten, dass das Gehirn Informationen mit einer ernüchternden Geschwindigkeit von ca. **10 Bit pro Sekunde** verarbeitet. #### Quelle Zheng, J., & Meister, M. (2025). The unbearable slowness of being: Why do we live at 10 bits/s? **Neuron*, **113*(2), 192–204. Um das einzuordnen: Selbst die allerersten [Modems der 1960er](https://de.wikipedia.org/wiki/Modem?ref=markusdotzler.de) Jahre waren mindestens 10 Mal schneller. Um die 74 GB an Daten herunterzuladen, die wir heute täglich konsumieren, benötigt eine 10-Bit-Leitung fast *2000 Jahre*! *Hätte Jesus von Nazareth als Jungspund schon eine Internetleitung besessen, wäre er heute erst fertig mit dem Download – und das für nur einen Tag.* Nehmen wir einmal an, das Gehirn wäre ein Modem, das jede Sekunde 10 Bit herunterlädt, während wir wach sind. Bei 8 Stunden Schlaf (*Eltern schütteln jetzt vermutlich mit dem Kopf*) addiert sich das zu 576.000 Bits oder 72 Kilobyte pro Tag. Vielleicht sagen dir Bits und Bytes genauso wenig wie mir. Setzen wir die 72 Kilobytes also mit Zentimetern gleich, um das Ganze zu veranschaulichen. Wir erhalten dadurch in etwa eine Schrittlänge. Das ist die Distanz, die das Gehirn jeden Tag läuft. Die 74 GB ergeben im Verhältnis dazu *750 Kilometer*. 💡 Während das Gehirn mit nur **einem Schritt vor die Haustür* beschäftigt ist, verlangt die moderne Welt von uns, ***jeden Tag einen Ultra-Marathon von Hamburg nach Paris** zu laufen. Obwohl das UKZG den Großteil der 74 GB aussortiert und somit nicht jeden Kilometer der Strecke selbst läuft, muss es die Daten trotzdem filtern, denn es könnte ja etwas wichtiges dabei sein. Stell dir das vor, als müsstest du die Strecke von Hamburg nach Paris jeden Tag mit dem Auto abfahren und dabei deinen Schlüssel und Geldbeutel suchen. Wäre ich ein Gehirn, hätte ich auf diese ständige Suche auch keine Lust. Ich find ja meinen Schlüssel schon zu Hause nicht! ## Die Folgen kognitiver Überlastung. Informationsüberflutung ist ein reales Phänomen (*nein, du bist nicht allein damit*). Eine [Befragung der *bitkom research*](https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Nachrichtenflut-im-Netz-Jeder-und-jede-Zweite-fuehlt-sich-ueberfordert?ref=markusdotzler.de)berichtet, dass sich jeder zweite Mensch häufig vom Überangebot an Informationen überlastet fühlt. Wie anstrengend das ist, zeigt eine andere Befragung des [Institut für Digitale Resilienz.](https://digitale-resilienz.org/wp-content/uploads/2022/08/VOCER%5FBerichtsband%5FDigitale-Resilienz-in-der-Mediennutzung%5F1%5F2022.pdf?ref=markusdotzler.de) Menschen unter 30 fühlen sich zwar nach der Nutzung sozialer Netzwerke oft inspiriert, fröhlich und motiviert, jedoch berichtet mehr als ein Viertel von psychischen Beschwerden wie Überforderung, Schlappheit und innerer Leere. Johann Hari erklärt in seinem Buch „*Stolen Focus*“ dazu, dass die Reizüberflutung den **präfrontalen Kortex** (*denk an das UKZG und KZG*) überfordert, unserer Aufmerksamkeitsspanne schadet, die Fehleranfälligkeit erhöht und innere Unruhe erzeugt. #### Quelle Hari, J. (2021). S. 52f. So opfern wir unseren [**Fokus**](https://www.markusdotzler.de/warum-fokus-wichtig-ist/), unsere wichtigste Fähigkeit, und erhalten im Gegenzug Überforderung, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme. *Wenn das mal kein schlechter Deal ist.* Informationsüberflutung spüren wir aber auch als Gesellschaft. Eine Studie des Massachussetts Institute of Technology fand heraus, dass sich Falschinformationen auf Twitter sechs mal schneller verbreiten als faktisch wahre Nachrichten. #### Quelle Hari, J. (2021). S. 152f. Der Grund? *You guessed it.* Emotionen. Falschinformationen und radikale Meinungen erreichen mehr Aufmerksamkeit und somit mehr Klicks als viele etablierte Nachrichten, die sachlich und neutral berichten. *Kein Wunder, dass sich alle öffentlichen Debatten so gespalten anfühlen.* Und mit dieser Erkenntnis wären wir wieder bei dir und mir. Im Vergleich zu positiven Informationen reagieren Menschen emotional bis zu doppelt so stark auf negative Reize. #### Quelle Dobelli, R. (2020). S. 77f. Für das Erkennen von Gefahren in der Savanne war das hilfreich, aber nicht in einer reizüberfluteten Medienwelt. Deshalb fühlt sich die Informationsflut wie ein ständiger emotionaler und gesellschaftlicher Shitstorm an. *Was für ein Clusterfuck!* Doch bedeutet das jetzt, wir sollten Informationen aus unserem Leben verbannen? ## Können wir vollständig auf Informationen verzichten? Kurze Antwort: Nein. Lange Antwort: Es kommt drauf an. Informationen sind überlebenswichtig. Hätten Menschen früher nicht über Generationen hinweg weitergegeben, wie wir Feuer nutzen, müssten wir uns heute noch vor Raubtieren verstecken. 2026 benötigen wir Informationen zwar nicht mehr, um in der Savanne zu überleben, aber dafür im Büro oder im Netz. Ein Großteil der Menschen verdient so seinen Lebensunterhalt. Ein vollständiger Verzicht kommt also selten in Frage. Die Kunst liegt darin, Inhalte, die uns belasten, von denen zu trennen, die uns wirklich weiterbringen (*wie mein Blog, hehe*). Doch wer hilft uns dabei? Natürlich könnten Konzerne langweilige Apps und weniger aufdringliche Werbeanzeigen entwerfen. Aber wieso? Sie verdienen Dollars mit unserer Aufmerksamkeit. > *Und wenn es keine nervigen Werbespots mehr gäbe, was würde Ralf Schuhmacher mit seiner Freizeit anstellen?* Ich befürchte, dass sich die Reizüberflutung in den nächsten Jahren verschlimmert, denn je mehr Informationen um uns schwirren, desto lauter müssen Konzerne schreien, damit wir zuhören. Deshalb sehe ich nur eine Schlussfolgerung (*und ich bin kein Fan von ihr*): 💡 Wir lösen die Informationsüberflutung nicht. Wir können lediglich lernen, **bewusster zu* konsumieren. *Das bedeutet in der Konsequenz, dass du auch meinen Blog aus deinem Leben streichen musst, wenn dir meine Artikel nicht helfen. So ehrlich muss ich sein.* Was wir also brauchen ist eine **Informationsdiät**. Genauso wie wir uns fragen, *was* und *wie viel* wir essen, müssen wir auch über unseren Medienkonsum nachdenken. Leider kennt unser Gehirn kein Sättigungsgefühl und hat keine Lust auf Enthaltung. Solange wir also Informationen suchen wie ein Eichhörnchen nach Nüssen vor dem Winterschlaf, fehlt uns das Gefühl für das richtige Verhältnis. *Ein vernebelter Kopf sieht schlecht.* Die Lösung? Wir drücken für 30 Tage auf den Reset-Knopf. Wie das funktioniert, erklärt [Dr. Anna Lembke](https://www.annalembke.com/?ref=markusdotzler.de) in „***Die Dopamin-Nation***“. ## Wie wir uns vor der Informationsflut schützen. Ich liebe Akronyme. Mein neuer Favorit: **DOPAMINE**. Was das bedeutet und wie du es umsetzt, erkläre ich dir jetzt anhand einer meiner am längsten anhaltenden Süchte: *Youtube*. #### Quelle für dieses Kapitel Lembke, A. (2022). **Die Dopamin-Nation: Balance finden im Zeitalter des Vergnügens* (3\. deutsche Auflage 2023). Unimedica ein Imprint der Narayana Verlag. S. 75ff. ![Anna Lembkes DOPAMINE-Framework written in 2 colors](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/04/WhatsApp-Image-2026-04-03-at-10.22.52-1.png) Das Dopamine-Akronym nachgezeichnet (vgl. Lembke, 2022, S. 93) ### **D** für **D**ata (Daten) Um problematisches Verhalten im Umgang mit Informationen zu erkennen, benötigen wir – *welch Ironie* – Informationen. Praktischerweise liefern die Geräte, die wir so gerne nutzen, diese Daten frei Haus. Jedes Handy und jeder Laptop speichert Bildschirmaktivität. Du findest sie unter: - iOS: Einstellungen -> Bildschirmzeit -> App- und Websiteaktivität - Android: Einstellungen -> Digitales Wohlbefinden (den Wochenbericht klappst du rechts oben über die drei Balken auf) ![A weekly report showing 9 minutes of smartphone usage a day](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/04/WhatsApp-Image-2026-04-03-at-10.20.45-1.jpeg) Beispiel meines Wochenberichtes am Smartphone (bin eher ein Laptop-Kind) Genau das tat ich vor drei Wochen. Dabei musste ich z.B. feststellen, dass ich an einem Samstag knapp 4 Stunden Youtube guckte. Das tat zwar weh, jedoch war ich gleichzeitig froh über den Hinweis. Ich liebe Youtube (*duh*), doch so will ich meine Zeit nicht verbringen. 💡 Tipp: Check jetzt deine Bildschirmzeit. ### **O** für **O**bjectives (Ziele) Säße ich gerade Anna Lembke gegenüber, würde sie mich vielleicht fragen: Warum hast du 4 Stunden Youtube an einem Samstag geguckt, an dem du Wandern gehen wolltest? Vor drei Wochen war ich in einem *Rabbithole* gefangen, das aus Kameraequipment, Tipps zum Start auf Youtube und Videoideen für Vlogs bestand. Mein augenscheinliches Ziel bestand darin, meinen Interessen nachzugehen. Doch wenn ich etwas genauer nachdenke, dann war ich an diesem Samstag allein zu Hause, hatte keine Verabredungen und drückte mich davor raus zu gehen. Stille kann manchmal ganz schön laut sein. Youtube war meine Betäubung. 💡 Tipp: Frag dich, welche Ziele du mit bestimmten Apps und Anwendungen verfolgst. Erkennst du ein Muster? ### **P** für **P**roblems (Probleme) Nach 4 Stunden Youtube (*wahrscheinlich schon nach einer*) wusste ich überhaupt nicht mehr, was ich tun sollte. *Welches Objektiv kaufe ich mir denn jetzt für meine Kamera? Welches Zubehör benötige ich?* Ich überfrachtete mich mit Informationen, bis ich erstarrte. Das heißt [**Analysis Paralysis**](https://de.wikipedia.org/wiki/Paralyse%5Fdurch%5FAnalyse?ref=markusdotzler.de). Eine Entscheidungslähmung, die wir spüren, weil wir nie alle Informationen überblicken und deshalb eine Fehlentscheidung befürchten. Darüber hinaus ärgerte es mich auch einfach. Statt das schöne Wetter beim Wandern zu genießen, saß ich in meiner Bude vor dem Rechner. 💡 Tipp: Frag dich, was dir an deinem Medienverhalten am wenigsten gefällt? Welche Probleme erkennst du langfristig? ### **A** für **A**bstinence (Abstinenz) Mein Gehirn ist ein Junkie und sucht ständig nach seinem nächsten Fix. Dabei schüttet es Dopamin aus, ein Botenstoff, der uns antreibt weiterzusuchen, bis wir die Belohnung erhalten. Auf Youtube suche ich manchmal stundenlang nach dem perfekten Video, das die alles entscheidende Information für mich parat hat. *Wenn das mal kein FOMO ist?* Doch indem ich ständig konsumiere, kontert das Gehirn die Ausschüttung von Dopamin z.B. durch Dynorphin, ein körpereigener Dämpfer, der ein Gefühl von Unbehagen oder Leere auslösen kann. Männer kennen das auch als „*post nut clarity*“. *Wer's kennt, der kennt's.* Diesen Zustand bekämpfen wir unglücklicherweise oft durch noch mehr Stimulation. Langfristig kann das Gehirn dadurch eine Toleranz aufbauen. Es wird sozusagen „*dopamin-unempfindlicher*“. Je mehr Youtube ich konsumiere, desto mehr *muss* ich konsumieren. Aus einem Video werden 20\. Noch während ich etwas gucke, suche ich schon nach dem nächsten K(l)ick. So kippt meine Neugier ins Bingen und ich verliere die Kontrolle über mein Verhalten. Aus diesem Grund mache ich zur Zeit genau das, was Anna Lembke empfiehlt: Ich faste 30 Tage lang Youtube. Lembke nennt das Abstinenz. Cal Newport nennt es Digital Detox. Das Prinzip ist dasselbe: Wir verzichten, um unseren Dopaminhaushalt zu normalisieren. 💡 Tipp: Plane einen 30-tägigen Verzicht von nur einer einzigen Sache. Du musst nicht auf **alles* verzichten. Hier quatsch ich darüber, wie meine Informationsdiät anfing. ### **M** für **M**indfulness (Achtsamkeit) Meine Informationsdiät ziehe ich nun seit zwei Wochen durch. Täglich spüre ich diese kleinen Momente der Langeweile. Dann greif ich manchmal reflexartig nach meinem Laptop, bis ich feststelle: Youtube ist passwortgeschützt. Ich kann momentan nicht darauf zugreifen, um meine Langeweile zu übertönen. ![screenshot showing a password protection in order to access youtube](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/04/image-1.png) Plötzlich stehe ich da und muss mich mit mir selbst auseinandersetzen. *Pfui.* Wahrscheinlich nehme ich deshalb mittlerweile sogar freiwillig den Staubsauger in die Hand. Meine Freundin war völlig schockiert, als sie das hörte (*und höchst erfreut*). Genau darum geht es bei Achtsamkeit. Also nicht ums Staubsaugen, sondern darum, unser Verhalten oder unsere Gedanken zu beobachten und zu lernen, mit den Gefühlen umzugehen, die wir sonst durch Konsum unterdrücken. 💡 Tipp: Begleite deine 30-tägige Informationsdiät mit einem Notizbuch. Notiere Gedanken und Verhalten, die der Verzicht in dir auslöst. ### **I** für **I**nsights (Erkenntnisse) Nach zwei Wochen Youtube Entzug bemerke ich: Ich lese wieder mehr am Abend und gehe früher ins Bett. Manchmal sitze ich einfach nur in meinem gelben Sessel und tue *gar nichts*. Wie Gustave in Clair Obscur so schön sagt: Ich genieße meine Nutzlosigkeit (was mir [lange schwer fiel](https://www.markusdotzler.de/flow-gaming/)). Sollte ich meine Langeweile überhaupt nicht mehr aushalten, bringt sie mich manchmal sogar auf neue Ideen oder treibt mich an, etwas zu tun. Ich hab gelernt: > Langeweile ist nichts, was ich vermeiden muss, sondern ein Zustand, den ich bewusst erfahren kann, um mich selbst mit Sinn zu versorgen. Langeweile motiviert – wenn das keine Erkenntnis ist? 💡 Tipp: Notiere positive Veränderungen, damit du dich erinnerst, welche Vorzüge du mit deiner Informationsdiät verbindest. ### **N** für **N**ext Steps (Nächste Schritte) Am Ende der Abstinenz werde ich mir überlegen, wie ich in Zukunft mit Youtube umgehe. Ich will nicht dauerhaft darauf verzichten. Es ist ein geniales Werkzeug, um Neues zu lernen und ich folge einigen Kanälen gerne zur puren Unterhaltung. In Zukunft möchte ich jedoch bewusster damit umgehen. Vielleicht, indem ich nur an ein bis zwei Tagen darauf zugreife. Wie genau das aussieht, weiß ich noch nicht, aber das bringt mich zum letzten Punkt. 💡 Tipp: Plane die ersten Schritte nach deinem Verzicht bewusst (außer du willst etwas völlig aus deinem Leben streichen). ### **E** für **E**xperiment (Experimentieren) Es gibt kein Patentrezept für den Umgang mit digitalen Technologien. Jeder Mensch muss selbst herausfinden, was für ihn funktioniert. Persönlich möchte ich darauf achten, *wie* ich Youtube nutze. Das erfordert Ausprobieren und sieht für jeden Menschen anders aus. Anna Lembke warnt dabei vor dem „*Abstinenzverletzungseffekt*“: Integrieren wir nach einer längeren Phase der Abstinenz ein bestimmtes Verhalten wieder in unser Leben, besteht die Gefahr, dass wir rückfällig werden und auf demselben Niveau weiterkonsumieren wie vorher. Quasi der Jojo-Effekt der Sucht. Trotzdem glaube ich, dass Youtube mein Leben bereichert, wenn ich es gezielt nutze. Wie mein Experiment verlaufen wird, kann ich heute noch nicht sagen. Nur eine Sache weiß ich: Du wirst davon auf meinem Blog erfahren. 💡 Tipp: Experimentiere, aber plane eine Rückfallebene. Schalte eine App nicht unbegrenzt frei, sondern begrenze sie in den Einstellungen. ## Aufmerksamkeit ist eine knappe Ressource. Ich hoffe, dass dir dieser Beitrag hilft, den Reset-Knopf zu finden oder einfach öfter mal den Stecker zu ziehen oder das Smartphone zur Seite zu legen. Damit das besser klappt, empfehle ich dir meinen Artikel „[4 Regeln für mehr Fokus](https://www.markusdotzler.de/mehr-fokus/)“ für deinen All- und Arbeitstag. Nicht alles, was um unsere Aufmerksamkeit kämpft, ist so wichtig, wie es uns manchmal glauben lässt. Früher hieß es, Wissen ist Macht. Doch Informationen sind schon lange kein knappes Gut mehr. Aufmerksamkeit hingegen schon. Worauf verzichtest du? ****Lust auf mehr?!** In meinem Newsletter liefere ich dir alle zwei Wochen Ideen zu den Themen Fokus, Lebensführung und Wachstum. Kein Spam. Kein Doomscrolling. Nur das Wesentliche. [Zum Newsletter anmelden ](#/portal/signup/free) ### Bloggen ist tot – who killed it? URL: https://www.markusdotzler.de/bloggen-ist-tot/ Last updated: 2026-05-15T10:45:45.000Z Bloggen ist tot. Das höre ich jedes Jahr aufs Neue. Aber wer hat's getötet? Als ich 2024 anfing zu bloggen, wollte ich Menschen Wissen vermitteln. Ich schrieb über die Fähigkeit, [sich neu zu erfinden](https://www.markusdotzler.de/growth-mindset/), warum sich Menschen [an jede Herausforderung anpassen](https://www.markusdotzler.de/homoeostase/) und wie sie so [ihr Denken verändern](https://www.markusdotzler.de/mentale-repraesentation/). Ich war überzeugt, dass mehr Menschen davon erfahren mussten. Doch als ich 2025 fleißig meine Artikel tippte, stellte ich fest, dass ich dafür wahrscheinlich die schlechteste Zeit gewählt hatte. ## Bloggen ist tot – Problem #1: Marktsättigung. Rechnet man alle Informationen aus TV, Radio und Print zusammen, las der durchschnittliche Mensch bereits 2007 ca. 174 Zeitungen am Tag – eine absolute [Flut an Informationen](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/), die sich seitdem weiter hochgeschaukelt hat. Ich stelle mir einen gestressten Postboten vor, der jeden Tag 174 Zeitungen in meine Bude schleppt. Wie schnell versinkt meine Wohnung im Chaos? Aber digital saugen wir diese Informationen auf wie Swiffer. Seit 2007 hat sich jedoch viel verändert. Im selben Jahr stellte Steve Jobs das iPhone vor. Instagram, Youtube und Spotify reichern seitdem unsere Informationskost an – in der Pause, in der U-Bahn und beim Kacken. 174 Zeitungen pro Tag reichen im Jahr 2026 wahrscheinlich nur noch für die Vorspeise. Deshalb verstehe ich auch, warum die Menschen kaum noch Blogs lesen. Ein Blog malt mit weniger grellen Farben als Social Media und wer ihn lesen will, dreht dadurch den Lautstärkeregler der Onlinewelt weiter Richtung Anschlag. ## Bloggen ist tot – Problem #2: Der neue Spieler. 2025 schlug dann auch noch Künstliche Intelligenz ein. Sie existierte natürlich schon vorher, aber der Hype erreichte ein völlig neues Level. Selbst Social Media musste sich warm anziehen. 2025 war das Jahr der Chatbots. GPT stieß TikTok zum ersten Mal vom Appstore-Thron. Außerdem fügte Google die hauseigene KI in die Suchfunktion ein – mit gravierenden Folgen. Vor ein paar Wochen erzählte mir mein Bruder vor einem [Knorkator](https://knorkator.de/?ref=markusdotzler.de)\-Konzert von der Seite [stackoverflow.com](https://stackoverflow.com/?ref=markusdotzler.de). Früher *die* Adresse für Programmierer. Doch heute gerät die Seite in Vergessenheit. Wofür die Menschen früher Foren aufsuchten, [wenden sie sich heute an Chatbots](https://www.ericholscher.com/blog/2025/jan/21/stack-overflows-decline/?ref=markusdotzler.de). Wenn sich ein Blog nur um Informationen dreht, dann befindet sich der Traffic heute wahrscheinlich im Sturzflug: Die einen googeln, um die KI-Zusammenfassung zu lesen. Die anderen fragen einfach direkt ChatGPT, Gemini oder Claude. Aber trotzdem glaube ich, dass Bloggen nicht tot ist. ## Was ist ein Blog heute? Mein Papa hat mir früher gerne Ratschläge gegeben, doch die Anzahl der Ratschläge, die ich *wirklich* befolgte, steht in keinerlei Verhältnis zu der Anzahl, die er mir erteilte. Ich orientierte mich lieber an meinen Freunden, auch wenn das bedeutete, dass ich häufig auf die Schnauze flog und mein Papa im Nachgang die Situation zusammenfasste mit einem „*Ich habs dir doch gesagt.*“ Ratschläge fühlen sich selten gut an. Sie sind wie die Chefin, die einem sagt, dass es gut wäre, man würde die Aufgabe bis Freitag 15 Uhr erledigen. Nein, wirklich, es wäre SEHR GUT, wenn du das bis FREITAG 15 UHR ERLEDIGST. Erfahrungen hingegen kommen eher von nebenan – auf Augenhöhe. Sie sind wie der Arbeitskollege beim Tratsch an der Kaffeemaschine, der seine Arbeit genauso vor sich herschiebt wie du. Deshalb glaube ich, dass ein Blog heute vor allem dann überzeugt, wenn er Menschlichkeit vermittelt. So wie bei meinen Freunden früher. Ich konnte an ihren Problemen teilhaben, ihr Verhalten beobachten und helfen, wenn sie in der Scheiße steckten. Und vielleicht ist ein guter Blog heutzutage genau so ein Freund, weißt du? ## Bloggen in der Zukunft Wir lesen Blogs nicht mehr, um zu wissen, *was* ist, sondern um zu verstehen, *wie* sich etwas *anfühlt*. Wissen hat immer noch einen Platz, nur weniger in Form von Fakten und Ratschlägen, sondern als spürbare Veränderung. Auf diesem Weg wollen wir den Blogger ein Stück begleiten. Was treibt er diese Woche? Was probiert er aus? Was geht völlig schief? Was lernt er daraus? In den über 20 Jahren, seitdem Blogs nun existieren, war es wahrscheinlich noch nie so schwer wie heute, eine erfolgreiche Homepage ins Leben zu rufen. Die technologischen Hürden sind riesig. Trotzdem glaube ich, dass Blogs auch dieses Jahr überleben werden. Ein Blog stirbt 2026 nur, wenn er keine Menschlichkeit vermittelt, aber ohne Menschlichkeit stirbt ein Blog nicht. Ohne Menschlichkeit hat er nie gelebt. Gefällt dir dieser Beitrag? Hier meldest du dich für meinen kostenlosen Newsletter an und erhältst in Zukunft alle Artikel bequem in deinen Posteingang: [Anmelden ](#/portal/signup/free) ### Nische finden: Warum ich ab heute darauf verzichte. URL: https://www.markusdotzler.de/nische-finden/ Last updated: 2026-07-11T11:59:14.000Z Seit Ende 2024 blogge ich. In meinem ersten Artikel schrieb ich über [einfache Fitnesstipps für Anfänger](https://www.markusdotzler.de/fitness-ist-einfach/). In meinem zweiten Beitrag schrieb ich über die [Philosophie in *Fight Club*](https://www.markusdotzler.de/fight-club-philosophie/), eines meiner Lieblingsbücher. Danach widmete ich mich *der* [*Wahrheit als Tugend*](https://www.markusdotzler.de/von-sokrates-lernen/). Diese 3 Artikel zeigen, wie es in meinem Kopf aussieht. Meine Gedanken sind verstreut wie kleine Steine am Strand und meine Interessen verhalten sich wie Ebbe und Flut: Sie kommen, sie gehen und ich weiß nie, welche Steine sie anspülen. ## Wenn alle sagen, du musst eine Nische finden Kurz nachdem ich meinen Blog online nahm, wollte ich die Steine, die ich fand, mit anderen Menschen teilen. Also richtete ich mir mit 30 Jahren zum ersten Mal in meinem Erwachsenenleben Social Media ein (Tinder zählt nicht). Erst Linkedin, dann Instagram, Facebook und Threads. Das volle Programm. Schnell füllte sich mein Feed mit Menschen, die mir sagten, ich müsse eine Nische finden. Wer online einen Laden öffnet, benötigt nicht nur Social Media als Straßenschild, sondern auch ein klares Produktsortiment, damit der Kunde weiß, was er kaufen kann. Also fragte ich mich, *wofür* ich online bekannt sein möchte. Wie finde ich meine Nische? Die Suche begann. ## Die Suche nach der persönlichen Nische Anfang 2025 war ich noch Ausbildungskoordinator. Immer wieder beobachtete ich die Probleme meiner Auszubildenden in der Berufsschule und begann mich für das Thema „*Lernen lernen*“ zu interessieren. Ich arbeitete mich in die Theorie ein und schrieb über: - [effektive Lernstrategien](https://www.markusdotzler.de/schluss-mit-dem-pauken/) - das [Growth Mindset für Wachstum](https://www.markusdotzler.de/growth-mindset/) - [warum Talent ein Mythos ist](https://www.markusdotzler.de/talent-mythos/) Es fühlte sich gut an. Das Thema begleitete mich über Monate. Ich hatte meine Nische gefunden, dachte ich. Doch immer wieder spülte die Flut neue interessante Steine an: Granit, Bernstein und Unakit. Deep Work, Künstliche Intelligenz, Persönlichkeit. Lernpsychologie sah auf einmal wie Kalkstein aus: blass, alltäglich, uninteressant. Spätestens mit der Kündigung meines Jobs als Ausbilder warf ich sie zurück ins Meer. Und so war ich plötzlich wieder nischenlos. ## Wie Nischen unsere Interessen einschränken Doch schon bald spülte die Flut einen neuen Stein an Land: **Gamification**. *Designe dein Leben wie ein Videospiel und werde zum aktiven Helden deiner Reise*. Als alter *World of Warcraft* Veteran konnte ich meine Begeisterung kaum zügeln. In meinem ersten [Monthly Fuck Up](https://www.markusdotzler.de/monthly-fuck-up-1/) schrieb ich: > „*Diese Vorstellung motiviert mich so sehr, dass ich sie mit anderen teilen und Menschen helfen möchte, ihr Leben mehr wie ein Spiel zu gestalten. Nicht kindisch, sondern psychologisch fundiert. Echtes Gamedesign ohne Bullshit.*“ Das war kein leeres Geschwätz. Ich fühlte es wirklich und richtete meine gesamte Homepage auf dieses Thema aus. Ich entwickelte ein [Levelsystem für Hobbys](https://www.markusdotzler.de/leben-als-rpg/), tüftelte einen [gamifizierten Trainingsplan](https://www.markusdotzler.de/training-gamifizieren-anleitung/) aus und brütete über ersten Produktideen, mit denen ich Geld verdienen wollte. Doch während ich emsig an Artikeln und Produktideen arbeitete, entdeckte ich das Buch „[*Storyworthy*](https://matthewdicks.com/Books/storyworthy/?ref=markusdotzler.de)“ von Matthew Dicks und entwickelte (wie könnte es anders sein) sofort ein Interesse an Storytelling. Ich begann, persönliche Geschichten über mein Leben zu schreiben wie in „[Die Produktivitätslüge](https://www.markusdotzler.de/produktivitaetsluege/)“ und wollte sie auf der Bühne vortragen. Der Stein funkelte vielversprechend. In [Obsidian](https://obsidian.md/?ref=markusdotzler.de), meinem Schreibprogramm, liegen seitdem 7 in großen Teilen fertige Artikel und rund 12 umfangreiche Notizen zum Thema *Gamification*, die ich zu Beiträgen und Produktideen formen wollte. Gesamtumfang rund 12.000 Wörter (ich hab gezählt), was ungefähr einer Stunde Lesedauer entspricht. Jedes Mal, wenn ich diese Entwürfe sehe, drückt ihr Gewicht auf meine Schultern, als verdoppelte sich für einen kurzen Moment die Schwerkraft. Ich befürchte, ich werde diese Projekte nie fertigstellen. Und so bin ich wieder nischenlos. Die Ebbe hat mich auf offene See hinausgezogen und ich treibe in einem Meer voller Content orientierungslos vor mich hin. ## Eine Nische passt nicht zu jedem Was ist eigentlich diese Nische und wie findet man sein gedankliches zu Hause? Was bedeutet „*zu Hause*“ überhaupt, wenn jemand ständig weiterzieht? „*Finde deine Nische*“ klingt wie der Rat eines Elternteils: Nachvollziehbar, vernünftig, aber irgendwie auch langweilig. Mir fällt es schwer zu verstehen, wie Menschen einen Weg für ihr Leben festlegen, den sie die nächsten 40 Jahre gehen. Mir gelingt das nicht. Deshalb bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich meine Inhalte nicht nach meinen Interessen ausrichten darf. Wer weiß, welche Steine ich morgen am Strand entdecke? Meine beständigste Fähigkeit ist meine Unbeständigkeit. Die größte Sicherheit ist meine Unsicherheit. Die einzige Konstante in meinem Leben ist die Neugier auf das Leben selbst. ## Mein Leben ist meine einzige Nische Deshalb probiere ich in den nächsten Wochen etwas, das mir Angst bereitet und von dem mir jeder Content Creator abraten würde: Ich verwerfe meine Nische. Ich werde zwar auch in Zukunft über meine Interessen schreiben – ich kann gar nicht anders –, doch ich werde aufhören, meine Neugier in eine Kiste zu packen, die ich anderen Menschen erklären kann. Letztendlich weiß ich selbst nicht, was das alles bedeutet. Sokrates hatte recht. Ich weiß lediglich, dass ich nichts weiß. Und so bleiben die ehrlichen Einblicke in meine Gedanken und Erfahrungen das Einzige, das ich dir hier in Zukunft wirklich bieten kann. Denn die machen mich letztendlich zu dem, wer ich bin. Vielleicht ist das die einzige Nische, über die ich wirklich schreiben kann. Gefällt dir dieser Artikel? Hier meldest du dich für meinen kostenlosen Newsletter an und erhältst in Zukunft alle Artikel bequem in deinen Posteingang: [Anmelden ](#/portal/signup/free) ### Wie du im Gym wie in World of Warcraft levelst. URL: https://www.markusdotzler.de/training-gamifizieren-anleitung/ Last updated: 2026-06-24T14:55:46.000Z Was, wenn du im Fitnessstudio leveln könntest wie in *World of Warcraft*? Willkommen in meinem *Gymlog*. Ich verwandel dein Training in ein Spiel, in das du dich gerne einloggst. Hier zeig ich dir, wie du dein [Training gamifizieren](https://www.markusdotzler.de/fitness-gamification/) und mein System nachbauen kannst. ## Training gamifizieren mit 2 Zutaten Dein Training gamifizieren wir mit 2 simplen Zutaten: 1. **Einfachheit** Manche Trainingspläne sehen aus wie To-do-Listen und fühlen sich an wie ein Nebenjob. *Das ist schlechtes Gamedesign*. [*World of Warcraft*](https://worldofwarcraft.blizzard.com/de-de/?ref=markusdotzler.de) lernst du, während du spielst. Loslegen ist einfach. [Fitness sollte auch leicht sein](https://www.markusdotzler.de/fitness-ist-einfach/). Deshalb zerlegt mein *Gymlog* dein Training in einfache Quests. Das spart Zeit und Nerven. 1. **Level Ups** In *World of Warcraft* gelten für alle dieselben Regeln. Doch im Gym startet jeder woanders. Manche bauen Muskeln langsam auf, andere müssen erst ein paar Kilos verlieren. Mein *Levelsystem* patcht das. Es zeigt dir deinen Fortschritt auf dem Papier statt nur im Spiegel. Einmal verdiente Level Ups kann dir niemand mehr nehmen. Gamification funktioniert für viele verschiedene Lebensbereiche. Probier es doch mal aus und [gamifiziere deine Bildung](https://www.markusdotzler.de/leben-als-rpg/). ## Wer sein Training gamifizeren sollte Mein *Gymlog* eignet sich besonders *für dich*, wenn: - dir die Motivation fürs Fitnessstudio fehlt. - du nicht länger als 1 Stunde im Gym verbringen möchtest. - du dir EP, Level Ups und Questbelohnungen verdienen willst. Dieser Beitrag richtet sich vor allem an *Anfänger*. Das System funktioniert aber auch für Fortgeschrittene. Ich nutze es selbst für alle meine Pläne und es hilft mir, regelmäßig Plateaus zu durchbrechen. Hi, ich heiß Markus. Auf meinem Blog teile ich regelmäßig Ideen, wie du Gamification in deinen Alltag integrierst. Dir taugt der Gedanke? Dann trag dich zu meinem Newsletter ein. Kostenlos, kein Spam, kein Bullshit. Nur Ideen, die funktionieren. [Hier geht's zur Anmeldung ](#/portal/signup/free) Lass uns jetzt ins Levelsystem einsteigen. Zuerst bauen wir das System, danach erkläre ich dir, wie es funktioniert. ## Mein gamifiziertes Trainingssystem Du brauchst nicht mehr als *Stift und Papier*. Ein einfaches A4-Blockblatt (kariert) reicht. Falte es zweimal quer. Dadurch entstehen 4 Seiten im A6-Format. Alternativ verwendest du ein Notizbuch (kariert oder gepunktet). Mein *Gymlog* besteht aus 3 Teilen: 1. Character Sheet 2. Questlog 3. Levelübersicht ## Erster Teil: Das Character Sheet In World *of Warcraft* siehst du immer, wo du stehst: am Level, Erfahrungsbalken oder Talentbaum. Das motiviert. Dieselbe Funktion erfüllt das Character Sheet. ### Aufbau des Character Sheet ![A piece of paper depicting a workout routine using Level Ups and Quest Rewards](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/03/1.jpg) Das Character Sheet **Schritt 1:** Schreib „*Character Sheet*“ in die erste Zeile. **Schritt 2:** Zeichne deine Meilensteine. Dafür benötigst du eine Tabelle mit 5 Spalten von links nach rechts und 4 Zeilen von oben nach unten. **Schritt 3:** Trage bei „*Datum*“ -> „*Erster Tag*“ das Datum deines Trainingsbeginns ein. Hier startet deine Heldenreise. Bei „*Level*“ trägst du „*1*“ ein. Unter „*Monat 1*“ schreibst du dir das Datum exakt einen Monat *nach* Trainingsbeginn auf. Das Level lässt du frei. Wiederhole diesen Schritt für „*Monat 2*“ und „*Monat 3*“. **Schritt 4:** In der letzten Zeile notierst du, wie du dich für jeden Monat belohnst. Ein leckeres Essen nach dem ersten Training, einen Tag in der Sauna nach einem Monat – sei kreativ und schreib es dir auf. **Schritt 5:** Nun erstellen wir eine zweite Tabelle, in der wir alle Übungen untereinander eintragen. Links notierst du die Übungen. Kürze sie ab, wenn du Platz sparen musst. Rechts zeichnest du neben jede Übung einen Balken über 10-15 Kästchen. **GZ!** Du hast dein Character Sheet fertig. ### Funktionsweise des Character Sheets Dein Character Sheet besteht aus zwei Teilen – der „*Levelprogression*“ oben und deinen „A*chievements*“ unten. Jedes Mal, wenn du ein Level Up bei einer Übung erreichst, markierst du das in deinem Character Sheet mit einem einfachen X in der Übersichtstabelle. Am Ende des Monats addierst du **alle** Level Ups, die du dir verdient hast, und berechnest daraus dein Gesamtlevel. Beispiel: Hast du es geschafft, in einem Monat alle 6 Übungen um 2 Level zu steigern? Du rechnest 1 + (6 \* 2) = 13\. Du bist nun Level 13 nach Monat 1. So erkennst du im Character Sheet auf einen Blick deinen Fortschritt. Du siehst, wie viele Level Ups du auf deiner Heldenreise erreicht hast und ziehst einmal im Monat ein Zwischenfazit, um dein Gesamtlevel zu berechnen. Durch die Belohnungen erkennst du nicht nur, was du schon erreicht hast, sondern siehst sofort, *wofür* du dich anstrengst. [ ![Buy Me a Coffee at ko-fi.com](https://storage.ko-fi.com/cdn/kofi2.png?v=6) ](https://ko-fi.com/O8I321XETW?ref=markusdotzler.de) ## Zweiter Teil: Der Questlog Von heute an betrachtest du dein Training als Quest. Der Questlog ist dein Trainingsplan und erinnert dich, welche Übungen anstehen. ### Aufbau des Questlog ![A piece of paper depicting a workout routine called „Questlog“ in reference to a video game](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/03/2.jpg) Der Questlog (sorry für die Schmierer, ich zeichne in Zukunft nicht mehr mit Füller!) **Schritt 1:** Schreib „*Questlog*“ in die erste Zeile. **Schritt 2:** Trag deine Übungen sortiert nach Trainingstagen ein. Jede Quest besteht aus 3 Übungen. Anfänger questen im *Startgebiet*. Dort sind die Mobs nicht gefährlich. Wir halten uns deshalb an Maschinen. Bitte schreib dir zusätzlich „*Aufwärmen*“ und „*Dehnen*“ im Questlog auf (siehe Bild). Das ist ein wichtiger Teil der Quest, um das Verletzungsrisiko zu verringern. **Quest A** 1\. [Beinpresse](https://www.youtube.com/shorts/pihPoN%5F8IPs?ref=markusdotzler.de) (Progression: 5-10 kg) 2\. [Brustpresse](https://www.youtube.com/shorts/E8iUR2lhgR8?ref=markusdotzler.de) (Progression: 5 kg) 3\. [Rudern](https://www.youtube.com/shorts/TXPefiUFMvw?ref=markusdotzler.de) (Progression: 5 kg) **Quest B** 1\. [Latzug Maschine](https://www.youtube.com/shorts/3q1Zsi3vkjo?ref=markusdotzler.de) (Progression: 5 kg) 2\. [Schulterpresse](https://www.youtube.com/shorts/PM1hB%5F2xNBU?ref=markusdotzler.de) (Progression: 2.5 kg) 3\. [Rückenstrecker](https://www.youtube.com/shorts/sRFFS-DZ3SU?ref=markusdotzler.de) (Progression: 5 kg) **Schritt 3:** Ergänze ganz unten deine Questbelohnung. Ein Kleinigkeit, die du dir nach jedem Training gönnst. **GZ!** Dein Questlog ist fertig. ### Funktionsweise des Questlog Der Questlog basiert auf einem A-B-Wechsel. An Tag X absolvierst du Quest A und an Tag Y Quest B. Solltest du in derselben Woche noch mal questen, startest du wieder bei A. Nimm dir einen Ruhetag zwischen jedem Training. Idealerweise schaffst du es dreimal pro Woche ins Gym. Zweimal ist auch völlig in Ordnung. Wenn du nur einmal gehen willst, empfehle ich dir, alle Übungen an einem Tag zu trainieren. Dann wird deine Quest halt zum Dungeon! Der Plan orientiert sich an sogenannten Grundübungen. Sie aktivieren mehrere Muskeln auf einmal. So kriegst du aus deinem Training am meisten raus für deine Zeit. Mit den ausgewählten Übungen trainierst du deinen ganzen Körper. Tu dir nach jedem Training etwas Gutes, egal, ob du ein Level Up erreichst oder nicht. So lernt das Gehirn, dass auf die Anstrengung eine Belohnung folgt. Gerade am Anfang ist das wichtig. Ich gönn mir nach dem Training einen Proteinshake und schmeiß 'ne Handvoll Cini Minis ran. Das schmeckt und versorgt mich nach dem Training mit Eiweiß und ein paar Kohlenhydraten (aber übertreibs nicht mit den Cini Minis). Taugt dir mein System und du möchtest meine Arbeit freiwillig unterstützen? Dann spendier mir doch einmalig 'nen Kaffee. Hier geht's zur Kaffeetasse: [Kaffeetasse ](#/portal/support) ## Dritter Teil: Das Levelsystem. Ab heute sind die Gewichte dein Level. Aus den Sätzen und Wiederholungen basteln wir für jede Übung einen Erfahrungsbalken. Jeder erfolgreiche Satz füllt den Balken. ### Aufbau des Levelsystems ![A piece of paper depicting a workout routine using XP bars to achieve progressive overload](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/03/3.jpg) Die Levelbalken für Quest A als Beispiel (Quest B wird genauso dargestellt) **Schritt 1:** Schreib den Namen der Übung in die erste Zeile, z.B. „*Beinpresse*“. **Schritt 2:** Eine Zeile tiefer lässt du links ungefähr eine Daumenbreite Platz für das Level (Gewicht). **Schritt 3:** Neben das Level zeichnest du deinen Levelbalken. Mal dafür 12 Kästchen in 3er-Gruppen nebeneinander. Über jede 3er-Gruppe schreibst du von links nach rechts 12, 13, 14 und 15 (Wiederholungen pro Satz). Im Bild stelle ich die Balken als Tabelle dar, um Platz zu sparen. Du kannst aber zwischen jedem Level eine Zeile Platz lassen, damit es wie ein einzelner Erfahrungsbalken aussieht. **Schritt 4:** Wiederhole diese 4 Schritte für alle Übungen. Falls du ein Blockblatt verwendest, ergibt das zwei Seiten mit jeweils 3 Übungen. In einem A6-Notizbuch kannst du stattdessen eine Seite pro Übung zeichnen. **Bonusidee:** Schreib dir später beim Training hinter jeden Balken das Datum auf, an dem du das Level Up erreicht hast. So kannst du deine Reise nachverfolgen. **GZ!** Das Levelsystem steht. Jetzt müssen wir nur noch dein Startgewicht beim ersten Training herausfinden: **Das Startlevel:** *Bitte hol dir unbedingt einen Trainer dazu, falls du nicht weißt, wie du eine bestimmte Übung technisch korrekt ausführst*. Alternativ findest du im Questlog jede einzelne Übung als Link auf Youtube. Probier die Übung mit **wenig** Gewicht – **technisch korrekt**. Wähle dann ein Gewicht, dass du für 15 Wiederholungen stemmen kannst und bei dem du im ersten Satz noch Luft für 2-3 Wiederholungen hast. **GZ!** Das ist das Startgewicht. Schreib es als Merker neben den Namen der Übung. **UND NOCH MAL GZ!** Für die Anstrengung hast du dir soeben das erste Level Up verdient. Geh ins Character Sheet und trage ein X bei jeder Übung ein, für die du dein Startgewicht kennst. ### Funktionsweise des Levelsystems. Mein Levelsystem folgt einem einfachen Grundprinzip: Steigere die Wiederholungen bei jedem Training um 1, bis du das Level Up erreichst. Dann erhöhe das Gewicht und beginne von vorne. Den alten Hasen ist dieses Prinzip als „[*progressive overload*](https://www.menshealth.de/krafttraining/warum-progressive-overload-der-kern-deines-workouts-dein-sollte/?ref=markusdotzler.de)“ bekannt. Bei jedem Training reizt du deine Muskeln mehr als beim letzten. Mein Levelsystem systematisiert „*progressive overload*“, damit du sie bei jedem Training erzielst. So passt sich dein Körper schrittweise an. Dahinter steckt das Prinzip „[Homöostase](https://www.markusdotzler.de/homoeostase/)“. Für deine erste Quest wählst du für jede der 3 Übungen dein Startgewicht, addierst die Levelprogression (siehe Questlog) und führst 12 saubere Wiederholungen für 3 Sätze durch. Für jeden erfolgreichen Satz zeichnest du ein X in das entsprechende Feld. So füllst du bei jedem Training deinen Levelbalken. Nach 3 Sätzen bist du fertig. Beispiel: Dein Startgewicht an der Beinpresse beträgt 40 Kilo. Deine Progression beträgt 5 Kilo pro Level. Dein erstes Training besteht somit aus 45 Kilo für 3 Sätze mit jeweils 12 Wiederholungen. Bei jedem Training erhöhst du die Anzahl der Wiederholungen um 1, bis du idealerweise nach dem vierten Training von Quest A 15 Wiederholungen für 3 Sätze packst. **GZ**, Level Up! Beim nächsten Training erhöhst du das Gewicht auf 50 Kilo und startest wieder bei 3 Sätzen mit 12 Wiederholungen. > *Vergiss nicht jedes Level Up im Character Sheet zu markieren!* In Zukunft musst du also nie wieder darüber nachdenken, wie du deine Muskeln für Wachstum reizt. Das Levelsystem erinnert dich jedes Mal automatisch an Gewicht, Satz und Wiederholung. ## Gamification im Gym braucht Mitspieler **Das war's**. Das ist mein Trainingssystem. Und das hast du dir gerade nachgebaut. Jetzt besitzt du alles, was du zum Leveln im Gym benötigst. [Bleib immer in Bewegung](https://www.markusdotzler.de/bewegung-ist-leben/) und viel Spaß beim Questen! PS: Wenn du mein System getestet hast, schreib mir bitte deine Erfahrungen in der Kommentarspalte. Mein *Gymlog* ist ein atmendes Projekt, das ich auch in der Zukunft weiterentwickeln möchte. Deine Mitwirkung verbessert die Erfahrung für andere Spieler. Danke. Gefällt dir dieser Artikel? Hier meldest du dich für meinen kostenlosen Newsletter an und erhältst in Zukunft alle Artikel bequem in deinen Posteingang: [Anmelden ](#/portal/signup/free) ### Produktivitätslüge: Warum ich mein Leben nicht mehr optimiere URL: https://www.markusdotzler.de/produktivitaetsluege/ Last updated: 2026-07-24T07:27:41.000Z Video der Live-Lesung des Artikels Januar, irgendwann nach 7 Uhr. Draußen ist es noch dunkel. Scheinbar bin ich nicht der einzige, der nicht aufstehen will. Auch die Sonne hat keine Lust auf den Tag. Ich lieg im Bett und starre an die Decke. Zum dritten Mal erinnert mich der Wecker ans Aufstehen. Zum dritten Mal frage ich mich: *Wofür?* Die Frage brennt in der Dunkelheit auf meiner Netzhaut. Statt einer Antwort hör ich [*Casper*](https://www.casperxo.com/home/?ref=markusdotzler.de) in meinem Kopf. > Heute lass' ich den Job > Gott, ich hasse den Trott > Noch so'n paar Tage mehr > Mann ich schwör', dann platzt mir der Kopf Meine Freundin tritt ins Schlafzimmer. Jeden Tag hüpft sie wie eine Sprungfeder aus dem Bett. Ich bin Blei. „*Showtime*“, denke ich, ziehe mein Lächeln an wie ein abgewetztes Kostüm und stehe auf. ## Ist Produktivität eine gesellschaftstaugliche Lüge? Seit meiner Jugend höre ich, ich müsse hart arbeiten, wenn ich es im Leben zu etwas bringen will. Die [Hustle Culture](https://www.markusdotzler.de/warum-hustle-culture-toxisch-ist/) saugen wir auf mit der Muttermilch (vielleicht eine [Folge der protestantischen Revolution](https://www.markusdotzler.de/schlechtes-gewissen-wenn-unproduktiv/)) Also plane ich meine Tage im Voraus, codiere meinen Terminkalender in verschiedenen Farben, lege mir *To-do*\-Listen an und besuche *Workshops*, um meinen *Output* zu steigern. > *Fleißig und produktiv,* > *ewig lebt der deutsche Traum.* Doch egal, was ich probiere, ich bin Blei und bleibe Blei. Mittlerweile grinse ich vor Telefonaten auf der Arbeit in mich hinein. Das Lächeln soll man ja an der Stimme hören. Wie Blei bleibe ich schwerfällig liegen, wo ich bin. Eine [Kündigung kommt nicht in Frage](https://www.markusdotzler.de/unzufrieden-im-job-nicht-kuendigen/). Die Unzufriedenheit über die Gegenwart ist noch nicht groß genug, um gegen die Angst vor der unsicheren Zukunft zu gewinnen. Aber wie ein Messer dringt immer wieder dieselbe Frage in meinen Kopf: *Wofür?* Mit 30 bin ich definitiv zu jung für 'ne Midlife-Crisis. Ich *muss* eine Lösung finden und zwar bald. ## Wie die Freizeit zum Grind wird Während ich mich an diesem Tag durch E-Mails quäle, deren Sinn mir wahrscheinlich nicht einmal die Absender erklären können, schmiede ich nebenbei einen Plan. Wenn mein Job mich nicht glücklich macht, dann muss meine Freizeit eben härter für mich arbeiten. Also öffne ich eine Excel-Tabelle und sortiere darin meine Hobbys in absteigender Reihenfolge nach ihrem Nutzen: 1. Schreiben 2. Trainieren 3. Lesen 4. Schlagzeug spielen Erst, wenn ich diese Prioritäten jeden Tag erledigt habe, darf ich es mir erlauben zu zocken, fern zu gucken oder einfach blöd in meinem Sessel zu hocken. Meine Hobbys sind die Orangen und *ich* bin die Presse. Ab heute quetsch ich den süßen Saft aus ihnen raus und zwar *jeden* *Milliliter*. ## Produktivität ist eine Falle Unbewusst fall ich in ein altes Muster zurück. Mit Anfang 20 begeisterte mich mein Studium ungefähr wie die Schlagerplatten meines Vaters. Deshalb suchte ich nach Erfüllung in der Musik. Ich war überzeugt (*und bin es bis heute*): [Erfüllung ist kein Luxus](https://www.markusdotzler.de/berufliche-erfuellung-ist-kein-luxus/). Also holte ich mir, was mir zustand. Offiziell studierte ich damals BWL. In Wahrheit spielte ich den ganzen Tag lang E-Bass: Wenn Vorlesungen am Morgen ausfielen, wenn ich eine Freistunde hatte und natürlich am Abend, zur Freude meiner Nachbarn gerne mal bis Mitternacht. Ich notierte jede Minute, um sicherzustellen, dass ich nicht weniger übte als am Tag zuvor. Alles unter 3 Stunden betrachtete ich als Faulheit. Lernte ich ein Lied nicht schnell genug, schlug ich mir aus Frust blaue Flecken auf den Oberschenkel. Irgendwann entwickelte ich dann ein Nervenproblem im linken Arm. Der Arzt sagte Überbeanspruchung, *ich* hielt meinen Körper für einen miesen **Verräter**. Bald konnte ich nicht mehr schmerzfrei spielen. Mein Bass verstaubt seitdem in der Ecke. Jahre später schnappt dieselbe Falle erneut zu. Meine Freizeit wird zum Zweitjob. Dann kommt der April. ## Durch Kündigung der Produktivität entkommen Es ist Sonntag. Meine Freundin und ich laufen durch den Stadtpark. Überall keimt der Frühling. Es sprießen die Krokusse aus dem Boden – glaub ich zumindest. Krokusse sind die einzigen Blumen, die ich kenne. Alles ist ein verdammter Krokus. Beim Spazieren verziehe ich ständig meine Mundwinkel. Ein Tick, der sich in den letzten Wochen eingeschlichen hat. Vielleicht versteht mein Körper an diesem Frühlingstag bereits, was mein Kopf noch nicht akzeptieren will. Ich hoffe, dass meine Freundin nichts bemerkt, doch sehe ihren suchenden Blick. Dann platzt es zum ersten Mal aus mir heraus: „*Diesen April werde ich kündigen.*“ Der Rest fällt wie Dominosteine. ## Arbeitslosigkeit: Wer sind wir ohne Job? In der Woche darauf suche ich das Gespräch mit meiner Chefin. Ich unterschreibe einen Aufhebungsvertrag. Meine Ticks verschwinden wie von Zauberhand. Die restlichen Monate fühlen sich an wie ein Fiebertraum. Zuerst die Aufbruchstimmung, dann immer wieder Zweifel: *Warum kündige ich eigentlich? Ich muss doch nur noch 40 Jahre durchhalten.* Aber mein Entschluss steht und obwohl der Winter so zäh wie Baumharz war, verfliegen die Wochen, je näher mein letzter Arbeitstag rückt. Dann bin ich plötzlich arbeitslos. Es ist ein seltsames Gefühl. Ich rieche die Freiheit, aber irre umher wie bei einer Wanderung ohne Landkarte. Eine direkte Anschlussbeschäftigung such ich mir nicht. Ich brauch Zeit zur Orientierung, doch fühle mich orientierungslos wie nie zuvor: *Wer bin ich ohne Job? Welchen Wert besitz ich, wenn ich nicht arbeite?* Im ersten Monat meiner Arbeitslosigkeit will ich die Zeit genießen, doch ich steh noch völlig unter Strom. Jeden Morgen setz ich mich in alter Gewohnheit an den Laptop, damit ich meiner Freundin irgendetwas erzählen kann, wenn sie mich nach Feierabend fragt, was ich tagsüber getrieben hab. Nur schleichend sinkt der Druck in meinem Kessel und der Zwang, jede Minute aus meinem Tag zu pressen, weicht der Frage, was ich mit all diesen Stunden anfange. Und plötzlich lieg ich wieder dort, wo alles angefangen hat. ## Wie ich wieder Kraft fand Diesmal ist es November und die Welt ist genauso dunkel wie im Januar. Einen Monat nach meiner Kündigung verkriech ich mich wieder in mein Bett. Ich lese[**Dune**](https://de.wikipedia.org/wiki/Dune?ref=markusdotzler.de) **– Der Wüstenplanet**. *Was man an einem verregneten Dienstag Vormittag halt so macht.* In **Dune** schreibt Frank Herbert, dass das Leben kein Problem ist, das wir lösen müssen, sondern eine Wirklichkeit, die wir erfahren. Ich leg das Buch zur Seite und starre an die Decke – *immer wieder diese Decke*. Doch diesmal lass ich mir Zeit dabei. Die Hummeln in meinem Hintern spür ich zwar immer noch, aber sie lassen mich lang genug in Ruhe, um festzustellen, dass mich die Decke *nie* erdrückt hat. *Ich hab mich selbst erdrückt.* Und während ich weiter an die Decke starre, seh ich plötzlich die Antwort auf meine Frage: *Wofür?* **Einfach dafür.** Und da höre ich ihn wieder, diesen Casper. Doch diesmal singt er 'ne andere Strophe: > Und heute bin ich aufgewacht > Augen aufgemacht > Sonnenstrahlen im Gesicht, halte die Welt an > Und bin auf und davon Falls du Ehrlichkeit schätzt, wird dir mein Blog gefallen. Hier teile ich offen, was ich denke, tu, dabei falsch mache und was ich daraus lerne. Für ein selbstbestimmtes Leben nach unseren Regeln. Mit meinem Newsletter verpasst du keinen Impuls mehr. [Anmelden ](#/portal/signup/free) PS: Falls du dir manchmal zu viel Druck machst, gefällt dir vielleicht ein weiterer Artikel von mir. Ausgerechnet während meiner Arbeitslosigkeit half mir ein Videospiel, Clair Obscur, von meinem [Leistungsdruck etwas loszulassen](https://www.markusdotzler.de/flow-gaming/). ## Quellen Herbert, F. (2016). *Dune—Der Wüstenplanet* (J. Schmidt, Übers.; 14\. Aufl.). Penguin Random House. S. 57. ### Fitness Gamification: Verwandel das Gym in ein Videospiel. URL: https://www.markusdotzler.de/fitness-gamification/ Last updated: 2026-05-15T10:48:12.000Z Zieh die Strapse aus und die Sporthosen an. Heute kommst du ins Schwitzen. Wir gehen zusammen ins Gym und machen uns daraus ein Spiel. Das ist Fitness Gamification! ## Fitness Gamification für mehr Spaß im Gym Renn jetzt bitte nicht davon. [Fitness ist einfach](https://www.markusdotzler.de/fitness-ist-einfach/) – eigentlich. Erwachsene verkomplizieren sie bloß. Deshalb lös ich das wie Kinder. Ich trainier nämlich nicht, ich spiele. So wie ich früher mit meinem Papa den Ball gekickt hab. Heute ist meine Spielwiese das Gym und so funktionieren die Regeln: ## Erster Grundsatz: *Einfachheit (gegen den Schweinehund)* Wenn mein Trainingsplan einem Regelbuch gleicht, dann schmort mir die Rübe und ich bleib mit Kopfschmerzen zu Hause. Gute Spiele brauchen nicht viele Regeln. Mit meiner 4-jährigen Nichte spiel ich *entweder* Verstecken *oder* Fangen. Da gibt's keinen 10-Punkte-Plan. Den meisten Erwachsenen trau ich zwar mehr zu, aber meine Nichte versteht intuitiv was übers Spielen, das wir irgendwann verlernen: Spiele müssen einfach sein, sonst spielt kaum jemand mit. Die meisten Trainingspläne für Anfänger sehen aber aus wie 'ne *fucking* To-do-Liste. Das ist kein Sport, das ist 'ne Agenda. Deshalb halt ich's einfach: Es gibt Training A und B. Beide Varianten bestehen aus 3 Grundübungen. Ich muss schließlich noch anderen Scheiß erledigen. Rumpimmeln, daddeln oder halt mit meiner Nichte Verstecken spielen. Dadurch werd ich kein Bodybuilder, klar, aber ich reduzier die Hürde fürs Training, damit ich mich regelmäßig bewege. So entsteht eine Trainingsroutine, der ich treu bleib. Ich will kein Schwarzenegger werden, sondern ein Opa, der noch mit seinen Enkeln spielen kann. ## Zweiter Grundsatz: *Level Ups (für Motivation und progressive Overload)* Das Kind in mir liebt Level Ups. Mein Hirn unterscheidet nicht zwischen *World of Warcraft* und Fitnessstudio. Hauptsache der Balken füllt sich. Dopamin und so (hier findest du einen [allgemeinen Gamification-Guide](https://www.markusdotzler.de/leben-als-rpg/)). Wenn dir Gamingsprech nicht taugt, nenn die Level Ups halt Fortschritt. Nenn sie von mir aus „[*progressive overload*](https://www.gesundheits-lexikon.com/Sport/Fragen-und-Antworten-Krafttraining-Muskeltraining/Progressive-Ueberlastung-Warum-stetige-Trainingssteigerung-entscheidend-fuer-Muskelwachstum-ist?ref=markusdotzler.de)“, wenn du *fancy* klingen willst. Fakt is': Muckis wachsen durch Beanspruchung. [Homöostase](https://www.markusdotzler.de/homoeostase/) und so. Also reizen wir die kleinen Scheißer bei jedem Training etwas mehr als beim letzten. Das gilt nicht nur für Muckis. Damit meine Nichte ihren Teller aufisst, muss das Abendessen spannend bleiben. Also imitier ich Flugzeuge und sowas. Genauso läuft auch mein Training: Simpel, aber jedes Mal ein bisschen anspruchsvoller, um die kleinen Scheißer bei Laune zu halten. Für Level Ups im Gym nutz ich ein einfaches System. Mein Training ist die Quest, das Gewicht das Level und meine Sätze sind der Erfahrungsbalken. Bei jedem Training füll ich den Balken über eine Spanne von 6 bis 10 Wiederholungen. Ich starte bei 6 und versuch beim nächsten Mal eine mehr rauszukitzeln. Selbst wenn ich zwei Wiederholungen drauflegen könnte, bleib ich bei einer. Mein Körper soll sich langsam an die Last gewöhnen. So entsteht *progressive overload*. *Fancy-schmancy*, oder? [The Principle of Progressive OverloadErziele Fortschritte ohne Übertraining![](https://www.markusdotzler.de/content/images/icon/mask-icon.svg)Seana![](https://www.markusdotzler.de/content/images/thumbnail/2018-08-26-freeletics_speed_-_performance_man_1637_2.jpeg)](https://www.freeletics.com/de/blog/posts/progressive-overload-das-prinzip-der-progressiven-belastungssteigerung/?ref=markusdotzler.de) Sobald ich die 10 Wiederholungen pack, erreich ich mein Level Up und erhöh beim nächsten Mal das Gewicht. Danach: *Same fucking procedure, James.* ![Handgeschriebene Darstellung eines Levelbalken für das Fitnessstudio anhand der Übung Bankdrücken](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/02/WhatsApp-Image-2026-02-12-at-13.59.01-1.jpeg) Und was darf bei einer Quest nicht fehlen? Na klar, die Belohnung. Belohnt mich das Spiel nicht für meine Anstrengung, logg ich mich irgendwann nicht mehr ein. Deshalb schüttel ich mir nach dem Training 'nen Proteinshake zusammen und schmeiß da 'ne Handvoll Cini Minis rein. Die Billovariante von *Ja!* tuts übrigens auch. Inflation und so. Hauptsache das Belohnungssystem springt drauf an. Klingt das erwachsen? Nö. Vielleicht vernünftig? JESUS MARIA, NEIN! Aber es schmeckt geil und allein beim Gedanken daran kriegt das Kind in mir schon Grinsebacken. *Schmackofatztastisch*! ## Für Motivierte: *Mein gamifizierter Trainingsplan*. Mein Training besteht momentan aus zwei Quests: Oberkörper und Unterkörper. Jede Quest erledige ich zwei Mal pro Woche. Aber soll jeder machen, wie er mag. Alle Übungen bestehen aus zwei Sätzen. Wenn ich da ordentlich Stoff geb, reicht dat. Danach folgt ein Dropsatz. Das ist Gymsprech für: „*Kitzel noch ein paar Wiederholungen mit weniger Gewicht raus, du Stück*“. Fertig. ### Quest A (leichtere Alternative in Klammern): - Klimmzüge (Latzug) - Bankdrücken (Brustpresse) - Rudern (Nix. Ruder einfach.) Meistens trainier ich zum Abschluss noch Arme als Supersatz, also Bizeps und Trizeps im Wechsel. Da wächst als Mann das Ego direkt mit. Super. Aber nicht der Pimmel. Hab gemessen. ### Quest B (leichtere Alternative in Klammern): - Handstand (Schulterdrücken) - [Zercher Squats](https://youtu.be/eDf49a4Vx5k?si=G%5FtA6xh5RNKTLSlh&ref=markusdotzler.de) (Kniebeugen) - Kreuzheben (Rückenstrecken) Bin ich ultramotiviert, trainier ich manchmal sogar noch Bauch zum Schluss. Aber bitte schau jetzt nicht auf meinen Bauch, ich bin nämlich selten motiviert. 2 Quests, mehr nicht. Der Plan ist simpel, aber hat Köpfchen: 1. Er basiert auf Grundübungen. Da krieg ich am meisten raus für meine Zeit. 2. Er deckt jede Bewegungsrichtung ab. Drücken und Ziehen (vertikal/horizontal) sowie die Beine (vorn/hinten). Aber genug der Theorie. Meine Nichte wälzt schließlich keine Regelbücher vorm Verstecken spielen. Also pack deine Sporttasche, knall dir Anfang 2000er *Linkin Park* auf die Ohren und ab ins Gym. Falls du tiefer einsteigen willst, hab ich eine vollständige Anleitung für dich gebastelt, um dir einen eigenen [gamifizierten Trainingsplan zu erstellen](https://www.markusdotzler.de/training-gamifizieren-anleitung/): **Wir sehen uns auf der Spielwiese.** Gefällt dir dieser Artikel? Dann hol dir dein Level Up und melde dich für meinen kostenlosen Newsletter an. [Anmelden ](#/portal/signup/free) ### Fuck Up #1: Von WordPress zu Ghost wechseln (01/26) URL: https://www.markusdotzler.de/monthly-fuck-up-1/ Last updated: 2026-06-20T10:18:46.000Z Zeit für meinen ersten *Monthly Fuck Up*. Du willst von WordPress zu Ghost wechseln? Hier erfährst du, was ich bei der Migration völlig verkackt hab. Ein Feed voller Fuck Ups und Fehler. Los geht's. ## Warum ich im Januar von WordPress zu Ghost wechsel Die große Baustelle im Januar war meine Homepage. Am 01.01.26 lief sie noch über WordPress. Sie war simpel, aber unscheinbar. Keine Erinnerungsfunktionen, kein Abo-Button. Deshalb musste 'ne Änderung her. Mein Blog soll ein Blog bleiben, keine nervige Nachrichtenseite, die mit Werbung und Pop-ups vollgekleistert ist. Ich hasse Seiten, die meine Aufmerksamkeit nicht respektieren und ich will meine eigene Seite nicht hassen. Trotzdem muss der Blog mit der Zeit gehen. Mein wahrscheinlich größtes Versäumnis im letzten Jahr war, dass ich keine E-Mail-Liste aufgebaut hab. Keine E-Mail-Liste bedeutet keine Verbindung, über die ich meine Leser erreichen kann. Stattdessen muss ich hoffen, dass sie mich nicht vergessen. Sind wir mal ehrlich: Selbst mein direktes Umfeld vergisst, dass ich 'nen Blog betreib. Meine Hoffnung war also naiv. Ich dachte, mein Blog spricht für sich, doch es existieren mehr Seiten im Netz als ich Haare am Körper hab und selbst die überseh' ich manchmal beim Rasieren. Kein Wunder, dass die Leute meinen Blog vergessen. Das Problem mit der E-Mail-Liste *musste* ich also lösen und... TA-DAAA. Jetzt läuft meine Homepage über [Ghost CMS](https://ghost.org/?ref=markusdotzler.de). Da sind die Abo- und Newsletterfunktionen von Haus aus integriert. Ok, von Haus ist so 'ne Sache. Ein Geficke ist das trotzdem, aber kein so großes mehr wie auf WordPress. Mir taugt das neue Design der Seite sehr. Die WordPress-Seite sah aus wie Windows. Meine Ghost-Seite sieht aus wie Apple. Clean, ohne Ablenkung und vor allem für Smartphones optimiert. Der Umzug war ein ganz schöner Schmerz. Das lag aber vor allem an meiner eigenen Dummheit. Kommen wir also zum ***Fuck Up des Monats***. ## Mein *Fuck Up* bei der Migration Nach 2 Tagen hin und her zwischen Ghost und Substack entscheide ich mich dafür, meine Inhalte auf meiner eigenen Homepage zu behalten. „*Da gehören sie dir*“, sagen die schlauen Blogger auf Youtube, die vielleicht einfach nicht mit der Zeit gehen wollen. Keine Ahnung, aber mir leuchtet das Argument trotzdem ein. Nachdem ich die Entscheidung treffe, prokrastinier ich den Umzug weiter, indem ich noch mal 2 Tage grübel, welches Homepage-Theme (das Design der Seite) am besten passt. Ich finde eins und lege gute **120 Euro** dafür hin. Entsprechend groß ist jetzt die Anspannung. 120 Tacken verbrannt und ich bin momentan arbeitslos. Aber der Umzug ist nötig, wenn ich 'ne Chance darauf haben will, dass sich hier irgendwann mal irgendwas nach vorne bewegt. Durchschnaufen. Es ist erst Nachmittag. Ich hab noch alle Zeit der Welt. Ich richte mir 'ne Subdomain ein, schließ mein Hosting auf [magicpages.co](https://www.magicpages.co/?ref=markusdotzler.de) ab und lad mein Theme hoch, um die Seite zu gestalten. Was darf dabei nicht fehlen? Logisch, 'ne Youtube-Anleitung. Bin doch kein Otto. Schnell merk ich aber, dass einige Funktionen bei mir anders laufen als im Youtube-Tutorial. Na gut, dann halt doch KI. Die richtet das schon. Wenn die meinen Arbeitsplatz ersetzen will, muss sie ja wohl 'ne *fucking* Homepage einrichten können. Ziemlich schnell kommt aber Frust auf. Weder das, was mir die KI sagt, noch was mir Youtube zeigt, funktioniert. Anleitung völlig unklar. Ich krieg Hals. Da kommt auch schon meine Freundin nach Hause. Es muss also Zeit fürs Abendessen sein. Mich beschleicht der Gedanke, dass meine Freundin fürs Abendessen nach Hause kommt und nicht für mich. Naja. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, es ist 18 Uhr. Nach dem Essen ist es 19 Uhr. Ich kämpf weiter. 20 Uhr. Verzweiflung kommt auf. 21 Uhr. UND DANN... kommt die *verfickte* Erleuchtung. Und die tut weh. So weh. Die Erleuchtung ist: ***Ich bin ein dummer Mensch.*** Den Theme-Dateien liegt 'ne Dokumentationsdatei bei. Eine Schritt-für-Schritt-Erklärung zur Einrichtung. Die fucking IKEA-Anleitung für meine Homepage. Dann erinner ich mich. Ich hab die Dokumentationsdatei schon mal gesehen. Ganz am Anfang, als ich mich gefragt hab, was das ist. Ich hab reingeguckt und genau kapiert, dass es sich um 'ne Anleitung handelt. Aber weißte? Anleitungen brauch ich nicht. Ich bin ja nicht doof. Also ignorier ich die Doku. Vergess sogar, dass sie existiert. Lieber ärger ich mich bis 21 Uhr mit Youtube und KI rum, anstatt die verdammte Anleitung zu lesen, die der extrem coole [Entwickler](https://hedwik.io/?ref=markusdotzler.de) meines Themes geschrieben hat. Meine Überzeugung ohne Anleitung klarzukommen bezeichnen Psychologen als Dunning-Kruger-Effekt. Menschen neigen dazu, ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Ironischerweise hab ich darüber schon mal einen Artikel geschrieben: „[5 Tipps gegen Selbstüberschätzung](https://www.markusdotzler.de/dunning-kruger-effekt/)“. Der Titel ist ein Schlag ins Gesicht. ARGH! Als ich endlich in die Doku schau, versteh ich sofort, warum bei mir nichts funktioniert. Es KANN nichts funktionieren. Das schreibt der Entwickler direkt auf der zweiten Seite: ![Screenshot aus der Ghost Theme Dokumentation einer Fehlermeldung beim Einrichten](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/02/Pasted-image-20260204140507.png) So steht die Homepage am Ende des Tages natürlich nicht. Dafür hab ich kurz vorm Schlafen noch den Frieden gefunden, dass ich am nächsten Tag genau weiß, was ich machen muss: Einfach die verdammte Anleitung lesen. So simpel kann's sein. Mein erster *Monthly Fuck Up* ist nicht weltbewegend. Keine Moral. Keine Philosophie. Nur Dummheit, weil ich die Anleitung nicht gelesen hab. ## Nicht alles lief im Januar so schlecht wie die Technik Nicht alles im Januar war so doof wie die Migration meiner Homepage. Die Seite steht jetzt. Das erste Feedback war positiv. Die Anmeldung funktioniert (*bitte checkt euren Spam!*). Der E-Mail-Versand meiner Artikel läuft auch. So weit, so gut. Danke an dieser Stelle an meine ersten **4 Abonnenten**, von denen zwei zu meiner Familie gehören und von denen einer ich selbst bin. Für den nächsten Monat kann ich euch, liebe Abonnenten, eine exponentielle Geschäftsskalierung von **50 %** garantieren. Ich hab nämlich noch mindestens 2 andere E-Mail-Accounts rumflacken, mit denen ich mich selbst für meinen Newsletter anmelden kann. Läuft! Was außerdem richtig gut lief im Januar war mein erster Auftritt bei einer Lesung. In der [Weinerei](https://www.weinerei.de/?ref=markusdotzler.de) in Nürnberg können Textemacher alle zwei Monaten Selbstgeschriebenes vortragen. Also hab ich meinen Artikel „[Wie Gaming mich vom Leistungsdruck befreit](https://www.markusdotzler.de/flow-gaming/).“ präsentiert. Das war 'ne sehr coole Erfahrung. Hier ist der Beweis: ![White man with blonde hair standing on a stage reading from a paper notebook into a microphone. People listening.](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/02/0996ec0d-b7e6-4b69-8688-1a8224d5c885.jpg) Lesung meines Blogbeitrags in der Weinerei Nürnberg Aber genug von der Vergangenheit. Jetzt noch ein Wort zur Zukunft. ## Woran ich im Februar auf meinem Blog arbeite Das ist mit Abstand die schwerste Rubrik für mich. Ich bin ja eher so der Typ „*wird schon irgendwie*“. Es gibt allerdings ein paar konkrete Aufgaben, um die ich mich im Februar kümmern will. ### 1\. Der Blog. Die nächsten 4 Blogartikel sind geplant. So weit denke ich selten voraus, glaub mir, aber [*Jane McGonigals*](https://janemcgonigal.com/?ref=markusdotzler.de) Buch „*Reality is Broken“* liefert ordentlich Input. Manche Artikel sind schon fertig, für andere steht bereits das Konzept. Freu dich im Februar also auf: - Warum WoW die perfekte Simulation ist. - Warum sich Quests besser anfühlen als dein Job. - Wie wir durch Spiele verstehen, wie wir wirklich ticken. - Wie mir eine Begegnung im Treppenhaus gezeigt hat, dass soziale Kontakte unser vielleicht wichtigstes Spiel sind. Wenn diese Artikel bequem in deinem Postfach landen sollen, melde dich für meinen Newsletter an. Die Mitgliedschaft ist kostenlos – und geil. Und wo wir schon über Mitgliedschaften sprechen: ### 2\. Die Kohle. Ich überlege, meine Mitgliedschaften umzuplanen. Mein *Monthly Fuck Up* war eigentlich nur für Mitglieder gedacht, die zahlen. Es zahlt aber niemand. Doof. In Zukunft sollen meine *Fuck Ups* also **allen** Lesern zugänglich sein. Bevor ich an Bezahlung denke, muss ich vielleicht erstmal potenzielle kostenlose Abonnenten für meine Arbeit begeistern. Sonst registrieren sich auch in Zukunft nur Familienmitglieder (und ich) auf meiner Homepage. Und natürlich Mert. Aber Mert ist auch der beste Mann. Was soll ich anderes von ihm erwarten? Statt eines Abo-Modells überlege ich, in Zukunft 'nen Spendenbutton einzuführen. Einmalige Zahlungen zur Unterstützung meiner Arbeit ohne kostenpflichtiges Abo. Alternativ bleibt die Mitgliedschaft freiwillig wie auf Substack. Deshalb würde mich deine Meinung wirklich interessieren. Schreib mir in die Kommentare (*nicht auf WhatsApp, Bruderherz!*): > **Welchen Schachzug findest du schlauer?** 1. kostenpflichtiges Abo + Inhalte hinter einer PayWall 2. alles für jeden zugänglich + ein freiwilliges, aber kostenpflichtiges Abo für Unterstützer 3. alles für jeden zugänglich + Spendenbutton für Einmalzahlungen Danke für deine Antwort. Die Kohle bringt mich auch zum nächsten großen Punkt. ### 3\. Das Produkt. Ich mach mittlerweile kein Geheimnis mehr draus. Ich wär verdammt gerne selbstständig. Das passt zu mir. Aber wer selbstständig sein will, muss was verkaufen und mein Erspartes ist nun mal endlich. Scheiß Kapitalismus! Deshalb will ich ein kostenloses Produkt entwerfen, sowas wie ein Appetithappen im Supermarkt. Daraus können sich später dann Onlinekurse, Workshops oder 1:1 Beratung entwickeln. Die Idee: [**Gamify your life**](https://www.markusdotzler.de/leben-als-rpg/)**.** Ich will Menschen helfen, ihr Leben wie ein Videospiel zu gestalten. Mir tut es nämlich weh zu sehen, wie Menschen zu NPCs, also passiven Nebendarstellern in ihrem eigenen Leben werden. Ich kenn diesen Weg. Zu oft saß ich in Meetings, deren Sinn mir niemand erklären konnte, während ich gedanklich davon träumte, mein Leben zu verändern. Deshalb bin ich überzeugt: Jeder braucht eine Heldenreise. Zumindest 'ne kleine. Gamification ist in Deutschland kaum verbreitet, aber es ist mehr als Kindergarten. Spiele machen uns zum aktiven Helden unserer Reise. Sie lösen menschliche Motivation geschickter als das echte Leben. Sie belohnen uns durch garantierten Fortschritt. Sie ermöglichen, an unseren Fähigkeiten und Visionen zu arbeiten. Diese Vorstellung motiviert mich so sehr, dass ich sie mit anderen teilen und Menschen helfen möchte, ihr Leben mehr wie ein Spiel zu gestalten. Nicht kindisch, sondern psychologisch fundiert. Echtes Gamedesign ohne Bullshit. Moin! Hier spricht Markus aus der Zukunft (22.04.2026). Aus meiner Idee ist tatsächlich ein [gamifiziertes Trainingssystem](https://www.markusdotzler.de/training-gamifizieren-anleitung/) entstanden, das du dir ganz einfach selbst nachbauen kannst (Link unter diesem Kasten). Mittlerweile ist Gamification zu einer Brille geworden, durch die ich mein Leben mehr wie ein Spiel betrachte. Es hat sich allerdings nicht zur Hauptsäule meines Blogs entwickelt. Der Markus der Vergangenheit war wohl etwas überschwänglich ;) Trotzdem hoffe ich, dass dir die Gamification Artikel gefallen, die ich geschrieben hab. Im nächsten Monat melde ich mich wieder mit einem Update. Bis dahin und liebe Grüße, Markus – der Typ, der in Zukunft alle Anleitungen lesen wird Gefällt dir dieser Artikel? Dann hol dir dein Level Up und melde dich für meinen kostenlosen Newsletter an. Kostenlos, kein Spam, jederzeit kündbar. [Anmelden ](#/portal/signup/free) ### Flow & Gaming: Wie Clair Obscur mich vom Leistungsdruck befreit. URL: https://www.markusdotzler.de/flow-gaming/ Last updated: 2026-09-01T15:07:38.000Z Es war Mitte Dezember '25\. Mit einer Spielekonsole in der Hand saß ich in meinem gelben Schaukelstuhl – für einen 31-jährigen ein schmaler Grat zwischen lässigem Lifestyle und Pflegegrad. Während ich leise vor und zurück wippte, blickte ich gedankenverloren aus dem Fenster meiner Dachgeschosswohnung. Draußen war es bereits dunkel, doch ich konnte den weißen Dampf erkennen, der hektisch aus den Schornsteinen der Häuser aufstieg. So eisig wie an diesem Tag war es im Dezember schon lange nicht mehr gewesen, weshalb ich auf weiße Weihnachten hoffen konnte – ein Grund zur Freude. Eigentlich. ## Clair Obscur oder Bewerbungen schreiben? Doch dieser Dezember war anders. Seit November war ich arbeitslos und verdiente *keinen Cent*. Die Kälte ließ meine Gedanken unweigerlich um die Nebenkostenabrechnung kreisen: *Wie warm darf eine Wohnung eigentlich sein, wenn man kein Geld verdient?* Zu meiner finanziellen Schieflage gesellte sich jetzt auch noch der *Steam-Wintersale* – die größte Verlockung des Jahres für Gamer. Alle Videospiele dieser Welt drastisch reduziert. Als ich auf den Bildschirm meiner Konsole zurückblickte, sah ich, dass [*Clair Obscur*](https://www.expedition33.com/?ref=markusdotzler.de), das Spiel des Jahres, um **20 %** reduziert war. Ich haderte mit der Entscheidung. Mein Daumen schwebte eine Weile über der „Kaufen“-Taste, doch mein Kopf lebte in diesem Moment in der Vergangenheit. Als Teenager war ich süchtig nach World of Warcraft, weshalb ich an all die Stunden denken musste, die ich im Spiel verloren hatte. Wollte ich wirklich noch mehr Zeit vergeuden? Ich erinnerte mich auch an meinen ersten Nebenjob. Ich war damals noch 15\. An meinem ersten Arbeitstag drückte mir der Vorhandwerker einen 20 Kilo schweren Abbruchhammer in die Hand. Ich wog 60\. Hatte ich Probleme, den Hammer zu kontrollieren, schrie er mich an. Im Nachhinein bin ich sehr dankbar dafür, dass der Abbruchhammer so schwer war, denn ansonsten hätte ich an diesem Tag wahrscheinlich eine Straftat begangen. Bei einem späteren Polizeipraktikum lernte ich vor allem, am Morgen Zeitung zu lesen. In meinem Nebenjob während des Studiums hingegen musste ich feststellen, dass der Chef uns Aushilfen so wenig vertraute, dass er uns beim Maschinenputzen vom anderen Ende der Halle mit einem Fernglas beobachtete. Wären meine ersten Arbeitserfahrungen ein Date gewesen, hätte ich mich noch vor der Vorspeise aus dem Fenster der Herrentoilette verkrümelt. Leider entkommt man dieser Erwerbsarbeit nicht so leicht. Selbst wenn du ihr eine falsche Handynummer in die Hand drückst, kommt sie immer wieder auf dich zurück wie das Finanzamt, die Agentur für Arbeit und Herpes. So lernte ich schnell, dass das Erwachsenenleben nicht aus Spaß und Erfüllung bestand. Videospiele schienen in diese Welt nicht hineinzupassen. Sie waren zu bunt für diesen grauen Alltag. Das fühlte sich zwar immer falsch an, doch alle Menschen um mich herum akzeptierten das. Ohne Fleiß, kein Preis. Von nichts kommt nichts. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Die [Hustle Culture](https://www.markusdotzler.de/warum-hustle-culture-toxisch-ist/) steckt den Deutschen im Blut. Später kam ich mir vor wie ein Träumer, weshalb ich mir einredete, dass ich mein Bedürfnis nach Erfüllung in meiner Kindheit zurücklassen musste wie Windpocken. Darum erschien mir der Kauf von *Clair Obscur* wie eine Flucht vor der Realität der Erwerbsarbeit. Sollte ich nicht lieber an meinem Blog arbeiten oder Bewerbungen schreiben? Doch trotz dieser Gedanken kramte ich die 40 € aus der Tasche. Ich konnte mir nicht erklären wieso. Vielleicht waren die Prozente einfach zu verlockend. Vielleicht war ich aber auch ein Trotzkopf. Mein Vater würde Letzterem zustimmen. Ein wenig später drückte ich auf *Spielen*. ![Steam Deck Handheld-Konsole zeigt den Startbildschirm von Clair Obscur: Expedition 33 in einer Wohnzimmer-Umgebung](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/01/7b3c4339-2be5-4a53-a685-c994c91a3c66.jpg) Der Blick auf Clair Obscur aus meinem Sessel ## Hobbys müssen nicht immer nützlich sein. Kurz darauf landete ich im Startmenü von *Clair Obscur*. Sanfte Klaviermusik begrüßte mich und ich hielt einen Moment inne. Das letzte Mal, dass mir ein Startbildschirm Gänsehaut beschert hatte, war 2013 bei „*The Last Of Us*". Damals war ich 19, jetzt 31. Ich startete das Spiel und es warf mich sofort in eine Welt, die ich mir nicht erklären konnte. Ich blickte auf einen geschmolzenen Eiffelturm. Felsbrocken schwebten in der Luft, als hätte jemand die Zeit im Moment der Explosion angehalten. Die Kamera schwenkte auf *Gustave*, der gerade kleine Steine in die Richtung einer kilometerweit entfernten Säule warf. *Maelle* trat ins Bild und scherzte über diese vergeblichen Versuche. Als wüsste das Spiel genau, dass ich kurz zuvor noch an Bewerbungen gedacht hatte, da sagte *Gustave* über *Maelles* Sticheleien: > „*Weißt du,* [*Hobbys müssen nicht immer nützlich sein*](https://www.markusdotzler.de/zu-hohe-erwartungen-hobby/)*. Ich genieße die Nutzlosigkeit von heute. Nützlich kann ich auch morgen sein.*“ ![Gustave und Maelle in Clair Obscur blicken auf das Monolith. Untertitel: "Weißt du, Hobbys müssen nicht immer nützlich sein."](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/01/Clair-Obscur-----Nutzlosigkeit.png) Gustave und Maelle – im Hintergrund der Monolith. Es war, als wüsste das Spiel, wie schwer mir diese Nutzlosigkeit fiel. Vor allem in meinen 20ern hatte ich stets das Gefühl, Gleichaltrigen hinterherzuhinken. Ich hatte in meiner Jugend wertvolle Zeit verschenkt – durch Sitzenbleiben, Schulwechsel und meine Spielsucht. Deshalb gewöhnte ich es mir an, stets unzufrieden mit mir zu sein. Ich hatte Zeit nachzuholen, weshalb ich jeden Tag *mehr* von mir verlangen musste als andere. Ich verschrieb mich dem [Produktivitätswahnsinn](https://www.markusdotzler.de/produktivitaetsluege/). Aber das Spiel sagte in diesem Moment: Lass los – zumindest für einen Abend. Zu meiner Überraschung fühlte ich noch etwas anderes. Obwohl ich gerade keinen Cent verdiente, war ich in diesem Moment... zufrieden – auch ohne Job. In der Welt, in die ich abtauchte, existierten keine Nebenkosten. Nur diese verdammte „*Paintress*“, die ich besiegen musste, damit *Gustave und Maelle* nicht starben. Nichts war in diesem Moment wichtiger. Und da verstand ich, was ich in meinen 20ern übersehen hatte: > Spiele sind keine Zeitverschwendung. Sie sind eine *Zeiterfahrung*. ## Flow – wenn Stunden wie Minuten vergehen. Manchmal fühlen sich Stunden wie Minuten an. Glücksforscher nennen das [*Flow*](https://de.wikipedia.org/wiki/Flow%5F%28Psychologie%29?ref=markusdotzler.de) und genau das erlebte ich durch die Augen von *Gustave* und *Maelle*. Die Zeit in diesem zerstörten Paris begann zu fließen. Doch viel wichtiger als der Sieg über die „*Paintress*" waren in diesem Moment die Charaktere. Ihre Beziehung zueinander, die Welt, in der sie lebten und die Gefahren, denen sie sich stellen mussten. *Clair Obscur* zeigte mir, dass das [Abenteuer wichtiger ist als das Ziel](https://www.markusdotzler.de/ankunftsfehler-arrival-fallacy/). Nicht das Ankommen macht glücklich, sondern die Reise. So verstand ich ausgerechnet durch ein Videospiel, dass mich mein Verlangen nach *mehr* niemals zufriedenstellen würde. Ich war so fokussiert auf das Ankommen, dass ich meine Reise nicht genoss. Als kleiner Junge verstand ich intuitiv, wie wichtig Spielen ist. Mit 31 hatte ich es vergessen. Doch an diesem Tag im Dezember erinnerte ich mich. ## Flow & Gaming gegen das schlechte Gewissen. Als ich *Clair Obscur* beendete, starrte ich auf den nun schwarzen Bildschirm meiner Konsole und wartete auf sie – diese altbekannte Stimme in meinem Kopf. Die Vorwürfe, die Selbstkritik und das [schlechte Gewissen, unproduktiv gewesen zu sein](https://www.markusdotzler.de/schlechtes-gewissen-wenn-unproduktiv/) und einen Abend ohne Job lieber mit Spielen statt mit Bewerbungen verbracht zu haben. Doch die Stimme blieb stumm. Denn in diesem Moment begriff ich Spiele als das, was sie wirklich sind: *Flow*. Dieses Gefühl kannte ich, denn es hatte mich am selben Tag bereits besucht, als ich beim Schreiben am Morgen völlig in einem meiner Texte versank. Dabei hatte ich sogar das Essen vergessen, was in meiner Welt so gut wie physikalisch unmöglich ist. So begriff ich, dass *Flow* nicht nur in Spielen existiert. Denn wenn ich schreibe, dann beginnt die Zeit zu fließen. Wenn ich schreibe, dann spiele ich und von meinem Job darf ich dasselbe erwarten. Für diesen Anspruch muss ich mich nicht schämen, genauso wenig wie ich mich für ein gutes Spiel schämen muss. Mein Bedürfnis nach *Flow* ist nicht kindisch, sondern menschlich. *Clair Obscur* zeigte mir, wie sich mein Leben unter perfekten Bedingungen anfühlen könnte. In diesem Augenblick ließ es mich meine Arbeitslosigkeit in einem völlig neuen Licht sehen: Es war gut, dass ich gerade *keinen Cent* verdiente. Denn sonst würde ich in meinem alten Job immer noch ein Spiel spielen, das mir keinen Spaß mehr bereitete und dass das Unsinn ist – das wissen sogar Kinder. ## Spiele als Weg zu mehr Erfüllung. Als ich meine Konsole zur Seite legte, fasste ich einen Entschluss: Im neuen Jahr wollte ich weg von diesen strikten Ansprüchen an mich und meine Zeit. Stattdessen wollte ich das Kind in mir wiederentdecken, das ich im Erwachsenwerden verloren hatte. Nach 31 Jahren hatte ich meine [Erfüllung](https://www.markusdotzler.de/berufliche-erfuellung-ist-kein-luxus/) noch nicht gefunden, doch ich würde verdammt noch mal nicht aufhören, nach ihr zu suchen. Mit diesem Entschluss in meiner Brust stand ich auf und knipste das Licht aus, während mein gelber Schaukelstuhl leise vor und zurück wippte. Gefällt dir dieser Artikel? Dann hol dir dein Level Up und melde dich für meinen kostenlosen Newsletter an. [Anmelden ](#/portal/signup/free) PS: Hier spricht Markus aus der Zukunft. Dieser Artikel markiert, rückblickend betrachtet, den Beginn meines [Pathless Path](https://www.markusdotzler.de/readings/pathless-path-paul-millerd-deutsch/) und greift eine Veränderung in meinem Denken auf, die schon 2024 begonnen hatte: Ich wollte weg von krankhafter Produktivität. Die Rückkehr zu Spielen war auf dieser Reise mein nächster Schritt. Falls dich meine Reise an diesen Punkt interessiert, findest du hier einen Artikel, wie sich mein [Denken über Jahresvorsätze geändert](https://www.markusdotzler.de/ziele-anders-denken/) hat. ## Quellen - McGonigal, J. (2011). *Reality is broken: Why games make us better and how they can change the world* (Ed. with a new, 2\. appendix). Penguin Press. ### Gamification in der Schule: Warum Bildung an schlechtem Gamedesign leidet. URL: https://www.markusdotzler.de/gamification-in-der-schule/ Last updated: 2026-05-03T05:56:44.000Z Das Klassenzimmer hat gegen World of Warcraft keine Chance. Ich glaube, wir brauchen Gamification in der Schule, damit Schüler wieder Lust aufs *endgame* bekommen. ## Ich war nie ein stiller Schüler. Meine Jugend verbrachte ich überwiegend vor einem Bildschirm. Meinem Notenbild gefiel das überhaupt nicht. Schon vor meiner Entdeckung von World of Warcraft war ich kein Paradeschüler. Der Sprung ans Gymnasium gelang mir um Haaresbreite. Dort angekommen kämpfte ich ab der 5\. Klasse gegen meine erste Fremdsprache. Latein war der Pausenhofschläger und verpasste mir täglich eine saftige Abreibung. Diesem Teil meiner Jugend widmete ich den Artikel „[Kein Talent](https://www.markusdotzler.de/kein-talent/)“. Zu meinem Verhängnis führte Bayern damals das G8-System ein und so drückte ich regelmäßig bis 17:15 Uhr die Schulbank. Das passte überhaupt nicht zu meiner Persönlichkeit. Ich war schon immer ein leidenschaftlicher Junge und bin auch heute noch unheimlich begeisterungsfähig. Wenn ich für etwas brenne, gibt es kein Halten und es ist auch schon vorgekommen, dass ich mir im Affekt ein Klavier gekauft habe. Psychologen nennen das Impulsivität. Sie sprechen von Belohnungssensitivität. Ich nenne es einfach meine Persönlichkeit. Früher saß ich deshalb ständig auf heißen Kohlen – ein brodelnder Vulkan im Miniaturformat. Ich träumte vom Erfolg in einer Rockband und wollte meine Kleinstadt mit meinem Skateboard erkunden. Doch in der Realität musste ich still sitzen, Vokabeln pauken und Texte über tote Römer übersetzen. Bis ich World of Warcraft entdeckte. ## World of Warcraft: Meine Spielsucht. ![Gamification in der Schule durch World of Warcraft](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/01/dsc00686-edited-scaled.jpg) WoW to go: World of Warcraft auf dem Steam Deck In der 6\. Klasse trat World of Warcraft in mein Leben. Meine Persönlichkeit war dafür so empfänglich wie trockenes Laub für ein brennendes Streichholz, das jemand achtlos auf den Boden schmeißt. Waldbrand. Mir entglitt die Kontrolle. Meine Spielzeit eskalierte und selbst wenn ich nicht am Computer saß, lebte ich gedanklich in Azeroth. World of Warcraft vertrug sich mit meinen akademischen Bestrebungen wie zwei streitlustige Brüder auf 4 Liter Cola. Auch meine Leidenschaft für Musik und mein soziales Umfeld litten darunter. Doch ich konnte nicht aufhören zu spielen. Ich war *hooked*. Und in der 9\. Klasse geschah es. Ich blieb sitzen. Heute frage ich mich, ob all das damals wirklich nötig war. Diese ständigen Bauchschmerzen vor Schulbeginn, weil ich mal wieder meine Hausaufgaben ignoriert oder mich nicht auf eine Abfrage vorbereitet hatte. Warum verbrachte ich meine Zeit lieber in einer imaginären Welt als in der Realität? ## Boss Fight: Gamification in der Schule vs. WoW Die zentrale Frage lautet: Warum fesseln uns Spiele mehr als das echte Leben? Und Jane McGonigals Buch *reality is broken* liefert die Antworten. Jedes Spiel besitzt im Kern 4 Eigenschaften: - ein attraktives Ziel - klare Spielregeln - ein motivierendes Feedback-System und - Freiwilligkeit als Grundvoraussetzung Gönnen wir uns also den Spaß und betrachten meine Schulzeit als Spiel. Wie schlägt sie sich gegen World of Warcraft? ### 1\. Questdesign: Lich König vs. Abitur Das Ziel erklärt den Spielern, wo die Reise hingeht und warum das wichtig ist. Am Gymnasium hieß das Ziel Abitur. Und warum das wichtig ist, erklärten dir deine Eltern wahrscheinlich wie mir. Heute noch höre ich meinen Vater sagen: „*Du brauchst einen guten Abschluss, damit du später was verdienst!*“. Tja, Papa, und jetzt schreibe ich kostenlose Blogs im Internet, die niemand liest. ***Shit happens***. Das Ziel „*Abitur*“ ist klar, doch es hatte mehrere Haken: 1. **Fremdbestimmung**. Ich wurde nie das Gefühl los, dass ich am Gymnasium die Erwartungen anderer erfüllte und nicht meine eigenen. 2. **Distanz**. Wie ich mit meinem Leistungsstandard jemals in der 12\. Klasse ankommen sollte, stellte für mich ein größeres Rätsel dar als der gelbe Schnauzer meines Deutschlehrers. 3. **Unattraktivität**. Die Schule ermahnte mich, welcher Bösewicht aus mir würde, wenn ich versagte. Sie zeigte mir aber nie, welcher Held ich in meiner Geschichte sein könnte. So verwandelte sich das Ziel „*guter Abschluss*“ in das Negativbild „*bloß nicht sitzen bleiben*“. Und das war kein attraktives Ziel, sondern Schadensbegrenzung. Deshalb besaß ein Abitur für mich die Anziehungskraft einer öffentlichen Toilette. Wenn ich daran dachte, hielt ich panisch die Luft an. In World of Warcraft musste ich Level 80 erreichen und den Lich König besiegen. Der Weg dorthin wimmelte vor lauter Anreizen: alle zwei Level neue Fähigkeiten, ab Level 10 der erste Talentpunkt und auf Level 30 das Reittier. Außerdem erzeugte schon der Trailer zu World of Warcrafts Erweiterung „*Wrath of the Lich King*“ Gänsehaut und vermittelte mir, *warum* der Lich König eine Bedrohung für alle Völker darstellte. Wo war mein Trailer für „*Wrath of the Abitur*“? Das Ziel in World of Warcraft erforderte Anstrengung, aber blieb nahbar und emotional anziehend. 1:0 für World of Warcraft. ### 2\. Spielmechanik: Disziplin vs. Flow Regeln erklären, *wie* der Spieler das Ziel erreicht. Sie erlegen Grenzen auf und schaffen so Raum für Kreativität. Der Spieler muss sich fragen: „\_Wie nutze ich die Regeln am besten, um ans Ziel zu kommen?“. Regeln dienen **nicht** nur der Disziplinierung (außer beim *Cheaten*). Und dieses Memo ist in vielen Schulen noch nicht angekommen. Schule fühlte sich für mich immer an wie Bestrafung. Aus dem Fenster gucken? Böser Junge. Mit dem Bein wackeln? Böser Junge. Kippeln? Besonders böser Junge. Die Schule verlangte Disziplin. Ich verstand das als Unterwürfigkeit. Meine Schulzeit erinnert mich heute an ein Lied von *Knorkator*: > *„Setz dich hin, halt den Mund.* > *Sei ein ganz braver Hund.* > *Denk nicht nach, füg dich ein.* > *Du bist schwach, dumm und klein.“* Als weitere Schwachstelle entpuppte sich die Spielmechanik. Die Lehrer sagten mir zwar, *was* ich alles lernen musste, aber nicht *wie* ich das am besten anstellte. Deshalb liegen mir [effektive Lernstrategien](https://www.markusdotzler.de/schluss-mit-dem-pauken/) am Herzen. Von Lerntipps keine Rede. Stattdessen [Bulimielernen](https://www.markusdotzler.de/bulimielernen-verstehen/), Vokabelhefte führen und Übersetzungen wiederholen. Doch wie veränderte mich das und was brachte es mir? Es ging um Selbstbefähigung, doch niemand half mir dabei, mich selbst zu befähigen. Meine Lehrer bemängelten mein Sitzfleisch, aber skillten nicht mein Gehirn. Das fühlte sich an, als dürftest du in World of Warcraft nur den schwachen „*Automatischen Angriff*“ benutzen, obwohl sich in deinem Zauberbuch Pyroschläge und Feuerbälle verstecken. [Flow](https://de.wikipedia.org/wiki/Flow%5F%28Psychologie%29?ref=markusdotzler.de)? Fehlanzeige. Dagegen waren die Regeln in World of Warcraft funktional gestaltet. Ein Magier durfte keine Plattenrüstung tragen. Das empfand ich nicht als Einschränkungen, sondern als Klassenidentität. Und dass Fähigkeiten eine Abklingzeit besaßen, verlieh dem Spiel eine zusätzliche Schwierigkeit, für die ich mich bewusst entschied. Sie wurde mir nicht diktiert. Trotzdem erlaubte mir das Spiel viele Freiheiten. Welche Klasse ich wählte und ob ich Frost- oder Feuermagier war, schrieb mir niemand vor. Das Spiel verriet mir außerdem genau, welcher Skillpunkt im Talentbaum meine Attribute um wie viel Prozent verbesserte. Es erklärte mir seine Spielmechanik völlig organisch ohne Regelbücher. Das Spiel stand meinem Fortschritt nicht im Weg. Es förderte ihn. Genau für diese Lektion [brauchen wir Spiele](https://www.markusdotzler.de/flow-gaming/). 2:0 für World of Warcraft. ### 3\. Belohnungen: Peitsche vs. Zuckerbrot Das Feedback-System ist der Treibstoff eines Spiels. Es zeigt dem Spieler, wie nah er dem Ziel steht und setzt attraktive Anreize zur Anstrengung. Hier steckt das größte Potenzial für Gamification im Unterricht, um Lernmotivation zu steigern. Die unantastbare Stärke der meisten Videospiele nennt sich *instant feedback*: Digital entstehen keine Verzögerungen. So verknüpft der Spieler die Belohnung direkt mit seinem Verhalten. Das funktioniert wie bei Tieren. Wenn dein Hund zum ersten Mal auf die Wiese kackt statt auf dein Sofa, wartest du nicht zwei Stunden mit dem Leckerli. In World of Warcraft gibst die Quest ab, erhältst *sofort* Erfahrungspunkte, erreichst *sofort* das neue Level und spielst *sofort* eine neue Fähigkeit frei. Das Feedback-System motiviert den Spieler zu Anstrengung durch viele kleine Dopaminkicks. Genau das, was das menschliche Gehirn sucht. Das einzige Fortschritt-System in der Schule waren die Klassen. Jedes Jahr gab's den *Level Up*, solange keine 6 oder zwei 5er im Zeugnis standen – wieder ein Negativziel. Doch als Feedback-System ist das völlig ungeeignet. Welches Videospiel verzögert den *Level Up* um *ein ganzes Jahr*? Auch Schulnoten bedeuten Feedback. Doch besonders für leistungsschwache Schüler ist dieses System frustrierend. Denn anders als in WoW sammeln sie in der Schule negative EP. Die Note selbst zieht sie eher runter als sie weiterzubringen. Der Großteil meiner Zeit floss in die Fächer, die mir schwer fielen. Doch weil meine Leistungen oft trotzdem nicht für eine gute Note ausreichten, erhielten sie keinerlei Anerkennung. Meine Lehrer lobten meine Englischnoten, für die ich *nichts* lernte, aber interessierten sich nicht für meine Anstrengungen im Nachhilfeunterricht. Im Gegenteil: Schrieb ich trotzdem eine schlechte Note, dann hatte ich halt „*mal wieder nichts gelernt*“. Als Hund hätte ich meinem Englischlehrer aufs Sofa kacken können, wie ich wollte, doch meinen Mathelehrer interessierte es kaum, ob ich stubenrein war. Was ist das bitte für ein kaputtes Feedback-System? Und weißt du, was das einem jungen Menschen vermittelt? Hilflosigkeit. Du lernst, dass deine Anstrengungen wirkungslos bleiben. Du akzeptierst dein Versagen und ziehst dich zurück. So wirst du ein Nebendarsteller im echten Leben und richtest deine Anstrengungen dorthin, wo sie etwas zählen – in einer fiktiven Welt, in der du der Held bist. Das Feedback-System der Schule wirkte gegen World of Warcraft wie Peitschenhiebe gegen Zuckerbrot. Keine Fortschrittsbalken, keine Talentbäume, keine mächtigen Fähigkeiten, keine Lernmotivation. 3:0 für World of Warcraft. ### 4\. Freiwilligkeit: Pflicht vs. Freiheit Freiwilligkeit dient in Computerspielen einem wichtigen Zweck: Sie sichert Spaß statt Zwang. Durch seinen Kauf verkündet der Spieler implizit: > „*Ich akzeptiere das Ziel und bin bereit, den Regeln zu folgen, um es zu erreichen.*“ Der Spieler kann das Spiel jederzeit verlassen und diese Freiwilligkeit fehlt in Schulen, denn in Deutschland herrscht Schulpflicht – zum Glück, aber auch zu ihrem Verhängnis. Damals sah ich nur die Türen, die mir Bildung zuschlug statt zu öffnen: Keine Zeit für Musik, Skaten und natürlich World of Warcraft. Die Schule entschied darüber, wann ich zu erscheinen hatte, wie lang ich bleiben musste und wann ich auf's Klo durfte. Ich verstand sie als Hindernis für meine Ziele und so verwandelte sie sich in ein Feindbild. Zwänge sind manchmal nötig wie im Fall der Schule, doch sie fühlen sich selten gut an. In einem Videospiel kannst du jederzeit aussteigen. Doch in der Schule musst du bleiben, auch wenn dich ihr Gamedesign frustriert. Zwang beeinträchtigt das Prinzip der Freiwilligkeit und erklärt, warum viele Schüler der Schule so feindselig gegenüberstehen. Die Schulbank wirkte wie ein Gefängnis. World of Warcraft war der wilde Westen. 4:0 für World of Warcraft. ## Warum Spiele gegen Schule gewinnen. Heute wundert es mich nicht mehr, warum ich meine Anstrengungen lieber in eine fiktive Welt als in die Realität meines Schulalltages investierte. World of Warcraft bot mir ein Ziel, das ich erreichen und Regeln, denen ich folgen wollte. Es belohnte meine Anstrengungen *sofort* und war der perfekte Sturm für meine Persönlichkeit. Das Ziel der Schule lag zu weit entfernt. Mir war unklar, wie ich dort ankommen sollte, denn meine Anstrengungen führten weder zu guten Ergebnissen noch erfuhren sie Anerkennung. Spielsucht entsteht nicht nur aus der Flucht vor Schmerzen, sondern auch aus dem Bedürfnis, die eigene Kompetenz zu erfahren. Und genau das bot mir World of Warcraft. Es war eine dringend notwendige Erfahrung in Selbstwirksamkeit. Es zeigte mir: Ich bin nicht dumm. Ich kann komplexe Systeme verstehen und ich kann gewinnen. Diese Überzeugung begleitet mich bis heute und ich glaube, dass Spiele mehr Anerkennung dafür verdienen, dass sie diese Gefühle in Menschen erwecken. Jane McGonigal brachte es auf den Punkt: Viele Gamer flüchten nicht. Sie holen sich lediglich die Belohnung zurück, die ihnen das echte Leben vorenthält. Und für energiegeladene, impulsive Kinder, die im Schulsystem anecken, sind Videospiele oft der einzige Ort, an dem sie sich kompetent fühlen. [Gaming can make a better worldGames like World of Warcraft give players the means to save worlds, and incentive to learn the habits of heroes. What if we could harness this gamer power to solve real-world problems? Jane McGonigal says we can, and explains how.![](https://www.markusdotzler.de/content/images/icon/icon-1.svg)TEDJane McGonigal![](https://www.markusdotzler.de/content/images/thumbnail/73dc8433e98af1f411dc3f304a5ec3532b7319c9_1600x1200.jpg)](https://www.ted.com/talks/jane%5Fmcgonigal%5Fgaming%5Fcan%5Fmake%5Fa%5Fbetter%5Fworld?ref=markusdotzler.de) ## Patchnotes: Gamification in der Schule umsetzen. Dieser Artikel stellt keine Schimpftirade gegen das Bildungssystem dar. Er ist ein erster Entwurf einer Zukunftsvision. Aktuell verliert das echte Leben gegen die Onlinewelt. Und es ist ein unfairer Vergleich: Videospiele gegen Schule ist wie Koks gegen Cola oder illegale Autorennen gegen Gartenarbeit. Doch die Psychologie, die erklärt, warum uns Spiele fesseln, kann uns auch dabei helfen, den Spaß an Bildung wiederzuentdecken. Wir brauchen mehr Gamification in der Schule. Warum nicht: - Noten gegen Erfahrungspunkte tauschen - Hausaufgaben als bedeutsame Quests konzipieren - Fortschritte durch Talentbäume und EP-Balken visualisieren - Fächer in Spezialisierungen statt als *one-size-fits-all* denken Wir müssen uns fragen: Wie können wir Feedback-Systeme bauen, die alle Schüler motivieren, auch die leistungsschwachen? Wie können wir unsere Kinder befähigen, damit sie sich wie Hauptcharaktere wahrnehmen und nicht wie NPCs? Kurz: Wie können wir die Schule patchen, damit Bildung wieder Spaß macht? Vielleicht müssen wir dafür auch eigene Systeme entwickeln und unser [Leben gamifizieren](https://www.markusdotzler.de/leben-als-rpg/) (so wie wir auch unsere [Fitness gamifizieren](https://www.markusdotzler.de/fitness-gamification/) können). Das Leben ist kein Spiel, aber es könnte mehr wie eines sein. Und wenn wir Bildung wie ein Spiel begreifen, loggen sich unsere Schüler seltener aus. Gefällt dir dieser Artikel? Hier meldest du dich für meinen kostenlosen Newsletter an und erhältst in Zukunft alle Artikel bequem in deinen Posteingang: [Anmelden ](#/portal/signup/free) ## Quellen - McGonigal, J. (2011). *Reality is broken: Why games make us better and how they can change the world* (Ed. with a new, 2\. appendix). Penguin Press. ### Dein Leben als RPG: In 5 einfachen Schritten zum Level Up URL: https://www.markusdotzler.de/leben-als-rpg/ Last updated: 2026-05-03T05:40:56.000Z Willst du dein Leben als RPG gestalten? Ich glaube: [Gamification verbessert nicht nur das Schulsystem](https://www.markusdotzler.de/gamification-in-der-schule/), sondern auch unser Privatleben. Früher ruinierte World of Warcraft meine Noten. Heute hilft mir diese Erfahrung, mein Leben als RPG zu verstehen. Mit 5 einfachen Schritten übertragen wir Gamification auf deinen Alltag – [völlig analog und ohne Apps](https://www.markusdotzler.de/analoge-planung/). ## Schritt 1: Definiere deine Meisterschaft. Worin willst du gut werden? Psychologie, Gitarre oder Kampfsport? Willst du Geschichte studieren, an Autos schrauben oder eine neue Sprache lernen? Definiere eine Meisterschaft. Das ist deine Spezialisierung. Der Talentbaum, den du skillst. ## Schritt 2: Definiere dein Levelsystem. Du brauchst ein kariertes Blatt Papier und einen Stift. Schreib „Level 1“ und zeichne 5 Kästchen daneben. Das ist deine EP-Leiste. Jedes weitere Level benötigt 5 Kästchen mehr. Für höhere Level kannst du Quadrate zeichnen (Level 40 -> 40x5 Kästchen = 200 Kästchen -> 20 Kästchen breit, 10 Kästchen hoch). ![Ein Notizblatt das ein Levelsystem auf Papier zeigt.](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/01/whatsapp-image-2025-12-24-at-13-22-49-edited-1-jpeg.jpg) Mein einfaches RPG-Layout im Notizbuchformat ## Schritt 3: Definiere deinen Fortschritt. Für mich steht 1 Kästchen für 30 Minuten Konzentration. Lang genug, um besser zu werden. Kurz genug, um nicht zu überfordern. Lesen, Schreiben, Wiederholen und Üben füllen die EP-Leiste. Das ist wie Mobs killen in WoW. ## Schritt 4: Definiere deine Quests. Mobs grinden wird langweilig. Quests bringen Würze ins Spiel. Hier ein paar Ideen: - 20 Karteikarten schreiben = 1 Bonuskästchen - Lied lernen = 3 Bonuskästchen. - Buch abschließen = 5 Bonuskästchen. - Motor zusammenbauen = 10 Bonuskästchen. Gestalte Quests motivierend, aber ausgeglichen. Einfache Quests sollten wenig EP bringen. Große Meilensteine lassen Balken regnen. Deshalb [funktioniert Gamification so gut im Sport](https://www.markusdotzler.de/training-gamifizieren-anleitung/). ## Schritt 5: Definiere deine Belohnungen. Definiere etwas, worauf du dich im echten Leben freust, um deine Anstrengung zu belohnen und deine Erfolge zu feiern. Wie wär's mit einem guten Stift für Level 10 als Autor? Ein Urlaub in Rom, sobald du Level 20 auf Italienisch erreicht hast? Oder ein Trainingscamp in Thailand für Level 40 in Muay Thai? Deine Meisterschaft, deine Belohnungen. ## Bonusschritte für mehr Immersion. ### Bonusschritt 1: Definiere deinen Beruf. Ich lerne nicht nur Psychologie, sondern schreibe darüber auf meinem Blog www.markusdotzler.de. Mein Beruf? Schriftsteller. Und jeder veröffentlichte Beitrag ist ein gecraftetes Item und gibt mir einen Skillpunkt. Mit 39 Artikeln bin ich noch „Geselle“. Ab 60 bin ich Fachmann. Das Ziel? Großmeister. Fehlen nur noch 382 Artikel… Welchen Beruf skillst du? ### Bonusschritt 2: Definiere deine Titel. Wenn ich Level 40 Psychologie erreiche, werde ich „*Kommandant der Psyche*“. Klingt etwas nerdig, aber motiviert, denn Titel zeigen Status. Wann wirst du Gelehrter der Philosophie oder Kriegsfürst im Kickboxen? ### Bonusschritt 3: Definiere deine Klasse. Ergeben deine Meisterschaften, dein Beruf und deine Vergangenheit ein Rollenbild? Orientiere dich an den Klassen deiner Lieblingsspiele. Bist du der Krieger im Gym, der intellektuelle Magier oder der Barde, der mehrere Instrumente spielt? Verbindest du Kampfsport und Spiritualität wie ein Mönch oder bist ein „*jack of all trades*“ wie der Druide? Eine Klasse gibt deiner Reise Identität. Ich bin Mesmer. Was bist du? ## Das Leben als RPG. Wenn du dein Leben als RPG und nicht mehr nur als Arbeit betrachtest, fällt dir der Weg zum Maximallevel leichter. Das Leben ist vielleicht kein Spiel, aber es könnte mehr wie eines sein. Indem wir Gamification Ansätze nutzen, können wir unseren Alltag spielerischer gestalten. Definiere deine Meisterschaft. Belohne dich für Fortschritt. Gamifiziere dein Leben. Ich heiße Markus, bin Blogger und level auch im real life. What's your game? Gefällt dir dieser Artikel? Dann hol dir dein Level Up und melde dich für meinen kostenlosen Newsletter an. [Anmelden ](#/portal/signup/free) Brauchst du noch mehr Impulse, um dein Leben als RPG zu verstehen? - Warum Spiele unsere Welt verbessern können, [erzählt Jane McGonigal bei TED](https://www.ted.com/talks/jane%5Fmcgonigal%5Fgaming%5Fcan%5Fmake%5Fa%5Fbetter%5Fworld?ref=markusdotzler.de). - Und wenn du dich auch mit der Schattenseite des Gaming auseinandersetzen willst, erfährst du in meinem Artikel „Warum deine Willenskraft zum Scheitern verurteilt ist“, wie [Konzerne deine Willenskraft sabotieren](https://www.markusdotzler.de/warum-willenskraft-scheitert/). ### Schwäche zeigen: Der mutigste Satz meines Vaters – Kurzimpuls #6 URL: https://www.markusdotzler.de/schwaeche-zeigen/ Last updated: 2026-06-05T09:36:50.000Z Eine Woche vor seinem Tod sagte mein Vater zum ersten Mal in meinem Leben zu mir: „*Markus, mir geht's nicht gut.*“ ## Wenn Ratschläge auf die Realität treffen. Mein Vater riet mir stets, ich müsse nicht immer stark sein. Wenn ich im Winter mal wieder in einen See sprang, lächelte er über meinen unbeholfenen Tapferkeitsbeweis. Antwortete ich hingegen am Telefon, mir gehe es gut wie immer, dann erinnerte er mich, ich dürfe auch Gefühle zeigen. Dürfe zugeben, wenn der Schuh drückt. Doch obwohl er mich dazu ermutigte, offen mit meinen Gefühlen umzugehen, konnte er sich selbst seine eigene Verletzlichkeit nie zugestehen. Zwar erzählte er mir von seiner schweren Vergangenheit: von seiner Kindheit in der Nachkriegszeit, seiner Jugend im Heim und den bitteren Trennungen in seinem Leben. Doch ich erinnere mich nicht, dass er jemals zu mir sagte, es ginge ihm im *Hier und Jetzt* schlecht. Und deshalb war ich baff, als er zugab: „*Mir geht's nicht gut.*“ Typisch Papa, denke ich mir heute. Es brauchte eine Operation und darauf eine Lungenentzündung, bis er mir gegenüber Schwäche zeigte. Als er es tat, konnte ich endlich einmal den Spieß umdrehen. Nicht er musste jetzt als Vater für mich da sein, sondern ich als Sohn für ihn. Und auch wenn es schwerfällt, fühlt es sich trotzdem gut an: Stark sein für diejenigen, die es schon so oft für uns waren. Ein kalter See ist dafür nur die Aufwärmübung. ## Atemnot: Der Moment, der alles veränderte. Als wir später gemeinsam auf den Krankenwagen warteten, weil mein Vater an der Luft zu ersticken schien, da sagte er völlig außer Atem: „*So schwach kennst du mich gar nicht*“, als müsse er sich für sein Sterben schämen. Und ich dachte: „*Ja, Papa, so kenne ich dich gar nicht. Du musstest ja immer stark sein für uns.*“ Und mein Vater war stark. Daran besteht für mich kein Zweifel. Aber vielleicht ist auch Schwäche zeigen eine Stärke. ## Wahre Stärke bedeutet Verletzlichkeit zeigen. Im Alltag sagen wir vieles, um unsere Fassade zu wahren: „*Alles gut*“, „*Alles beim Alten*“ und in Franken auch gerne mal „*Passt schon*“. Und ich versteh's. Es wäre zu anstrengend, jedem Fremden unser Herz auszuschütten. Aber was, wenn wir uns durch jedes „*Alles gut*“ und jedes „*Passt schon*“ ein Stückchen mehr antrainieren, unsere echten Gefühle zu vertuschen – auch gegenüber den Menschen, von denen wir uns Hilfe wünschen? Unsere Emotionen sind keine schlechten Gewohnheiten. Du darfst zugeben, wenn es dir nicht gut geht. Sagen, wenn du das Gefühl hast, [nicht gut genug zu sein](https://www.markusdotzler.de/nicht-gut-genug-prokrastination-erfahrung/). Anders ausgedrückt: [Du darfst Verletzlichkeit zeigen](https://www.markusdotzler.de/sich-klein-machen/). Nicht „*Alles ist gut*“, sondern „*Mir geht's schlecht*“. Nicht „*Passt schon*“, sondern „*Ich brauch Hilfe*“. Wenn du nie sagst, wie du dich wirklich fühlst, wie soll dir jemals jemand helfen? Das ist keine Schwäche, sondern Mut. Vielleicht sage ich das auch eher zu mir als zu dir. Weiß Gott, auch ich muss das noch lernen. Der Apfel fällt anscheinend wirklich nicht weit vom Stamm. Auch wenn der Baum bereits vergangen ist. Wenn dich solche persönlichen Impulse bewegen, dann ist mein Newsletter genau das Richtige. Ich schreibe darüber, wie wir in der modernen Welt ein selbstbestimmtes, authentisches Leben führen können. Kein Spam. Nur ehrliche Impulse. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) Und falls du dich näher mit dem Thema „Verletzlichkeit“ auseinandersetzen willst, empfehle ich dir den TED-Talk „[The power of vulnerability](https://www.ted.com/talks/brene%5Fbrown%5Fthe%5Fpower%5Fof%5Fvulnerability?ref=markusdotzler.de)“ von Brené Brown: Sei gut zu dir. ### Warum Willenskraft scheitert (und du nicht schuld bist) URL: https://www.markusdotzler.de/warum-willenskraft-scheitert/ Last updated: 2026-10-04T11:19:41.000Z Alle sprechen darüber, warum deine Willenskraft scheitert. Alle wollen dir erzählen, dass du nur mehr Selbstbeherrschung benötigst. Doch kaum einer benennt, warum das nicht deine Schuld ist. ## Wir werden von der Werbung erzogen. Als kleiner Junge trank ich an manchen Wochenenden literweise Cola. Wenn ich das heute jemandem erzähle, fragen sie mich entsetzt: „*Wie konnten deine Eltern nur so fahrlässig sein?*“ Die Wahrheit ist simpel: Mein Vater sorgte sich sehr wohl um mich. Er kannte das Getränk eben aus der Werbung und es schmeckte uns. Sicherlich hätte er ahnen können, dass meine Vorliebe für Cola hauptsächlich in dem Kilo Zucker pro Liter begründet war. Doch er wollte mir definitiv nicht schaden. Im Gegenteil: Er wollte mir etwas Gutes tun. Viele Erwachsene kennen heute die Auswirkungen von Softdrinks und Junkfood auf die Gesundheit. Doch obwohl sie besser informiert sind, fällt es ihnen nicht unbedingt leichter, bessere Entscheidungen zu treffen (eine Nebenwirkung der [Informationsüberflutung](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/)). In der Fußgängerzone sehe ich regelmäßig Kinder mit Energydrinks in der Hand, finanziert von den Eltern, die daneben stehen und sich wundern, warum ihr Sohn plötzlich aufdreht. Vielleicht ändern sich manche Dinge also nie und die Cola von damals ist der Energydrink von heute. Vielleicht sind wir aber auch informierter und manipulierter denn je. Denn was sich definitiv nicht geändert hat, ist, dass Konzerne und ihre Marketingabteilungen die Menschen von Kindesbeinen an mit bunten Farben und knalligen Aufschriften ködern. Meine Nichte steht z.B. auf „*Paw Patrol*“. Das sind diese kleinen Hunde in Polizei- und Feuerwehruniform, mit denen zurzeit alles bedruckt wird, was Kinder in die Kita schleifen. Und passend zur Serie gibt's Kuchen, Kekse und Müsli in allen Sorten. So können Kinder keinerlei Abwehrkräfte gegen Werbemanipulation entwickeln. Und spätestens ab dem Kindergartenalter lernen sie, was sie zu wollen haben. Doch diesen gezielten Kampagnen fallen nicht nur kleine Kinder zum Opfer. Sie begleiten auch Erwachsene wie ein hartnäckiger Tinnitus durch den Alltag. ## Wie Konzerne deine Schwächen ausnutzen. In Supermärkten verlocken uns farbenprächtige Dosen zum Kauf, weil die Influencer genau verstehen, dass das Äußere ihres Energydrinks das einzige Alleinstellungsmerkmal ist. Fastfoodketten platzieren ihre Restaurants strategisch an jeder Hauptverkehrsader wie eine Radnetzspinne und warten darauf, dass die natürliche Strömung ihnen ihre Beute ins Netz treibt. Und dank unserer Smartphones müssen sich Werbeagenturen nicht mehr auf Plakate und Fernsehen begrenzen, sondern erhalten auch Eintritt ins Bad und ins Schlafzimmer. Alles ist käuflich. Alles ist zugänglich. Und dieser Luxus ist tückisch. Frank Herbert schreibt in Dune: > *Die Nähe von etwas, wonach es uns verlangt, verleitet uns zu übermäßigem Genießen*. #### Quelle Herbert, F. (2016). **Dune—Der Wüstenplanet* (J. Schmidt, Übers.; 14\. Aufl.). Penguin Random House. S. 121. Kurzum: Zugänglichkeit verleitet. Das Chipssortiment stellt uns bei jedem Einkauf vor die quälende Frage: lieber klassisch mit Paprika oder doch etwas Exotisches wie Nacho Cheese oder Chakalaka? Dein Smartphone vibriert, klingelt und bimmelt währenddessen die ganze Zeit. Es ist ein bisschen wie Mike Tyson. Erst knabbert es dir das Ohr ab und dann befördert es dich ins Delirium. Und selbst wenn es mal zehn Minuten am Stück die Klappe hält, lockt es dich mit dem kostenlosen Zugriff auf die große weite Welt der modernen Unterhaltungskultur. Und weil wir gerade schon von kostenlosem Zugriff sprechen: Ein einfaches „*Sicherlich bin ich über 18 Jahre alt*“ öffnet jedem kleinen Kind die Tür zu Millionen Stunden an Pornografie. Noch bevor unsere Kinder also wissen, wie sich ein echter Kuss anfühlt, können sie sich Analsex in Dauerschleife reinziehen. Das nenne ich Fortschritt. ## Mythos Willenskraft und das Phänomen der Ego Depletion Alles ist jederzeit und überall verfügbar. Und wir? Wie wehren wir uns gegen dieses ständige Bombardement? Mit Selbstbeherrschung. Disziplin. Kontrolle. Lächerlich. Kentucky Fried Chicken, TikTok und Tittenbilder [fressen deine Disziplin](https://www.markusdotzler.de/vergiss-disziplin/) zum Frühstück. Unter so einem konstanten Leistungsdruck verkrümelt sich deine Willenskraft schneller als dein letzter *One-Night-Stand*. Forscher nennen dieses Phänomen [Ego Depletion](https://de.wikipedia.org/wiki/Ego-Depletion?ref=markusdotzler.de). Stell dir Willenskraft wie einen Deich vor. Die Versuchungen sind das Meer auf der anderen Seite. Und an jedem neuen Tag beginnt das Spiel der Naturgewalten von vorne. Sobald du aufwachst, kentert die Tide: - Der Blick auf dein Smartphone, während du noch im Bett liegst. - Der Podcast, der schon beim Anziehen im Bad schallt. - Die TikTok Videos, die dich beim Frühstück begleiten. Anders als in der Natur dauert es heutzutage nur wenige Minuten, bis das Meer der Ablenkungen Hochwasser erreicht. Der Deich versucht verzweifelt das Überlaufen zu verhindern. Doch Willenskraft ist endlich. Je stärker dein Alltag an ihr zehrt, desto schneller bröckelt deine Selbstkontrolle. [Ego depletion: is the active self a limited resource? - PubMedChoice, active response, self-regulation, and other volition may all draw on a common inner resource. In Experiment 1, people who forced themselves to eat radishes instead of tempting chocolates subsequently quit faster on unsolvable puzzles than people who had not had to exert self-control over eat …![](https://www.markusdotzler.de/content/images/icon/favicon-192.png)PubMedR F Baumeister![](https://www.markusdotzler.de/content/images/thumbnail/pubmed-meta-image-v2.jpg)](https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9599441/?ref=markusdotzler.de) Großkonzerne und Techunternehmen sind in diesem Spiel alles andere als hilfreich. Durch gezielte Werbung und geschickte Algorithmen platzieren sie zu allem Überfluss einen überdimensionalen Feuerwehrschlauch auf der anderen Seite, der die Wassermassen antreibt. Es ist, als reichte man einem Ertrinkenden ein Glas Wasser oder als hätten dir deine Eltern damals Schwimmflügel angezogen, nur um dir ein Loch rein zu stechen. Egal, wie viel Selbstkontrolle du besitzt, irgendwann wird der Deich den Wassermassen weichen. Schon Nietzsche sagte in „[Die fröhliche Wissenschaft](https://www.markusdotzler.de/readings/nietzsche-froehliche-wissenschaft-interpretation/aphorismus-11-das-bewusstsein-ist-deine-schw%C3%A4che)“, dass unser Bewusstsein und damit unsere Fähigkeit zur bewussten Verhaltenssteuerung eine der jüngeren Entwicklungen im Menschen und deshalb noch nicht ausgereift ist. Irgendwann erreichst du also deine Grenze. Spätestens, wenn du nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause kommst, du müde und erschöpft bist und einfach nur ein bisschen abschalten willst, da bröckelt sie. Schon sitzt du mit der Chipstüte auf der Couch, schaust mit einem Auge fern und mit dem anderen auf deinen *social feed*. Es ist übrigens kein Zufall, dass der „*feed*“ auf Social Media „*füttern*“ bedeutet. Menschen sorgen sich um den Speck auf ihren Hüften, aber machen sich keine Gedanken darüber, dass ihr Hirn vor lauter TikTok adipös wird. 💡 Damit dir das nicht passiert, findest du hier einen ausführlichen Artikel, um dein [Gehirn vor Information Overload zu retten](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/). ## Die Dosis macht das Gift, aber die Konzerne bestimmen die Dosis. Nur um es klarzustellen: Ich esse Burger, Pizza und Schokolade wie jeder andere. Du könntest sogar argumentieren, ich sei ein besonders hoffnungsloser Fall, weil ich auf threads unterwegs bin. Das Problem ist nicht die Nutzung, sondern die Übernutzung. Das „*übermäßige Genießen*“, wie es Frank Herbert nannte. 4 Stückchen Schokolade – schön und gut. 4 Tafeln – problematisch. 30 Minuten Social Media – stärkt das Netzwerk. 3 Stunden – schmoren das Netzwerk in deinem Kopf. Und wenn du ab und zu mal auf Pornografie zurückgreifst, sei's drum. Aber irgendwann wird das Ding doch wund. Die Dosis macht das Gift. Doch die allgegenwärtige Verfügbarkeit und der ständige Anreiz zum Zugreifen verwandeln unproblematisches Verhalten in einen Giftcocktail. Der Deich läuft über und du säufst ab. Während wir in der westlichen Welt dank gesteigertem Wohlstand nicht mehr unseren Grundbedürfnissen hinterherrennen müssen, haben Großkonzerne einen Weg gefunden, uns mit unseren Wünschen zu versklaven. Wir suchen Kontakte und werden mit billigem Dopamin überschüttet. Auf der Suche nach Individualität verlieren wir uns online in Fast Fashion. Und statt der Intimität, die wir uns wünschen, bekommen wir Furrys, Futas und Fußfetisch in Endlosschleife. Und so ertrinken wir im Überfluss. ## Wer trägt die Schuld, wenn unsere Selbstkontrolle versagt? Die Konzerne, die seit Jahren psychologische Tricks nutzen, um ihre Geschäftsmodelle zu optimieren, werden wohl kaum ihren Kurs zum Wohle des Nutzers ändern. Aufmerksamkeit ist ihre Währung und deine Lebenszeit füllt ihre Taschen mit Geld. Doch wer steht dann in der Verantwortung? Als 13-jähriger Junge entdeckte ich *World of Warcraft*. Das Spiel verschluckte mich vom ersten Log-in an und ist mit hoher Wahrscheinlichkeit die beste Erklärung für meinen frühzeitig einsetzenden schulischen Ruin. Die Entwickler platzierten damals auf dem Ladebildschirm des Spiels gut gemeinte Ratschläge: „*Man sollte alles in Maßen genießen (sogar World of Warcraft)!*“ ![Ladebildschirm in World of Warcraft Wrath of The Lich King. „Tipp: Man sollte alles in Maßen genießen (sogar World of Warcraft)“](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/01/bildschirmfoto-2025-12-11-um-09-46-41.png) Aber gut gemeint ist bekanntlich nicht immer gut gemacht. Und wenn dein Produkt eines der besten und unwiderstehlichsten Spiele seiner Zeit ist, was interessiert es dich als Entwickler, ob deine Nutzer Maß halten? Und genau das ist die Logik der Aufmerksamkeitsökonomie: Entwickle Produkte, sodass sie möglichst lange die Augen auf den Bildschirm fesseln. Selbst Tricks aus Glücksspielen gehören dabei zum guten Ton, denn Engagement bedeutet Dollars. Und wenn der Nutzer die Kontrolle über sein Verhalten verliert, darf er sich anhören, er sei doch selbst für seine Bildschirmzeit verantwortlich. Das gleiche Prinzip, das mich damals an die Welt von Azeroth fesselte, gilt übrigens auch im Supermarkt. Der „*Glückspunkt*“ ist kein anatomisches Merkmal einer Frau, nach dem Männer verzweifelt suchen, sondern bezeichnet die ideale Mischung aus Zucker, Salz und Fett, die das Belohnungssystem des Gehirns optimal aktiviert. Hinter Lebensmitteln steckt eine Wissenschaft, die den Kunden zum wiederholten Konsum anregen soll. Aber die Verantwortung für den Speck auf deinen Hüften, sagen sie dir, trägst letztendlich du. Und diese Ansicht ist nicht völlig falsch. Natürlich tragen wir alle Verantwortung für unser Verhalten. Und so war auch ich früher der strikten Meinung, jeder Mensch sei doch selbst dafür verantwortlich, wie viele Marsriegel er sich zwischen die Kiemen schiebt. Du wirst ja schließlich nicht von Magerquark dick. Heute sehe ich das etwas differenzierter. Stell dir folgende Situation vor, denn sie könnte dir bekannt vorkommen: ## Entscheidungsmüdigkeit: eine all(zu)tägliche Geschichte Es ist 15 Uhr. Du sitzt in deinem Bürostuhl und atmest endlich einmal durch. Nur fünf Minuten. Weiß Gott, du hast es dir verdient. Da es im Unternehmen momentan alles andere als rosig aussieht, warst du heute bei einigen angespannten Terminen anwesend. Zwischendrin musstest du lästige To-dos und ein paar komplexe Kundenanfragen bearbeiten. *Wann ist eigentlich Feierabend?*, fragst du dich. Und die Uhr auf deinem Bildschirm antwortet prompt: *Noch lange nicht, du faules Stück.* Und während deine Gedanken zum ersten Mal an diesem Tag etwas Ruhe finden, da hörst du sie, diese altbekannte Stimme. Dieser „Freund“, der immer nur das „Beste“ für dich will. Und er sagt zu dir: „*Du brauchst jetzt irgendwas. Nur 'ne Kleinigkeit, aber irgendwas Positives muss dieser Tag doch an sich haben.*“ Und dann fällt es dir ein. Dieses kleine Körblein, das dir dein Chef neulich aus der unvorstellbaren Güte seines Herzens für deine vielen Überstunden ins Zimmer gestellt hat. Kein Obstkorb, nein. Er will ja nur das Beste für dich. Und so beginnen deine Gedanken unaufhörlich wie ein Karussell mit Kurzschluss um diesen kleinen Naschkorb zu kreisen. Darin liegen unzählige, höchstwahrscheinlich abgelaufene, aber bestimmt immer noch sehr köstliche Schokoriegel in Miniaturform. Und du? **Du widerstehst.** Für den Strandkörper, versteht sich, und arbeitest weiter. Als du um 17 Uhr endlich deinen Laptop zuklappst, damit dich die Welt – oder zumindest diese lästigen Kunden – wenigstens bis morgen am Arsch lecken können, läufst du wie in Trance den gewohnten Weg zur U-Bahn. Und da wartet sie schon auf dich. Eine Armada an Automaten, gefüllt mit diesen unwiderstehlichen NicNacs, von denen du genau weißt, dass sie nur zwei Euro kosten, weil du diesen Kampf in den letzten Jahren schon unzählige Male ausgeführt und unzählige Male verloren hast. Aber nicht heute. **Du widerstehst.** Wie ein Reh auf der Flucht springst du in die nächste U-Bahn. Hier bist du sicher – denkst du. Du ziehst dein Smartphone aus der Hosentasche und öffnest Instagram. Nichtsahnend, dass der Algorithmus schon längst weiß, was du jetzt brauchst. Er serviert dir eine makabere Melange aus Fitnessshorts und Essensrezepten. Genau die richtige Giftmischung, um dir deine Faulheit nach Feierabend und deine Lust auf ungesunde Snacks vorzuwerfen. In diesem mentalen Nebel vergeht die Fahrt wie im Flug. Endstation. Frustrierter als zuvor steckst du dein Smartphone in die rechte Hosentasche und steigst aus. Jetzt nur noch schnell zur Rewe. Zum Bäcker. Dann hast du's geschafft. Doch als wärst du nicht schon verzweifelt genug, fällt dir im Supermarkt auf, dass sich alle Puddingsorten dieser Welt, die sich die Menschheit in über 300.000 Jahren brillanter Evolution ausdenken konnte, wie durch eine finstere Fügung des Schicksals auf genau *deiner* Augenhöhe befinden. **Du widerstehst.** Gehst zum Bäcker. Die Nussschnecke rekelt sich um deine Aufmerksamkeit wie Heidi Klum für Intimissimi. Was wolltest du eigentlich hier? Ach ja, richtig, Roggenbrot. Das ist doch viel leckerer als eine Nussschnecke. Und diese Nussschnecke und ihre Tochter aus der Werbung sind doch eh peinlich. **Du widerstehst.** Nur noch dieses letzte Mal. Du kaufst das verheißungsvolle Roggenbrot und gehst stolzer Brust nach Hause. Wieder einen Tag überstanden. Doch zu Hause wartet sie auf dich – die Liebe deines Lebens. Und sie sagt zu dir: „*Schaaatz, mir ist kalt. Ich hab Lust auf was Warmes. Soll ich uns 'nen Pudding kochen?*' Und du denkst: *Scheiße. Jetzt haben sie mich. Aber wie sollte ich diesen flehenden Welpenaugen widerstehen?* ## Gezinkte Karten: Wir spielen kein faires Spiel. So oder so ähnlich geht es vielen Menschen heutzutage. Sie widerstehen und widerstehen und widerstehen – den ganzen Tag. Sie *müssen* widerstehen, denn das haben sie sich nicht ausgesucht. Ich glaube, dass viele Menschen nicht undiszipliniert sind, sondern einfach müde und überspannt von diesen kontinuierlichen Reizen. [Und dann greift auch Digital Detox zu kurz](https://www.markusdotzler.de/digital-detox-was-funktioniert-tipp/). Und irgendwann, wenn der Deich bricht und das Wasser sie überschwemmt, dann zeigen die Finger der Industrie auf sie. Wenn ein Mensch ertrinkt und alle anderen dabei zusehen, auch wenn sie helfen könnten, dann nenne ich das grausam. Aber wenn Konzerne Kinder mit zuckrigen Getränken locken und Apps wie digitale Kasinos gestalten und *uns* am Ende die Schuld für unser Verhalten geben, dann nennen sie das Geschäftsmodell. Früher dachte ich, jeder sei selbst für seinen Konsum verantwortlich und das stimmt immer noch – bis zu einem gewissen Grad. Heute weiß ich, dass das Spiel nicht ganz fair ist. Die Techunternehmen, die Werbe- und auch die Lebensmittelindustrie – sie alle spielen mit gezinkten Karten. Doch wer das Spiel durchschaut, verliert zumindest nicht mehr jede Hand. Das Spiel ist nicht fair, aber wer die Regeln kennt, kann sich vor Manipulation schützen. Im Newsletter bekommst du regelmäßig Impulse, die dir helfen, klarer zu denken und selbstbestimmt zu leben. Kein Spam. Kein Algorithmus. Nur Inhalt, der dich weiterbringt. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) Falls du mehr darüber erfahren willst, wie Techunternehmen dir deine Aufmerksamkeit stehlen und deine Willenskraft untergraben: - Der Journalist [Johann Hari](https://johannhari.com/?ref=markusdotzler.de) hat darüber ein ganzes Buch mit dem Titel „Abgelenkt“ geschrieben. - Der Experte und ehemalige Google-Mitarbeiter Tristan Harris hat deshalb sogar die Organisation „[Center for Human Technology](https://www.humanetech.com/social-media-society?ref=markusdotzler.de)“ mit ins Leben gerufen. ### Analoge Planung: 2 Notizbücher gegen digitalen Stress. URL: https://www.markusdotzler.de/analoge-planung/ Last updated: 2026-06-10T17:40:05.000Z Mit nur zwei Werkzeugen kann ich dir dabei helfen, durch analoge Planung auf alle anderen digitalen Tools zu verzichten. Nicht besser. Nicht schneller. Nicht mehr. Sondern *einfacher*. Dein täglicher Digital Detox im Alltag. Was du brauchst? Stift und Papier. Los geht's. ## Warum analoge Planung mit Stift und Papier funktioniert. Alles hektisch. Alles digital. Tausend Produktivitätsapps und jeder will sie dir verkaufen. Alle sagen, wie es besser geht. Aber niemand, wie es *einfacher* geht. Was, wenn wir Produktivität falsch denken? Wenn sie sich nicht anfühlen muss wie Feuer löschen? Digitale Anwendungen zur Planung und Organisation sind der heutige Standard. Sie sind schnell, leicht zu bearbeiten und automatisierbar. Sie können alles und sind – dank KI-Integration – mittlerweile sogar intelligent, bald vielleicht auch selbstständig. Doch wie ich feststellen musste, funktionieren digitale Tools für viele, aber nicht für mich. Denn Apps besitzen keinen Charakter. Zumindest nicht *meinen* Charakter. Es scheint widersprüchlich. Je mehr ich mich digital organisierte, desto schneller verlor ich den Überblick. Diese ganzen Tools brachten keine Klarheit in meinen Alltag. Ich fühlte mich **digital überlastet**. Und sobald ich eine Anwendung integriert hatte, gab es da immer „*nur noch diese eine andere App“*. Der Appstore gleicht einem Basar. Auf diesem Basar stellte ich fest: **Mein Kopf funktioniert besser auf Papier.** - **Wohlfühlfaktor**: Einen Stift in die Hand zu nehmen fühlt sich gut an. Mit dem haptischen Feedback beim handschriftlichen Schreiben auf Papier hält keine Tastatur und kein eInk-Display dieser Welt mit. - **Entlastung**: Wenn ich eine Idee oder ein To-do mit der Hand erfasse, kann ich loslassen. Das hilft gegen digitale Müdigkeit. Ich komme mir vor wie Albus Dumbledore, der mit dem Zauberstab einen Gedanken aus seinem Kopf im Denkarium ablegt. - **Auffindbarkeit**: Mein Gehirn erinnert sich, wo eine Information ungefähr innerhalb eines Buches steht. Eine Information in einer Cloud hingegen verliere ich aus den Augen wie Wolken am Himmel. Suchfunktionen benötigt mein Gehirn nicht, wenn ich Wissen handschriftlich festhalte. - **Ruhe**: Notizbücher drängen sich nicht auf. Sie schicken keine Erinnerungen. Sie fühlen sich an wie ein bisschen Digital Detox im Alltag. Nur um das Argument vorwegzunehmen: Der Weg mit Stift und Papier ist nicht besser. Ich bin mir sicher, es gibt für jedes meiner Argumente eine technische Antwort. Stift und Papier sind nicht effizienter. Und sie sind definitiv eine Frage des Geschmacks. Doch für mich funktioniert dieser Weg. Stift und Papier helfen mir dabei, mich besser an das zu erinnern, das mir wichtig ist. Im folgenden Artikel stelle ich dir meine zwei Notizbuchsysteme für analoge Planung vor. Lass uns jedoch zuerst darüber sprechen, welche grundlegenden Funktionen Notizbücher erfüllen. So kannst du später besser deinen eigenen Weg finden. ## Die 4 Funktionen eines Notizbuchs: Was du wissen musst In ihrem Video „*The Best Way to Use a Notebook*“ fasst die Youtuberin „[*Rachelle in theory*](https://rachelleintheory.com/?ref=markusdotzler.de)“ die vier grundlegenden Funktionen von Notizbüchern zusammen: 1. **Denken**: Probleme lösen. Zusammenhänge erkennen. 2. **Lernen**: Wissen sammeln. Zusammenfassungen erstellen. 3. **Festhalten**: Erinnerungen aufbewahren. Wichtige Momente erfassen. 4. **Planen**: Termine, Deadlines, Aufgaben und To-dos organisieren. Unterschiedliche Notizbücher erfüllen unterschiedliche Funktionen. So kannst du jedem Bedürfnis ein eigenständiges Notizbuch widmen, z.B. wenn du die Notizen aus deiner Psychologievorlesung nicht mit deiner Jahresplanung vermischen willst. Unterschiedliche Bedürfnisse lassen sich jedoch auch in *einem* Notizbuch kombinieren. Ein Bullet Journal erfüllt sowohl die Planungsfunktion, als auch das Festhalten von Erinnerungen und dient vielen Menschen als kreativer Auslass. Theoretisch kannst du sogar alle Funktionen in einem einzigen Notizbuch umsetzen. Das nennt sich „*Zibaldone*“ und ist Italienisch für „*ein Haufen Dinge*“ oder „*Sammelsurium*“. Hier darf alles rein. Tagebucheinträge, To-dos, Ideen, Buchzitate und Reflexionen dazu. *Rachelle in theory* stellt die vier Notizbuchfunktionen in einem Venn-Diagramm dar: ![Venn-Diagramm, das die 4 Funktionen eines Notizbuches (Denken, Lernen, Festhalten und Planen) und ihre Überschneidungen darstellt](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/01/image.png) 4 Funktionen eines Notizbuches Notizbücher sind so vielfältig wie die Menschen, die sie verwenden. Die unterschiedlichen Funktionen zu kennen bedeutet, den Kauf eines Notizbuches besser an deine Bedürfnisse anpassen zu können. Denkst du nicht darüber nach, wird es dir wie mir ergehen: Du wirst unzählige Notizbücher kaufen und anfangen, nur um sie später in die Ecke zu werfen, weil sie nicht das tun, was du wolltest. Mit diesem Verständnis können wir nun meine beiden Notizbuchsysteme einordnen. ## System 1: Mein analoger Begleiter im Alltag. Das erste Notizsystem ist ein einfaches, kariertes A5 Notizbuch. ![Bild eines gelben A5-Notizbuches auf schwarzem Hintergrund](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/01/dsc00674-bearbeitet.jpg) Früher widmete ich jedem Thema ein einzelnes Notizbuch. Doch das funktionierte nicht. Die Gründe? **Der Pragmatismus**: Wenn ich unterwegs bin, schleppe ich nie alle Notizbücher mit. Kommt mir dann jedoch ein Gedanke zu einem bestimmten Thema, habe ich nie das richtige Notizbuch parat. Deshalb nutzte ich bisher ein „Auffangbuch“ im A6 Format, bis ich feststellte: Ich war zu Hause zu faul, den Gedanken in das Hauptbuch zu übertragen. Das Auffangbuch füllte sich und meine extra angeschafften Notizbücher verstaubten. **Zweitens, die Logik**: Das Gehirn funktioniert nicht in strikten Kategorien. Das Ziel beim Schreiben ist, Informationen und Erkenntnisse zu vernetzen. So bleiben sie hängen. Aus diesem Grund bevorzuge ich das scheinbare „Chaos“ eines einzelnen Notizbuches. Ein psychologischer Fakt folgt auf ein Zitat aus einem Roman. So bin ich beim Durchblättern schon auf die ein oder andere Erkenntnis gestoßen. Aus diesem Grund treffe ich keine thematischen Unterscheidungen mehr. In mein A5 Notizbuch darf alles rein. Es ist ein klassisches „*Zibaldone*“. ### So funktioniert das Zibaldone in der Praxis. Im Kern begleite ich im Zibaldone meinen Tag. Ich schreibe rein, was ich wann tue. Nicht im Stil eines Tagebuches („*Liebes Tagebuch…*“), sondern in kurzen Sätzen oder Stichpunkten: - „*06:45\. Aufstehen. Kalt duschen. Dehnen. Kaffee.*“ - „*15:50\. Anziehen. Fitnessstudio. Danach Einkaufen. Kochen. Essen.*“ Auch meine Hobbys passen rein: - „\_18:30\. Schlagzeug. 20 Minuten James Brown - Cold Sweat. Tempo: 72 bpm. Erstes Motiv funktioniert. Zweites braucht noch Arbeit.“ Meine groben Notizen benötigen meist nicht länger als ein paar Sekunden. Und das Wichtige: Sie stärken meine Schreibgewohnheit. Ich greife regelmäßig zu Stift und Papier, ohne darüber nachzudenken. Doch nicht nur was ich tue darf in das Notizbuch, sondern auch was ich denke. Am Sonntag, den 23.11.2025, notierte ich z.B. meine Lieblingspassagen aus dem Buch „*Knulp*“ von Hermann Hesse und ein paar Gedanken dazu. Der Artikel, den du hier liest, ist auch in meinem Zibaldone entstanden. Und genau deshalb funktioniert das Notizbuch so gut für mich. ### Warum das Zibaldone als Notizsystem so wirksam ist. #### Eine zentrale Anlaufstelle Anders als früher trenne ich Themen nicht mehr. Denn sobald das Interesse an etwas abnimmt, liegt das Buch in der Ecke. Für etwas anderes verwenden will ich es dann nicht mehr, denn nun trägt es schon einen „*Stempel*“. **Das Resultat:** *viele angefangene, aber kein vollgeschriebenes Notizbuch*. Heute landen fast all meine Notizen in meinem Zibaldone. Ich muss nicht mehr darüber nachdenken, zu welchem Notizbuch ich greife. Jeder Gedanke liegt an der gleichen Stelle. Und so finde ich auch alles wieder. #### Eine zentrale Gewohnheit Indem ich meinen Tag begleite und alles eintragen darf, gibt es immer einen Grund zu schreiben. Der Stift hört nicht auf sich zu bewegen. Das Notizsystem funktioniert, weil ich es nicht nur ab und zu nutze, sondern kontinuierlich. Es ist mein ständiger Begleiter. Die Zeilen füllen sich von allein und das fühlt sich gut an. #### Chaos bekämpfen. Chaos begleiten. Noch chaotischer, als alles in ein Notizbuch zu schreiben, erscheint es mir, alles auf fünf verschiedene Notizbücher zu verteilen. Geschmackssache. Doch was von außen chaotisch wirkt, besitzt eine ordnende Wirkung. Das Zibaldone hilft mir, meine Gedanken an einer zentralen Stelle zu sortieren, Muster und Zusammenhänge zu erkennen und somit Ordnung in das alltägliche Chaos zu bringen. Das Notizbuch ist wie das Leben. Chaotische Regelmäßigkeit. Und das beruhigt mich. Das Problem der Auffindbarkeit wichtiger Mitschriften lässt sich übrigens durch eine einfache Kennung im Inhaltsverzeichnis lösen, z.B. „*01/20251123*". Diese Kennung liest sich als „*Mitschrift ist in Notizbuch Nummer 1 am 23.11.2025 zu finden*“. #### Das eigene Verhalten beobachten. Barbara Oakley empfiehlt in ihrem Buch „*A Mind for Numbers*“ den eigenen Tagesablauf schriftlich festzuhalten. #### Quelle Oakley, B. A. (2014). **A mind for numbers: How to excel at math and science (even if you flunked algebra)*. Jeremy P. Tarcher/Penguin. S. 129. Der Grund? Einen Großteil des Tages befinden wir uns im „*Zombiemodus*“. Manchmal irren wir wie im Autopilot durch den Tag und so schleichen sich leicht schlechte Gewohnheiten ein. Den Tagesverlauf schriftlich zu begleiten, erlaubt es, das eigene Verhalten zu beobachten. Und das bringt unerwünschte Gewohnheiten ans Tageslicht. Ich stelle mir das vor wie in einem Schwertkampf gegen einen unsichtbaren Gegner. Mein Zibaldone überschüttet den Feind mit Farbe, wodurch ich ihn sehen und bekämpfen kann. In der Vergangenheit hatte ich keine Ahnung, wie viel Youtube ich täglich guckte. Als ich das jedoch mal Schwarz auf Weiß sah, bekam ich automatisch Bauchschmerzen. So viel Zeit verschwende ich in einen endlosen Kaninchenbau? Das Notizbuch bekämpfte meine Prokrastination ohne einen Coach. Die 20 Euro für ein Notizbuch schonen somit auch den Geldbeutel. 💡 Hier gibt's mehr [Tipps, um Prokrastination zu überwinden](https://www.markusdotzler.de/prokrastination-ueberwinden/). Das Zibaldone funktioniert, weil es mich durch seine Freiheiten zum Schreiben motiviert. Es dient mir als zentrale Anlaufstelle für Ideen und Gedanken und hilft mir beim Erkennen von Verhaltensmustern. So bekämpft es das Chaos in meinem Kopf und das fühlt sich gut an. Und wenn ein Notizbuch sich gut anfühlt, macht es alles richtig. Theoretisch lässt sich in einem Zibaldone also alles darstellen: Lernen, Denken, Festhalten und Planen. Für den letzten Aspekt nutze ich jedoch gerne ein zweites System, das ich dir als nächstes vorstelle. ## System 2: Mein analoges Produktivitätssystem. Das zweite System dient ausschließlich der vorausschauenden Organisation meiner Woche. Anders als das Zibaldone handelt es sich hierbei um ein klares Produktivitätssystem. ![Bild eines gelben Wochenplaners (Hobonichi Weeks) im schlanken A5 Format auf schwarzem Hintergrund](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/01/dsc00675-bearbeitet.jpg) Dafür nutze ich einen Papierplaner im Wochenlayout. Das muss keine spezifische Marke sein. Fast jeder Hersteller von Notizbüchern bietet mittlerweile etwas ähnliches an. Hier ein paar Empfehlungen: - [Hobonichi](https://www.1101.com/store/techo/en/?ref=markusdotzler.de) (japanisch) - [Leuchtturm](https://www.leuchtturm1917.de/?ref=markusdotzler.de) (deutsch) Die Marke ist unerheblich. Das Notizbuch muss dir lediglich gefallen, damit du es nutzt. Wenn du ein Bullet Journal starten willst, könntest du dir das Layout auch in ein normales Notizbuch einzeichnen. Du benötigst kein extra Produkt, solange du bereit bist, das Gestalten zu übernehmen. Für mich erfüllt der Wochenplaner eine ähnliche Funktion wie ein Bullet Journal, bleibt dabei aber schlanker und nimmt mir den Gestaltungsaufwand. Wichtig ist letztlich aber nicht, welches Werkzeug du verwendest, sondern *wie du es einsetzt*. ### So nutze ich meinen Wochenplaner in der Praxis. Mein Planer ist in eine Jahres-, Monats- und Wochenübersicht untergliedert. Zusätzlich bietet er am Ende einige Notizbuchseiten. #### Die Jahresübersicht ![Darstellung einer Jahresübersicht im Hobonichi Weeks](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/01/dsc00678-bearbeitet-bearbeitet.jpg) Hier ist das gesamte Jahr auf 2 Seiten für einen schnellen Überblick abgebildet. Ich benutze die Jahresübersicht daher ausschließlich für Geburtstage und für Farbcodes (Urlaub, Feiertage, Müll, Hausordnung). Eine Methode für Fortgeschrittene: Wenn ich eine neue [Gewohnheit etablieren](https://www.markusdotzler.de/vergiss-disziplin/) will (2025 war das z.B. kalt duschen), hake ich den jeweiligen Wochentag in der Jahresübersicht ab, an dem ich mich an die neue Gewohnheit gehalten habe. So entsteht die Verbindlichkeit, die daraus resultierende Kette nicht zu unterbrechen (das ist das „Don't break the chain“-Prinzip von Jerry Seinfeld, über das ich in meinem Artikel „[Talent Mythos](https://www.markusdotzler.de/talent-mythos/)“ schreibe). #### Die Monatsübersicht ![Darstellung einer Monatsübersicht im Hobonichi Weeks](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/01/dsc00677-bearbeitet-bearbeitet.jpg) Die Monatsübersicht erlaubt eine genauere Planung. Hier erfasse ich genaue Termine inkl. Uhrzeit. Was letztes Jahr gut für mich funktionierte: Budgetplanung. In der Monatsübersicht schrieb ich auf, wie viel Geld ich täglich ausgab (mit einer einfachen Minuszahl am unteren Ende des Tages). #### Die Wochenübersicht ![Darstellung einer Wochenübersicht im Hobonichi Weeks](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/01/dsc00679-bearbeitet.jpg) Hier liegt der Hauptnutzen des Planers. Die Jahres- und Monatsübersicht sind das Steuer. Die Wochenübersicht ist der Motor. Sie besteht aus zwei Teilen. Die Notizseite rechts nutze ich für sogenannte „*brain dumps*“. Dabei spucke ich alle To-dos auf's Papier, die mir für die nächste Woche in den Sinn kommen. Barbara Oakley empfiehlt, nicht mehr als 20-25 Punkte zu notieren. #### Quelle Oakley, B. A. (2014). S. 131. Da ich meinen Planer ausschließlich für private Zwecke nutze, taucht in dem „*brain dump*“ alles auf von zu schreibenden Artikeln, Social Media Beiträgen und Recherchearbeiten, bis hin zu „*Bett neu beziehen*“ oder „*Staubsaugen*“ (Staubsaugen könnte vielleicht häufiger drauf stehen). Alles, was mir in den Sinn kommt, landet am Ende der Woche auf der Seite. Da ich den Planer privat nutze, mache ich das am Sonntag. Wenn du etwas Ähnliches im Job umsetzen willst, empfehle ich dir den Freitag, damit du am Wochenende nicht an die Arbeit denken musst. Wenn alles auf Papier steht, erfolgt eine einfache Priorisierung: - 1 = Müssen. Heute. - 2 = Wollen. Heute oder morgen. - 3 = Sollen. Diese Woche. - 4 = Können. Irgendwann. 3er und 4er Aufgaben rühre ich erst an, wenn alle 1er und 2er erledigt sind. Jetzt beginnt Teil zwei der Planung. Auf die Wochenübersicht links ziehe ich mir die Aufgaben aus dem „*brain dump*“ mit der höchsten Priorität, die ich erledigen will oder muss. In der Regel halte ich mich dabei an die T5T-Methode („*Top 5 Things*“) des NVIDIA-Gründers Jensen Huang. Huang lässt sich von Mitarbeitern E-Mails mit den fünf wichtigsten Themen zuschicken, an denen sie momentan arbeiten. Das stärkt die Ausrichtung auf die wichtigsten Hebel. Außerdem hilft es bei der Begrenzung. To-dos überfrachten leicht und es frustriert, wenn du jeden Tag nur einen Bruchteil erledigst. Meine Erfahrung zeigt, dass es unrealistisch ist, mehr als fünf wichtige Aufgaben pro Tag zu erledigen. Oft schaffe ich nicht mal drei. Tipp: Sei spezifisch. Rechts dürfen grobe To-dos stehen, aber links sind spezifische nächste Schritte besser. So muss dein Gehirn nicht nachdenken („*Wie fange ich an?*“). Statt „*E-Mails beantworten*“ schreibst du auf die linke Seite „*Excelauswertung für E-Mail von XY vom 11.11.*“. Sobald ich To-dos abarbeite, streiche ich sie mit einem Rotstift durch. Das ist ein super Gefühl. Nur wegen Rotstiften könnte ich Lehrer werden. Sollte ich eine Aufgabe nicht schaffen, streiche ich sie blau durch und übertrage sie auf den nächsten Tag. Zuletzt trage ich auch Termine in die Tagesübersicht ein, um To-dos realistischer zu planen. Ein zweistündiger Zahnarzttermin schränkt schließlich ein, wie viel man an einem Tag erledigen kann. So wird aus meinem Wochenplaner ein analoges Produktivitätssystem. #### Zusätzliche Notizseiten. Am Ende des Planers befinden sich meist noch ein paar Notizbuchseiten. Diese nutze ich unterwegs als Auffangbecken für spontane Gedanken oder To-dos und um mein Lesen und Schreiben zu gamifizieren (anderes Thema für einen anderen Artikel). ### Warum mein Wochenplaner gegen digitale Produktivitätstools gewinnt. Mein Wochenplaner ist das funktionale Gegenstück zu meinem Zibaldone und stellt aus folgenden Gründen die perfekte Ergänzung zu meinem A5-Notizbuch dar: #### Ordnung im Chaos Das unstrukturierte A5-Notizbuch führe ich bewusst etwas chaotisch, denn wie John Lennon in [Darling Boy](https://www.youtube.com/watch?v=1BZkYfqa4Fs&ref=markusdotzler.de) sang: „*Das Leben ist das, was passiert, während du beschäftigt bist, andere Pläne zu schmieden.*“ Der Wochenplaner bündelt das Chaos und bringt Ordnung in mein Leben. Er versucht, aus dem Datenmaterial der Gegenwart einen Plan für die Zukunft zu schmieden. So erlaubt er mir, mich im Alltag schnell zu orientieren, auf Änderungen zu reagieren und so die nächsten Tage und Wochen vorauszuplanen. #### Kognitive Entlastung System 1 hält Ideen und Gedanken fest, damit ich sie wiederfinden kann. Das entlastet mich. System 2 erfüllt dieselbe Funktion für Termine und To-dos und das hilft, von ihnen loszulassen. Halte ich Dinge digital fest, schwirren sie mir oft trotzdem noch im Kopf rum. Das handschriftliche Schreiben funktioniert für mich wie eine Kur von der digitalen Reizüberflutung. 💡 Analoge Tools schützen dich zumindest etwas vor dem Phänomen der [Information Overload](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/). Mehr dazu erfährst du im verlinkten Artikel „Informationsflut überwinden“. Vor allem unvollständige Aufgaben besitzen das Potenzial, die Aufmerksamkeit zu dominieren und auch nach Feierabend im Kopf herumzuschwirren. Dieses Phänomen heißt „**Zeigarnik-Effekt**“. Du kennst ihn bestimmt: Ausgerechnet dann, wenn dein Kopf das Kissen berührt und du ins Land der Träume entfliehen willst, fängt dein Gehirn an, darüber zu plappern, was du heute alles vergessen hast. Erholung geht anders. Der Trick: Erstelle durch ein Feierabendritual am Ende des Tages in 10-20 Minuten eine Übersicht, welche Aufgaben am nächsten Tag anstehen. Das To-do ist damit notiert und der Planer wird dich am nächsten Tag daran erinnern. Dein Gehirn kann loslassen. #### Quelle Newport, C. (2023). **Konzentriert arbeiten: Regeln für eine Welt voller Ablenkungen* (J. T. A. Wegberg, Übers.; 7\. Auflage). Redline Verlag. S. 210ff. So sickert die Arbeit seltener in die Freizeit. 💡 Hier erhältst du noch mehr [Tipps für mehr Fokus](https://www.markusdotzler.de/mehr-fokus/). #### Ein gesunder Gegenpol Vielleicht denkst du nach diesem Artikel, ich wäre ein ordentlicher Mensch. Ich betreibe schließlich einen gewissen Aufwand, um mich zu organisieren. Die Wahrheit ist jedoch, dass ich genau das Gegenteil bin. Ich bin ein Chaot. Tische sind für mich Ablageflächen für alles mögliche. Und wenn ich etwas finden will, dann frage ich meine Freundin. Was mir an Ordnung fehlt, besitze ich dafür an Fleiß. Und das ist gut so, denn mein Fleiß muss oft für meine Unordnung aufkommen. Ganz nach dem Motto: „*Wer aufräumt, ist nur zu faul zum Suchen.*“ Doch trotzdem glaube ich, dass vor allem unordentliche Menschen von etwas Ordnung im Leben profitieren können. Und deshalb ist ein analoges Produktivititätstool ein gesunder Gegenpol zu meiner Persönlichkeit. Zur Freude meiner Freundin muss ich sie mittlerweile zumindest nicht mehr fragen, ob ich an einem bestimmten Tag schon etwas vorhabe. Das sagt mir mein Kalender. Happy wife, happy life. Wenn ich jetzt noch meinen Schlüssel finden könnte… ## Mein analoges Notizsystem: Wie beide Notizbücher zusammenwirken. Nun kennst du beide Systeme. Sie sind nicht perfekt, aber die Antwort auf meine Bedürfnisse. Freiheit auf der einen, Struktur auf der anderen Seite. Gedanken hier, konkrete To-dos dort. Beide Notizbücher greifen dabei ineinander wie der Zahnriemenantrieb an einem Fahrrad. Meine Erfahrung zeigt, dass digitale Tools in der Planung nicht für jeden funktionieren. Wenn du also lieber Papier und Stift verwendest, dann tu das. Analoge Planung ist noch lange kein Relikt. Doch tu es mit Bedacht. Als ich mir den ersten Planer gekauft hatte, wollte ich ihn möglichst effizient nutzen. Ich entwarf ausgeklügelte Trackingsysteme. Jede Seite musste eine konkrete Funktion erfüllen. Doch als ich mit der Pflege nicht hinterherkam, rührte ich den Planer schuldbewusst nicht mehr an. Mein Produktivitätswahn war kontraproduktiv. Durch das Überdenken verderben wir uns manchmal selbst die Aspekte unseres Lebens, die uns erfüllen. Wenn also eine Idee in der Praxis nicht funktioniert, verwirf sie. Reduziere deine Planung auf ein Minimum. Es fällt uns meistens leichter, etwas hinzuzufügen, als etwas wegzulassen. Die Kunst ist das Reduzieren auf das Nötigste. Das gilt für digitale Tools genauso wie für analoge Planung. > *Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.* > Antoine de Saint-Exupéry ## Analoge Planung gegen digitalen Stress Nach mehreren Jahren und einigen Versuchen der digitalen Organisation bin ich bei einem simplen Notizbuch in Verbindung mit einem Wochenplaner gelandet. In der Essenz nicht mehr als Stift und Papier. Letztlich ist es eine Frage des Geschmacks. Papier funktioniert für mich besser als ein Smartphone, bringt Achtsamkeit in meinen Tagesablauf, lässt mich kreativ denken und *fühlt sich verdammt gut an*. Digital Detox muss nicht bedeuten, dich für mehrere Wochen komplett auszuklinken. Durch analoge Notizbuchsysteme kannst du sie ganz einfach in deinen Alltag integrieren. Der Aufwand schützt meine Freizeit und fördert meine Entspannung. Und das ist es mir wert. Ich hoffe, mein System tut das Gleiche für dich. Analoge Planung ist ein Teilbereich, wie ich mein Leben bewusst und selbstbestimmt anders gestalte. Im Newsletter bekommst du regelmäßig kompakte Impulse zu Fokus, Produktivität und selbstbestimmter Lebensführung. Kostenlos. Ohne Ablenkung. Direkt in dein Postfach. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) PS: Produktivitätssysteme funktionieren. Produktivität kennt jedoch auch eine Schattenseite. Meine sehr persönliche Erfahrung mit toxischer Produktivität erzähle ich dir in meinem Artikel „[Die Produktivitätslüge](https://www.markusdotzler.de/produktivitaetsluege/)". ### Mut zur Veränderung: 4 Impulse gegen Selbstmanipulation durch alte Denkmuster. URL: https://www.markusdotzler.de/mut-zur-veraenderung/ Last updated: 2026-07-10T09:40:58.000Z Der Mut zur Veränderung ist ein einfacher Vorsatz, aber schwer in die Tat umzusetzen – vor allem, wenn wir dabei auch noch gegen unsere biologische Programmierung arbeiten. Das Gehirn ist wie ein Buchhalter, der für alles einen Beleg aus der Vergangenheit benötigt. Kein Beleg? Keine Veränderung. Die Zukunft kann mit alten Belegen jedoch manchmal nichts anfangen. Wie wirst du dich dann verhalten? Hier gibt's 4 Impulse für mehr Mut zur Veränderung. ## Warum deine Pläne scheitern dürfen. ### 1\. Unperfekte Pläne sind ein Vorteil. Früher ärgerte ich mich, wenn mein Leben anders verlief, als ich es mir vorstellte. Wenn meine Pläne nicht aufgingen. Heute verstehe ich: Pläne können gar nicht immer funktionieren. Dein Gehirn liebt Muster. So erklärt es sich die Welt. Und durch Muster versucht es auch, die Zukunft vorherzusehen. Zukunftspläne basieren somit immer auf dem, was du schon kennst. Auf der Datengrundlage der Gegenwart. Und das kann problematisch sein. Die Daten der Gegenwart sind vielleicht gut, aber nie perfekt. Woher willst du heute treffsicher wissen, wie dein Leben in einem Jahr aussieht? Das ist, wie John Lennon in *Darling Boy* sang; „*Das Leben ist das, was passiert, während du beschäftigt bist, andere Pläne zu schmieden*.“ Das bedeutet nicht, dass du keine Pläne schmieden sollst. Zermater dir das Hirn. Triff deine beste Vorhersage. Aber denk dran, dass Pläne nur eine Annäherung sind. Du wirst immer wieder Anpassungen vornehmen müssen. Das ist weder gut noch schlecht. Das ist einfach das Leben. Also mach dich nicht verrückt, wenn ein Plan nicht aufgeht. [Es gibt keinen perfekten Plan](https://www.markusdotzler.de/aufgeben-lernen/), nur den Mut zur Veränderung. Außerdem: > Pläne funktionieren meistens besser, wenn du bereit bist, sie zu verwerfen. ### 2\. Die Reise verändert dich, nicht das Ziel. Du hast Ziele im Leben. Das ist normal. Dein Gehirn arbeitet ständig an seiner Vorstellung der Zukunft. „*Wer will ich sein?“ „Was will ich erreicht haben?*“ Das sind wichtige Fragen. Doch das Datenmaterial, das deinem Gehirn zur Verfügung steht, ändert sich täglich. Und somit ändern sich auch deine Ziele. Was ist also, wenn du nie dort ankommst, wo du hinwillst? Wenn deine Ziele nur eine Illusion sind? Ich glaube im Leben geht es viel mehr ums Laufen als ums Ankommen. Paul Watzlawick hat mal gesagt, „*Im Aufbruch, nicht am Ziel liegt das Glück*“. So ist das auch mit Veränderung. Sie entsteht, *während* du den Berg besteigst, weil du wissen willst, wie die Aussicht ist. Ziele sind ein Kompass, der die Richtung bestimmt. Doch du kannst eine Landkarte studieren, wie du willst. Wenn du vor Ort bist, sieht die Welt ganz anders aus. Und genauso ist das mit Zielen. Das Ziel ist nicht die Reise. Das Ankommen ist nicht der Sinn. Du wirst kein neuer Mensch, sobald du dein Ziel erreichst. Nicht das Ankommen verändert dich, sondern die Reise. Selbst wenn du dich für [nicht gut genug](https://www.markusdotzler.de/nicht-gut-genug-prokrastination-erfahrung/) hältst, lohnt es sich trotzdem, loszulaufen. Lies nicht, um Bücher zu zählen, sondern um Geschichten zu erfahren. Reise nicht, um Länder abzuhaken, sondern um Kulturen zu kosten. Vergeude deine Zeit nicht mit Followerzahlen, wenn du nach echter Verbindung suchst. Keine Kennzahl dieser Welt entscheidet über die Qualität deines Lebens. Nur dein Handeln kann das. Und genau wie deine Pläne, dürfen sich auch deine Ziele verändern. Wer weiß, vielleicht wirst du niemals ankommen. Gut so. Dann bleibst du schon mal in Bewegung. Also genieß die Reise. ## Warum Angst wünschenswert ist, wenn du deine Komfortzone verlässt. ### 3\. Wie du aus alten Denkmustern ausbrichst. Dein Gehirn liebt, was es schon kennt. Selbst wenn es das eigentlich hasst. Wie dein Job zum Beispiel. Vielleicht geht es dir wie mir damals und du bist völlig [unzufrieden, traust dich aber nicht zu kündigen](https://www.markusdotzler.de/unzufrieden-im-job-nicht-kuendigen/). Das ist die Superkraft deines Gehirns: Es hält an etwas fest, selbst wenn es dir nicht gut tut. Denn selbst wenn dich dein Job frustet – Veränderung gefällt deinem Gehirn kurzfristig noch weniger. Wenn du also dein Denken ändern willst, weil du unzufrieden bist, dann gibt es noch einen anderen Weg als Meditation und self-help: Setz dich gezielt neuen Erfahrungen aus. Es heißt, dass deine Art zu denken dein Leben direkt beeinflusst. Das stimmt. Ist eine neue Situation in deinen Augen ein Problem oder eine Herausforderung? Ist das Glas halbleer oder halbvoll? Das Denken beeinflusst die Qualität des Lebens. Doch was ist, wenn das Schicksal bei der Qualitätsprüfung *deines* Lebens nicht ordentlich hingeschaut hat? Wie brichst du aus alten Mustern aus, die dir nicht gut tun? In diesem Fall hilft es manchmal, nicht das Denken zu verändern, sondern sich neuen Erfahrungen auszusetzen. Ich erinnere mich noch: Vor zwei Jahren sah ich zum ersten Mal in meinem Leben wirkliche Armut. Eine Frau saß einsam und verlassen in ihrem „Haus“ in Thailand. Um sie herum sammelten sich Berge voll Müll, den sie in der Hoffnung aufhob, er könne ihr irgendwann nützlich sein. Als ich nach Deutschland zurück kam, war ich mit meinem Gehalt plötzlich nicht mehr ganz so unzufrieden. Klar, als Deutscher beschwert man sich trotzdem. Man braucht ja was zum Meckern. Doch in Wahrheit war mein Gehalt guter Durchschnitt. Worüber beschwerte ich mich also? Ein einfacher Blick in das Haus eines anderen Menschen verändert schlagartig ein festgefahrenes Denkmuster in meinem Kopf. Und das ist die Magie neuer Erfahrungen. Sie bringen dein Gehirn dazu, sich anzupassen, zwingen es manchmal sogar dazu. Dafür musst du nicht in ferne Länder reisen. Dein Alltag bietet dir genug Möglichkeiten. - Lass dich auf einen Kinofilm ein, auch wenn er dir zu dramatisch klingt. - Besuche eine Comedy Show, auch wenn dir nicht zum Lachen zumute ist. - Probier ein neues Hobby aus, auch wenn du denkst, dass du kein Talent besitzt. Lass dich auf neue Erfahrungen ein und schau, wie sie dich verändern. Das Denken ([und dein Körper](https://www.markusdotzler.de/homoeostase/)) folgt oft von ganz allein. ### 4\. Warum du *trotz* deiner Angst handeln musst. Dein Gehirn mag Veränderung nicht. Veränderung bedeutet Unsicherheit und erfordert Anpassung. Stabilität hingegen bedeutet Sicherheit. Aus diesem Grund bleiben Menschen gerne passiv. Sie handeln nicht, obwohl sie wissen, dass es richtig wäre. Obwohl sie es vielleicht sogar wollen. Auch ich musste diese Erfahrung machen. Lange Zeit fühlte ich mich in meinem letzten Job [emotional völlig entfremdet](https://www.markusdotzler.de/wie-sich-emotionale-distanz-anfuehlt-job/). Doch ich hatte Angst, mich beruflich zu verändern. Also blieb ich – länger als es mir gut tat. Irgendwann hielt ich die [Situation nicht länger aus](https://www.markusdotzler.de/produktivitaetsluege/). Ich kündigte meinen Job und entschied mich, eine Weile dem „[Pathless Path](https://www.markusdotzler.de/readings/pathless-path-paul-millerd-deutsch/)“ zu folgen. Doch dafür musste der Schmerz erst so stark werden, dass ich psychisch fast an ihm zugrunde gegangen wäre. Ich weiß also, wovon ich spreche, wenn ich dir sage: Veränderung erweckt eine tiefe Angst in uns. - „*Was, wenn es nicht klappt?*“ - „*Was, wenn ich nicht gut darin bin?*“ - „*Und was, wenn mich andere Leute auslachen?*“ Aber: Diese negativen Gefühle sind… nicht negativ? Richtig gelesen. Negative Gefühle sind *gut*. Lass dich von ihnen nicht abschrecken. Sie zeigen dir, was wichtig ist. Was du wirklich tun musst. Wäre dir etwas gleichgültig, würdest du nichts spüren. Die Angst dient also als Indiz dafür, dass es dir etwas bedeutet. Das Gehirn bedient sich vieler Tricks, um dich vor Veränderung zu schützen. Der Gedanke, dass du etwas nicht kannst oder du nicht gut genug bist, ist nichts anderes als eine Vermeidungstaktik. Ein Abwehrmechanismus vor anstrengender Veränderung. Indem du Probleme in deinem Kopf erzeugst, die dich am Handeln hindern, erlaubst du Passivität und Bequemlichkeit. Du rechtfertigst Stillstand. Doch ein ungelöstes Problem, das du vor dir herschiebst, wird immer ein ungelöstes Problem bleiben. Prokrastination löst nichts. Sie schiebt die Bewältigung einer Herausforderung nur auf. Falls dir Aufschieberitis Probleme bereitet, findest du hier [4 Tipps, wie du Prokrastination überwindest](https://www.markusdotzler.de/prokrastination-ueberwinden/). Wenn du es hingegen angehst, wird es Teil deines Werkzeugkastens. Und wenn du ihm wieder begegnest, weißt du genau, welchen Schraubenschlüssel du ansetzen musst, um es zu lösen. Risikobereitschaft bedeutet nicht, Dummheiten zu begehen. Du kannst Risiken eingehen und sie gleichzeitig minimieren. Wichtig ist der Mut zur Veränderung. Wenn du also das nächste Mal bemerkst, dass du etwas vor dir herschiebst, das herausfordernd und mit Unsicherheit verbunden ist, dann sieh diese negativen Gefühle als Indiz, um es *trotzdem* zu tun. Die Angst vor einer Entscheidung oder Veränderung ist oft ein Indiz für ihre Notwendigkeit. Um zu wachsen, müssen wir unsere Komfortzone verlassen. Triff die Entscheidung. Probier etwas Neues. Experimentiere. Fall auf die Nase und steh wieder auf. Fang an zu handeln und schau, ob es dich in ein besseres Leben führt. Willst du regelmäßig Impulse, wie dir Veränderung gelingt und du ein selbstbestimmtes Leben führst? Mein Newsletter hilft dir dabei. Kostenlos. Kein Spam. Jederzeit kündbar. [Anmelden ](#/portal/signup/free) PS: Ich hoffe diese Impulse schenken dir mehr Mut zur Veränderung. Eines der ältesten und festgefahrensten Muster, die uns vor Veränderung zurückhalten, ist der Glaube an Talent und dass wir nicht genug davon besitzen. Ich glaube, dass jeder etwas aus sich machen kann. Die [Wissenschaft glaubt das auch](https://www.markusdotzler.de/talent-mythos/). ### Von Elon Musk lernen: 3 radikale Lektionen für Erfolg. URL: https://www.markusdotzler.de/elon-musk-prinzip/ Last updated: 2026-05-08T15:24:24.000Z Palo Alto, 2001\. Ein junger Mann mit frühzeitigem Haarausfall sitzt täglich in der öffentlichen Bibliothek und wälzt sich durch veraltete sowjetische Raketenhandbücher. Sein Name? Elon Musk. Damals interessiert sich noch kaum jemand für ihn. Heute ist er der reichste Mensch der Welt. Musks Erfolg ist unbestreitbar. Ob du ihn magst oder nicht: Du kannst von ihm lernen. Und darum geht es in diesem Artikel: Drei zentrale, teilweise radikale Lektionen, die Elon Musk und SpaceX bis heute erfolgreich machen. Das ist das Elon Musk Prinzip. Los geht's. ## Lektion #1: Durch First Principles Thinking neue Lösungen finden. Stell dir vor, du gründest ein Unternehmen. Die Mission: Den Mars kolonisieren. Finanziert durch deinen eigenen Geldbeutel. Staatliche Unterstützung? Fehlanzeige. Wie sicherst du das Überleben deines Unternehmens? Die Herstellung von Raketen verbrennt mehr Geld als Treibstoff. Höchste Sicherheitsstandards und eine Unmenge an Regularien führen dazu, dass die Kosten einer Rakete mindestens 50-mal teurer als das benötigte Material sind. Kein Wunder also, dass Elon Musk bei der Gründung von SpaceX die Herstellungskosten mit einem Presslufthammer bearbeitete. Er war damals zwar bereits mehrere Millionen schwer, doch selbst veraltete Raketen lagen im siebenstelligen Bereich. Unnötig teure Einkäufe konnte sich auch Musk nicht leisten. Der einzige Weg, um SpaceX langfristig am Leben zu halten, war ein radikales Umdenken: ### Hinterfrage alles. In der Raumfahrt galt lange das Prinzip: Der Kunde zahlt. Produzenten konnten fast jeden Preis rechtfertigen, da Kunden die Bauteile selten selbst anfertigten. Das konnte und wollte sich Musk nicht leisten. Er hinterfragte jede Bestellung. *Der Lieferant verlangt 250.000 $ für ein Ventil? Absurd. Können wir das Ventil selbst produzieren, um die Kosten zu senken?* *Ein Aktuator, der den Schub einer Rakete steuert, kostet 120.000 $? Das ist nicht komplizierter als ein Garagenöffner. Kriegen wir das für 5.000 $ hin?* *Und wer hat überhaupt diese ganzen Regularien erfunden? Ruf die Person an, die das festgelegt hat, und finde heraus, wieso.* Hinter Musks Mentalität steckte mehr als Pfennigfuchserei. Er entwickelte eine Kultur bei SpaceX, die alles, was in der Branche als gesichert galt, auf den Kopf stellte. Das nennt er „[First Principle Thinking](https://de.wikipedia.org/wiki/First%5FPrinciple%5FThinking?ref=markusdotzler.de)“. Statt eine bereits bekannte Lösung zu akzeptieren, reduziere ein Problem auf seine grundlegendsten Bestandteile. So vermeidest du, alte Denkansätze zu übernehmen, die möglicherweise falsch oder ineffizient sind. Ohne dieses Umdenken wäre es unmöglich gewesen, die Herstellungskosten zu senken. Und ohne Innovation in der Herstellung fliegt so schnell niemand zum Mars. War Musks Ansatz riskant? Zu 100 %. Er experimentierte und dabei ging regelmäßig etwas schief. Doch er war auch innovativ. Ohne diese radikale Einstellung wäre SpaceX, wie viele andere private Raketenbauunternehmen, in den Kosten versunken, statt in den Weltraum abzuheben. [The mind behind Tesla, SpaceX, SolarCity ...Entrepreneur Elon Musk is a man with many plans. The founder of PayPal, Tesla Motors and SpaceX sits down with TED curator Chris Anderson to share details about his visionary projects, which include a mass-marketed electric car, a solar energy leasing company and a fully reusable rocket.![](https://www.markusdotzler.de/content/images/icon/icon-2.svg)TEDElon Musk![](https://www.markusdotzler.de/content/images/thumbnail/2534551796ee0a2638b462ce82e33b65091b1d42_1600x1200.jpg)](https://www.ted.com/talks/elon%5Fmusk%5Fthe%5Fmind%5Fbehind%5Ftesla%5Fspacex%5Fsolarcity?ref=markusdotzler.de) ### Der Status Quo ist verhandelbar. So wie Elon Musk solltest auch du von Zeit zu Zeit dein Verhalten, deine Arbeitsweise oder geltende Prozesse in einem Unternehmen hinterfragen. Klingt logisch, oder? Trotzdem tun wir es selten. Und der Grund dafür ist in unserer Biologie verwurzelt. Menschen sind Gewohnheitstiere. Aus „*Wie mache ich das besser?*“ wird schnell „*So habe ich das schon immer gemacht!*“. Veränderung ist anstrengend, manchmal sogar schmerzhaft. Eine Studie zeigt, dass der Gedanke an etwas Unangenehmes dieselben Hirnareale wie körperlicher Schmerz aktiviert. Die neurowissenschaftlichen Hintergründe erkläre ich dir in meinem Artikel „[Prokrastination überwinden](https://www.markusdotzler.de/prokrastination-ueberwinden/)“. Doch hier kommt der Clou Studie: Es ist der *Gedanke an die Veränderung*, der schmerzhaft ist, **nicht die Veränderung selbst**. Und wenn du das einmal verstanden hast, kannst du das mulmige Gefühl in Zukunft als Zeichen anerkennen, dass du etwas Schwieriges, aber Erstrebenswertes tust. > Negative Gefühle sind oft das beste Indiz dafür, etwas trotzdem zu machen. Sie bedeuten, dass du dich veränderst. Willst du aus der Komfortzone herauskommen und neue Wege wagen, dann stell dir genau die Fragen, die sich Elon Musk gestellt hat: - Was mache ich hier eigentlich und warum mache ich es so? - Wer hat festgelegt, dass es so sein muss? - Funktioniert dieser Prozess auch anders? - Bringt mich das wirklich weiter? Manchmal hilft es auch, einer unbeteiligten Person das eigene Vorgehen zu erklären, denn sie besitzt oft eine andere Sicht darauf. Und im Prozess des Erklärens stößt du manchmal sogar selbst auf bessere Ideen. Denk dran: Dein Gehirn mag Veränderung nicht. Sie bedeutet Unsicherheit und erfordert Anpassung. Deshalb ziehe ich vor jedem meinen Hut, wenn er es auch nur versucht, sich zu verändern. Damit fordert er seine eigene Biologie heraus und das [braucht Mut](https://www.markusdotzler.de/mut-zur-veraenderung/). Doch wenn du nicht bereit bist, ab und zu deine Komfortzone zu verlassen, dann bleibst du auf dem Holzweg, während andere dich auf der Autobahn überholen. > *Hüte dich vor der Annahme, deine Arbeitsweise wäre die beste, bloß weil du immer schon so gearbeitet hast* #### Quelle Rubin, R. (with Strauss, N.). (2023). **Kreativ: Die Kunst zu sein* (J. Elze, Übers.). O.W. Barth. S. 113. Wenn du also das nächste Mal hörst, dass etwas schon immer so gemacht wurde, dann erinnere dich an das erste Elon Musk Prinzip: Hinterfrage alles. ## Lektion #2: Entscheide bewusst, mit wem du dich umgibst. > *Ich werde den Mars kolonisieren. Es ist meine Mission im Leben, die Menschheit zu einer multiplanetaren Zivilisation zu entwickeln.* #### Quelle Isaacson, W. (2025). **Elon Musk*. Simon & Schuster UK Ltd. S. 92. Als Elon Musk diese zwei Sätze zum ersten Mal ausspricht, antwortet ihm sein Gegenüber: „*Alter, du bist doch ballaballa.*“ Selbst für Elon Musks Verhältnisse klingen diese zwei Sätze größenwahnsinnig. Musk war Unternehmer, der sein Vermögen durch den Internetboom verdiente, nicht mit dem Bau von Raketen. Er war begeisterter Science Fiction Fan, liebte „*Per Anhalter durch die Galaxie*“) von Arthur Clarke und programmierte bereits mit 13 Jahren seinen ersten Weltraumshooter. Doch zu einem Raketeningenieur machte ihn diese Begeisterung noch lange nicht. Gleichzeitig ist seine Kompetenz unbestreitbar. Max Levchin, Mitgründer bei PayPal, erinnert sich an Musk: > *Elon sagt verrückte Dinge, doch ab und zu überrascht er dich, indem er viel mehr über dein Spezialgebiet weiß als du selbst.* #### Quelle Isaacson, W. (2025). S. 81. Doch wie eignete sich Elon Musk das Wissen an, das für die Gründung von SpaceX und den Bau von Raketen notwendig war? ### Zeig mir deine Freunde und ich sag dir, wer du bist. Noch bevor Musk seine Vision von der multiplanetaren Zivilisation formuliert hatte, rief er ehemalige Mitarbeiter und bekannte Experten aus der Raumfahrt an. Von ihnen organisierte er sich alte Raketenbaupläne und stellte seinen Kontakten detaillierte Fragen. Kurz darauf zog er nach Los Angeles. Für Musk stand fest: Der Erfolg von SpaceX hängt von talentierten Ingenieuren ab. Und die tummelten sich in Südkalifornien, wo auch der Großteil aller Raketenunternehmen wie Boeing oder Lockheed angesiedelt war. In Los Angeles traf Musk auf Tom Mueller, der damals beim Raumfahrtunternehmen *TRW* an einem der mächtigsten Raketentriebwerke der Raumfahrtgeschichte arbeitete. Musk begeisterte Mueller für seine Vision. Eine Woche später war er der erste Mitarbeiter bei SpaceX. Ähnlich verhielt sich Musk auch bei der Ingenieurin Gwynne Shotwell. Sie überzeugte ihn, indem sie unmissverständlich aussprach, dass SpaceX' Produktvermarktung planlos und der aktuelle Kundenberater „*ein Verlierer*“ sei. Diesen Mut, Klartext zu reden, bewunderte Musk und unterbreitete Shotwell prompt ein Angebot. Einen Tag später war sie die elfte Mitarbeiterin bei SpaceX. Musk verließ sich stark auf seinen ersten Eindruck. In den genannten Beispielen funktionierte der sehr zutreffend, aber: Du solltest dich nicht immer [blind auf den ersten Eindruck verlassen](https://www.markusdotzler.de/erster-eindruck/). Vielleicht kennst du das Sprichwort „*Zeig mir deine Freunde und ich sag dir, wer du bist*“. Die Menschen in deinem Umfeld besitzen einen enormen Einfluss auf dich. Musk wusste das. Die zweite Lektion lautet deshalb: ### Umgib dich mit Experten. Musks vielleicht größte Stärke sind die Menschen, mit denen er sich umgibt. Er kontaktiert sie und lernt von ihnen. Er lädt sie ein, für ihn zu arbeiten. Er bleibt beharrlich und schafft sich dadurch ein Umfeld aus Experten. Davon profitiert nicht nur er, sondern vor allem auch SpaceX. Wenn du zu den Besten gehören willst, dann ***umgib dich mit den Besten***. Willst du in deinem Unternehmen vorankommen? Such dir einen Mentor. Willst du eine neue Fähigkeit lernen? Such dir einen Lehrer. Und wenn es in deiner Umgebung niemanden gibt, eröffnet dir das Internet alle Möglichkeiten. Dort findest du Menschen, die Latein *sprechen* oder Gitarrenlehrer aus Los Angeles. Das ist das zweite Elon Musk Prinzip: Such nach den Menschen, die können, was du können oder wissen, was du wissen willst. Baue eine Beziehung zu ihnen auf. Lerne von ihnen. Such nach Experten. Such nach Profis. Such aktiv nach Menschen, die besser sind als du. Genau das beherzigte Elon Musk von Anfang an. Dadurch folgte er einem Prinzip, das der Psychologe Anders Ericsson als „[*bewusstes Üben*](https://www.markusdotzler.de/richtig-ueben/)“ bezeichnet. Die Essenz: Du kannst deinen Lernprozess enorm beschleunigen, indem du dir Hilfe von Experten suchst. Wer den Mount Everest besteigen will, unternimmt das normalerweise nicht allein (außer er heißt Reinhold Messner). Ein erfahrener Sherpa kennt die besten Routen und die tückischsten Gefahren. Er kann zusätzliche Ausrüstung tragen und bei Notfällen helfen. Mit einem Sherpa an deiner Seite wird der Weg an die Spitze des Everest nicht leicht, aber *leichter*. Das ist das Prinzip hinter *bewusstem Üben*. Und genau das hat Elon Musk verinnerlicht. Seit der Gründung von SpaceX sucht er sich Profis, von denen er lernen kann und die für ihn arbeiten. Er umgibt sich mit den Besten der Besten. Musks Mount Everest ist der Mars. Noch ist er dort nicht angekommen. Doch ohne die Sherpas, mit denen sich Musk umgibt, wäre die Falcon 1 vielleicht nie von der Erde abgehoben. Egal, welchen Berg du besteigen willst, durch [Fokus](https://www.markusdotzler.de/warum-fokus-wichtig-ist/) und mit einem professionellen Begleiter an deiner Seite, erklimmst du jede Spitze. Was willst du können? Und wer wird dich auf diesem Weg begleiten? ## Lektion #3: Innovation erfordert Fehler und Risiko. Elon Musks Vision für SpaceX war von Anfang an, die Menschheit zu einer multiplanetaren Gesellschaft zu entwickeln. Doch wie genau sollte das funktionieren? Menschen waren zwar schon auf dem Mond, doch Musks Ziel war immer der Mars. Und während der Mond mindestens 360.000 Kilometer von der Erde entfernt liegt, beträgt die geringste Distanz zum Mars 55.700.000 Kilometer. #### Quelle [https://de.statista.com/statistik/daten/studie/560632/umfrage/entfernungen-der-planeten-im-sonnensystem-zur-erde/).](https://de.statista.com/statistik/daten/studie/560632/umfrage/entfernungen-der-planeten-im-sonnensystem-zur-erde/%29.?ref=markusdotzler.de) Damit trennt uns vom Mars eine in etwa 154-mal größere Distanz als vom Mond. Selbst die NASA kennt für diese Reise kein Patentrezept. Wenn dir also niemand helfen kann, bleibt dir nur eins: Loslaufen, stolpern und wieder aufstehen. ### Tu, was sich Kinder trauen. Als Kind besaß ich nicht ganz so luftige Ambitionen wie Elon Musk. Ich wollte Skateboarder werden. Ich liebte die lässigen Klamotten, das Gefühl von Freiheit und die Musik aus den Bam Margera Videos. Skaten bedeutete für mich experimentieren, sich ausprobieren, zu sich selbst finden. Doch was auch dazu gehört: Immer wieder hinfallen. Immer wieder Schmerzen. Bis du den verdammten Kickflip landest. Elon Musk war kein Skateboarder. Als Jugendlicher programmierte er lieber Computerspiele. Doch die Einstellung, die er bei SpaceX an den Tag legte, hätte er sich genauso gut im Skatepark aneignen können: Probier etwas und wenn du scheiterst, dann finde heraus wieso und probier es noch mal. Das Hinfallen ist dein Lehrer. Für SpaceX bedeutete das: Entwickle möglichst schnell einen Prototypen, teste ihn und wenn er explodiert, finde heraus wieso und probier es nochmal. Handle schnell und lern aus deinen Fehlern. Diese Fehlerkultur floss in den Venen aller Mitarbeiter bei SpaceX. Tom Mueller, Musks erster Mitarbeiter, fasste sie so zusammen: > *Es geht nicht darum, wie gut du Probleme vermeiden kannst, sondern wie schnell du das Problem findest und reparierst.* #### Quelle Isaacson, W. (2025). S. 114. Und um Probleme zu finden und daraus zu lernen, musst du vor allem eines tun: anfangen. Du wirst niemals jedes Detail kennen, bevor du loslegst. Du wirst nie auf alles vorbereitet sein. Im Gegenteil: Viele Probleme erkennst du erst, wenn du mittendrin steckst. Als ich mich zum ersten Mal auf meinem Skateboard von einer Rampe stürzte, lag ich keine 5 Sekunden später auf dem Boden. Meine Achsen waren zu weich eingestellt. Dadurch fühlte sich mein Skateboard so stabil an, als stünde ich auf einer reifen Banane. Die Schrauben meiner Achsen fester anzuziehen wäre mir im Leben nicht vorher eingefallen. Die lockere Achseneinstellung funktionierte nämlich bis zu diesem Zeitpunkt bestens, vor allem, um in der Stadt den wutentbrannten Passanten auszuweichen. Was in Situation A funktionierte, ging in Situation B völlig schief. Und genau das ist die Lektion: Manchmal verstehst du erst, was nicht funktioniert, wenn du es ausprobierst. Und wenn du das einmal kapierst, lernst du mit Fehlschlägen besser umzugehen. Du gewöhnst dich an sie. ### Scheitere nach vorne. So wie ich mich beim Skaten an das Hinfallen gewöhnte, arrangierten sich auch die Mitarbeiter von SpaceX mit den ständigen Explosionen. Sie gehörten bald zur Arbeit dazu. Das Team entwickelte sogar eine Risikobereitschaft, den Prototypen lieber aufgrund eines Fehlers in die Luft zu jagen, als das Geld in der Entwicklung zu verschwenden – solange man dadurch etwas lernte. Explosionen waren so normal, dass man sie scherzhaft als „*schnelle, außerplanmäßige Zerlegung*“ bezeichnete. Es heißt, nur der Tod und Steuern sind im Leben gewiss. Ich kann dir jedoch noch etwas anderes garantieren: Du wirst Fehler begehen. Denn Laufen lernst du nicht ohne hinzufallen, genauso wenig wie Skateboarden. Wenn du also hinfällst, dann denk an das dritte Elon Musk Prinzip: Experimentiere. Greif daneben. Jag deinen Prototypen in die Luft. Erzähl einen Witz, der nicht landet. Schreib einen Blogbeitrag, den niemand liest. Stürz dich mit deinem Skateboard von der Halfpipe und fall auf die Schnauze. Nimm Herausforderungen an, statt ihnen auszuweichen. Riskiere etwas. Erkenne Feedback als Chance zu lernen. Glaub daran, dass du dich an neue Herausforderungen anpassen kannst. Das ist das [Growth Mindset](https://www.markusdotzler.de/growth-mindset/). 💡 Scheitere nach vorne. Solange du etwas daraus lernst, war der Schmerz nicht umsonst. ## Zusammenfassung Egal, was du von Elon Musk hältst, von seinem Erfolg kannst du einiges lernen. Drei seiner Erfolgsprinzipien habe ich dir heute als Elon Musk Prinzip vorgestellt: 1. **Hinterfrage alles.** Akzeptiere den Status Quo nicht. Wer einen neuen Weg finden will, muss sich trauen, den bekannten Pfad zu verlassen. 2. **Umgib dich mit Experten.** Die schnellsten Fortschritte erzielst du mit Experten an deiner Seite. Wer sind die Sherpas in deinem Leben? 3. **Scheitere nach vorne.** Während du darüber nachdenkst, was alles schief gehen könnte, hat Elon Musk schon drei Prototypen in die Luft gejagt und aus jedem einzelnen Fehler gelernt. Welches Elon Musk Prinzip wirst du in deinem Leben umsetzen? Elon Musk jagt gerne Prototypen in die Luft. Das kann ich nicht für dich übernehmen. Aber ich kann Artikel schreiben, die dich umhauen. Für regelmäßige Impulse, trag dich jetzt in den Newsletter ein. Kostenlos. Kein Spam. Jederzeit kündbar. [Anmelden ](#/portal/signup/free) ## Quellen Dieser Artikel basiert auf dem Buch „Elon Musk“ von Walther Isaacson. Die Quellenangabe aller direkten Zitate findest du im Artikel selbst. #### Buchquelle Isaacson, W. (2025). **Elon Musk*. Simon & Schuster UK Ltd. ### Lernplateau überwinden: Warum Stillstand normal ist. URL: https://www.markusdotzler.de/lernplateau-ueberwinden/ Last updated: 2026-05-08T11:14:48.000Z Es heißt, Stillstand ist Rückschritt. In diesem Artikel erkläre ich dir, warum Stillstand völlig normal ist und wie wir Lernplateaus überwinden. ## Warum Fortschritt nicht geradlinig verläuft. Wann hast du dir das letzte Mal eine neue Fähigkeit angeeignet? Eine neue Sprache oder Sportart? Ein Instrument? Eine Fort- oder Ausbildung? Die ersten Tage gehen meist leicht von der Hand. Du bist motiviert und lernst schnell. Das ist die Honeymoon-Phase. Die Schmetterlinge im Bauch tragen dich mühelos über die ersten Hürden. *Doch Fortschritt verläuft nicht geradlinig*. Auf die Hochzeitsnacht folgt der erste Ehekrach. Und nach den anfänglichen Erfolgen rennst du gegen eine unsichtbare Wand. Trotz Übung haust du beim Tennis in die Luft. Dein Spanisch klingt immer noch wie Klingonisch. Die mathematische Formel sieht plötzlich aus wie Hieroglyphen. Und statt der Gitarre könntest du genauso gut einen Baseballschläger in die Hand nehmen. Diesen Lernstillstand erlebe ich momentan selbst. Seit ein paar Wochen übe ich Kopfrechnen. Zu Beginn stellte ich regelmäßig neue Rekorde auf (X Aufgaben in Y Minuten). Doch seit ein paar Tagen stecke ich im Schlamm fest. Jeden Zentimeter nach vorne muss ich erkämpfen. Und an manchen Tagen rutsche ich aus und falle zurück in den Dreck. ## Warum Lernstillstand völlig normal ist. ***Das ist völlig normal.*** Wenn du etwas Neues lernst, benötigt dein Gehirn Zeit, die Informationen einzuordnen, einen Sinn darin zu finden und sie mit bereits vorhandenem Wissen zu vernetzen. #### Quelle Oakley, B. A. (2014). **A mind for numbers: How to excel at math and science (even if you flunked algebra)*. Jeremy P. Tarcher/Penguin. S. 118. Deshalb sprechen wir auch von einer [Lernkurve](https://de.wikipedia.org/wiki/Lernkurve?ref=markusdotzler.de): Gerade zu Beginn machen wir viele Fehler, fühlen uns überfordert oder vergessen, weil zu viel auf uns einprasselt (Vergessen ist aber nicht nur schlecht, sondern auch eine [Chance, dein Gehirn zu formen](https://www.markusdotzler.de/informationsflut/)). Auf neuronaler Ebene bedeutet die Lernkurve: Dein Gehirn vernetzt Nervenbahnen auf neue Art und Weise miteinander. Und das dauert. Dieser Prozess verläuft nicht geradlinig. Er ist komplex, verschachtelt und nimmt Umwege. Keine Autobahn auf direktem Weg nach Berlin, sondern eher ein Trampelpfad. Und manchmal verläuft sich dein Gehirn dabei im Wald. Ich verstehe deine Frustration über ausbleibenden Fortschritt. Wichtig ist jedoch, dass du dich von dieser Frustration nicht besiegen lässt, sondern dran bleibst. Denn erst wenn der Sämling eines Baumes dem Wind trotzt, gewinnt er an Widerstandskraft. > *Das Scheitern weist dir den Weg zu deinem Ziel.* #### Quelle Rubin, R. (with Strauss, N.). (2023). **Kreativ: Die Kunst zu sein* (J. Elze, Übers.). O.W. Barth. S. 168. ## Was hilft, um Lernplateaus zu überwinden? ### Alte Prozesse hinterfragen Manchmal musst du deine Komfortzone verlassen und Prozesse überdenken. Wie Jocko Willink so schön sagt: > There's no growth in the comfort zone. In Bezug auf das Lernen und Produktivität bedeutet das, dir unangenehme Fragen zu deinen Gewohnheiten zu stellen: - Hat deine Lernapp ausgedient? - Lernst du wirklich am besten mit Podcasts oder solltest du lieber mal ein Buch in die Hand nehmen, auch wenn das deinem [Lerntyp nicht entspricht](https://www.markusdotzler.de/lernstil-illusion/)? - Funktionieren [analoge Tools](https://www.markusdotzler.de/analoge-planung/) besser für dich als Apps? - Wann lernst du am effektivsten? Bist du wirklich eine Nachteule oder redest du dir das nur ein, weil du die Augen nicht vom Smartphone lösen kannst? - Lernst du wirklich am Tag vor der Prüfung am besten oder redest du dir das nur ein, weil du die [Wahrheit hinter Bulimielernen nicht kennst](https://www.markusdotzler.de/bulimielernen-verstehen/)? Im Kern geht es darum, Altbekanntes nicht als Altbewährtes zu akzeptieren. Du musst deine Komfortzone verlassen, um Fortschritt zu erfahren. > *Hüte dich vor der Annahme, deine Arbeitsweise wäre die beste, bloß weil du immer schon so gearbeitet hast.* #### Quelle Rubin, R. (with Strauss, N.). (2023). S. 113. ### Alten Prozessen vertrauen Vorsicht, Curveball. Nicht immer sind deine Prozesse schuld. Manchmal musst du die Prozesse nicht überdenken, sondern ihnen lediglich vertrauen. Schenk deinem Gehirn die Zeit, die es benötigt, um das neue Wissen zu verarbeiten. Dein Gehirn ist anpassungsfähig. Doch für Anpassung benötigt es Zeit. Hier sind drei bewährte, aber überraschende Lernstrategien: - Mach eine Pause. Nimm Abstand zum Gelernten. - Treib Sport oder betätige dich körperlich. - Schlaf eine Nacht darüber. Lass deinen geistigen Zement trocknen, damit die Mauer am Ende nicht einstürzt. Vertrau darauf, dass sich dein Gehirn anpasst. Denn das ist seine Stärke. > *Wer heute etwas tut, ist schon morgen, wenn er sich erneut an die Arbeit macht, ein anderer Mensch.* #### Quelle Rubin, R. (with Strauss, N.). (2023). S. 67. ## Ergebnis vs. Prozess: Der entscheidende Unterschied bei Stillstand Wir sind heutzutage sehr ergebnisorientiert. Das Ziel hat Priorität. Der Weg dorthin ist sekundär. Wir wollen Großes erreichen und möglichst schnell durch die Ziellinie laufen. Online können wir all die Menschen beobachten, die längst am Ziel angekommen sind. Wir folgen ihren Profilen, aber in Wirklichkeit folgen wir dem Traum davon, an ihrer Stelle zu stehen. Doch was wir nicht sehen: Wie sehr andere Menschen für ihren Erfolg kämpfen mussten. Wie oft sie im Schlamm feststeckten oder ihre [Aufschieberitis bekämpfen](https://www.markusdotzler.de/prokrastination-ueberwinden/) mussten. Wie dreckig sie wurden. Das Bild vom Siegertreppchen mit Schampus in der Hand kommt auf Social Media besser an, auch wenn es nur ein Schnappschuss des Endes einer langen Reise ist. Wir sehen das Ergebnis, aber nicht den Prozess. ## Was Haruki Murakami, Michael Jordan und Stephen King verbindet. 1978, mit 29 Jahren, kam dem heutigen Weltschriftsteller Haruki Murakami bei einem Baseballspiel die Idee, einen Roman zu schreiben. Also kaufte er Füller, Tinte und Papier und begann zu schreiben. Ein halbes Jahr später hielt er das Manuskript seines ersten Buches in der Hand. Es hieß *Wenn der Wind singt (*hier findest du [Murakamis ganze Geschichte](https://www.markusdotzler.de/murakami-prinzip/)*)*. #### Quelle Murakami, H. (2010). **Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede* (U. Gräfe, Übers.; 8\. Auflage). btb. S. 79. Das Manuskript schickte er an den *Gunzo*\-Verlag – ***ohne sich eine verdammte Kopie vom Originaltext zu machen***. Vielleicht war Murakami leichtsinnig. Ich lese aus seiner Darstellung jedoch etwas anderes heraus: Murakami war weniger am Ergebnis und mehr am kreativen Prozess interessiert. Das Schreiben war ihm wichtiger als die Veröffentlichung. Er wollte Laufen lernen und dachte dabei weder an die Ziellinie, noch an das Risiko hinzufallen. Das ist der Grund, warum wir heute seinen Namen kennen. Dieses Muster erkenne ich immer wieder. Michael Jordan schaffte es nicht in die erste Mannschaft seiner High School. Sein damaliger Trainer entschied sich lieber für den knapp zwei Meter großen Mitschüler Leroy Smith. Wäre Jordan nur am Ergebnis interessiert gewesen, hätte ihn dieser Rückschlag aus der Bahn werfen können. #### Quelle [https://www.sport1.de/news/us-sport/nba/2019/02/die-grosse-nba-karriere-des-michael-jordan-bei-den-chicago-bulls](https://www.sport1.de/news/us-sport/nba/2019/02/die-grosse-nba-karriere-des-michael-jordan-bei-den-chicago-bulls?ref=markusdotzler.de) Doch Michael Jordan liebte Basketball. Er liebte das Spiel, den Wettbewerb und den Prozess, der nötig ist, um zu den Besten zu gehören. In den zwei Jahren nach der verpassten Aufnahme in die erste Mannschaft trainierte er härter als alle anderen. Bei der nächsten Auswahl konnte ihn sein Trainer nicht länger ignorieren. Stephen King erhielt für sein erstes Buch *Carrie* mehr als *30 Absagen* – eine mir unvorstellbare Demütigung. Was machte King? Er befestigte die Ablehnungsschreiben mit einem Haken an der Wand und schrieb weiter. Was sonst sollte ein Schriftsteller auch tun, wenn nicht schreiben? Heute existiert kaum ein Bücherladen ohne Kings Werke. ## Erfolg ist (k)ein Zufall. Wenn du jetzt sagst, „*Murakami, Jordan und King sind perfekte Beispiele für den Survivorship-Bias*“, dann sage ich dir: Du hast recht. Für jeden Stephen King gibt es wahrscheinlich Tausende Schriftsteller, deren Geschichten niemand kennt. Die harte Wahrheit lautet: Selbst *wenn* du dich anstrengst, bedeutet das nicht, *dass* du es schaffst. Und trotzdem glaube ich: *Falls* du es schaffst, dann nur, *weil* du dich anstrengst. Das ist das **Serendipitätsprinzip**: „*Lady Luck favors the one who tries*". Erfolg benötigt Glück, doch erst das Handeln öffnet dem Zufall die Tür. Deshalb nenne ich es auch gerne das „Murakami-Prinzip“. Am Anfang dieses Artikels schrieb ich: Stillstand ist Rückschritt. Wer auf der Stelle tritt, verpasst den Anschluss. Das wussten Haruki Murakami, Michael Jordan und Stephen King. Sie alle bewegten sich beharrlich nach vorne. Doch wie du vor allem an Michael Jordans und Stephen Kings Geschichte sehen kannst, bedeutet Fortschritt manchmal auch Rückschritt. Denn vor allem dann, wenn du dich nach vorne bewegst, kannst du auf die Nase fallen. ***Das ist egal***, solange du deinen Blick nach vorne richtest. Bleib dran. Streng dich an. Lern dazu. Bilde dich weiter. Hör nicht auf zu laufen. Der wichtigste Schritt ist nicht der letzte, sondern der nächste. Vertrau auf dich und den Prozess, egal, wie schwierig es sich manchmal anfühlt. > *Tu, was du kannst, mit dem, was du hast. Mehr brauchst du nicht.* #### Quelle Rubin, R. (with Strauss, N.). (2023). S. 301. **Stillstand ist Teil des Weges. Wenn du regelmäßig Denkanstöße willst, die dich auch dann weitertreiben, wenn's mal nicht läuft:* **Trag dich in den Newsletter ein. Kostenlos, ohne Spam, direkt in deine Inbox.* [Anmelden ](#/portal/signup/free) ### Interleaving: Wie du nie wieder vergisst, was du lernst. URL: https://www.markusdotzler.de/interleaving/ Last updated: 2026-05-03T05:47:57.000Z Das Telefon klingelt. Das Smartphone vibriert. Das E-Mail-Programm bimmelt und die Aufgabe, auf die du dich konzentrieren wolltest, gerät in Vergessenheit. Zumindest bis sie dir nach Feierabend wie ein eingeschnappter Ehepartner vorwirft: „*Wie konntest du mich bloß versetzen?!*“ Dieses ständige Multitasking ermüdet. Warum das so ist und wie du dir die Nachteile des Multitaskings durch Interleaving beim Lernen zunutze machen kannst, erfährst du in diesem Artikel. ## Die Illusion des Multitaskings Obwohl es von außen wirkt, als könnten Menschen multitasken, also mehrere Aufgaben zeitgleich bearbeiten, wechselt das Gehirn in Wahrheit in einer Tour zwischen den verschiedenen Problemen wie bei einem Spiel von „*1,2 oder 3*“ auf KiKA. #### Quelle Bannister, F., & Remenyi, D. (2009). **Multitasking: The Uncertain Impact of Technology on Knowledge Workers and Managers*. Diese ständigen Wechsel ermüden. Stell dir vor, du liest gerade ein anspruchsvolles Buch. Plötzlich setzt sich jemand neben dich und verblättert dir ständig die Seiten. Immer wieder musst du dich zum letzten Absatz zurück kämpfen. Wie lange wird es dauern, bis du das Buch frustriert zuklappst? ## Die Nachteile des Multitaskings ![a man sitting in front of a computer monitor resting his head on his arms in frustration](https://images.unsplash.com/photo-1685716851721-7e1419f2db18?crop=entropy&cs=tinysrgb&fit=max&fm=jpg&ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDI4fHxtdWx0aXRhc2tpbmclMjBmcnVzdHJhdGlvbnxlbnwwfHx8fDE3NzYzMzgyNDl8MA&ixlib=rb-4.1.0&q=80&w=2000) Photo by [l ch](https://unsplash.com/@lcaohoanq?ref=markusdotzler.de) / [Unsplash](https://unsplash.com/?utm%5Fsource=ghost&utm%5Fmedium=referral&utm%5Fcampaign=api-credit) Jede zusätzliche Aufgabe, auf die du dich zeitgleich zu konzentrieren versuchst, gleicht einer Person, die dir die Seiten in einem Buch verblättert. Diese Mikrowechsel strengen an und ziehen ein paar üble Nebenwirkungen nach sich: 1. **Geringeres Arbeitstempo:** Die ständige Neuorientierung zwischen verschiedenen Aufgaben kostet Zeit. 2. **Höhere Fehleranfälligkeit:** Auf dem Weg von Aufgabe A zu B gehen Informationen verloren. So schleichen sich leichter Fehler ein, von unaufmerksamen Tippfehlern bis hin zu vergessenen Angaben. 3. **Schwächeres Gedächtnis:** Der Wechsel verbraucht mentale Kapazitäten, die für die Bildung von Erinnerungen notwendig sind. *Worum ging es in diesem Meeting noch mal?* 4. **Verminderte Konzentration:** Du gewöhnst dein Gehirn an die Suche nach dem nächsten Dopamin-Kick (ein Effekt, der einem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ähneln kann). #### Quelle zu Punkt 1, 2 und 3: vgl. Hari, J. (2021). **Stolen focus* (First edition). Crown. S. 46ff. zu Punkt 4: vgl. Naish, J. (2010). **Genug: Wie Sie der Welt des Überflusses entkommen* (Vollst. Taschenbuchausg., 1\. Aufl). Bastei Lübbe Taschenbuch. S. 270. In der wissenschaftlichen Literatur findest du dafür den Begriff „*Kosten des Aufgabenwechsels*“ („*task switch costs*“). Aufmerksamkeit ähnelt einer Währung. Für jeden Wechsel zahlst du einen Preis. Und wenn der Geldbeutel leer ist, kannst du dir keine Eiscreme mehr leisten. [Multitasking ist eine Illusion](https://www.markusdotzler.de/multitasking-illusion/) und der Grund, warum sich kognitive Arbeit manchmal so erschöpfend anfühlt. ## Warum Aufgabenwechsel nicht immer schaden. Obwohl Multitasking einige Nebenwirkungen mit sich bringt, kannst du die Idee der Themenwechsel zu deinem Vorteil nutzen – und zwar beim Lernen. Das grundlegende Konzept heißt „*Interleaving*“. Die Idee: Statt dir ein einziges Thema stundenlang in die Rübe zu hämmern, bis es dir aus den Ohren quillt, wechselst du bewusst zwischen verschiedenen Studiengebieten. Statt zwei Stunden am Stück lernst du Mathe für 25 Minuten und widmest dich nach einer kurzen Pause dem Fach Biologie. Dasselbe Prinzip funktioniert auch innerhalb eines Themengebietes. Unterricht zu meiner Schulzeit funktionierte meist nach Schema F: Der Lehrer präsentiert ein Themengebiet und danach hieß es üben, üben, üben. Der Gedanke: Viel hilft viel. Doch bei dieser Vorgehensweise schaltet das Gehirn gerne mal ab. Zu Hause empfehle ich dir deshalb ein anderes Vorgehen. Stell dir vor du übst Kopfrechnen. Statt eine Stunde lang Addition zu üben, kannst du Subtraktionen, Multiplikationen und Divisionen einschieben. So muss dein Gehirn immer wieder aufs Neue überlegen, welche Lösungsmethode die richtige ist. Warum Interleaving funktioniert, erkläre ich dir gleich. Vorab solltest du jedoch noch wissen, worauf du dich einlässt. Denn Interleaving bringt auch einen Nachteil mit sich. ## Die Nachteile des „*Interleaving*“ Ähnlich wie beim Multitasking führt auch das Interleaving zu mentalen Kosten. In diesem Falle heißen sie „*context switch costs*“, also „*Kosten des Themenwechsels*“ (nicht mit den „*task switch costs*“ verwechseln). Der Grund? Solange du dich innerhalb eines Themengebietes bewegst, sagen wir Geschichte, aktiviert dein Gehirn den mentalen „*Geschichte-Modus*“. Wie bei einem Spinnennetz verbindet dein Gehirn Informationen zum Thema Geschichte zu einem mentalen Modell. Wenn du jedoch nach 25 Minuten zu Mathe wechselst, muss dein Gehirn in einen anderen Gang schalten wie beim Autofahren, um auf deinen „*Mathe-Modus*“ zuzugreifen. Doch die Mathekenntnisse, die du jetzt brauchst, hängen nicht mit deinem Geschichtswissen zusammen. Dein Gehirn muss sich neu ausrichten. Das kostet Zeit und ist anstrengend. Und genau darin liegen die Kosten des Interleaving versteckt: Wenn du Themen miteinander vermischt, werden deine Lernerfolge aus kurzfristiger Sicht darunter leiden, denn der Wechsel verbraucht mentale Ressourcen. Du könntest z.B. bemerken, dass die geschichtlichen Fakten zu Beginn nicht so gut hängen bleiben. Und wenn du beim Mathepauken verschiedene Rechenarten miteinander vermischst, rechnest du insgesamt langsamer oder begehst einfache Fehler, weil du z.B. addierst, wenn du multiplizieren solltest. Trotzdem empfehlen Lernwissenschaftler das Interleaving. Der Begriff begegnet dir in der Literatur an jeder Ecke wie ein aufdringlicher Staubsaugervertreter. Wieso empfehlen Experten das Interleaving, wenn der kurzfristige Lernerfolg darunter leidet? ## Warum Interleaving trotzdem funktioniert. Der anfängliche Leistungsabfall stellt die größte Hürde beim Interleaving dar, denn er fühlt sich ineffektiv an. Die meisten Menschen denken, dass Lernen einfach sein muss. Vieles, was wir über das Lernen glauben, ist leider geprägt von Trugschlüssen. Bis heute hält sich zum Beispiel die Überzeugung, [Lerntypen wären erfolgsentscheidend](https://www.markusdotzler.de/lernstil-illusion/), obwohl sie das nicht sind. Lernwissenschaftler unterscheiden zwischen kurzfristig und langfristig erfolgreichen Lernmethoden. So ungern ich das auch zugebe, aber das Bulimielernen am Tag vor der Prüfung ist effektiv – kurzfristig. Deshalb neigen so viele Menschen zum Extrempauken am Tag vor der Prüfung. Kurzfristige Anstrengung, unmittelbares Resultat. Dabei übersehen sie, wie ihnen das [Bulimielernen langfristig schadet](https://www.markusdotzler.de/bulimielernen-verstehen/). Das Problem: Der Großteil des Gelernten geht nach deinem Lernsprint wieder verloren. Für Themen, die du dir langfristig merken willst, ist das eine Katastrophe. Innerhalb kürzester Zeit verpufft das Gelernte wie Sommerregen auf heißem Asphalt. [Nachhaltige Lernmethoden](https://www.markusdotzler.de/schluss-mit-dem-pauken/) erhöhen daher die Wahrscheinlichkeit, dass du dich ein Leben lang an bestimmte Informationen erinnerst. Und genau dafür eignet sich das Interleaving. Die Stärken des Interleaving sind vielseitig. Zum einen verhindert ein Themenwechsel, dass dein Gehirn in den Autopilot schaltet. Das ähnelt dem Auto fahren. Im dritten Gang durch die Gegend zu kurven wird schnell langweilig. Irgendwann hörst du die Zikaden in deinem Kopf zirpen. Wenn du allerdings mal in den zweiten Gang schaltest, um zu überholen, gewinnt die Fahrt wieder an Reiz. Für das Lernen bedeutet ein Themenwechsel verstärkte Gehirnaktivität. Der Autopilot bleibt aus und du behältst die volle Kontrolle. Du musst aufmerksam bleiben, weil du nicht weißt, wann du in den nächsten Gang schalten musst. Das kommt deinem Lernerfolg zugute. Gleichzeitig fördert Interleaving einen häufigeren Wissensabruf. Wenn du zwei Stunden am Tag nur mit Mathe verbringst, vergisst dein Gehirn gerne mal die anderen Themen. So wie sich auf deiner Weihnachtsdeko Staub ansammelt, weil du sie nur einmal im Jahr aus dem Keller holst. Indem du beim Lernen regelmäßig Themen wechselst, kramst du immer wieder Wissen aus unterschiedlichen Bereichen hervor. Das ist anstrengend, stärkt jedoch den Abruf und somit die neuronalen Verbindungen in deinem Gehirn. So erinnerst du dich leichter an bereits Gelerntes. Je leichter der Abruf, desto einfacher fällt dir die Anwendung, du erlebst weniger Stress in der Prüfung und erzielst ein besseres Ergebnis. ## Warum die Nachteile des Interleavings wünschenswert sind (und die des Multitaskings nicht). Sowohl beim Multitasking als auch beim Interleaving entstehen Kontextwechsel, die Nebenwirkungen in Form von „*switch costs*“ mit sich bringen. Doch obwohl die Begriffe sehr ähnlich klingen, besteht ein großer Unterschied zwischen den Kosten des Interleavings und des Multitaskings. Kurzum: Bei den Kosten des Multitaskings sprechen wir von *unerwünschten Erschwernissen*, bei denen des Interleavings von *wünschenswerten Erschwernissen*. Aber warum? Beim Multitasking versuchst du mehrere Feuer *gleichzeitig* zu löschen. Doch weil du keinem Brand deine volle Aufmerksamkeit schenkst und den Wasserstrahl zu stark aufteilst, fackelt dir am Ende das ganze Gebäude ab. Multitasking beansprucht dein Kurzzeitgedächtnis enorm. Das Kurzzeitgedächtnis heißt im Englischen „*working memory*“, also *Arbeitsspeicher*, und dieser Begriff trifft den Nagel auf den Kopf. Denn wie der Arbeitsspeicher bei einem Computer können auch Menschen nur eine bestimmte Anzahl an Informationen *gleichzeitig* behalten. Das ist wie beim Jonglieren. Menschen können sich in etwa **vier** Informationen gleichzeitig merken. Ab der fünften Information fallen ihnen die Bälle aus der Hand. #### Quelle Oakley, B. A. (2014). **A mind for numbers: How to excel at math and science (even if you flunked algebra)*. Jeremy P. Tarcher/Penguin. Multitasking ist der Versuch, fünf Bälle auf einmal in die Luft zu werfen, obwohl du nur vier fangen kannst. Du versuchst mit mehr Bällen zu jonglieren, als es dein Arbeitsspeicher erlaubt. Das Resultat: Dir gehen Informationen verloren, du begehst Fehler und wirst langsamer. Beim Interleaving verhält sich das anders. Hier führst du zwar gezielt Themenwechsel und damit auch einen Wechsel deiner Aufmerksamkeit herbei, bleibst aber, wenn auch für kurze Zeit, bei einer einzigen Sache. So kann dein Gehirn die Aufgabe abschließen, wodurch das Problem nicht in deinem Arbeitsspeicher festhängt. Dadurch verbesserst du die Fähigkeit deines Gehirns, zwischen den verschiedenen „*Lernmodi*“ umzuschalten. Während Multitasking also zu Nebenwirkungen führt, die deine Arbeitsergebnisse in der Gegenwart verschlechtern, stellt die zusätzliche Anstrengung für dein Gehirn beim Interleaving eine „*wünschenswerte Erschwernis*“ dar. Statt vier Bälle auf einmal in die Luft zu werfen, kommt Rhythmus in die Übung und du fängst an zu jonglieren. Gleichzeitig erlaubst du deinem Gehirn nicht in den Autopilot zu schalten, da du es schon bei der nächsten Abzweigung mit einem neuen Thema überrascht. Das verhindert, dass Langeweile aufkommt. Und genau aus diesem Grund sind die Erschwernisse des Interleaving erwünscht. ## Zusammengefasst: Interleaving erwünscht. Multitasking erhält Hausverbot. Zusammengefasst bedeutet das: Bei der Arbeit und beim Lernen solltest du die Finger von häufigen Aufmerksamkeitswechseln lassen. Multitasking beeinträchtigt die Qualität deiner Ergebnisse und deines Lernerfolgs, auch wenn es sich manchmal produktiver anfühlt. Beim Lernen kannst du Kontextwechsel gezielt nutzen, um deinen Erfolg langfristig zu vergrößern, solange du nicht versuchst, Themen *gleichzeitig* zu verarbeiten. Interleaving bedeutet: Lernen, zwischen Thema A und B umzuschalten. Multitasking hingegen bedeutet: Thema A und B gleichzeitig lernen. Und das geht in die Hose. 💡 Verzichte unbedingt auf dein Smartphone beim Arbeiten oder Lernen. [Fokus ist verdammt wichtig](https://www.markusdotzler.de/warum-fokus-wichtig-ist/)! Das gleichzeitige Bearbeiten von Chatnachrichten und deiner eigentlichen Aufgabe führt zu den beschriebenen Nebenwirkungen. ## Mein lächerlich einfacher Tipp für gezieltes Interleaving 💡 Am einfachsten integrierst du Interleaving mit themenübergreifenden Karteikarten. Warum nicht mal Geschichte und Französischvokabeln miteinander vermischen? Zu Beginn fühlt sich das seltsam an, denn jede Karteikarte zwingt dein Gehirn, einen anderen mentalen Modus zu laden. Doch das Training lohnt sich, denn in einer Prüfung erlaubt dir diese gedankliche Flexibilität, schneller auf Wissen zuzugreifen. Dasselbe gilt innerhalb eines Faches. Statt nur die Formeln für verschiedene Flächenberechnungen abzufragen, vermische deine Karteikarten so, dass zwischendrin auch wichtige Formeln zur Prozent- oder Nullpunktberechnung vorkommen. Lass dich nicht entmutigen. Die ersten Erschwernisse signalisieren, dass sich dein Gehirn anstrengt und versucht, aus den verschiedenen Informationen einen übergeordneten Sinn zu erzeugen. Genau nach dieser Anstrengung suchst du beim Lernen. Langfristig gesehen bleibt dadurch mehr hängen. Was du allerdings vermeiden solltest: Zwei Karteikarten gleichzeitig beantworten, denn damit tappst du wieder in die Multitasking-Falle. Und falls du dich jetzt fragst, „*Wer macht denn sowas?*“, dann sag ich dir: Es gibt auch Menschen, die E-Mails bearbeiten, während sie telefonieren. Wer macht denn sowas? ;) Gefällt dir dieser Artikel? Hier meldest du dich für meinen kostenlosen Newsletter an und erhältst in Zukunft alle Artikel bequem in deinen Posteingang: [Anmelden ](#/portal/signup/free) Dein Problem ist nicht das Lernen, sondern mit dem Lernen anzufangen? Ich kann dir helfen: mit meinem fundierten [Guide, wie du Prokrastination überwindest](https://www.markusdotzler.de/prokrastination-ueberwinden/). ### Prokrastination überwinden: 4 Tipps gegen Aufschieberitis. URL: https://www.markusdotzler.de/prokrastination-ueberwinden/ Last updated: 2026-05-31T12:17:37.000Z Hast du schon mal einen Nachmittag lang prokrastiniert, indem du dir Youtube-Videos über Prokrastination angeguckt hast? Hältst du dich für faul, weil du wichtige Aufgaben vor dir herschiebst wie eine mit Ziegeln gefüllte Schubkarre? Was ist, wenn Aufschieberitis keine persönliche Schwäche, sondern tief in uns allen verwurzelt ist? Mit diesem Artikel helfe ich dir, das in den Griff zu kriegen. ## Schmerzzentren im Gehirn: Warum uns Lernen „weh tut“. Lebenslanges Lernen ist wichtig. Während deutsche Schulen und Unternehmen immer noch der Digitalisierung hinterherrennen, klopft bereits die künstliche Intelligenz an ihre Tür. In solchen Zeiten ist die Fähigkeit, dir neue Kenntnisse anzueignen, dein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Doch machen wir uns nichts vor: Lernen ist anstrengend. Zuerst einmal musst du dir eingestehen, dass du etwas noch nicht oder nicht gut genug kannst. Solche Nachrichten hört dein Ego gar nicht gerne. Doch nach diesem Eingeständnis beginnt der wirklich anstrengende Teil. Jetzt musst du die Lücken durch Lernen und viel Übung schließen. Das ist nicht nur anstrengend, sondern kann sich – wie Forscher herausfanden – tatsächlich schmerzhaft anfühlen. In einem Experiment zeigten Gehirnscans bei Menschen mit einer Abneigung gegen Mathematik eine verstärkte Aktivität der Schmerzareale des Gehirns, sobald sie nur an Mathe dachten. Anders ausgedrückt: Der bloße Gedanke an etwas, das dir unangenehm ist, kann dir also tatsächlich weh tun. #### Quelle Lyons, I. M., & Beilock, S. L. (2012). When Math Hurts: Math Anxiety Predicts Pain Network Activation in Anticipation of Doing Math. **PLoS ONE*, **7*(10), e48076. Das mulmige Gefühl im Magen, das entsteht, wenn du an deine Hausaufgaben oder an die Abschlussprüfung denkst, ist keine Einbildung. Es könnte echter Schmerz sein, den du spürst. Und indem du das Lernen vor dir herschiebst, tust du etwas völlig menschliches: Du versuchst Schmerzen zu vermeiden, genauso wie du gelernt hast, nicht auf die heiße Herdplatte zu fassen. ## Warum der Schmerz in unseren Köpfen schlimmer ist als in der Wirklichkeit. Doch hier kommt der Clou: Die Schmerzzentren im Gehirn werden hauptsächlich unmittelbar vor der Bearbeitung einer unangenehmen Aufgabe aktiviert, aber nicht während des tatsächlichen Bearbeitung. Es ist also der *Gedanke an die Aufgabe*, der schmerzhaft ist, ***nicht die Aufgabe selbst***. Das bedeutet: Die Realität sieht in deinem Kopf düsterer aus als sie in Wirklichkeit ist. Der Gedanke an deine Hausaufgaben ist unangenehm. Sie zu erledigen jedoch nicht. Die bevorstehende Abschlussprüfung bereitet dir Bauchschmerzen. Tatsächlich dafür zu lernen jedoch nicht. Wenn du also einmal loslegst, tut es nicht mehr weh. Das ist ein bisschen wie bei Harry Potter und Lord Voldemort (ja, ich nenne seinen Namen!). In *Harry Potter und der Stein der Weisen* sagt Albus Dumbledore: „*Die Angst vor einem Namen steigert nur die Angst vor der Sache selbst*“. #### Quelle Rowling, J. K. (2018). **Harry Potter und der Stein der Weisen* (K. Fritz, Übers.). Carlsen. S. 323. So ist das auch beim Lernen. *Das Lernen aufzuschieben steigert die Angst vor dem Lernen selbst*. Albus Dumbledore wäre also sehr glücklich über die Befunde der Studie, denn sie zeigen, dass er recht hatte. ## Warum eine Vermeidungshaltung gegenüber Anstrengung natürlich ist. Doch woher kommt diese Vermeidungshaltung gegenüber anstrengenden Aufgaben? Ich vermute, dass Prokrastination einer völlig natürlichen Ursache unterliegt: dem Phänomen der [Homöostase](https://www.markusdotzler.de/homoeostase/). Der menschliche Körper besitzt einen grundlegenden Drang nach Stabilität. Stell dir dafür deinen Körper wie ein hochmodernes Kraftwerk vor. Um zu funktionieren, benötigt es eine stabile Betriebstemperatur von rund 37 Grad Celsius. Herzrate, Blutdruck und Körpertemperatur bleiben von Tag zu Tag relativ konstant. Kurzum: Dein Körper benötigt Stabilität, um zu funktionieren. Aus diesem Grund versuchst du instinktiv, Extremsituationen zu vermeiden. Denk dabei z.B. ans Joggen. Das erste Mal Laufen ist eine Qual. Es ist der Moment, in dem dein Kraftwerk eine Leistung liefern soll, für die es nicht ausgelegt ist. Allein der Gedanke daran ist unangenehm. Die Folge? Du vermeidest das Joggen. Dasselbe passiert beim Lernen. Dein Gehirn bevorzugt Stabilität. Deshalb versucht es, dich vor geistiger Überforderung zu schützen. Und genau aus diesem Grund fühlt sich Lernen zunächst instinktiv schwierig an: > Dein Gehirn will sich nicht verändern. Doch so wie deine Muskeln auf Belastung reagieren, ist auch dein dein Gehirn in der Lage, sich (langsam) an Veränderungen anzupassen, denn es ist **plastisch**. Es kann ein Leben lang Nervenverbindungen formen, um sich an neue Umstände anzupassen. Und so wie Muskeln Zeit benötigen, um zu wachsen, verändern sich auch Nervenbahnen nur dann, wenn du dein Gehirn *regelmäßig* einer bestimmten Beanspruchung aussetzt. Am Anfang kann das Erlernen einer neuen Sprache frustrieren. Sie klingt fremd und du bist auf Kindervideos angewiesen, um überhaupt etwas zu verstehen. Doch wenn du dich der Sprache regelmäßig aussetzt, erkennt es immer mehr Muster, speichert die Vokabeln und gewöhnt sich an den Klang der neuen Sprache. Indem du lernst, sendet dein Gehirn immer wieder dieselben Signale und stärkt die Nervenverbindungen wie durch Wiederholungen im Fitnessstudio. Je häufiger du trainierst, desto mehr Wissen kannst du stemmen. Dein Gehirn baut mentale Muskeln auf. So passt es sich an und findet bald in einen neuen, stabileren Zustand zurück. Homöostase – das Phänomen, das deine Vermeidungshaltung erklärt – ist gleichzeitig dein Motor für Veränderung und hilft dir, deine [Lernplateaus zu überwinden](https://www.markusdotzler.de/lernplateau-ueberwinden/). Veränderung ist oft unangenehm, weil sie Anstrengung erfordert. Doch was ist die Alternative? Lass uns kurz über die Folgen der Prokrastination reden. ## Die negativen Folgen von Prokrastination. Der Gedanke an eine unangenehme Aufgabe ist tatsächlich schmerzhaft. Deshalb lenkst du dich lieber davon ab, als zu lernen. Im Moment erscheint das völlig rational. Doch glaub mir, manche Erfahrungen sind noch schmerzhafter als das Lernen selbst: Den Anschluss zu verlieren, im Test durchzufallen, sitzenzubleiben oder für faul gehalten zu werden. Woher ich das weiß? Das alles ist mir bereits passiert. Als Teenager war ich so gut im Prokrastinieren, dass ich sogar meine Prokrastination prokrastinierte. Früher spielte ich viel World of Warcraft. Oft, um mich von meinen Schuldgefühlen abzulenken. Doch irgendwann fühlte ich mich so schlecht beim Zocken, dass ich anfing, stundenlang Youtube zu gucken, um mich von den unangenehmen Gefühlen beim Zocken abzulenken. Das ist next level Prokrastination. Sind wir mal ehrlich: Auch wenn manche Menschen es für cool halten, in der Schule schlecht zu sein, will in Wahrheit niemand durchfallen. Auch nicht die Jungs aus der letzten Reihe. Niemand möchte sitzenbleiben, sein soziales Umfeld verlieren oder für faul gehalten werden. Und genau das ist die Ironie der Prokrastination: Die kurzfristige Freude durch Ablenkung führt langfristig gesehen zu Schmerz. Anstrengungen in der Gegenwart hingegen erzeugen oft Zufriedenheit in der Zukunft. Jedes Mal Youtube zu gucken, wenn du lernen solltest, führt zum Durchfallen im Test und obwohl Theorie pauken anstrengt, resultiert es langfristig gesehen in einer guten Note und somit auch in emotionalen Hochs. ## Wie uns Lernen besser macht, auch wenn es uns schwer fällt. Doch manchmal hilft es nicht, an die Konsequenzen der Prokrastination zu denken. Im Gegenteil: Der Gedanke daran kann dich noch mehr lähmen. Werfen wir deshalb ein helles Licht auf das, was passiert, wenn du Prokrastination überwindest. Beantworte mir zuerst einmal folgende Frage: > Was könnte das Beste sein, das dir passiert, wenn du regelmäßig lernst? Zunächst bestehst du deine Prüfungen. Das fühlt sich nicht nur gut an, sondern erfreut auch deine Familie und Freunde. Außerdem steigen mit einem guten Abschluss deine Chancen auf einen attraktiven Job, ein höheres Gehalt und größere Freiräume. Vorbei sind die Zeiten deines Azubigehaltes oder BAfÖG. Mit einem Vollzeitgehalt oder der Verwirklichung einer schlauen Idee durch ein Startup besitzt du mehr Möglichkeiten als jemals zuvor in deinem Leben, um deine Zukunft zu gestalten. Der wichtigste Wandel findet jedoch in dir selbst statt. Je häufiger du etwas tust, desto besser wirst du. Und je besser du bist, desto mehr Gefallen findest du daran. Das nenne ich die Kompetenzspirale. Spaß entsteht vor allem dann, wenn du Herausforderungen meisterst, was wiederum nur möglich ist, wenn du an deinen Fähigkeiten arbeitest. Der zentrale Mechanismus dahinter heißt „*Flow*“. Flow entsteht, wenn du an deine geistigen oder körperlichen Grenzen gelangst. Die Aufgabe, auf die du dich konzentrierst, ist weder überfordernd noch langweilig, sondern anspruchsvoll. Sie bringt dich in einen Zustand, in dem die Zeit an dir vorbei zu *fließen* scheint – Flow. Und diesen Flowzustand empfinden Menschen als besonders lohnenswert. #### Quelle Newport, C. (2023). **Konzentriert arbeiten: Regeln für eine Welt voller Ablenkungen* (J. T. A. Wegberg, Übers.; 7\. Auflage). Redline Verlag. S. 74ff. Je mehr du dich also anstrengst, desto kompetenter wirst du und desto mehr Genugtuung erfährst du dabei. Kompetenz ist eine wesentliche menschliche Erfahrung. Und das weiß ich aus eigener Erfahrung. ## Meine persönliche Erfahrung: Warum unsere Schwächen uns nicht definieren. Bis zur neunten Klasse war ich ein schlechter Schüler. Mein Problemfach? Na klar, Mathematik. Ab der sechsten Klasse kämpfte ich jedes Jahr darum, die Fünf im Zeugnis zu vermeiden. Spoiler: Es gelang mir nicht. Nach meinem Fachabitur konnte ich das Thema Mathematik jahrelang ziemlich gut vermeiden. Doch als ich mit 30 Jahren anfing, mich immer tiefer in das Thema „*menschliches Lernen*“ einzuarbeiten, kam mir ein Gedanke: „*Ich darf nicht nur über das Lernen schreiben. Ich muss zeigen, dass meine Tipps auch in der Realität funktionieren.*“ Und wie geht das besser als mit einem persönlichen Experiment in einem Bereich, in dem mich meine Lehrer früher als hoffnungslosen Fall bezeichneten? Damit war die Idee für mein Kopfrechnen-Projekt geboren. Nach jahrelanger Mathepause fing ich mit 31 Jahren an, jeden Tag im Kopf zu kalkulieren. Kopfrechnen hatte ich zum letzten Mal in der Grundschule geübt. Gut 20 Jahre später kam ich schon bei den einfachsten Subtraktionen ins Straucheln. Es fühlte sich an, als hätte ich das Schaukeln auf dem Spielplatz verlernt. Doch ab dem ersten Tag meines Experimentes schrieb ich mir alles auf. Ich entwarf einen Trainingsplan und [übte gezielt](https://www.markusdotzler.de/richtig-ueben/), was mir schwer fiel. Mit nur 30 Minuten Übung stellte ich fast täglich neue Bestleistungen auf und rechnete schon bald mit Zahlen, vor denen ich kurz zuvor noch schreiend davongelaufen wäre. Und je schwieriger es wurde, desto besser gefiel es mir. Zum ersten Mal in meinem Leben empfand ich Freude beim Rechnen. Mein Matheprojekt bestätigt im Kern, was ich am Lernen liebe: Je besser du in etwas wirst und je größer die Herausforderungen werden, die du überwindest, desto lieber machst du es. Das ist die Kompetenzspirale. Und genau das wird auch dir passieren, wenn du handelst, statt zu prokrastinieren. Doch damit dir das gelingt, musst du in der Lage sein, Prokrastination zu erkennen. Das tückische an unserem Verhalten ist, dass wir uns manchmal im Autopilot befinden und nicht bemerken, dass wir geradewegs auf eine Klippe zufahren. Werfen wir deshalb einen Blick auf ein paar beliebte Ausreden, die dich am Handeln hindern. ## 4 Ausreden, an denen du Aufschieberitis erkennst. Hast du dich schon mal bei folgenden Gedanken ertappt? - „*Dafür besitze ich kein Talent, also wozu soll ich üben?*“ - „*Wenn ich jetzt schon lerne, vergesse ich alles bis zur Prüfung.*“ - „*Ich bin schlau genug. Es reicht, wenn ich am Tag vor dem Test lerne.*“ Das sind alles beliebte Ausreden, mit denen dich dein Gehirn vor den schmerzhaften Gedanken an Anstrengung und Veränderung ablenken will. Lass uns kurz darüber sprechen. ### Ausrede #1: Kein Talent? Harte Wahrheit: Ob du Talent besitzt oder nicht, ist vollkommen egal. Um die meisten Fähigkeiten auf ein akzeptables Niveau zu bringen, musst du nicht Albert Einstein heißen. Es mag sein, dass Menschen mit einer natürlichen Begabung (wie z.B. Intelligenz) bestimmte Aufgaben schneller meistern. Doch eine Ausbildung oder ein Schulabschluss sind in der Regel keine Frage des Genies. In meinen fast fünf Jahren als Ausbildungskoordinator bei einem der größten Unternehmen Deutschlands habe ich unter ca. 250 Azubis exakt eine Person kennengelernt, die an mangelnder Intelligenz gescheitert ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass ***du*** diese Person bist, liegt aus meiner Erfahrung also bei 0,4 Prozent. Dir deshalb einreden zu wollen, dass du kein Talent für etwas besitzt, wofür du eigentlich gar keine besondere Begabung benötigst, ist eine typische Täuschung deines Gehirns, um sich vor Veränderung zu schützen. Es heißt „*Übung macht den Meister*“. Das stimmt. Wer besonders gut sein will, muss üben. Doch nicht jeder, der übt, muss zu den Besten gehören. Das gilt insbesondere für alltägliche Dinge wie Schulleistungen. Wenn du dich also hinsetzt, um zu lernen, muss es nicht dein Ziel sein, Klassenbester zu werden. Gut ist meistens gut genug. Die Talentfrage stellt sich dabei nicht. Deshalb sage ich lieber: „*Übung macht besser*“. Und das gilt für jeden – Talent hin oder her. Wenn du also etwas können willst, dann lass dich nicht von mangelndem Talent abschrecken. [Talent ist ein Mythos](https://www.markusdotzler.de/talent-mythos/). ### Ausrede #2: Lieber spät als früh? Es ist durchaus möglich, dass du in der Vergangenheit erfahren hast, dass das Pauken am Tag vor dem Test erfolgversprechender ist als Wochen vorher. Kurzfristiges Lernen ist durchaus eine effektive Strategie. Wenn du dir am Tag vorher etwas in die Rübe prügeln musst, kann Bulimielernen durchaus funktionieren. Doch mach dir bitte nichts vor: Wenn du richtig lernst – also gute Lernmethoden und vor allem Pausen nutzt –, dann wirst du bis zur Prüfung nicht alles wieder vergessen. Im Gegenteil: Für deinen Lernerfolg ist es besser, frühzeitig anzufangen und jeden Tag ein bisschen zu lernen. Zum einen ersparst du dir damit enorm viel Stress. Du vermeidest die schmerzhaften Gefühle, die entstehen, wenn du dich vom Lernen abhältst genauso wie das bekannte Durchmachen am Tag vor der Prüfung. Zum anderen bleibt dir so genug Zeit für Wiederholung. Wiederholung stärkt die neuronalen Verbindungen in deinem Gehirn. Das bedeutet, dass das Gelernte besser sitzt und du es schneller abrufen kannst. Je leichter du Wissen hervorkramen kannst, desto weniger Zeitproblemen begegnest du in der Prüfung. Darüber hinaus bleibt das Gelernte auch nach dem Test im Gedächtnis. Du merkst es dir langfristig und steigerst dadurch deine gesamte Kompetenz. Egal, wie du es drehst und wendest: Frühzeitig mit dem Lernen anzufangen ist jeder nächtlichen Lerneinheit überlegen. Mach es wie Haruki Murakami: [fang einfach an](https://www.markusdotzler.de/murakami-prinzip/). ### Ausrede #3: Schlau genug? Auch dir einzureden, dass du noch nicht lernen musst („*Das hat bisher immer geklappt!*“) ist ein typisches Anzeichen von Prokrastination. Das Problem, das ich bei intelligenten Menschen immer wieder feststelle, ist folgendes: Je klüger du bist, desto leichter tust du dir beim Lernen. Viele Inhalte mögen für dich bereits im Unterricht völlig selbstverständlich sein. Schlaue Menschen bringen es akademisch oft besonders weit, selbst wenn sie sich weniger dafür anstrengen müssen. Dadurch steigen auch die Ansprüche. Das Lernpensum nimmt zu und der Stoff wird komplexer. Mit kurzfristigem Lernen kommst du irgendwann nicht mehr weiter – selbst wenn du klug bist. Und wenn du deine Lernstrategie nicht irgendwann anpasst, fährst du gegen die Wand. Ich habe schon einige kluge Köpfe erlebt, die sich auf ihrer Intelligenz ausruhten und dadurch immer unter ihren Möglichkeiten blieben. Das sind die klassischen Underachiever. Viele von ihnen werden von weniger intelligenten Menschen mit einer besseren Arbeitseinstellung überholt. In meinem Job als Ausbildungskoordinator war mir deshalb immer wichtig, ob der Auszubildende leisten *wollte* und nicht, ob er schlau oder talentiert genug war. Ein kluger Kopf bringt dir nämlich nichts, wenn du ihn nicht nutzt. Mein Motto ist deshalb bis heute: *Wer will, der wird was.* *Wer hingegen kann, aber nicht will, der wird nichts.* *Und wer will, aber nicht kann, wird oft trotzdem was.* Wenn du dich also das nächste Mal für zu schlau für etwas hältst, überlege dir, ob dein Gehirn nicht lediglich mal wieder versucht, die nötige Anstrengung zu vermeiden. Vielleicht ist der Glaube an deine Kompetenz auch nur eine Illusion. Mehr dazu (und 5 Tipps, um das zu vermeiden) erfährst du in meinem Artikel „[Dunning-Kruger-Effekt](https://www.markusdotzler.de/dunning-kruger-effekt/)“. ## Die Werkzeuge: 4 Strategien, mit denen wir Prokrastination überwinden. An diesem Punkt haben wir darüber gesprochen, warum das Lernen schmerzt, warum eine Abwehrhaltung natürlich ist und wie du diesen Verteidigungsmechanismus erkennen kannst. Lass uns nun über konkrete Methoden zur Überwindung von Prokrastination sprechen. ### 1\. Fokussiere dich auf den Prozess, nicht auf das Produkt. Der erste Schritt ist eine gedankliche Neuausrichtung. Menschen stellen sich gerne das Ergebnis ihrer Anstrengungen vor – Belohnung, Erfolg, Status. Doch wenn du dir große Ziele setzt, kann dich das schnell überfordern. Ziele sind wichtig, denn sie schenken dir Orientierung. Eine zu starke Fixierung kann jedoch eine gedankliche Lähmung herbeiführen. Sobald du also weißt, wo du hinwillst, vergiss das Ziel. Konzentriere dich stattdessen auf den Prozess. Der wichtigste Schritt, den du heute gehen kannst, ist nicht der letzte, sondern der nächste. All deine Hausaufgaben zu erledigen ist zu viel? Dann probier es mit einer einzigen Aufgabe statt mit fünf. Du kannst es dir nicht vorstellen, zwei Stunden am Tag zu lernen? Dann starte mit zehn Minuten. Der Fokus auf den Prozess ermöglicht dir, dich von den unangenehmen Gefühlen zu lösen, die mit der Zielerreichung verbunden sind. Wenn du an deine Abschlussprüfung und den damit verbundenen Aufwand denkst, kriegst du vielleicht die Krise. Wenn du dich hingegen auf die nächste Aufgabe fokussierst, sieht der Aufwand viel geringer aus. Das hilft dir, dich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Deshalb ist [Fokus enorm wichtig](https://www.markusdotzler.de/warum-fokus-wichtig-ist/). #### Quelle Oakley, B. A. (2014). **A mind for numbers: How to excel at math and science (even if you flunked algebra)*. Jeremy P. Tarcher/Penguin. S. 101f. ### 2\. Brich die Aufgabe auf ihren einfachsten nächsten Schritt herunter. David Allen, Erfinder des „*Getting Things Done*“-Systems, kennt ein einfaches Mittel zur Vermeidung von Prokrastination. Sobald du dir ein Ziel setzt, überlege dir, was der nächste, kleinstmögliche Schritt ist, den du erledigen musst, um es zu erreichen. Wenn du z.B. für eine Abschlussprüfung lernen musst, dann bringt dich das Ziel „*Prüfung bestehen*“ nicht ins Handeln. Es ist nicht konkret genug, um zu wissen, wo du anfangen sollst. Stelle dir deshalb die Frage: Was ist der nächste, kleinstmögliche Schritt, den ich bewältigen kann, um die Prüfung zu bestehen? - Eine Karteikarte schreiben und wiederholen? - Jeden Tag fünf Wörter einer neuen Sprache lernen? - Eine Seite deiner Zusammenfassung auswendig lernen? - Eine Matheaufgabe lösen und die Berechnung dahinter verstehen? - Eine Seite im Lehrbuch zu einem Thema lesen, das du nicht verstehst? Reduziere dein Ziel auf den kleinstmöglichen Nenner. Dafür musst du keinen ausgefeilten Plan erstellen. Die Erstellung eines detaillierten Plans ist manchmal lediglich ein weiteres Vermeidungsverhalten. Statt zu lernen, verbringst du nun Stunden damit über das Lernen nachzudenken. Meine Empfehlung: Erstelle dir einen groben Entwurf deines Vorhabens. Definiere dann den nächsten Schritt, der für dich machbar ist. Danach legst du einfach los. Wie das geht, erfährst du im dritten Tipp. ### 3\. Arbeite in kleinen, zeitlich begrenzten Einheiten. Viele Sportanfänger sind zu Beginn zu ehrgeizig mit ihren Fitnesszielen. Anstatt sich langsam zu steigern, joggen sie direkt fünf Kilometer am Stück und sind danach zwei Wochen lang so verkatert, dass sie sich nicht mehr zum Laufen motivieren können. Genau das Gleiche passiert auch beim Lernen. Wer in den letzten Jahren immer nur das Mindestmaß für Schule, Studium oder Ausbildung geleistet hat, wird an langen Lerneinheiten scheitern, wenn er sich nicht langsam an sie herantastet. Dein Körper und Gehirn sind äußerst anpassungsfähig (Homöostase, erinnerst du dich?). Doch Anpassung benötigt Zeit. Genauso wie du nicht von heute auf morgen einen Marathon läufst, ist auch Konzentration ein Muskel, der trainiert werden will. #### Quelle Newport, C. (2023). 95ff. 💡 **Der Schlüssel zum Ziel heißt Konsistenz, nicht Überanstrengung.* Aus diesem Grund bin ich ein Fan von so einfachen Methoden, dass sie schon fast lächerlich wirken. Deshalb sind hier meine zwei lächerlich einfachen Methoden, um deinen Fokusmuskel zu trainieren: 1. **Der Notizbuchtrick.** Nimm dir ein Notizbuch oder ein leeres Blatt Papier zur Hand. Zeichne lauter kleine, aneinandergereihte Quadrate nebeneinander wie bei einer To-do-Liste (nur horizontal statt vertikal). Wenn du magst, kannst du die Quadrate auch nach Fächern unterteilen. Jedes Quadrat steht für 10 Minuten. Sobald du 10 Minuten am Stück gelernt hast, hakst du ein Kästchen ab. Wie viele Kästchen schaffst du an einem Tag abzuhaken? 2. **Der Tomatentrick.** In den 1980er Jahren entwickelte Francesco Cirillo die Pomodoro-Technik („*pomodoro*" ist Italienisch für „*Tomate*“). Mit einer Küchenuhr, die aussah wie eine Tomate, unterteilte Cirillo seine Arbeitsintervalle in Einheiten von 25 Minuten. Danach folgte eine fünfminütige Pause. Nach insgesamt vier Einheiten folgt eine längere Pause. #### Quelle Oakley, B. A. (2014). S. 103ff. Beide Tricks funktionieren nach demselben Prinzip. Du formulierst den nächsten, kleinstmöglichen Schritt, setzt dir dann einen Timer und fängst an zu arbeiten. Es ist unerheblich, ob du die Aufgabe in der vorgesehenen Zeit abschließt. Wichtig ist, dass du einfach loslegst. Der Notizbuchtrick motiviert, weil 10 Minuten für jeden machbar sind und er dich gleichzeitig zu Highscores anspornt. Auch die Pomodoro-Technik erfreut sich großer Beliebtheit. Ihre Stärke ist, dass sie trotz längerer Einheiten die Pausen nicht vernachlässigt. Gleichzeitig bringt sie dir bei, unter selbstbestimmtem Zeitdruck zu arbeiten. **Zusatztipp**: Für die Pomodoro-Technik musst du dir keine Küchenuhr kaufen. Mit einer schnellen Google-Suche findest du bereits einfache Browseranwendungen oder – mein persönlicher Favorit – die App „*Flow*“. [Flow | Ein simpler Pomodoro-Timer zur Organisation deiner täglichen ArbeitEine einfache Pomodoro-basierte Fokus-Timer-App, um deine Arbeit zu strukturieren. Vertraut von mehr als einer halben Million Einzelpersonen und Teams weltweit, um konzentriert zu bleiben und mehr zu erledigen.![](https://www.markusdotzler.de/content/images/icon/IL7SoF4HBElXowA3Yb7UZRxJfM4.png)Ein simpler Pomodoro-Timer zur Organisation deiner täglichen Arbeit![](https://www.markusdotzler.de/content/images/thumbnail/B35ASVKAYCMM2f9ptGXvmXCxIc.png)](https://www.flow.app/de/?ref=markusdotzler.de) [PomofocusAn online Pomodoro timer to boost your productivity.![](https://www.markusdotzler.de/content/images/icon/favicon-32x32.png)Pomofocus![](https://www.markusdotzler.de/content/images/thumbnail/ogimage.png)](https://pomofocus.io/?ref=markusdotzler.de) ### 4\. Vermeide jede Ablenkung. Um wirklich effektiv zu lernen, empfehle ich dir, während deiner Einheiten jede Form der Ablenkung zu vermeiden. Das bedeutet: Keine Bildschirme mit Push-Benachrichtigungen, kein Smartphone und keine Textnachrichten. Auch dem Blick in deinen Social Media Feed musst du widerstehen. Der Grund dafür ist einfach: Du kannst dich nicht auf mehrere Aktivitäten gleichzeitig konzentrieren. Du kennst sicherlich das Wort [Multitasking – vergiss es](https://www.markusdotzler.de/multitasking-illusion/). Du kannst zwar zwei Dinge gleichzeitig ***tun*** (z.B. Kochen und Hörbuch hören), aber dich nicht auf zwei Dinge gleichzeitig ***konzentrieren***. Dein Handeln lässt sich aufteilen, deine Aufmerksamkeit nicht. Auch wenn es von außen so aussieht, als könnten Menschen mehrere Dinge gleichzeitig erledigen, stellen wissenschaftliche Untersuchungen fest, dass diese Prozesse im Gehirn nicht parallel laufen. Im Gegenteil: Dein Gehirn muss ständig zwischen den Aufgaben umschalten. #### Quelle Bannister, F., & Remenyi, D. (2009). **Multitasking: The Uncertain Impact of Technology on Knowledge Workers and Managers*. Der Clue mit Produktivität ist folgender: Viele Leute wollen dir erzählen, dass du mehrere Dinge gleichzeitig tun musst, um produktiv zu sein. Doch je mehr du tust, desto weniger tust du richtig. Produktiv zu sein bedeutet also ironischerweise nicht mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, sondern weniger. Stell dir vor, du liest gerade ein anspruchsvolles Buch. Plötzlich setzt sich jemand neben dich und verblättert dir ständig die Seiten. Immer wieder musst du Zeit und Mühe aufwenden, um zum letzten Absatz zurückzufinden. Wie lange wird es dauern, bis du das Buch frustriert zuklappst? Der ständige gedankliche Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben führt langfristig zu mentaler Erschöpfung. Wenn du beim Lernen zwischendrin auf Social Media scrollst, dann wirst du langsamer, begehst mehr Fehler, bist weniger kreativ und merkst dir weniger. Anders ausgedrückt: Wer multitaskt, lernt schlechter. Und wenn du bemerkst, dass der Erfolg für deine Anstrengung ausbleibt, dann wirst du das Lernen umso stärker meiden. Aus diesem Grund solltest du unbedingt auf Ablenkungen verzichten. 💡 ***Bonus:** Mehr Tipps für besseren Fokus findest du in meinem Artikel „[**4 Regeln für mehr Fokus*](https://www.markusdotzler.de/mehr-fokus/)“. ## Deine Einstellung entscheidet, ob du aufhörst zu prokrastinieren. Nun kennst du vier wichtige Werkzeuge, um Prokrastination zu vermeiden. Der Schlüssel dafür liegt in drei entscheidenden Erkenntnissen: 1. Der Gedanke an eine unangenehme Aufgabe ist schmerzhafter als das Erledigen der Aufgabe. 2. Das Phänomen der Homöostase – das Streben nach Stabilität – könnte der Grund sein, warum sich Veränderung instinktiv schwer anfühlt. Es ist jedoch gleichzeitig dein Motor für Veränderung. 3. Die Vermeidung negativer Gefühle ist kurzfristig eine positive, langfristig jedoch eine negative Erfahrung. Die Schlussfolgerung aus diesen Erkenntnissen ist eindeutig. Prokrastination vermeidest du letztlich nur, indem du handelst. Mein Vater sagte immer zu mir: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Früher ging mir dieser Satz mächtig auf die Nerven. Es fühlte sich wie ein Angriff an. Automatisch fuhr ich mein Abwehrsystem hoch. Doch mittlerweile verstehe ich, was er meinte. Du kannst den ganzen Tag damit verbringen, das Handeln vor dir herzuschieben. Fernseher, Computer, Tablets, Smartphones – sie alle bieten dir unendliche Möglichkeiten, um unangenehme Tätigkeiten ein Leben lang hinauszuzögern. Doch du kannst an Informationen auch ertrinken. Im deutschen Raum heißt das tatsächlich Informationsüberflutung. Vor [Information Overload kannst du dich schützen](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/). Doch weil sich viele Menschen dessen nicht einmal bewusst sind, bemerken sie den Schaden nicht. Ich glaube deshalb, dass Lebensqualität unter anderem eine Frage des Handelns ist. Denn wenn du kompetent bist, erfährst du **Selbstwirksamkeit** und verinnerlichst die Überzeugung, dein Leben aktiv gestalten zu können. Mein Vater wusste das – und trotzdem fiel es ihm schwer. Genau deshalb wiederholte er diesen Satz: als Erinnerung. Ich hoffe deshalb, dass dir dieser Artikel dabei helfen wird, der Prokrastination ins Auge zu blicken. Wenn du jeden Tag nur eine einzige Sache erledigst, die du vor diesem Artikel aufgeschoben hättest, dann kann diese Kleinigkeit einen Schneeball ins Rollen bringen, der dich irgendwann so unaufhaltsam macht wie eine Lawine. Jetzt kennst du die Psychologie hinter deiner Prokrastination. Aber der entscheidende Schritt ist der nächste. Du willst regelmäßig Artikel, die dich zum Handeln bringen? Dann trag dich jetzt in den Newsletter ein. [Anmelden ](#/portal/signup/free) ### Mehr Fokus: 4 Regeln, um deine Konzentration zu steigern URL: https://www.markusdotzler.de/mehr-fokus/ Last updated: 2026-10-04T11:21:01.000Z Kennst du dieses Gefühl, wenn du von einer Aufgabe zur nächsten rennst, aber am Ende des Tages nicht mehr weißt, was du alles erledigt hast? Dieser Artikel ist eine Einladung an dich, mehr Fokus in deinem Alltag zu erfahren. Einen ganz besonderen Tipp stell ich dir in meinem Video „Vinyls retten deine Aufmerksamkeit“ vor ## Warum uns Konzentration so schwer fällt. Aufmerksamkeit ist eine der wichtigsten Zutaten für ein erfolgreiches und erfülltes Leben. In einem anderen Artikel beantworte ich dir genau, [was Fokus ist](https://www.markusdotzler.de/warum-fokus-wichtig-ist/). Aufmerksamkeit ist heute eine knappe Ressource. Das Internet ist nicht nur eine Ablenkungs-, sondern eine Suchtmaschine. Viele Apps sind so konzipiert, dass sie deine Aufmerksamkeit aufsaugen wie ein Schwamm. Dahinter steckt keine Bosheit, sondern ein Geschäftsmodell. In der Vergangenheit habe ich im Umgang mit digitalen Technologien zwei große Fehler begangen: 1. Ich dachte, dass nur Schwarz oder Weiß existiert. Entweder ich werde zum Smombie (Smartphone-Zombie) oder lebe wie ein buddhistischer Mönch. Doch Aristoteles sagte mal: „*Ich halte den für mutiger, der seine Begierden überwindet, als den, der seine Feinde besiegt; denn der härteste Sieg ist der über sich selbst*“. Er sprach damit im Kern von Selbstkontrolle – der Fähigkeit, mit den eigenen Bedürfnissen umzugehen. Sich alles zu verbieten ist jedoch nicht das Gleiche, wie einen verantwortungsbewussten Umgang mit den eigenen Impulsen zu erlernen. Nur Letzteres ist, was Aristoteles als „*Sieg über sich selbst*“ bezeichnet. 1. Aufgrund meines Wunsches nach Selbstdisziplin habe ich mich in der Vergangenheit zu oft auf meine Willenskraft allein verlassen. Disziplin ist gut, doch du kannst dir das Leben erheblich erleichtern, wenn du dich nicht *nur* auf Willenskraft allein verlässt. Ein einfacher Vorsatz wie „*Ab heute werde ich mich besser konzentrieren*“ führt langfristig nicht zum Erfolg. Stell dir Willenskraft wie einen Muskel vor, der ermüdet, wenn du ihn dauerhaft belastest. Wenn du alle fünf Minuten Kniebeugen machst, wie lange hält deine Beinmuskulatur das durch? Genau das passiert mit deiner Willenskraft. Du wirst den ganzen Tag mit Ablenkungen bombardiert. Dahinter stehen mächtige Konzerne, die menschliche Psychologie genau verstehen. Chats, E-Mails, Social Media – ständig musst du widerstehen. [Früher oder später ermüdet deine Willenskraft](https://www.markusdotzler.de/warum-willenskraft-scheitert/). Doch was, wenn du dich gar nicht auf sie verlassen müsstest? ## Gewohnheiten: Das unterschätzte Mittel gegen Ablenkung Kennst du diesen Kampf gegen die Chipstüte am Abend? Das Rascheln der Tüte, der Geruch nach Paprikagewürz, das Knacken beim Reinbeißen – jeden Tag trägst du den Kampf aufs Neue aus, bis du irgendwann nachgibst. Spätestens nach deinem nächsten Wocheneinkauf beginnt das Spiel von vorne. Ein einfacher Weg, um gesünder zu leben, ist, keine Chips im Haus zu haben. Selbst wenn du in Versuchung kommst, müsstest du erst aus dem Haus und zum nächsten Supermarkt. So banal es klingt: Dieser einfache Tipp funktioniert. Die einzigen Chips, die ich den letzten Jahren gegessen habe, lagen im Küchenschrank meines Bruders. Das gleiche Prinzip funktioniert auch, wenn du konzentrierter leben möchtest. Der Trick besteht darin, dein Umfeld so zu gestalten, dass du nicht in Versuchung gerätst, dich abzulenken. Hier kommen Gewohnheiten ins Spiel. Über Routinen habe ich bereits einen ganzen Artikel geschrieben. Die Essenz: Die Grundlage für Erfolg sieht oft wie Disziplin aus, [ist aber in Wahrheit Routine](https://www.markusdotzler.de/vergiss-disziplin/). Die Macht der Gewohnheit liegt darin, dass sie mentale Ressourcen freisetzt. Dank antrainierter Automatismen musst du nicht mehr aktiv darüber nachdenken, ob und wie du handelst. Wenn du dir angewöhnst, keine Chips zu kaufen, dann kannst du sie auch nicht essen. Und wenn dir antrainierst, dein Handy in einen anderen Raum zu legen, während du dich konzentrieren willst, dann benutzt du es auch nicht aus dem Affekt heraus. So sparst du dir einiges an Willenskraft. Gleichzeitig musst du nicht mit Verboten arbeiten. Wenn du dich also mal bewusst dafür entscheidest, Chips essen zu wollen, dann holst du dir eben eine Tüte. Und wenn du in deiner Pause auf dein Handy gucken willst, dann tust du es. Doch statt ständig in einen Kampf zu treten, bei dem du jedes Mal in der dritten Runde K.O. gehst, ermöglichen dir Gewohnheiten in Kombination mit ein paar wenigen Einschränkungen, dich auf deine Willenskraft verlassen zu können, wenn es wirklich zählt. Willst du also mehr Fokus in deinen Alltag integrieren, ist es entscheidend, Routinen und Verhaltensweisen zu hinterfragen und neue zu entwickeln, die langfristig für dich funktionieren. ## 4 Regeln für mehr Fokus (+ 1 Geheimtipp) Fokus ist eine sehr individuelle Frage. Manche Menschen bauen sich eine Hütte, um ungestört zu bleiben. J.K. Rowling schrieb Harry Potter VII in einem Hotelzimmer, das sie schlappe 1.000 Euro am Tag kostete. Und Bill Gates ist bekannt für seine Think Weeks – Kurzurlaube, in denen er sich mit ein paar guten Büchern völlig aus dem Tagesgeschäft zurückzieht. Für die meisten Menschen sind derartige „große Gesten“ jedoch kaum alltagstauglich (außer du hast ein paar Tausend Euro für das beste Hotel deiner Stadt rumliegen). Deshalb habe ich für dich ein paar Regeln zusammengestellt, die du wie Legobausteine zusammenbauen und an deine Situation anpassen kannst. ### Regel #1: Mini Digital Detox am Morgen. In der Vergangenheit erschlich mich oft das Gefühl, ich müsste jeden Moment meines Tages mit Produktivität füllen. Wenn ich nichts aktiv zu tun hatte, konsumierte ich Informationen. Nachrichten, Podcasts, Hörbücher – mein Tag glich einem Buffet. Doch von all diesen Wissensschnipseln blieb kaum etwas hängen. Das ist eine der Nebenwirkung der [Information Overload](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/). Der Großteil der Informationen, den wir täglich konsumieren, ist nichts als Beschallung. Die erste Regel lautet deshalb: kein Internet am Morgen. Warum? Oft höre ich das Argument, das Internet sei nicht das Problem, sondern unser Umgang damit. Doch gleichzeitig sind die Anwendungen, die es uns zur Verfügung stellt, so verführerisch, dass der eigene Wille kaum eine Chance besitzt. Wenn du jeden Tag damit beginnst, direkt online zu gehen, Chats, Nachrichten und Social Media zu checken, dann wirst du dir der Wirkung, die das Internet auf dich hat, nie bewusst. Du befindest dich in einem konstanten Zustand der Beschallung. Deshalb bleibt der Morgen eine internetfreie Zone. Nutz die Zeit z.B. für ein Hobby, das dir wichtig ist. Hör Musik, lies ein Buch oder treib Sport. [Fülle das Vakuum mit Sinn, dann klappt es auch mit der Detox](https://www.markusdotzler.de/digital-detox-was-funktioniert-tipp/). Ich selbst nutze den Morgen gerne zum Schreiben. Du kannst jedoch auch einfach gar nichts tun. Zieh dich an, trink deinen Kaffee und fahr zur Arbeit. In diesem Fall: Genieße die Ruhe. Nimm sie bewusst wahr. Die Beschallung kann warten, bis du anfängst zu arbeiten. ### Regel #2: 25 Minuten fokussiert arbeiten mit Pomodoro. Wenn ich mir unschlüssig bin, was ich tun soll, dann beantworte ich E-Mails. Mein Posteingang sorgt dadurch für Struktur in meinem Arbeitstag. Das fühlt sich produktiv an und ist leichter, als mich täglich fragen zu müssen, wie ich einen wirklichen Mehrwert für mein Team oder Unternehmen liefern kann. Doch was leicht ist, muss nicht unbedingt Sinn stiften. Ja, die E-Mails müssen erledigt werden. Doch wenn du nichts anderes machst, an was erinnerst du dich am Ende des Tages außer an zu viele To-dos? Anders verhält es sich, wenn du täglich auf etwas hinarbeitest, das für deinen Job wichtig ist. An diese eine Tätigkeit wirst du dich erinnern, denn sie gibt deiner Arbeitswoche Orientierung. [Menschen sind keine Multitasker](https://www.markusdotzler.de/multitasking-illusion/). Wir sind Monotasker. Doch indem wir den täglichen Ablenkungen nachgehen, erschöpfen wir unsere Aufmerksamkeit und ermüden mental. Mein lächerlich einfacher Tipp: Verwende die Pomodoro-Technik: - Stell dir einen Timer auf 25 Minuten. - Gehe offline, reagiere nicht auf Anrufe und arbeite nur an einer Aufgabe. - Nimm dir danach fünf Minuten Pause. Alles ist erlaubt. - Wiederhole und experimentiere, bis du deinen eigenen Flow findest. Wenn dir 25 Minuten zu lang erscheinen, starte mit zehn. Ich meine das nicht herablassend, sondern völlig ernst. Fokus ist ein Muskel, erinnerst du dich? Wenn du von deiner ersten Trainingseinheit zwei Wochen Muskelkater kriegst, hast du es übertrieben. Spiel mit der Dauer der Einheiten. Verändere die Pausen. Wenn dir Klaviermusik oder Alphawellen helfen, um dich zu konzentrieren, dann nutze sie. Schau, was für dich funktioniert. Übertreib es nicht. Wichtig ist nicht, wann du dir diese Zeit nimmst, sondern dass du es tust. Das Tagesgeschäft läuft nicht davon. Beschäftigung ist oft nur eine Illusion. Eine Falle, in die wir durch unseren Wunsch nach Produktivität tappen. 💡 Erfolg bedeutet nicht, alle Aufgaben zu erledigen, sondern die wichtigsten. [Pareto hilft dir dabei](https://www.markusdotzler.de/pareto-prinzip/). ### Regel #3: Smartphone Pausen gegen digitale Erschöpfung. Deine Konzentration resultiert unter anderem aus deiner Fähigkeit, mit Ablenkung umzugehen. Eine Studie aus dem Jahr 2004 fand heraus, dass Menschen sich bei der Arbeit ungefähr genauso oft selbst unterbrechen, wie sie von außen unterbrochen werden (z.B. der selbstständige Blick in den Posteingang, während man an einer anderen Aufgabe arbeitet). #### Quelle González, V. M., & Mark, G. (2004). „Constant, constant, multi-tasking craziness“: Managing multiple working spheres. **Proceedings of the SIGCHI Conference on Human Factors in Computing Systems*, 113–120\. [https://doi.org/10.1145/985692.985707](https://doi.org/10.1145/985692.985707?ref=markusdotzler.de) Das ist ein Problem. Warum? Neuroplastizität. Dein Gehirn lernt letztlich, was du wiederholt tust, doch es unterscheidet dabei nicht zwischen dem, was du *eigentlich* tun willst und dem, was du *tatsächlich* tust. Das ist wie bei B.F. Skinners Hunden. Wenn du jedes Mal eine Glocke läutest, bevor du einem Hund Essen gibst, reicht irgendwann das Läuten selbst, um den Speichelfluss in Erwartung auf das anschließende Mahl auszulösen. Wenn du dir also beibringst, in jeder Lücke deines Tages auf dein Smartphone zu blicken, dann trainierst du dir das Verlangen nach Ablenkung an. Sobald dann eine Wartezeit entsteht, verlangt dein Gehirn nach einem billigen Dopaminkick. Langeweile ist kein schöner Zustand. Ich will ihn nicht romantisieren. Doch Langeweile kann sehr aufschlussreich sein. Wenn du einfach mal nichts tust, hat dein Gehirn Zeit zu denken. Gem. der *unconcious thought theory* ist das Unterbewusstsein ein guter Problemlöser. Doch seine Lösungen gelangen nicht an die Oberfläche, wenn du dich dauernd ablenkst (was auch auf Regel #1 einzahlt). Smartphones sind wie mentale Krücken für Menschen, die Langeweile nicht ertragen. Also: Töte nicht das erste Anzeichen von Langeweile mit deinem Smartphone. ### Regel #4: Feierabendritual für mentale Klarheit am Abend. So sehr du auf deinen Feierabend hinfieberst, kommt er oft mit seinen eigenen Problemen daher. Vor allem dann, wenn du bestimmte Aufgaben nicht abschließen konntest, besteht die Gefahr, dass du sie mental mit nach Hause schleppst. Der Zeigarnik-Effekt besagt, dass vor allem unvollständige Aufgaben unsere Aufmerksamkeit dominieren und uns nicht nur von konzentriertem Arbeiten, sondern auch von Erholung abhalten können. Um den Zeigarnik-Effekt am Ende deines Arbeitstages zu vermeiden, hilft es, sich ein Feierabendritual zu überlegen. Zuerst legst du dein tägliches Arbeitsende fest. Mach daraus am besten eine Gewohnheit, damit dein Gehirn täglich mit derselben Zeit zum Runterfahren rechnen kann. In den letzten 20 Minuten des Tages erstellst du dir dann eine Übersicht: Welche Aufgaben stehen noch an? Was ist der nächste, kleinste Schritt, um sie zu lösen? Wann willst du dich darum kümmern? Wenn unvollständige Aufgaben nicht lose in deinem Kopf herumschwirren und du bereits den nächsten Schritt kennst, hilft dir das, mental loszulassen. Auch ein Hobby kann Teil deines Feierabendrituals sein. Wenn ich am Ende des Tages meine nächsten Aufgaben geplant habe, klappe ich den Laptop zu und gehe zum Sport. Das signalisiert meinem Gehirn: Wir sind fertig für heute. Also: Setze dir ein Zeitlimit und überlege dir ein geeignetes Feierabendritual. Dann leg alles nieder, genieß deine freie Zeit und kehr am nächsten Tag erholt zur Arbeit zurück. > *When you work, work hard. When you’re done, be done.* > – Cal Newport ### Bonustipp: Hör mehr Schallplatten Wann hast du dich das letzte Mal bewusst hingesetzt und nichts anderes getan, als Musik zu hören? Ich glaube: Wenn wir unsere Lieblingsmusik hören, entspannen wir nicht einfach nur. Wir üben auch unseren Konzentrationsmuskel, solange wir es schaffen, nichts anderes nebenbei zu tun. Warum ich das glaube, erklär ich dir in einem meiner ersten Youtube-Videos: Vinyls retten deine Aufmerksamkeit ## So misst du, ob sich deine Konzentration verbessert. Wenn du dein Verhalten änderst, ist es wichtig festzuhalten, ob die Veränderung den gewünschten Effekt erzielt. Wie machst du das? [Analoge Tools wie Notizbücher](https://www.markusdotzler.de/analoge-planung/) sind genial, um deine Aufmerksamkeit zu schützen. Keine Push-Benachrichtigungen, keine Soundeffekte. Ich empfehle dir, über die nächsten zwei Wochen Buch zu führen. Tracke z.B. deine fokussierte Arbeitszeit, indem du sie in einem Notizbuch oder auf einem Whiteboard festhältst. Wie viele konzentrierte Minuten hast du an jedem individuellen Tag erreicht? Wie viele Pomodoro-Einheiten waren dabei? Welche Projekte konntest du dadurch bereits bewerkstelligen? An wie vielen Tagen konntest du am Morgen dem Internet widerstehen? Und wie fühlst du dich am Ende des Tages? Schreib dir alles auf. Es geht nicht darum, Highscores aufzustellen. Trotzdem darfst du dich von den Zahlen gerne motivieren lassen, solange daraus kein Frust entsteht, wenn es mal nicht so gut läuft. Verfolge deinen Fortschritt. Überlege dir: Was funktioniert und was nicht? Dann entwickle deine eigenen Methoden. ## Fokus ist eine Frage der richtigen Gewohnheiten Je mehr ich über Lebenszufriedenheit nachdenke, desto klarer wird mir: Das erfüllte Leben ist ein Wechsel zwischen spürbarer Anstrengung und echter Entspannung. Die Grundlage für beide Zustände bildet die Fähigkeit, präsent zu bleiben und jedem Moment seine volle Aufmerksamkeit zu widmen. Ein unerfülltes Leben hingegen ist oft das Resultat schlechter Gewohnheiten. Wenn du dein Leben nicht bewusst mit qualitativ hochwertigen Inhalten füllst, übernehmen minderwertige Reize diesen Job für dich. Ich hoffe, dass dir meine vorgestellten Regeln dabei helfen werden, mehr Aufmerksamkeit in deinen Alltag zu bringen. Letztendlich wirst du deine eigene Methoden entwickeln, die dir mehr Orientierung in dieser hektischen Zeit schenken. Wenn du dabei auf ein paar gute Tipps stößt, teil sie gerne in den Kommentaren. Viel Erfolg auf deiner Reise. ****Willst du mehr Klarheit in deinem Leben?** In meinem Newsletter teile ich regelmäßig meine Perspektive, wie wir unser Leben selbstbestimmt nach unseren eigenen Regeln gestalten. Kein Clickbait. Keine leeren Versprechen. Nur Inhalte, die dich weiterbringen. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ## Quellen Der gesamte Artikel basiert auf Cal Newports Buch „*Konzentriert arbeiten“:* - *Newport, C. „Konzentriert arbeiten: Regeln für eine Welt voller Ablenkungen*“ (2023\. J. T. A. Wegberg, Übers.; 7\. Auflage. Redline Verlag.). Alle restlichen Quellen wurden gesondert aufgeführt. ### Bulimielernen: Warum Pauken dich dumm hält & was hilft. URL: https://www.markusdotzler.de/bulimielernen-verstehen/ Last updated: 2026-06-14T06:18:44.000Z Bulimielernen ist nicht nur eine schlechte Lernmethode. Sie hält dich ein Leben lang zurück. Lass uns das ändern. Hier erfährst du: - [Warum Bulimielernen Selbstbetrug ist](#bulimielernen-das-erfolgsrezept-mit-dem-du-dich-selbst-betr%C3%BCgst) - [Was ich als Ausbilder über Auswendiglernen kapierte](#was-ich-als-ausbilder-%C3%BCber-auswendiglernen-kapierte) - [Wie wir selbstständig Denken lernen und](#verst%C3%A4ndnis-ist-der-einzige-weg-zu-selbstst%C3%A4ndigem-denken) - [Was es dich kostet, wenn du das nicht tust.](#noten-l%C3%BCgen-was-dich-bulimielernen-kostet) ## Bulimielernen: Das Erfolgsrezept, mit dem du dich selbst betrügst. Viele Menschen enden später in einer Sackgasse. Und der Grund dafür ist oft der Gleiche: 💡 Sie haben nie gelernt, selbstständig zu denken. Ich weiß das aus eigener Erfahrung: Im Studium habe ich Klausuren mit 1,0 bestanden, ohne auch nur einmal die Vorlesung zu besuchen. Die Erfolgsformel? Eine Woche vor der Klausur auswendig lernen, was der Professor hören will und es ihm am Tag der Klausur aufs Blatt spucken. Wie eine Kuh hab ich stumpf die Inhalte zerkaut, um sie später hochzuwürgen – und anschließend zu vergessen. Die Ironie? Das Bildungssystem sagt dir zwar nicht explizit, dass Auswendiglernen der beste Weg ist. Doch es belohnt dich dafür mit einer guten Note und einem Abschluss. Gelernt habe ich viel. Verstanden hab ich dadurch nichts. Manche Abschlüsse sind nichts anderes als eine Bescheinigung im Selbstbetrug. Die Note gaukelt uns vor, dass wir etwas verstehen, von dem wir eigentlich keine Ahnung haben und das wir schon bald wieder vergessen. Der [Dunning-Kruger-Effekt schlägt zu](https://www.markusdotzler.de/dunning-kruger-effekt/). Doch wenn ein System Bulimielernen belohnt, dann ist die logische Folge, dass Schüler, Studenten, aber auch Angestellte im Arbeitsleben sich nicht auf Lernmethoden fokussieren, die Verstehen fördern. Und ich versteh es. Verständnis ist anstrengend. Ich selbst leide an chronischer Aufschieberitis, weshalb ich mich schon viel damit auseinandersetzte (und hier findest du [4 Tipps gegen Prokrastination](https://www.markusdotzler.de/prokrastination-ueberwinden/)). Außerdem kostet Verstehen Zeit und Zeit ist immer knapp. Also hämmern wir uns Stoff ins Hirn, um ihn bald wieder zu vergessen. Damit betrügen wir uns selbst, denn: Aus mehreren Studien geht hervor, dass Auswendiglernen nur einen kurzfristigen Lernerfolg verspricht. Beim Cramming 10 Minuten vor dem Test landen die Inhalte maximal im Kurzzeitgedächtnis. Dort sind sie frisch, weshalb es sich (für den geringen Zeitaufwand) wie eine gute Lernmethode anfühlt. Ich sag das verdammt ungern, aber: Wenn du morgen einen Test schreibst, ist es tatsächlich keine schlechte Idee, den Stoff kurz vorher fast schon mechanisch zu wiederholen. **Aber Vorsicht**: 💡 Was schnell kommt, geht auch wieder schnell. In denselben Studien reichte schon eine einzige Woche aus, um den Großteil des Stoffes zu vergessen. Denjenigen hingegen, die den Inhalt wirklich verstanden und langsamere Lernmethoden nutzten (z.B. Interleaving, Zusammenfassungen schreiben, Schaubilder erstellen, Selbsttests und die Feynman-Technik anwenden), passierte das nicht. #### Quelle Beck, H. (2021). **Das neue Lernen heißt Verstehen* (Ungekürzte Ausgabe, 1\. Auflage). Ullstein. S. 48ff. Willst du Wissen also nachhaltig ins Langzeitgedächtnis befördern, bringen dich Cramming und Nachtschichten nicht weiter. Für viele Tests können kurzfristige Lernmethoden funktionieren. Doch je länger der Zeitraum ist, für den du Wissen im Kopf behalten musst, desto mehr Informationen musst du am Ende wieder auffrischen, wenn du nur paukst statt zu verstehen. ## Was ich als Ausbilder über Auswendiglernen kapierte Früher arbeitete ich als Ausbildungskoordinator für eines der größten Unternehmen in Deutschland. Ich war dafür zuständig, die Ausbildung für jährlich über 100 Auszubildende an 5 Standorten zu verbessern und auszubauen. Dazu gehörte natürlich auch die Organisation der Prüfungsvorbereitung. In der Berufsschule hatten nur die wenigsten meiner Azubis schlechte Noten. Dort reichte es, sich kurzfristig auf eine Ex oder Schulaufgabe vorzubereiten. Doch in der Folge vergaßen sie danach den Großteil des Gelernten. Für die Notenbildung im ersten Berufsschuljahr war das kein Problem. Vor ihrer Abschlussprüfung kamen sie allerdings mächtig ins Schwitzen. Auf einmal bemerkten sie, dass sie den ganzen Stoff, den sie sich am Abend vor der Schulaufgabe reingeballert hatten, schon längst wieder vergessen hatten. Jetzt mussten sie alles wieder aufzuholen. Drei Jahre Ausbildung 4 Wochen vor der Abschlussprüfung lernen? Ich verrat dir was. Das funktioniert nicht. Ein Großteil der Azubis, der in der Abschlussprüfung durchfiel, hatte schlichtweg zu spät angefangen zu lernen und dabei festgestellt, dass kaum noch etwas vorhanden ist, was sie irgendwann mal wussten. Wenn ein Azubi wegen Prüfungsangst durchfiel, dann hat mir das wirklich weh getan. Aber wenn er durchrasselte, weil er dachte, dass er es mit Auswendiglernen retten kann, dann hat mich das wütend gemacht. Nicht nur auf den Azubi, weil ich wusste, dass er mehr kann. Sondern vor allem auf das System, dass das Bulimielernen belohnt, [wissenschaftlich widerlegte Lernmythen verbreitet](https://www.markusdotzler.de/lernstil-illusion/) und effektive Lernmethoden wie das [Interleaving](https://www.markusdotzler.de/interleaving/) oder[ active Recall](https://www.markusdotzler.de/schluss-mit-dem-pauken/) nicht ausreichend behandelt. ## Verständnis ist der einzige Weg zu selbstständigem Denken Warum gibt es so viele Auszubildende, die in der Berufsschule überzeugen, diese guten Leistungen allerdings nicht auf ihre Abschlussprüfungen übertragen können? Worüber ich mich lange Zeit wunderte, leuchtet mir heute ein: 💡 Die Schule belohnt kurzfristiges Lernen. Die Abschlussprüfung hingegen belohnt Verständnis. Die Azubis, die Verständnis priorisieren, haben hintenraus nicht nur weniger Stress, sondern profitieren auch noch nach der Abschlussprüfung von ihrem Wissen. Ergo: Wer schnell lernt, vergisst auch schnell. Wer sich hingegen Zeit nimmt und versteht, wird langfristig belohnt. Reine Fakten zu kennen bedeutet noch lange nicht, sie zu verstehen. Und Wissen, das nach einer Ausbildung nicht mehr da ist, bringt dir überhaupt nichts. In einer Ausbildung zum Elektroniker oder Lokführer kann dir Verständnis sogar das Leben retten. Und genau das ist das Problem an unserem Bildungssystem: Es belohnt immer noch das Pauken, Auswendig- und Bulimielernen, obwohl es Verständnis fördern sollte. Das Ziel des Bildungssystems – wie ich es zumindest definiere – ist die Selbstbefähigung der Menschen. Zusammenhänge erkennen, kritisch Denken, Probleme lösen. All diese Fähigkeiten bilden die Grundlage für Selbstbefähigung. Doch wenn wir Informationen gegenüber Verständnis priorisieren, dann befähigen wir niemanden. Du lernst lediglich auszuspucken, was dir Autoritäten vorgegeben und innerhalb eines vorgegebenen Rahmens zu funktionieren. Die einzige Tatsache, die du so kapierst, ist, dass Verständnis nicht nötig ist, sondern nur die Note zählt. So wirst du zu einem Nebendarsteller in deinem eigenen Leben. Du wirst passiv. Du wirst gefügig. Das nennen Psychologen erlernte Hilflosigkeit. Die einzige Lösung ist, das Verständnis wieder stärker in den Fokus zu rücken (wofür du – wenig überraschend – [mehr Fokus](https://www.markusdotzler.de/mehr-fokus/) brauchst). ## Noten lügen: Was dich Bulimielernen kostet. Es ist mir egal, ob du die Mittelschule, eine Walldorfschule oder ein Gymnasium besucht hast; ob du 10 oder 12 Jahre, 6 oder 8 Semester für deinen Abschluss gebraucht hast. Mich interessiert auch nicht, für welches Wissen du mal gute Noten bekommen hast. Das Meiste davon hast du eh schon wieder vergessen. Wichtig ist, was du auf deinem Bildungsweg kapiert hast. Denn wer versteht, muss gelernt und das Gelernte angewendet haben. Doch wer nur lernt, hat noch lange nicht verstanden. Eine Information ist nur so gut wie ihre Anwendung. Ein Seminar nur so gut wie die Veränderung, die es bewirkt. Ein Sachbuch nur so gut wie seine praktische Umsetzung. Dein Erfolg im Leben bemisst sich nicht daran, ob du Informationen treffsicher auf ein Blatt Papier kotzen kannst. Dein Erfolg hängt davon ab, ob du Zusammenhänge erkennst, Probleme löst, Informationen kritisch hinterfragst und Wissen anwendest. Kurzum: Dein Erfolg bemisst sich daran, ob du dein Leben so gestalten kannst, wie du es willst. Und wenn du dich nicht selbst befähigst, dann wirst du die Richtung, die dein Leben einschlägt, niemals bestimmen (oder zumindest beeinflussen). Lernen ist nicht Pauken, sture Wiederholung oder Auswendiglernen. Es bedeutet nicht, das zu sagen, was der Professor hören will. Es geht viel mehr um persönliches Wachstum. Kontinuierlichen Fortschritt. Anpassung an eine sich immer rasanter verändernde Welt. Denn wenn du lernst, Zusammenhänge zu verstehen, lernst du, dich auf die Zukunft einzustellen. Nur so funktioniert Selbstbefähigung. Du bist nicht schuld daran, wenn du nicht weißt, wie du richtig lernst. Aber sobald du verstanden hast, wie es besser geht, trägst du die Verantwortung dafür, es anders zu machen. Also nimm deine Bildung selbst in die Hand. Befähige dein zukünftiges Ich. Falls du jetzt wissen willst, wie du jede Fähigkeit meisterst, lies meinen Artikel über [deliberate practice](https://www.markusdotzler.de/richtig-ueben/). Das Bildungssystem hat dir beigebracht zu pauken. Mein Blog zeigt dir, wie du selbstständig denkst. Für ein Leben nach deinen Vorstellungen. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ### Deep Work: Warum Fokus wichtig ist (vor allem mit KI) URL: https://www.markusdotzler.de/warum-fokus-wichtig-ist/ Last updated: 2026-06-10T17:36:22.000Z 3 Argumente, warum Fokus wichtig und sogar der Schlüssel für ein erfülltes Leben ist. Hier erfährst du: - [was Fokus ist](#was-ist-fokus) - [warum Deep Work ein Wettbewerbsvorteil am Arbeitsmarkt ist](#argument-1-deep-work-ist-ein-wettbewerbsvorteil) - [warum Konzentration nachlässt, aber nicht an Bedeutung verliert](#argument-2-konzentration-l%C3%A4sst-nach-obwohl-sie-wichtiger-als-je-zuvor-ist) - [warum Fokus der Schlüssel für ein erfülltes Leben ist](#argument-3-fokus-ist-der-schl%C3%BCssel-f%C3%BCr-ein-erf%C3%BClltes-leben) ## Die nächsten 36 Monate entscheiden über deine Zukunft 36 Monate – diese Zahl taucht in letzter Zeit immer häufiger im Netz auf. Es heißt, uns bleiben 36 Monate, um zu lernen, wie wir mit den Umwälzungen künstlicher Intelligenz am Arbeitsmarkt umgehen. Angefeuert durch den Bericht [*AI 2027*](https://ai-2027.com/?ref=markusdotzler.de) spekulieren Denker wie Dan Koe, dass die Transformation der Arbeitswelt unsere Definition von Erfolg in den nächsten drei Jahren maßgeblich verändern wird. [You have about 36 months to make it - Dan KoeWhy everyone is racing to get rich![](https://www.markusdotzler.de/content/images/icon/koe-favicon.jpg)Dan KoeDan Koe![](https://www.markusdotzler.de/content/images/thumbnail/featured-2.jpg)](https://thedankoe.com/letters/you-have-about-36-months-to-make-it/?ref=markusdotzler.de) KI ist das neue Spukgespenst am Arbeitsmarkt. Während die einen auf die Lösung all unserer Probleme hoffen, prophezeien die anderen unseren Untergang. Doch während alle über KI als Schlüsselfähigkeit der Zukunft sprechen, übersehen sie das Fundament, auf das jede neue Kompetenz baut. **Ich halte KI nicht für die Schlüsselfähigkeit der Zukunft.** „*Wie naiv*“, wirst du dir jetzt denken. Doch lass mich es dir erklären. Der KI-Kompetenz ist eine Schlüsselfähigkeit vorgelagert – und die vernachlässigt jeder. ## Was ist Fokus? Aufmerksamkeit. Konzentration. Deep Work. Fokus kennt viele Namen. Das Wort stammt aus dem Lateinischen (*focus*) und bedeutet so viel wie Feuerstätte oder Brennpunkt. So wie eine Lupe zerstreutes Licht auf einen einzigen Punkt richtet, um ein Feuer zu entfachen, bündelt Fokus deine geistige Energie auf ein Problem, um es zu lösen. In diesem Zustand bist du kognitiv besonders leistungsfähig. Du arbeitest effizienter, begehst weniger Fehler und kannst dadurch besonders große Probleme bezwingen. Für Cal Newport, Autor des Buches *Konzentriert Arbeiten*, ist Deep Work, wie er es nennt, die entscheidende Zutat für hohe Arbeitsqualität. Seine einfache Formel: 💡 Arbeitsqualität = Zeit x Fokus. #### Quelle Newport, C. (2023). **Konzentriert arbeiten: Regeln für eine Welt voller Ablenkungen* (J. T. A. Wegberg, Übers.; 7\. Auflage). Redline Verlag. S. 7ff. Ein Essen gelingt besser, wenn du währenddessen nicht gleichzeitig telefonierst und die Kinder beschäftigen musst. Ein Schüler lernt in einer Stunde mehr als anderer, der sich drei Stunden hinsetzt und nebenbei auf Social Media scrollt. Ein Ingenieur erzielt in einem Projekt in kürzerer Zeit größere Fortschritte, wenn er nicht nebenbei E-Mails beantwortet. Doch trotz dieser Vorzüge bleibt Deep Work in der Arbeitswelt eine Randerscheinung. E-Mails, Chats, Videoanrufe, Meetings, interne Memos, Großraumbüros, Social Media – die moderne Welt wimmelt vor Ablenkungen. Shallow Work dominiert unseren Alltag. Und [deine Willenskraft kommt nicht hinterher](https://www.markusdotzler.de/warum-willenskraft-scheitert/). Doch nur weil wir zerstreut arbeiten, bedeutet das nicht, dass wir so arbeiten *sollten*. Davon will ich dich heute überzeugen. ## 3 Argumente für mehr Konzentration ### Argument #1: Deep Work ist ein Wettbewerbsvorteil. Veränderung prägt die moderne Arbeitswelt. Während wir immer noch mit den Herausforderungen der Digitalisierung kämpfen, klopft bereits die künstliche Intelligenz an unserer Tür. Über ihren Besuch werden sich viele Arbeitnehmer nicht freuen. > We predict that the impact of superhuman AI over the next decade will be enormous, exceeding that of the Industrial Revolution [AI 2027A research-backed AI scenario forecast.![](https://www.markusdotzler.de/content/images/icon/favicon.png)![](https://www.markusdotzler.de/content/images/thumbnail/opengraph.png)](https://ai-2027.com/?ref=markusdotzler.de) Der Arbeitsmarkt steht vor einer großen Restrukturierung – vielleicht schon innerhalb der nächsten 36 Monate. Das Zeitalter der KI könnte disruptiver sein als alle technologischen Veränderungen zuvor. Der Grund: KI schafft kaum Neues, sondern macht Bestehendes effizienter. Statt fünf Personaler braucht es bald nur noch einen. Was die restlichen vier danach treiben, interessiert die Technologie nicht. > Wenn ich dich zerstöre, was geht’s dich an? #### Quelle Liu, C. (2018). **Der dunkle Wald: Roman* (K. Betz, Übers.). Wilhelm Heyne Verlag. S. 645. Gleichzeitig ermöglicht die global vernetzte Welt, ortsunabhängig die besten Dienstleister zu finden. So erhalten einige wenige, hoch spezialisierte Menschen eine überproportionale Menge an Aufträgen, die sie dank KI besser bewältigen können. Die Folge? Wer bereits erfolgreich ist, wird noch erfolgreicher. Der Rest geht leer aus. Der technologische Fortschritt spreizt die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter. Wer hat an so einem Arbeitsmarkt eine Chance? Die Ökonomen des *Massachusetts Institute of Technology*, Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee, gehen davon aus, dass vor allem diejenigen bestehen werden, die entweder besonders gut mit intelligenten Maschinen zusammenarbeiten oder aufgrund ihrer Expertise unersetzbar bleiben. Anders ausgedrückt: In der modernen Arbeitswelt gehört zu den Gewinnern, wer besonders fähig darin ist, die bedeutsamen Kompetenzen der Zukunft zu erlernen. Und die Fähigkeit, etwas Neues zu lernen, hängt stark davon ab, ob du dich über lange Zeiträume hinweg konzentrieren kannst. Wieso? Der Grund heißt Neuroplastizität. Dein Gehirn enthält rund 100 Milliarden Neuronen, die miteinander vernetzt sind. Indem du dich beim Lernen intensiv auf ein Problem konzentrierst, signalisierst du deinem Gehirn, die entsprechenden Nervenbahnen zu stärken. Deshalb ist Konzentration für das Lernen so bedeutsam. Er bündelt deine Aufmerksamkeit (denk an die Lupe) und stärkt die neuronalen Verbindungen. So baust du einen Feldweg zu einer Autobahn aus und kannst Informationen leichter abrufen. Und je leichter der Abruf, desto müheloser die Anwendung. #### Quelle Newport, C. (2023). S. 25-51. Die Ironie der Funktionsweise deines Gehirns besteht darin, dass du auch unproduktive Verbindungen stärkst, wenn du sie regelmäßig ausübst. Denn wie Aristoteles einst sagte: „Du bist, was du wiederholt tust.“ Wenn du z.B. sofort eine eingehende E-Mail öffnest, während du produktiv arbeitest, dann bringst du deinem Gehirn bei, Arbeiten mit Ablenkung zu verknüpfen. Doch Multitasking, also das abgelenkte Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Aufgaben, [führt nachweislich zu schlechteren Ergebnissen](https://www.markusdotzler.de/multitasking-illusion/). Wenn du versuchst, verschiedene Brände gleichzeitig zu löschen, bleibt ein Rest deiner Aufmerksamkeit beim ursprünglichen Problem haften, selbst wenn das Feuer nicht mehr brennt. Dein Gehirn kann nicht sofort umspringen. Die Folge: Du arbeitest in einem Zustand der verminderten kognitiven Leistungsfähigkeit. Dadurch bist du langsamer, weniger kreativ, machst mehr Fehler und kannst dir weniger merken. Zusätzlich gewöhnst du dein Gehirn an ständige Ablenkungen. #### Quelle Hari, J. (2021). **Stolen focus* (First edition). Crown. S. 46ff. Die Unberechenbarkeit der Zukunft erfordert Anpassungsfähigkeit. Anpassungsfähigkeit erfordert lebenslanges Lernen. Lernen profitiert von der Fähigkeit, sich über lange Strecken hinweg zu konzentrieren. Deshalb ist Deep Work heutzutage ein entscheidender Wettbewerbsvorteil: 💡 Ohne Anpassung, kein Erfolg. Ohne Lernen, keine Anpassung. Ohne Konzentration, kein Lernen. Ergo: Ohne Fokus, kein Erfolg. Oder wie es Cal Newport auf den Punkt bringt: > If you can't learn, you can't thrive. Und jetzt sind wir am springenden Punkt angelangt. Deep Work ist ein Wettbewerbsvorteil. Doch hast du das Gefühl, die moderne (Arbeits-)Welt fördert Konzentration? ### Argument #2: Konzentration lässt nach, obwohl sie wichtiger als je zuvor ist. [Wir werden mit Informationen überflutet](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/). Unterschiedliche Kommunikationstools befeuern uns den ganzen Tag. E-Mails, Chatnachrichten, Meetings, Videoanrufe, Social Media und ein endloser, emotional aufgeladener Nachrichtenzyklus – wir sind ständig erreichbar. Jeden Tag sehen wir uns mit einem Informationsbuffet konfrontiert und verspüren den Drang, alles essen zu müssen, damit wir den Anschluss nicht verlieren. Der Sozialwissenschaftler Herbert A. Simon kommt deshalb zu dem Schluss: > A wealth of information creates a poverty of attention > Herbert Simon #### Quelle ‘Designing Organizations for an Information-Rich World’ in Martin Greenberger (ed.) **Computers, Communications, and the Public Interest* (1971). S. 40. Das ist die Ironie der Moderne. In einer Welt, in der Fokus enorm wichtig ist, um sich an die Zukunft anzupassen, müssen wir jeden Tag um unsere Aufmerksamkeit kämpfen. Information ist heutzutage keine knappe Ressource mehr – Aufmerksamkeit hingegen schon #### Quelle Dobelli, R. (2020). **Die Kunst des digitalen Lebens: Wie Sie auf News verzichten und die Informationsflut meistern*(Ungekürzte Taschenbuchausgabe). Piper. S. 68. Die Technologien der Gegenwart verlangen, dass du deine Aufmerksamkeit möglichst breit aufstellst. Deine Kompetenz im Umgang mit den Technologien der Zukunft hängt jedoch davon ab, wie gut du deine Aufmerksamkeit bündeln kannst. Vor allem Wissensarbeiter leiden unter dieser fragmentierten Arbeitsweise. Ihre Produktivität ist schwer messbar. Wissensarbeiter backen kein Brot und reparieren keine Züge. Also wie stellt man fest, welcher Mitarbeiter einer Personalabteilung am produktivsten ist? Durch die Anzahl der Meetings pro Tag oder die geschriebenen Abmahnungen pro Woche? Je komplexer die Ansprüche an die Wissensarbeit, desto schwieriger ist die Messung ihres individuellen Beitrages. Diese Unbekannte bezeichnet Cal Newport als „metrische Blackbox“. Unser Unvermögen zu unterscheiden, was produktiv ist und was nicht, lässt Spielraum für irrationale Arbeitspraktiken. Dadurch ist es völlig realistisch, dass sich unproduktive Verhaltensweisen durchsetzen. Doch warum sollten sich irrationale Arbeitsmethoden durchsetzen? 1. **Erreichbarkeit als Notwendigkeit.** Viele Unternehmen fordern Erreichbarkeit ein, vor allem, wenn sich ihre Mitarbeiter im Home Office befinden. Ganz nach dem Motto: „Wenn ich dich nicht sehe, will ich dich zumindest jederzeit erreichen können.“ Ständige Erreichbarkeit dient Unternehmen als Stellvertreter für Produktivität. 2. **Der Weg des geringsten Widerstands.** Je einfacher es ist, jemanden zu kontaktieren, desto häufiger versenden wir Nachrichten. Dieser Spieß lässt sich jedoch leicht umdrehen. Jeder Büroarbeiter erhält heutzutage eine Vielzahl an Anfragen. Unterbrechungen gab es zwar schon immer, doch digitale Kommunikationsmittel erlauben der ganzen Welt, dich zu unterbrechen. 3. **Texten als Tagesordnung.** Ein voller Posteingang strukturiert den Tagesablauf automatisch. Weißt du nicht, was du tun sollst? Arbeite doch deine Mails ab! Obwohl E-Mails oft für Unzufriedenheit sorgen, ist ihre Abarbeitung leichter, als sich täglich fragen zu müssen, wie man den größtmöglichen Mehrwert für sein Team oder Unternehmen liefert. Durch Druck von außen (oder oben) und unsere eigene Bequemlichkeit übernehmen wir Arbeitsweisen, die kurzfristig einfach, aber langfristig schädlich sind. Wir ersetzen Eigenverantwortung durch Bequemlichkeit, Qualität durch Oberflächlichkeit und Arbeitszufriedenheit durch Frust. Der sinnstiftende Job entwickelt sich zu einer sinnzerstörenden Aneinanderreihung oberflächlicher To-dos. #### Quelle Newport, C. (2023). S. 52-73. Während der Wert von Deep Work zunimmt, um dich an die Herausforderungen der Zukunft anzupassen, scheint die Fähigkeit, sich über längere Zeiträume zu konzentrieren, gleichzeitig abzunehmen. Fokus wird also seltener, obwohl sein Wert gleichzeitig zunimmt. Doch seine wahre Bedeutung geht über einen reinen Wettbewerbsvorteil hinaus. Denn Fokus ist mehr als Produktivität. Er erzeugt Sinn und Bedeutung. ### Argument #3: Fokus ist der Schlüssel für ein erfülltes Leben**.** Gehirnscans deuten darauf hin, dass der Fokus auf das Positive die Nervenbahnen (Stichwort Neuroplastizität) so sensibilisiert, dass du häufiger das Erfreuliche im Leben wahrnimmst. Nicht nur deine Umstände beeinflussen deine Lebensqualität, sondern auch, worauf du deine Aufmerksamkeit richtest. Sich auf die positive Seite einer Medaille zu konzentrieren, könnte also mehr als ein Klischee darstellen. Der Psychologe Mihalyi Csikszentmihalyi weist in seinen Studien darauf hin, dass Menschen in einem Zustand der völligen Konzentration ihre Wahrnehmung so stark verengen, dass sie unangenehme Reize nur noch schwach bis gar nicht empfinden. Ablenkungen hingegen zerstören unsere Aufmerksamkeit und schaffen Raum für negative Gedanken. Indem du immer wieder in deinen Posteingang oder deinen Feed auf Social Media blickst, verschaffst du deinem Gehirn Raum, sich auf Ärgernisse zu konzentrieren. Wenn untätige Hände das Werkzeug des Teufels sind, dann ist ein untätiger Geist seine Werkstatt. Trotz der Probleme, die heutige Wissensarbeiter mit ihrem Bürojob verbinden, fand Mihalyi Csikszentmihalyi in seinen Studien zum *Flow-Zustand* heraus, dass Menschen ironischerweise ihre Arbeitszeit oft leichter „genießen“ können als ihre Freizeit. Wie kann das sein? Lass uns kurz über Flow sprechen. Flow entsteht, wenn du an deine geistigen oder körperlichen Grenzen gelangst. Die Aufgabe, auf die du dich konzentrierst, ist weder überfordernd noch langweilig, sondern anspruchsvoll. Sie bringt dich in einen Zustand, in dem die Zeit an dir vorbei zu *fließen* scheint. > Human beings, it seems, are at their best when immersed deeply in something challenging. > \- Cal Newport Während ein Job regelmäßig Chancen bietet, um in so einen *Flow* zu geraten, verläuft Freizeit eher unstrukturiert. Wir füllen sie oft mit Beschäftigung (Social Media, Fernsehen, Hausarbeit), aber nicht mit erfüllenden Tätigkeiten. Aus diesem Grund nimmst du deine Arbeitszeit als erfüllender wahr, als das Scrollen auf Instagram nach Feierabend. In dieser Beobachtung versteckt sich eine weitere Ironie der Moderne: Obwohl wir Freizeit und Erholung besonders schätzen, können wir sie weniger genießen. Wir füllen sie mit sinnloser Beschäftigung und erleben dadurch keine erfüllenden [*Flow-Zustände, wie z.B. beim Gaming*](https://www.markusdotzler.de/flow-gaming/). Im Englischen gibt es die Redewendung „*to kill time*“. Genau das tun wir. Wir töten ausgerechnet die Zeit, die uns so viel bedeutet. Das heißt **nicht**, dass wir Freizeit abschaffen sollten. Das Problem liegt viel mehr darin, *wie* wir unsere Zeit nutzen, egal ob in der Arbeit oder im Privaten. Yuval Noah Harari schrieb in seinem Buch „*Sapiens*“: > Glück entsteht, wenn wir unser Leben *in seiner Gänze* als bedeutungsvoll und erstrebenswert erkennen. #### Quelle Harari, Y. N. (2015). **Sapiens: A brief history of humankind* (J. Purcell & H. Watzman, Übers.). Vintage Books. S. 390. Die Betonung liegt auf „in seiner Gänze“. Das menschliche Gehirn hat einen unstillbaren Hunger nach Mustern, die die Welt erklären. Wenn wir unser Leben als eine ineinandergreifende Geschichte verstehen, erkennen wir eine höhere Bedeutung. Ein Leben voller Ablenkung hingegen erzeugt keine Zusammenhänge. Kannst du deine täglichen Handlungen nicht miteinander verbinden, fehlt dir der übergeordnete Sinn. Dein Leben verliert die Orientierung. Je mehr ich über Lebenszufriedenheit nachdenke, desto klarer wird mir: Das erfüllte Leben ist ein Wechsel zwischen spürbarer Anstrengung und echter Entspannung. Die Grundlage für beide Zustände bildet die Fähigkeit, präsent zu bleiben. Deshalb ist Aufmerksamkeit aus psychologischer Sicht so bedeutsam für die persönliche Zufriedenheit. Dieses Gefühl der Zufriedenheit verbinden wir in der Arbeitswelt vor allem mit dem Handwerk. Eisen zu einer Axt oder Holz zu einem Tisch durch die eigenen Hände zu verarbeiten, empfinden wir als sinnstiftend. Genauer betrachtet ist am Beruf eines Schmieds oder Tischlers jedoch nur wenig glamourös. Das Handwerk ist körperlich anspruchsvoll, oft dreckig und laut. Der Sinn entsteht nicht aus den Arbeitsbedingungen, sondern aus dem Gefühl, etwas herzustellen, das man sehen, fühlen und riechen kann. Gleichzeitig erhalten Handwerker regelmäßig Feedback, ob sie besser werden, denn ihre Kompetenz äußert sich sowohl im Herstellungsprozess als auch im Endergebnis. Ein fertiges Werkstück zeigt dem Handwerker, ob er gute Arbeit geleistet hat. Doch was sagt dir ein leerer Posteingang? Diese zentrale Erfahrung von Sinn geht vielen Wissensarbeitern verloren. Da z.B. die Leistung eines guten Personalers schwer messbar ist, lässt sich auch seine Kompetenz schwieriger beurteilen. Zudem lagern wir manche Quellen möglicher Kompetenzerfahrung wie z.B. das tiefgreifende Expertenwissen, das sich jemand über Jahre hinweg aneignet, immer öfter an die Technologie aus (KI lässt erneut grüßen). Und in vielen Berufen fehlt dann auch noch die Vision, wozu das Ganze dienen soll. Ich denke, dass es unerheblich ist, ob du im Handwerk oder Büro arbeitest. Entscheidend ist, dass du in deinem Handeln einen Zusammenhang erkennst und nicht hektisch von einem To-do zum nächsten eilst. Der Fokus auf das Wesentliche ermöglicht es dir, sowohl beruflich als auch privat regelmäßig Flow-Zustände zu erfahren. So richtest du dein Leben auf eine größere Vision aus, was dir Orientierung schenkt und hilft, Sinn zu erfahren. #### Quelle Newport, C. (2023). S. 74-94. ## Schlussfolgerung: Deep Work als Überlebensstrategie Fokus ist nicht einfach nur eine Produktivitätstechnik. Er ist eine Überlebensstrategie in einer Arbeitswelt, die von unvorhersehbarem Wandel geprägt ist. Fokus ist die Voraussetzung für Anpassung, Lernen und somit Erfolg in dieser neuen Welt. 💡 Mit diesen [4 Regeln stärkst du deine Aufmerksamkeit](https://www.markusdotzler.de/mehr-fokus/). Die Zukunft gehört denen, die in einer Welt voller Ablenkungen die Ruhe finden, um tiefgründig zu denken, zu lernen und somit durch ihre Fähigkeiten hervorstechen. Die nächsten 36 Monate sind nicht in Stein gemeiselt. Kein Mensch kann mit Sicherheit sagen, wie der neue Arbeitsmarkt aussehen wird. Trotzdem erzwingt KI eine Neubewertung der Fähigkeiten, die auf dem Arbeitsmarkt wertgeschätzt werden. Falls du dir unsicher bist, ob du etwas an deiner Lebensweise ändern solltest, stell dir folgende Fragen: - An welchem Ziel arbeitest du, wenn du jeden Abend Youtube oder Fernsehen schaust? Welche Kompetenzen eignest du dir an, wenn du auf Social Media scrollst oder auf der Arbeit fleißig textest? - Wenn du deinen Job irgendwann wechselst, was sollen deine Kollegen über dich sagen? Dass du etwas bewegt oder schnell auf E-Mails geantwortet hast? - Welchen Fußabdruck willst du in deinem Job hinterlassen? Welchen Fußabdruck wirst du auf dieser Welt hinterlassen? Zufriedenheit entsteht nicht durch die Menge, sondern durch die Qualität deiner Erfahrungen. Wenn du nicht lernst, dem, was du liebst, volle Aufmerksamkeit zu widmen, leidet darunter letztendlich deine Lebensqualität. Wie wirst du die nächsten 36 Monate nutzen? ****Du willst die nächsten 36 Monate nicht vergeuden?** Im Newsletter bekommst du, was zählt: keine Ablenkungen, kein Rauschen. Nur klare Gedanken darüber, wie du dein Leben nach deinen eigenen Regeln gestaltest. [Anmelden ](#/portal/signup/free) ### Sich klein machen: Hör endlich auf, unsichtbar zu sein. URL: https://www.markusdotzler.de/sich-klein-machen/ Last updated: 2026-07-04T09:44:31.000Z Manche Menschen laufen gebückt durch's Leben. Sie machen sich klein. Wollen nicht auffallen. Bis sich der gebückte Gang normal anfühlt. ## Ich weiß, wie es ist, sich klein zu machen Ich kenne das. Am Ende meines ersten Praktikums in der Personalabteilung empfahl mir mein Betreuer: „*Tue Gutes und rede darüber. Du machst gute Arbeit, also zeig sie anderen.*“ Bis heute fällt mir das schwer. Vielleicht steckt dahinter der Glaube, [ich sei nicht gut genug](https://www.markusdotzler.de/nicht-gut-genug-prokrastination-erfahrung/). Aber ich erledige meine Arbeit lieber als über sie zu reden. In der Regel führt das auch zu guten Ergebnissen. Also denke ich mir: Lass die Arbeit für sich sprechen. Doch hin und wieder überrascht es mich, dass Menschen in meinem Arbeitsumfeld gar nicht wissen, was ich alles schaffe. Selbst wenn du gute Arbeit leistest, spricht sie nicht automatisch für dich. Unsere Leistungen sind mundfaul. ## Wenn sich Sichtbarkeit falsch anfühlt Deshalb fühlten sich die ersten Social Media Beiträge so seltsam an. Es war mir unangenehm, mich der Welt zu präsentieren. Mit all den Fehlern, die ich in mir trage. Als befürchtete ich, ein Fremder könne meine Makel sehen, indem er meine Beiträge liest oder Fotos von mir sieht. Also polierte ich meinen Onlineauftritt wie der stolze Nachbar seinen Mercedes am Sonntag. Ich zeigte, wie ich wahrgenommen werden wollte und nicht, wie ich wirklich bin. Du willst aufhören, dich zu verbiegen? Ich schreibe darüber, wie wir in der modernen Welt ein selbstbestimmtes Leben führen, für das wir uns nicht verstecken müssen. Kostenlos. Kein Spam und kein Selbstoptimierungs-Bullshit. Nur Inhalte, die dir weiterhelfen. [Anmelden ](#/portal/signup/free) ## Die Angst vor den eigenen Makeln Doch diese Scheinwelt gefällt mir nicht. Perfektion stört mich manchmal sogar. Als Hobbymusiker mochte ich meine Instrumente immer am liebsten, wenn sie ihre ersten Macken trugen. Die Schramme vom letzten Auftritt. Der Kratzer, weil ich unvorsichtig war, der jetzt aber irgendwie dazugehört. Wenn etwas kaputt ist, nimmt mir das eine große Last. Der erste Schaden ist angerichtet. Was soll jetzt noch passieren? Über mich selbst denke ich oft ganz genauso. Da ich seit meiner Jugend schon einen Knacks weg habe, nimmt mir das den Druck, als Erwachsener perfekt sein zu müssen. Was schon beschädigt ist, muss nicht mehr versuchen, unbeschadet durchs Leben zu tanzen. Irgendwie befreiend. Doch sich für kaputt zu halten, hat auch eine Schattenseite. Vielleicht ergab es damals aus genau diesem Grund Sinn für mich, mir selbst weh zu tun. Wenn ich anderen Menschen zuvorkomme, können sie mir nichts mehr anhaben. Bis heute trage ich eine Narbe an der rechten Seite meines Bauches. Als Teenager schnitt ich mir dort mit einem Messer die Haut auf. Als hätte ich nach etwas gesucht, was mir zu Hause fehlte. Irgendein Licht, das diesen Schatten aus meinem Leben vertreibt. Ich schnitt damals tiefer, als ich es wollte. Erinnere mich heute noch an den Schock. Die gelbe Farbe meines Bauchfett. Gefunden habe ich in meiner Wunde jedoch keine Erklärung für meine Kindheit oder meine Unzulänglichkeiten. Nicht einmal Schmerzen hab ich gefunden. Nur Blut. Seltsam. ## Die Suche nach dem Versteck im Internet In meiner Jugend zog ich mich gerne zurück. Das fing irgendwann mit 13 an, als ich World of Warcraft und das World Wide Web für mich entdeckte. Das Internet als Auffangstation für einen Jugendlichen, der nicht wusste, wo er hingehört. Youtube, World of Warcraft und Internetpornografie. Ein einziger Dopaminrausch. Wahrscheinlich der giftigste Cocktail, den die digitale Welt einem jungen Mann mischen kann. Pure Betäubung. Das Internet malt mit Neonfarben. [Da hilft auch keine Willenskraft mehr](https://www.markusdotzler.de/warum-willenskraft-scheitert/). Gegen das Netz wirkt die Realität ernüchternd wie eine Bleistiftzeichnung. Kein Wunder also, dass ich das Interesse am echten Leben verlor. Da hatte ich es also nun, mein verborgenes Dasein in der Onlinewelt. Bis ins Studium blieb ich ein ziemlich zurückgezogener Mensch. Anfang 20 waren meine Vitamin D Werte so im Keller, dass mich mein Arzt mit einem MS-Patienten verglich. Wenn ich ehrlich bin, hat sich bis heute nur wenig daran geändert. An die frische Luft gehe ich mittlerweile zwar regelmäßig, doch abgesehen von meiner Familie pflege ich kaum enge Kontakte zu anderen Menschen. Auch das ist Selbstschutz. Die Angst vor Verletzlichkeit. Bloß keine Beziehungen eingehen. Du könntest noch etwas für andere Menschen empfinden. Und dann bist du ihnen verpflichtet. ## Was es uns kostet, wenn wir uns verstecken Doch dieses verborgene Dasein ist auch eine Last. Du entziehst dir selbst die Wertschätzung, die andere so mühelos einfordern, indem sie sich zeigen. Eine Wertschätzung, die auch du erfahren möchtest, wenn du ehrlich bist. Du kannst sie dir lediglich nicht zugestehen, weil du dich insgeheim für wertlos hältst. Doch um Anerkennung zu erhalten, müsstest du dich zeigen und dafür bist du – nennen wir das Kind doch beim Namen – zu feige. So nimmst du dir eine grundlegend menschliche Erfahrung. Und das ist langfristig kein schönes Dasein. Wenn du gebückt durch's Leben gehst, kriegst du irgendwann Rückenschmerzen. Und diese Schmerzen kriegst du nicht durch ein paar Sportübungen weg. Du kannst sie auch nicht mit Alkohol betäuben. Nein, diese Schmerzen sitzen im Kopf. Und dort pochen sie besonders beharrlich. Je kleiner du dich machst, desto eher übersehen dich die anderen. Wenn du versuchst, nicht aufzufallen, wirst du irgendwann tatsächlich unsichtbar für die Gesellschaft. ## Das einzige Heilmittel gegen die Angst, verletzt zu werden Gegen unsere Angst vor Ablehnung hilft bloß Konfrontation. Zeig dich deinen Hatern, den Trolls, den Ragebaitern. Lern, [wie du mit negativen Kommentaren umgehst.](https://www.markusdotzler.de/wie-du-mit-negativen-kommentaren-umgehst/) Um deine Angst zu überwinden, musst du dich zeigen. Deine Persönlichkeit. Mit all ihren Fehlern. Denn zu seinen [Schwächen zu stehen, ist wahre Stärke](https://www.markusdotzler.de/schwaeche-zeigen/). Also zeig dich. Deine Ergebnisse. Deine Leistungen. Deinen Fortschritt. Zeig dich der Welt. Geh ihr erhobenen Hauptes entgegen. Wenn's sein muss, auch auf Zehenspitzen, damit dich jeder sieht. Zeig dich. Nicht nur, wenn du es willst, sondern vor allem dann, wenn du dir nichts schlimmeres vorstellen könntest. Brust raus. Volle Kraft nach vorne. Zeig dich. Ich verspreche dir, auch ich werde es weiterhin tun. Indianerehrenwort. *Don't worry, even if things end up a bit* *Too heavy, we'll all float on, alright* \- Float on by Modest Mouse ### Kein Talent? Meine Jugend (und was ich lernte) - Kurzimpuls #5 URL: https://www.markusdotzler.de/kein-talent/ Last updated: 2026-06-10T17:43:29.000Z „*Dir fehlt das Sitzfleisch!*“ „*Du hast einfach kein Talent*!“ „*Du wirst es nie zu etwas bringen!*“ Diese Urteile trafen meine Lehrer, als ich mit 15 Jahren schulisch versagte. Die Frage war damals schon lange nicht mehr, wie gut ich sein könnte, sondern wie viel schlimmer meine Noten noch werden. Das Urteil meiner Lehrer war eindeutig: Der Junge ist intellektuell unfähig. Er besitzt kein Talent, ist zu doof für die Schule… oder? ## Kein Talent... oder doch? Die Zeit, die mir fürs Pauken fehlte, investierte ich lieber in mein Instrument. Denn jedes Mal, wenn ich übte, konnte ich den Fortschritt sehen und hören. Meine Finger bewegten sich flinker. Die Saiten hörten auf zu scheppern und selbst Dritte konnten erkennen, dass diese Kackophonie, die ich von mir gab, doch tatsächlich ein Lied war. Meine musikalische Bildung funktionierte deutlich besser als meine schulische. Ich verschmolz mit meinem Instrument. Es war purer Flow. Mein Basslehrer war begeistert. Er ließ mich vor dem Leiter der Musikschule vorspielen. Sie bezeichneten mich als talentiert. Während ich schulisch versagte, gab es musikalisch kein Halten. Ich war Teil zweier völlig verschiedener Welten. Meine Lateinlehrer hielten mich für zu doof. Mein Basslehrer hielt mich für ein Genie. Man könnte sagen: Ich war strunzdumm und hochbegabt zugleich. Je nachdem, wem man glaubte. Die Pointe? Sie alle lagen falsch. Ich war weder zu doof für das eine, noch talentiert für das andere. ## Neue Schule, andere Einstellung Mit zwei 5ern und einer 6 (!) flog ich vom Gymnasium. Schulwechsel. Neuanfang. Aber auf einmal klickte es. Endlich kapierte ich, dass nicht mein Kopf mir im Weg stand, sondern meine Einstellung. Und wenn ich will, dann kann sogar ich gute Noten schreiben. Nur zwei Jahre später war ich Jahrgangsstufenbester. In meinem Studium hatte ich kontinuierlich einen 1er-Schnitt. Ich schaffte es immerhin bis zum Masterabschluss („*verdammter Angeber!*“). Heute lerne ich jeden Tag. Vor der Arbeit und nach Feierabend. Wenn's schneit und wenn's regnet. Mit Pullover im Winter und im Sommer auch mal nackt. Hochbegabt? Fehlanzeige. Aber intellektuell begeistert? Ja, verdammt. Wenn dir dieser Impuls gefällt, dann meld dich für den Newsletter an. Hier schreib ich regelmäßig über das, was wirklich zählt: nicht Talent, nicht die Urteile anderer, sondern dein eigener Weg [Anmelden ](#/portal/signup/free) ## Talent ist eine falsche Prophezeiung Und die Musik? Begnadeter Bassist bin ich nicht geworden. Musikalisches Talent besitze ich auch nicht. Seit 1,5 Jahren lerne ich Schlagzeug. Mit meinem „Talent“ eine leichte Sache, oder? Falsch gedacht. 30 Minuten Schlagzeug am Tag und mein Kopf raucht. Welcher Sadist hat sich eigentlich ausgedacht, dass man dieses verdammte Ding mit vier Gliedmaßen spielt? Die Ironie an dem ganzen Schlamassel: Das Lernen, das mir meine Lehrer damals absprachen, fällt mir heute deutlich leichter als das Schlagzeug spielen, für das ich eigentlich musikalisches Talent besitzen sollte. Ich zweifelte an meinen Lehrern. Ist [Talent eine selbsterfüllende Prophezeiung](https://www.markusdotzler.de/talent-mythos/)? Meine Lehrer lagen falsch, aber wie sollten sie auch richtig liegen? Sie sahen lediglich das Ergebnis meines Verhaltens. Und wie willst du beurteilen, was du nicht sehen kannst, weil es noch nicht eingetreten ist? ## Zwei Lektionen über Talent Meine Jugend zeigt, dass wir [zu schnell Urteile treffen](https://www.markusdotzler.de/erster-eindruck/) über Dinge, die wir nicht wissen können. Daraus nehm ich zwei Lektionen für mein Leben mit. ### Talent beginnt im Kopf Erstens: > Die Bereitschaft zur Veränderung ist auch ihre Voraussetzung. Denn: - Wer will, der wird, vor allem wenn er kann. - Wer nicht will, der wird auch nicht, selbst wenn er kann. - Und wer will, aber nicht kann, wird oft trotzdem was. Egal, was die Lehrer sagen. ### Talent ist eine Schublade Zweitens: > Das Verhalten in der Gegenwart ist oft unser bester, aber nicht unser einziger Anhaltspunkt. Ich will in meinem Leben niemals den Fehler meiner Lehrer begehen. Ich möchte andere Menschen nicht nur anhand ihrer Qualifikationen oder ihres gezeigten Verhaltens beurteilen, sondern auch anhand ihres Willens zur Veränderung. Das ist das [Growth-Mindset](https://www.markusdotzler.de/growth-mindset/) – und das ist viel wichtiger als Talent oder Bestimmung. Denn wenn jemand wirklich will, dann macht er was aus sich, auch wenn er in Latein eine 6 hatte. Gefällt dir dieser Artikel? Hier meldest du dich für meinen kostenlosen Newsletter an und erhältst in Zukunft alle Artikel bequem in deinen Posteingang: [Anmelden ](#/portal/signup/free) ### Brotbacken und effektiv Lernen – wie beides zusammenhängt. URL: https://www.markusdotzler.de/brotbacken-und-effektiv-lernen/ Last updated: 2026-05-03T06:43:19.000Z Dein Gehirn braucht keine 1000 Apps zum Lernen. Es braucht Mehl, Wasser und Salz. Denn ob du es glaubst oder nicht, Brotbacken und effektiv Lernen hat eine Menge miteinander zu tun. Fünf Gemeinsamkeiten erkläre ich dir in diesem Artikel. ## Meine Erfahrung mit Brotbacken hängt mit menschlichem Lernen zusammen. Seit 1,5 Jahren backe ich mein eigenes Sauerteigbrot. Was ich zuerst für ein Hirngespinst hielt, wurde bald zu einer Tradition. Jedes Wochenende gibt es frisches Brot bei uns zu Hause. Anfangs befürchtete ich, dass das Backzubehör als Staubfänger in der Küche enden wird. So einen gusseisernen Topf könnte man wahrscheinlich noch als Blumenkübel verwenden. In Kombination mit einem Kochlöffel kann ich damit vielleicht auch die Tauben auf meinem Dach vertreiben. Oder die Nachbarn, die sich gelegentlich da oben tummeln. Verdammte Dachterrasse. Doch aus irgendeinem Grund hat sich das Brotbacken tatsächlich gehalten. Vielleicht lag es daran, dass die ersten Versuche so missrieten. Ich wollte - nur ein einziges Mal - ein schönes Brot aus dem Ofen ziehen. Und als ich den Dreh endlich raus hatte, hörte ich nicht mehr damit auf. Mittlerweile verstehe ich, dass Brotbacken nicht nur eine Aktivität ist. Genauso wie Brot nicht einfach nur ein Produkt ist. Im Brotbacken steckt eine Philosophie: Die Schönheit des Lebens liegt oft in seiner Einfachheit. Aus Zutaten, über die jeder Haushalt verfügt, stellst du etwas her, das nicht nur schmeckt, sondern ein Lächeln auf das Gesicht jeder Person zeichnet, der du ein selbstgebackenes Brot schenkst. Und diese Philosophie hat eine Menge mit menschlichem Lernen zu tun. Lass mich es dir erklären. ## Wie sich Brotbacken und effektiv Lernen ähneln: 5 einfache Lektionen über dein Gehirn. ### 1\. Backen ist einfach. Lernen auch. Die Zutaten für ein gutes Brot sind simpel. Mehl, Wasser, Salz und Sauerteig. Mehr brauchst du nicht. So ist das auch beim Lernen. Du benötigst keine 1000 Apps. Auch keine Produktivitätstools. Für effektives Lernen benötige ich drei Dinge: - ein Buch - etwas zum Schreiben und - [ununterbrochene Aufmerksamkeit](https://www.markusdotzler.de/mehr-fokus/) Verkomplizier den Prozess nicht. Du kannst einen Brotteig zwar mit Körnern, geschmolzener Schokolade oder Bier verfeinern. Aber braucht es das? Menschen lernen schon seit Jahrhunderten mit Büchern, einem Stift und voller Konzentration. Warum sollte das für dich nicht mehr funktionieren? Andere Zutaten wiederum haben im Brotteig überhaupt nichts zu suchen. Leberwurst zum Beispiel. Auch für effektives Lernen solltest du auf manche Zutaten verzichten. Social Media oder dein Smartphone lenken dich von deinem Ziel ab. Man könnte sagen, Social Media ist die Leberwurst des Lernens. Weg damit. Hat da nix verloren! ### 2\. Gib deinem Gehirn Zeit wie einem Sauerteig. Eine der wichtigsten Zutaten für gutes Brot ist Zeit. Dafür steht der Sauerteig. Um das beste Triebmittel zuzubereiten, das die Natur zu bieten hat, benötigst du keine Chemie und keine Zusatzstoffe. Nur Mehl und Wasser in gleichen Teilen und ein paar Tage Zeit (das Rezept findest du weiter unten). Ganz einfach. Der Sauerteig schenkt dem Brot über Nacht Struktur. Auch dein Kopf braucht manchmal etwas Zeit, um Gelerntes zu verarbeiten. Was dir heute unverständlich erscheint, könnte morgen schon klicken. Und so wie ich mein Brot über Nacht in den Kühlschrank stelle, so benötigt auch dein Gehirn oft lediglich eine Mütze Schlaf, um Informationen Struktur zu geben und [Lernplateaus zu überwinden](https://www.markusdotzler.de/lernplateau-ueberwinden/). ### 3\. Überreiz dein Gehirn nicht mit Informationen und dein Brot nicht mit Mehl. Ein Bäcker weiß: Das richtige Verhältnis der Zutaten ist entscheidend. Zu viel Mehl und der Teig wird trocken. Zu viel Wasser und er schwimmt dir davon. Dasselbe gilt für unseren Umgang mit Informationen. Die digitalen Medien konfrontieren uns täglich mit einem Faktenbuffet. Der endlose Nachrichtenzyklus, ein Bombardement an Pushbenachrichtigungen auf unserem Smartphone, die Wut in den soziale Netzwerken, das dröhnende Gelaber in Podcasts. Wir [überschütten unser Gehirn mit Mehl](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/) und wundern uns, dass es davon Hustenanfälle kriegt. Zu oft setzen wir Informationen mit Verständnis gleich. Doch einzelne Fakten offenbaren dir rein gar nichts. Erst aus ihrer Vernetzung kann Verständnis entstehen. Das geht übrigens lächerlich einfach. Wenn du etwas lernst, stell dir folgende Frage: Was weiß ich bereits darüber? Indem du etwas aus deinem Gedächtnis kramst, das mit der neuen Information zusammenhängt, verleihst du ihr Gewicht. So bleibt mehr vom Gelernten hängen. Wie mit allem im Leben - egal, ob beim Brot oder beim Lernen - ist das Gleichgewicht entscheidend. Also: Denk wie ein Bäcker. Ertränk dich nicht in Informationen. Mach lieber Brot daraus. ### 4\. Erkenntnisse erfordern Anstrengung so wie ein Brot Hitze. Wenn aus dem Teig am nächsten Tag ein richtiges Brot entstehen soll, dann braucht es Hitze. Viel davon. Du heizt deinen Ofen auf 250 Grad vor. Dann backst du das Brot bei 240 Grad in einem gusseisernen Topf bei geschlossenem Deckel. Nach 30 Minuten nimmst du den Deckel ab, reduzierst auf 230 Grad und lässt das Brot weitere 20-25 Minuten im Ofen. Für das Lernen brauchst du zwar keinen gusseisernen Topf, doch heiß darf es gerne werden. Es ist ein Irrglaube, dass Verstehen einfach zu sein hat. Die [besten Lernmethoden sind anstrengend](https://www.markusdotzler.de/schluss-mit-dem-pauken/). Dein Kopf darf dampfen wie das Brot im Ofen. Verständnis erwächst, wenn du mit Ideen ringst. Dadurch entsteht Friktion. Reibung. Hitze. Und je heißer es wird, desto besser bleibt das Wissen hängen. Das Endergebnis? Eine durchgebackene Erkenntnis, von der du dich lange ernähren kannst. ### 5\. Jedes Brot ist anders. Das gleiche gilt für dein Gehirn. Was mich immer wieder aufs Neue erstaunt, wenn ich ein Brot aus dem Ofen ziehe, ist, dass das Ergebnis jedes Mal anders aussieht. Selbst wenn du stets die gleichen Zutaten verwendest, erhältst du nie dasselbe Resultat. Ein Brot ist so individuell wie dein Gehirn. Zwei Menschen können dasselbe lernen, aber zu unterschiedlichen Erkenntnissen kommen. Man könnte sagen: Das Leben backt niemals zwei gleiche Gehirne. Die Erkenntnis, die du gewinnst, muss nicht schlechter sein als die einer anderen Person. Wahrscheinlich auch nicht besser. Doch eins ist sie auf jeden Fall: deine eigene. Hoffentlich erkennst du nun den Zusammenhang: Manchmal brauchst du zum Lernen nicht mehr als etwas Mehl, Wasser und Salz. Und erst wenn du die Zutaten miteinander verarbeitest, entsteht etwas Schönes daraus. Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Limonade daraus. Und wenn das Leben dich mit Mehl bewirft, mach Brot daraus. --- ## Bonus: Das Rezept für richtig gutes Sauerteigbrot. ### Was du zum Backen brauchst. - einen gusseisernen Topf oder Römertopf - einen Gärkorb (inkl. Leinentücher) - Zutaten (siehe unten) ### Wie du einen Sauerteig ansetzt. - 25 g Wasser und 25 g Mehl in einem großen Glas verrühren. - Jeden Tag einmal 25 g Wasser und 25 g Mehl dazu geben ("auffrischen"). - Vier bis fünf Tage lang wiederholen. Wenn du Weizenbrot backen willst, nimm Weizenmehl für den Ansatz. Willst du Roggenbrot backen, nimm Roggenmehl. ### Die Zutaten für das Sauerteigbrot. - 500 Gramm Mehl deiner Wahl - 360 Gramm Wasser - 10 Gramm Salz - 60 Gramm Sauerteigansatz ### Mehlmischungen, die immer gelingen. - 300 Gramm 550er Weizenmehl und 200 Gramm Emmervollkorn - 350 Gramm 550er Weizenmehl und 150 Gramm Roggenvollkorn - 250 Gramm 550er Weizenmehl und 250 Gramm Weizenvollkornmehl. - 500 Gramm Weizenvollkornmehl. **Profitipp:** Vorsicht bei zu viel Vollkornmehl. Erstens, gärt das Vollkornmehl schneller. Zweitens benötigt es oft mehr Wasser. Was mir noch nie gelungen ist: 500 Gramm Roggenvollkornmehl. Falls du Tipps hast, melde dich. ### Wie du Sauerteigbrot zubereitest. Meine Empfehlung: Starte am Nachmittag mit der Zubereitung, damit der Teig über Nacht ruhen kann. Dein Sauerteig sollte frisch sein. Am besten du frischt ihn am Morgen oder am Abend vorher auf, bevor du loslegst. 1. Die Brotzutaten vermischen und zwei Stunden bei Zimmertemperatur stehen lassen. 2. Danach in Abständen von 30 Minuten Dehnen und Falten (Auf Youtube findest du Anleitungen dafür). 3. Insgesamt 3 - 4 Mal dehnen und falten, danach den Teig in einen gut bemehlten Gärkorb geben. 4. Den Gärkorb über Nacht in den Kühlschrank stellen. 8-10 Stunden sollten reichen. 5. Ofen auf 250 Grad vorheizen. Das Brot in einen gusseisernen Topf geben, leicht anschneiden, abdecken und bei 240 Grad in den Ofen stellen. 6. Nach 30 Minuten den Deckel des Topfes abnehmen und das Brot weitere 20-25 Minuten backen. Zum Schluss am besten auf einem Gitterrost auskühlen lassen, damit das Brot nicht "schwitzt". PS: Butter und Salz auf das geschnittene Brot geben und genießen. Mehr braucht es nicht. PPS: Papa, falls du das hier liest: Der Artikel ist für dich. Und jetzt ran an den Speck! ### Talent ist ein Mythos: Genies werden gemacht, nicht geboren URL: https://www.markusdotzler.de/talent-mythos/ Last updated: 2026-07-11T11:57:02.000Z Talent ist ein Mythos. Hier erfährst du, warum ich das denke. In diesem Artikel beantworte ich: - [Was ist Talent und ist es angeboren?](#was-ist-talent-und-ist-es-angeboren) - [War Mozart wirklich ein Wunderkind?](#war-mozart-ein-wunderkind-oder-meisterlehrling) - [Können wir Talent „produzieren“?](#genies-auf-bestellung-das-polg%C3%A1r-experiment) - [Wie beeinflusst Biologie unsere Fähigkeiten?](#wenn-begabung-nicht-%C3%BCber-expertise-entscheidet-was-dann) - [Ist Begabung eine selbsterfüllende Prophezeiung?](#fazit-talent-ist-eine-selbsterf%C3%BCllende-prophezeiung) ## Was ist Talent und ist es angeboren? Wenn du an die Besten der Besten denkst, dann liegt dir das Wort *Talent* schon auf den Lippen. Wer die Spitze erklimmt, benötigt das gewisse "Etwas". Doch was ist dieses "Etwas"? Da ist sich selbst der Duden nicht so sicher. Er [definiert *Talent* als "*Begabung*"](https://www.duden.de/rechtschreibung/Talent?ref=markusdotzler.de). Begabung definiert er wiederum als "*das Begabtsein*". Na klasse, wir drehen uns im Kreis. Zum Glück liefert er noch etwas mehr: [Begabung ist eine "*angeborene Befähigung zu bestimmten Leistungen*".](https://www.duden.de/rechtschreibung/Begabung?ref=markusdotzler.de) Kurz gesagt: Talent bedeutet natürliche Veranlagung. Es geht also nicht nur um das gewisse Etwas, sondern um das *angeborene*, gewisse Etwas. Entweder du besitzt es oder nicht. Wenn Gott die Würfel rollt, gehen manche Menschen leer aus. Aber ist das so? Wie genau dieses angeborene, gewisse Etwas aussieht, weiß keiner so recht. Deshalb stehen Forscher wie der Psychologe Anders Ericsson dem Begriff Talent auch so kritisch gegenüber. Selbst nach 30 Jahren Forschung im Bereich der Expertise hat Ericsson nach eigener Aussage nicht *einen* überzeugenden Fall von Virtuosität kennengelernt, den er allein durch eine natürliche Begabung erklären konnte. #### Quelle Ericsson, K. A. (with Pool, R.). (2016). **Peak: Secrets from the New Science of Expertise* (1st ed). HarperCollins Publishers. S. 211. Stattdessen glaubt Ericsson, dass Menschen keine angeborenes Talent benötigen, sondern an ihren Fertigkeiten arbeiten können. Fleiß und [bewusstes Üben](https://www.markusdotzler.de/richtig-ueben/) entscheiden über Expertise. Sein Beispiel? Niemand geringeres als Wolfgang Amadeus Mozart. ## War Mozart ein Wunderkind oder Meisterlehrling? Mozart. Ähnlich bedeutsam für die klassische Musik wie Jesus für das Christentum. Ein Virtuose am Klavier. Ein genialer Komponist. Ein klarer Fall eines Wunderkindes… oder? Wolfgangs Vater, Leopold Mozart, war selbst Musiker. Man könnte also schlussfolgern, der kleine Wolfgang hatte die Musik im Blut. Bekannt war sein Vater Leopold jedoch nicht für seine Fähigkeiten. In seinen Kindern erkannte Papa Mozart die Möglichkeit, den Ruhm zu erreichen, den er selbst nie erfahren durfte. Somit unterrichtete er seinen Sohn Wolfgang bereits ab dem vierten Lebensjahr am Klavier, an der Geige sowie in Musiktheorie und Komposition. Oft heißt es, die ersten eigenen Werke habe Mozart bereits mit sechs und acht Jahren geschrieben. Ein klares Zeichen für seine angeborenen Fähigkeiten. Doch leider tragen diese Werke die Handschrift seines Vaters. Leopold behauptete, er habe die Kompositionen seines Sohnes lediglich in Reinschrift übertragen. Kritiker vermuten, es seien nie Wolfgangs eigene Werke gewesen. Die ersten, gesichert eigenen Kreationen schrieb der junge Mozart mit fünfzehn oder sechzehn Jahren. Zu diesem Zeitpunkt absorbierte er bereits seit über zehn Jahren intensiven Musikunterricht, trat regelmäßig auf und übte täglich mehrere Stunden. #### Quelle Ericsson, K. A. (with Pool, R.). (2016). S. 211ff. Ein Ausnahmemusiker, keine Frage, vor allem für das 18\. Jahrhundert. Doch angesichts seiner Erziehung? Keine Überraschung. Mozarts Geschichte liefert also Anhaltspunkte, um an der Rolle zu zweifeln, die natürliche Veranlagung spielt. Noch nicht überzeugt? Werfen wir einen Blick in ein anderes Feld, das oft mit Genialität gleichgesetzt wird: Schach. ## Genies auf Bestellung: Das Polgár-Experiment Ein weiteres radikales Beispiel lieferte der ungarische Psychologe László Polgár. Sein Experiment? Seine eigenen Kinder. Polgár war davon überzeugt, dass Talent ein Mythos ist und beschloss gemeinsam mit seiner Frau, diese These an seinen Kindern zu beweisen. Die Polgárs trainierten ihre drei Kinder von klein auf im Schach. Ganz ähnlich also, wie bei den Mozarts. Besonders interessant ist, dass die Polgárs drei Töchter zur Welt brachten. In den 60er und 70er Jahren sprach man Frauen die Fähigkeit ab, Schach auf Weltniveau spielen zu können. Doch die Polgárs stellten dieses Weltbild auf den Kopf. Alle drei Kinder wuchsen zu Weltklassespielerinnen heran und erreichten den Rang eines Großmeisters. Vor allem Judit Polgár gilt bis heute als eine der besten Spielerinnen aller Zeiten. Sie schaffte es in die Top 10 der Welt. Drei Schwestern, alle auf Weltniveau: Der Erfolg der Polgárs war kein Zufall. Auch war er nicht das Resultat genetischer Begabung. László Polgár war kein herausragender Schachspieler. Auch seine Frau war es nicht. Was László Polgár jedoch war? Ein herausragender Pädagoge. Er und seine Frau investierten enorm viel Zeit in die Erziehung ihrer Kinder und unterrichteten sie von zu Hause aus. Ihnen war bewusst, dass die Kindheit eine entscheidende Phase für das Lernen ist. Auch ließen sie ihre drei Töchter frühzeitig und entgegen jeglicher damaliger Konventionen an Männerturnieren teilnehmen. Sie waren überzeugt: Wer zu den Besten gehören will, muss sich mit den Besten messen. Damit machten sie sich den entscheidenden Motor hinter menschlicher Veränderung zunutze: [Homöostase](https://www.markusdotzler.de/homoeostase/). Die Polgárs erzogen ihre Kinder gemäß der Überzeugung, dass Menschen zu außergewöhnlichen Leistungen fähig sind, wenn man sie systematisch und intensiv fördert. Die Polgár Schwestern sind dafür der lebende Beweis. #### Quelle Ericsson, K. A. (with Pool, R.). (2016). S. 127ff. ## Was wir von Mozart und den Polgárs über Begabung lernen "*Schön für die!*", denkst du dir jetzt vielleicht. "*Diesen Startvorteil hatte ich nicht*". Das ist verständlich, denn eine Erziehung wie die des jungen Mozarts oder der Polgár Schwestern ist eine absolute Ausnahme. Vielleicht ist sie auch gar nicht wünschenswert. Trotzdem dienen die beiden Beispiele als Extremfälle dafür, wie weit menschliche Fertigkeiten unter "Laborbedingungen" wachsen können. Die Lektion ist nicht, alle Kinder wie die Polgárs zu erziehen. Die Lektion ist, dass du die Prinzipien ihrer Erziehung (systematisches, intensives Üben sowie der frühe Kontakt zu den Besten) zu jedem Zeitpunkt im Leben anwenden kannst. Das geht übrigens ganz einfach. Hier mein lächerlich einfacher, erster Schritt: - Stelle sicher, dass du 5 Minuten Zeit hast und nicht abgelenkt wirst. - Widme dich nun einer Fähigkeit, die du meistern willst, und identifiziere einen Fehler, den du regelmäßig begehst. - Frage dich, was zu diesem Fehler führt und was du machen müsstest, um ihn auszugleichen. - Nun arbeite an dieser einen Sache. 5 Minuten mit ununterbrochenem Fokus. ## Wenn Begabung nicht über Expertise entscheidet, was dann? Doch vielleicht zweifelst du immer noch. Was ist z.B. mit der Frage, welche Rolle Intelligenz beim Lernen einer neuen Fähigkeit spielt? Den Intelligenzquotienten Mozarts können wir heute nicht mehr bestimmen. Sicherlich war er nicht dumm, genauso wie die Polgár Schwestern. Doch IQ könnte in beiden Fällen weniger entscheidend sein, als du denkst. Wie Ericsson in seinem Buch *Peak* feststellt, weisen Untersuchungen der besten Schachspieler der Welt darauf hin, dass Profis *nicht* über einen auffällig hohen IQ verfügen. Das Gleiche lässt sich übrigens auch bei professionellen Go-Spielern feststellen. Anders ausgedrückt: Schachprofis sind auffällig unauffällig. #### Quelle Ericsson, K. A. (with Pool, R.). (2016). S. 227ff. Trotzdem spielt Intelligenz eine Rolle. Ericsson merkt an, dass intelligente Kinder das Schachspiel nachweislich schneller begreifen und früher besser darin sind als andere. Das ergibt Sinn, denn unter Intelligenz verstehen wir schließlich die Problemlösegeschwindigkeit des Gehirns. Ein leistungsstarker Prozessor beeinflusst die Ladezeiten. Intelligente Menschen können komplexe Situationen also schneller begreifen. Doch im Kontext des Schachs scheint sich dieser Vorteil im Verlauf der Zeit auszugleichen. Kinder, die in jungen Jahren langsamer vorankommen, holen den Vorsprung anderer oft auf. Sie strengen sich mehr an und entwickeln dadurch bessere [mentale Repräsentationen](https://www.markusdotzler.de/mentale-repraesentation/), die einen virtuosen Einsatz von bestimmten Fähigkeiten überhaupt erst ermöglichen. In Ericssons Untersuchungen waren es mitunter diejenigen, die Virtuosität erreichten, die einen IQ von weniger als 100 besaßen und somit unterdurchschnittlich intelligent waren. Intelligenz dient also nicht als langfristiger Vorhersagefaktor für Virtuosität im Schach und, das ist meine persönliche Annahme, wahrscheinlich auch nicht in der Musik. Dieses Muster zeigt sich übrigens auch in der Wissenschaft, in der mentale Pferdestärke der größte Vorteil sein sollte. Der weltbekannte Physiker Richard Feynman hatte einen IQ von 126\. Sehr schlau, aber nicht im Bereich der Hochbegabung. Trotzdem erhielt er den Nobelpreis für Physik, was selbst unter Hochbegabten eine absolute Seltenheit ist. Feynmans IQ ist also nur eine schwache Erklärung für seine Bedeutung als einer der großen Physiker des 20\. Jahrhunderts. ## Wo Kompetenz auf biologische Grenzen trifft Das bedeutet nicht, dass es gar keine angeborenen Grenzen gibt. Es wäre unehrlich, wenn ich dir biologische Realitäten verheimlichen würde, nur weil ich dich dazu motivieren möchte, etwas Neues zu lernen. Vor allem im Bereich der Intelligenz kann eine ausbleibende Befähigung ein enormes Hindernis sein: - Ein IQ von unter 85 wird bereits als **Lernbehinderung** definiert. Das betrifft immerhin rund **14 Prozent** der Bevölkerung. - Bei einem IQ von unter 70 spricht man von einer leichten [**Intelligenzminderung**](https://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenzminderung?ref=markusdotzler.de). Diese Veranlagung betrifft rund **2,5 Prozent** aller Menschen. Auch die eigene Körperkonstitution kann niemand beeinflussen. Michael Jordan schaffte es in der High School nicht in die erste Mannschaft. Mit 14 Jahren war er "nur" 1,80 m groß. Man entschied sich lieber für seinen knapp zwei Meter großen Mitschüler Leroy Smith. Der durchschnittliche Mann in Deutschland ist mit 1,79 m übrigens kleiner als Michael Jordan mit 14 Jahren. Für einen Teil der Deutschen bleibt der Traum vom professionellen Basketballspieler also aus rein biologischen Gründen unerreichbar. Deshalb lässt sich festhalten: Unterschiedliche Körperkonstitutionen verschaffen vor allem im Sport klare Vorteile. Dann wäre da noch das Thema der Persönlichkeit. Sie ist schon im Kindesalter feststellbar und zu einem großen Teil genetisch bedingt. #### Quelle Hartmann, A., & Buchner, V. (2023). **Deep Ocean: Das geniale Persönlichkeitsmodell: wie du dich selbst und andere endlich in der Tiefe verstehst und annimmst*. GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH. S. 27. Obwohl wir wenig Einfluss auf ihre Entwicklung haben, bestimmt sie unser tägliches Verhalten wie das Betriebssystem eines Computers. Und das macht sich auch im Beruf bemerkbar. So besteht z.B. eine leichte, aber über verschiedenste Berufsfelder feststellbare Korrelation zwischen Gewissenhaftigkeit, also dem Bedürfnis nach Fleiß und Ordnung, und beruflichem Erfolg. Gewissenhaftigkeit ist nach Intelligenz der zweitbeste Vorhersagefaktor für Erfolg. #### Quelle Nettle, D. (2009). **Personality: What makes you the way you are* (1\. publ. in paperback). Oxford Univ. Press. S. 143. All diese Faktoren bilden kein "Talentgen". Jedoch beeinflussen sie menschliche Fähigkeiten. Doch hier kommt der entscheidende Einwand: Intelligenz, Persönlichkeit und Körperkonstitution sind **normalverteilt**. Das heißt: Der Großteil aller Menschen ist durchschnittlich groß, intelligent und gewissenhaft. Nur wenige bewegen sich an den Rändern dieser Verteilung, also in den Extremen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Intelligenz, Persönlichkeit und Körperkonstitution für die meisten Menschen keine Hürden darstellen. ## 3 Schlussfolgerungen über Talent Aus dieser Diskussion leite ich drei Schlussfolgerungen ab: 1. Für die meisten Aktivitäten bringst du dieselben Voraussetzungen mit wie die meisten anderen Menschen. Dein entscheidender Wettbewerbsvorteil ist der Wille, besser zu sein. 2. Für wenige Aktivitäten könntest du tatsächlich nicht "gebaut" sein, um zu den Besten zu gehören. Das sollte dich aber nicht daran hindern, sie auszuüben. Kaum eine Aktivität erfordert Olympianiveau, um Spaß an ihr zu haben. 3. So vielfältig die Menschen sind, so vielfältig sind auch ihre Hobbys. Wenn dir das Gebiet egal ist und es dir vor allem darum geht, in einer Sache besonders gut zu sein, dann garantiere ich dir, dass du eine Nische findest, in der du zur Spitze gehören kannst. ## Fazit: Talent ist eine selbsterfüllende Prophezeiung Die Normalverteilung spielt eine entscheidende Bedeutung für die Rolle von Talent. Zwar scheint es so, als verfügten viele Menschen über eine natürliche Veranlagung. Jedoch besitzt der Großteil diese Begabung nicht. Was wir als Begabung nennen, lässt sich öfter auf harte Arbeit als auf Veranlagung zurückführen. Deshalb sollte Talent als Erklärung für Erfolg nicht den hohen Stellenwert innehalten, den es in unserer Gesellschaft besitzt. In den meisten Fällen ist eine natürliche Veranlagung nicht die Voraussetzung, sondern die Folge herausragender Leistungen. Es ist das Wort, das wir dem Ergebnis der unzähligen, unsichtbaren Stunden *bewussten Übens* geben. Der Glaube an die Unüberwindbarkeit natürlicher Vorteile kann sogar Nachteile mit sich bringen. Nur weil bestimmte Kinder manche Fähigkeiten schneller aufgreifen, sprechen wir ihnen mehr Mut zu, einen bestimmten Weg zu verfolgen. Wir fördern sie stärker. Auf diese Weise machen wir aus Talent eine selbsterfüllende Prophezeiung. Wir fördern die bereits Guten und lassen alle anderen, die sich schwerer tun, links liegen, obwohl sie großartige Leistungen erzielen könnten. Dieser Fokus auf natürliche Begabung kommt uns aus gesellschaftlicher Sicht teuer zu stehen. Viele Menschen, die ursprünglich kein Talent zeigten, bereicherten später unser Leben. Michael Jordan legte in den zwei Jahren nach der verpassten Aufnahme in die erste Mannschaft einen derartigen Leistungssprung hin, dass ihn danach niemand mehr ignorieren konnte. Er nutzte den Rückschlag als Motivation, um härter als alle anderen zu trainieren (wobei es sicherlich auch nicht schadete, dass er in dieser Zeit noch mal 10 cm in die Höhe schoss). Stephen King erhielt für sein erstes Buch *Carrie* mehr als *30 Absagen*. Er befestigte die Ablehnungsschreiben mit einem Haken an der Wand und schrieb weiter. Heute zweifelt niemand mehr an seinen Fähigkeiten als Schriftsteller. Auch der Comedian Jerry Seinfeld glaubt an Hartnäckigkeit. Als ihn ein aufstrebender Komiker nach Rat fragte, riet ihm Seinfeld, er solle sich einen großen Wandkalender besorgen. An jedem Tag, an dem er einen Witz schreibt, zeichnet er darauf ein großes, rotes X ein. Die daraus entstehende Kette dürfe er nicht brechen. So entsteht Momentum. So entsteht Beharrlichkeit. Seinfeld verstand, dass auch der Erfolg als Komiker nicht von Genialität, sondern von regelmäßiger Anstrengung abhängt. Genauso wie dein Erfolg. Genau darin geht es in meinem Newsletter. Ich schreibe für alle, die ihr Leben nach ihren eigenen Regeln gestalten wollen – Talent hin oder her. Kostenlos. Fundiert. Jederzeit kündbar. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ## Vergiss Talent, wenn du dein Potenzial ausschöpfen willst Die harte Wahrheit: Talent ist ein Kriterium, aber nicht das *ausschlaggebende* Kriterium. Also hör auf, dich hinter dieser Ausrede zu verstecken. Wenn du etwas lernen willst, dann kannst du es. Also fang an. Meine Lehrer sagten damals zu mir, ich würde es nie zu etwas bringen. Ich versagte schulisch auf voller Spur, schrieb 5er und 6er. Später brachte ich es immerhin zu einem Masterabschluss. Ich bin lange kein Genie, kein Mozart, kein King und kein Jordan. Doch eines bin ich: Ein verdammter Trotzkopf, der sich nicht von anderen Menschen sagen lässt, was er erreichen kann. [Das war schon immer so](https://www.markusdotzler.de/kein-talent/). > *Wenn ein Mensch sich bemüht, kann er etwas lernen, egal, was. Selbst aus den banalsten Dingen kannst du was lernen.* > \- **Haruki Murakami** #### Quelle Murakami, H. (2018). **Wenn der Wind singt* (U. Gräfe, Übers.; 1\. Auflage, genehmigte Taschenbuchausgabe). btb. S. 200. Ja, es gibt natürliche Grenzen, doch wer weiß, wo *deine* liegen? Du *musst nicht* der **Beste**, aber du *kannst* **besser** werden. [Zu hohe Erwartungen verderben uns, was wir tun wollen](https://www.markusdotzler.de/zu-hohe-erwartungen-hobby/) und enden in [Prokrastination](https://www.markusdotzler.de/prokrastination-ueberwinden/). Wir schieben auf, was wir tun müssen, um besser zu werden, weil wir glauben, dass wir unseren Ansprüchen (und denen der Gesellschaft) sowieso nicht genügen. Talent erzählt eine schöne Geschichte, ist aber nicht die ganze Wahrheit. Ich hingegen finde, dass sich die Geschichte über das persönliche Streben nach Können viel besser liest. Mozart war nicht talentiert. Er "wurde" talentiert. Er war das Produkt seiner musikalischen Erziehung und hat verdammt hart an seinen Fähigkeiten gearbeitet. 💡 Genies werden gemacht, nicht geboren. Du hörst nicht auf, dich zu verbessern, weil du kein Talent besitzt oder deine Grenzen erreicht hast, sondern weil du aufhörst zu üben, schlecht übst oder nie damit anfängst. Also: Hör auf, an den Talent Mythos zu glauben. Denk nicht zu sehr über die Grenzen deiner Veranlagung nach, sondern fokussiere dich auf den Entwicklungsspielraum, den dir intensives Üben eröffnet. 💡 Deine Grenzen erforscht du nicht durch Nachdenken, sondern durch Handeln. ### Mentale Repräsentation: Wie Experten mühelos lernen. URL: https://www.markusdotzler.de/mentale-repraesentation/ Last updated: 2026-05-03T06:46:36.000Z In diesem Artikel geht es um mentale Repräsentation. Sie erklären, was Experten von Anfängern unterscheidet. Beispiel gefällig? Ein Schachgroßmeister merkt sich 32 Figuren in fünf Sekunden. Du und ich scheitern an einer Telefonnummer. Eminem improvisiert Texte flüssiger als jeder Anfänger, der sie auswendig lernt. Der Grund? Kein Superhirn, sondern eine Fähigkeit, die jeder lernen kann. ## Dein Gehirn sucht ständig nach Mustern in der Welt Natürlich sinkt der Aktienkurs, sobald du in ein Unternehmen investierst. Du bist schon dein ganzes Leben lang ein Pechvogel, oder? Und was war eigentlich mit diesem Stirnrunzeln deines Chefs heute Morgen bei der Besprechung? Das war kein Zufall. Der mag dich nicht! In deinem Kopf sitzt eine Maschine, die kontinuierlich versucht, sich die Welt zu erklären. Dein Gehirn besitzt einen unstillbaren Hunger nach Narrativen. Narrative sind nichts anderes als Muster in Form von Erzählungen. Unser Gehirn liebt Muster. Anders als Zufälle helfen dir Narrative, die Umwelt zu verstehen. Doch dieser Drang zur Mustererkennung hat seinen Preis. ## Wie wir kognitive Muster für uns nutzen Stell dir vor, jemand setzt sich in der U-Bahn neben dich und beginnt zu telefonieren. Plötzlich kannst du dich nicht mehr auf das Buch in deinen Händen konzentrieren. Warum? Tipp: Es ist nicht nur die Lautstärke. Wenn jemand neben dir telefoniert, verfügt dein Gehirn zunächst nur über die Hälfte der Informationen. Doch daraus entsteht kein Narrativ. Worum geht es in dem Gespräch? Was könnte die andere Person sagen? Der fehlende Kontext stört dein Gehirn mehr als die Lautstärke des Telefonats. Dein Hunger nach Narrativen ist so groß, dass er dich manchmal ablenken kann. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). **Das merk ich mir! Erfolgreich lernen und für immer behalten mit der Make-it-stick-Methode* (I. Brodersen, Übers.; Deutsche Erstausgabe). Goldmann. S. 129. Außerdem verleitet dich die Kontextmaschine in deinem Kopf zu einer Vielzahl an vorschnellen Urteilen. Sie flüstert dir ins Ohr, dass die Person in der Schlange vor dir Hip-Hop hören muss, weil ihre Hose so tief sitzt. Oder dass jemand eine exzentrische Künstlerin ist, weil sie sich die Haare blau färbt. Doch dieser Drang zur Mustererkennung ist auch eine Stärke. Erzählungen helfen uns dabei, das eigene Leben zu erklären. Du ziehst Schlussfolgerungen aus deiner Vergangenheit, um dein gegenwärtiges Handeln zu bestimmen und um somit zu beeinflussen, wer du in der Zukunft sein wirst. Muster helfen dir, die Welt zu verstehen. Sie ein Stück weit zu kontrollieren und dich auf die Zukunft vorzubereiten. Damit steigen deine Überlebenschancen und das vermittelt ein Gefühl von Sicherheit. Außerdem lassen sich Muster sehr leicht merken. Und diesen Vorteil nutzen Profis auf geniale Art und Weise. ## Was Schachgroßmeister von Anfängern unterscheidet Schachprofis können sich die Positionen der Spielfiguren auf einem Brett innerhalb kürzester Zeit einprägen und zu einem späteren Zeitpunkt exakt wiedergeben. In einer bekannten Studie zeigten Forscher Schachspielern unterschiedlicher Spielstärke (vom Anfänger bis zum Großmeister) für nur fünf Sekunden eine komplexe Stellung aus einer echten Partie. Danach mussten die Spieler die Stellung aus dem Gedächtnis auf einem leeren Brett nachbauen. Das Ergebnis? Die Großmeister konnten sich an fast alle Positionen fehlerfrei erinnern. Anfänger nur an eine Handvoll. #### Quelle Chase, W. G., & Simon, H. A. (1973). Perception in chess. **Cognitive Psychology*, **4*(1), 55–81\. [https://doi.org/10.1016/0010-0285(73)90004-2](https://doi.org/10.1016/0010-0285%2873%2990004-2?ref=markusdotzler.de) Doch warum funktioniert das Gedächtnis der Großmeister so viel besser? Das liegt zum Einen an etwas, das in der Lernforschung Chunking heißt. Menschen merken sich einzelne Inhalte oft als zusammenhängende Information. Die Vorwahl 0172 merken wir uns nicht als 4 unabhängige Ziffern, sondern als Block (Chunk). Schachprofis erkennen solche Chunks aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung überall und blitzschnell. Während ein Amateur damit beschäftigt ist, die Spielzüge einer einzelnen Figur nachzuvollziehen, verarbeitet ein Experte viel mehr Informationen gleichzeitig. Der eigentliche Clou an der Studie war jedoch ein anderer: Ordnete man die Schachfiguren völlig wahllos an, sodass sie im Kontext der Spielregeln keinen Sinn ergaben, verloren die Großmeister ihre beeindruckende Expertise. Ihr Vorteil gegenüber den Amateuren löste sich in Luft auf. Die Schlussfolgerung: Die Gedächtnisleistung der Großmeister funktionierte nur im Kontext der Regeln. Wie kann das sein? #### Quelle Ericsson, K. A. (with Pool, R.). (2016). **Peak: Secrets from the New Science of Expertise* (1st ed). HarperCollins Publishers. S. 55ff. ## Mentale Repräsentation sind die Landkarte in deinem Kopf Der Grund, warum das Gedächtnis der Großmeister mal wie ein Supercomputer und mal wie ein Rechenschieber funktioniert, liegt in ihren **mentalen Repräsentationen**. Diesen Begriff hörte ich zum ersten Mal von dem Psychologen Anders Ericsson, der ungewollt für die 10.000 Stunden Regel bekannt wurde (die ironischerweise gar keine 10.000 Stunden Regel ist). [Die 10.000-Stunden-Regel ist falsch! (Neue Forschungsergebnisse)Nicht jeder wird nach 10.000 Stunden zu einem Experten oder Profi!![](https://www.markusdotzler.de/content/images/icon/Favicon2-1.png)HabitGymDr. Jan Höpker![](https://www.markusdotzler.de/content/images/thumbnail/017n-Facebook-10-Stunden-Regel-1.jpg)](https://www.habitgym.de/10000-stunden-regel/?ref=markusdotzler.de) Mehr zur 10.000 Stunden Regel erfährst du hier. Wenn du etwas lernst, legt sich dein Gehirn dazu eine neuronale Karte an. Diese Karte enthält alle Informationen, über die du zu einem bestimmten Thema aktiv verfügst. Je mehr du über etwas weißt oder je besser deine Fähigkeiten z.B. beim Schach sind, desto ausgeprägter ist deine mentale Karte. Stell es dir wie die Karte in einem Videospiel vor. Wenn du dich zum ersten Mal mit einem neuen Charakter einloggst, erkennst du auf der Karte meistens nur deine unmittelbare Umgebung. Der Rest der Karte liegt im Verborgenen. Doch je mehr Gebiete du erkundest, desto detailreicher wird deine Vorstellung der Welt. Der Nebel lüftet sich. Genau das passiert in deinem Kopf, wenn du etwas Neues lernst. Auf biologischer Ebene passiert folgendes: Dein Gehirn nutzt Neuronen, um Signale zu übertragen. Wissen und Expertise entstehen durch die Verbindungen verschiedener Neuronen über sogenannte Synapsen. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). S. 190. So bilden sich neuronale Netzwerke. Wenn du etwas häufig tust, bilden sich Cluster von Neuronen, die zusammen feuern. In ihnen ist dein gesamtes Wissen zu einem Thema enthalten. Und das nennt sich dann mentale Repräsentation. Sie ist die Software deines Gehirns. Die mentale Repräsentation eines Schachprofis reicht von den Grundregeln des Spiels bis hin zu ausgeklügelten Zügen. Ein Großmeister sieht mehr als nur Holzfiguren auf einem Brett. Er erkennt Muster wie das "italienische Spiel" oder die "sizilianische Verteidigung". Daraus entsteht eine Geschichte aus Strategie, Chancen und Herausforderungen. ## Kognitive Abkürzung: Warum Profis so mühelos wirken Mentale Repräsentationen funktionieren äußerst effizient. Die meisten Menschen können sich spontan nicht mehr als sieben aufeinanderfolgende Zahlen merken. Das bedeutet, sie kommen schon bei einer Telefonnummer ins Straucheln. Währenddessen sind Schachprofis in der Lage, sich innerhalb kürzester Zeit die Komplexität einer ganzen Schachpartie einzuprägen. Doch wenn sich dieselben Schachprofis eine Telefonnummer merken sollen, greifen auch sie zu Stift und Papier. Wieso? Während du für das spontane Speichern einer Handynummer dein Kurzzeitgedächtnis nutzt, sind die Muster, auf die ein Schachspieler zugreift, um sich ein Spielfeld zu merken, im Langzeitgedächtnis verortet. 💡 **Eine* ***mentale Repräsentation** *erlaubt es dir, die* ***Begrenzungen deines Kurzzeitgedächtnisses** *zu umgehen, indem du auf bereits angelegte Informationen in deinem* ***Langzeitgedächtnis** *zugreifst.* Das macht sie so effizient. Was von außen wie eine außergewöhnliche Gedächtnisleistung aussieht, ist in Wahrheit eine kognitive Abkürzung. Der Schachspieler kann in Sekundenschnelle auf ein ganzes Arsenal an Informationen und Erfahrungen zugreifen und somit schneller verarbeiten, was sich spontan ereignet. #### Quelle Ericsson, K. A. (with Pool, R.). (2016). S. 62f. ## Eminem als Beispiel für eine ausgeprägte mentale Repräsentation Wenn ein Musiker ein bewegendes Solo improvisiert, ein Turner eine anspruchsvolle Routine vorführt oder Eminem Punchlines in einem Freestyle improvisiert, dann greifen sie alle auf ausgeklügelte neuronale Netzwerke zurück, die sie sich über Jahre hinweg antrainiert haben. Eminem entwickelte seine Leidenschaft für Rap dank seines Onkels Ronny schon im Alter von 12 Jahren und absorbierte bald alles, was damit in Verbindung stand. Berichten zufolge füllte er Notizbücher mit endlosen Listen von Reimpaaren. Er studierte Wörterbücher und analysierte den Klang und Rhythmus neuer Wörter. Mit 14 schrieb er bereits eigene Texte und nahm an ersten Freestlye Battles teil, wodurch er seine Sprachfertigkeiten konsequent ausbaute. [The True Story of: Eminem - hier anschauenDie Karriere von Eminem ist einzigartig. Doch der Weg an die Spitze des Hip-Hop-Olymps ist geprägt von Missbrauch, Drogen und harten Tiefschlägen.![](https://www.markusdotzler.de/content/images/icon/favicon.1777294979324.svg)ARD Mediathek![](https://www.markusdotzler.de/content/images/thumbnail/img)](https://www.ardmediathek.de/video/zdfinfo-die-einzeldokus/the-true-story-of-eminem/zdf/Y3JpZDovL3pkZi5kZS9QUk9EMS9TQ01TXzFlYTNlMTg1LWM4NWUtNGM1My04YWYwLWVkOGZkNjA4ODhiNQ?ref=markusdotzler.de) Anders ausgedrückt: Der Weg zum Rapzenit begann mit einigen kleinen Schritten, die Eminem unermüdlich zu einer ausgefeilten mentalen Repräsentation ausbaute. Die Hauptarbeit leisten die Profis nicht auf der Bühne, sondern im Verborgenen. Im Proberaum. Im stillen Kämmerlein. Dort, wo niemand ihre Anstrengung sieht. Nicht Talent unterscheidet Profis von Amateuren, sondern ihre mentalen Repräsentationen. Sie sind die Blaupausen für wahres Können und erlauben den Experten zu reagieren, bevor der Amateur das Problem überhaupt erst erkannt hat. 💡 Je besser die mentale Repräsentation, desto stärker die Vernetzung und desto leichter der Abruf. Je leichter der Abruf, desto müheloser die Anwendung. ## Wie du deine eigene mentale Repräsentation aufbaust Diese Erkenntnisse kannst du auch auf dein Lernen anwenden. Während manche Menschen [irrtümlicherweise an Talent glauben](https://www.markusdotzler.de/talent-mythos/) wie an einen exklusiven Club, zu dem nicht jeder Zugang besitzt, sind mentale Repräsentationen eher wie eine öffentliche Bibliothek. Du musst nur von ihnen wissen, um sie zu nutzen. Du kannst zu jeder Zeit damit anfangen, dir ein neues mentales Modell anzueignen. Stell dir z.B. vor, du willst die Funktionsweise eines Benzinmotors verstehen. Wenn du dir einfach nur eine Liste von Teilen merkst (Zündkerze, Kolben, Zylinder), sind das erst mal nur Informationen ohne Zusammenhang. Der effektivere Weg ist, nach der Geschichte zu fragen: Was passiert? Du beginnst beim Funken (Zündkerze), der eine kleine Explosion auslöst, die das Kraftstoff-Luft-Gemisch entzündet und den Kolben nach unten drückt. Du schaust dir an, wie eine Bewegung zur nächsten führt. So entsteht aus den Einzelteilen eine Geschichte. Du zeichnest eine erste mentale Karte. Das erste Buch oder Video zu einem neuen Thema erschließt sich dir vielleicht noch nicht. Doch wenn du dran bleibst, erkennst du bald die wichtigsten Begriffe und verstehst erste Zusammenhänge. Je mehr du über etwas lernst, desto detailgetreuer wird deine Karte und desto besser findest du dich zurecht. ## Das Ziel des Lernens ist Vernetzung Um wirklich vom Wissen über mentale Repräsentationen zu profitieren, ist es wichtig, dein Lernziel neu zu definieren. Stell dir ab heute das Lernen nicht mehr als etwas isoliertes vor. Als junger Musiker brachte man mir bei, was eine C-Dur-Tonleiter ist. Ich übte sie und wusste überhaupt nichts damit anzufangen. Das Problem: Ich konnte sie vorspielen, aber nicht anwenden. Das Wissen über eine Tonleiter erhält erst eine Bedeutung, wenn du weißt, zu welchem Akkord du damit improvisieren kannst. Dein Gehirn mag Muster und Narrative. Informationen alleine ergeben wenig Sinn. Sie erhalten erst Bedeutung, wenn du sie in einen Kontext einbettest und mit deiner Erfahrung oder bereits Gelerntem verschmilzt. > Wir verstehen nur das, was wir in Beziehung setzen können zu etwas, was wir schon verstanden haben. #### Quelle Dobelli, R. (2020). **Die Kunst des digitalen Lebens: Wie Sie auf News verzichten und die Informationsflut meistern*(Ungekürzte Taschenbuchausgabe). Piper. S. 30. ## 4 Fragen, die dein Lernen sofort verändern Wenn du dir eine mentale Repräsentation aufbauen willst, dann lerne nicht nur auswendig, sondern vernetze das Gelernte miteinander. Stelle dir z.B. folgende Fragen beim Lernen und Üben: - Was bringt mir das? (Fokus auf Vernetzung statt auf Fakten) - Was weiß ich bereits darüber? (An Vorwissen anknüpfen) - Was verbinde ich damit? (Beispiele als mentale Anker nutzen) - Wie kann ich das anwenden? (Immer nach dem Kontext fragen) Beginne am besten direkt bei diesem Artikel: *Was bringt dir das Wissen über mentale Repräsentationen?* Es lädt dich dazu ein, dir in ein neues Thema anzueignen, da du verstehst, dass du dir zu allem eine neue Repräsentation aneignen kannst, statt dich zu fragen, ob du begabt oder intelligent genug bist. *Was weißt du bereits über mentale Repräsentationen?* Wenn du z.B. meinen Artikel "[Das Growth Mindset](https://www.markusdotzler.de/growth-mindset/)" gelesen hast, weißt du, dass dein Gehirn plastisch ist und sich formen lässt. Wenn du zusätzlich noch meinen Artikel "[Richtig Üben](https://www.markusdotzler.de/richtig-ueben/)" kennst, weißt du, dass bewusstes Üben die beste Methode ist, um sich neue Fähigkeiten anzueignen. Jetzt hast du eine Verbindung hergestellt: Durch bewusstes Üben kannst du dir die neuronale Plastizität deines Gehirns zunutze machen und es formen, um dir neue mentale Repräsentationen anzueignen. *Was verbindest du damit?* Wenn du in Zukunft an mentale Repräsentationen denkst, erinnerst du dich vielleicht an die Schachprofis, Musiker und Turner oder wie Eminem zu einem der besten Rapper aller Zeiten wurde. *Wie kannst du das Wissen über mentale Repräsentationen anwenden?* Wenn du das nächste Mal lernst, versuch nicht einfach nur die Information abzuspeichern oder auswendig zu lernen. Frage dich stets: In welchem Kontext ergibt diese Information Sinn? Mit was kann ich sie vernetzen? ## Hör auf zu pauken, fang an zu vernetzen! Wenn du mentale Modelle verstehst, erkennst du, dass das Ziel des Lernens nicht die Ansammlung von Informationen ist, sondern ihre Vernetzung zu einer einer zusammenhängenden Geschichte Je stärker Wissen in deinem Kopf vernetzt ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dich daran zu erinnern. Ergo: Je besser die Vernetzung, desto leichter der Abruf. Je leichter der Abruf, desto müheloser die Anwendung. ***Also: Hör auf Informationen zu sammeln. Fang an zu vernetzen.*** Du willst mehr als bloß Wissen anhäufen? Jeden meiner Artikel ist ein Baustein für ein selbstbestimmtes, vielleicht manchmal etwas unkonventionelles Leben – nach deinen eigenen Regeln. Kein Spam. Kein Guru-Bullshit. Dafür Inhalt, der dich weiterbringt. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ### Homöostase erklärt: Wie Körper und Gehirn sich anpassen. URL: https://www.markusdotzler.de/homoeostase/ Last updated: 2026-05-08T15:33:27.000Z Was verbindet die Gehirne von Albert Einstein, David Garrett und Taxifahrern? Das Geheimnis heißt Homöostase. Hier erfährst du: - [warum dein Körper Belastung nicht mag, aber an ihr wächst](#warum-dein-k%C3%B6rper-stabilit%C3%A4t-will-aber-durch-instabilit%C3%A4t-w%C3%A4chst) - [wie du Widerstand in Wachstum verwandelst](#wie-du-dir-stabilit%C3%A4t-zunutze-machst) und - [was die Gehirne von Albert Einstein, David Garrett und einem Taxifahrer verbindet](#neuroplastizit%C3%A4t-in-der-praxis3-beispiele-aus-der-forschung). Lass uns über deinen Motor für Veränderung sprechen und ihm ein paar Pferdestärken hinzufügen. Los geht's! ## Warum dein Körper Stabilität will, aber durch Instabilität wächst. ### Homöostase: Das Gleichgewicht, das uns antreibt Wie kommt es, dass Menschen so unterschiedliche Fähigkeiten entwickeln? Und warum fühlt sich Fortschritt manchmal so schwer an? Die Antworten darauf sind unserer Biologie verankert. Der Mensch besitzt einen fundamentalen Drang nach Stabilität. Dieses Phänomen heißt Homöostase. Stell dir deinen Körper vor wie ein hochmodernes Kraftwerk. Dein Gehirn ist der Direktor, der alle wichtigen Entscheidungen trifft. Dein Herz ist der Generator. Es pumpt das Blut durch kilometerlange Leitungen, die als Nährstoff- und Kühlsystem fungieren, um die Maschinen tief im Inneren, die Organe, funktionsfähig zu halten. All diese Prozesse deines Kraftwerks sind auf eine präzise Betriebstemperatur von rund 37 Grad Celsius geeicht. Starke Abweichungen beeinträchtigen die Funktionsweise deines Körpers. Wenn du z.B. Sport treibst und dein Körper seine Temperatur nicht durch Schwitzen regulieren könnte, würdest du wie ein Computerchip ohne Kühlung überhitzen. Starke Schwankungen sind also lebensgefährlich. Herzrate, Blutdruck und Körpertemperatur bleiben von Tag zu Tag gleich. Das Kraftwerk benötigt Stabilität, um funktionieren zu können. ### Warum Belastung zur Superkompensation führt Paradoxerweise ist es gerade dieses Streben nach Stabilität (Homöostase), das Veränderung bewirkt. Bringt eine Herausforderung deinen Körper aus seinem aktuellen Gleichgewicht, reagiert er mit Anpassung. Wenn du Sport treibst, verändern sich Herzrate, Blutdruck und Körpertemperatur. Dein Kraftwerk muss plötzlich mehr leisten. Diese Auslastung bedeutet Instabilität. Kurzfristig kann dein Körper damit umgehen. Doch langfristig gesehen laufen Maschinen unter Höchstlast heiß. Wie kann sich der Körper also helfen? Wenn ein Kraftwerk an seine Leistungsgrenze stößt, braucht es neue Turbinen oder effizientere Generatoren, um mehr Energie zu produzieren. In der Wirtschaft ist das kein Problem. Mit ausreichend Kapital kannst du dir einen neuen Generator kaufen. In der Natur funktioniert das jedoch nicht. Du kannst dir nicht einfach ein leistungsfähigeres Herz kaufen. Deshalb hat sich dein Körper ein paar geniale Mechanismen ausgedacht, um auf Herausforderungen zu reagieren. Ähnlich wie man ein Kraftwerk aufrüstet, um mehr Leistung zu liefern, so kann auch der Körper Ausdauer und Kraft durch Anpassung steigern: Eine bessere Blutzirkulation (effizientere Leitungen), größere Muskeln (stärkere Generatoren) oder dickere Sehnen (robustere Bauteile). In seinem Streben nach Stabilität reagiert dein Körper mit hauseigenen Mitteln. Er will die Instabilität überwinden und verbessert sich somit selbst. Diese Anpassungsfähigkeit ermöglicht es dir, Herausforderungen zu überwinden und in einen neuen, robusteren Zustand der Stabilität zurückzufinden. Das erste Mal Joggen ist eine Qual. Es ist der Moment, in dem dein Kraftwerk eine Leistung liefern soll, für die es nicht ausgelegt ist. Deine Lungen schreien nach Sauerstoff, dein Herz pocht dir bis zu den Ohren und deine Waden brennen, als zirkulierte darin flüssiges Metall. Doch wenn du zwei Wochen durchhältst und regelmäßig läufst, fallen dir die drei Kilometer, die sich zu Beginn anfühlten wie ein Überlebenskampf, viel leichter. Deine Blutzirkulation versorgt deinen Körper besser mit Sauerstoff. Deine Lungen scheinen etwas mehr Kapazität zu besitzen und deine Waden halten der Belastung länger stand. Dein Körper hat sich an das Training angepasst. Nicht, weil er will, dass du regelmäßig Joggen gehst, sondern weil es die einzige Chance ist, wieder in einen stabilen Zustand zu gelangen. Das gilt für's Joggen genauso wie für's Schwimmen, Radfahren, Ringen oder Klettern. Damit das System langfristig überlebt, ist es unerheblich, welche Belastung es überwindet. Entscheidend ist, *dass* es die Belastung überwindet. Im Sport spricht man dabei von [Superkompensation](https://de.wikipedia.org/wiki/Superkompensation?ref=markusdotzler.de). Dein Körper repariert sich nicht einfach nur. Nach dem Training steigert er seine Leistungsfähigkeit während der Erholungsphase, um zukünftigen Belastungen besser entgegenzuwirken. Genial, oder? ### Neuroplastizität: Wie Lernen und Üben dein Gehirn verändern Genau das Gleiche passiert im Gehirn. Deine Denkfabrik ist ein enormer Energiefresser. Obwohl das Gehirn nur 2 Prozent der Körpermasse beträgt, verbraucht es rund 20 Prozent der Energie. Warum? Homöostase. Es strebt nach Stabilität. Es hält die Prozesse am Laufen. Ohne den Direktor in deinem Hirnkasten funktioniert nichts. Die Lichter brennen, auch wenn du nichts produzierst. Geht das Licht aus, heißt es *game over* für dich. Auch hier gilt das Paradox, dass es ausgerechnet dieses Streben nach Stabilität ist, durch dass du dein Gehirn durch gezielte Anstrengungen verändern kannst. Im Gehirn läuft dieser Prozess etwas anders ab. Du baust keine Muskeln auf wie in deinen Waden beim Joggen. Dein Gehirn reagiert durch Neuroplastizität. Es ist in der Lage, bestehende Verbindungen zu stärken, neue Verbindungen zu erzeugen oder sogar in geringem Umfang völlig neue Muskeln in Form von Neuronen zu bilden. Dein Gehirn bleibt ein Leben lang formbar, um sich an Veränderungen anzupassen. Der Mechanismus bleibt allerdings derselbe. Die Nervenbahnen in deinem Gehirn verändern sich nur, wenn du es regelmäßig einer bestimmten Beanspruchung aussetzt. Eine neue Sprache zu lernen kann wahnsinnig frustrierend sein. Die Vokabeln bleiben nicht hängen, du kannst keine Konversation führen und bist auf Kindervideos angewiesen, um überhaupt etwas zu verstehen. Doch wenn du dich dieser Herausforderung regelmäßig aussetzt, speichert dein Gehirn die Vokabeln, erkennt grammatikalische Zusammenhänge und gewöhnt sich an den Klang der neuen Sprache. Homöostase funktioniert für alle Menschen gleich. Albert Einstein entwickelte die Relativitätstheorie nicht mit 10, sondern mit 26 Jahren. Bis dahin verbrachte er enorm viel Zeit mit mathematischen und physikalischen Problemen. Wie du später erfahren wirst, veränderte sich dadurch sogar sein Gehirn. Das Prinzip der Homöostase ist so fundamental, dass es die außergewöhnlichen Fähigkeiten von Taxifahrern, Musikern und Genies wie Albert Einstein erklärt. Doch bevor wir uns diese Beispiele genauer anschauen, möchte ich dir zeigen, wie Homöostase auch für dich funktionieren kann. ### Wie du dir Stabilität zunutze machst Jede Medaille besitzt zwei Seiten. Homöostase fördert Anpassung, aber verhindert sie auch. Das Streben nach Stabilität ist der Grund, warum sich jede Form von Veränderung zunächst instinktiv schwer anfühlt. > Dein Körper will sich nicht verändern. Er möchte seine Prozesse stabil halten, um sein Überleben zu sichern. Gleichzeitig führt dieser Drang nach Stabilität überhaupt erst zu der Anpassung deines Körpers an neue Herausforderungen. Diese Erkenntnis kannst du dir zunutze machen. Wenn du deinen Körper nicht sofort mit Extremsituationen überrumpelst, sondern - ihn *gezielt an neue Herausforderungen heranführst* und - dieses neue Verhalten *langfristig aufrechterhältst*, > dann wird dein Körper in seinem Streben nach Stabilität mit Anpassung reagieren. Seit ein paar Wochen integriere ich fast täglich Klimmzüge in meinen Trainingsplan. Mein Ziel waren 100 Klimmzüge in 20 Minuten. Am Anfang war ich skeptisch. War das wirklich eine gute Idee? In der Vergangenheit reichten schon 30 - 40 Klimmzüge, um meinen Rücken auf Pump, meinen Bizeps zum Brennen und meine Hände zum Anschwellen zu bringen. 100 Klimmzüge pro Tag klangen nach vorprogrammierter Überlastung… Bis ich von Truett Hanes (@just\_truett) Weltrekord hörte: 10.001 Klimmzüge in 24 Stunden. Selbst am Ende, nach über 9.000 Klimmzügen, zog er sich noch 10 Mal am Stück über die Stange. Was sind 100 Klimmzüge dagegen? Heute benötige ich 30 - 40 Klimmzüge, um überhaupt warm zu werden. Momentan lande ich bei 120 Klimmzügen pro Trainingseinheit und kann immer noch welche hinzufügen. Mein Körper hat sich an die Belastung gewöhnt. Er liefert. Überlastung Fehlanzeige. ### Die Grenzen der Anpassungsfähigkeit Ein Wort der Warnung. Wenn du motiviert bist, etwas an dir zu verändern oder eine neue Fähigkeit zu erlernen, dann denk daran, dass du nicht dort anfängst, wo andere aufhören. Ich habe nicht mit 100 Klimmzügen am Tag angefangen. Noch vor 5 Jahren schaffte ich keine 10\. Als ich dieses Jahr meine Wiederholungen steigern wollte, begann ich bei 50 Klimmzügen pro Trainingseinheit. Hätte ich mir direkt 1.000 Klimmzüge als Ziel gesetzt, wie es Truett Hanes in seinen Youtube-Videos zeigt, hätte ich mich ernsthaft verletzen können. Du musst deinen Körper Stück für Stück an den neuen Wunschzustand heranführen. Wie das geht? Mit „[deliberate practice](https://www.markusdotzler.de/richtig-ueben/)“. Im Bezug auf deinen Sport bedeutet das: Du benötigst einen durchdachten Plan, um konstant an deiner Leistungsgrenze zu arbeiten. Hier ein paar Tipps: 1. **Identifiziere dein Basisniveau.** Ohne ein konkretes Ziel festzulegen machst du z.B. so viele Klimmzüge, bis du das Gefühl kriegst, dass deine Kraft nachlässt. Das ist dein Basisniveau. Wenn du ein besserer Läufer werden willst, könntest du eine kleine Runde durch den Stadtpark joggen und deine Zeit messen oder testen, wie lange du am Stück laufen kannst, ohne gehen zu müssen. Geh nicht direkt bis an dein Limit. Finde zuerst heraus, was du bereits ohne große Anstrengung bewältigen kannst und bau darauf auf. 1. **Wähle deine Steigerungsmethode.** Von deinem Basisniveau ausgehend, arbeitest du dich in kleinen Schritten an dein großes Ziel heran. Es geht nicht darum, die perfekte Methode zu finden, sondern die, die für dich und deine aktuelle Situation am besten funktioniert. Hier sind drei Methoden: **Methode A: Die 10-Prozent-Regel** Die 10-Prozent-Regel ist ein simpler, aber wirkungsvoller Startpunkt: Schlag einfach 10 Prozent auf dein aktuelles Leistungsniveau drauf und versuche, es bei der nächsten Trainingseinheit zu erreichen. - Wenn du 50 Klimmzüge schaffst, probier beim nächsten Mal 55. - Wenn du 5 Kilometer laufen kannst, nimm dir das nächste Mal 5,5 Kilometer vor. **Methode B: Der Marathon-Ansatz** Der Nachteil von Methode A ist, dass deine Leistungssprünge mit jedem Training größer werden. 10 Prozent von 100 sind schon 10 Klimmzüge, nicht mehr 5. Eine nachhaltigere Methode ist deshalb, die 10 Prozent einmalig von deinem **Basisniveau** aus zu berechnen und beizubehalten. Du steigerst dich also jedes Mal um 5 Klimmzüge, egal, ob du mittlerweile 100 oder 200 Stück schaffst. Dieser Ansatz schützt dich vor unrealistischen Sprüngen. **Methode C: Der Momentum-Generator** Die Größe deines Fortschrittes ist zweitrangig. Wichtiger ist, dass du dran bleibst. Denn was bringen dir 10 Prozent, wenn du sie nur sporadisch oder nie erreichst? Bei Methode C steht deshalb kein Prozentsatz im Mittelpunkt, sondern deine Gewohnheit. *Beispiel:* Das Ziel meiner Klimmzug-Herausforderung war, jeden Tag *einen einzigen* Klimmzug mehr als am Vortag zu schaffen. Mein Basisniveau lag bei 50\. Um 100 Klimmzüge zu erreichen, musste ich zwar 50 Tage lang dran bleiben, dafür aber jeden Tag nur *einen einzigen Klimmzug* mehr schaffen. Die tägliche Hürde sank dadurch auf ein Minimum und ich erlebte regelmäßig Erfolge. So entsteht Momentum und deine Gewohnheiten festigen sich, statt dich zu überlasten. Mit diesen drei Methoden kannst du deinen Leistungsstandard verbessern, ohne deinen Körper direkt beim ersten Training an die Wand zu fahren. Viele Anfänger sind bei ihren ersten Gehversuchen zu ehrgeizig (dabei kann [Sport für Anfänger so einfach](https://www.markusdotzler.de/fitness-ist-einfach/) sein). Sie joggen 10 Kilometer am Stück und sind danach zwei Wochen lang so kaputt, dass sie sich nicht mehr zum Laufen motivieren können oder sich sogar verletzen. Oder sie verpflichten sich dazu, täglich eine Stunde lang Vokabeln zu pauken, bis sie an ihrem neuen Hobby ausbrennen. Es ist lobenswert, wenn du dir große Ziele setzt, aber bleib dabei realistisch. Denke groß, aber handle klein. 💡 Der Schlüssel zum Ziel heißt Konsistenz, nicht Überanstrengung. Homöostase ist dein Motor für Veränderung. Sie funktioniert allerdings nur, wenn du dein System nicht crasht. Genauso wie du Stück für Stück deine Muskeln durch gezieltes Training daran anpasst, mehr Leistung zu liefern, so kannst du auch dein Gehirn dazu bringen, neue Fähigkeiten zu lernen oder zu verbessern. Wenn du das einmal verstanden hast, kannst du von deinem Körper durch gezielte Anregung Veränderung einfordern. Es ist so simpel und doch so schwer. Die größte Hürde ist das Anfangen. Die ersten 100 Meter. Der Weg ins Fitnessstudio. Das Aufklappen eines Buches. Einmal angefangen, ist Veränderung lediglich eine Frage der Zeit. Dein Körper übernimmt den Rest. Und mit einem [gamifizierten Trainingsplan](https://www.markusdotzler.de/training-gamifizieren-anleitung/) kann dieser Prozess sogar Spaß machen. Jetzt verstehst du, wie der Motor funktioniert, der Veränderung antreibt, und weißt, wie du ihn für dich arbeiten lassen kannst. Doch die Auswirkungen dieses Antriebs kennst du noch nicht. Homöostase klingt zunächst nur nach marginaler Anpassung. Doch ihr langfristiger Effekt ist erstaunlich. Als würde man ein Atomkraftwerk in einem Dieselmotor verstecken. Lass uns also einen Blick auf drei verblüffende Beispiele werfen, die zeigen, wie drastisch sich unser Gehirn durch gezielte Anstrengung verändern kann. ****Spürst du schon die Veränderung in deinem Gehirn?** Mehr davon gibt's in meinem Newsletter. Kein Spam, sondern Inhalte, die dich weiterbringen. [Anmelden ](#/portal/signup/free) ## Neuroplastizität in der Praxis - 3 Beispiele aus der Forschung Werfen wir nun also einen Blick auf Albert Einstein, David Garrett und ein paar Taxifahrer aus London. Sie alle liefern Beispiele für den Effekt der Homöostase. ### Das Gehirn eines Taxifahrers In meinem Artikel "[Das Growth Mindset](https://www.markusdotzler.de/growth-mindset/)“ habe ich bereits ausführlich über die beeindruckenden Gedächtnisleistungen von Taxifahrern berichtet. Wer in London eine Taxilizenz erhalten will, muss einen der härtesten Tests der Welt bestehen: *The Knowledge*. Über 25.000 Straßen, sämtliche Denkmäler, Parks und Raritäten sowie immer die beste Route von A nach B. Eine enorme Gedächtnisleistung. Kein Wunder also, dass die Taxifahrer schon bald das Interesse von Neurowissenschaftlern wie Eleanor Maguire weckten. Sie war insbesondere an einem bestimmten Hirnareal interessiert, dem Hippocampus. Er spielt eine zentrale Rolle für das Bilden neuer Erinnerungen, deren Überführung ins Langzeitgedächtnis sowie für räumliche Orientierung. Maguire fand heraus, dass der hintere Teil des Hippocampus bei Taxifahrern signifikant größer war als bei Kontrollgruppen, die die Ausbildung nicht durchliefen. Nun könnte man einwenden, dass vielleicht gerade die Menschen die Ausbildung bestehen, die bereits von Geburt an mit einem größeren Hippocampus gesegnet sind. Doch das stimmt nicht. Vor der Ausbildung waren keinerlei Unterschiede innerhalb der Gruppe von Anwärtern sowie im Vergleich zur Kontrollgruppe erkennbar. Diejenigen, die die Ausbildung abbrachen oder nie begannen, zeigten keine Veränderungen. Eleanor Maguires Taxifahrer liefern den klaren Beweis: Gezieltes Training verändert das Gehirn und diese Anpassung ist messbar. Und genau die gleiche Erkenntnis zeigt die Forschung auch bei Musikern. #### Quelle Ericsson, K. A. (with Pool, R.). (2016). **Peak: Secrets from the New Science of Expertise* (1st ed). HarperCollins Publishers. S. 30ff. ### Das musikalische Gehirn Als ich 14 Jahre alt war, fing ich mit dem Bass spielen an. Sofort waren wir beste Freunde. Ich spielte jeden Tag (hier findest du [meine Jugendstory](https://www.markusdotzler.de/kein-talent/)). Unbewusst veränderte ich dadurch die Struktur meines Gehirns. Der Psychologe Edward Taub fand heraus, dass das Kleinhirn, ein wichtiges Gebiet für die Koordination von Bewegung, in Musikern größer ist als in anderen Menschen. Das bestätigten auch andere Studien. Je früher ein Mensch ein Instrument lernt, desto mehr graue Substanz besitzt er in den Arealen, die die entsprechenden Bewegungen koordinieren. Dadurch steigt die Fähigkeit, ein Instrument zu spielen. #### Quelle ebd. S. 42ff. In diesen Ergebnissen versteckt sich eine wichtige Erkenntnis: Wenn du ein Instrument spielst, veränderst du deine Biologie. Du übst also nicht einfach nur, sondern *beeinflusst die Kapazitäten deines Gehirns und erhöhst dadurch deine musikalische Begabung.* 💡 Erwarte nicht, dass du mit musikalischem Talent beginnst, sondern dass du es entwickelst. [Talent funktioniert anders](https://www.markusdotzler.de/talent-mythos/), als wir glauben. Ohne es zu wissen, habe ich als Jugendlicher durch das viele Üben nicht nur meine Finger gestärkt, sondern auch die Biologie meines Gehirns verändert. Noch größer sind diese Effekte bei Musikern wie David Garrett, Eddie van Halen oder Wolfgang Amadeus Mozart, die auf ihren Instrumenten ein völlig neues Niveau an Virtuosität erreichten und dafür noch viel mehr üben mussten als ich. Hinter den Musikern steht dieselbe Erkenntnis wie bei den Taxifahrern: Gezieltes Üben verändert deine Biologie. Was wäre also, wenn sich dieses Prinzip nun auch auf einen der größten Denker der Geschichte anwenden ließe? ### Das mathematische Gehirn Albert Einstein ist bis heute einer der bekanntesten Physiker der Welt. Fasziniert von Einsteins Genie, untersuchte der Pathologe Thomas Harvey dessen Gehirn auf anatomische Besonderheiten. Die Untersuchung offenbarte etwas Außergewöhnliches: Ein für abstraktes, mathematisches Denken besonders relevantes Hirnareal, der Parietallappen, wies bei Einstein eine eigenartige Form auf und war zudem signifikant größer als bei Durchschnittspersonen. #### Quelle ebd. S. 44. Nun könnte man einwenden: Einstein war eben ein Genie und kam mit diesem Talent auf die Welt. Er zeigte schon frühzeitig eine Begeisterung für die Naturwissenschaften und schrieb darin stets Bestnoten. Doch nun frage ich dich: Das Gehirn von Taxifahrern verändert sich durch gezielte Anstrengung. Das Gehirn von Musikern verändert sich durch gezielte Anstrengung. Wie könnte also das Gehirn von Albert Einstein reagiert haben, das sich ein Leben lang mit mathematischen Herausforderungen konfrontiert sah? Ob Einsteins Gehirn eine natürliche Veranlagung zur Mathematik besaß, wissen wir nicht. Was wir jedoch definitiv wissen, ist folgendes: Je länger Menschen sich mit mathematischen Problemen auseinandersetzen, desto mehr graue Substanz bauen sie im Parietalbereich des Gehirns auf. Diese Erkenntnis spricht also dafür, dass Einsteins neurobiologische Auffälligkeiten kein genetischer Vorteil, sondern das Resultat intensiven Denkens und Übens waren. Und das bringt uns zurück zu unserer grundlegenden Erkenntnis: 💡 Egal, auf welchem Gebiet du dein Gehirn herausforderst, es wird mit Anpassung reagieren. ## Du bist der Architekt deines Gehirns Am Ende dieses Artikels hast du zwei entscheidende Erkenntnisse gewonnen: 1. Du verstehst, warum das ursprüngliche Hemmnis, sich anzustrengen, keine Hürde, sondern dein Motor für Veränderung ist und wie du dir Homöostase zunutze machen kannst. 2. Du weißt, dass der Glaube, dein Gehirn formen zu können, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Musiker wie der Violinist David Garrett beeinflussen durch das viele Üben ihr Kleinhirn. Albert Einstein veränderte das Wachstum seines Parietallappen. Und ein Taxifahrer, der sich die Londoner Innenstadt ins Gedächtnis einprägt, trainiert seinen Hippocampus. Jede dieser außergewöhnlichen Fähigkeiten geht mit einer physischen Veränderung des Gehirns einher. Also: Wenn du von deinem Körper Anpassung verlangst, wird er mit Veränderung reagieren. Das ist das Prinzip der Homöostase. 💡 Es ist also keine Frage, ob du dich anpassen kannst, sondern ob du bereit bist, die nötige Anstrengung aufrechtzuerhalten, damit die Veränderung stattfinden kann. Das erkannte auch Charles Bukowski: > *I was waiting for something* > *extraordinary to happen* > *but as the years wasted on* > *nothing ever did,* > *unless I caused it.* > \- *Charles Bukowski* Homöostase ist der Motor für Veränderung und jetzt weißt du, wie er funktioniert. Doch was genau passiert da im Kopf? Wie verändert sich unser Denken, wenn wir uns neue Fähigkeiten aneignen? Im nächsten Artikel erkunden wir die mentalen Blaupausen, die einen Experten von einem Anfänger unterscheiden: [mentale Repräsentation](https://www.markusdotzler.de/mentale-repraesentation/). ****Dein Gehirn verändert sich durch das, was du regelmäßig tust.** Wenn du Artikel wie diesen regelmäßig liest, trainierst du genau das: eine Denkweise, die Wachstum über Komfort stellt. Kein Spam, sondern Inhalte, die dich weiterbringen. [Anmelden ](#/portal/signup/free) ### Richtig Üben mit Deliberate Practice (3 Stufen zum Profi) URL: https://www.markusdotzler.de/richtig-ueben/ Last updated: 2026-06-10T17:44:13.000Z Du spielst Tennis, zeichnest oder musizierst, doch obwohl du regelmäßig übst und trainierst, wirst du nicht besser? Du bist nicht untalentiert. Du hast entweder noch nie von „***deliberate practice***“ gehört oder dir hat niemand gezeigt, wie richtig Üben funktioniert. Hier erfährst du beides. ## Die Automatisierungsfalle: Warum du trotz Üben nicht besser wirst Wann hast du das letzte Mal ein neues Hobby für dich entdeckt? Hast du ein Video von einem Gitarristen gesehen und träumst seitdem davon, selbst mal auf der Bühne zu stehen? Oder haben dich die Leistungen eines Sportlers dazu angespornt, deine Laufschuhe zu schnüren oder einem Verein beizutreten? Die ersten Wochen, in denen du eine neue Leidenschaft für dich entdeckst, fühlen sich an, als wärst du am Strand über eine Schatzkiste gestolpert. Du kannst dein Glück gar nicht fassen. Du denkst, redest und interessierst dich für nichts anderes. Du siehst alles durch eine rosarote Brille, als wärst du frisch verliebt. Du kaufst dir Bücher, nimmst Unterricht oder besuchst Onlineseminare. Du erlernst die Grundlagen. Schnell zeigen sich erste Fortschritte. In der Fitnessszene spricht man von *newbie gains*. Die ersten Muskeln packst du schnell drauf. Das motiviert unheimlich. ### Kompetenz besteht nicht für immer. Doch nichts bleibt für immer. Oft folgt auf die Flitterwochen der erste Streit. So verhält es sich auch bei einem Hobby. Mit dem vollen Schwung deines anfänglichen Ehrgeizes rennst du gegen die ersten Hürden. Das schmerzt. Eine unsichtbare Hand hält plötzlich den Deckel auf deinen Fortschritt. Du stagnierst. Durch viel Motivation und Hartnäckigkeit überstehst du die ersten Stolpersteine, ohne dass deine noch frische Leidenschaft Schaden davon trägt. Doch das tückische an Plateaus ist, dass du ihnen immer wieder begegnest. Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Herausforderungen zehren an deinen Kräften. Es strengt dich an, immer wieder an Schwachstellen zu arbeiten. Also gibst du dich mit einem akzeptablen Niveau zufrieden. 💡 Das ist die Automatisierungsfalle: Du hörst auf, über deine Fähigkeiten nachzudenken. Dein Handeln verselbstständigt sich. Sobald du aufhörst, deine Fähigkeiten zu hinterfragen, schnappt die Automatisierungsfalle zu. Und wenn dir niemand sagt, [wie du Plateaus überwindest](https://www.markusdotzler.de/lernplateau-ueberwinden/), bleibt es für immer dein Status quo. Vielleicht hast du mal Gitarre gelernt. In den ersten Wochen lernst du ein paar einfache Griffe: G-Dur, E-Dur, A-Moll. Damit kannst du schon bald die ersten Lieder spielen. Das Gefühl berauscht. Du siehst dich als nächster Eddie van Halen auf der Bühne stehen. Das sind die *newbie gains*. Doch dann kommt der erste Endgegner: Barré-Akkorde. Bei Barré-Akkorden musst du mit dem Zeigefinger alle sechs Saiten gleichzeitig pressen, während dein Mittel-, Ring- und kleiner Finger weitere Noten greifen. Das ist schwierig, tut weh und klingt fast so schlimm wie ein Anfänger an der Geige. Spaß. Nichts klingt so schlimm wie ein Anfänger an der Geige. Viele Gitarristen stagnieren an dieser Stelle. Statt die neue, aber schwere Technik zu meistern, flüchten sie sich zurück zu den einfachen Akkorden. Das ist die „gut-genug“-Falle. Gut genug, um bei der nächsten Geburtstagsfeier ein paar Freunde zu beeindrucken. Nicht gut genug, um Eddie van Halen zu imponieren. Für viele Dinge im Leben ist „gut genug“ völlig in Ordnung. Wahrscheinlich reicht es dir, mit deinem Fahrrad in die Arbeit zu fahren. Du willst keine Mountainbiketrails reißen oder auf dem Hinterreifen fahren. Doch wenn du eine Fähigkeit wirklich meistern willst oder in deinem Job erstklassig sein möchtest, wird Automatisierung zu einem Problem. Sie führt zu Stillstand. ### Erfahrung ist keine Garantie für Kompetenz. Jemand, der seit 20 Jahren Golf spielt und nach fünf Jahren aufgehört hat, an seinen Fähigkeiten zu arbeiten, ist oft schlechter als jemand, der erst seit ein paar Jahren den Schläger in der Hand hält. Darauf deuten zumindest die Ergebnisse des schwedischen Psychologen Anders Ericsson hin. Er untersuchte eine Berufsgruppe, bei der wir konstant hohe Leistungen erwarten: Ärzte. Ericsson zitiert in seinem Buch *Peak* eine Reihe von Studien, die zeigen, dass Ärzte mit zunehmender Berufserfahrung bei Diagnosen oder im OP-Raum manchmal schlechter abschneiden als Ärzte, die erst seit zwei oder drei Jahren praktizieren. #### Quelle Ericsson, K. A. (with Pool, R.). (2016). **Peak: Secrets from the New Science of Expertise* (1st ed). HarperCollins Publishers. S. 12. Diese Feststellung begründet sich nicht durch mangelnde Motivation oder fehlendes Engagement. Ärzte sind sehr bemüht, regelmäßig Schulungen zu besuchen. Das Gesetz in Deutschland verpflichtet sie sogar dazu. Das Problem liegt viel mehr in der Art und Weise, wie wir Wissen vermitteln und üben. Das ist überall zu beobachten: Unternehmen schicken Mitarbeiter auf Schulungen, Kongresse oder Seminare in der Hoffnung, dass die Kompetenz der Arbeitnehmer steigt. Doch Wissen bedeutet nicht automatisch Kompetenz. Erst der Transfer, die Übung, verwandelt Informationen in Fähigkeiten. ### Talent ist nicht das Problem, sondern *wie* du übst. Den Ärzten aus Ericssons Studie mangelte es nicht an Lernbereitschaft, sondern an praktischer Schärfe, weil sie ihre Fähigkeiten nicht gezielt pflegten. 💡 Kompetenz besitzt ein Verfallsdatum. Ohne gründliches Üben bauen automatisierte Fähigkeiten über den Verlauf der Zeit ab. Übung macht den Meister. Doch wenn der Meister aufhört zu üben, überholt ihn der Lehrling. Den Weg an die Spitze erklimmst du nicht durch reine Wiederholung. Nicht nur *ob* du wiederholst ist wichtig, sondern *wie* du wiederholst. Dafür musst du wissen, dass es drei Arten gibt, wie du üben kannst. ## Die drei Stufen des Übens – dein Weg aus dem Stillstand Anders Ericsson stellt in seinem Buch *Peak* drei Formen des Übens vor: 1. **naive practice (Deutsch: naives Üben)** 2. **purposeful practice (Deutsch: zielgerichtetes Üben)** 3. **deliberate practice (Deutsch: bewusstes Üben)** Stell dir diese drei Formen wie eine Pyramide vor. Die meisten Menschen halten sich auf der untersten Ebene auf, dem naiven Üben. Wenn du etwas gut können willst, musst du dich aus diesem Morast freikämpfen. Du willst mindestens die zweite Ebene erreichen, das zielgerichtete Üben. Die wirklichen Profis tummeln sich allerdings an der Spitze. Sie praktizieren „deliberate practice“, also bewusstes Üben. Doch was unterscheidet die drei Stufen voneinander? ### Stufe 1: Naives Üben Wer naiv übt, hofft darauf, dass Wiederholung allein ausreicht, um besser zu werden. Das funktioniert vielleicht noch am Anfang, wenn du etwas völlig neues lernst. Doch abgesehen von diesen anfänglichen *newbie gains* bringt es dich nicht weiter. #### Quelle Ericsson, K. A. (with Pool, R.). (2016). S. 11ff. 💡 Naives Üben ist wie Holzhacken mit einer stumpfen Axt. Motorik an, Hirn aus. Du hackst und hackst, aber der Baum fällt nicht. Wie eine Schallplatte drehst du dich um dich selbst, aber kommst nicht vom Fleck. Du tust immer wieder das Gleiche, aber erwartest unterschiedliche Ergebnisse. ### Stufe 2: Zielgerichtetes Üben Zielgerichtetes Üben hinterfragt das eigene Handeln, statt lediglich auf Verbesserung zu hoffen. Du schaltest den Autopilot ab und nimmst das Steuer in die Hand. Der Hauptunterschied zwischen naivem und zielgerichtetem Üben ist die Aufmerksamkeit, die du dem Üben schenkst. Die entscheidende Zutat lautet Fokus (und [Konzentration kannst du verbessern](https://www.markusdotzler.de/mehr-fokus/)). #### Quelle Ericsson, K. A. (with Pool, R.). (2016). S. 14ff. Zielgerichtetes Üben ist ein aktiver Prozess. Indem du aufmerksam bleibst und deine Bewegungen hinterfragst, feuern die Neuronen in deinem Gehirn immer wieder dieselben und vor allem die richtigen Signale. Das stärkt die Nervenbahnen in deinem Gehirn. Zielgerichtetes Üben bedeutet, du setzt dir Ziele, bleibst fokussiert und gehst beim Üben an deine Grenzen. Du achtest auf Fehler und korrigierst sie. Du holst dir Feedback ein und hinterfragst dein Handeln. 💡 Wenn naives Üben **try harder* ist, dann ist zielgerichtetes Üben **try differently*. Der Holzfäller überlegt, **wie* er den Baum fällt. Er setzt sich ein Ziel. Plant. Schleift seine Axt. Dann legt er los. ### Stufe 3: Bewusstes Üben (deliberate practice) Die höchste Stufe ist das **bewusste Üben** ([*deliberate practice*](https://lexikon.stangl.eu/39416/deliberate-practice?ref=markusdotzler.de)). Es folgt denselben Leitlinien wie zielgerichtetes Üben: Fokus, Zielsetzung, Anstrengung, Fehlerkorrektur und Feedback. Der Unterschied ist, dass bewusstes Üben auf Terrain stattfindet, das bereits gut erforscht ist. Das Feld ist etabliert. Es bestehen objektive Standards, die einen Vergleich bzw. einen Wettbewerb untereinander ermöglichen. #### Quelle Ericsson, K. A. (with Pool, R.). (2016). S. 84ff. Anders ausgedrückt: Der Weg zum Profi folgt einem bekannten Pfad, den der Anfänger mit Lehrern oder Coaches betreten kann. Für Geige oder Klavier gibt es standardisierte Prüfungen, erprobte Techniken und Lernmethoden. Zusätzlich stehen Experten zur Verfügung, die den Schüler an die Hand nehmen. Sie beschleunigen den Lernprozess, indem sie konkrete Schwächen und blinde Flecken identifizieren. Sie entwickeln maßgeschneiderte Übungen und greifen aktiv in den Lernprozess ein, um den Schüler über das nächste Plateau hinauszukatapultieren. 💡 **Deliberate practice* ist daher auch als **informiertes* Üben zu verstehen. Die Prinzipien des zielgerichteten Übens bleiben dieselben. Doch je bekannter der Weg an die Spitze ist, desto einfacher ist es, ihm zu folgen. Das ist wie beim Wandern. Manche Pfade sind gut ausgeschrieben. An den Bäumen leuchten farbige Symbole und alle paar Hundert Meter findest du einen Wegweiser. Diese Informationen machen den Unterschied zwischen zielgerichtetem und bewusstem Üben. Der Holzfäller hat nun einen Profi an seiner Seite, der alles über das Holzhacken weiß. Er gibt seinem Schüler durch Anleitung, gezielte Übungen und Fachwissen eine detaillierte Karte an die Hand und zeigt ihm, was er tun muss, um zu den besten Holzfällern der Welt zu gehören. Durch bewusstes Üben ist der Holzfäller in der Lage, wirklich jeden Baum niederzustrecken, egal wie groß. Ich rede nicht von diesen Funzeltannen, die du dir jedes Jahr zu Weihnachten in dein Wohnzimmer stellst. Nein, ich rede von stattlichen Tannen, an denen sich ein ausgewachsener Braunbär die Klauen wetzen kann, während ein Elch in der Brunft dagegen tritt, um seine Männlichkeit zu beweisen. Solche Tannen fällst du, wenn du bewusst übst. ## Bewusstes Üben in der Praxis: Die 3 Stufen des Joggen Alle drei Stufen kann ich regelmäßig bei mir im Stadtpark beobachten. Dort tummeln sich nach Feierabend viele Jogger. Naives Joggen bedeutet, dass du drei Mal pro Woche Laufen gehst. Immer dieselbe Strecke, immer dasselbe Tempo. Hauptsache, du bringst es hinter dich. Irgendwann muss es doch besser werden... oder? Bei zielgerichtetem Joggen setzt du dir das Ziel, deine Laufzeit für fünf Kilometer in den nächsten vier Wochen um zwei Minuten zu verbessern. Du suchst dir konkrete Übungen aus, um an deiner Lauftechnik zu arbeiten. Beim Joggen achtest du auf deine Technik, schreibst dir im Nachgang Beobachtungen auf und korrigierst Fehler bei der nächsten Einheit. Ein gezieltes Intervalltraining einmal pro Woche bringt deine Cardio auf Vordermann. Ohne es zu wissen, nutzt du dabei das [Prinzip der Homöostase](https://www.markusdotzler.de/homoeostase/). Jemand, der bewusst üben möchte, sucht sich zusätzlich einmal pro Woche einen Lauftrainer, der auf seine Technik achtet, Übungen entwickelt und mit Tipps und Tricks zur Seite steht. So könnten die drei Stufen in der Praxis aussehen. ## Was die besten Geiger von den guten unterscheidet. An der Berliner Musikakademie untersuchte Anders Ericsson eine Reihe von Geigenspieler unterschiedlichen Niveaus. Ericsson wollte wissen, was einen Weltklasse-Solisten von anderen Musikern unterscheidet. Ist es die Motivation? Natürliche Begabung? Göttliche Eingebung? Nein. Der größte Unterschied war schlicht und ergreifend die Anzahl an Stunden, die die Geigenschüler bis zum 20\. Lebensjahr mit aktivem Üben verbracht hatten. Die Besten der Besten zahlten bis zum Alter von 20 Jahren durchschnittlich 10.000 Stunden auf ihr Übungskonto ein. Die sehr Guten 8.000, die Guten 4.000 Stunden. #### Quelle Ericsson, K. A. (with Pool, R.). (2016). S. 97ff. Die Schlussfolgerung? 💡 Bewusstes Üben – und zwar viel davon – ist der größte Wettbewerbsvorteil, den ein Mensch besitzt. ****Bewusstes Üben bedeutet richtig üben.** ## Talent oder Übung – was die Wissenschaft sagt In der Wissenschaft besteht keine Klarheit darüber, welchen Anteil bestimmte Faktoren wie ein "Talentgen" oder kognitive Voraussetzungen am Erfolg haben. Anders Ericsson ist überzeugt: Ein Talentgen oder eine natürliche Veranlagung für bestimmte Fähigkeiten existiert nicht. Was allerdings zur menschlichen Realität gehört, ist Persönlichkeit. Manche Menschen können sich leichter in der Gegenwart anstrengen, um zukünftige Belohnungen zu erhalten. Das nennt sich [Gratifikationsaufschub](https://de.wikipedia.org/wiki/Belohnungsaufschub?ref=markusdotzler.de). Vor allem gewissenhafte Menschen sind dazu besonders gut in der Lage. Dieser Persönlichkeitszug erlaubt es, den sauren Drop in der Gegenwart zu schlucken und sich die umso süßere Belohnung in der Zukunft zu erarbeiten. Gewissenhafte Menschen geben nicht so schnell auf und gehen strukturiert vor, um Ziele zu erreichen. Auch kognitive Voraussetzungen können eine Rolle spielen. Dabei sind vor allem zwei Aspekte relevant: Intelligenz und Plastizität. Intelligenz bezeichnet die Problemlösegeschwindigkeit des Gehirns, schreibt Richard David Precht. Sie ist das, was du einsetzt, wenn du nicht weißt, was du tun sollst. #### Quelle Precht, R. D. (2022). **Freiheit für alle: Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten* (Originalausgabe, 1\. Auflage). Goldmann. Tatsächlich zeigt Ericsson in seinem Buch, dass Intelligenz Anfängern im Schach hilft, die Regeln schneller zu begreifen. Unter den besten Spielern ist sie jedoch kein Vorhersagefaktor für Erfolg, sondern genauso normalverteilt wie im Rest der Bevölkerung. Die Auswirkungen der Plastizität sind noch komplizierter. Das Gehirn eines Kindes ist so wandlungsfähig wie ein Chamäleon und bleibt bis ins Jugendalter maximal plastisch. Kinder verkörpern pures Potenzial. Ihr Körper, ihr Gehirn, strotzt vor Möglichkeiten. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). **Das merk ich mir! Erfolgreich lernen und für immer behalten mit der Make-it-stick-Methode* (I. Brodersen, Übers.; Deutsche Erstausgabe). Goldmann. S. 191. Das ist ein klarer Vorteil, den Kinder besitzen. Doch auch hier gibt es ein aber: Die natürliche Anpassungsfähigkeit des Gehirns, die Plastizität, bleibt bis ins hohe Alter erhalten. Anders als man früher glaubte, [bleibt dein Gehirn anpassungsfähig](https://www.markusdotzler.de/growth-mindset/). Erwachsene besitzen außerdem andere Vorteile: 1. Sie haben sich bereits Fähigkeiten angeeignet und diese Erfahrung lässt sich übertragen. 2. Sie sind nicht so sprunghaft in ihren Interessen wie Kinder und können dadurch leichter Routinen aufrechthalten. 3. Sie stehen finanziell auf beiden Beinen und können sich gutes Equipment, aber viel wichtiger gute Lehrer leisten. Es ist also nicht eindeutig, welche Rolle Plastizität, Intelligenz oder andere genetische Faktoren spielen. Eine unumstößliche Erkenntnis bleibt jedoch bestehen: Die Qualität deines Übens ist der mächtigste Hebel, den du selbst kontrollieren kannst. Selbst wenn es etwas wie ein Talentgen gibt, bleibt es ungenutzt, wenn du nicht über viele Jahre hinweg bewusst übst. Was wir bei Erwachsenen als Begabung wahrnehmen, lässt sich vor allem auf harte Arbeit zurückführen. Genies werden gemacht, nicht geboren. [Talent ist ein Mythos](https://www.markusdotzler.de/talent-mythos/). Lange Zeit habe ich Talent völlig falsch verstanden. Ich dachte, es wäre die Voraussetzung für großartige Leistungen. Das ist falsch. 💡 **Talent ist nicht die Voraussetzung, sondern die Folge herausragender Leistungen. Es ist das Wort, das wir dem Ergebnis der unzähligen, unsichtbaren Stunden bewussten Übens geben.* ## Wie du die Prinzipien der *deliberate practice* anwendest. Informationen (z.B. durch einen Lehrer) sind für bewusstes Üben ausschlaggebend. Doch wenn niemand bisher eine Karte angefertigt hat, kannst du ihr nicht folgen. Was tust du also, wenn dir Informationen nicht zur Verfügung stehen? Wenn dir kein Lehrer zur Verfügung steht, halte dich an die Prinzipien des zielgerichteten Übens. Fokus, Feedback und Fehlerkorrektur sind wie Leuchttürme. Du weißt vielleicht nicht, wie die Küste aussieht, aber zumindest kannst du dich orientieren. Wenn du dann noch jemanden identifizieren kannst, der bereits an diesem Hafen angelegt hat, wird alles um ein vielfaches einfacher, solange du beim Üben aufmerksam bleibst. Wenn du schneller Fortschritte machen willst, hier ein paar Tipps: - Streng dich beim Üben an. Üben muss nicht durchgehend Spaß machen. Wachstum entsteht an den Grenzen deiner Kompetenz. Der Kopf darf rauchen. - Bleib fokussiert. Wenn du bereits die Zeit investierst, vergeude sie nicht mit Ablenkung. Lass dein Smartphone im Nebenraum oder schalte Geräte auf lautlos. So schützt du dich auch vor der [Informationsüberflutung](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/) durch Multitasking. - Setze dir messbare Ziele. Eine BPM-Geschwindigkeit bei einem Lied, eine Pace beim Joggen oder ein Handicap beim Golf. So siehst du, ob du dich verbesserst. - Finde Möglichkeiten, Theorie in die Praxis umzusetzen. Schreib Blogbeiträge über ein Thema, das dich interessiert oder bring es einer Person bei, die davon noch nie gehört hab (Feynman-Technik) - Such dir einen Lehrer, der kann, was du können willst. Nimm Unterricht bei ihm. Das kostet, aber lohnt sich. - Kopiere. Imitiere. Mach Fehler. Korrigiere. Dann mach es besser. - Lass den Spaß nicht zu kurz kommen. Baue am Ende etwas in deine Routine ein, das dir zeigt, warum du so hart übst. Ende mit einem Höhepunkt. Oder nutze z.B. [Gamification im Gym](https://www.markusdotzler.de/training-gamifizieren-anleitung/), um z.B. dein Training angenehmer zu gestalten. ## Richtig üben lernen: 10.000 Stunden sind keine Garantie für Erfolg. Es heißt, im Schnitt dauert es 10.000 Stunden, um auf einem Gebiet Experte zu werden. Das ist die 10.000 Stunden Regel, die Malcolm Gladwell in seinem Buch *Outlier* auf Basis von Ericssons Studien popularisierte. Die 10.000 Stunden Regel führt oft zu Missverständnissen, denn die Zahl verrät nichts über die Art und Weise, *wie* du diese vielen Stunden nutzen musst. [Die 10.000-Stunden-Regel ist falsch! (Neue Forschungsergebnisse)Nicht jeder wird nach 10.000 Stunden zu einem Experten oder Profi!![](https://www.markusdotzler.de/content/images/icon/Favicon2.png)HabitGymDr. Jan Höpker![](https://www.markusdotzler.de/content/images/thumbnail/017n-Facebook-10-Stunden-Regel.jpg)](https://www.habitgym.de/10000-stunden-regel/?ref=markusdotzler.de) Eine Sache hast du heute aber bereits gelernt. Nicht die Anzahl der Stunden ist entscheidend. Auch nicht die Anzahl der Wiederholungen. 10.000 Stunden allein machen aus dir keinen Experten. 10.000 Wiederholungen sind keine Garantie für Virtuosität. Nicht nur die Quantität, sondern die Qualität der Stunden und Wiederholungen bestimmt deinen Fortschritt. Wenn du wirklich gut werden willst, musst du viel Zeit in qualitatives Üben investieren. Kompetenz entsteht nicht von heute auf morgen, aber: Die zentrale Message ist, dass Expertise vor allem das Resultat aktiver Übung ist. Egal, wie oft du sagst, dass du kein musikalisches Talent besitzt. Wenn du ein Instrument lernen *willst*, dann kannst du es. Mit bewusstem Üben. Können ist für jeden erreichbar. Wenn andere es schaffen, warum nicht auch du? Entscheide dich heute: Worin willst du gut werden? ****Du willst nicht nur richtig üben, sondern auch richtig denken?** Ich schreibe regelmäßig über Prinzipien aus Psychologie und Philosophie, die dir helfen, dein Leben aktiv zu gestalten. Trag dich in den Newsletter ein und verpasse keinen Artikel. Kostenlos, kein Spam, jederzeit kündbar. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ### Loslassen lernen: Warum Aufgeben dein Leben retten kann. URL: https://www.markusdotzler.de/aufgeben-lernen/ Last updated: 2026-06-26T07:58:36.000Z Mit 29 lies Haruki Murakami sein altes Leben als Nachtschwärmer und Besitzer eines Jazzclubs los und tauschte es gegen einen Wecker, der um 5 Uhr morgens klingelte, und einen Beruf, der nicht anders hätte sein können. In diesem Artikel geht es um Murakamis untypische Anfänge und seinen Mut zu einer radikalen Veränderung, die einen der bekanntesten Schriftsteller der Moderne hervorbrachte. Murakami verstand früh, was viele Menschen nie lernen: Du musst nicht bleiben, was du früher entschieden hast zu sein. Dieser Artikel lädt dich ein, dein aktuelles Kapitel abzuschließen. ## Loslassen lernen: Haruki Murakamis Mut zur Veränderung Haruki Murakami eröffnete nach seinem Theaterstudium einen Jazzclub in Tokio. Das war 1974 (hier findest du die [Geschichte hinter Murakamis Anfängen](https://www.markusdotzler.de/murakami-prinzip/)). Als Inhaber einer Bar stehst du in der Öffentlichkeit und bist die zentrale Anlaufstelle für jeden Gast. Außerdem verpflichtest du dich dem Nachtleben. Murakami schloss seinen Club meist um Mitternacht, räumte auf, rechnete ab und war selten vor 3 Uhr zu Hause. Mit 29 begann er nebenbei zu schreiben. Doch weil er so viel arbeitete, blieben ihm nur die frühen Morgenstunden nach Ladenschluss. So verfasste Murakami zwei Bücher. Seine Küchentisch-Novellen, wie er sie nennt. Doch Murakami wollte ein tiefgründigeres Buch schreiben. Er verspürte den Drang, tiefer zu graben. Keine leichte Aufgabe, wenn dein Beruf dich so vereinnahmt. Seine Ambitionen erstickten im Lärm des Nachtlebens. Murakami stand vor einer Wahl: Entweder opferte er seine aufkeimende Leidenschaft für die Sicherheit seiner Bar oder er schenkte dem Schreiben eine ehrliche Chance. Murakami entschied sich für das Schreiben. Er verkaufte seine Bar. #### Quelle Murakami, H. (2010). **Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede* (U. Gräfe, Übers.; 8\. Auflage). btb. S. 29. ## Wenn Loslassen zum Neuanfang wird Nach dieser Entscheidung krempelte Murakami sein Leben konsequent um. Von heute auf morgen stand er um fünf Uhr auf, statt erst um drei Uhr ins Bett zu gehen. Auch seine Schreibroutine veränderte er. Murakami bemerkte, dass er am Morgen am klarsten denken konnte. Also setzte er das Schreiben an den Tagesanfang. Seine wichtigste Arbeit priorisiert er seitdem über all seinen anderen Aktivitäten. Erst am Nachmittag treibt er Sport oder kümmert sich um administrative Aufgaben. Den Abend hält er sich für Musik, Lesen und Entspannung frei. #### Quelle Murakami, H. (2010). S. 39ff. Dieser Umstellung und der daraus resultierenden Routine schreibt Murakami bis heute einen großen Teil seines Erfolges zu. Doch als er den Club verkaufte, passierte auch noch etwas anderes. Er zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Aus dem Inhaber, der stets zentraler Anlaufpunkt für alle Gäste war, wird ein schreibender Einsiedler. Für Murakami eine Rückkehr zu seinem eigentlichen, introvertierten Wesen. Doch warum eröffnet ein Frühaufsteher, der die Öffentlichkeit nicht mag, ausgerechnet einen Jazzclub? Und was kannst du aus seiner Geschichte lernen? ## Finde dich selbst – und lebe nach deinem Rhythmus Murakamis Wandel von der Nachteule zur Lerche war eine bewusste Entscheidung. Er stellte fest, dass das Nachtleben nicht länger tragbar war. Das Schreiben war nun seine höchste Priorität. Doch da er am frühen Morgen nach dem Aufstehen am konzentriertesten arbeitete, vertrug sich das nicht mit seiner Routine als Jazzclub-Besitzer. Sein Job arbeitete gegen seine Natur. Die Entscheidung gegen die Bar war letztlich eine Entscheidung für seine eigene Gesundheit, seinen persönlichen Rhythmus und seine Vorstellung. Diesem Ideal verpflichtete er sich fortan. Diese Lektion kannst du direkt auf deinen Alltag übertragen. Auch du funktionierst nicht wie eine Maschine. Doch die Arbeitswelt verlangt, dass wir stets gleichmäßig produktiv sind. Immer arbeiten, immer beschäftigt sein, nicht zu viele Pausen einlegen. Die Mentalität der [Hustle Culture](https://www.markusdotzler.de/warum-hustle-culture-toxisch-ist/) ist völlig unnatürlich. Also nimm dir doch mal Zeit für ein Experiment: Schalte am Abend deine Geräte und Bildschirme aus. Zieh am besten den Stecker für das Internet. Nimm dir ein Buch zur Seite oder lerne, mit der Langeweile umzugehen. Widersteh der Versuchung. Halte diesen Rhythmus für ein paar Tage aufrecht. Dann schau, wie schnell du am Abend müde wirst. Es kann dir passieren, dass du so zum ersten Mal in deinem Leben spürst, wie deine innere Uhr wirklich funktioniert, wenn du nicht ständig unter Strom stehst. In den vergangenen drei Jahren habe ich dieses Experiment mehrfach durchgeführt. Jedes Mal profitierte mein Schlafrhythmus davon. Und wenn der Schlaf profitiert, so meine persönliche Erfahrung, verbessern sich auch die meisten anderen Bereiche im Leben. Die Erkenntnis über deinen eigentlichen Rhythmus kann dir helfen, dein Leben besser auf dein Energielevel abzustimmen. Haruki Murakami verstand das und passte seine Gewohnheiten an seine Natur an. Das war der erste Schritt zu seinem Erfolg. ## Versteh das Leben in Phasen: Nichts bleibt für immer. Nicht nur dein Tag, sondern auch dein Leben verläuft zyklisch. Es besteht aus Phasen ähnlich wie Jahreszeiten. Wir alle folgen diesen Rhythmen. Du erkennst sie vielleicht nicht so offensichtlich wie in der Natur, doch sie existieren. Jeder Lebensentwurf sieht zwar anders aus. Doch eines ist das Leben nicht: linear. In seinem Buch *Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede*, schreibt Murakami über die Zeit, als er den Jazzclub betrieb: > *Eine solche Existenz kann man nicht ewig führen. Es ist wie mit jeder Schule: Man fängt damit an, man lernt etwas und irgendwann verlässt man sie*. #### Quelle Murakami, H. (2010). S. 39. Murakami betrachtet seinen Club als Lebensabschnitt, als Phase. Er versteht, dass nicht alles für immer ist. Und es auch nicht sein muss. > *Eine Zeit lang ein öffentliches Leben zu führen war eine gute Sache, glaube ich; im Nachhinein betrachtet habe ich sehr viel daraus gelernt. Diese Zeit war für mich so etwas wie eine Schule des Lebens.* #### Quelle ebd. Den Club zu führen war für den introvertierten Murakami genau die richtige Sache zur richtigen Zeit, aber ***nicht die richtige Sache für alle Zeit***. Bis heute prägen Stabilität und Linearität unser Verständnis von Beruf und Karriere. Mit der Ausbildung oder dem Studium entscheidet sich oft, was Menschen die nächsten 50 Jahre tun. Ein ganzes Leben reduziert sich mitunter auf eine Entscheidung, die du triffst, wenn du gerade zum ersten Mal ein Bier kaufen darfst. Das kann funktionieren. Muss es aber nicht. Und genau deshalb fühlen sich manche Entscheidungen später an wie goldene Fesseln. Murakami versteht das. Der Jazzclub war eine wichtige Phase in seinem Leben. Doch mit 30 Jahren war es an der Zeit, von diesem Abschnitt loszulassen. Nur weil du etwas anfängst, musst du es nicht ewig durchziehen. Als Blogger dachte ich schon mehrfach, ich hätte meine Nische gefunden, nur um festzustellen, dass ich falsch lag. Die Themen, über die ich schrieb, fühlten sich zu eng an wie ein falsches Korsett. Also [verwarf ich meine Nische](https://www.markusdotzler.de/nische-finden/). Auch du darfst Abschnitte in deinem Leben beenden, die nicht mehr zu dir passen oder sich falsch anfühlen. Du darfst dich neu erfinden. So wie sich Murakami neu erfunden hat. Veränderung ist schwierig, doch sie kann uns in ein neues Leben führen, wenn wir uns [trauen, alte Laster loszulassen](https://www.markusdotzler.de/mut-zur-veraenderung/). ## Neuorientierung: Das Leben kennt keine Blaupausen. Es gibt keine Blaupausen für das Leben. Du darfst unsicher sein. Du darfst deine Meinung ändern. Du darfst andere Entscheidungen treffen. Das Leben ist kein geradliniger Weg. Manche Pfade sind klar erkennbar. Andere schlängeln sich durch tiefes Geäst und müssen viele Höhenmeter überwinden. Die meisten von uns wurden darauf trainiert, einer Autobahn zu folgen. Sie soll dich auf direktem Weg ans Ziel bringen. Besonders abwechslungsreich ist das aber nicht. Nach 200 Kilometern auf dem Gaspedal schläft dir der Fuß ein. Deshalb lohnt es sich, ab und zu andere Wege zu erkunden. Folge nicht, wohin der Pfad dich führt. Gehe stattdessen dort entlang, wo es noch keinen Pfad gibt und hinterlasse eine Spur. Du musst am Anfang deines Lebens nicht alle Antworten kennen. Verdammt, du musst sie nicht mal am Ende deines Lebens kennen. Halte an dem fest, was dir langfristig gut tut. Lass los, was nicht mehr zu dir passt. Statt sein Leben lang einen Jazzclub zu führen, der nicht mit seiner Persönlichkeit harmonierte, beendete Haruki Murakami dieses Kapitel, bevor es ihn zerstörte. Manche Geschichten sind irgendwann erzählt. Das wusste Haruki Murakami scheinbar schon bevor er Schriftsteller wurde. Er entschloss sich Anfang 30, ein neues Leben zu beginnen. Er wusste: Ich muss nicht so bleiben, wie ich mich Anfang 20 entschieden hatte zu sein. Deshalb frage ich dich: Wie wirst du gewesen sein? Wenn diese Frage etwas in dir ausgelöst hat, dann bist du genau richtig hier. In meinem Newsletter teile ich regelmäßig solche Denkanstöße – für Menschen, die ihr Leben bewusst gestalten wollen, statt es einfach passieren zu lassen. [Anmelden ](#/portal/signup/free) ### Growth Mindset: Warum Talent eine Lüge ist. URL: https://www.markusdotzler.de/growth-mindset/ Last updated: 2026-05-08T15:31:13.000Z Lass uns über das Growth-Mindset nach Carol Dweck sprechen. Hier erfährst du: - [Wie das Growth-Mindset mit Neuroplastizität zusammenhängt](#eleanor-maguires-taxifahrer-ein-experiment-ver%C3%A4ndert-alles) - [Wie Neuroplastizität bei Kindern und Erwachsenen funktioniert](#neuroplastizit%C3%A4t-wie-kinder-und-erwachsene-lernen) - [Wie sich Growth- und Fixed-Mindset unterscheiden](#fixed-mindset-vs-growth-mindset) - [Warum nicht Talent oder deine Lehrer über deinen Erfolg entscheiden](#deine-einstellung-entscheidet-%C3%BCber-deine-zukunft-%E2%80%93-niemand-sonst) ## Meine Schulzeit: Steckt Talent hinter Erfolg? Bis zur neunten Klasse war ich [ein schlechter Schüler](https://www.markusdotzler.de/kein-talent/). Schon in der Sechsten schrieb ich die erste 6\. Früh übt sich, oder? In der neunten Klasse blieb ich dann mit Fahnen und Trompeten sitzen. Zwei 5er, ein 6er - tolle Bilanz für ein Jahr Schule. Das Problem war nicht, dass mir der nötige Grips fehlte (rede ich mir zumindest gerne ein). Mein Kopf war kein Vakuum. Er war gefüllt mit den typischen Unsicherheiten eines Teenagers. Stabilität war zu Hause nicht vorhanden. Warum sollte also mein Verhalten stabil sein? Meine schlechten Noten waren ein Symptom, nicht die Ursache meiner Ängste. Ich erinnere mich noch heute daran, wie eine meiner Lehrerinnen damals zu mir sagte, ich werde es im Leben zu nichts bringen. Das beschäftigte mich. Ist das so? Bringen es manche Menschen zu etwas und andere nicht? Werden wir mit diesem Potenzial geboren? Können wir nichts daran ändern? Diesen Fragen möchte ich in diesem Artikel nachgehen. ## Eleanor Maguires Taxifahrer: Ein Experiment verändert alles Vor einigen Jahren machte ich einen Kurztrip nach London mit meinem Bruder. Der Urlaub war super. Der Verkehr weniger. London ist bekannt für sein unübersichtliches Straßennetz. Die Stau-Hauptstadt Europas. Eine fehlende Gitterstruktur, viele verwinkelte Straßen und ständige Veränderungen durch Baustellen und Umleitungen stellen selbst moderne GPS-Systeme vor eine Herausforderung. Als Tourist interessiert dich das nicht, wenn du dich durch die Stadt chauffieren lässt. Aber was wäre, wenn du in London nicht derjenige bist, der chauffiert wird, sondern der chauffiert? Wer in London eine Taxilizenz erhalten will, muss einen der härtesten Tests der Welt bestehen. Dieser trägt den ehrfürchtig anmutenden Namen *The Knowledge*. Von den angehenden Taxifahrern wird erwartet, dass sie aus einem wirren Netz von über 25.000 Straßen und unzähligen Sehenswürdigkeiten eine mentale Karte spinnen. Stell dir vor, du müsstest dich in einem Ameisenhaufen zurechtfinden und jederzeit zielsicher die beste Route von A nach B aus dem Gedächtnis abrufen können. Das Wissen, das sich die Taxifahrer aneignen, erfordert eine außergewöhnliche Gedächtnis- und Navigationsleistung. Kein Wunder also, dass sie schon bald das Interesse von Neurowissenschaftlern wie Eleanor Maguire weckten. Maguire war insbesondere an einem bestimmten Hirnareal interessiert, dem Hippocampus. Er ist entscheidend für viele kognitive Prozesse: - **Lernen und Gedächtnis:** Er spielt eine zentrale Rolle für das Bilden und Festigen neuer Erinnerungen und deren Überführung vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis. - **Räumliche Navigation:** Er ist hauptverantwortlich für die räumliche Orientierung und die Erstellung mentaler Karten, wenn du dich an bestimmten Orten befindest. Maguire erforschte, was im Hippocampus passiert, während sich die Taxifahrer vier Jahre lang den Ameisenhaufen namens London einprägten. Resultierten die enormen Gedächtnis- und Navigationsleistungen in einer messbaren Veränderung des Gehirns? Ihre Ergebnisse wahren bahnbrechend. ### Wie die Forschung Veränderungen im Gehirn belegt Maguire fand heraus, dass der hintere Teil des Hippocampus bei Taxifahrern signifikant größer war als bei Kontrollgruppen, die die Ausbildung nicht durchliefen. Die Größe hatte nichts mit genetischer Veranlagung zu tun. Vor der Ausbildung waren keinerlei Unterschiede zwischen den untersuchten Personen erkennbar. Erst nach vier Jahren Ausbildung war der Hippocampus signifikant gewachsen. Diejenigen, die die Ausbildung abbrachen oder nie begannen, zeigten diese Veränderung nicht. #### Quelle Ericsson, K. A. (with Pool, R.). (2016). **Peak: Secrets from the New Science of Expertise* (1st ed). HarperCollins Publishers. S. 31f. Wie kann das passieren? Um das zu verstehen, hilft ein kleiner Exkurs darüber, wie die Entwicklung des Gehirns abläuft. ## Neuroplastizität: Wie Kinder und Erwachsene lernen. ### Neuroplastizität in der Kindheit Bei der Geburt verfügst du über rund 100 Milliarden Neuronen. Diese verdrahtet dein Gehirn vor allem vor und kurz nach der Geburt durch Synapsen. Bis zum dritten Lebensjahr erreicht die Zahl deiner Synapsen einen Höhepunkt. Sie ist dann um ca. 50 Prozent größer als bei Erwachsenen. Meine Nichte, die heute drei Jahre alt ist (*sie würde sagen fast vier*), verfügt also über mehr Synapsen als ich mit 30 Jahren. Der Grund für diesen frühzeitigen Entwicklungssprint? Dein Gehirn steigert vermutlich seine Lernkapazität und Flexibilität. Da es nicht wissen kann, welches Leben auf dich zukommt, bereitet es sich auf alles vor. Anders ausgedrückt: > Als Kind bist du pures Potenzial. Danach folgt eine Plateauphase. Bis zur Pubertät wird das Überangebot an Synapsen zurechtgestutzt. Ganz nach dem Motto *Use it or loose it*, verringert dein Gehirn das Überangebot an Synapsen und steigert stattdessen seine Effizienz. Häufig genutzte Verbindungen werden gestärkt, andere abgebaut. Im Alter von sechzehn Jahren erreichst du dann den Zustand des Erwachsenengehirns mit rund 150 Billionen Verbindungen. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). **Das merk ich mir! Erfolgreich lernen und für immer behalten mit der Make-it-stick-Methode* (I. Brodersen, Übers.; Deutsche Erstausgabe). Goldmann. S. 191. Dieser Prozess läuft in fast allen Menschen gleich ab. Die Londoner Taxifahrer waren nichts besonderes, bevor sie ihre Ausbildung anfingen. Keine Mozarts auf vier Rädern, sondern ganz normale Menschen wie du und ich. Und was bedeutet das jetzt? ### Neuroplastizität im Erwachsenenalter Ähnlich wie Turner stark ausgeprägte Oberarme oder professionelle Radfahrer Oberschenkel wie Baumstämme entwickeln, so kann auch das Gehirn wie ein Muskel trainiert werden. Die feststellbare Veränderung im Gehirn der Taxifahrer war nichts anderes als das Resultat intensiven Trainings. Da der Hippocampus zentral für das Lernen und die räumliche Navigation ist, veränderte er sich. Sofern auch du neue Fähigkeiten erlernen willst, ist das eine super Nachricht. Das Gehirn passt sich jeder Herausforderung an. Selbst Menschen, die durch einen Unfall oder Schlaganfall Hirnschäden erlitten haben, sind manchmal in der Lage, gewisse Fähigkeiten, wie z.B. das Laufen, wiederzuerlangen. In diesen Fällen springen angrenzende neuronale Netzwerke für das geschädigte Areal ein. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). S. 188. Eines der beeindruckendsten Experimente hierzu stammt von Paul Bach-y-Rita. Unter seiner Anleitung konnte ein blinder Mensch Sehkraft zurückgewinnen. Dafür benötigte er keinen Jesus, sondern eine Kamera, die auf einem Helm befestigt war und die Bilder in elektrische Signale umwandelte. Der Twist: Die Signale wurden an die Zunge gesendet. Mit einiger Übung konnte der Patient bald Bälle fangen und zum ersten Mal seit Jahren mit seiner kleinen Tochter *Schere, Stein, Papier* spielen. Sein Gehirn war in der Lage, einen völlig neuen Eingangskanal für das Sehen zu verwerten. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). S. 193. Doch was bedeuten diese Erkenntnisse nun für dich, dein Lernen und deine Zukunft? ****Willst du mehr fundierte Artikel, die deine Aufmerksamkeit respektieren?** Genau das versuche ich regelmäßig auf meinem Blog: Kein Guru-Bullshit, sondern Essays mit wissenschaftlichem Fundament. Mit meinem Newsletter verpasst du nichts davon. [Anmelden ](#/portal/signup/free) ### Lebenslanges Lernen - kein Klischee, sondern Wirklichkeit Im Englischen heißt es "*you can't teach an old dog new tricks*" (einem alten Hund bringt man keine neuen Kunststücke bei). Auch im Deutschen gibt es eine ähnliche Redewendung: *Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr*. Oft habe ich in meinem Leben folgenden Satz gehört: Wenn du etwas als Kind nicht lernst, wirst du es als Erwachsener nicht mehr lernen. ***Das ist Unsinn***, zumindest aus neurologischer Sicht. Wer diesen Satz sagt, sucht oft nur einen bequemen Grund, um untätig zu bleiben oder seine Untätigkeit in der Vergangenheit zu rechtfertigen. Kinder haben Erwachsenen gegenüber natürlich einige Vorteile: Sie besitzen Zeit, weniger Verpflichtungen, sind besonders begeisterungsfähig und tatsächlich, wie ich es dir in diesem Artikel geschildert habe, neurologisch formbarer. Das ist aber kein Grund, die Flinte ins Korn zu schmeißen. Plastizität ist eine grundlegende Eigenschaft des Gehirns, die bis ins hohe Alter erhalten bleibt. Erwachsene besitzen darüber hinaus einen anderen Vorteil: Sie haben sich bereits andere Fähigkeiten angeeignet. Diese Erfahrung lässt sich übertragen. Sie sind in der Lage zu lernen, wie man besser übt. Dadurch können sie ihre Zeit effizienter nutzen. Wenn du lernst, wie du lernst, dann lernst du Zukunft. Du verstehst, dein zukünftiges *Ich* zu formen. Lebenslanges Lernen ist also nicht nur ein Klischee. > [Lernen ist deine Lebensversicherung](https://www.markusdotzler.de/lebenslanges-lernen/). Natürlich ist Lernen nicht einfach. Du musst dir dafür Zeit nehmen. Dir Ziele setzen, beim Üben fokussiert bleiben und ständig an deinen Fehlern arbeiten. Das nennt sich „[deliberate practice](https://www.markusdotzler.de/richtig-ueben/)“. Doch die positive Seite dieser Medaille: Es ist meistens eher eine Frage der Einstellung, nicht der mangelnden Fähigkeiten oder des Alters. ## Fixed Mindset vs. Growth Mindset Um diese Einstellung zum Lernen geht es in der Forschungsarbeit der Psychologin Carol Dweck. Sie veranstaltete einen Workshop mit leistungsschwachen Siebtklässlern. Darin vermittelte sie den Schülern Grundlagen zu Gehirnfunktion und Lernmethoden. Die eine Gruppe erhielt im Nachgang mehr Informationen zum Gedächtnis. Der anderen Gruppe erklärte man, dass man durch Anstrengung das Gehirn verändern und somit schlauer werden kann (*genau das machen wir hier!*). Daraufhin zeigte die zweite Gruppe im folgenden Schuljahr mehr Lernbereitschaft und bessere Leistungen. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). S. 205. **Die Botschaft:** Ob du daran glaubst, etwas zu schaffen oder nicht - du wirst in jedem Fall Recht haben. Die Einen sind überzeugt, ihre angeborenen Fähigkeiten seien unveränderlich. Sie verstecken sich vor Herausforderungen. Das ist das *fixed mindset* (statisches Selbstbild). Die Anderen glauben an Wachstum. Herausforderungen sind für sie eine Chance für Fortschritt. Das ist das *growth mindset (Wachstumsdenken)* oder das dynamische Selbstbild. Der Glaube an die eigene Anpassungsfähigkeit kann Berge versetzen. Wenn du verstehst, dass Herausforderungen eine Chance und Misserfolge lediglich ein Signal für eine nötige Kurskorrektur sind, setzt du dich stetigem Wachstum aus. Du gehst an die Grenzen deiner Kompetenz, weil du verstehst, dass es kein persönliches Versagen ist, wenn etwas schief geht. Wenn du diesen Artikel bis hierhin gelesen hast, dann kann ich mir keinen Grund vorstellen, warum du vom *fixed mindset* überzeugt sein solltest. Erinnere dich noch mal zurück: - Das Gehirn ist plastisch. Das ermöglicht Anpassung. - Diese Flexibilität bleibt bis ins Erwachsenenalter erhalten. - Wie einen Muskel kannst du dein Gehirn trainieren, indem du es mit Herausforderungen konfrontierst. Der [Körper reagiert mit Anpassung](https://www.markusdotzler.de/homoeostase/). Dieses Wachstumsdenken ist kein Hokus Pokus, sondern wissenschaftlich belegt. Es mag natürliche Grenzen geben, doch wer weiß, wo *deine* liegen? *Nur du kannst das rausfinden.* ## Deine Einstellung entscheidet über deine Zukunft – niemand sonst. Meine Lehrerin hatte damals Unrecht, als sie sagte, ich würde es im Leben zu nichts bringen. Ihr Fehler war, nicht zwischen meinem damaligen Verhalten und meinem zukünftigen Potenzial zu unterscheiden. Das ist der Fluch der Erfahrung: Menschen, die an einem gewissen Punkt angelangt sind, verlieren das Gefühl dafür, wie lange es dauert, um dorthin zu kommen. Sie verlieren die Geduld mit Lernenden. [Verstehen die Probleme der Jugend nicht](https://www.markusdotzler.de/generationenkonflikt/). Sie missverstehen das Verhalten der Gegenwart als das Potenzial der Zukunft. Mein Verhalten war völlig destruktiv, das verstehe ich heute. Hätte ich es aufrecht gehalten, dann wäre es vielleicht wirklich so gekommen, wie meine Lehrerin es prophezeite. Als ich nach der neunten Klasse von der Schule ging, verstand ich, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich wollte zeigen, dass ich mehr bin als ein Zeugnis. Mein Trotz hat meine Eltern oft zur Verzweiflung gebracht. An meinem damaligen Tiefpunkt war er jedoch Gold wert. Er schenkte mir Kraft. Dennoch halte ich solche Sätze von Lehrern für gefährlich. Was, wenn ich nicht so ein Sturkopf gewesen wäre? Wahrscheinlich gibt es einige Menschen, die diese Aussage für bare Münze genommen hätten. Sie hätten sich ergeben und ihr Schicksal akzeptiert. Sie hätten daraus ein *fixed mindset* entwickelt. Ich hingegen wollte vermeiden, dass Menschen wie meine Lehrerin darüber entscheiden, ob ich was aus mir mache. Das ist immer noch meine Entscheidung. Durch meinen Schulwechsel erhielt ich eine zweite Chance. Plötzlich schrieb ich gute Noten. Ich verstand, damals noch völlig unbewusst, dass ein Wandel möglich ist. Nur durch diese Erfahrung begriff ich, was ich dir heute hoffentlich deutlich gemacht habe: > Wenn du etwas an dir ändern willst, dann kannst du das. [Du musst dich nur trauen](https://www.markusdotzler.de/mut-zur-veraenderung/). Wenn ein Mensch nach einem Hirnschaden in der Lage ist, wieder Laufen zu lernen, oder ein Blinder über die Zunge Sehkraft wiederherstellen kann, was kannst *du* dann erreichen, wenn du dich anstrengst? Für mich steht das Growth Mindset für gedachte Selbstwirksamkeit. Wir verinnerlichen den Glauben daran, dass wir etwas in der Welt bewirken und verändern können. Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch sein Leben umkrempeln kann. Jeder kann es im Leben *zu etwas bringen*. Jeder kann sich verändern. > Die entscheidende Hürde ist nicht das Potenzial der Zukunft, sondern das Verhalten in der Gegenwart. Dafür müssen wir bereit sein, Fehler als Chance zu begreifen, jeden Tag Lernbereitschaft zeigen und unsere Einstellung von „Ich kann das nicht“ zu „Ich kann das NOCH nicht“ ändern. Nicht mangelndes Talent hindert dich daran, etwas neues zu lernen, sondern die selbsterfüllende Prophezeiung, dass du untalentiert bist. Denn wenn du glaubst, dein Handeln hat keinen Sinn, dann handelst du nichts. Und das ist das schlimmste, das du tun kannst. Dein Gehirn ist formbar. Auch dein Verhalten lässt sich ändern. Und wenn du dein Verhalten besserst, kannst du wiederum dein Gehirn beeinflussen. Das ist eine sich selbst verstärkende Aufwärtsspirale. Ein positiver Kreislauf. Verhalten führt zu Veränderung. Veränderung bedingt Verhalten. Für mich ist [Erfolg keine Frage der Begabung](https://www.markusdotzler.de/talent-mythos/). Erfolg lässt sich durch Neugier und Anstrengung beeinflussen. Wer das versteht, entwickelt ein *growth mindset* und eine unaufhaltbare Motivation zum Lernen. Lernen bedeutet persönliches Wachstum, kontinuierlicher Fortschritt und Anpassung an das, was uns das Leben vor die Füße wirft. > Lernen lernen ist DER Metaskill für die Zukunft. Leider wird diese Fähigkeit oft unterschätzt und missachtet. In einer sich immer rasanter verändernden Welt kannst du dir das nicht leisten. Wer Lernen lernt, lernt Zukunft. Wer Zukunft lernt, richtet seinen Kompass auf Erfolg aus. ****Dein Mindset entscheidet, was du aus dir machst.** Genau darum geht es auf diesem Blog: Konzepte, die dir helfen, klarer zu denken, besser zu lernen und dein Leben nach eigenen Regeln zu gestalten. Kein Spam, sondern Inhalte, die dich weiterbringen. [Anmelden ](#/portal/signup/free) ### Warum lebenslanges Lernen im Beruf so wichtig ist (die Bequemlichkeitsfalle). URL: https://www.markusdotzler.de/lebenslanges-lernen/ Last updated: 2026-06-26T08:01:14.000Z Wie viel verdienst du? Mich interessiert keine Zahl. Mehr dein Gefühl. Genug, um deine Rechnungen zu zahlen? Genug, um deinen Lebensstandard aufrecht zu halten? Genug, um nicht an dir selbst arbeiten zu müssen? Genug, um es dir bequem zu machen? Robert Kiyosaki, Autor von *Rich Dad Poor Dad*, versteht das Wort *job* als Akronym: ***just over broke* (kurz vor Pleite)** Er ist der Ansicht, dass Arbeitgeber das zahlen, was sie müssen. Daraus entsteht beim Arbeitnehmer Frust. Er ist unzufrieden mit seinem Lohn. [Unzufrieden im Job](https://www.markusdotzler.de/unzufrieden-im-job-nicht-kuendigen/). Er arbeitet nur das Minimum. Im Gegenzug ist der Arbeitgeber unzufrieden mit der Leistung seines Personals. Also zahlt er weiterhin schlecht. Fängt das Spiel beim Arbeitgeber oder Arbeitnehmer an? Das ist wie mit der Henne und dem Ei. Die Antwort darauf ist unerheblich. Fakt ist: Mehr als die Unzufriedenheit mit deinem Lohn kann dazu führen, dass du nur so viel arbeitest, wie du es musst. Die Arbeitsbedingungen. Die Kollegen. Die Weiterentwicklungsmöglichkeiten. ## Wenn der Job zum Autopilot wird Egal, was es ist, wenn du in einem Job nur das Mindestmaß deines Potenzials abrufst, ist das Gift für deine persönliche Weiterentwicklung. Dieser Prozess beginnt schleichend: Du vermeidest Verantwortung. Du informierst dich weniger. Dir gehen die Ideen aus. [Du ziehst dich zurück](https://www.markusdotzler.de/wie-sich-emotionale-distanz-anfuehlt-job/). Bald machst du Dienst nach Vorschrift. Du hörst auf zu lernen. Du hörst auf zu wachsen. Willkommen in der Bequemlichkeit. Willkommen im Stillstand. Nächste Haltestelle? Sackgasse. ## Bequemlichkeit: Die unterschätzte Falle im Beruf Es heißt, ein Wein wird besser mit dem Alter. Tröstlich, aber: Du bist kein verdammter Wein. ***Persönliches Wachstum ist kein Naturgesetz.*** Mit dem Alter schleicht sich Bequemlichkeit ein, körperlich und geistig. Du ruhst dich auf dem Erreichten aus. Du vermeidest neue Herausforderungen. Du hörst auf, dich kritisch zu hinterfragen und aus Fehlern zu lernen. Aus "*Was habe ich falsch gemacht?*" wird "*Das war nicht meine Schuld!*". Du hörst auf, an die Grenzen deiner Kompetenz zu gehen. Aus "*Wie mache ich das besser?*" wird "*So haben wir das schon immer gemacht!*". ## Fehler im System: Die Illusion des Vertrauens Es ist möglich, genug über ein Thema zu wissen, um zu denken, dass du richtig liegst, aber gleichzeitig zu wenig, um zu erkennen, dass du falsch liegst. Das ist die [Illusion des Vertrauens](https://www.markusdotzler.de/dunning-kruger-effekt/). Die Verblendung durch das Ego. > *Man wird nicht besser mit den Jahren,* > *Wie sollt es auch, man wird bequem* > *Und bringt, um sich die Reu zu sparen* > *Die Fehler all in ein System* > \- Theodor Fontane Das Problem ist nicht das Alter. Auch nicht die Erfahrung. Sondern Bequemlichkeit. > There's no growth in the comfort zone – Jocko Willink Wahrscheinlich unterliege ich meiner eigenen Voreingenommenheit, aber: Für mich besteht das Leben aus Lernen, Anpassung und Veränderung. > *Life sums up in three words:* > *better than average* > – Nonpoint (To The Pain) Ich habe Angst vor der Aussicht, mich jahrzehntelang nicht weiterzuentwickeln. Ich möchte nicht feststellen, dass ich den Anschluss verpasst habe. Stillstand ist für mich Teil eines unerfüllten Lebens. Weiterbildung der einzige Weg nach vorn. [Berufliche Erfüllung ist kein Luxus](https://www.markusdotzler.de/berufliche-erfuellung-ist-kein-luxus/), aber auch keine Garantie. Wenn du also das Gefühl hast, in deinem Job festzustecken, dann: - sprich mit deiner Führungskraft, - identifiziere, was dir fehlt, - schließe deine Lücken, - oder zieh weiter. ## Sicherheit als Absprungbrett oder als Tür zu Stillstand? Du verbringst viel Zeit mit Arbeit. Wofür nutzt du sie? Für Stillstand oder Wachstum? Dein Job ist eine Chance, dir neue Fähigkeiten anzueignen. Lernst du nichts mehr, dann such dir eine neue Herausforderung. Spiel nicht dein Leben lang auf Sicherheit. Das Leben ist nichts für Angsthasen. Nutze Sicherheit, um dich in eine Position zu bringen, aus der du etwas wagen kannst. Sie ist ein Sprungbrett, keine Endstation. Jeff Bezos verließ einen sicheren Posten, um Amazon in einer Garage zu gründen. Haruki Murakami verkaufte einen profitablen Club, um Schriftsteller zu werden ([über Murakamis Mut, einfach anzufangen](https://www.markusdotzler.de/murakami-prinzip/), habe ich einen ganzen Artikel geschrieben). Wie findest du den Absprung? Manchmal liegt er direkt vor dir. Der nächste Schritt innerhalb deiner Karriere. Manchmal musst du außerhalb dieser Box denken. Vielleicht bietet dir dein Arbeitgeber Chancen. Vielleicht musst du dein sicheres Nest verlassen. Aber Vorsicht: Lass dich nicht von deinem sicheren Gehalt einlullen. Lass dir nicht einreden, dass das alles nicht so schlimm ist. Oft höre ich: *Ich habe niemandem etwas zu beweisen*. Falsch. Du hast jemandem etwas zu beweisen. Nicht mir. Nicht irgendeinem Otto. Dir selbst. Deinem Wachstum. Deshalb: Bist du dir sicher, dass ein Leben ohne Lernen wirklich nicht so schlimm ist? Was gibt dir dein Job, wenn du nichts mehr lernst oder er dich nicht erfüllt, außer Sicherheit und ein Gehalt, das dir sowieso zu wenig erscheint? Wenn du Sonntagabend keine Lust auf die nächste Woche hast, dann zieh weiter. Wenn du am Morgen nicht aufstehen willst, dann zieh weiter. Wenn du nichts mehr lernst, dann zieh weiter. [Sei mutig und verändere dich](https://www.markusdotzler.de/mut-zur-veraenderung/). ## Dein Job ist mehr als ein Gehalt Der Mensch ist kein Werkzeug. Er nutzt Werkzeug. Also lass dich nicht zu einem machen. Und mach dich nicht selbst zu einem. Begreife deinen Job nicht nur als Einkommensquelle. Verstehe ihn als Chance für Wachstum. Priorisiere Lernen über Geld. Es bringt dir die größere Rendite. Lerne nicht nur eine einzige Fähigkeit. Sei kein Werkzeug, sondern ein Werkzeugkasten. Wenn dich dieser Gedanke getroffen hat, dann trag dich für meinen Newsletter ein. Dort teile ich regelmäßig Reflexionen über Wachstum und selbstbestimmte Lebensführung. [Anmelden ](#/portal/signup/free) ### Einfach anfangen: Murakamis Weg zum Bestseller-Autor. URL: https://www.markusdotzler.de/murakami-prinzip/ Last updated: 2026-07-10T09:50:59.000Z Wie wirst du erfolgreich? Haruki Murakamis simple Antwort: einfach anfangen. Das ist das Murakami-Prinzip und es ist das beste Argument, den ersten Schritt zu wagen und Perfektionismus zu besiegen. ## Haruki Murakamis Weg vom Jazz-Club zum Bestseller Der Musikliebhaber Haruki Murakami eröffnete nach seinem Theaterstudium einen Jazz Club in Tokio. Das war 1974. Freunde und Familie liehen ihm Geld, doch rieten von seiner Unternehmung ab. Er habe keine Ahnung von Geschäftsführung. Sie prophezeiten einen Flop. Doch Murakami betrieb den Club erfolgreich. Eine Pleite, so schreibt er, war für ihn einfach nicht vorstellbar. Also arbeitete er. Hart. Das zahlte sich aus. Doch was machst du mit einem gut laufenden Geschäft? Bleibst du dabei? 1978, mit 29 Jahren, kam Murakami die Idee, einen Roman zu schreiben. Eine Eingebung bei einem Baseballspiel. Vielleicht aber auch eine unbewusste Rückkehr zu seiner kreativen Ader aus dem Theaterstudium. Also kaufte er Füller, Tinte und Papier und begann zu schreiben. Er dachte nicht darüber nach, [was er selbst oder andere erwarteten](https://www.markusdotzler.de/zu-hohe-erwartungen-hobby/), sondern fängt einfach an. Ein halbes Jahr später hielt er das Manuskript seines ersten Buches in der Hand. Es hieß *Wenn der Wind singt*. Und was machst du mit einem fertigen Manuskript? Du schickst es an einen Verlag. Ohne dir eine verdammte Kopie vom Originaltext zu machen. Und danach? Nicht mehr dran denken. Weitermachen. Das klingt leichtsinnig. Vielleicht war Murakami aber auch weniger am Ergebnis und mehr am kreativen Prozess interessiert. Das Schreiben war ihm wichtiger als die Veröffentlichung. ## Murakami setzte alles auf eine Karte Als der Bücherverlag *Gunzo* ein weiteres halbes Jahr später anrief und mitteilte, dass das Buch in der engeren Auswahl stand, konnte sich Murakami nur noch vage an die Ausschreibung erinnern. Er war noch immer sehr mit seinem Jazz Club beschäftigt. In den frühen Morgenstunden nach Feierabend schrieb er bereits an seinem zweiten Buch, *Pinball 1973*. Für andere Sachen hatte er nicht viel Zeit. Also traf er einen Entschluss. Das Lokal lief gut, warf deutlich bessere Einnahmen ab als der Verdienst aus seinen beiden Büchern. Doch er wusste, dass er mit diesem Weg [unzufrieden](https://www.markusdotzler.de/unzufrieden-im-job-nicht-kuendigen/) geworden wäre. Also verkaufte er den Jazz Club, um Schriftsteller zu werden. Murakami wollte dem Schreiben eine ehrliche Chance geben. Vielleicht sogar etwas wie [berufliche Erfüllung](https://www.markusdotzler.de/berufliche-erfuellung-ist-kein-luxus/) finden. Deshalb setzte er alles auf eine Karte. Es war der Beginn seines [Pathless Path](https://www.markusdotzler.de/readings/pathless-path-paul-millerd-deutsch/). #### Quelle Murakami, H. (2010). **Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede* (U. Gräfe, Übers.; 8\. Auflage). btb. S. 29ff. Heute zählt Haruki Murakami zu den bekanntesten Schriftstellern der Welt. Was also ist die Moral seiner Geschichte? Steckt darin ein Erfolgsrezept? ## Steckt dahinter ein Erfolgsrezept? Menschen haben einen Hunger nach Narrativen. Geschichten helfen uns, die Welt zu erklären. In Zufällen hingegen können wir keine Muster erkennen. Deshalb suchen wir auch in Murakamis Geschichte nach einem Erfolgsrezept. Doch auf den ersten Blick scheint seine Karriere als Schriftsteller von Zufällen geprägt zu sein. Im Gegensatz zu Murakami erhielt der Autor Benedict Wells unzählige Absagen, bevor er beim Diogenes Verlag landete. Das ist in diesem Metier üblich. Murakamis sofortige Veröffentlichung wirkt dagegen eher wie ein Riss in der Matrix. So beeindruckend seine Geschichte ist, hätte sie auch anders verlaufen können. Das Leben ist manchmal unvorhersehbar. Es muss nicht linear verlaufen - Ausbildung, Arbeit, Heirat, Haus und Kinder, Rente. Manchmal ist kreuz und quer auch eine Richtung. Manchmal kann das [Loslassen sogar deine Rettung](https://www.markusdotzler.de/aufgeben-lernen/) sein. Wie Murakami kannst du Theaterwissenschaften studieren, dann ein Lokal eröffnen, nur um später Schriftsteller zu werden. Vorhersagbarkeit? Nicht vorhanden. An mancher Stelle hatte Murakami sogar nicht wegen, sondern trotz seines Verhaltens Erfolg. Keine Sicherungskopie seines ersten Buches? Inspirierend, aber nichts, was du nachmachen solltest. > Hüte dich also vor Schlussfolgerungen, die aus Zufällen eine Geschichte basteln. Trotzdem kann ich es mir nicht verkneifen: Bei genauerem Hinsehen schimmert etwas durch, das du dir für deinen Weg zunutze machen kannst. ## Einfach anfangen: Die Konstante in Murakamis Leben Es stimmt: Garantien gibt es nicht. Selbst *wenn* du dich anstrengst, bedeutet das nicht, *dass* du es schaffst. Aber: *Falls* du es schaffst, dann oft nur, *weil* du dich anstrengst. Murakamis Erfolg als Schriftsteller war Zufall - und er war es nicht. Aus einer Vielzahl an Manuskripten wird ausgerechnet sein Buch ausgewählt. Aber: Ohne sein Handeln kein Manuskript. Ohne Manuskript keine Chance auf Veröffentlichung. 💡 **Das Handeln öffnet dem Zufall die Tür.* Das ist das Murakami-Prinzip. ## Die Magie des ersten Schrittes Das weiß auch Benedict Wells, der sich zuerst durch einen Sturm an Absagen kämpfte: > *Man kann beim Schreiben alles überarbeiten - außer weiße Seiten.* #### Quelle Wells, B. (2024). **Die Geschichten in uns: Vom Schreiben und vom Leben*. Diogenes. S. 125. Soll heißen: Fang an. Der Erstentwurf muss nicht gut werden, sondern fertig. Das gilt auch für andere Hobbys. Deine erste Präsentation wird holprig. Deine erste getöpferte Schüssel wird krumm und schief. Deine erste Arbeitswoche? Chaos. Bei meinem ersten Fußballspiel schoss ich ein Eigentor. Die Reaktion meines Trainers verriet mir: Das erlebte er nicht zum ersten Mal. Du musst nicht perfekt anfangen, sondern einfach anfangen. Vor allem dann, wenn du glaubst, du seist [nicht gut genug](https://www.markusdotzler.de/nicht-gut-genug-prokrastination-erfahrung/), ist das Anfangen umso wichtiger. ## Anfangen, lernen, besser werden Die Einstellung, dass das Anfangen der wichtigste Schritt ist, verbindet Haruki Murakami und Benedict Wells. Sie haben gehandelt. Sie präsentierten sich. Sie arbeiteten an sich. Sie wurden besser. Murakami bezeichnet sich - vielleicht übermäßig bescheiden - weniger als intelligent. Er sieht sich als Arbeitstier, nicht als Rennpferd. Sein Fleiß und seine Beharrlichkeit sind sein Markenzeichen. Also arbeitet er Schritt für Schritt an dem, was er sich vornimmt - egal, ob Jazz Club oder Buch. Als ihm die Idee kommt, einen Roman zu schreiben, legt er einfach los. Nur wer beginnt, kann besser werden. Gerade wenn es darum geht, etwas Neues zu wagen, ist anfangen besser als zögern. Dein [Wachstum hasst Prokrastination](https://www.markusdotzler.de/prokrastination-ueberwinden/). Nur so entwickelt sich eine Gewohnheit und du erfährst Selbstwirksamkeit. Du verstehst, dass du etwas in der Welt verändern kannst. Selbstwirksamkeit stärkt unseren [Mut zur Veränderung](https://www.markusdotzler.de/mut-zur-veraenderung/). Also probier etwas. Mach Fehler. Dann probier es erneut und scheitere besser. Experimentiere und wachse daran. > Sometimes it’s better to do a thing than live with the fear of it. > \- Joe Abercrombie, Red Country ## Kein Start ist perfekt – das ist der Punkt Als ich die Arbeit an meinen Blogartikeln begann, erstellte ich direkt eine Homepage auf WordPress und begann, die Beiträge zu veröffentlichen. Die Seite ist bis heute nicht gut. Gerade am Anfang beging ich so viele Fehler, dass ich manchmal gerne die Zeit zurückdrehen und meine Homepage komplett neu aufsetzen möchte. Auch heute mache ich noch viele Fehler. Meine [Migration von Wordpress zu Ghost](https://www.markusdotzler.de/monthly-fuck-up-1/) ging total daneben. Ich beschäftigte mich außerdem [viel zu spät mit SEO](https://www.markusdotzler.de/blog-nicht-bei-google-gefunden/). Fehler enden nie. Doch das sollte uns nicht daran hindern, zu handeln. Durch die Veröffentlichung meiner Homepage entstand Verbindlichkeit. Hätte ich nicht angefangen, hätte ich die Gelegenheit, überhaupt etwas falsch machen und daran wachsen zu können, nie in mein Leben eingeladen. Genau dasselbe erlebe ich momentan mit [meinem Youtube-Kanal](https://www.youtube.com/@markusdotzler?ref=markusdotzler.de). Es fühlt sich seltsam an, in eine Kamera zu sprechen. Ständig verliere ich meinen Gedanken oder verspreche ich mich. Mit dem Ergebnis bin ich selten zu frieden. Das Wissen, dass das normal ist, macht es mir nicht angenehmer. Doch es hilft mir, den Prozess zu akzeptieren. Denk dran: Wenn du etwas beginnst, muss es nicht gut werden, sondern fertig. Perfektionismus stellt dir an der Startlinie das Bein. Besser kannst du später werden. Für mich bedeutet Scheitern nicht, Fehler zu machen. Für mich ist Scheitern, sich nicht in eine Lage zu bringen, in der man überhaupt erst scheitern kann. 💡 Wenn du dir nicht erlaubst zu scheitern, bist du schon gescheitert. Kompetenz entsteht durch sichtbare Erfolge. Wenn du irgendwann die Selbstsicherheit besitzt, die aus der Überwindung von Herausforderungen und Fehlern entsteht, sei stolz auf dich. Also: Warum glaube ich, ist Haruki Murakami bis heute erfolgreich? Weil er angefangen hat. So einfach. Und doch so schwer. ***Und wann fängst du an?*** Einfach anfangen ist der erste Schritt in ein Leben, das zu dir passt. In meinem Newsletter bekommst du Artikel, Denkanstöße und konkrete Impulse, die dir dabei helfen. Kostenlos. Kein Rauschen. Kein Spam. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ### Generationenkonflikt: Was wir von Mick Jagger lernen – Kurzimpuls #4 URL: https://www.markusdotzler.de/generationenkonflikt/ Last updated: 2026-05-08T11:23:00.000Z Mit 32 Jahren brüstete sich Mick Jagger von den *Rolling Stones*, er wolle lieber tot umfallen, als mit 45 noch *Satisfaction* zu singen. ## Mick Jagger – Der Fluch der Vergangenheit Heute ist Mick Jagger 81 Jahre alt. *Satisfaction* singt er immer noch. Sollten wir ihn deshalb verurteilen? Mick Jagger wusste mit 32 einfach nicht, wie es ist, 45 zu sein und erst recht nicht 81\. Doch sein Wandel zeigt, wie sich Perspektiven mit dem Alter verändern. Auch ich bemerke diese Veränderung. Ich bin heute 30 Jahre alt. Wenn ich manchmal höre, was meine 10-15 Jahre jüngeren Auszubildenden von sich geben (Generation Z und jünger), schüttele ich mit dem Kopf. Doch das Problem liegt nicht bei ihnen. Es liegt bei mir. Mit 30 Jahren vergesse ich bereits, was ich in meiner Jugend alles von mir gab. Wie konfus diese Zeit ist, in der man sich selbst, einen Platz in der Gesellschaft und einen Weg in die Zukunft finden soll. Die Jugend kann das Alter nicht verstehen, nur erahnen. Sind wir doch mal ehrlich: Selbst alte Menschen haben oft Probleme, ihr Alter zu begreifen oder es sich überhaupt einzugestehen. ## Dumbledore über den Generationenkonflikt Diese schmerzliche Erkenntnis muss auch Albus Dumbledore in *Harry Potter und der Orden des Phönix* machen, als er am Ende des Buches seine Fehler im Umgang mit Harry im fünften Schuljahr einräumt. Er sagt: > Die Jugend kann nicht wissen, wie das Alter denkt und fühlt. Aber alte Menschen machen sich schuldig, wenn sie vergessen, was es hieß, jung zu sein. #### Quelle Rowling, J. K. (2018). **Harry Potter und der Orden des Phönix* (K. Fritz, Übers.). Carlsen. S. 989. Junge Menschen haben das Alter noch nicht erlebt. Ältere Menschen hingegen vergessen, dass sie nicht immer waren, wer sie heute sind. Das ist der Generationenkonflikt. Wenn ich heute diese Lücke bei mir selbst feststelle – egal, ob es Ansichten, Wortwahl oder Verhalten sind –, erahne ich allmählich die [Falle, in die Dumbledore getreten](https://www.markusdotzler.de/alter-und-jugend/) ist. ## Wenn Erfahrung das Verstehen blockiert Es ist der Fluch des Wissens. Wenn wir einmal etwas verstehen, vergessen wir, wie es war, nicht zu verstehen. Wir unterschätzen, wie lange es dauert, etwas zu lernen, das wir selbst schon können. In Bezug auf den Generationenkonflikt ist es eher der Fluch der Erfahrung. Menschen, die an einem gewissen Punkt angelangt sind, verlieren das Gefühl dafür, wie lange es dauert, um dorthin zu kommen. Und wie unsicher sich dieser Weg anfühlt. Deshalb verlieren wir manchmal die Geduld, vielleicht sogar die Empathie, wenn jemand etwas nicht versteht oder schafft. Wir vergessen, wie es ist, etwas zum ersten Mal zu machen. Wir vergessen, wie es ist, jung zu sein. Wir vergessen die Unsicherheit, das Experimentieren, manchmal auch den Segen dieser Naivität, wenn wir mit dem Kopf durch die Wand rennen und es für die beste Vorgehensweise halten. Wenn wir Fehler machen, weil wir es besser wissen als die Alten. Vielleicht ist dieses Vergessen ein Schutzmechanismus vor den eigenen Unsicherheiten der persönlichen Vergangenheit. Sich nicht eingestehen zu müssen, wer man war. Vielleicht überschattet auch die Dringlichkeit der Gegenwart unsere Erinnerungen. Das Jetzt scheint so bedeutsam, dass wir uns die Zeit nicht nehmen, die Welt aus jüngeren Augen zu betrachten. Anders ausgedrückt: Ich weiß es nicht. Doch manchmal scheint es mir, dass durch das Erwachsenwerden etwas von der eigenen Jugend verloren geht, an das sich das Alter nicht mehr erinnern kann, selbst wenn es sich darum bemüht. Je größer diese Lücke wird, desto mehr beeinträchtigt sie unser Sichtfeld. Irgendwann sehen wir nur noch Generationsunterschiede. Was mir aber klar wird: Sowohl junge als auch alte Menschen kämpfen mit ihrem eigenen Menschsein. Die Naivität der Jugend kann das Alter nur erahnen. Die Voreingenommenheit des Alters vergisst, wie es ist, jung zu sein. Obwohl wir Menschen uns manchmal nicht einmal selbst verstehen, schimpfen wir über andere. Oder schütteln wie ich mit dem Kopf über meine Azubis. Ist das nicht schade? ## Fragen für einen Perspektivwechsel In Zukunft werde ich mir häufiger die Frage stellen: Wie war ich damals eigentlich? Vielleicht erübrigt sich das Kopfschütteln dadurch. Vielleicht sehe ich dann besser, welche frischen Perspektiven junge Menschen mit sich bringen. Der Mensch hat einen erstaunlich langen Atem. Mick Jagger ist dafür der beste Beweis. Doch unser Atem, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, ist manchmal leider deutlich kürzer. Eingefahrene Denkmuster können wir auch im Alter durchbrechen. Wir müssen nur den [Mut dazu aufbringen](https://www.markusdotzler.de/mut-zur-veraenderung/). Zum Schluss eine schwierige, aber ernst gemeinte Frage: Kennst du dieses Gefühl, Menschen nicht zu verstehen, die älter oder jünger sind als du? Und was hättest du in deinem Leben anders gemacht, wenn du als junger Mensch mehr Erfahrung gehabt hättest? Schreib es mir gerne in die Kommentare. Oder denk einfach darüber nach. ****Denkst du gerne über solche Themen nach?** Ich schreibe regelmäßig über Psychologie, Philosophie und persönliche Entwicklung. Direkt in dein Postfach. [Jetzt kostenlos abonnieren ](#/portal/signup/free) ### Multitasking Illusion: Erreiche mehr mit weniger. URL: https://www.markusdotzler.de/multitasking-illusion/ Last updated: 2026-10-04T11:22:19.000Z Stell dir vor, jemand bricht bei dir ein, während du zu Hause bist. Wie reagierst du? Bittest du ihn herein? Bietest du ihm Kaffee und Kuchen an? Im digitalen Alltag tun wir genau das: Benachrichtigungen, E-Mails und zahllose Ablenkungen treten ein, wann immer sie wollen. Da wir aber anderes zu tun haben, gewöhnen wir uns an, diese Ablenkungen nebenbei zu bearbeiten. Wir multitasken wie Profis und denken, das ist normal. Aber was, wenn diese Gastfreundschaft gegenüber digitalen Ablenkungen uns schadet? In diesem Artikel geht es um die Multitasking Illusion und wie du die Tür für unerwünschte Aufmerksamkeitsdiebe schließen kannst. ## Das Problem mit Informationsüberflutung Die digitale Welt gleicht einem Informationsbankett. Im Netz kursieren mehr Informationen, als wir konsumieren können. Nie war die Medienlandschaft so vielfältig. Dieses digitale Schlaraffenland kann eine Quelle der Inspiration sein. Doch es hat auch eine Kehrseite – [Informationsüberflutung.](https://de.wikipedia.org/wiki/Informations%C3%BCberflutung?ref=markusdotzler.de) Wir beschallen uns an einem Tag mit mehr Informationen, als unsere Vorfahren in einem Leben verarbeiteten. Vor [Information Overload können wir uns schützen](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/) – vorausgesetzt wir wissen, wie. Darüber reden jedoch immer noch zu wenige Menschen. Deshalb konsumieren wir fleißig weiter. Der spanische Medienwissenschaftler Ignacio Ramonet berechnete, dass wir innerhalb der 50 Jahre seit Mitte des 20\. Jahrhunderts mehr Informationen produzierten, als während der gesamten letzten 5000 Jahre. #### Quelle Eriksen, T. H. (2001). **Tyranny of the moment: Fast and slow time in the information age*. S. 71. Dieses Meer an Möglichkeiten führt zu einem Ozean verpasster Chancen. Junge Menschen kennen dafür einen passenden Begriff: FOMO, die [*Fear Of Missing Out*,](https://de.wikipedia.org/wiki/Fear%5Fof%5Fmissing%5Fout?ref=markusdotzler.de) bezeichnet die Angst, etwas zu verpassen. Wir können das digitale Überangebot nicht realisieren und das bereitet uns Kummer. Digitales FOMO ist ein Problem. Die Angst, etwas zu verpassen, blutet in die Realität über. Wir hören auf, den echten Moment zu genießen. Laut einer Studie aus dem Jahr 2015 zeigen viele Smartphone-Nutzer eindeutiges Suchtverhalten. Dies äußert sich in Unbehagen und gedanklicher Fixierung auf das Endgerät, wenn es nicht verfügbar ist. #### Quelle Bian, M., & Leung, L. (2015). Linking Loneliness, Shyness, Smartphone Addiction Symptoms, and Patterns of Smartphone Use to Social Capital. **Social Science Computer Review*, **33*(1), 61–79\. [https://doi.org/10.1177/0894439314528779](https://doi.org/10.1177/0894439314528779?ref=markusdotzler.de) Vielleicht gehörst du zu der Gruppe, die ihren digitalen Konsum im Griff hat. Vielleicht tut dir aber auch ein Realitätscheck gut. Guck doch mal auf deine Bildschirmzeit am Handy. Merkst du überhaupt, wie oft du zum Smartphone greifst? ## Meine persönliche digitale Story Wie leicht man in diesen Strudel aus Ablenkung gerät, weiß ich. Auch ich muss mich wie alle anderen in dieser digitalen Welt zurechtfinden. Schon in meiner Jugend verbrachte ich unzählige Stunden in World Of Warcraft. Selbst mit 30 Jahren fällt es mir schwer, diesen Reizen zu widerstehen. Youtube ist bis heute mein *guilty pleasure* \- ein Mitbringsel aus meiner Jugend. Lange redete ich mir ein, dass Youtube meine Neugier befriedigte. Dabei war es pure Betäubung. Auch vom Handyzwang bin ich nicht frei. Als ich dieses Jahr anfing Aktienkurse zu verfolgen, veränderte sich mein Nutzungsverhalten. Jedes Hoch an der Börse ein Jubelruf. Jedes Tief eine bittere Ernüchterung. Ich kam mir vor wie ein Glücksspielsüchtiger. Mittlerweile hab ich das wieder im Griff. Doch es hat mir vor Augen geführt, wie schnell man in solche ungesunden Verhaltensweisen zurückfallen kann. Diese Einbrecher sind schlau. Sie treten dir nicht die Tür ein. Sie schleichen sich herein. Du bemerkst sie nicht. Was mir aber vor allem auffällt, ist, dass ich früher selten nur eine, sondern gerne auch mal zwei Sachen gleichzeitig machte. Während ich Youtube guckte, scrollte ich am Handy oder shoppte in einem separaten Tab auf Amazon. Ein Reiz war selten genug. Dieses ständige Wechseln zwischen verschiedenen Aktivitäten ist ein klassisches Beispiel für Multitasking – ein Mechanismus, der oft unbewusst abläuft. Aber wie funktioniert Multitasking und warum ist es problematisch? ## Der multitaskende Autopilot Wenn die To-dos überhandnehmen, versuchen Menschen möglichst viele Dinge gleichzeitig zu erledigen. Das ergibt erst mal Sinn: Je mehr du gleichzeitig machst, desto mehr kannst du erledigen… oder? Multitasking bezeichnet die Ausführung von mindestens zwei Tätigkeiten innerhalb derselben Zeiteinheit - wie ein Computer, der mehrere Prozesse gleichzeitig ausführt. Studien weisen darauf hin, dass vor allem digitale Medien Multitasking fördern: Aktivitäten, die vorher physisch oder zeitlich getrennt voneinander stattgefunden haben, fallen digital zusammen. #### Quelle Chesley, N. (2014). Information and communication technology use, work intensification and employee strain and distress. **Work, Employment and Society*, **28*(4), 589–610\. [https://doi.org/10.1177/0950017013500112](https://doi.org/10.1177/0950017013500112?ref=markusdotzler.de) In einem Meeting in Präsenz E-Mails zu bearbeiten, ist unhöflich. Findet das Meeting hingegen online statt, ist es gängige Praxis. Computer und Smartphones vereinen viele Technologien in einem Gerät. Das birgt jedoch auch Herausforderungen. Ihre Leistungsfähigkeit erlaubt es, eine Vielzahl an Anwendungen gleichzeitig auszuüben. Und das tun wir dann auch. Ohne darüber nachzudenken. Die Möglichkeit heiligt die Mittel. Warum ist das so verführerisch? Jede neue Benachrichtigung, jeder Wechsel löst einen kleinen Dopamin-Kick im Gehirn aus, der uns dazu verleitet, dieses Verhalten zu wiederholen. So wird Multitasking zu einem festen Bestandteil unserer Arbeitsweise. Doch tut uns das gut? ## Der Mensch als geborener Multitasker? Dass Menschen gute Multitasker sind, steht im heutigen Diskurs unter scharfer Kritik. Wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, dass das Gehirn ständig zwischen den Aufgaben umschaltet, statt sie gleichzeitig auszuführen. #### Quelle Bannister, F., & Remenyi, D. (2009). **Multitasking: The Uncertain Impact of Technology on Knowledge Workers and Managers*. S. 2ff. Dieser Wechsel verbraucht kognitive Kapazitäten wie Aufmerksamkeit. Das führt langfristig zu mentaler Erschöpfung. Die durch Multitasking entstehende Belastung hat sogar einen Namen: *task switch costs*, also Kosten des Aufgabenwechsels. Stell dir vor, du liest gerade ein anspruchsvolles Buch. Plötzlich setzt sich jemand neben dich und verblättert dir ständig die Seiten. Immer wieder musst du Zeit und Mühe investieren, um den letzten Absatz wiederzufinden. Nach einer halben Stunde klappst du frustriert das Buch zu. Das sind die *task switch costs*. Genau so fühlt es sich für dein Gehirn an, wenn du ständig zwischen verschiedenen Aufgaben hin und her wechselst. Und das machen wir in der digitalen Welt den ganzen Tag. Das Problem: Der ständige Wechsel ist von außen nicht zu erkennen. Was wir nicht sehen, bleibt oft unbemerkt. So entsteht der Eindruck, dass wir mehrere Dinge gleichzeitig tun, doch in Wirklichkeit wechseln wir im Eiltempo zwischen verschiedenen Tätigkeiten hin und her. ## Multitasking: Oft nur die halbe Wahrheit Multitasking ist ein gutes Beispiel für das Wort des Jahres 2006 in den USA. *Truthiness* beschreibt eine subjektive Wahrheit, die einem Bauchgefühl und nicht den Fakten entspricht. #### Quelle Keller, G., & Papasan, J. (2019). **The one thing: Die überraschend einfache Wahrheit über aussergewöhnlichen Erfolg* (5\. Auflage). Redline Verlag. S. 36f. Wir glauben an unsere Fähigkeit, uns auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren zu können. Dieser Glaube ist falsch: Multitasking ist keine effektive Methode, um mehr zu erledigen. Es ist eine effektive Methode, um weniger zu erledigen. Genau das ist die Multitasking Illusion. Da wir die negativen Effekte des Multitaskings nicht sehen können, überschätzen wir unsere Fähigkeit dazu. Das ist ein klassischer Fall des [Dunning-Kruger-Effekt](https://www.markusdotzler.de/dunning-kruger-effekt/): Wenn du denkst, du wärst produktiv, wie sollst du dann begreifen, dass du in Wirklichkeit unproduktiv bist? ## Multitasking vs. Multifokussierung Berechtigterweise wenden Kritiker bei der Diskussion bzgl. Multitasking ein, dass Menschen durchaus in der Lage sind, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Wir können z.B. Kochen und dabei einem Podcast zu folgen. Wichtig ist daher eine Unterscheidung zwischen Multitasking und Multifokussierung. Mehrere Dinge gleichzeitig zu tun ist möglich, solange nicht beide Tätigkeiten aktive Aufmerksamkeit erfordern. Eine der beiden Aktivitäten muss auf Autopilot laufen. #### Quelle Bannister, F., & Remenyi, D. (2009). S. 3. Du kannst Kochen und Podcast hören. Wenn das Nudelwasser aber überkocht, kriegst du vom Podcast nichts mehr mit. > Nicht das Multitasking selbst ist der Feind \[…\], sondern die Tatsache, dass wir vorgeben, uns auf mehrere Sachen gleichzeitig konzentrieren zu können. > – Greg McKeown #### Quelle McKeown, G. (2021). **Essentialismus: Die konsequente Suche nach Weniger: ein neuer Minimalismus erobert die Welt*(5., erweiterte deutsche Auflage). Unimedica. S. 251. Das ist eine wichtige Unterscheidung. Multifokussierung führt zu *task switch costs*. Und die kommen uns teuer zu stehen. ## Die Nachteile der Multifokussierung #### Quelle aller Nachteile Hari, J. (2021). **Stolen focus* (First edition). Crown. S. 46ff. ****#1 – Geringeres Arbeitstempo:** Die vielen Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben kosten Zeit, denn das Gehirn muss jedes Mal seinen Fokus neu ausrichten. ****#2 – Höhere Fehleranfälligkeit:** Durch den anspruchsvollen Wechsel gehen auf dem Weg Informationen verloren. So schleichen sich leichter Fehler ein, von kleineren Tippfehlern bis hin zu vergessenen Angaben. ****#3 – Eingeschränkte Kreativität:** Das Gehirn benötigt ablenkungsfreie Zeit, um Informationen zu festigen und Zusammenhänge herzustellen. Kreativität entsteht in den Lücken - und Lücken sind rar, wenn du dauernd beschäftigt bist. ****#4 – Schwächeres Gedächtnis:** Der Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben verbraucht mentale Kapazitäten, die für die Bildung von Erinnerungen notwendig sind. **Worum ging es in diesem Meeting noch mal?* #### Quelle Hari, J. (2021). **Stolen focus* (First edition). Crown. S. 46ff. ****#5 – Verminderte Aufmerksamkeit:** Häufiges Multitasking kann die langfristige Konzentrationsfähigkeit schwächen. Du gewöhnst dein Gehirn an die Suche nach dem nächsten Dopamin-Kick (ein Effekt, der einem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom ähneln kann) #### Quelle Naish, J. (2010). **Genug: Wie Sie der Welt des Überflusses entkommen* (Vollst. Taschenbuchausg., 1\. Aufl). Bastei Lübbe Taschenbuch. S. 270. ****#6 – Veränderung des Gehirns:** Je häufiger jemand verschiedene Medien gleichzeitig konsumiert, desto weniger Hirnzellen finden sich im anterioren cingulären Cortex. Dieser Teil des Gehirns ist für Aufmerksamkeit und Impulskontrolle zuständig. #### Quelle Dobelli, R. (2020). **Die Kunst des digitalen Lebens: Wie Sie auf News verzichten und die Informationsflut meistern*(Ungekürzte Taschenbuchausgabe). Piper. S. 115. Wenn du also deine Zeit damit verbringst viel zwischen Aufgaben zu wechseln, dann deutet die Forschung darauf hin, dass du langsamer wirst, mehr Fehler machst, weniger kreativ bist und dir weniger merkst. Zusätzlich gewöhnst du dein Gehirn an Konzentrationsmangel. > Multitasking ist nichts anderes als die Gelegenheit, mehrere Dinge gleichzeitig zu vermasseln. > – Steve Uzzell #### Quelle Keller, G., & Papasan, J. (2019). S. 50. ## Zwischenfazit: Menschen sind Monotasker Menschen sind keine guten Multitasker bzw. Multifokussierer. Doch was ist die bessere Alternative? Solltest du nun dein Smartphone wegwerfen, den Stecker rausreißen und in den Wald ziehen? Nein. Keine Sorge. Ich denke, das Hauptproblem ist nicht die Technologie, sondern unser Fokus auf sie. Unsere Autopilot-Lösung funktioniert nicht. Also: Wie können wir es besser machen? ### Die EINE Sache, von der du mehr brauchst. Die Ansprüche an unsere Zeit treiben unseren Autopiloten dazu, sich auf möglichst viele Dinge gleichzeitig zu fokussieren. Doch das funktioniert nicht. Die EINE Sache, von der wir alle profitieren, ist: [**Fokus**](https://www.markusdotzler.de/warum-fokus-wichtig-ist/). Henry David Thoreau sagte einst: > Einfachheit, Einfachheit, Einfachheit! Ich sage, kümmere dich um zwei oder drei Angelegenheiten, nicht um hundert oder tausend. #### Quelle Thoreau, H. D. (2021). **Walden oder vom Leben in den Wäldern* (W. Nobbe & R. Roßbach, Übers.). Kampa. S. 120. Thoreau erkannte bereits vor fast 200 Jahren in den Menschen ein enormes Bedürfnis, möglichst viel auf einmal zu erledigen. Thoreau wusste: 💡 Die Lösung für die Ansprüche an unsere Zeit liegt im Kern in einer einfachen Sache: Fokus auf das Wesentliche. Dabei geht es nicht darum, dir im Leben nur noch eine Sache zu erlauben. Auch Thoreau spricht von mehreren Dingen (*zwei oder drei*). Familie, Job, Hobbys, da kommt schnell einiges zusammen. Der springende Punkt ist, den Dingen in deinem Leben deine volle Aufmerksamkeit zu schenken, wenn du dich um sie kümmerst: - Wenn ich beruflich zu einer unserer Werkstätten fahre, dann versuche ich, an diesem Tag voll und ganz für die Probleme vor Ort da zu sein. Meinem Posteingang gefällt das nicht. Meinen Kollegen schon. - Wenn ich mich mit Familie treffe, dann habe ich mein Smartphone manchmal gar nicht erst dabei oder nutze es nicht. Für wichtige Menschen bleibe ich präsent. - Wenn ich an diesen Artikeln schreibe, dann ist mein E-Mail-Programm geschlossen und alle Benachrichtigungen sind deaktiviert. Mein Handy liegt außer Sichtweite. Auf meiner Reise durch die digitale Welt habe ich festgestellt, dass derartige kleine Kniffe bereits einen großen Unterschied machen. Was ich allerdings auch bemerkte, ist, dass meine Ablenkung unter anderem das Resultat einer fehlenden Vision war. Wenn du nicht weißt, wo du hinwillst, scheint jeder Pfad der Richtige zu sein. Dann bist du anfällig für Ablenkungen, die dich vom Weg abbringen. Aus meiner Sicht braucht es also beides: Bessere Verhaltensweisen und eine übergeordnete Vision. Während eine Vision dir langfristig Orientierung schenkt und somit Ablenkungen vorbeugt – ein Thema für einen anderen Artikel –, möchte ich dir heute bereits konkrete Strategien zeigen, mit denen du im Alltag deinen Fokus stärken kannst. ## 3 Strategien für mehr Fokus ### 1\. Eine Sache nach der anderen Du darfst dich auf mehrere Dinge in deinem Leben konzentrieren. Die Ausführung ist das Entscheidende. Tu eins nach dem anderen. Widme einer Sache deine volle Aufmerksamkeit. Multitasking ist nicht die Lösung für deine Probleme. Es könnte sie sogar verstärken. Ich bin anfällig für Ablenkung. Ich lasse mich leicht für neue Reize begeistern. Als ich Hörbücher und Podcasts entdeckte, hatte ich immer etwas auf den Ohren. Ich war überzeugt, dass ich auf diese Weise noch mehr Wissen in meinen Tag quetschen kann. Aber wie viel ist davon hängengeblieben? Mein Tipp ist, dir regelmäßig am Tag folgende Frage zu stellen: Konzentriere ich mich gerade nur auf EINE Sache? Wenn du dann feststellst, dass das nicht der Fall ist, frage dich: Welche EINE Sache ist gerade wirklich wichtig? Dabei kann dir das [Pareto-Prinzip helfen](https://www.markusdotzler.de/pareto-prinzip/) (mehr dazu im Link). Klar, das funktioniert nicht immer. Wenn du gerade mit deinem Partner telefonierst, aber dein Kind im Auge behalten musst, wird Monotasking zur Herausforderung. Aber vielleicht gelingt es dir, die ein oder andere Ablenkung in deinem Leben zu eliminieren. Musst du wirklich auf Insta scrollen, während du dir am Abend deine Serie ansiehst? Wozu machst du den Fernseher überhaupt an, wenn Social Media gerade wichtiger ist? Ich hatte lange Zeit das Gefühl, konstant Beschallung zu brauchen. Musik beim Joggen, Hörbücher im Fitnessstudio, Meditationsmusik beim Lesen und Schreiben. In Terminen E-Mails bearbeiten und auf Chats reagieren, in der Mittagspause Youtube gucken. Am Ende des Tages fühlte ich mich ausgelaugt. Nach einiger Zeit bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass dieses Verhalten nicht nötig ist. Nein, dass es mir nicht gut tut. Wenn ich nebenbei E-Mails oder Chats beantworte, höre ich dem Meeting nicht mehr zu. Das erzeugt Stress. *Jetzt habe ich schon wieder den Anschluss verloren*. Beim Joggen kann ich die Ruhe mittlerweile genießen. Keine Podcasts, keine Musik. Ich konzentriere mich nur auf meine Umgebung. Das klingt langweilig. Ist es auch oft. Aber dadurch wird mein Kopf frei und ich werde wieder aufnahmefähig. Manchmal komme ich sogar auf richtig gute Ideen. Wie Haruki Murakami mal über das Laufen schrieb: > Ganz gleich, wie banal und alltäglich eine Tätigkeit sein mag, wenn man sie nur lange genug ausübt, bekommt sie etwas Meditatives oder Kontemplatives. #### Quelle Murakami, H. (2010). **Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede* (U. Gräfe, Übers.; 8\. Auflage). btb. S. 7. Der Fokus auf eine Sache öffnet dir die Tür zu tieferer Konzentration, Kontemplation, Flow-Effekten, hochwertigeren Ergebnissen und letztlich mehr Zufriedenheit. Denn: > *Wenn du Großes leisten willst, brauchst du Zeit zum Nachdenken. (…) Du musst dich von jeder Form externer Information fernhalten, die die wichtige Arbeit deines Unterbewusstseins unterbrechen könnte. Da viele Menschen immer beschäftigt sind, verstehen sie diesen Luxus nicht.* – Dan Koe 💡 ****Zwei Bücherempfehlungen für mehr Fokus im Job:** ****#1:** [Konzentriert Arbeiten (Deep Work)](https://www.amazon.de/Konzentriert-arbeiten-Regeln-voller-Ablenkungen/dp/3868816577/ref=sr%5F1%5F1?%5F%5Fmk%5Fde%5FDE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=31AGA2IY1X58H&dib=eyJ2IjoiMSJ9.o7m31rB7vwhrt363bq3d1DEM97tDsoImfGlMVjIML1h6Pil5o8LkoLXLoxDdwsEqzVHi0dMyBSrJHA2-Kult8bniGQI5DFeU%5F1XoS8Ec1oxXA-AcmVNtrxfAvK5NHL-UI6zpGj8jhRLS1TDtCgv%5FWdrC0YGaZ1CPguY6341WzTwt66w1nelSP6UZDt0rTJxd6fD4qDLnDLzN8XCnMbGpLQdqghefrj4VtUa297h%5F0YQ.1vpr-GWcvJcwdZeLK93MLGrbHFAjRySEyFdRbFMBbqk&dib%5Ftag=se&keywords=konzentriert+arbeiten&qid=1775806655&s=books&sprefix=konzentriert+arbeiten%2Cstripbooks%2C130&sr=1-1&ref=markusdotzler.de) von Cal Newport \-> der Klassiker ****#2:** [Slow Productivity](https://www.amazon.de/Slow-Productivity-Effizienz-%C3%9Cberlastung-vergessene/dp/3868819533/ref=tmm%5Fhrd%5Fswatch%5F0?ref=markusdotzler.de) von Cal Newport \-> baut auf dem Klassiker auf ### 2\. Cold Turkey: Verzicht Mir fällt Impulskontrolle schwer. Das liegt an meiner Persönlichkeit, aber auch an den [Konzernen, die unsere Willenskraft beeinflussen](https://www.markusdotzler.de/warum-willenskraft-scheitert/). Ich brauche daher oft radikale Lösungen. Hier kommt Verzicht ins Spiel. Manchmal tut es mir gut, einfach alles auszuschalten, wegzulegen oder sogar zu verbieten. Keine Optionen, keine schlechten Entscheidungen. Klar, das funktioniert nicht für jedermann. Wenn du dein Verhalten besser kontrollieren kannst als ich, reichen dir vielleicht gewisse Einschränkungen. Nimm dir z.B. vor, in der nächsten Onlinebesprechung anwesend zu bleiben und nicht in deine E-Mails zu gucken. Stell dafür alle Benachrichtigungen und Pop-ups aus. Mir persönlich hilft es auch, die Kamera anzulassen. Dann fühle ich mich beobachtet. Anderes Beispiel: Wenn ich auf ein Konzert gehe, filme ich nicht mit. Ich zahle für diese Eindrücke viel Geld. Die Künstler bemühen sich, mir eine gute Show zu liefern. Videos finde ich zu jedem Konzert auf Youtube, wenn ich es will. Diese Einschränkung hilft mir, anwesend zu bleiben. Vielleicht hilft es dir, medienfreie Zeiten einzuführen. Welche Zeit reservierst du dir täglich für produktives Arbeiten? In dieser Zeit schließt du Messenger, E-Mail-Programm und machst dein Handy auf lautlos. Vielleicht hilft es dir, bewusst [analoge Tools beim Arbeiten](https://www.markusdotzler.de/analoge-planung/) zu nutzen. Mich begleiten ein Papierkalender und ein Notizbuch fast überall hin. Wie ich das mache, erfährst du im Link. Das Gleiche funktioniert auch privat. Ab 20:00 Uhr gibt es bei mir zu Hause z.B. keine Bildschirme mehr (*Filmabende ausgeschlossen*). Das hilft mir auch beim Schlafen. Probier es direkt aus: Schalte für die nächste Stunde *alle* Benachrichtigungen an deinem Handy und Computer aus - am besten machst du dir den Flugmodus zur Gewohnheit. Diese eine kleine Änderung kann viel bewirken. Und dann sag mir: Wie fühlt sich das an? Wenn du so wie ich bist, brauchst du vielleicht für eine kurze Zeit noch radikalere Methoden. Am Anfang des Jahres habe ich mir einen Monat Youtube verboten. Meine Freundin hat die Seite auf meinem Laptop gesperrt. Nur sie besaß das Passwort. So eine digitale Detox kann hilfreich sein ([auch wenn sie für Anfänger nur bedingt funktioniert](https://www.markusdotzler.de/digital-detox-was-funktioniert-tipp/)). Er versetzt dein Gehirn wieder in den Normalzustand. Vertrau deinem Kopf, dass er dich mit Sinn versorgt, statt dich nur auf die Technologie zu verlassen. Gib deinen Gedanken Raum, um auf offene See zu fahren. Wenn du das nächste Mal auf deinem Sofa sitzt und nicht weißt, was du tun sollst, dann tu einfach: Nichts. Revolutionärer Gedanke, oder? Töte nicht das erste Anzeichen von Langeweile mit deinem Smartphone. Halte das Gefühl aus. Das ist eine gute Übung. Du wirst überrascht sein: Wenn du dein Gehirn in Ruhe lässt, belohnt es dich manchmal mit ein paar richtig guten Ideen. Oder du kriegst spontan Lust, dein altes Hobby wieder aufzunehmen. Wer weiß, vielleicht bemerkst du schon bald, wie schön es ist, in diesem Hier und Jetzt. Durch ein bisschen Verzicht könnte sich sogar so etwas wie JOMO einstellen - die *Joy Of Missing Out*. ### 3\. Bessere Verhaltensweisen etablieren Da wir uns oft im Autopilot befinden, wenn wir Medien nutzen, ergibt es Sinn, das eigene Verhalten aktiv zu hinterfragen. Wir wollen aus diesem Autopilot ausbrechen. Genau das empfiehlt Cal Newport in seinem Buch [*Digitaler Minimalismus*](https://www.amazon.de/Digitaler-Minimalismus-Besser-weniger-Technologie/dp/3868817255/ref=sr%5F1%5F1?%5F%5Fmk%5Fde%5FDE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=CISA2ZICAWX9&dib=eyJ2IjoiMSJ9.qquyisXZPnv13gBxEyxEJelRZQ9lzZkuh0Pj%5FSgXNKC2M1Pq5EQfjrDHajGZ1-WLtHXc%5F2ba7Hv0ptm7RqI2Xroyu%5FIC6ALZpsrqgWGf%5FLkxxWf5bPBmAbukmx5ehN5L6oMQ-03Z34AiVfAH0dNdRj-XOtKiv393X2SdR%5FVgcR22xKwrfpgLYaAE6mCJrELyi2rxg4QUr%5F66XnbuCnLku3OXPNYV0kklTgRE4w9nl0Y.76AS9pjNmFK0JLTESrGMNhg90lClrCdkMx99-YcyX3c&dib%5Ftag=se&keywords=digitaler+minimalismus%2B&qid=1775806893&s=books&sprefix=digitaler+minimalismus%2B%2Cstripbooks%2C135&sr=1-1&ref=markusdotzler.de): - Mach dir eine Liste all deiner Verhaltensweisen. Dazu gehören Hobbys genauso wie die Technologien bzw. Anwendungen, die du regelmäßig nutzt. Singen, Sport, Netflix, Spotify, Smartphone, Kindle, iPad (usw.). Schreib dir alles auf. - Dann überlegst du dir, was optional ist und was nicht. Für mich stand z.B. fest, dass ich das Schreiben am PC, nur weil es sich um einen Bildschirm handelt, nicht einschränken will. - Zum Schluss blickst du auf deine Liste. Das, was optional ist, eliminierst du für 30 Tage. Das, was du nicht einschränken möchtest, bleibt erhalten. Für alles andere formulierst du Regeln, z.B. *Netflix nutze ich nur noch für eine Folge mit meinem Partner am Abend* oder *Mein Smartphone nutze ich ab 20:00 Uhr nicht mehr*. #### Quelle Newport, C. (2020). **Digital minimalism: Choosing a focused life in a noisy world*. Penguin Business. Meine Liste sah z.B. so aus: - **Youtube**: Zur Unterhaltung nur am Samstag für Jan Böhmermann. Wenn ich Interesse an einem Thema habe, schreibe ich es mir in ein Notizbuch. Wenn es mich am nächsten Tag noch reizt, gucke ich ein einziges Video dazu. - **Netflix**: Nur einmal die Woche (im sozialen Kontext mit dem Partner zusammen). - **Steam Deck**: Optional, einen Monat lang keine Nutzung. - **MP3-Player** (kein Spaß, ich benutze sowas noch): Unbegrenzte Nutzung für Musik, keine Einschränkung. - **Schlagzeug spielen**: Unbegrenzt, mindestens vier Mal pro Woche. Einsatz meines iPads für Lehrvideos in Ordnung. - **Macbook**: Für Schreiben uneingeschränkt. Youtube-Blocker aktivieren usw. Betrachte deine neuen Verhaltensweisen als einen iterativen Prozess. Dein erster Entwurf wird wahrscheinlich nicht funktionieren. Das ist ok. Scheitere. Versuch es erneut. Dann scheitere besser. Für Social Media kannst du dir z.B. einen digitalen Check-in erlauben. Einmal in der Woche loggst du dich am PC in deine Accounts ein und bringst dich auf den neuesten Stand. Du gibst dir eine Stunde. Stell dir einen Wecker! Die dazugehörigen Apps löscht du dafür von deinem Handy. Nun hast du einen Plan. Du hast dir über deine Gewohnheiten Gedanken gemacht. Das ist ein großer Schritt nach vorne. Mehr als viele andere Menschen machen. Wichtig: [Gewohnheiten sind hartnäckig, aber überwindbar](https://www.markusdotzler.de/vergiss-disziplin/). Im Schnitt braucht es 66 Tage, um neue Muster aufzubauen - manchmal auch länger. Nimm dir also nicht zu viel vor. #### Quelle Keller, G., & Papasan, J. (2019). S. 66. ## Multifokussierung vermeiden, Fokus schützen Ab und zu tut es gut, seinen Kleiderschrank auszuräumen. Klamotten, die einem nicht mehr passen oder gefallen, bleiben oft jahrelang hängen und behindern die Sicht. Wenn wir dann mal aussortieren, fühlen wir uns frei im Kopf. So ist das auch mit unserem Verhalten. Ein einziges zeitfressendes Verhalten ist in der Regel kein Problem. Es kann sogar Genuss sein. Doch wie ein Kleiderschrank füllt sich auch unser Leben schnell mit einer Vielzahl an Dingen, die uns die Sicht versperren. Um den Fokus auf das wesentliche nicht zu verlieren, benötigen wir geeignete [Strategien, um mit Ablenkungen umzugehen](https://www.markusdotzler.de/mehr-fokus/). Wenn also das nächste Mal irgendeine Technologie die Tür in deiner Oberstube einrennt, dann frag sie, was sie da zu suchen hat. Denk darüber nach, ob du dich gerade nicht lieber auf etwas anderes fokussieren möchtest. Wenn du einem Einbrecher nicht einfach so Kaffee und Kuchen anbietest, warum lässt du dir dann von so vielen Technologien die Zeit rauben? ****Weniger Rauschen. Mehr Fokus.** In meinem Newsletter schreibe ich über Fokus, Wachstum und Klarheit in einer Welt voller Hintergrundrauschen – fundiert, regelmäßig, kostenlos. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ### Dunning-Kruger-Effekt: 5 Tipps gegen Selbstüberschätzung URL: https://www.markusdotzler.de/dunning-kruger-effekt/ Last updated: 2026-06-23T14:55:08.000Z Warum überschätzen manche Menschen ihre Kompetenz, während andere daran zweifeln? Darum geht's beim Dunning-Kruger-Effekt. ## Alles, was du aus diesem Artikel über den Dunning-Kruger-Effekt wissen musst: - Das Gehirn reduziert Komplexität, um Überlastung zu vermeiden. Das macht uns aber auch anfällig für *kognitive Verzerrungen* (fehlerbehaftete Wahrnehmung)*.* - Der Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet das Phänomen, wenn inkompetente Menschen von ihren Fähigkeiten überzeugt sind. Sie wissen zu wenig, um ihr Wissen (oder Nicht-Wissen) richtig einzuschätzen. - Das Gegenteil des Dunning-Kruger-Effektes ist das Hochstapler-Syndrom: Kompetente Menschen zweifeln an ihren Fähigkeiten und fürchten sich davor, dass andere sie als inkompetent entlarven. - Experimente verdeutlichen, wie schwer uns Menschen Selbsteinschätzung fällt und wie hartnäckig sich der Dunning-Kruger-Effekt hält, selbst wenn wir von ihm wissen. - Meine 5 Strategien im Umgang lauten: - Gehe stets davon aus, dass jeder Mensch etwas weiß, das du nicht weißt. - Teste dein Wissen durch Quizze, Selbsttests, Schreiben und die Feynman-Technik. - Hör mehr zu als du redest und fasse Gesagtes zusammen. - Betrachte Wissenslücken als Chance, Neues zu lernen. - Entwickle ein Growth-Mindset. Du willst tiefer graben? Dann lass uns loslegen. [ ![Buy Me a Coffee at ko-fi.com](https://storage.ko-fi.com/cdn/kofi2.png?v=6) ](https://ko-fi.com/O8I321XETW?ref=markusdotzler.de) ## Selbsteinschätzung ist ein alltägliches Problem Kennst du das aus deiner Schulzeit? Auf der einen Seite der Sitznachbar, der nach der Schulaufgabe seinen sozialen Abstieg befürchtet. Später erhält er eine 2. Auf der anderen Seite die Jungs aus der letzten Reihe. Auch in den Durchsprachen zweifeln sie nicht an ihrer Leistung. Die 5 auf ihrem Papier halten sie für einen Schreibfehler des Lehrers. Jeder von uns nimmt die Welt anders wahr. Das führt manchmal zu Überheblichkeit. Hier erkläre ich dir, wie das geschieht und gebe dir 5 Tipps an die Hand, um den Dunning-Kruger-Effekt zu vermeiden. ## Kognitive Verzerrungen: Wie uns das Gehirn täuscht. Die Welt ist komplex. Deshalb denken wir in Mustern statt in Details. Wir filtern alle Reize anhand unserer Erfahrungen, statt sie jedes Mal neu zu beurteilen. Das hilft uns im Alltag. Menschen verarbeiten Informationen langsam. Würden wir jeden Reiz einzeln bewerten, kämen wir nicht einmal zu Aldi um die Ecke. Denkmuster schützen uns so vor Reizüberflutung (hier findest du noch mehr effektive [Tipps gegen Information Overload](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/)). Doch unsere mentalen Abkürzungen führen uns auch in die Irre. Wenn das geschieht, sprechen Psychologen von einer [*kognitiven Verzerrung*.](https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive%5FVerzerrung?ref=markusdotzler.de) Eine Verzerrung ist der Unterschied zwischen dem, was wir wahrnehmen und dem, was sich tatsächlich ereignet. Ein Beispiel dafür ist der Aktienkurs. Den bewerte ich im Nachhinein gerne als „vorhersehbar“. Sobald er fällt, ärgere ich mich. Das hätte ich doch wissen müssen! Dabei bewerte ich die Vergangenheit jedoch aus der Gegenwart. Ohne die Informationen, die ich heute kenne, hätte ich den fallenden Kurs nicht vorhergesehen – ein typischer „Rückschaufehler“ (hindsight-bias). Genau so eine kognitive Verzerrung ist auch der Dunning-Kruger-Effekt. ## Dunning-Kruger-Effekt einfach erklärt 💡 Der Dunning-Kruger-Effekt besagt, dass Laien dazu neigen, ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Sie halten sich für kompetenter, als sie es sind. Stell dir vor du lebst seit deiner Geburt auf einer Insel. Von der Küste aus siehst du nichts als Meer. Du hast keinen Zugriff auf Bücher oder das Internet. Die Insel wäre alles, was du kennst. So könntest du annehmen, dass dein Eiland der einzig bewohnbare Fleck ist. Erst, wenn du dir ein Floß baust und andere Kontinente entdeckst, erkennst du, dass die Welt größer ist, als du dachtest. So ähnlich verhält es sich mit Kompetenz. Menschen, die wenig über ein Thema wissen, erkennen nicht, wie klein die Insel ist, auf der sie leben. Sie schätzen das Ausmaß ihres Unwissens falsch ein. #### Quelle Ahrens, Sönke. Das Zettelkasten-Prinzip: Erfolgreich wissenschaftlich Schreiben und Studieren mit effektiven Notizen (German Edition). 2017\. Kindle-Version. S. 16. Der Physiker Neil deGrasse Tyson fasst dieses Phänomen so zusammen: > Es ist möglich, genug über ein Thema zu wissen, um zu glauben, dass du richtig liegst. Aber gleichzeitig fehlt dir das Wissen, um deinen Fehler zu erkennen. #### Videoquelle [https://www.youtube.com/watch?t=180&v=1uLi1I3G2N4](https://www.youtube.com/watch?t=180&v=1uLi1I3G2N4&ref=markusdotzler.de) Anders formuliert: Woher willst du wissen, wie wenig du weißt, wenn du nicht weißt, was du alles nicht weißt? Hinter dem Horizont versteckt sich vielleicht ein Kontinent, den du von deinem Eiland nicht siehst. Der Dunning-Kruger-Effekt greift, wenn wir unser Wissen falsch beurteilen und irrtümlich Kompetenz annehmen. 💡 Die traurige Schlussfolgerung ist, dass Selbstbewusstsein nicht nur aus Kompetenz, sondern auch aus Ignoranz entsteht. ## Wie Selbsttäuschung entsteht. Die Psychologen David Dunning und Justin Kruger führen Überschätzung auf Probleme bei der [Metakognition](https://de.wikipedia.org/wiki/Metakognition?ref=markusdotzler.de) zurück. Hattest du schon mal einen negativen Gedanken und hast dich im Anschluss gefragt, warum du dauernd solche negativen Gedanken hast? Das ist Metakognition – die Fähigkeit, über das eigene Denken nachzudenken. Sich selbst zu reflektieren. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). **Das merk ich mir! Erfolgreich lernen und für immer behalten mit der Make-it-stick-Methode* (I. Brodersen, Übers.; Deutsche Erstausgabe). Goldmann. S. 26f. Dunning und Kruger kamen in ihrer Studie „*Unskilled and unaware of it*“ zu dem Ergebnis, dass es manchen Menschen schwer fällt, sich zu hinterfragen. Sie überschätzen ihre eigene Kompetenz und unterschätzen gleichzeitig die Fähigkeiten anderer. #### Quelle Kruger, J., & Dunning, D. (1999). Unskilled and unaware of it: How difficulties in recognizing one’s own incompetence lead to inflated self-assessments. **Journal of Personality and Social Psychology*, **77*(6), 1121–1134. ## Hochstapler-Syndrom: Selbstzweifel trotz Kompetenz Der Dunning-Kruger-Effekt ist nur ein Ende des Spektrums. Sein Gegenteil ist das Hochstapler-Syndrom (engl. [Imposter-Syndrome](https://de.wikipedia.org/wiki/Imposter-Ph%C3%A4nomen?ref=markusdotzler.de)). 💡 Das Hochstapler-Syndrom beschreibt den Zustand, wenn ausgerechnet kompetente Menschen an ihren Fähigkeiten zweifeln. Lernen wir regelmäßig etwas Neues, stoßen wir immer wieder auf Lücken in unserer Bildung. Wir erkennen, dass mehr Wissen existiert, als wir uns jemals aneignen können. Das bemerke ich besonders, wenn ich mit meiner 4-jährigen Nichte rede. Eines ihrer Lieblingswörter lautet „Warum“. Eine unschuldige Frage wie „*Onkel, warum ist es im Sommer so warm?*“ bringt mich schon ins Straucheln. In solchen Momenten zweifle ich an mir: an meiner Allgemeinbildung, aber auch an meiner Kompetenz. Immer wieder stelle ich fest: Ich weiß lediglich, dass ich nichts weiß. Verdammter Sokrates. Beim Imposter-Syndrom nimmt diese einfache Erkenntnis extreme Züge an. Zweifel übertragen sich auf alle Lebensbereiche. Betroffene nehmen wegen einer einzigen Wissenslücke völlige Unfähigkeit an. Sie halten sich für Hochstapler, die sich ihren Erfolg erschleichen. Jederzeit befürchten sie, dass Kollegen sie entlarven. Die Selbsteinschätzung, an der es manchen Menschen mangelt, schlägt beim Imposter-Syndrom ins Gegenteil um. Selbstwahrnehmung ist trügerisch... ## Experimente zum Dunning-Kruger-Effekt In einem Experiment zum Dunning-Kruger-Effekt absolvierten verschiedene Teilnehmer einen Logiktest. Danach sollten sie ihre Testergebnisse einschätzen. Ausgerechnet diejenigen, die mit nur 12 Prozent der Gesamtpunktzahl am schlechtesten abschnitten, schätzten ihre Leistungen als überdurchschnittlich ein. In einem zweiten Experiment untersuchten die Forscher, was geschieht, wenn Teilnehmer nach ihrer Ersteinschätzung die Ergebnisse anderen Personen sehen. Ändern sie dadurch ihre Meinung über ihre Leistungen? Kurze Antwort: Nein. Erst in einem dritten Experiment durchbrachen die Forscher den Dunning-Kruger-Effekt. Diesmal erhielt eine Hälfte eine zehnminütige Schulung zu logischem Denken. Diese Gruppe war später in der Lage, ihre Fehleinschätzung zu korrigieren. Die Forscher zogen aus ihren Experimenten folgende Schlüsse: 1. Manche Menschen sind schlecht darin, ihre Leistungen einzuordnen. Wenn du denkst, „*Mich betrifft das nicht!“*, dann bist du vielleicht schon in die Falle getappt. 2. Wir können den Dunning-Kruger-Effekt überwinden, aber brauchen konstruktives Feedback, um aus Fehlern zu lernen. Wir müssen genau verstehen, woran wir gescheitert sind. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). S. 140ff. ## Kritik am Dunning-Kruger-Effekt Psychologen streiten darüber, inwiefern es sich beim Dunning-Kruger-Effekt um einen echten „Effekt“ handelt. Menschen zeigen allgemein eine Tendenz zur Mitte. Wenn wir an uns zweifeln, bewerten wir uns oft als „durchschnittlich“. So wirken wir weder dumm noch überheblich. Deshalb argumentieren Psychologen, dass es sich beim Dunning-Kruger-Effekt nicht um ein Konzept handelt, dass insbesondere inkompetente Menschen betrifft. Die Bewertung der eigenen Fähigkeiten scheint uns allen schwer zu fallen. Doch gerade weil uns Selbsteinschätzung so schwer fällt, finde ich es umso wichtiger, über den Dunning-Kruger-Effekt zu sprechen, auch wenn wir ihn nur als „Selbsttäuschung im weiteren Sinne“ verstehen. ## Selbsttäuschung durch Arbeitserfahrung Die Chance, dass wir trotz Berufserfahrung inkompetent bleiben, ist gering, aber vorhanden. Der Psychologe Anders Ericssons argumentiert sogar, dass wir durch Erfahrung Fähigkeiten abbauen. Sobald Menschen ein akzeptables Niveau erreichen, so Ericsson, schalten sie in den Autopilot. Sie automatisieren Fähigkeiten, statt weiter an ihnen zu arbeiten. Eine Tätigkeit auszuüben führt in diesem Fall nicht zu Verbesserung. Jemand, der seit 20 Jahren Golf spielt, aber nicht an seiner Technik feilt, schneidet irgendwann schlechter ab als jemand, der erst wenige Jahre spielt. Wenn wir unsere Fähigkeiten automatisieren, so Ericsson, bauen wir Können über den Verlauf der Zeit sogar ab. Wir verschlechtern uns. Reine Wiederholung hält uns nicht kompetent. #### Quelle Ericsson, K. A. (with Pool, R.). (2016). **Peak: Secrets from the New Science of Expertise* (1st ed). HarperCollins Publishers. S. 12ff. > *Übung macht den Meister. Doch wenn der Meister aufhört zu üben, wird er schon bald vom Lehrling überholt.* Betriebszugehörigkeit bedeutet also nicht automatisch Kompetenz. Was, wenn das Selbstbewusstsein, das aus langjähriger Erfahrung resultiert, auf einer Illusion basiert? Seit 20 Jahren geht ein Mensch in dieselbe Firma, sieht dieselben Gesichter und macht jeden Tag das Gleiche. Wann hört er auf, Dinge zu hinterfragen, sich für Veränderungen zu begeistern oder tief in neue Themen einzusteigen? ### Erfahrung bedeutet nicht Selbsttäuschung. Das bedeutet nicht, dass ich Erfahrung als Problem sehe. Mein Opa verließ das Unternehmen nie, in dem er seine Ausbildung machte. Er arbeitete an sich und war für das Unternehmen fast unersetzlich. Auch mein Vater übernahm nach über 20 Jahren in der Justiz die Direktion eines Gefängnisses. Er zog um, arbeitete sich in neue Themen ein und übernahm viel Verantwortung. Berufserfahrung ist also keine Einbahnstraße. Es ist möglich, sich in einer Laufbahn weiterzuentwickeln, ohne kontinuierlich den Job zu wechseln. Das Problem ist nicht die Erfahrung, sondern unsere Bequemlichkeit. Das musste ich in meinem alten Job selbst erfahren. ## Mein persönlicher Kampf mit Dunning-Kruger Nach knapp 3 Jahren trat ich als Ausbildungskoordinator auf der Stelle. Ich hatte sämtliche Fortbildungen absolviert. Die Themen wiederholten sich. Gewohnheiten bestimmten meinen Tagesablauf. Mein Gehalt fühlte sich jedoch bequem genug an, um einen Stellenwechsel lange vor mir herzuschieben. Ich klebte an meinem Job. Meine Bequemlichkeit hinderte mich daran, eine Neuorientierung anzugehen. Genau an diesem Punkt schnappt der Dunning-Kruger-Effekt zu. Wenn wir aufhören, uns selbst zu hinterfragen. Wir halten uns für kompetent, doch unsere Bequemlichkeit hindert uns am Wachstum. Auch dieser Blog füllt sich mit Geschichten über den Dunning-Kruger-Effekt. In meinen Monthly Fuck Ups berichte ich offen und ehrlich über meine Fehler. Dabei stoße ich immer wieder auf meine Selbstüberschätzung. Als ich bspw. meine [Homepage von Wordpress umzog](https://www.markusdotzler.de/monthly-fuck-up-1/), dachte ich, dass ich das ohne Hilfe schaffe. Ich rätselte lieber stundenlang, statt mir einfach eine Anleitung durchzulesen. Wie du siehst, schützt selbst das Wissen über Selbstüberschätzung nicht vor Selbstüberschätzung. Wir alle können unserer Wahrnehmung erliegen. Amateur genauso wie Profis (*und Blog-Autoren, die über Selbstwahrnehmung schreiben*). Der Dunning-Kruger-Effekt dient mir deshalb nicht dazu, Menschen mit langjähriger Berufserfahrung schlecht zu reden oder mich über Anfänger lustig zu machen. Ich nutze ihn stattdessen als Leitbild. Er hilft, mir selbst gegenüber skeptisch zu bleiben. Genau deshalb sprechen wir jetzt über Gegenmaßnahmen. ## 5 Tipps gegen Selbstüberschätzung Die Strategien, die dem Dunning-Kruger-Effekt vorbeugen, lassen sich auf einen gemeinsamen Kern reduzieren: *Mindset, Mindset, Mindset!* ### Von der eigenen Unwissenheit ausgehen Der kanadische Psychologe Jordan Peterson schrieb in seinem Buch *Beyond Order*: > *„*Es ist besser, von persönlicher Ignoranz auszugehen und Lernen zu ermöglichen, als ausreichendes Wissen anzunehmen und die daraus resultierende Blindheit zu riskieren.*“ (eigene Übersetzung)* #### Quelle Peterson, J. B. (2021). **Beyond order: 12 more rules of life*. Allen Lane, an imprint of Penguin Books. S. 17. Jeder von uns verfügt über eine erstaunliche Wahrnehmung. Doch jeder von uns ist durch Selbsttäuschung auch in der Lage, sich selbst zum Verhängnis zu werden. Eine gewisse Skepsis vor dem eigenen Selbstbild ist eine gesunde Grundeinstellung. Hier ein paar Schnellfeuer-Ideen: - Wenn du das nächste Mal eine Entscheidung triffst, frage dich, welche Informationen dir fehlen. - Wenn du überzeugt bist, dass du recht hast, frage dich, über welche Informationen dein Gegenüber verfügt, die dir nicht vorliegen. - Wenn du in ein Meeting gehst, überlege dir vorab, welche drei Themen du definitiv noch nicht verstehst und klären willst. So fokussierst du dich auf die Dinge, die du noch nicht weißt. ### Zuhören statt reden Wir besitzen zwei Ohren und nur einen Mund. Trotzdem reden wir oft lieber, als wir zuhören. Während der andere spricht, überlegen wir uns bereits eine Antwort. Doch wie sollen wir unsere Lücken erkennen, wenn wir nicht zuhören, sobald uns jemand darauf hinweist? Jordan Petersons Tipp: Geh stets davon aus, dass dein Gegenüber dir etwas zu sagen hat, das du noch nicht weißt. #### Quelle Peterson, J. B., Doidge, N., & Van Sciver, E. (2018). **12 rules for life: An antidote to chaos*. Allen Lane, an imprint of Penguin Books. S. 233. Diese Einstellung schützt dich vor dem Dunning-Kruger-Effekt. Wir sind von Menschen umgeben, die Verhalten ans uns bemerken, das wir selbst übersehen. Doch um auf diese Perspektive zuzugreifen, müssen wir ihnen zuhören. Das wird oft als Schwäche gesehen. In sozialen Kontexten, vor allem im Beruf, wollen wir uns durchsetzen. Zuhören ist aber eigentlich eine Stärke. Es bedeutet nicht, dass wir uns *nicht* durchsetzen können. Es bedeutet, dass wir nur dann reden, wenn es zählt. Ich selbst gehöre zu den geistigen Wanderern. Wenn mir jemand etwas erzählt, läuft bei mir das Kopfkino und schon folge ich meinen Gedanken. Deshalb spreche ich manchmal gedanklich nach, was mein Gegenüber sagt. Ich lasse ihn ausreden. Ich zwinge mich zu einer kurzen Pause, bevor ich antworte. Ab und zu paraphrasiere ich auch: - *„Verstehe ich das richtig, dass du sagst…“*. - *"Meinst du damit, dass…"*. Diese kleinen Kniffe helfen mir, im Hier und Jetzt zu bleiben. ### Das eigene (Un-)Wissen überprüfen Ich liebe Tests. Sie zeigen dir, wo sich deine Lücken verstecken und konfrontieren dich mit der Realität. Entweder weißt du etwas oder nicht. Weiterhin zwingen dich Tests zum aktiven Abruf. Du strengst dich an, um dich an etwas zu erinnern. Das stärkt die Nervenverbindungen in deinem Gehirn besser als wiederholtes Lesen. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). S. 30f. Tests fördern Kompetenz. Sie begegnen dem Dunning-Kruger-Effekt dort, wo es weh tut. Hilfreiche Tipps, wie du [Tests in deinen Lernprozess integrieren](https://www.markusdotzler.de/schluss-mit-dem-pauken/) kannst, findest du in meinem Artikel „Schluss mit Pauken“. Ein Selbsttest zeigt dir den Unterschied, zwischen dem, was du weißt und dem, was du nur zu wissen *meinst*. Klar, der Glaube an die eigenen Fähigkeiten ist wichtig. Aber wenn er nicht auf der Wirklichkeit basiert, nennt sich das Angeberei oder Größenwahn. Wenn du dich in der Königsdisziplin üben willst, dann schreib über das, was du lernst. Formuliere Zusammenfassungen, Karteikarten oder Artikel. Je stärker du dein Wissen mit anderen Inhalten verknüpfst, desto länger bleibt es hängen und desto kompetenter wirst du. Eine weitere, geniale Methode ist die Feynman-Technik (nach dem Physiker Richard Feynman benannt). Feynman war davon überzeugt, dass Schwierigkeiten bei der Formulierung eines Gedanken aus Verständnisproblemen resultieren. Wenn du etwas nicht in einfachen Worten erklären kannst, hast du es selbst nicht verstanden. #### Quelle Ahrens, Sönke. Das Zettelkasten-Prinzip: Erfolgreich wissenschaftlich Schreiben und Studieren mit effektiven Notizen (German Edition). 2017\. Kindle-Version. 73ff. Wenn du das nächste Mal etwas lernst, dann stell dir z.B. vor, du müsstest es einem Laien oder einem Kind erklären. Wo kommst du ins Stocken? Wo verwendest du Fachbegriffe, für die dir kein einfacheres Wort einfällt? Genau dort liegen deine Wissenslücken. ### Fehler als Chance verstehen In unserer Kultur betrachten wir Fehler als Versagen. Misserfolge beweisen fehlendes Talent, weshalb wir Fehler gern verschweigen. Doch Schweigen ist nicht immer Gold. Indem wir nicht über Fehler reden, setzen wir uns nicht ausreichend mit ihnen auseinander. Stell dir vor, du möchtest Fallschirmspringen lernen. Wenn du nicht aufmerksam bleibst und die richtigen Schlüsse aus deinen Fehlern ziehst, ist der Tribut, den du zahlst, mitunter tödlich. Zum Glück stirbt niemand, wenn er in einem Test mal schlecht abscheidet oder einen Fehler im Job begeht. Trotzdem sind die Folgen lebenslanger Naivität nicht zu unterschätzen. Fehler sind das beste Feedback zur Schärfung der eigenen Wahrnehmung. Nimm es an und setz dich damit auseinander. Ansonsten könntest du nach 40 Jahren feststellen, dass du dich nie wirklich weiterentwickelt hast. Hol dir regelmäßiges Feedback von Menschen ein, mit denen du viel zusammenarbeitest oder die dich gut kennen. Das tut manchmal weh. Ich selbst habe Feedback genau deshalb schon ausgeschlagen. Ich lebte lieber in meiner Selbsttäuschung weiter. ### Ein Growth Mindset entwickeln Die Psychologin Carol Dweck zeigte in Experimenten, dass Schüler im Verlaufe eines Jahres bessere Leistungen erbringen, wenn wir ihnen zeigen, dass nicht Intelligenz, sondern Anstrengung über ihren Erfolg entscheidet. Dweck veranstaltete einen Workshop mit leistungsschwachen Siebtklässlern. Darin vermittelte sie den Schülern Wissen über Gehirnfunktion und Lernmethoden. Im Nachgang teilte sie die Klasse in zwei Gruppen. Einer der beiden Gruppen erklärte sie, dass Anstrengung das Gehirn verändert. Im Verlauf des Schuljahres zeigte diese Gruppe mehr Lernbereitschaft und bessere Leistungen im Vergleich zur Kontrollgruppe. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). S. 205. > Ob du daran glaubst, etwas zu schaffen oder nicht – du wirst in jedem Fall Recht behalten. Die Einen glauben, ihre angeborenen Fähigkeiten seien unveränderlich und verstecken sich vor Herausforderungen. Das bezeichnet Dweck als das *fixed mindset*. Die Anderen glauben an Wachstum. Herausforderungen sind für sie eine Chance für persönliches Wachstum. Das ist das *growth mindset*. Der Glaube an die eigene Anpassungsfähigkeit kann Berge versetzen. Wenn du Herausforderungen als Chance und Misserfolge lediglich als Signal erkennst, deinen Kurs anzupassen, dann lässt du Wachstum. Du gehst an die Grenzen deiner Kompetenz, weil du verstehst, dass es kein persönliches Versagen ist, wenn mal etwas schief geht. Menschen, die über ein [*growth mindset*](https://www.markusdotzler.de/growth-mindset/) verfügen, arbeiten stetig an ihrer Kompetenz und streben nach Wachstum. Andere erliegen Denkmustern und [Illusionen, die sie zurückhalten](https://www.markusdotzler.de/lernstil-illusion/). ## Videospiel-Mindset gegen den Dunning-Kruger-Effekt Stell dir dein Leben wie einen Charakter in einem Videospiel vor. Ich selbst habe in meiner Jugend (zu viel) World of Warcraft gespielt. Das Spiel folgt einer einfachen Levelsystematik. Du startest als Niemand auf Level 1 und musst dir den Weg zur Maximalstufe (Level 70) erarbeiten. Dabei verdienst du dir bessere Ausrüstung und schaltest mächtige Fähigkeiten frei. Dieses Prinzip übertrage ich auf mein Leben: Ich sehe mich als Charakter in einem riesigen Multiplayer-Spiel (dem Leben) und kämpfe mich langsam zur Maximalstufe vor. Dafür arbeite ich kontinuierlich an meinen Fähigkeiten. Das Leben ist meine Spielwiese, auf der ich immer Neues lernen kann. Neue Herausforderungen sind für mich keine Probleme, sondern Möglichkeiten, mich selbst zu testen. Mit diesem Mindset hoffe ich, dass ich nicht in die Falle des Dunning-Kruger-Effekts trete. Ich bleibe immer Schüler. Das Leben ist mein Lehrmeister. Ich wünsche dir alles Gute auf deiner Reise. ****Dir gefällt dieser Artikel?** Hier schreib ich regelmäßig über Psychologie und persönliches Wachstum, damit niemand dem Dunning-Kruger-Effekt erliegt. Kostenlos, ohne Spam und jederzeit abbestellbar. Artikel, die deine Aufmerksamkeit respektieren, gibt's hier: [Zum Newsletter anmelden ](#/portal/signup/free) ### Lerntypen widerlegt: Was beim Lernen wirklich zählt URL: https://www.markusdotzler.de/lernstil-illusion/ Last updated: 2026-05-03T08:02:18.000Z Kennst du deinen bevorzugten Lerntyp, aber dir fällt das Lernen trotzdem schwer? Harte Wahrheit: Wenn du denkst, dass dein Lernstil alles ist, was du wissen musst, um erfolgreich zu lernen, hast du deine Hausaufgaben nicht ordentlich gemacht. Hier lernst du: - [was Lerntypen sind und wieso wir an sie glauben](#lerntypen-woher-kommt-der-mythos) - [was Intelligenz ist und ob sie über deinen Lernerfolg entscheidet](#sagt-intelligenz-lernerfolg-besser-vorher-als-lernstile) - [wie uns falsche Denkmuster beim Lernen zurückhalten](#wie-kognitive-verzerrungen-deinen-lernerfolg-verhindern) - [was du wirklich für Lernerfolg benötigst](#die-kraft-des-growth-mindset) ## Lerntypen: Woher kommt der Mythos? Als ich damals mein Studium begann, hatten wir eine Pflichtvorlesung *"Lernen lernen"* im ersten Semester. Ich muss gestehen, ich erinnere mich noch hauptsächlich daran, dass mein Professor immer dieselbe braune Hose anhatte. Was ich aber noch weiß, ist, dass wir neben einigen Methoden auch das Thema Lernstile streiften. Lerntypen - z.B. auditiv, haptisch, kinästhetisch oder visuell - sind in akademischen Kreisen, aber auch in der Aus- und Weiterbildung weit verbreitet. Die Auszubildenden, die ich jedes Jahr im September bei der Deutschen Bahn begrüße, hören davon direkt in der ersten Woche und dann noch mal zusätzlich in einem eigenen Methodenseminar. Es existieren über 70 verschiedene Theorien zu Lernstilen. Eines der bekanntesten Modelle ist das VARK-Modell nach Neil Fleiming. Ich verlinke es dir hier bewusst nicht, weil ich glaube, dass du dir den Inhalt sparen kannst. All diese Theorien erklären, welche Stile es gibt und wie man herausfindet, wie man am besten lernt. Für wirklich gutes Lernen sind persönliche Präferenzen allerdings weitaus weniger entscheidend sein, als oft angenommen wird. ## Lerntypen sind wissenschaftlich widerlegt. Nur um das an dieser Stelle schon mal klar zu stellen: Manche Menschen besitzen definitiv eine Präferenz dafür, wie sie sich Wissen aneignen. Ich persönlich bevorzuge haptisches Lernen mit Stift und Papier. Ich kaufe mir Bücher gerne im Original, weil ich das Umblättern mag. Aber: Nur weil ich ein haptischer Lerntyp bin, heißt das nicht, dass Bücher, Stift und Papier immer die besten Methoden sind, um mir etwas anzueignen. Eine Überblicksanalyse der Psychologen Pashler, McDaniel, Rohrer und Bjork aus dem Jahr 2009 ergab, dass nur wenige Experimente zu den verschiedenen Lernstilen wissenschaftlichen Standards entsprechen. Des Weiteren ging aus den tatsächlich relevanten Studien hervor, dass eine Anpassung des Unterrichts an den bevorzugten Stil des Lerners keine besseren Erfolge herbeiführte. Entscheidender ist es, den Unterrichtsstil an das Thema, nicht den Lernenden anzupassen. Passt der Unterrichtsstil zum Thema, nicht zum Lerner, dann lernen *alle* besser, unabhängig von persönlichen Präferenzen. Geometrie sollte visuell dargestellt werden, auch wenn der Lernende ein auditiver Typ ist. Musiktheorie hingegen ergibt mehr Sinn, wenn man sie auf einem Klavier sehen und hören kann, als wenn man sie nur über Noten darstellt. Der Glaube an den eigenen Lerntyp könnte sogar Nachteile mit sich bringen. Menschen schlussfolgern daraus manchmal, dass ihr Lernen begrenzt ist. So bauen sie einen Widerstand gegen Methoden auf, die zwar effektiv sind, aber die sie nicht bevorzugen. Jemand, der auditives Lernen bevorzugt, könnte eher zu Hörbüchern oder Podcasts greifen, selbst wenn die Inhalte in Büchern besser dargestellt werden. So lernt die Person, das Medium *"Buch"* für ineffektiv oder sich selbst für unfähig zu halten. Sie schränkt ihre Möglichkeiten ein, weil sie sich selbst für beschränkt hält. Auch ich habe lange Zeit Bücher gemieden. Heute sind sie meine Lieblingsquelle. Trotzdem weiß ich, dass ich nicht immer zu Büchern greifen sollte. Wenn ich z.B. ein Instrument lerne, funktionieren Noten für mich kaum. Da muss ich hören, sehen, fühlen. Und das ist eine wichtige Lektion: 💡 Du hast eine Präferenz, aber du bist nicht deine Präferenz. Das bedeutet nicht, dass alle Theorien zu den Lerntypen falsch sind. Ihr Nutzen muss jedoch in stichhaltigen Studien bewiesen werden. Pashler et al. schlussfolgern deshalb, dass die aktuelle Datenlage die Stellung nicht rechtfertigt, die Lernstile im Bildungssystem innehalten. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). **Das merk ich mir! Erfolgreich lernen und für immer behalten mit der Make-it-stick-Methode* (I. Brodersen, Übers.; Deutsche Erstausgabe). Goldmann. S. 167ff. Warum glauben wir also so beharrlich an Lerntypen? Sie sind eine einfache Erklärung mit einer einfachen Lösung. Finde heraus, wie du bevorzugt lernst und lerne so. Die Welt ist aber manchmal komplexer, als sie scheint. [Unwissen einzugestehen, tut manchmal weh](https://www.markusdotzler.de/dunning-kruger-effekt/). ## Sagt Intelligenz Lernerfolg besser vorher als Lernstile? Wenn Lerntypen nicht der entscheidende Faktor für Lernerfolg sind, welche anderen individuellen Unterschiede sind dann von größerer Bedeutung? Ein Faktor, der in der psychologischen Forschung intensiv untersucht wurde, ist Intelligenz. Intelligenz ist für viele Lebensaspekte ein guter Vorhersagefaktor. Dazu gehört bspw. beruflicher Erfolg. Intelligenztests sind bis heute eines der besten Mittel, um Erfolg am Arbeitsplatz vorherzusagen. Die Korrelation liegt bei ca. 0,65 und ist damit höher als die eines strukturierten Interviews (ca. 0,58). #### Quelle Todd, B. (2023). **80,000 Hours: Find a fulfilling career that does good*. Trojan House. S. 137f. Daher besteht die Wahrscheinlichkeit, dass Intelligenz Lernerfolg besser vorhersagt, als die wissenschaftlich dünne Literatur zu Lernstilen. Doch im Vergleich zu dem eigenen Lernverhalten ist Intelligenz ein sehr unbeliebtes Konzept. Wer von Intelligenz spricht, redet auch von biologischen Grenzen und das ist unangenehm. Kein Mensch möchte hören, dass sich sein Erfolg in einer Zahl ausdrücken lässt. Das ist ein häufiger Denkfehler. Intelligenz wird manchmal mit einem unabänderlichen Schicksal gleichgesetzt. Die moderne Forschung sieht das mittlerweile differenzierter. Lass uns deshalb einen kurzen Blick darauf werfen, wie Intelligenz funktioniert. ## Was Intelligenz ist: Fluides und kristallines Denken Unter Intelligenz verstehen wir die *Problemlösegeschwindigkeit des Gehirns im Vergleich zu anderen Menschen*, oder, wie Richard David Precht es einmal schön zusammengefasst hat: > *Intelligenz ist das, was man einsetzt, wenn man nicht weiß, was man tun soll.* #### Quelle Precht, R. D. (2022). **Freiheit für alle: Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten* (Originalausgabe, 1\. Auflage). Goldmann. S. 143. Intelligenz wird immer relativ, nie absolut gemessen. Zur Messung verwendet man Intelligenztests, die einen Intelligenzquotienten ermitteln. Der durchschnittliche IQ liegt bei 100 und ist normalverteilt, bedeutet: Sehr viele Menschen bewegen sich um die 100, zu den Rändern hin werden es immer weniger. #### Quelle Hartmann, A., & Buchner, V. (2023). **Deep Ocean: Das geniale Persönlichkeitsmodell: wie du dich selbst und andere endlich in der Tiefe verstehst und annimmst*. Gräfe und Unzer Verlag GmbH. S. 32. Der IQ trifft eine Aussage über das geistige Alter im Verhältnis zum körperlichen Alter multipliziert mit 100\. Wenn ein 10-jähriger Probleme lösen kann, die normalerweise 12-jährige bewältigen, dann hat dieser 10-jährige einen IQ von 120 (12/10x100). Der wissenschaftliche Konsens unterscheidet heute mindestens zwei Arten von Intelligenz. Fluide Intelligenz beschreibt die Fähigkeit für logisches Denken, die Verknüpfung von Zusammenhängen und das Verstehen grundlegender Muster. Kristalline Intelligenz bezeichnet den Aufbau von persönlichem Wissen und das Lernen aus Erfahrungen. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). S. 169. Fluide Intelligenz ist die Hardware. Kristalline Intelligenz ist die Software bzw. die Datenbank deines Gehirns. Besonders das Konzept der kristallinen Intelligenz zeigt, dass unser Gehirn formbar ist. Diese Anpassungsfähigkeit heißt neuronale Plastizität. ## Intelligenz ist vielfältig: Analytisch, kreativ, praktisch Ähnlich wie in der Literatur zu Lernstilen gibt es auch in der Intelligenzforschung verschiedenste Theorien - manche mehr, manche weniger fundiert. Zu den besseren Modellen gehört Robert Sternbergs Theorie der triarchischen Intelligenz. Sternberg entwickelte seine Theorie in den 1980er Jahren, als man noch der Ansicht war, IQ wäre von Geburt an fix. Dank Menschen wie Sternberg wird das heutzutage jedoch differenzierter betrachtet. In der Theorie der triarchischen Intelligenz gibt es nicht mehr nur die analytische Problemlösefähigkeit, die am besten mit der fluiden Intelligenz vergleichbar ist, sondern auch noch die kreative und praktische Intelligenz. Kreative Intelligenz bezeichnet die Fähigkeit, vorhandenes Wissen neu zu verknüpfen und somit ungewöhnliche Lösungen zu finden. Hier geht es vor allem um das Erfinden und die Vorstellungskraft. Praktische Intelligenz ist die Fähigkeit, sich an den Alltag anzupassen. Man spricht dabei auch von Straßenschläue, also eher implizites Wissen oder Intelligenz durch Erfahrung. Robert Sternberg stellte in einer Studie fest: Kinder aus indigenen Familien, die über ein hohes Maß an informellem Wissen über Heilpflanzen verfügten, hatten in ihrer natürlichen Umgebung bessere Chancen als Kinder aus akademischen Kreisen. Dafür waren sie bei klassischen Intelligenztests heillos überfordert. In akademischen Kreisen galten sie als dumm. In ihrem Alltag hingegen waren sie junge Genies. Eine andere Gruppe von Kindern, die in den brasilianischen Favelas aufwuchs und sich von klein auf mit Straßengeschäften durchschlagen musste, wies eine außerordentliche Fähigkeit für wirtschaftliche Berechnungen auf. Zeigte man ihnen jedoch die gleichen Rechnungen auf Papier, konnten sie sie nicht nachvollziehen. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). S. 171ff. ## Was IQ für deinen Lernerfolg bedeutet Zuallererst soll es dich etwas beruhigen. Nur weil jemand nicht der klassischen Vorstellung akademischer Schläue entspricht, ist er nicht dumm. Natürlich gibt es biologische Grenzen, doch diese könnten anders aussehen, als wir denken. Das, was in vielen Situationen zum Erfolg führt, wird in standardisierten Tests oft nicht erfasst. Wenn Intelligenz auch von Umweltfaktoren wie der Erziehung oder dem sozialen Umfeld abhängt, dann ist Lernerfolg keine Einbahnstraße. Sternberg spricht deshalb auch von erfolgreicher Intelligenz. Um im Leben Ziele zu erreichen, brauchen wir verschiedene Formen von Intelligenz. An allen können wir arbeiten. Wir sind mehr als nur eine Lernpräferenz. Wir sind mehr als Intelligenz. Präferenzen verändern sich. [Das Gehirn passt sich an](https://www.markusdotzler.de/homoeostase/). Die Umsetzung dieses Verständnisses führt zu erfolgreicher Intelligenz. ## Wie kognitive Verzerrungen deinen Lernerfolg verhindern Sowohl bei Intelligenztests als auch bei Lerntypen trifft eine Schlussfolgerung zu, die der Autor Jon Ronson in seinem Buch über Psychopathen (*The Psychopathy-Test*) teilt: Natürlich stimmt es, dass uns bei vielen Dingen im Leben ein Label hilft. Für psychische Krankheiten gibt es Diagnosen anhand objektiver Klassifikationen. Doch wie Ronson feststellt, neigen Menschen dazu, manchmal zu viel Wert auf Kategorisierungen zu legen. Das *Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders* (DSM) war eine Revolution für die Psychologie und die Diagnose psychischer Erkrankungen. Doch die Veröffentlichung des DSM-3 und die Verbreitung vor allem in Privathaushalten, führte in den vereinigten Staaten während der 1980er Jahre zu einer Epidemie der Selbstdiagnosen. #### Quelle Ronson, J. (2012). **The psychopath test: A journey through the madness industry* (1\. publ. in paperback). Picador. S. 252. Ronson folgert, dass wir andere Menschen, aber auch uns selbst, manchmal zu schnell in Schubladen stecken und sie dort nicht mehr rauslassen. Das kennt man auch vom [*ersten Eindruck*](https://www.markusdotzler.de/erster-eindruck/): Während wir beim Kennenlernen fremder Personen in kurzer Zeit sehr viele Informationen verarbeiten, flacht diese Lernkurve danach deutlich ab. Rund die Hälfte dessen, was wir über eine Person lernen, speichern wir innerhalb der ersten Sekunden und Minuten. Danach passiert nur noch wenig. Das gleiche Problem trifft auch auf Lernpräferenzen und Intelligenz zu. Einen Lernstil zu ermitteln, kann ein Hilfsmittel sein, um persönliche Neigungen herauszufinden und sich mit geeigneten Methoden zum Lernen zu motivieren. Aber: Sich nur auf dieses Verhalten zu begrenzen, beschränkt die eigenen Möglichkeiten. So ist es nach aktuellem Stand auch bei Intelligenz. Intelligenz ist kein unabänderliches Label. Die Architektur und Gesamtstruktur des Gehirns sind zwar stark genetisch bedingt, doch die Feinstruktur der neuronalen Netzwerke wird durch Erfahrung geformt und ist veränderlich. Die neuronale Verschaltung kann bis ins hohe Alter verändert werden. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). S. 192ff. ## Die Kraft des Growth Mindset Dieser Glaube an die eigene Anpassungsfähigkeit kann Berge versetzen. Carol Dweck bezeichnet das als das [*Growth Mindset*](https://www.markusdotzler.de/growth-mindset/). Darunter versteht man den Glauben, dass sich Intelligenz und persönliche Fähigkeiten durch Anstrengung verbessern lassen. Herausforderungen werden als Chance für Lernen und Wachstum begriffen. Misserfolge hingegen sind lediglich Signale dafür, dass mehr Anstrengung oder eine bessere Herangehensweise zur Problemlösung notwendig sind. Das führt zu mehr Hartnäckigkeit beim Lernen. Indem Menschen, die über ein *Growth Mindset* verfügen, stetig an ihrer Kompetenz und ihrem Lernen arbeiten, setzen sie sich oft unbewusst stetigem Wachstum durch Konfrontation mit neuen Herausforderungen aus. Sie gehen an die Grenzen ihrer Kompetenz, weil sie verstehen, dass es kein persönliches Versagen ist, wenn mal etwas schief geht. 💡 Der Glaube an die persönliche Anpassungsfähigkeit fördert Wachstum. ## Benedict Wells als Beispiel für das Growth Mindset In seinem Buch *Die Geschichten in uns* beschreibt der Autor Benedict Wells, wie er mit 18 Jahren den Entschluss fasst, in seinen Sommerferien ein Buch zu schreiben. Dafür überlegt er sich eine feste Routine: Jeden Tag um 6 Uhr will er zuerst Joggen gehen. Danach beginnt er mit dem Schreiben. Als er seinen Plan mit seinen Eltern teilt, belächeln sie ihn. Er und 6 Uhr? Das kann nichts werden. Ihr Sohn ist ein notorischer Langschläfer. Dann beginnen die Ferien. Während andere Schüler den Start in die Ferien verschlafen, quält er sich aus dem Bett. Tag für Tag aufs Neue, egal bei welchem Wetter. Am Ende der Sommerferien hält er ein fertiges Buch in der Hand. Mit der Story ist er nicht zufrieden. Aber: Die Erkenntnis, die er in diesen Wochen hatte, ist Gold wert. Benedict Wells ersetzte seine starre Annahme *Ich bin faul und undiszipliniert* durch die Überzeugung *Wenn ich etwas wirklich will, dann kann ich es erreichen.* #### Quelle Wells, B. (2024). **Die Geschichten in uns: Vom Schreiben und vom Leben*. Diogenes. Seine Erfahrung ist ein perfektes Beispiel, wie Menschen ihr starres Selbstbild (*So bin ich*) ablegen und ein dynamisches Selbstbild (*So kann ich sein*) entwickeln können. Dieser Glaube an die eigenen Fähigkeiten kann Berge versetzen. Heute ist Benedict Wells einer der bekanntesten Autoren im deutschsprachigen Raum. Nicht durch Talent oder göttliche Befähigung, sondern durch den Glauben an seine Fähigkeiten und durch verdammt viel harte Arbeit an seinem Handwerk. Dieses Glauben findest du bei erfolgreichen Menschen immer wieder. So auch bei Haruki Murakami, der zwar nicht an sein Talent glaubt, aber [einfach mit dem Schreiben anfing](https://www.markusdotzler.de/murakami-prinzip/) und bis heute daran arbeitet. ## So entwickelst du ein Growth Mindset Fragst du dich jetzt, wie du das Growth Mindset konkret umsetzen kannst? - Nimm Herausforderungen an, statt ihnen auszuweichen. Wachstum findet an den Grenzen unserer Kompetenz statt ([zum Beispiel im Beruf](https://www.markusdotzler.de/lebenslanges-lernen/)). - Erkenne Feedback als Chance zu lernen, auch wenn es kritisch ist. Andere Menschen können dir blinde Flecken über dich offenbaren, auf die du selbst nie gestoßen wärst. - Konzentriere dich nicht ausschließlich auf das Ergebnis, sondern auf den Lernprozess und deine Fortschritte. [Übe bewusst und aufmerksam](https://www.markusdotzler.de/richtig-ueben/). Teste dich immer wieder selbst und verstehe Fehler als Raum für Verbesserung. - Statt dich auf [vermeintliche Lerntypen](https://www.markusdotzler.de/lernstil-illusion/) zu fokussieren, konzentriere dich auf wissenschaftlich fundierte Lerntechniken wie dem [aktiven Abrufen von Wissen](https://www.markusdotzler.de/schluss-mit-dem-pauken/) aus dem Gedächtnis, [Interleaving](https://www.markusdotzler.de/interleaving/) oder dem zeitlich verteilten Lernen (Spaced Repetition). - Ändere dein Verhalten. [Etabliere erfolgreiche Gewohnheiten](https://www.markusdotzler.de/vergiss-disziplin/), die dich näher an dein Ziel bringen, statt auf Disziplin zu vertrauen. ## Fazit: Vergiss Lerntypen, fokussier dich auf Fortschritt Die wichtigste Erkenntnis ist nicht, den "*richtigen*" Lerntypen zu finden. Viel wichtiger ist, die Flexibilität deiner Intelligenz zu verstehen und durch eine wachstumsorientierte Haltung – das Growth Mindset – dein Lernpotenzial auszuschöpfen. 💡 Unser Erfolg ist oft nur eine Frage der Einstellung. Ob du daran glaubst, etwas zu schaffen oder nicht - du wirst in jedem Fall recht behalten. Lass dich beim Lernen nicht von Labels leiten. Konzentriere dich stattdessen darauf, *dass* du lernen und dich stetig verbessern kannst. Vielleicht wirst du in manchen Bereichen nie so gut wie andere Menschen sein. Doch statt dich mit anderen zu vergleichen, solltest du dich mit dir selbst vergleichen. Die **falsche** Frage lautet: Wie kannst du morgen besser als *andere* sein? Die **richtige** Frage lautet: Wie kannst du morgen besser sein, als *du* es heute bist? > Strebe nach Fortschritt, nicht nach Erfolg > \- Mark Manson Du willst einfach anfangen, besser zu werden? In meinem Newsletter zeige ich dir, wie du dein Leben nach deinen eigenen Regeln gestaltest. Wissenschaftlich fundiert, mit dem Fokus auf Fortschritt statt Perfektion. Kostenlos. Jederzeit kündbar. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ### Gewohnheiten etablieren: Vergiss Disziplin – hier ist, was wirklich funktioniert. URL: https://www.markusdotzler.de/vergiss-disziplin/ Last updated: 2026-05-03T06:28:27.000Z Vorsicht, Verwechslungsgefahr: Was haben Disziplin und Gewohnheit miteinander gemein? Das Eine gibt gern vor, das Andere zu sein. Die Grundlage für Erfolg sieht oft wie Disziplin aus, ist aber in Wahrheit Routine. Manchmal ist der Vorteil erfolgreicher Menschen lediglich, dass ihre Gewohnheiten besser sind. ## Warum Vorsätze ohne Routine scheitern Wenn du meinem Blog schon seit Anfang an folgst, weißt du, dass ich ein [Fan von Neujahrsvorsätzen](https://www.markusdotzler.de/ziele-anders-denken/) bin. Wir befinden uns nun im April. Die meisten Menschen haben einen Großteil ihrer Neujahrsvorsätze schon längst aufgegeben. Laut einem Artikel in der *Zeit* scheitern mehr als die Hälfte aller Vorhaben (60 Prozent!) bereits im Januar. 33 Prozent der Befragten gaben als Grund für dieses Scheitern mangelnde Motivation und Disziplin an. [Gute Vorsätze: Umfrage: Neujahrsvorsätze scheitern oft schon im JanuarHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Gute Vorsätze“. Lesen Sie jetzt „Umfrage: Neujahrsvorsätze scheitern oft schon im Januar“.![](https://www.markusdotzler.de/content/images/icon/favicon.svg)DIE ZEITdpa![](https://www.markusdotzler.de/content/images/thumbnail/wide__1300x731)](https://www.zeit.de/news/2025-01/22/umfrage-neujahrsvorsaetze-scheitern-oft-schon-im-januar?ref=markusdotzler.de) Das finde ich persönlich extrem schade. Manche Menschen halten sich für undiszipliniert. Sie machen sich klein oder halten sich für faul. Dabei übersehen sie zwei zentrale Probleme: 1. [Konzerne nutzen Willenskraft gegen uns](https://www.markusdotzler.de/warum-willenskraft-scheitert/). 2. Nicht mangelnde Disziplin hält uns zurück, sondern schlecht umgesetzte Gewohnheiten. Das ist die Macht der Routine. Gewohnheiten stärken unser alltägliches Verhalten, sodass wir zur Aufrechterhaltung des Verhaltens nur ein Minimum an Anstrengung erfordern. Das Interessante daran: Einmal etabliert, können neue Gewohnheiten auf andere abfärben. Wer regelmäßig seine Routine pflegt, dem fallen auch andere Verhaltensweisen oft leichter. #### Quelle Keller, G., & Papasan, J. (2019). **The one thing: Die überraschend einfache Wahrheit über aussergewöhnlichen Erfolg* (5\. Auflage). Redline Verlag. S. 66f. Das liegt meiner Vermutung nach daran, dass etablierte Gewohnheiten mentale Ressourcen freisetzen. Unser Gehirn liebt Automatismen. Sie sind wie ein Energiesparmodus am Computer. Du musst nicht mehr darüber nachdenken, was du tust. Du tust es einfach. Das wirkt der sogenannten Entscheidungsermüdung entgegen: Du sparst dir die Kraft, die du für bewusste Entscheidungen benötigst. Dadurch kannst du dich besser auf andere Dinge fokussieren. Lass mich dir das an zwei Beispielen aus meinem eigenen Leben darstellen. ## Alte Routinen aufrecht erhalten: Meine Erfahrung mit Sport. Viele Menschen haben mir schon gesagt, dass sie meine Disziplin respektieren, täglich Sport zu machen. Die Ironie: Ich verwende dafür so gut wie keine Disziplin auf – zumindest nicht mehr. Bewegung ist für mich so ein *nobrainer* geworden, dass ich sie jeden Tag integriere. Sobald ich Feierabend mache, klappe ich meinen Laptop zu und gehe raus. Ins Gym. In den Park. In den Stadtwald. Krafttraining. Joggen. Fahrrad fahren. Alles erlaubt. Das Zuklappen meines Laptops ist wie ein **Trigger** für mein Gehirn. Allein schon das Geräusch sendet mir das Signal: Jetzt treiben wir Sport. Gleichzeitig hilft es, dass meine Sporttasche quasi immer gepackt ist. Ich muss sie mir nur schnappen und losgehen. In den letzten 90 Tagen (Januar - März) habe ich an 71 Tagen aktiv Sport gemacht (an 6 Tagen war ich krank). Spaziergänge zähle ich dabei nicht. Du kannst dir jedoch sicher sein, dass ich an den restlichen 19 Tagen trotzdem draußen war. Gerade beim Sport wollen wir zu viel auf einmal. Mein Weg zur Routine war ganz simpel: Im Corona-Lockdown fing ich mit einer Liegestützen-Challenge an. Dann dachte ich mir: Wenn du das schon machst, füg noch Klimmzüge hinzu. Und wer Oberkörper trainiert, muss auch Beine trainieren. Auf einmal hatte ich eine [einfache Fitnessroutine etabliert](https://www.markusdotzler.de/fitness-ist-einfach/). Was ich damals unbewusst anwendete, nennt sich **Habit Stacking**. Ich fügte meiner Sportgewohnheit allmählich zusätzliche Übungen hinzu. So verband ich meine alte Routine mit einer neuen. Das funktioniert auch mit unterschiedlichen Gewohnheiten. So könntest du z.B. deinen Morgenkaffee mit dem Lesen eines Buches verbinden. Auch hier heißt der Schlüssel zum Erfolg nicht Disziplin, sondern Routine. ## Neue Gewohnheiten etablieren: Meine Erfahrung mit kalten Duschen Seit einem Monat springe ich am Morgen unter die kalte Dusche. In den letzten 29 Tagen habe ich das an insgesamt 27 Tagen durchgezogen. Am Anfang stand ich minutenlang vor der Dusche und hab gekniffen – nicht besonders diszipliniert, oder? Seit ein paar Tagen merke ich allerdings die Veränderung: Ich denke über die kalte Dusche weniger nach. Ein leichtes Zögern stelle ich immer noch fest. Die nötige Überwindung nimmt allerdings ab. Dadurch rückt der positive Nutzen stärker in den Vordergrund: Klarheit auf Knopfdruck. Als ich gestern aussetzte, habe ich das Gefühl sogar vermisst. Auch hier greift mittlerweile schon ein Trigger. Sobald ich aufwache, denke ich an die kalte Dusche. Mein Gehirn hat den Gang ins Bad mit der kalten Dusche verknüpft. ## Manchmal sehen Gewohnheiten aus wie Disziplin Wenn man das so liest, könnte man meinen, ich bin einfach ein disziplinierter Mensch. Das stimmt nicht. Wenn am Morgen ihr Wecker klingelt, springt meine Freundin wie eine Feder aus dem Bett. Das macht sie seit Jahren. Wenn *mein* Wecker klingelt, schalte ich ihn aus, verfluche die Erwerbsarbeit und dreh mich wieder um. Der Unterschied zwischen ihr und mir? Gewohnheit. Meine Freundin hat sich das sofortige Aufstehen zur Routine gemacht. Ich hab mir das Fluchen zur Routine gemacht. Als Strafe dafür stell ich mich unter die kalte Dusche (; Spaß beiseite. Offensichtlich hat meine Freundin die bessere Angewohnheit am Morgen. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie disziplinierter ist, weil sie früh aufsteht. Gleichzeitig bin ich nicht disziplinierter, weil ich jeden Tag Sport mache. Wir haben einfach unterschiedliche Prioritäten und deshalb andere Gewohnheiten - und die können wir ändern (*irgendwann schaff ich das mit dem Aufstehen*). ## Eine neue Gewohnheit benötigt 66 Tage. Neue Gewohnheiten zu etablieren dauert im Schnitt 66 Tage. Dann ist der Punkt erreicht, der durch minimale Anstrengung eine Aufrechterhaltung der Gewohnheit ermöglicht. Das kann je nach Person und Komplexität der Gewohnheit zwischen 18 und 250 Tagen variieren. Je anstrengender das neue Verhalten, desto länger dauert die Umgewöhnung. Doch 66 Tage sind eine gute Richtlinie. #### Quelle Keller, G., & Papasan, J. (2019). S. 66f. Das klingt lang, ist es aber nicht. Selbst wenn wir von 100 Tagen ausgehen, bedeutet das, dass du dir jedes Jahr mindestens drei neue Gewohnheiten aneignen kannst. Drei Gewohnheiten in einem Jahr sind auf die Dauer deines Lebens hochgerechnet wahrscheinlich mehr Gewohnheiten, als du dir überhaupt aneignen kannst. Das Beste dabei: Wenn eine Gewohnheit platzt, hast du noch genug Zeit, von vorne anzufangen. 66 Tage entsprechen gerade einmal 0,22 Prozent der durchschnittlichen Lebenserwartung in Deutschland. Wenn etwas also überhaupt nicht funktioniert, probier etwas anderes. ## Gewohnheiten aufbauen: Tipps für die Praxis Wenn du dir etwas Neues angewöhnen möchtest, hier ein paar Ratschläge. Mach eins nach dem anderen. Ein häufiger Fehler ist, zu viele Gewohnheiten gleichzeitig etablieren zu wollen. Das passiert uns vor allem zu Neujahr. Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen: Das geht schief. Denk an die Entscheidungsermüdung. Deine mentalen Ressourcen sind begrenzt. Überlege dir zuerst, welche Gewohnheit du etablieren möchtest. Denk an das [Pareto-Prinzip](https://www.markusdotzler.de/pareto-prinzip/): Ein kleiner Teil deines Verhaltens könnte den Großteil deines Erfolges bewirken. Also konzentriere dich zuerst auf die Gewohnheit, die den voraussichtlich größten positiven Hebel für deine Lebensziele hat. Ist es dir wichtiger, ein Instrument zu lernen oder deinen Garten auf Vordermann zu bringen? Möchtest du täglich lesen oder deine Kochkünste aufs nächste Level heben? Möchtest du etwas für deine Gesundheit tun oder entspannst du am besten beim Zeichnen? Aus deiner Liste von Vorschlägen wählst du nun die Gewohnheit aus, die dir persönlich am allerwichtigsten erscheint oder dir den größten persönlichen Nutzen erbringt. Alle anderen hebst du dir erstmal für später auf. Reduziere deine Optionen auf das Wesentliche. Dann fang an. Tag für Tag. Stück für Stück. Verlier dich nicht in der Analyse-Paralyse. Denk daran: > Wenn du glaubst, dass mehr Auswahl besser ist, liegst du falsch. Während du noch damit kämpfst, dich für eine von hundert Optionen zu entscheiden, haben diejenigen, die von vornherein nur eine Wahl hatten, längst damit angefangen. > Shingesato Itoi Die nächsten 66 Tage fokussierst du dich nur auf diese einzige Gewohnheit. Fehlschläge sind kein Untergang, aber versuche, nie länger als zwei Tage auszusetzen. Ein Habit-Tracker kann dir dabei Überblick verschaffen. Ich mache das in einem einfachen Notizbuch. Die ersten Tage sind oft schwer. Die Anfangseuphorie (z.B. "endlich gesünder leben!") kann dir helfen, diese Hürde zu überwinden. Danach musst du dran bleiben. Erst, wenn das Verhalten Teil deiner Identität geworden ist, gehst du zur nächsten Gewohnheit über. Du hast Zeit. Es muss nicht alles sofort geschehen. ## Fazit: Du brauchst keine Disziplin, sondern die richtige Routine Wenn du jemanden auf Social Media oder in deinem privaten Umfeld für seine Disziplin bewunderst, dann besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Person gar nicht so sehr quälen muss, wie du denkst. Sie hat vielleicht einfach nur die richtige Routine gefunden. Jeder Mensch kann sich bessere Gewohnheiten aneignen. Jeden Tag wird das ein bisschen einfacher. Neuronale Netzwerke werden nämlich durch vermehrte Nutzung gestärkt. Unser [Gehirn ist enorm formbar](https://www.markusdotzler.de/growth-mindset/). #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). **Das merk ich mir! Erfolgreich lernen und für immer behalten mit der Make-it-stick-Methode* (I. Brodersen, Übers.; Deutsche Erstausgabe). Goldmann. S. 190 Irgendwann musst du nicht mehr darüber nachdenken. Dieser Platz in deinem Kopf schafft Raum für Erfolg. Je öfter du etwas machst, desto einfacher wird es. Je einfacher es wird, desto besser wirst du. Dein [Körper passt sich an](https://www.markusdotzler.de/homoeostase/). Du bist, was du beständig tust. Sobald der Sport zum Teil deiner Identität wird, denkst du nicht mehr über Disziplin nach. Du fragst dich: Was würde ein Sportler / Musiker / Fotograf jetzt tun? Denn genau das bist du dann. Du wirst zu dem, was du routiniert tust. Gute Gewohnheiten bringen dich weiter. Erfolg ist also unter anderem eine Frage der Gewohnheit. Ein erfolgreicher Mensch macht sich Erfolg zur Gewohnheit. ***Du kannst das auch.*** Wenn dir dieser Artikel etwas gegeben hat, bekommst du in meinem Newsletter mehr davon – ohne Selbstoptimierungslärm, dafür mit echten Erkenntnissen. [Anmelden ](#/portal/signup/free) ### Pareto Prinzip: Wie du To-Dos in Erfolge verwandelst. URL: https://www.markusdotzler.de/pareto-prinzip/ Last updated: 2026-05-08T15:35:22.000Z Willst du produktiver sein statt nur beschäftigt? Das Pareto Prinzip kann dir dabei helfen. Unser Alltag fühlt sich manchmal an, als würden wir unserer To-do-Liste hinterherrennen. Selten haben wir dabei Zeit, zu hinterfragen, ob das, was wir da gerade machen, wirklich wichtig ist. Doch was wäre, wenn ich dir dabei helfen könnte, 80 Prozent deiner To-dos zu reduzieren und dich auf die wirklichen Erfolge zu fokussieren? ## Was ist das Pareto Prinzip? Um das umzusetzen, lohnt sich ein Blick auf eine Beobachtung, die der italienische Ökonom Vilfredo Pareto schon im 19\. Jahrhundert machte. Pareto stellte fest, dass sich die Landverteilung in Italien ungleich entwickelte. Rund 80 Prozent des gesamten Grundbesitzes befand sich in den Händen von nur 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. Das Überraschende: Diese Verteilung tritt wie eine Art Gesetzmäßigkeit immer wieder auf. Deshalb gab man ihr den Namen ihres ursprünglichen Entdeckers: Das Pareto Prinzip. Im übertragenen Sinne kann man das Prinzip so erklären: Wenige Ursachen sind für eine Mehrheit der Ergebnisse verantwortlich. Entscheidend ist nicht die exakte Verteilung (80/20), sondern das grundlegende Missverhältnis. #### Quelle Keller, G., & Papasan, J. (2019). **The one thing: Die überraschend einfache Wahrheit über aussergewöhnlichen Erfolg* (5\. Auflage). Redline Verlag. S. 41. ## Das Pareto Prinzip taucht überall im Leben auf. - 1 Prozent der Weltbevölkerung besitzt einen beträchtlichen Anteil des globalen Reichtums (je nach Schätzung z.B. 38 Prozent). - Wenige Top-Performer generieren einen Großteil des Outputs eines Unternehmens. - Ein kleiner Prozentsatz an Wörtern macht den Großteil des gesamten Sprachgebrauchs aus. Wie sieht es bei dir aus? Erkennst du die 80/20-Regel auch in deinem Alltag? - Sind vielleicht nur 20 Prozent deiner Meetings erfolgsentscheidend? Könnte man sich den Großteil dieser Zeit durch bessere Vorbereitung oder konkretere Entscheidungsfindung sparen? - Verursacht vielleicht eine geringe Anzahl an Personen den Großteil deiner täglichen To-dos? Hast du ein paar wenige Kunden, die besonders betreuungsintensiv sind oder vielleicht Kollegen und Führungskräfte, die dich mit E-Mails überhäufen, weil sie jedes Problem an dich weiterleiten? ## Was das Pareto Prinzip für deinen Alltag bedeutet. - Im Studium könnte dich eine bestimmtes Thema besonders wichtig für deine nächste Prüfung sein. - Als Schüler könnte dich eine einzelne Lernmethode wie das [Interleaving](https://www.markusdotzler.de/interleaving/) weiter bringen als alle anderen. - Für dein Instrument könnte das Üben einer bestimmten Technik mit [deliberate practice](https://www.markusdotzler.de/richtig-ueben/) besonders wichtig für deinen Fortschritt sein. **Aber besonders wichtig:** 💡 Im Arbeitsleben könnten 20 Prozent deiner täglichen To-Dos für bis zu 80 Prozent deines gesamten Outputs verantwortlich sein. ## Wie du die 80/20-Regel anwendest, um produktiver zu sein. Viele der Dinge, die wir täglich tun, bewirken wenig bis nichts. Nur weil man viel tut, ist man noch lange nicht erfolgreich, sondern oft einfach nur beschäftigt. Das Pareto Prinzip dient nicht dazu, 80 Prozent deiner Arbeitsleistung einzustellen, auch wenn es gerne so dargestellt wird. Es ist nicht das Ziel, nur noch 20 Prozent deiner Arbeitszeit produktiv zu sein, sondern 100 Prozent deiner Zeit mit den 20 Prozent der wichtigsten Tätigkeiten auszufüllen. Das bedeutet, dass du z.B. nicht völlig auf E-Mails verzichten kannst. Manche administrative Tätigkeiten lassen sich nicht vermeiden bzw. sorgen für die Stabilität des Ganzen. Sie sollten dich allerdings nicht von deinem eigentlichen Ziel abhalten. Bei der Anwendung dieser Produktivitätsregel geht es um erfolgsorientierte Priorisierung. Erst Strategie, dann Taktik. Erst Vision, dann Tagesgeschäft. Doch wie wendet man das nun konkret an, um die wichtigsten Aufgaben zu identifizieren? Ein Ansatz, inspiriert von dem Buch *The One Thing*, ist die Umwandlung deiner herkömmlichen *To-do-Liste* in eine *Erfolgsliste*. ## Wie du deine To-do-Liste in eine Erfolgsliste verwandelst. ### 1\. Erstelle eine Vision Wann hast du dich das letzte Mal gefragt, wofür du überhaupt eingestellt wurdest? Was ist deine wichtigste Aufgabe? Wenn du alles stehen und liegen lassen müsstest und nur noch eine Sache machen könntest, was wäre das? Ich arbeite als Personalreferent in der Ausbildung junger Menschen. Was ist meine eigentliche Mission? Klar, die Grundprozesse müssen laufen. Sie sorgen für Stabilität. Wenn meine neuen Azubis keinen Arbeitsvertrag erhalten, kann ich meine Vision vergessen. Aber worum geht es übergeordnet? Meiner Meinung nach geht es um die Selbstbefähigung junger Menschen. Da will ich hin. Das will ich erreichen. Dazu gehört, dass ich mir überlege, welche Probleme meine Azubis haben. Mit diesem Problemverständnis kann ich in Gespräche gehen. Meine Vision zwingt mich, lösungsorientiert zu denken. Wie kann ich an den Problemen arbeiten? Wie kann ich meine Azubis fähiger machen? Wie können wir eine gute Ausbildung sicherstellen? Das ist meine Vision. Diese Vision muss ich bei allem, was ich tue, im Kopf behalten. An dieser Vision muss ich mich jeden Tag messen. Dadurch werden auch alltägliche Arbeiten erträglicher. Es ist nicht besonders spaßig, einen Vertrag zu beauftragen. Aber ohne Vertrag, keine Ausbildung. Ohne Ausbildung, kein Job. Ohne Ausbildung und ohne Job, keine Selbstbefähigung. Also: Raus mit dem Vertrag. ### 2\. Priorisiere deine To-dos anhand deiner Vision Schau dir deine aktuelle Aufgabenliste an. Blicke in deinen Posteingang. Sortiere deine Tätigkeiten. Was hat Priorität? Was zahlt am meisten auf deine Vision ein? Manchmal ist nur eine Priorisierung notwendig. Überlege dir, wie stark bestimmte Aufgaben auf das große Ganze einzahlen. Verpass ihnen eine Rangfolge (1 = hoher Beitrag für Vision, 2 = mittlerer Beitrag für Vision etc.). Lege Aufgaben, die warten können, zur Seite. Manchmal ist auch eine Eliminierung nötig. Was muss überhaupt nicht gemacht werden? Was kann delegiert oder automatisiert werden? Was sind die 20 Prozent deiner 20 Prozent? Wenn du überhaupt keine Zeit für deine Vision findest, kann Eliminierung ein großer Hebel sein. Verliere dich nicht zu stark in der Analyse. Perfektionismus oder ein zu hohes Strukturbedürfnis ist oft nichts anderes als eine sozial anerkannte Form der Aufschieberitis. Zu viel Planung, zu wenig Handlung. Bevor du dich in der Analyse verlierst, stell dir nur eine Frage: > Was ist die EINE Aufgabe, deren Erledigung heute den größten positiven Einfluss auf mein wichtigstes Ziel hat? Mir fällt es selbst immer wieder aufs Neue schwer, aber ich versuche mich daran zu halten: Der Morgen ist nicht für E-Mails da. Der Morgen ist dafür da, an Projekten zu arbeiten, die auf meine Vision einzahlen. Natürlich muss ich mich um das Tagesgeschäft kümmern. Doch ich versuche, eine Balance zwischen Vision und Alltag zu finden. Ich möchte zumindest an drei von fünf Tagen Zeit in meine Vision investieren. Diese Art der Priorisierung ist der Kern der Anwendung des Pareto Prinzips im Alltag. Dabei hilft es dir, deine Priorisierung zu überdenken und deine Vision zu erkennen. Es dient nicht der Arbeitsvermeidung, sondern dem Fokus auf das Wesentliche. [Fokus ist die entscheidende Fähigkeit](https://www.markusdotzler.de/warum-fokus-wichtig-ist/) in der modernen Arbeitswelt. Indem wir To-dos, die sich kaum auf den Erfolg auswirken, aus dem Alltag eliminieren, erzeugen wir den größten Hebel. ## Erfolg neu definieren mit dem Pareto Prinzip Beschäftigung ist oft nur eine Illusion. Erfolg bedeutet nicht, alle Aufgaben zu erledigen. Erfolg bedeutet, die wichtigsten Aufgaben zu erledigen. Ich ertappe mich oft dabei, wie ich mich frage, was ich alles zu tun habe. Das verleitet dazu, alles gleichzeitig machen wollen und der [Multitasking Illusion](https://www.markusdotzler.de/multitasking-illusion/) zu verfallen. Doch wenn alles wichtig ist, sticht nichts hervor. Deshalb frage ich dich: Was ist in deinem Alltag wirklich wichtig? Welche 20 Prozent deiner Handlungen sorgen für 80 Prozent deiner Ergebnisse? Auf diese 20 Prozent musst du dich konzentrieren (mit diesen [4 Regeln für mehr Fokus](https://www.markusdotzler.de/mehr-fokus/) klappts). Auch wenn dieser Artikel die 80/20-Regel als Produktivitätssystem versteht, empfehle ich jedem meiner Leser, [vorsichtig mit Produktivitätsdenken](https://www.markusdotzler.de/produktivitaetsluege/) zu sein. Im Link findest du eine sehr persönliche Geschichte über den Wahnsinn, zu dem das führen kann. ### KI-Creator-Falle: Mehr Content, weniger Authentizität URL: https://www.markusdotzler.de/ki-creator-falle/ Last updated: 2026-05-08T11:24:05.000Z Das ist die KI-Creator-Falle: Wir versuchen krampfhaft, online sichtbar zu sein, und generieren uns um unseren Verstand – und unsere Authentizität. Vorsicht, Meinung. Hier schreibe ich - [wir wir Persönlichkeit gegen generierte Massenware tauschen](#wie-tauschen-ki-content-gegen-authentizit%C3%A4t) - [wie sich Content Creator selbst betrügen](#ki-creator-falle-wie-sich-content-creator-selbst-betr%C3%BCgen) - [warum wir ein besseres Verhältnis zu Technologien brauchen](https://www.markusdotzler.de/selbstwirksamkeit-staerken/) - [warum Qualität gegen Quantität gewinnt](#zu-kurz-gedacht-warum-qualit%C3%A4t-gegen-quantit%C3%A4t-gewinnt) ## Wie tauschen KI-Content gegen Authentizität Zuerst hieß es, künstliche Intelligenz werde den Menschen ersetzen. Jetzt heißt es, nicht künstliche Intelligenz werde den Menschen ersetzen, sondern Menschen, die künstliche Intelligenz verwenden. Ironischerweise wird dieser Satz oft von denen geäußert, die drauf und dran sind, sich durch künstliche Intelligenz selbst zu ersetzen. Wenn ich zur Zeit in meinen Feed gucke, dann kommt es mir so vor, als werde das Internet mit KI-generierten Inhalten geflutet. Die [Informationsflut war bereits vor KI enorm](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/). Doch nun verkaufen Menschen automatisch generierte Texte als eigene Gedanken. Und das Netz wird immer lauter. Hinter diesen Inhalten sitzen Menschen, die denken, sie wären dank künstlicher Intelligenz im Vorteil. Sie ersetzen Qualität durch Quantität. Sie ersetzen Persönlichkeit durch Prompts. Es gibt eine Menge nützlicher Anwendungen für künstliche Intelligenz. Schreibassistenten, Lebensberater, Diskussionspartner - die Liste ist bereits jetzt fast endlos. Ich mache mir keine Sorgen um die Technologie - der geht es gut. Ich mache mir Sorgen um die Anwendung. ## KI-Creator-Falle: Wie sich Content Creator selbst betrügen. Ich befürchte, dass noch zu wenige Menschen differenziert über die Nutzung künstlicher Intelligenz nachdenken. Sie sehen die Kapazität für schnelle, einfache Lösungen. Sie erkennen eine Chance zur Vervielfachung ihres Outputs. Sie sehen die Möglichkeit, mehr Aufmerksamkeit und dadurch mehr Traffic generieren zu können. Sie sehen den kurzfristigen Profit. Doch was sie nicht sehen: Die Gefahr der [Verflachung ihrer Kompetenz](https://www.markusdotzler.de/selbstwirksamkeit-staerken/), [ihrer Inhalte](https://www.markusdotzler.de/kreativitaet-verlieren/) und ihrer Person. Ich lese Cal Newport, Mark Manson oder Dan Koe nicht, weil sie mich mit Wissen bewerfen. Ich lese sie, weil sie mich ein Stück des Weges auf einer ganz persönlichen Reise mitnehmen. Sie helfen mir zu eigenen Erkenntnissen und lassen mich in ihre Welt eintauchen. Menschen wollen Menschlichkeit. Sie suchen nach echter Verbindung. Sie sind fasziniert von individuellen Erfahrungen, Einzigartigkeit und auch - gewagte These - von Irrationalität. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass wir dazu bestimmt sind, uns immer völlig rational und konform zu verhalten. Oft sind es gerade unsere Eigenheiten, die seltsamen Facetten unserer Persönlichkeit, die uns dazu bewegen, interessante Dinge zu tun und dadurch interessant zu sein. Doch nicht nur die Fehler und Mängel sind es, die uns einzigartig machen, sondern das Abweichende an sich: Das Negative wie das Positive, Worte und Taten, Absichten und Entscheidungen, Erfahrungen und Kultur. All das vereint sich in nur einer Person. ## KI ist kein Ersatz für Authentizität. Das ist keine neue Ansicht, kein revolutionärer Gedanke. Wie oft hören wir den Aufruf dazu, unsere Individualität zu feiern? Doch wenn wir diese Individualität dann durch eigenen Content online zum Ausdruck bringen wollen, greifen nicht wenige Menschen bevorzugt zu generierten Inhalten. Künstliche Intelligenz ist ein mächtiges Werkzeug. Du solltest den Umgang mit diesem Tool lernen, denn du kannst dadurch besser werden. Doch nutze es, um deine Stärken zu stärken, nicht um deine Menschlichkeit zu verstecken. Künstliche Intelligenz ist kein Ersatz für Persönlichkeit. Das Werkzeug ist eine technisch korrekte, aber seelenlose Hülle ihres Anwenders. 💡 Wenn du Inhalte online postest, dann [präsentier dich, wie du bist](https://www.markusdotzler.de/sich-klein-machen/) \- mit all deinen Facetten. Versteck dich nicht hinter einer Fassade generierter Inhalte. ## Zu kurz gedacht: Warum Qualität gegen Quantität gewinnt. Du hast die richtige Intention. Du willst deine Ansichten nach außen tragen. Das ist mutig. Der Schritt, seine Meinungen zu veröffentlichen, ist schwer. Doch wenn du ihn gehst, dann geh ihn richtig. Der Prozess des Schreibens hilft deinem Gehirn bei der Konsolidierung deiner Ideen und deines Wissens. Das ist es doch, was du willst: tiefgreifende Veränderung. Kompetenz. Deine Ansichten sind mit deiner individuellen Art und Weise verflochten. Wenn du deine Menschlichkeit an die Technologie auslagerst, verlierst du deinen größten Wettbewerbsvorteil in einer digitalen Welt voller generierter Inhalte. Wenn du den kurzfristigen Vorteil der Quantität mehr schätzt als die langfristige Chance auf persönliches Wachstum, dann wirst du nicht zu den Gewinnern der KI-Revolution gehören. Du wirst das Schreiben oder [das Bloggen für tot erklären](https://www.markusdotzler.de/bloggen-ist-tot/), weil du nie gelernt hast, deine persönliche Erfahrung zu übertragen. Du wirst im Bodensatz computergenerierter Inhalte versinken. Du wirst zum Werkzeug wie alle anderen. Du machst dich austauschbar. ***Wolltest du genau das nicht vermeiden?*** ****Dein Leben soll nicht die Kopie eines Prompts sein?** In meinem Newsletter schreibe ich, wie ein selbstbestimmtes Leben auch heute noch funktionieren kann. [Anmelden ](#/portal/signup/free) ### Warum du dir so wenig merkst URL: https://www.markusdotzler.de/warum-du-dir-so-wenig-merkst/ Last updated: 2026-06-22T17:42:38.000Z Hast du manchmal das Gefühl, dass dein Gehirn überläuft? Erinnerst du dich heute nicht mehr an Dinge, die neulich noch relevant erschienen? Du bist nicht allein. Willkommen im Zeitalter der [Informationsflut](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/). Doch was, wenn das Vergessen gar nicht so schlimm ist, wie es sich anfühlt? ## Dein Gehirn in der Information Overload Der spanische Journalist und Medienwissenschaftler Ignacio Ramonet berechnete bereits Ende der 1990er Jahre, dass seit Mitte des 20\. Jahrhunderts mehr Informationen als während der gesamten letzten 5000 Jahre produziert wurden. #### Quelle Eriksen, T. H. (2001). **Tyranny of the moment: Fast and slow time in the information age*. S. 71. Addiert man die Informationen aus TV, Radio und Büchern zusammen, dann konsumierten Menschen im Jahr 1986 ca. 40 Zeitungen à 85 Seiten jeden Tag. Bis 2007 hatte sich diese Zahl auf über 174 tägliche Zeitungen bereits mehr als verdoppelt. #### Quelle Hari, J. (2021). **Stolen focus* (First edition). Crown. S. 40. Diese Reizüberflutung rollt seitdem unaufhaltsam auf uns zu. Im Jahr 2007 stellte Steve Jobs übrigens das erste iPhone vor. Wie sich die Informationsüberflutung seitdem entwickelt hat, beschreibe ich genauer im verlinkten Artikel. Der Sozialanthropologe Thomas Hylland Eriksen bezeichnet die moderne Gesellschaft als Informationsgesellschaft. Informationen sind das flüssige Gold des 20\. Jahrhunderts. Was macht das mit uns? Eine mögliche Folge, die Eriksen in seinem Buch aufzählt, ist die Beeinträchtigung unseres Erinnerungsvermögen ## Stacking: Warum du dir so wenig merkst Angesichts ihrer begrenzten zeitlichen Kapazitäten versuchen Menschen mehr Aufgaben und Informationen gleichzeitig zu bewältigen. Dadurch beginnen sie ihre Aktivitäten übereinander zu „stapeln“: Jeder individuellen Aufgabe oder Information wird ein immer kleiner werdendes Zeitfenster gewidmet. Somit kann immer mehr im gleichen Zeitraum erledigt werden. #### Quelle Eriksen, T. H. (2001). S. 110. Doch da wir unser Gehirn mit immer neuen Reizen beschallen, fehlt ihm die notwendige Zeit, um Erinnerungen zu festigen. In der Lernforschung bezeichnet man diesen Prozess der Festigung als Konsolidierung. Konsolidierung stärkt die neuronale Verknüpfung und ermöglicht es dir, leichter auf Wissen zuzugreifen und es besser mit anderen Themen vernetzen zu können. Dieser Prozess ist ausschlaggebend, wenn du dir etwas langfristig merken willst. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). **Das merk ich mir! Erfolgreich lernen und für immer behalten mit der Make-it-stick-Methode* (I. Brodersen, Übers.; Deutsche Erstausgabe). Goldmann. S. 30f. Doch zur Konsolidierung benötigt das Gehirn Zeit. Informationen zu verarbeiten kann Stunden, manchmal sogar Tage dauern. Das ist Zeit, die wir in unserem hektischen Alltag oft nicht haben. Um der Informationsflut zu begegnen, [multitasken wir wie verrückt](https://www.markusdotzler.de/multitasking-illusion/) und springen von einem Thema zum nächsten. Doch so verrückt sich der Fokus immer stärker auf Informationsverarbeitung statt Informationsspeicherung. Durch die ständige Verarbeitung und Einsortierung der vielen Informationen sowie dem ewigen Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben, überreizen wir die mentalen Kapazitäten, die wir für das Erzeugen von Erinnerung benötigen. > *Wir sind benommen vom Kommunikations- und Informationsrausch. Der Tsunami der Information entwickelt destruktive Kräfte.* > – Byung-Chul Han #### Quelle Han, B.-C. (2021). **Infokratie: Digitalisierung und die Krise der Demokratie* (Erste Auflage). Matthes & Seitz Berlin. S. 22. Kurzum: Reizüberflutung führt zu kognitiver Überlastung. Das Resultat: Wir merken uns weniger. Wir vergessen vieles. Doch in der Informationsflut steckt auch eine Chance: Vergessen ist ärgerlich – keine Frage. Beim Lernen ist es dein größter Feind. Innerhalb kürzester Zeit vergessen Menschen bis zu 70 % der gelernten Inhalte. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). S. 40. Doch was ist, wenn das Vergessen gar nicht das Problem ist? Was ist, wenn es uns im Kampf gegen die Informationsflut sogar hilft? ## Hoffnung: Vergessen als Schutz vor zu viel Informationen In Anbetracht der enormen Menge an Informationen, mit der du dich tagtäglich konfrontiert siehst, ist es gut, wenn das Gehirn Inhalte vergisst, die keine langfristige Relevanz besitzen. Stell dir vor, du würdest dich an jede einzelne Information, an jedes Bit erinnern. Was wäre das für ein Chaos in deinem Kopf? Das Gehirn ist sehr selektiv, was das Erinnern betrifft. Es behält, was unmittelbar wichtig erscheint. Alles andere wird aussortiert oder schlicht nicht wahrgenommen. ## So formst du aktiv dein Gedächtnis Dadurch kann das Vergessen auch zur Chance werden. Für wichtige Inhalte, die du dir wirklich merken willst, musst du aktiv werden. Vor allem in Bürojobs ist es oft schwierig, direkt zu erkennen, was langfristig wichtig ist. Zum einen sind die Informationen in der Regel nicht überlebensnotwendig und zum anderen ist es im Zeitalter von E-Mails und Chats einfach zu viel, was täglich auf dich einprasselt. Deshalb musst du dein Gehirn unterstützen. Du musst ihm signalisieren, welche Informationen langfristig gespeichert werden sollen, indem du es immer wieder mit ihnen konfrontierst. Das Vergessen ist nicht nur ein Ärgernis. Es ist eine Chance. Es gibt dir die Möglichkeit, deine Erinnerung zu beeinflussen. Du kannst dein Gehirn mit den Informationen füttern, die es speichern soll und es auf diese Weise formen. Gleichzeitig kannst du dem Prozess des Vergessens entgegenwirken, indem du selbst darüber entscheidest, [welche Informationen es sich merkt](https://www.markusdotzler.de/informationsflut/). So wie du entscheidest, ob du deinen Körper mit Gemüse oder Pommes versorgst, besitzt du auch ein Mitspracherecht, ob du deinem Gehirn Weisheit oder sinnlose Unterhaltung zuführst und an was du dich davon später erinnern wirst. Entscheidest du dich für das digitale Äquivalent von Sägemehl und Zuckerwasser oder greifst du zu komplexen Kohlehydraten, die dein Gehirn langfristig gesund halten? Dein Gehirn ist ein Projekt – nicht irgendeines, sondern dein ganz persönliches. Es ist einzigartig. Zwei Bildhauer können einen Marmorblock bearbeiten. Doch ihre Individualität, Vision und Anstrengung können den Stein zu völlig unterschiedlichen Kunstwerken formen. Wie wird dein Kunstwerk am Ende aussehen? ## Vergessen akzeptieren, Erinnern aktiv gestalten Wenn du das nächste Mal feststellst, dass du etwas vergessen hast, halte einen Moment inne und frage dich: War mir die Information wirklich wichtig? Habe ich mich überhaupt bemüht, mir sie zu merken? Wenn nicht, dann ärgere dich nicht über das Vergessen. Stell dir vor, dein Kind zerbricht eine Tasse. Wie wirst du reagieren? Wirst du dich aufregen? Wenn du das tust, dann geht nicht nur die Tasse zu Bruch, sondern auch deine innere Ruhe. Betrachte die Scherben als Preis, den du für Gleichmut zahlen musst. #### Quelle Epiktet (2024). Das kleine Handbüchlein der Moral. Reclams Universal-Bibliothek. S. 18f. Wenn du Wein verschüttest oder dein Essen missrät, dann reg dich nicht auf. Du hast den Preis für Gleichmut bereits bezahlt. Opfere nicht auch noch deine innere Ruhe. Nur ein Narr zahlt freiwillig den doppelten Preis. Genauso ist das auch mit dem Vergessen. Ein Mensch, der besser werden will, wird Fehler machen. Ein Mensch, der Geld verdienen möchte, wird auch mal etwas verlieren. Und ein Mensch, der sich etwas merken möchte, wird vergessen. Es ist unausweichlich. Das Vergessen ist der Preis, den du für Wachstum zahlen musst. Also ärger dich nicht. Übernimm stattdessen Verantwortung für deinen Lernprozess. Wenn du überzeugt bist, dass eine Information wichtig ist, dann musst du aktiv werden. > Das Vergessen kannst du nicht kontrollieren. Das Erinnern hingegen schon. ****Du willst mehr Kontrolle über das, was in deinem Kopf bleibt?** Hier schreib ich regelmäßig, wie wir in der Informationsüberflutung den Verstand behalten – ohne Rauschen, ohne Algorithmus. Nur das Wesentliche, direkt in dein Postfach. [Jetzt kostenlos abonnieren ](#/portal/signup/free) ### Schluss mit Pauken: effektiv lernen mit Active Recall URL: https://www.markusdotzler.de/schluss-mit-dem-pauken/ Last updated: 2026-07-10T09:17:57.000Z Schluss mit dem Pauken! Active Recall funktioniert besser. Hier erfährst du: - [wie ich es vom Schulversager zum Masterstudium geschafft hab](#ich-war-ein-schlechter-sch%C3%BCler) - [was dir die Schule über Lernen nicht beibringt](#was-dir-die-schule-nicht-%C3%BCber-lernen-beibringt) - [wie wir uns beim Lernen selbst täuschen](#metakognition-warum-wir-unser-wissen-falsch-einsch%C3%A4tzen) - [wie du Vergessen mit Active Recall vermeidest](#die-vergessenskurve-nach-ebbinghaus-besiegen) - [wie du KI einsetzt, um besser (nicht leichter) zu lernen](#active-recall-mit-k%C3%BCnstlicher-intelligenz-umsetzen) ## Ich war ein schlechter Schüler. Bis zur neunten Klasse [war ich ein schlechter Schüler](https://www.markusdotzler.de/kein-talent/). Ich war mit dem Kopf überall, nur nicht bei der Schule. Ich träumte von einer Karriere als Bassist in einer Band. Latein pauken und Heavy Metal passten einfach nicht zusammen. Wenn ich mich dann mal hinsetzte und versuchte mir den Stoff einzuprügeln, waren meine Lernerfolge bescheiden. Meine Lehrer würden sagen, ich war bemüht. Ab einem gewissen Punkt gab ich auf. Schule war einfach nichts für mich. Ich versuchte es nicht mehr und fiel im Stoff immer weiter zurück. Meine Schulzeit fühlte sich wie eine ewige Aufholjagd an. ### Der Tiefpunkt: Sitzenbleiben in der Neunten. Dann kam es, wie es kommen musste. In der neunten Klasse fuhr ich gegen die Wand: ein 6er und zwei 5er im Jahreszeugnis. Sitzengeblieben. "*Große Anstrengungen werden in Zukunft nötig sein, um die erbrachten Leistungen zu verbessern*" liest meine Zeugnisbewertung der neunten Klasse. Noch nötiger als *große Anstrengungen* war für mich damals nur ein Neuanfang. ### Der Wendepunkt: Schulwechsel als zweite Chance Nach der neunten Klasse wechselte ich die Schule. Die niedrigeren Ansprüche verschafften mir die Möglichkeit, den Anschluss wiederzufinden. Plötzlich schrieb ich gute Noten. Es machte Klick: ***Ich kann das!*** Ich erhielt die zweite Chance, nach der ich jahrelang gesucht hatte. Dieser Glaube, mein [Growth Mindset](https://www.markusdotzler.de/growth-mindset/), trug mich vom Schulabgänger zum Masterabsolventen. ### Der Höhepunkt: Lernen als neue Leidenschaft Trotz dieser Erkenntnis sollte es bis ins Erwachsenenalter dauern, bis ich wirklich Spaß am Lernen fand. Als ich den (selbstauferlegten) Zwängen der Schule und des Studiums nicht mehr folgen musste, entdeckte ich eine neue Leidenschaft. Ich verstand: Lernen ist nicht Pauken. Lernen ist nicht sture Wiederholung. Lernen bedeutet nicht, das zu sagen, was der Professor hören will. 💡 Lernen ist kontinuierlicher Fortschritt. Lernen ist persönliches Wachstum. Lernen ist Anpassung an eine sich immer rasanter verändernde Welt. [Lernen ist eine Lebensversicherung](https://www.markusdotzler.de/lebenslanges-lernen/). Die wichtigste Lektion aber war: 💡 Lernen ist eine Fähigkeit. Jeder kann lernen, wie man sich effektiv Wissen aneignet. Dafür ist jedoch eine gezielte Herangehensweise notwendig. ## Was dir die Schule nicht über Lernen beibringt Leider stattet uns die Schule nur bedingt mit den nötigen Kompetenzen zum selbstständigen Lernen aus. Die Anforderungen am Gymnasium waren hoch, doch wie man sich den ganzen Stoff aneignen soll, hat mir niemand gezeigt. Bis heute beobachte ich das auch bei meinen Azubis. Sie kommen zu uns in den Betrieb und müssen nun die Berufsschule besuchen. Nach Jahren im Schulwesen wissen sie immer noch nicht, wie man wirklich effektiv lernt. Manche verlassen sich auf ihre Intuition. Sie büffeln am Abend vorher, weil sie in der Vergangenheit festgestellt haben, dass [Bulimielernen kurzfristigen Erfolg verspricht](https://www.markusdotzler.de/bulimielernen-verstehen/). Andere verlassen sich auf die Erfahrungen ihrer Eltern. Damit fahren sie aber oft gegen die Wand - so wie ich damals. Intuitive Lernmethoden sind oft falsch, auch wenn sie über Generationen vererbt werden. Intuition und Erfahrung sind in diesem Falle keine guten Lehrmeister. Hier ein Beispiel: Eine beliebte Lernmethode ist, sich mit einem Text hinzusetzen und darin kräftig zu unterstreichen und zu markieren. Danach liest der Schüler den Text immer wieder durch, bis er ihn versteht. Erkennst du dich darin wieder? Ich mich schon. Studien zufolge ist das jedoch eine äußerst ineffektive Form des Lernens. Für den langfristigen Lernerfolg könntest du das Blatt Papier genauso gut essen. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). **Das merk ich mir! Erfolgreich lernen und für immer behalten mit der Make-it-stick-Methode* (I. Brodersen, Übers.; Deutsche Erstausgabe). Goldmann. S. 23ff. Diese unangenehme Wahrheit überrascht Lernende oft böse. Obwohl sie sich mit den Inhalten auseinandersetzen und kostbare Zeit investieren, schneiden sie in Tests schlecht ab. Woran liegt das? ## Metakognition: Warum wir unser Wissen falsch einschätzen Das Problem ist zum Teil in der *Metakognition* begründet. Menschen sind in der Lage, über ihr Denken nachzudenken. Hast du schon mal einen negativen Gedanken gehabt und dich im Anschluss gefragt, warum du dauernd solche negativen Gedanken hast? Das ist *Metakognition*. In Bezug auf das Lernen haben Menschen eine Vorstellung davon, was sie wissen - oder besser gesagt, was sie zu wissen glauben, denn diese Einschätzung ist oft falsch. Das mehrfache Lesen eines Textes erzeugt Vertrautheit. Mit der Zeit verstehen wir den Aufbau des Textes, erkennen die Argumente und wissen, wo die wichtigsten Informationen zu finden sind. Diese Vertrautheit gaukelt uns vor, dass wir ein Thema verstehen. Der vorher unbekannte Text kommt uns nun bekannt vor. Dieses positive Gefühl der Vertrautheit verwechseln wir mit tatsächlichem Verständnis. Vertrautheit ist übrigens nicht nur beim Lernen problematisch. Selbst [Eheleute schätzen die Persönlichkeit ihres Partners nur bis zu 80 Prozent korrekt ein](https://www.markusdotzler.de/erster-eindruck/#warum-wir-an-unseren-urteilen-festhalten-halo-und-primacy-effekt). Nach all den Jahren der Ehe meinen sie zu wissen, wie der Partner tickt, und schauen deshalb nicht mehr so genau hin. #### Quelle Siegle, D. (Hrsg.). (2024). **Menschen lesen: In andere hineinschauen, das Gegenüber besser einordnen, schwierige Charaktere verstehen*. Beltz. S. 42. Auch der *Overconfidence-Effekt* spielt hier eine Rolle. So wie Menschen gerne ihre Fähigkeit beim Autofahren überschätzen, halten sie sich auch für schlauer als sie es in Wirklichkeit sind. Das passiert auch beim Lernen. Menschen schätzen ihr Verständnis eines Themas besser ein, als dies eigentlich der Fall ist. ## Dunning-Kruger-Effekt: Selbstbewusstsein dank Inkompetenz Interessanterweise kommt das vor allem bei inkompetenten Menschen vor. In der Psychologie tritt dieses Phänomen so häufig auf, dass es einen eigenen Namen hat: Der [*Dunning-Kruger-Effekt*](https://www.markusdotzler.de/dunning-kruger-effekt/). Gem. des *Dunning-Kruger-Effektes* sind vor allem inkompetente Menschen oft besonders von ihren Fähigkeiten überzeugt. Sie sind sich ihres mangelnden Wissens nicht bewusst und somit nicht in der Lage, das Ausmaß ihres Unwissens einzuschätzen. #### Quelle Ahrens, Sönke. Das Zettelkasten-Prinzip: Erfolgreich wissenschaftlich Schreiben und Studieren mit effektiven Notizen (German Edition). 2017\. Kindle-Version. S. 16. Anders ausgedrückt: Woher soll jemand wissen, wie wenig er weiß, wenn er gar nicht weiß, was er alles nicht weiß? Die traurige Schlussfolgerung aus dem *Dunning-Kruger-Effekt* ist, dass Selbstbewusstsein nicht nur aus Kompetenz, sondern manchmal auch einfach aus Unwissenheit entsteht. Schließlich greifen der *Dunning-Kruger-Effekt* und der *Overconfidence-Effekt* auch beim Lernen ineinander. Ist der eigene Horizont stark begrenzt, stärkt das die Vertrautheit mit ebendieser begrenzten Sicht. Unwissende Menschen vertrauen zu stark auf ihr Unwissen, das sich ihnen als Wissen offenbart. ## Die drei Stufen der Metakognition Menschen sind also mehr oder weniger gut in der Lage, über ihr Wissen nachzudenken. Das bringt uns zurück zur *Metakognition*. Es gibt Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie wissen. 1 + 1 = 2\. So viel kriege selbst ich aus meiner Schulzeit noch hin. Dann gibt es Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie nicht wissen. Dazu gehört z.B. die Frage nach außerirdischem Leben. Wir wissen, dass wir diese Frage wahrscheinlich niemals mit Sicherheit beantworten können - außer diese verdammten Dinger zeigen sich endlich. Zuletzt gibt es aber auch Dinge, von denen wir nicht einmal wissen, dass wir sie nicht wissen. Wissen hat keine Grenzen. Der Mensch kann niemals alles wissen. Wir sind uns eines großen Teils dessen, was wir nicht wissen, überhaupt nicht bewusst und je weniger wir wissen, desto schlechter sind wir in der Lage, unser Unwissen einzuschätzen. ## Die Illusion der Vertrautheit Jetzt kriegen wir wieder die Kurve zum stupiden Auswendiglernen: Je öfter wir einen Text hintereinander lesen, desto stärker wird unsere Illusion darüber, wie gut wir ihn verstehen. Der Dunning-Kruger-Effekt schlägt zu! Diese Vertrautheit führt zu blindem Selbstbewusstsein. Dadurch strengen wir uns weniger an, die Inhalte zu vertiefen. Unsere Lernmethode ist nicht nur ineffektiv, sondern hinterlässt auch gefährliche Lücken. Erkenntnis ist schmerzhaft, weil wir sie mühsam herbeiführen müssen. Unwissend lebt es sich hingegen recht ungeniert. Im Englischen heißt es deshalb: *Ignorance is bliss*. Aus diesem Grund bleiben wir oft ein Leben lang bei ineffektiven Lernmethoden: Sie tun nicht weh. Sie sind nicht anstrengend. Darunter leidet der langfristige Lernerfolg: Wir vergessen. Wir verknüpfen nicht. Wir verstehen nicht. Wir verschwenden unsere Zeit. ## Die Vergessenskurve nach Ebbinghaus besiegen Wie können wir das besser machen? Eine Methode, mit der ich in letzter Zeit bewusst experimentiere, ist das aktive Abrufen von Erlerntem. Dafür legst du zunächst einmal deine Quelle beiseite. Mach das Buch zu, verdeck deine Notizen oder schalte das Video aus. Jetzt stellst du dir Fragen. Was war der Inhalt des letzten Kapitels oder der letzten Seiten? Worum ging es in der Vorlesung? Was war das Fazit zu Thema X? Du versuchst, dich unter bloßer Anstrengung deines Gedächtnisses an die Inhalte zu erinnern. Am besten schreibst du dir deine Antworten auf. Erst wenn du dem Abrufen eine ehrliche Chance gegeben hast, überprüfst du deine Antwort. Das ist aktives Abrufen (active recall). Es ist mühselig, aber viel effektiver als einfach nur die Quelle von vorne durchzukauen. Wenn du etwas lernst, ist dein größter Feind das Vergessen. Innerhalb kürzester Zeit vergessen Menschen bis zu 70 Prozent der gelernten Inhalte. Wenn du nichts dagegen unternimmst, kannst du bald von vorne anfangen. Diesen Effekt kennen wir heute als Vergessenskurve, geprägt durch den Psychologen Hermann Ebbinghaus: [Vergessenskurve – Wikipedia![](https://www.markusdotzler.de/content/images/icon/wikipedia.png)Wikimedia Foundation, Inc.Autoren der Wikimedia-Projekte![](https://www.markusdotzler.de/content/images/thumbnail/1280px-ForgettingCurve.svg.png)](https://de.wikipedia.org/wiki/Vergessenskurve?ref=markusdotzler.de) Das Gegenmittel heißt aktives Abrufen und es funktioniert wie das Basteln einer Perlenkette. Damit die Perlen am anderen Ende der Schnur nicht herunterrutschen, musst du einen Knoten schnüren. Active Recall knüpft diesen Knoten in deinem Gedächtnis. Es sorgt dafür, dass deine Perlen nicht verloren gehen. So gestaltest du bewusst, welche Inhalte in deinem Kopf bleiben. Durch active recall bist du in der Lage, [selbst zu bestimmen, was du vergisst](https://www.markusdotzler.de/informationsflut/). Folg dem Link für mehr Informationen. Schüler, die aktives Abrufen anwenden, erzielen in verschiedenen Studien regelmäßig bessere Ergebnisse als ihre Mitschüler. Eine Studie zeigt zum Beispiel, dass Testpersonen, die am Tag des Lernens aktives Abrufen praktizierten, nach zwei Tagen nur 13 Prozent der Inhalte vergaßen, während sich die Vergleichsgruppe nur noch an 50 Prozent der Inhalte erinnern konnte. Dieser Effekt hält auch langfristig an. In neueren Experimenten konnte festgestellt werden, dass aktives Abrufen auch über Zeiträume von einer Woche bis hin zu mehreren Monaten zu besseren Ergebnissen führte. Intensives Büffeln kann kurzfristig funktionieren, doch wenn du das Wissen langfristig behalten möchtest, solltest du zum aktiven Abrufen greifen. An dieser Stelle möchte ich dir ein paar konkrete Beispiele dafür geben, wie du aktives Abrufen in deinen Lernprozess integrieren kannst: 1. ***Konsum.*** Inhalte aufzunehmen ist unausweichlich. Wenn du einen Text nicht liest, kannst du ihn nicht abrufen. 2. ***Bearbeitung.*** Markiere dir die Kerninhalte. Das machst du nicht, um sie wiederholt zu lesen, sondern um sie leichter wiederzufinden. 3. ***Abrufen.*** Am Ende eines Kapitels überlegst du dir, welche Kernaussagen in dem Text standen. Mit Stift und Papier schreibst du sie dir auf, ohne auf den Text zu blicken. Dabei profitierst du zusätzlich von den Lerneffekten des handschriftlichen Schreibens. 4. ***Überprüfung.*** Gleiche deine Antworten mit dem Text und deinen Markierungen ab. So kannst du bereits während des Lernens aktives Abrufen praktizieren. Doch das ist noch nicht alles. Nun kommen wir zur Königsdisziplin. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). S. 38ff. ## Der Testing-Effekt: Geheimwaffe Active Recall. Um die Inhalte weiter zu vertiefen, können wir uns eine unliebsame Praktik der Schulen und Universitäten zunutze machen: Tests. Bitte renn jetzt nicht davon. Ich weiß, die Posttraumatische Belastungsstörung aus deiner Schulzeit sitzt tief. Bis ins Erwachsenenalter führt das Wort "Ex" nicht nur im Liebesleben zu unkontrolliertem Zittern und heftigen Schweißausbrüchen. Stegreifaufgaben, Schulaufgaben und Klausuren haben einen schlechten Ruf - berechtigterweise, denn oft dienen sie nur dem einmaligen Wissensabruf und sind mit einer zerschmetternden Bewertung verbunden. Das muss nicht sein. Tests können eine sehr gute Lernmethode sein, denn sie sind effektiv. Zunächst geben sie dir Feedback. Ein Test zeigt dir, ob du Lücken hast. Das ist wichtig, da du dadurch nicht so leicht der Illusion der Vertrautheit unterliegst (Dunning-Kruger-Effekt). Weiterhin zwingen sie dich zum aktiven Abrufen des Gelernten. Das wirkt dem Prozess des Vergessens entgegen und stärkt die Konsolidierung der Inhalte im Langzeitgedächtnis, wodurch du leichter auf das Wissen zugreifen und es besser mit anderen Themen vernetzen kannst. Diese Wirkung ist auch als Testing-Effekt bekannt: > Der Zugriff auf das Gedächtnis verändert das Gedächtnis und erleichtert den späteren erneuten Zugriff. #### Quelle Brown, P. C., Roediger, H. L., & McDaniel, M. A. (2019). S. 52. Nicht zuletzt bist du aufmerksamer, wenn du weißt, dass das Wissen im Anschluss abgefragt wird. Regelmäßige Selbsttest können auch bei Prüfungsangst helfen, da du dich der Testsituation immer wieder aussetzt. Für Fans des Analogen gibt es verschiedene Möglichkeiten, Selbsttests in das eigene Lernen zu integrieren: 1. ***Fragen.*** Was willst du von deiner Quelle erfahren? An was willst du dich erinnern? Was sind die Kerninhalte? Stelle dir Fragen und beantworte sie im Nachgang, ohne den Text erneut zu lesen. 2. ***Karteikarten.*** Formuliere Karteikarten und frage dich immer wieder damit ab. Am besten sogar themenübergreifend (also Biologie und Geschichte gemischt). So nutzt du auch noch [Interleaving](https://www.markusdotzler.de/interleaving/). Drehe die Karte erst um, wenn du der Antwort eine ehrliche Chance gegeben hast. Ich persönlich liebe [Anki](https://apps.ankiweb.net/?ref=markusdotzler.de) dafür. 3. ***Zusammenfassungen.*** Schreibe dir im Nachgang eine kurze Zusammenfassung, ohne die Quelle erneut zu öffnen. Danach vergleichst du deine Zusammenfassung mit der Quelle. 💡 Besonders gut funktionieren Tests, wenn du mehrere Tage zwischen ihnen vergehen lässt. In dieser Zeit vergisst du das ein oder andere und das macht es anstrengender, dich an Inhalte zu erinnern, was – paradoxerweise – gut für deine Erinnerung ist. Diese Methode nennt sich Spaced Repetition und ist einer der effektivsten Lerntricks überhaupt. ## Active Recall mit Künstlicher Intelligenz umsetzen Heutzutage kannst du aber auch auf Künstliche Intelligenz zurückgreifen. Die ist kein Allheilmittel. [KI kann unserer Selbstwirksamkeit sogar schaden](https://www.markusdotzler.de/selbstwirksamkeit-staerken/) (Selbstwirksamkeit ist die Erfahrung, das eigene Leben aktiv gestalten zu können). Doch für dein Lernen kannst du sie dir zunutze machen. Probiere beispielsweise ChatGPT und seine Reasoning-Funktion aus. Diese Woche habe ich folgenden Prompt dafür verwendet: Situation: Du bist der Lehrer und ich bin der Schüler. Du bist ehrlich und direkt. Aufgabe: Ich habe das erste Kapitel ("Lernen geht anders") des Buches "Das Merk Ich Mir" von Peter Brown et al. gelesen und du sollst prüfen, ob ich das Gelesene verstanden habe. Du fragst mich ab. Vorgaben für den Test: Der Test soll eine Mischung aus Wissensabruf und Anwendung sein. Du stellst immer nur eine Frage. Du stellst Gegenfragen, sofern ich eine unzureichende oder falsche Antwort gebe, statt mir direkt die Lösung zu liefern. Du lieferst mir nur die Lösung, wenn ich es dir konkret sage. Du unterziehst deine Antworten einem Faktencheck. Du gibst mir zu meinen Antworten Feedback, bevor du die nächste Frage stellst. Dieser Prompt hat für meine Bedürfnisse gut funktioniert. Pass ihn aber gerne an. Ich bin kein Profi in der Nutzung von ChatGPT, doch konnte damit bereits mehrfach eine 30-minütige Abfrage mit der KI starten. Auch Multiple-Choice-Abfragen habe ich bereits erfolgreich genutzt, wenn auch mit Einschränkungen. Die KI hatte nämlich immer eine eindeutige Tendenz, dass Antwort b) die Richtige ist. Offene Fragen sind jedoch sowieso besser, da bei Multiple-Choice die Gefahr der Wiedererkennung der Inhalte besteht, wodurch du nicht mehr abrufst. Manchmal halluziniert die KI auch und fragt dich zu Inhalten, die nicht in der Quelle oder dem Kapitel standen. Bisher waren sie aber immer auf das Thema bezogen. Ich habe also sogar beim Abfragen etwas Neues gelernt. Wenn du deine Abfragen dann noch zeitlich verteilst (*spaced repetition*), wirst du bald kaum noch etwas vergessen. Wer das Erlernte regelmäßig abruft, stärkt die neuronalen Verknüpfungen im Gehirn, bis es irgendwann zum Automatismus wird. Das sind nur ein paar Ideen, um dein Lernen anzukurbeln. Wenn du langfristigen Erfolg haben willst, musst du deine Methoden überdenken. Manche Lernmethoden sind intuitiv, aber ineffektiv. Andere sind mühsam, aber lohnenswert. ## Warum sich Anstrengung beim Lernen lohnt Es ist wie bei der Holzfäller-Analogie: Zwei Holzfäller gehen in den Wald, um Bäume zu fällen. Beide besitzen eine stumpfe Axt. Der erste Holzfäller legt direkt los, doch seine Axt ist so abgenutzt, dass er zwei Stunden benötigt, bis der erste Baum fällt. Der zweite Holzfäller setzt sich erst einmal hin und schleift seine Axt. Dafür braucht er eine halbe Stunde. Seinen Baum fällt er dafür in nur einer Stunde. Sein erstmaliger Aufwand zahlt sich langfristig gesehen aus. So ist das auch beim Lernen. Aktives Abrufen erfordert eine erstmalige Anstrengung. Dafür behältst du langfristig gesehen mehr im Kopf. ## Fortschritt ist eine Lebensaufgabe Bis zur neunten Klasse war ich ein schlechter Schüler. Danach kompensierte ich vieles mit Fleiß. Ich fällte Bäume mit stumpfen Äxten. Auch heute, mit 30 Jahren, bin ich immer noch Schüler. Ich bleibe es ein Leben lang. Der Unterschied ist jedoch, dass meine Axt nun geschärft ist. Und für das Schärfen deines eigenen Verstandes brauchst du keine Begabung (ich halte [Talent für einen Mythos](https://www.markusdotzler.de/talent-mythos/)). Du brauchst den [Mut zur Veränderung](https://www.markusdotzler.de/mut-zur-veraenderung/), auch in den Zeiten, in denen du dich für [nicht gut genug](https://www.markusdotzler.de/nicht-gut-genug-prokrastination-erfahrung/) hältst. **Und jetzt bist du gefragt:** Wie du am Ende dieses Beitrags sicherlich weißt, ist es nach der Lektüre eines Textes wichtig, aktives Abrufen zu praktizieren. Probiere es doch einfach mal aus. Kopiere diesen Text mit dem passenden Prompt in ChatGPT und schau, wie gut du ihn verstanden hast. Ich wünsche dir viel Erfolg. Und falls du irgendwann nicht mehr weiterkommst: I got you. Mit diesem Artikel [überwindest du jedes Lernplateau](https://www.markusdotzler.de/lernplateau-ueberwinden/). Wer sein Lernen in die eigene Hand nimmt, lernt auch, sein Leben selbstbestimmt zu gestalten. Mein Newsletter hilft dir dabei. Kostenlos. Kein Spam. Nur Inhalt, der dich weiterbringt. [Anmelden ](#/portal/signup/free) ### Erster Eindruck: Solltest du ihm vertrauen? URL: https://www.markusdotzler.de/erster-eindruck/ Last updated: 2026-05-03T08:18:42.000Z Für den ersten Eindruck erhältst du keine zweite Chance. Hier erfährst du: - [Wie treffsicher der erste Eindruck ist](#wie-treffsicher-ist-der-erste-eindruck) - [Wann er uns in die Irre führt](#warum-wir-an-unseren-urteilen-festhalten-halo-und-primacy-effekt) - [Wie mächtig nonverbale Kommunikation dabei ist](#die-macht-der-mimik-nonverbale-kommunikation) ## Wie treffsicher ist der erste Eindruck? Erinnere dich für einen kurzen Moment zurück. Wann hast du das letzte Mal jemanden völlig Fremden kenngelernt? Wie schnell hattest du einen Riecher, ob dir diese Person sympathisch ist oder nicht? Ein erster Eindruck entsteht oft in Sekundenschnelle - ohne uns dessen wirklich bewusst zu sein. Doch wie zuverlässig ist unser erster Eindruck? Mit genau dieser Frage beschäftigte sich der Sozialpsychologe David Kenny. David Kenny verfasste das Standardwerk der Menschenkenntnis: *Interpersonal Perception. The Foundation of Social Relationships.* Aus Kennys Forschung geht hervor, dass wir allein über ein einfaches Passbild die Gesamtpersönlichkeit eines Menschen mit einer Trefferwahrscheinlichkeit von 58 Prozent erraten können. #### Quelle Jochen Metzger in: Siegle, D. (Hrsg.). (2024). **Menschen lesen: In andere hineinschauen, das Gegenüber besser einordnen, schwierige Charaktere verstehen*. Beltz. S. 40. Das ist gar nicht so schlecht, wenn man bedenkt, wie wenig Informationen ein Passbild bietet. In der Realität nehmen wir jedoch viel mehr wahr. Körperhaltung, Mimik, Gestik, Kleidungsstil - je mehr Informationen wir wahrnehmen, desto besser wird das Bild, das wir malen. Ein erster Eindruck ist daher oft relativ treffsicher. Darin liegt jedoch auch das Problem. Manchmal greifen wir völlig daneben. Ist unser Urteil dann erst einmal getroffen, ändern wir es nur sehr langsam, oft sogar überhaupt nicht. ## Warum wir an unseren Urteilen festhalten (Halo und Primacy-Effekt). Stecken wir eine Person in eine falsche Schublade, bleibt sie dort, auch wenn sie dort überhaupt nicht hineinpasst. Wer jemanden nicht riechen kann, macht sich meist nicht die Mühe, ihn sich schön zu schnuppern. Warum das so ist, erklären zwei kognitive Verzerrungen: 1. Der Halo-Effekt 2. Der Primacy-Effekt Ein einzelnes Merkmal überstrahlt manchmal alle anderen Eigenschaften wie ein Lichtkegel. Das ist der [Halo-Effekt](https://de.wikipedia.org/wiki/Halo-Effekt?ref=markusdotzler.de). Wenn uns etwas an einem Menschen nicht gefällt, übersehen wir manchmal seine guten Eigenschaften oder interpretieren sie in einem schlechten Licht. Jetzt tritt der [Primacy-Effekt](https://de.wikipedia.org/wiki/Prim%C3%A4reffekt?ref=markusdotzler.de) auf die Bühne. Erstinformationen verankert unser Gehirn besonders stark im Langzeitgedächtnis. Wir erinnern uns leichter an das, was wir zuerst wahrnehmen. So auch beim ersten Eindruck: Rund die Hälfte dessen, was wir über eine Person lernen, speichern wir innerhalb der ersten Sekunden und Minuten ab. Aus diesem Grund ist der erste Eindruck tückisch, wenn er falsch ist. Manche Charaktereigenschaften werden nicht nur von ihm überstrahlt (Halo-Effekt). Irgendwann schauen wir überhaupt nicht mehr richtig hin (Primacy-Effekt). So kommt es, dass selbst Eheleute die Persönlichkeit ihres Partners nur bis zu 80 Prozent korrekt einschätzen. Sobald wir einmal glauben, wir hätten jemanden richtig „eingeordnet“, halten wir an unserem Urteil fest. #### Quelle Jochen Metzger in: Siegle, D. (Hrsg.). (2024). S. 40. Der erste Eindruck wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Bei Fremden, beim Partner oder z.B. auch beim [Generationenkonflikt](https://www.markusdotzler.de/generationenkonflikt/). ## Warum wir unsere Urteile überschätzen (Overconfidence-Effekt). Unser Gehirn ist nicht selten etwas faul. Es möchte seine ersten Eindrücke nicht laufend hinterfragen. Es erbringt eine Höchstleistung beim ersten Kennenlernen. Danach will es sich ausruhen. Doch auch wenn unser Gehirn Höchstleistungen erbringt, können ihm Fehler unterlaufen. In der Psychologie spricht man dabei von kognitiven Verzerrungen. Eine dieser Verzerrungen ist der sogenannte Overconfidence-Effekt. Menschen überschätzen ihre Fähigkeiten. Sie halten sich für intelligenter, schöner oder moralischer als andere. Dabei überbewerten sie ihre Fähigkeiten nicht nur beim Auto fahren oder Fußball spielen, sondern eben auch bei der Einschätzung anderer Menschen. Dadurch können uns gravierende Fehler unterlaufen. Wir verlassen uns auf Vorurteile und Erfahrungswerte. Klischees haben durchaus eine Berechtigung. Der erste Eindruck funktioniert vor allem deshalb, weil in den vielen Vorurteilen, die wir haben, oft ein Körnchen Wahrheit steckt. Doch nicht selten führen uns diese Vorurteile in die Irre. ## Die Grenzen unserer Menschenkenntnis Gute Menschenkenner sind in der Lage, mit diesen Vorurteilen zu arbeiten. Sie verfügen sozusagen über treffsichere Schubladen. Mit einer Quote von bis zu 90 Prozent können sie anhand dieser Kategorien Aussagen darüber treffen, wie z.B. ein heterosexueller Mann Anfang 30 aus der deutschen Mittelschicht im Vergleich zu einer alleinerziehenden Mutter Mitte 40 tickt. Innerhalb dieser Schubladen sieht das jedoch wieder anders aus. Zwei heterosexuelle Männer Anfang 30 aus der deutschen Mittelschicht voneinander zu unterscheiden, fällt ihnen schon deutlich schwerer. Selbst die besten Menschenkenner tappen dabei fast genauso im Dunkeln wie alle anderen. Trotzdem kann man sagen, dass der erste Eindruck, auch wenn er einige gravierende Tücken birgt, oft überraschend treffsicher ist. Eine Schlüsselrolle spielt dabei unsere Fähigkeit, die Mimik des Gegenübers zu lesen. An dieser Kompetenz arbeitet das menschliche Gehirn schon seit Jahrtausenden. Doch wie gut ist es in dieser Zeit darin geworden? ## Die Macht der Mimik (nonverbale Kommunikation) Andreas Sprenger von der Universität Lübeck beschäftigte sich mit der Frage, ob Menschen in unterschiedlichen Berufen auch in ihrer Fähigkeit voneinander abweichen, Emotionen aus den Augen des Gegenübers abzulesen. Sprenger hatte die Vermutung, dass vor allem Turniertänzer, die nicht nur permanent auf die Bewegung ihres Partners achten, sondern einander auch ständig in die Augen blicken, besser in diesem Experiment abschneiden würden. Das war jedoch nicht der Fall. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass die meisten Menschen in etwa gleich gut darin sind, wenn es um die Fähigkeit geht, von den Augen des Gegenübers auf den emotionalen Zustand zu schließen. Die Trefferquote lag im Schnitt bei ca. 66 Prozent. Interessanterweise kommen ältere Studien um die Jahrtausendwende herum zu ähnlichen Ergebnissen. Entgegen der oft geäußerten Behauptung, die Digitalisierung beraube uns unserer sozialen Fähigkeiten, scheint unsere Kompetenz, Gesichter zu lesen, zumindest vorerst nicht negativ beeinträchtigt zu werden. Vielleicht ist diese Fähigkeit schlicht und ergreifend zu wichtig, als dass wir uns Schwankungen in ihrer Ausprägung erlauben könnten. Auch wenn die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Menschen der Zukunft nicht zu unterschätzen sind, lässt sich die Evolution nicht einfach von heute auf morgen verändern. Der Mensch ist auf das Lesen von Gesichtern geeicht. Es liegt quasi in seiner DNA. Mit 43 Muskeln können wir lt. US-Psychologe Paul Ekman mehr als 10.000 verschiedene Ausdrücke produzieren. Man könnte sagen: Die wichtigsten Signale senden und entschlüsseln Menschen, ohne ein Wort zu sagen. #### Quelle Jörg Zittlau in: Siegle, D. (Hrsg.). (2024). **Menschen lesen: In andere hineinschauen, das Gegenüber besser einordnen, schwierige Charaktere verstehen*. Beltz. S. 49f. ## Nonverbale Kommunikation ist eine Stärke (und eine Gefahr) Menschen sind nicht nur Meister der Mimik, sondern auch ihrer Entschlüsselung. Die Gesichtszüge anderer Menschen zu deuten ist dabei eine kognitive Höchstleistung. Hast du schon mal bemerkt, dass Menschen in Gesprächen oft ins Leere blicken, wenn sie nachdenken? Das passiert sehr häufig und signalisiert nicht zwingend Desinteresse. Denn das Gesicht des Gegenübers zu deuten, während wir nachdenken, ist enorm anstrengend. Also blicken wir unbewusst lieber ins Leere, um unsere Kapazitäten auf das Denken zu fokussieren. #### Quelle Jörg Zittlau in: Siegle, D. (Hrsg.). (2024). S. 50. Diese Ausdrucksstärke kommt nicht von irgendwoher. Der Mensch ist ein soziales Wesen und als er noch nicht über ausgereifte Sprachfertigkeiten verfügte, waren nonverbale Signale das einzige Mittel zur Kommunikation. Doch die Stärke des Menschen ist auch seine Schwäche. Der Mensch trägt seine Emotionen im Gesicht. Das macht ihn angreifbar. So gut wir darin sind, uns nonverbal auszudrücken, so schlecht sind wir gleichzeitig darin, diese Signale vor anderen zu verbergen. Paul Watzlawick drückte dies in einem seiner fünf Axiome der Kommunikation folgendermaßen aus: 💡 Man kann nicht nicht kommunizieren. Gerade über das Gesicht gibt der Mensch manchmal mehr Informationen preis, als ihm lieb ist. Die einzige Ausnahme hierfür ist wahrscheinlich Olaf Scholz. ## Zusammenfassung: Erster Eindruck Was lässt sich also abschließend über unsere Fähigkeit, andere Menschen zu lesen, festhalten? - Unser erster Eindruck ist oft überraschend treffsicher. - Das Lesen von Gestik und Mimik ist ein Schlüsselfaktor, um andere Menschen einzuschätzen. - Genauso gut, wie wir Emotionen ausdrücken können, so schlecht sind wir darin, sie zu verbergen. - Trotz unserer sozialen Fähigkeit unterliegen wir in der Interpretationen anderer Menschen kognitiven Verzerrungen und Fehleinschätzungen. Dazu gehören der Primacy-Effekt, der Halo-Effekt sowie der Overconfidence-Effekt. - Da wir ein getroffenes Urteil nur sehr langsam ändern, sollten wir vorsichtig damit sein, unsere Urteile zu überschätzen. - Auch wenn Klischees helfen, müssen wir neugierig bleiben - selbst beim Partner, den wir vermeintlich schon bestens kennen. Wenn wir einander wirklich verstehen wollen, müssen wir über unseren ersten Eindruck hinaus aufmerksam bleiben und unsere Annahmen regelmäßig hinterfragen. Hier gibt es keine Abkürzungen. 💡 Unser erster Eindruck ist nur der Anfang einer Reise. Er sollte nicht das Ende sein. Gefällt dir dieser Artikel? Hier meldest du dich für meinen kostenlosen Newsletter an und erhältst in Zukunft alle Artikel bequem in deinen Posteingang: [Anmelden ](#/portal/signup/free) ### Kreativität verlieren: Wir verwandeln uns in Einheitsbrei URL: https://www.markusdotzler.de/kreativitaet-verlieren/ Last updated: 2026-05-08T11:20:47.000Z Wir standardisieren die Welt – und verlieren dabei unsere Kreativität. Der urige Blumenladen bei mir ums Eck schloss vor ein paar Wochen. Übernommen hat Blume 2000\. Pflanzen kriegt man dort genauso. An Charme hat der Laden allerdings eingebüßt. Blume 2000 sieht mehr nach Lagerverkauf aus. Überall in der Stadt beobachte ich dasselbe. Die Bäcker sind industrielle Ketten. Der Einzelhandel weicht einheitlichen Versandhäusern. Selbst Tattoos gibt es dank großer Ketten wie Kleopatra Ink bereits als Massenware. Standards funktionieren. Sie stehen letztendlich für einheitliche Qualität. Doch wie viel Platz bleibt dabei noch für Einzigartigkeit? ## Wie kreative Menschen Kreativität definieren. Kreativität ist ein Begriff, der häufig Künstlern und Freigeistern vorenthalten zu sein scheint. Doch was ist das überhaupt? Ausgerechnet in der Musikbranche fand ich eine ungewöhnliche Antwort auf diese Frage. Rick Rubin ist einer der bekanntesten Musikproduzenten der Welt. Er arbeitete unter anderem mit den Red Hot Chili Peppers, Linkin Park und Johnny Cash. Dabei produzierte er einige meiner absoluten Lieblingsalben. Rubin ist wahrlich ein kreativer Kopf. Das spiegelt sich auch in seinem Schreiben wider. In seinem Buch "*kreativ. Die Kunst zu sein*" definiert er den Begriff Kreativität. > *Etwas zu erschaffen bedeutet etwas ins Sein zu bringen, das vorher noch nicht da war.* #### Quelle Rubin, R. (with Strauss, N.). (2023). **Kreativ: Die Kunst zu sein* (J. Elze, Übers.). O.W. Barth. S. 13. Bei Kreativität handelt es sich um die Kapazität eines Menschen, neue Lösungen, Gedanken oder Objekte zu erzeugen, die vorher noch nicht da waren. Anders als man es von einem Musikproduzenten jedoch erwarten könnte, versteht Rubin weitaus mehr unter kreativem Handeln als die Erschaffung neuer Musik. ## Jeder Mensch ist kreativ Die Lösung alltäglicher Probleme, das Führen von Gesprächen, die Einrichtung einer Wohnung oder auch die Umgehung eines Staus auf dem Heimweg dienen Rubin als Beispiele für kreatives Handeln. Kreativität, so Rubin, ist keine seltene Fähigkeit. Sie ist nicht schwer zugänglich. Sie ist auch nicht ausschließlich den Künstlern vorenthalten. Stattdessen ist sie ein grundlegender Aspekt des Menschseins. Wir alle sind täglich auf unterschiedliche Art und Weise kreativ. Wir alle erschaffen regelmäßig Neues. Kreativität und Menschsein gehen für Rubin Hand in Hand. Nehmen wir an, Rubins These, Kreativität sei ein grundlegender Aspekt unserer Menschlichkeit, ist wahr. Befindet sich diese Fähigkeit im 21\. Jahrhundert in Bedrängnis? ## Wir verlieren unsere Kreativität an den technologischen Fortschritt. Viele Probleme, in deren Lösung Rubin einen Einsatz von Kreativität erkennt, lassen sich heute technologisch umgehen. Knifflige E-Mails, emotionale Dankkarten oder öffentliche Reden lassen sich durch den passenden Prompt in Sekundenschnelle mit künstlicher Intelligenz generieren. Auch die Musikbranche, in der Rubin als Ikone gilt, richtet sich immer mehr nach technologischen Parametern. Das Hörverhalten wird durch Algorithmen gesteuert und auch Musik selbst lässt sich wahrscheinlich bald vollständig durch Computer produzieren. Wir sind von Technologie umgeben. Sie ist zu jeder Tageszeit greifbar. Sie hat auf alles eine Antwort. Sie hat für jedes Problem eine passende App. Doch sie hat auch Nachteile. 💡 In meinem Artikel „Selbstwirksamkeit stärken“ erfährst du z.B., [wie Künstliche Intelligenz unserer Kompetenz schadet](https://www.markusdotzler.de/selbstwirksamkeit-staerken/). ## Reizüberflutung zerstört unsere Kreativität Das immense Angebot technologischer Lösungen erzeugt ein digitales Dauerfeuer, das wir aufgrund der leichten Zugänglichkeit, die Smartphones, Tablets und Laptops bieten, jederzeit auf uns einprasseln lassen. So gewöhnen wir uns an kontinuierliche Stimulation. Wir sind permanent beschäftigt. Wir multitasken, um mitzuhalten und bemerken nicht, [wie uns Multitasking schadet](https://www.markusdotzler.de/multitasking-illusion/). Wir kommen selten zur Ruhe. Wir sind nie wirklich mit uns allein. Selbst wenn wir die einzige Person im Raum sind, öffnet uns die Technologie jederzeit das Tor zur Welt. Genau darin liegt die Krux. *Creativity \[…\] is directly produced by the gaps.* #### Quelle Eriksen, T. H. (2001). **Tyranny of the moment: Fast and slow time in the information age*. S. 156. Kreativität entsteht in den Lücken unserer Tätigkeit - durch Phasen der Ruhe, der Untätigkeit, der Langeweile und Kontemplation. Unser Gehirn benötigt Zeit, um Eindrücke verarbeiten und damit umgehen zu können. Nur der Anteil der Untätigkeit an der Tätigkeit selbst, so der Philosoph Byung-Chul Han, erlaubt kreatives Handeln. #### Quelle Byung-Chul Han. (2022). **Vita contemplativa oder von der Untätigkeit*. Ullstein. S. 27. Um es in den Worten Thoreaus zu formulieren: > *Gedanken benötigen Raum, um auf offene See fahren \[…\] zu können, bevor sie Kurs auf den Hafen nehmen.* #### Quelle Thoreau, H. D. (2021). **Walden oder vom Leben in den Wäldern* (W. Nobbe & R. Roßbach, Übers.). Kampa. S. 180. Doch Reizüberflutung und Ablenkung zerstören diesen Raum. Durch den selbstauferlegten Zwang, ständig beschäftigt sein zu müssen, vernichten wir die Voraussetzungen, durch die Neues überhaupt erst entstehen kann. Statt unserem Kopf zu vertrauen, uns mit Sinn zu versorgen, verlassen wir uns auf die Technologie. Das Smartphone wird zur Sinnproduktionsmaschine. Damit schaden wir unserer Kreativität. Wir geben unseren Gedanken zu wenig Raum, um auf offene See zu fahren. Mir persönlichen helfen dabei [analoge Werkzeuge wie Notizbücher](https://www.markusdotzler.de/analoge-planung/). Die funktionieren bis heute, auch wenn sie vielleicht aus der Mode fallen. ## Wir verwandeln das Internet in generierten Einheitsbrei. Ich bin kein Luddit. Ich bin nicht technophob. Ich erkenne das enorme Potenzial, das Technologie für unsere Zukunft innehält. Doch ich sehe auch, dass man den Umgang mit ihr lernen muss. Das Internet kann eine unerschöpfliche Quelle für Inspiration sein. Es scheint mir jedoch, dass viele Menschen die Tiefe dieses Wassers falsch einschätzen. [Sie ertrinken in Content](https://www.markusdotzler.de/informationsflut-ueberwinden/). Doch das Internet ist nicht die einzige Quelle, aus der wir Inspiration schöpfen können. Überall in uns und um uns herum schwirren Ideen und Gedanken. Der Job des Künstlers ist es, diese kreativen Impulse im Alltag aufzunehmen. Dafür muss er sie jedoch erst einmal bemerken. Er braucht, wie Rubin sagt, fein eingestellte Antennen. Doch die Digitalisierung unterwirft unsere Wahrnehmung einem radikalen Wandel. Sie überflutet unsere Eingangskanäle mit Informationen und Reizen. > *Wir sind benommen vom Kommunikations- und Informationsrausch. Der Tsunami der Information entwickelt destruktive Kräfte.* #### Quelle Han, B.-C. (2021). **Infokratie: Digitalisierung und die Krise der Demokratie* (Erste Auflage). Matthes & Seitz Berlin. S. 22. Zu diesen destruktiven Kräften könnte auch eine Beeinträchtigung unserer Fähigkeit gehören, klare Gedanken zu fassen und kreativ mit ihnen umzugehen. Dabei verlieren wir unsere individuelle Stimme. Wir verwechseln [KI-generierten Lärm mit Selbstausdruck](https://www.markusdotzler.de/ki-creator-falle/). Wenn Rubin also Recht hat und Kreativität ein grundlegender Aspekt menschlichen Handelns ist, dann lagern wir aktuell unsere Kreativität an den technologischen Fortschritt aus. Und dadurch könnten wir einen enorm wichtigen Aspekt unserer Menschlichkeit vergessen. Das Versprechen der Techkonzerne war, uns die stupide Arbeit abzunehmen. Nicht das, was uns menschlich macht. Vielleicht sind es auch nicht die Konzerne, die uns berauben. Vielleicht sind es wir selbst, weil wir Bequemlichkeit bevorzugen. Egal, was stimmt: Ich finde, es ist Zeit, unsere Kreativität zurückzugewinnen. ****Klarheit, selbstbestimmtes Denken und bewusstes Leben.** In meinem Newsletter schreibe ich über das, was uns antreibt – und das, was uns dabei ausbremst. Keine Hacks, kein Spam, kein Einheitsbrei. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ### Bewegung ist Leben: Sei ein Hai und bleib nicht stehen! URL: https://www.markusdotzler.de/bewegung-ist-leben/ Last updated: 2026-05-03T08:20:53.000Z Bewegung ist Leben, sagte mein Vater. Ich stimme zu. Ein kurzer Aufruf, warum Bewegung heute wichtiger denn je ist. ## Der Körper ist auf Bewegung ausgerichtet Bewegung ist Leben, doch noch nie war es so einfach wie heute, sich nicht zu bewegen. Aber gerade wegen dieser Bequemlichkeit ist Bewegung so wichtig wie nie zuvor. Der menschliche Körper ist auf Bewegung ausgelegt. Wir sind auch heute mehr Jäger und Sammler als Schreibtischtäter. Bewegung hält gesund und die Funktionsweise des Körpers aufrecht. Sie hilft auch im Umgang mit psychischen Belastungen. In dieser Hinsicht sind Menschen ein bisschen wie Haie. Wenn sie sich nicht bewegen, sterben sie - nicht urplötzlich, sondern schleichend. Bewegung bedeutet Leben. Das gilt sowohl für den Körper als auch für den Geist. ## Embodied Mind: Warum wir uns nicht nur geistig anstrengen müssen Epiktet war der Überzeugung, dass es ein Zeichen geistiger Armut sei, sich dauernd mit dem Körper zu beschäftigen. Ihm zufolge solle die volle Aufmerksamkeit auf die Entfaltung der geistigen Anlagen gerichtet sein[1](#b0198eb8-27bf-436a-9a6a-8e923046b48a). Doch das Denken, so wollte ich ihm entgegnen, hat sich nicht separat, sondern in Verbindung mit dem Körper entwickelt. Vielleicht können wir das Denken nur verstehen, wenn wir diesen Zusammenhang zum Körper berücksichtigen. 💡 Unser Geist ist ein verkörperter Geist. ## Der Körper merkt sich Vernachlässigung und erinnert dich daran im Alter Meiner Meinung nach ist es kein Zeichen von geistiger Armut, aber durchaus von Naivität, wenn jemand glaubt, der Körper merke sich die Vernachlässigung nicht, die ihm entgegengebracht wird. Der Körper wird sich daran erinnern, wie man mit ihm umging. Du tust also gut daran, wenn du dich um deinen Körper kümmerst. Du musst deshalb kein Extremsportler werden. Die Leistungen solcher Menschen sind beeindruckend, doch ihr Werdegang endet oft als Schmerzpatient. Meine Fitnessreise begann im Corona-Lockdown mit ein paar Liegestützen. Seitdem mache ich fast täglich Sport. Weltrekorde stelle ich dabei nicht auf. Trotzdem bin ich heute mit 30 Jahren fitter als ich es mit 25 war. Auch mein Trainingsansatz ist jung geblieben. Ich [gamifiziere meinen Sport](https://www.markusdotzler.de/fitness-gamification/), damit er mir Spaß macht und sich nicht wie Arbeit anfühlt. ## Gewohnheiten sind wichtiger als Extremleistungen Gib deinem Körper jeden Tag ein bisschen Bewegung. Fang klein an, aber sei beständig. Es sind die kleinen [Gewohnheiten, die uns zum Erfolg führen](https://www.markusdotzler.de/vergiss-disziplin/), nicht die großen Taten. Je früher du die Samen für deine Gesundheit säst, desto länger kannst du ihre Früchte genießen. Fang *einfach* an. Mach *einfach* weiter. Denk daran: Fitness ist einfach - eigentlich. Hier findest du [5 Tipps, wie Sport einfach wird](https://www.markusdotzler.de/fitness-ist-einfach/). ### Alter und Jugend: Dumbledores Erkenntnis – Kurzimpuls #1 URL: https://www.markusdotzler.de/alter-und-jugend/ Last updated: 2026-05-08T11:24:42.000Z ## Wann verlieren Erwachsene ihre Kindlichkeit? Vor einigen Wochen holte ich meine Nichte zum ersten Mal vom Kindergarten ab. Als ich den Raum betrete, spielt sie gerade mit ihrer Freundin. Hand in Hand lassen sie sich immer wieder auf den Hintern fallen. Dabei lachen sie so herzlich wie es nur Kinder können - ein völlig unbeschwertes Lachen. Ich frage mich, ob meine Nichte dieses Lachen irgendwann verlernt. Ahnt sie schon, was im Leben alles auf sie zukommen kann? Ich frage mich, ob ich selbst einmal auf diese Art und Weise gelacht habe und ob ich heute noch dazu in der Lage wäre. Kann ein Erwachsener die Unbeschwertheit der Kindheit überhaupt noch empfinden? ## Dumbledores Erkenntnis über Alter und Jugend In *Harry Potter und der Orden des Phönix* räumt Albus Dumbledore am Ende des Buches seine Fehler im Umgang mit Harry in seinem fünften Schuljahr ein. Er sagt: > *Die Jugend kann nicht wissen, wie das Alter denkt und fühlt. Aber alte Menschen machen sich schuldig, wenn sie vergessen, was es hieß, jung zu sein.* #### Quelle Rowling, J. K. (2018). **Harry Potter und der Orden des Phönix* (K. Fritz, Übers.). Carlsen. S. 989. Junge Menschen haben das Alter im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht erlebt. Sie können nicht wissen, wie es sich anfühlt, wenn Erfahrung und Wissen zunehmen, der Körper aber allmählich abbaut. Ältere Menschen hingegen waren bereits jung. Sie durchlebten die vielen Phasen des Erwachsenwerdens und des Erwachsenseins. Dabei vergessen sie jedoch oft, dass sie nicht immer der Mensch waren, der sie heute sind. ## Empathie benötigt jung und alt Lange Zeit habe ich den Worten Dumbledores uneingeschränkt zugestimmt. Die Jugend kann nicht wissen, wie das Alter denkt und fühlt. Doch nur weil ein junger Mensch nicht weiß, wie es sich anfühlt alt zu sein, kann er sich trotzdem bemühen, das Alter zu verstehen. > *Kinder müssen mit Erwachsenen sehr nachsichtig sein.* > \- Antoine de Saint-Exupéry #### Quelle Saint-Exupéry, A. de. (2015). **Der kleine Prinz* (M. Herbert, Übers.). Anaconda. Denn es scheint nicht nur so zu sein, dass das Alter das Empfinden der Jugend vergisst, wie Dumbledore sagt. Vielleicht geht durch das Erwachsenwerden tatsächlich etwas verloren, an das sich das Alter nicht mehr erinnern kann, selbst wenn es sich darum bemüht. *Vielleicht fühlen die Augen des Alters nicht mehr das, was für die Jugend offensichtlich ist.* Das Kindliche ist etwas Wunderschönes. Es mag unbeholfen sein, doch es ist auch ehrlich, wahr und oft natürlicher als so manch ein erlerntes Verhalten des Alters. Vielleicht bleibt das Kindliche immer ein Teil von uns. Vielleicht vergessen wir es auf dem Weg zum Erwachsensein. Vielleicht verlieren wir es auch. Was wir jedoch als Gesellschaft nicht verlieren dürfen, ist die kindliche Fähigkeit einander die Hand zu reichen - [egal, ob jung oder alt](https://www.markusdotzler.de/generationenkonflikt/). Von meiner Nichte kann ich also noch so einiges lernen. Gefällt dir dieser Artikel? Hier meldest du dich für meinen kostenlosen Newsletter an und erhältst in Zukunft alle Artikel bequem in deinen Posteingang. [Anmelden ](#/portal/signup/free) ### Neujahrsvorsätze: Ziele richtig setzen, Lebensqualität verbessern URL: https://www.markusdotzler.de/ziele-anders-denken/ Last updated: 2026-09-01T15:09:44.000Z Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind, sondern auch die Zeit der Neujahrsvorsätze und damit der ganz gewöhnliche Selbstoptimierungswahnsinn. Die Bücherläden füllen sich mit self-help vom Feinsten. Die Motivationsvideos fluten Youtube und Coaches ködern dich mit dem Schlüssel zum erfolgreichsten Jahr deines Lebens. Auch ich kann als Blogger die Finger nicht von diesem Thema lassen. Die Ironie ist mir bewusst. Aber keine Sorge, ich will dir hier nichts andrehen. Ich hab den Dreh nämlich selbst noch nicht so wirklich raus. Vor allem im letzten Jahr erreichte ich meine Ziele ungefähr genauso zuverlässig wie die Deutsche Bahn ihre Pünktlichkeitsambitionen. Aus diesem Grund gehe ich nun auf Kurskorrektur und will meine Ziele richtig setzen. Dafür werfe ich für 2025 einen Blick zurück. Vielleicht kannst auch du aus meinen Fehlern etwas lernen. Ohne Selbstoptimierungsbullshit. Versprochen. ## Warum ich 2024 fast alle meine Vorsätze verfehlte Versetzen wir uns kurz ein Jahr zurück. Mein 2024-Ich sitzt an seinem Schreibtisch und denkt darüber nach, was es im neuen Jahr alles erreichen möchte. Mehrere Bestleistungen im Fitnessstudio aufstellen, einen Marathon laufen, Schlagzeug lernen, ein Buch pro Woche lesen, mehrere Artikel pro Monat schreiben, vielleicht sogar ein Manuskript für ein eigenes Buch verfassen… … und das alles in einem Jahr. Bei meinem Rückblick springen mir sofort einige offensichtliche Fehler ins Auge: ### Zu viele Ziele Es ist meinem 2024-Ich anzurechnen, dass es im Leben weiterkommen wollte und es sich dafür Ziele gesetzt hat. Doch zu viel Ehrgeiz kann auch demotivieren. Die individuellen Vorhaben waren nicht grundsätzlich verkehrt. Das Problem lag vor allem in ihrer Summe. Plötzlich ist der Tag vollgepackt mit Zielen und du fragst dich, wie du das alles schaffen sollst. Irgendwann fallen einzelne Ziele hinten runter, nur weil du dir zu viel vorgenommen hast. Ehrgeiz führt manchmal zu Überforderung und Überforderung hilft überhaupt nicht, wenn du nachhaltige Gewohnheiten aufbauen möchtest. ### Unrealistische Ziele Am Anfang des Jahres legte ich Lieder fest, die ich am Schlagzeug lernen wollte. Dabei hatte ich als Anfänger keine Ahnung, wie komplex manche dieser Songs sind. Ich höre halt verdammt gerne Sleep Token. Aber meine Güte, hinter der Maske des Drummers muss sich eine nicht-menschliche Superspezies verstecken. Als Anfänger absolut unrealistisch. Was ich sagen will: Nicht nur in der Summe müssen Ziele realistisch sein. Sie wollen auch auf individueller Ebene durchdacht sein. ### Unsichtbare Ziele Ich schrieb meine Ziele in ein Notizbuch, das ich danach in einen Schrank legte. Den Rest des Jahres klappte ich es nicht mehr auf. Diese Vorgehensweise hat keinerlei Sichtbarkeit. An die Hälfte meiner Ziele für 2024 konnte ich mich wahrscheinlich schon im Februar nicht mehr erinnern. Das ist wie beim Wasser trinken. Wenn meine Flasche nicht auf dem Tisch steht, vergess ich das. So wie bei Zielen, die ich mir dort aufschreib, wo ich nicht hingucke. ### Quantitative Ziele 60 Minuten täglich, 3 Mal wöchentlich, 1 Lied pro Monat, 20 kg Steigerung in 3 Monaten, 1 Buch pro Woche - mein Notizbuch war gefüllt mit quantitativen Zielen. Anhand der SMART-Regel (Ziele sollen **s**pezifisch, **m**essbar, **a**ttraktiv, **r**ealistisch und **t**erminiert sein) versuchte ich, meine Vorsätze in möglichst viele Unterpunkte herunter zu brechen und dabei so spezifisch wie möglich zu sein. Ich verlor mich in penibler Genauigkeit. Ich bewarf meine Ziele mit [Disziplin (statt mit Routine](https://www.markusdotzler.de/vergiss-disziplin/)) und wunderte mich dann, dass ich scheiterte. ## Das Problem mit quantifizierten Zielen Unser Leben ist heutzutage stark quantifiziert. Im Job verfolgen wir Kennzahlen und werden an ihnen gemessen. Wir bewerten unsere Produktivität anhand der Menge erledigter Aufgaben oder beantworteter E-Mails. Oft versuchen wir dabei, das Unquantifizierbare zu quantifizieren. Diese Logik übertragen wir mittlerweile auch auf unsere Freizeit. Es ist ironisch, dass wir Freizeit als Abwesenheit von Arbeit konzipieren und dann die Anforderung der Arbeitswelt nach ständiger Produktivität auf genau die Zeit übertragen, die zur Erholung gedacht ist. Nach dieser Logik rückt das quantifizierte Ziel zunehmend in den Vordergrund. So wollen wir z.B. nicht lesen, sondern gelesen haben, um das Leseziel zu erreichen. Wir wollen nicht trainieren, sondern trainiert haben, um auf dem Foto gut auszusehen. Wir leben für das um-zu, nicht für die Freude am Prozess. Denken, dass die [Erreichung eines Ziels uns automatisch glücklich macht](https://www.markusdotzler.de/ankunftsfehler-arrival-fallacy/). [Forget About Setting Goals. Focus on This Instead.When it comes to getting things done and making progress in the areas that are important to you, there is a much better way to do things.![](https://www.markusdotzler.de/content/images/icon/cropped-icon-270x270.png)James ClearJames Clear![](https://www.markusdotzler.de/content/images/thumbnail/systems-vs-goals.jpg)](https://jamesclear.com/goals-systems?ref=markusdotzler.de) Auch James Clear zweifelt an bloßen Zielen und Kennzahlen. Dabei vergessen wir, dass der Weg das Ziel ist. Bereitet dir der Weg keinen Spaß, drehst du irgendwann wieder und du formst keine nachhaltigen Gewohnheiten. > but in the end, no matter what I pretend > the journey is more important than the end or the start > Linkin Park Das gilt auch für mich. Ich fokussiere mich in meinem Leben zu oft auf Quantität und betrachte meine Hobbys als to-dos. Irgendwann bin ich dem Selbstoptimierungswahnsinn verfallen. Darauf habe ich 2025 keine Lust mehr. Ich nehme mir vor, meinen Hobbys wieder die verdiente Aufmerksamkeit zu schenken, dabei präsent zu bleiben und den Prozess zu genießen. Dieses Jahr will ich meine Ziele anders denken. Statt für einzelne Vorsätze entscheide ich mich für ein übergeordnetes Motto. ## Qualität statt Quantität: Wie ich heute über Neujahrsvorsätze denke Das Motto bietet den Vorteil, dass ich es mir leicht merken kann. Statt mir zu viele spezifische Ziele zu merken, kann ich mir im Zweifel jederzeit eine einfache Frage stellen: *Was würde jemand gerade tun, der an Qualität und nicht an Quantität interessiert ist?* Dabei ermöglicht dieses Motto genügend Flexibilität, um spezifischere Ziele zu verfolgen. Der Maßstab ist nun jedoch ein anderer. Der Fokus liegt auf Qualität. Doch wie lässt sich ein Motto in die Praxis umsetzen? ### Schreiben: Qualität durch analoge Reibung 2021 war das erste Jahr, in dem ich mehr als 40 Bücher las. Am Ende des Jahres wusste ich jedoch von manchen Büchern noch ungefähr genau so viel, wie auf dem Klappentext steht. Quantität war in diesem Fall kein guter Maßstab für Verständnis oder Erinnerung. Seit dieser Erkenntnis schreibe ich. Zunächst waren es nur kleinere Notizen. Heute sind es ganze Artikel. Das Schreiben dient nicht nur der besseren Erinnerung, sondern auch der Verknüpfung von Wissen. Darüber hinaus macht es mir schlicht und ergreifend Spaß. Ich verwende für all meine Erstentwürfe Stift und Papier. In einer digitalen Welt wirkt das archaisch, erzeugt jedoch eine für mich notwendige Friktion. Ich muss überlegen, ob es mir eine Information wert ist, Stift und Notizbuch zu zücken. Nicht zuletzt muss ich genauer nachdenken, bevor ich etwas schreibe, da ich es nicht so einfach ausbessern kann wie am Computer. Das verbessert sowohl die Qualität meiner Mitschriften als auch meiner Gedanken. Das Schreiben verringert die Zeit, die mir für das Lesen zur Verfügung steht. Es verbessert jedoch die Auseinandersetzung mit der Lektüre - Qualität statt Quantität. ### Lesen: Verständnis statt Buchanzahl Mein Jahresziel für gelesene Bücher stieg seit 2021 kontinuierlich an. Es schien mir unausweichlich, jedes Jahr mehr lesen zu müssen. Besonders lange oder detaillierte Lektüren ließ ich außen vor. Zu groß war meine Angst etwas zu verpassen, wenn ich mich mehrere Wochen oder Monate mit nur einem Buch beschäftigte. Gegen Ende 2024 erwischte ich mich sogar dabei, wie ich absichtlich zu kurzen Büchern griff, nur um mein Leseziel zu erreichen. **Das ist absurd.** Dieses Jahr definiere ich deshalb keinerlei Mengenziele. Stattdessen entscheide ich mich für Kategorien, wie z.B. für das Römische Reich, Platon oder Klassik. Kategorien erlauben mir eine gewisse Breite, um meine Interessen abzudecken, stärken allerdings den Fokus auf Tiefe. Das Ziel ist Verständnis, nicht Quantität. Dabei schränke ich mich nicht zu sehr ein und lasse mir die Freiheit, Bücher außer der Reihe zu lesen. Doch am Ende des Jahres will ich mich mit einigen wenigen Themen auskennen - Qualität statt Quantität. ### Fitness: Aufmerksamkeit statt Performance Ich trainiere gerne. Ich mag es, wenn die Muskeln brennen. Ich mag es, meinen Körper zu bewegen und spüre deutlich, wie sich meine Stimmung während des Trainings, aber auch danach bessert. [Bewegung bedeutet für mich Leben](https://www.markusdotzler.de/bewegung-ist-leben/). Im Alltag hake ich das Training oft einfach ab, statt seine Effekte zu genießen. Deshalb möchte ich mich dieses Jahr wieder daran zurückerinnern, wofür ich Sport mache. Ich werde mich mehr auf die Ausführung konzentrieren und die Übungen langsam und technisch möglichst korrekt ausführen. Die Gewichte sind mir dabei egal. Ich bleibe beim Training präsent. Ich lasse mein Smartphone zu Hause. Die Stunde Training am Tag gehört meinem Körper. In dieser Zeit verpasse ich nichts. Technologische Gadgets können das Training sinnvoll ergänzen. Oft sind sie jedoch auch eine Ablenkung und richten den Blick zu sehr auf das Messbare. Trotz des Zugewinns an Informationen durch smarte Technologien dürfen wir das Gefühl für unsere Körper nicht verlieren - Qualität statt Quantität. PS: Falls du im neuen Jahr mit dem Sport beginnen möchtest, dann hab ich hier ein paar Bonustipps, wie du dir [Sport einfach machst](https://www.markusdotzler.de/fitness-ist-einfach/). ## Ziele richtig setzen: 8 Tipps für dein neues Jahr. Die wichtigsten Lektionen aus dem letzten Jahr habe ich dir hier zusammengefasst: - **Tipp Nr. 1**: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Ziele müssen auf individueller Ebene, aber auch in ihrer Gesamtheit umsetzbar sein. 5 Stunden Schlagzeug klingt toll, aber nützt nichts, wenn es sich nicht mit deinem Wunsch vereinbaren lässt, mehr Zeit mit den Kids zu verbringen. Sei ehrlich. Was willst du wirklich? - **Tipp Nr. 2:** Schreib dir deine Ziele an einem Ort auf, an dem du sie sehen kannst. Ein [Notizbuch, das du regelmäßig nutzt](https://www.markusdotzler.de/analoge-planung/), oder ein Whiteboard sind gute Ideen. Ein Zettel an einer Wand neben deinem Schreibtisch tut es aber auch. - **Tipp Nr. 3:** Bleib präsent. Schaff dir eine Umgebung, in der du bei der Sache bleiben kannst (vor allem beim [bewussten Üben](https://www.markusdotzler.de/richtig-ueben/)). Leg dein Smartphone weg, wenn es dir nicht dabei hilft, dein Ziel zu erreichen. Wenn du Apps verwendest, um deine Ziele zu verfolgen, dann sei vorsichtig, dass du dich nicht von all dem Lärm auf deinem Smartphone ablenken lässt. - **Tipp Nr. 4:** Alte Verhaltensweisen sind hartnäckig. Du änderst dich nicht von heute auf morgen, nur weil es die Jahreszahl vormacht. Gib dir Zeit, neues Verhalten zu etablieren. Betrachte Fehlschläge nicht sofort als Beweis deiner mangelnden Willenskraft. Es ist normal, dass sich der [Körper gegen Veränderung wehrt](https://www.markusdotzler.de/homoeostase/). - **Tipp Nr. 5:** Handle klein. Veränderung benötigt keine großen Taten, sondern oftmals lediglich kleine, ganz alltägliche Verhaltensänderungen. So fällt dir auch der Start leichter und du [vermeidest Prokrastination](https://www.markusdotzler.de/prokrastination-ueberwinden/). - **Tipp Nr. 6:** Wenn du dich auf Qualität fokussierst, bitte, bitte, bitte, egal was du tust: [Mach niemals mehrere Dinge *gleichzeitig*](https://www.markusdotzler.de/multitasking-illusion/). - **Tipp Nr. 7:** Bleib realistisch. Nicht alles wird so laufen, wie du es dir vorstellst. Du landest am Ende des Jahres wahrscheinlich irgendwo zwischen deinen höchsten Erwartungen und deinen niedrigsten Ansprüchen. - **Tipp Nr. 8:** Sei nachsichtig mit dir selbst. Fehlschläge sind Teil des Prozesses und verraten oft mehr über dich als ein Erfolg. Wichtig ist, dass du dich [getraut hast, etwas zu verändern](https://www.markusdotzler.de/mut-zur-veraenderung/). > Tu, was du kannst, mit dem, was du hast - mehr brauchst du nicht. #### Quelle Rubin, R. (with Strauss, N.). (2023). **Kreativ: Die Kunst zu sein* (J. Elze, Übers.). O.W. Barth. S. 301. ## So setze ich Ziele in den nächsten Jahren Ich entscheide mich dieses Jahr für Qualität statt Quantität. Ein Fokus auf Qualität bedeutet für mich bewusst zu leben. ***Wie wirst du dieses Jahr leben?*** > Ich ging in die Wälder, weil ich bewusst leben wollte. Ich wollte das Dasein auskosten. Ich wollte das Mark des Lebens einsaugen! Und alles fortwerfen, das kein Leben barg, um nicht an meinem Todestag innezuwerden, daß ich nie gelebt hatte. #### Quelle Thoreau, H. D. (2021). **Walden oder vom Leben in den Wäldern* (W. Nobbe & R. Roßbach, Übers.). Kampa. S. 119. **Willst du regelmäßig solche Denkanstöße für ein bewussteres Leben ohne Selbstoptimierungsbullshit?* **Dann trag dich in meinen Newsletter ein.* **Kostenlos. Kein Spam. Nur Inhalt, der dich weiterbringt.* [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ### Über die Wahrheit: Was du von Sokrates lernen kannst. URL: https://www.markusdotzler.de/von-sokrates-lernen/ Last updated: 2026-05-08T15:33:57.000Z Lüge und Wahrheit sind tief in unserer Sprache verwurzelt. Jedes Kind kennt folgende Sätze: > *Du sollst nicht lügen.* > *Lügen haben kurze Beine.* > *Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.* Während die Lüge als Sünde gilt, stellt die Wahrheit eine Tugend dar. Sie gilt als Grundlage für ein gutes Leben. Doch die Wahrheit hat auch eine Schattenseite. Sie ist oft unbequem, manchmal sogar gefährlich. Jemand, der über die Gefahr der Wahrheit bestens Bescheid weiß, heißt Sokrates und er gilt bis heute als einer der einflussreichsten Philosophen unserer Zeit. In diesem Artikel erfährst du, was du von Sokrates lernen kannst. ## Warum Sokrates für die Wahrheit starb Im Jahr 399 vor Christus steht Sokrates als Angeklagter vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, die Jugend durch seine Lehren zu verführen und gottlos zu leben. Sokrates hält daraufhin eine Verteidigungsrede, die uns Platon in seinem Werk *Apologie* überliefert. Zur Anklage steht nichts geringeres als das Leben: Im Alter von 70 Jahren droht Sokrates die Todesstrafe. *Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen?* Leider ist nicht allzu viel über das frühe Leben des Sokrates bekannt. Allgemein wissen wir über ihn vor allem das, was Platon in seinen Dialogen schreibt. Aus Platons Überlieferung geht hervor, dass Sokrates von einem Orakelspruch erfährt, niemand sei weiser als er. Für uns klingt das seltsam, doch für die alten Griechen ist das Orakel sozusagen das Mundstück der Götter. Die Prophezeiung ist also ernst zu nehmen. Doch Sokrates versteht den Spruch des Orakels nicht. Laut einem seiner zentralen Leitsätze *weiß er lediglich, dass er nichts weiß*. So sagt Sokrates in seiner Rede: > Jemand, der weiß, dass er nichts weiß, ist weiser als jemand der meint zu wissen #### Quelle Platon (mit Otto, W. F.). (2015). **Sämtliche Werke. Band 1: Apologie des Sokrates, Kriton, Ion, Hippias II, Theages, Alkibiades I, Laches, Charmides, Euthyphron, Protagoras, Gorgias, Menon, Hippias I, Euthydemos, Menexenos* (U. Wolf, Hrsg.; F. Schleiermacher, Übers.; 33\. Auflage). Rowohlt-Taschenbuch-Verlag. 21d. Sokrates, der sich dessen bewusst ist, dass er nichts weiß, soll also weiser sein als alle anderen Menschen? Sokrates zweifelt an der Prophezeiung. Deshalb macht er sich auf, um den Orakelspruch zu prüfen. Er möchte herausfinden, ob es jemanden gibt, der weiser ist als er. Dabei trifft er auf die unterschiedlichsten Personen - Staatsmänner, Dichter, Handwerker -, deren Weisheit er durch seine ganz eigene Methode prüft. Zu seinem Verdruss muss er feststellen, dass viele Menschen oft meinen, etwas zu wissen, in Wirklichkeit aber weitaus weniger begreifen, als ihnen bewusst ist. Sie sehen nicht, wie viel es zu wissen gibt und wie wenig sie davon verstehen. Diese Erkenntnis hatte damals keinen Namen. Heute kennen wir sie [als Dunning-Kruger-Effekt](https://www.markusdotzler.de/dunning-kruger-effekt/). Doch Sokrates bleibt beharrlich. Ähnlich wie Sporen bei einem Pferd eingesetzt werden können, um es anzutreiben, so sieht er sich in seiner Suche nach Weisheit und Wahrheit als Sporn der Gesellschaft. Er weist die Menschen unbeugsam auf ihre Mängel hin, hält der griechischen Gesellschaft den Spiegel vor und kritisiert die Besessenheit auf Materialismus, Geld und Status. Doch indem Sokrates die Unzulänglichkeiten seiner Gesprächspartner offenbart, macht er sich schnell unbeliebt. Es fällt ihnen schwer, sich ihre Makel einzugestehen und so entwickeln sie eine Abneigung gegen ihn und sein Vorgehen. Dieser Unbeliebtheit ist sich auch Sokrates bewusst. In seiner Verteidigungsrede prophezeit er, dass er vor Gericht nicht den Argumenten der Kläger, sondern seinem üblen Ruf unterliegen werde. *Warum aber hört Sokrates nicht auf, die Menschen zu verärgern?* Das liegt am Spruch des Orakels. Er sieht seine Suche nach Weisheit und Wahrheit als göttlichen Auftrag und ist davon überzeugt, dass er nicht nachgeben darf, auch wenn Risiken mit seiner Prüfung verbunden sind. Die Wahrheit zählt für ihn als eines der höchsten Güter der Menschheit. Sie muss ausgesprochen werden. Davon ist Sokrates überzeugt: > Solange ich noch atme und es vermag, werde ich nicht aufhören, nach Weisheit zu suchen und euch zu ermahnen #### Quelle Platon (mit Otto, W. F.). (2015). 29d. Selbst in Anbetracht seines Todes rückt Sokrates nicht von seinem Streben ab. Es ist ihm sogar wichtiger als der Tod. Denn über den Tod und ein mögliches Leben danach, so Sokrates, wissen wir nichts. Doch ein schlechtes Leben zu führen ist ein bekanntes Übel, vor dem es sich zu fürchten gilt. Die Auswüchse eines solchen Lebens sind nämlich bereits auf der Erde zu beobachten. Sokrates zieht den Tod für die Wahrheit einem Leben in Verblendung vor. Am Ende des Prozesses bewahrheitet sich die Prophezeiung, Sokrates werde dem Hass der Menschen unterliegen. Mit einer knappen Mehrheit verurteilen ihn die Richter zum Tod. Die Chance zur Flucht, die ihm seine Anhänger nahe legen, ergreift er nicht. Stattdessen trinkt er am Tage seines Todes den mit Gift gefüllten Schierlingsbecher. Sokrates geht dem Tod mutig entgegen und bleibt bis zum Schluss seiner Wahrheit treu. Aus dieser Geschichte kannst du viel von Sokrates lernen. ## Was du von Sokrates lernen kannst. ### Die Wahrheit ist das Fundament für alles. Die Wahrheit zu sagen fällt uns oft schwer - manchmal sogar schwerer als eine Lüge. Wenn sie unangenehm ist und die Menschen sie nicht hören wollen, kannst du dich, wie Sokrates, sogar unbeliebt machen, wenn du sie aussprichst. In meinem Job habe ich Meetings erlebt, in denen sich niemand traut die Wahrheit zu sagen - auch ich nicht. Selbst in geschützten Räumen ist es manchmal schwierig, eine unbequeme Wahrheit auszusprechen. Doch wenn wir uns schon in geschützten Räumen nicht trauen, offen zu äußern, was wir denken, wie sollen wir dann die Wahrheit sagen, wenn es wirklich zählt? Selbst in Anbetracht ihrer Risiken bleibt die Wahrheit das Fundament unserer Gesellschaft. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Sein evolutionärer Erfolg ist nicht das Resultat körperlicher Überlegenheit, denn er ist weder besonders flink noch kräftig. Eine gewöhnliche Hauskatze rennt schneller als die meisten Menschen. Es ist viel mehr die Fähigkeit, sich in Gruppen zu organisieren und zusammenzuarbeiten, die den Menschen an die Spitze befördert hat. Sprache ist hierfür ein entscheidender Faktor. Durch sie kann der Mensch nicht nur Gefahren kommunizieren, sondern sich auch über andere austauschen. Doch wenn wir die Wahrheit verzerren, wie können wir dann einander vertrauen und zusammenarbeiten? Die Lüge beeinträchtigt nicht nur eines unserer verlässlichsten Werkzeuge zum Überleben, sondern öffnet die Tür zur Manipulation. Sokrates war sich dessen bewusst. Vom Streben nach Wahrheit und Weisheit war er derart überzeugt, dass er bereit war, dafür zu sterben: > Seid gewiß, daß ich auf keinen Fall anders handeln werde, und müßte ich noch so oft sterben #### Quelle Platon (mit Otto, W. F.). (2015). 30b. So wie die Sprache das Fundament des menschlichen Erfolgs ist, bleibt die Wahrheit die Voraussetzung für [zwischenmenschliche Beziehungen – über Generationen](https://www.markusdotzler.de/generationenkonflikt/) hinweg. ### Wahrheit ist nicht situationsabhängig. Manchmal entscheidet die Situation darüber, wie ehrlich wir sind. In meinem Beruf führe ich regelmäßig Gespräche als Arbeitgebervertreter. Dabei begegne ich Menschen, die mir teilweise mit brutaler Ehrlichkeit Dinge aus ihrem Leben offenbaren, nur um mir wenige Sätze später ins Gesicht zu lügen. Es kommt mir manchmal so vor, als würden Menschen zur Wahrheit greifen, wenn sie sich Nachgiebigkeit erhoffen, und zur Lüge, wenn sie eine Strafe befürchten. Dabei sind es ausgerechnet diese kleinen, unnötigen Lügen, die jemanden an der Wahrheit der gesamten Geschichte zweifeln lassen. Wo hört die Wahrheit auf? Wo fängt die Lüge an? Eine Sache habe ich aus solchen Situationen gelernt: Du kannst dir deine gesamte Glaubwürdigkeit in einem einzigen Moment der Charakterschwäche verspielen. Die Wahrheit ist kein Reservespieler, den du einwechselst, wenn deine Geschichte bröckelt. Die Wahrheit ist das Fundament. Sie ist der Nährboden für alle Früchte, die dein Leben trägt. Wenn dein Fundament wackelt, finden andere Menschen keinen Halt darauf. Und irgendwann fällt das gesamte Kartenhaus zusammen. ### Wahrheit schafft Vertrauen. Falschheit verspielt es. Andere Menschen verlassen sich nicht nur auf das, was du sagst, sondern auch auf das, was du tust. Du nimmst in deinem Leben verschiedene Rollen ein. Da bist du als Arbeitnehmer, als Vorgesetzter, als Ehepartner oder als Elternteil. Mit diesen Rollen sind verschiedene Verpflichtungen verbunden. Die Menschen um dich herum verlassen sich darauf, dass du ihnen nachkommst. Leichtsinnigerweise spielen wir oft mit diesem Vertrauen. Hast du dich schon mal dabei erwischt, vorzugeben, etwas zu verstehen oder zu können, obwohl du keinen blassen Schimmer hast oder höchstens ein gefährliches Halbwissen besitzt? Viele Menschen wollen sich das, was sie nicht können, nicht eingestehen. Das ist gefährlich. Stellt dein Gegenüber nämlich fest, dass du nur vorgibst etwas zu können, wird er in Zukunft an deiner Kompetenz zweifeln. Er verliert das Vertrauen, dass du in der Lage bist, deinen Verpflichtungen nachzukommen. Durch einen derartigen Schwindel kannst du eine Beziehung völlig ruinieren. Deine Vorgesetzten, Arbeitskollegen, Kunden, aber auch deine Familie beginnt an dir zu zweifeln. Wenn du stattdessen ehrlich mit den Dingen umgehst, die du nicht kannst, dann wissen andere Menschen, was sie von dir erwarten können. Wahrheit schafft Vertrauen. Falschheit hingegen verspielt es. 💡 Eine gute Übung: Schreib über deine Fehler. Das musst du nicht veröffentlichen. Doch indem du dich mit ihnen auseinandersetzt, lernst du Ehrlichkeit im Umgang mit dir selbst. Ich [schreibe über meine Fehler öffentlich](https://www.markusdotzler.de/blog-nicht-bei-google-gefunden/). ### Wahrheit ist die Grundlage für persönliches Wachstum. Die Sätze *„Ich weiß es nicht“* oder *„Ich kann es nicht“* sehen einfach aus, sind jedoch oft schwer zuzugeben. Dabei brechen uns beide Sätze keinen Zacken aus der Krone. Im Gegenteil: Jedes *„Ich weiß es nicht“* ist - mit der richtigen Einstellung - lediglich ein „*Ich weiß es *noch* nicht“.* Ich bin davon überzeugt, dass du alles lernen kannst, wenn du dich engagierst. Auch die Psychologie bestärkt mich in diesem Denken, denn sie kennt Konzepte wie das [Growth Mindset](https://www.markusdotzler.de/growth-mindset/) oder auch [Selbstwirksamkeit](https://www.markusdotzler.de/selbstwirksamkeit-staerken/). Doch um Lücken zu schließen, musst du dir zuerst eingestehen, dass sie existieren. Wenn du nicht zugibst, dass dein Eimer Löcher hat, wer soll sie dann stopfen? Die Wahrheit ist eine Voraussetzung für Fortschritt und damit die Grundlage für persönliches Wachstum. ### **Die Wahrheit ist ein Lernprozess**. Die Wahrheit auszusprechen ist ein kontinuierlicher Lernprozess. Auch ich bemerke immer wieder dieses unbehagliche Bauchgefühl, wenn ich eine klare Position vertrete, die auf Widerstand stößt. Die soziale Natur des Menschen führt nicht nur zu seinen ausgebildeten Sprachfertigkeiten, sondern auch zu seinem Verlangen, anderen zu gefallen. Das Zusammenleben in Gruppen sichert das Überleben in der Natur. Von Kindesbeinen an sind wir auf Erwachsene angewiesen. Im Vergleich zu anderen Tieren benötigen Menschenkinder Jahre bis sie selbstständig leben können. Die Angst vor der Ausgrenzung aus der Gemeinschaft ist somit tief mit der Angst vor dem Tod verbunden. #### Quelle Wehrle, M. (2021). **Den Netten beißen die Hunde*. Mosaik. S. 22ff. Genau deswegen hadern wir manchmal so sehr mit einer unangenehmen Wahrheit. Die Angst vor sozialen Sanktionen steckt in unseren Genen. Die Wahrheit auszusprechen ist deshalb ein Lernprozess. Es fühlt sich oft unnatürlich an. Doch so wie du einen Muskel strapazierst, damit er wächst, musst du auch deinen Charakter fordern, damit er stärker wird. Die Psychologie nennt dieses [Konzept Homöostase](https://www.markusdotzler.de/homoeostase/). Lügen hingegen verhindern Fortschritt. Deshalb haben sie vermutlich auch kurze Beine, wie das Sprichwort besagt. Mit ihnen lässt es sich schlecht fortschreiten. Wahrheit bedeutet Wachstum und wenn Wahrheit erlernbar ist, dann ist auch persönliches Wachstum erlernbar. Wir [benötigen Mut zur Veränderung](https://www.markusdotzler.de/mut-zur-veraenderung/). ## Sokrates im Alltag: 3 Impulse für mehr Mut zur Wahrheit Wenn du etwas nicht weißt oder nicht kannst, dann gib es zu. Die Menschen werden deine Ehrlichkeit schätzen, denn auf ihr können sie bauen. Dein Ego wird es überleben, wenn du zugibst, dass du etwas nicht weißt. Dein Ruf hingegen könnte an einer Lüge zugrunde gehen. Sokrates war bekannt dafür, dass er lieber Unwissenheit annahm als Wissen vorzugeben. Wenn du dir also einmal unsicher bist, ob du etwas wirklich verstanden hast, dann geh im Zweifel vom Gegenteil aus und schau noch mal genauer hin. Wenn du dich in einer Situation befindest, in der niemand den Elefanten im Raum benennen will, dann tritt nach vorne. Meine Erfahrung zeigt, dass deine Mitmenschen deinen Mut mindestens genauso schätzen wie deine Ehrlichkeit. Tun sie es nicht, dann sind sie weder an Wahrheit noch an Wachstum interessiert. Es gibt natürlich auch Situationen, in denen die Wahrheit unangebracht sein kann. Eine Lüge kann dich oder andere Menschen sogar schützen. Doch nur weil es Ausnahmen gibt, solltest du nicht von der Wahrheit als Regel abweichen. Niemand verlangt von dir, dass du für deine Wahrheit stirbst. Bei den meisten unserer alltäglichen Situationen ist der Einsatz, um den wir spielen, viel geringer. Doch nimm dir die Geschichte des Sokrates ruhig als Beispiel. Wenn er sogar im Prozess um sein Leben bei der Wahrheit bleibt, kannst du es dann nicht auch im Alltag? Die Wahrheit ist nicht umsonst eine Tugend. Schlussendlich sind es die guten, ehrlichen Menschen, an die wir uns als Gesellschaft erinnern wollen. So ist es auch bei Sokrates. Durch seine Ehrlichkeit machte er sich unsterblich. Während seine Ankläger in der Geschichte untergegangen sind, bleibt die Erinnerung an Sokrates bis heute erhalten. Gefällt dir dieser Artikel? Hier meldest du dich für meinen kostenlosen Newsletter an. Mehr Klarheit. Weniger Hintergrundrauschen. [Jetzt anmelden ](#/portal/signup/free) ### Die Fight Club Philosophie: 4 Lektionen von Tyler Durden URL: https://www.markusdotzler.de/fight-club-philosophie/ Last updated: 2026-09-01T15:10:40.000Z Das Buch Fight Club ist totale Anarchie. Genau deshalb liebe ich es. Chuck Palahniuk hat mit diesem Werk eines meiner Lieblingsbücher geschaffen. Auf den knapp 200 Seiten Chaos erwarten dich ein paar zeitlose Erkenntnisse. Vier davon stelle ich dir hier vor. Das ist die Fight Club Philosophie. #### Spoilerwarnung Es folgen kleinere Spoiler des Buches, die der Hauptgeschichte aber nichts vorwegnehmen. Mehr Fight Club Philosophie gibt's im Video von Einzelgänger. ## Lektion #1 – Hamsterrad: Dein altes Ich muss sterben. Du erlernst einen Beruf. Du übst ihn aus. Tag für Tag drückst du Knöpfe und ziehst an Hebeln. Oder du füllst Formulare aus und beantwortest eine Unmenge an E-Mails. Du bist immer beschäftigt. Die [Hustle Culture](https://www.markusdotzler.de/warum-hustle-culture-toxisch-ist/) hat dich fest im Griff. Du fragst dich, ob das alles ist. Stunde um Stunde gleitet dir das Leben aus den Händen. Es läuft dir durch die Hände wie Sand. Der Tod kommt schleichend, bis er plötzlich vor dir steht. So in etwa beginnt das Buch Fight Club. Für viele Menschen ist diese Darstellung die Realität der Erwerbsarbeit – vielleicht auch für dich. Du verbringst ungefähr die Hälfte deiner Wachzeit mit deinem Job, sofern du in Vollzeit arbeitest. Dabei wäre es realitätsfern, wenn ich davon ausginge, dass dein Beruf deine Berufung ist. In dem Buch Bullshit-Jobs schreibt der Autor David Graeber, dass rund 37 % der Befragten einer Studie in ihrem Beruf keinerlei Mehrwert erkennen. 13 % waren sich darüber unsicher. Nach dieser Studie ist also nur jeder zweite Beschäftigte vom Wert seiner Arbeit für die Gesellschaft überzeugt. Kann sich das wirklich wie Berufung anfühlen? Das Gefühl der Belanglosigkeit des eigenen Lebens verbindet auch die Männer, die Tyler Durden in Fight Club zusammenrauft. Sie fühlen sich in ihrem Alltag gefangen. Sie wollen ihm entkommen. Sie suchen nicht einfach nur nach Gewalt. Die körperliche Extremsituation eines Kampfes dient ihnen lediglich der Selbsterfahrung – der Flucht aus der Taubheit des Alltags. Durch ihre Mitgliedschaft im Fight Club haben sie plötzlich ein Ziel vor Augen (aber Vorsicht vor dem [Ankunftsfehler](https://www.markusdotzler.de/ankunftsfehler-arrival-fallacy/)). Sie fangen an abzunehmen. Sie stärken ihren Körper. Sie verbessern ihre Fähigkeiten im Kampf. Der Fight Club vermittelt ihnen [Selbstwirksamkeit](https://www.markusdotzler.de/selbstwirksamkeit-staerken/) und zeigt ihnen dadurch, dass sie ihr Leben meistern können. Sie lösen sich aus der Passivität und beginnen damit, ihre Zukunft aktiv mitzugestalten. Sie lernen eine wichtige Lektion: Das Leben gibt zurück, was du investiert. Die Veränderung, die du dir wünscht, musst du selbst herbeiführen. Und dafür muss manchmal [ein alter Teil von dir sterben](https://www.markusdotzler.de/aufgeben-lernen/). Veränderung ist schmerzhaft. Viele Menschen verändern sich nie, [weil sie sich nicht trauen](https://www.markusdotzler.de/mut-zur-veraenderung/). Doch Veränderung ist notwendig, wenn du mit deinem aktuellen Zustand unzufrieden bist (z.B. im Job). Niemand verlangt, dass du dein Leben von heute auf morgen auf den Kopf stellst. Du musst auch nicht versuchen, die Welt in Anarchie zu stürzen, so wie es Tyler Durden tut. Das Problem ist nicht die Welt. An ihr kannst du nichts ändern – an dir schon. Viele Menschen arbeiten ihr Leben lang in einem Job, den sie hassen, statt sich auch nur einen Tag für ein Leben einzusetzen, das sie wirklich führen wollen. Das ist die Bequemlichkeitsfalle. Das ist das Hamsterrad. Du kannst das Hamsterrad überwinden. Du kannst das Leben führen, das du haben möchtest. [Berufliche Erfüllung ist kein Luxus](https://www.markusdotzler.de/berufliche-erfuellung-ist-kein-luxus/), sondern menschliche Natur. Du musst dir dafür nicht die Zähne ausschlagen lassen oder die Welt in Anarchie stürzen. Doch du wirst einen Teil von dir zurücklassen müssen. Veränderung beginnt und endet bei dir. Welchen Tod bist du bereit dafür zu sterben? ## Lektion #2 – Sinnkrise: Menschen sind nicht für Bullshit Jobs geschaffen. Wir haben ein zwiespältiges Verhältnis zu unserer Arbeit. Zum einen ziehen wir unseren Selbstwert aus unserem Job. Fragt dich jemand „*Was machst du?*“, dann antwortest du in der Regel mit deiner Stellenbeschreibung, nicht mit deinem Hobby. Zum anderen gibt es genug Menschen, die ihren [Job nicht leiden können](https://www.markusdotzler.de/unzufrieden-im-job-nicht-kuendigen/). Wie viel Genugtuung du aus deinem Job ziehst, hängt unter anderem mit dem wahrgenommenen Mehrwert zusammen, den dein Beruf für die Gesellschaft leistet. Doch nicht alle Jobs sind unter diesem Aspekt gleichwertig. Ein Negativbeispiel hierfür findest du in Fight Club. Der Erzähler arbeitet als Rückrufkoordinator für einen namhaften Automobilhersteller. Ähnlich wie manchmal Lebensmittel oder Medikamente aufgrund unvorhergesehener Nebenwirkungen oder Unverträglichkeiten zurückgeholt werden, prüft der Erzähler, ob sich der Rückruf einer fehlerhaften Autoserie finanziell rechnet. Dahinter steht eine einfache Kalkulation: Erwartet der Hersteller, dass der finanzielle Schaden einer erfolgreichen Klage größer ist als die Kosten einer Rückrufaktion, dann wird die produzierte Serie zurückgeholt. Verursacht eine Rückrufaktion jedoch höhere Kosten als eine Strafzahlung, dann passiert – richtig geraten - gar nichts. Die Menschen, die in einem Verkehrsunfall sterben, weil ihre Bremse nicht richtig funktioniert hat und das Auto nicht zurückgerufen wurde, haben in so einem Fall schlicht und ergreifend Pech. Ihr Leben hat sich einfach nicht gerechnet. ![a black version of the book "fight club"](https://www.markusdotzler.de/content/images/2026/04/fight-club-book.webp) Nach David Graeber handelt es sich bei dem Job des Erzählers um einen [Bullshit-Job](https://www.amazon.de/Bullshit-Jobs-wahren-Sinn-Arbeit/dp/3608982450/ref=tmm%5Fpap%5Fswatch%5F0?ref=markusdotzler.de). Darunter versteht Graeber eine Tätigkeit gegen Entgelt, die sinnlos, unnötig oder sogar schädlich ist und die nicht einmal von der ausübenden Person gerechtfertigt werden kann. Auch im echten Leben begegnen uns solche Bullshit-Jobs. Der Sinn einiger Berufe in der Werbeindustrie besteht lediglich darin, eine Nachfrage für Produkte zu erzeugen, die niemand wirklich braucht. Sind die grundlegenden Bedürfnisse einer Gesellschaft nämlich gedeckt, sehen sich Unternehmen dazu angehalten, eine zusätzliche Nachfrage erzeugen zu müssen, wenn sie weiterhin Profit machen wollen. Das beste Beispiel hierfür ist der aktuelle Hype um die Dubai-Schokolade. Während die Inflation unseren Geldbeutel frisst, rennen die Menschen den Läden die Türen ein, um eine maßlos überteuerte Schokolade zu kaufen. Neben unserer eigenen Dummheit haben wir das vor allem der Werbeindustrie und einigen Influencern zu verdanken. Dort jedoch, wo die Menschen täglich um ihre Existenz ringen, haben derartige Produkte keine Existenzberechtigung. Sie sind Schlangenöl. Somit sind auch die Berufe überflüssig, die diese Produkte bewerben. Gemäß Graebers Definition sind manche der Jobs in der Werbeindustrie sogar schädlich. Um Produkte verkaufen zu können, weisen Werbespots die Menschen nicht selten auf ihre Unzulänglichkeiten hin. Deine Haut könnte schöner sein. Hier hast du das passende Produkt! Du hast nicht genug Freunde. Hier hast du die passende App! Dabei werden Produkte und ihre Wirkung oftmals kräftig beschönigt. Werbung erzeugt somit nicht nur ein negatives Selbstbild beim Konsumenten, sondern versucht ihn auch bewusst zu täuschen und zum Kauf zu manipulieren. Nicht alle Jobs sind gleichwertig. Viele richten mehr Schaden an, als dass sie Gutes für unsere Gesellschaft bewirken. Manche Jobs sind sogar so verwerflich, dass sie das Geld, das du mit ihnen verdienen kannst, schlicht und ergreifend nicht wert sind. Für welchen Job wirst du dich entscheiden? Gefällt dir dieser Artikel? Hier meldest du dich für meinen kostenlosen Newsletter an und erhältst in Zukunft alle Artikel bequem in deinen Posteingang: [Anmelden ](#/portal/signup/free) ## Lektion #3 – Goldene Ketten: Werde nicht zum Eigentum deines Eigentums. Ich glaube mein Postbote hat PTBS. Er schaut mich immer so entsetzt an, wenn er mich sieht. Aber ich schwöre, dass ich dieses Jahr brav war. Das muss also an meinen Nachbarn liegen. Die haben ihn zum Black Friday vor zwei Wochen mal wieder ganz schön schleppen lassen. Ich versteh es – ehrlich. Ich bin nicht besser. Diese Rabatte sind so verdammt verlockend. Du kennst das wahrscheinlich auch. Ein neuer Fernseher muss her. Der Alte ist einfach zu klein. Neue Klamotten sind auch mal wieder notwendig. Der Kleiderschrank platzt zwar aus allen Nähten, aber in dem Fummel vom letzten Jahr kann ich mich doch heute nicht mehr zeigen. Apropos: Ich brauch einen neuen Kleiderschrank. Ach und mein iPhone ist auch schon ein Jahr alt. Es wird doch einen Grund geben, warum Apple die Dinger jedes Jahr neu rausbringt. Die Werbeindustrie behandelt uns wie Esel und hält unserer Hoffnung auf ein erfülltes Leben die sprichwörtliche Karotte vor die Nase. Sie lässt uns kontinuierlich nach den neuesten Trends jagen – und wir fallen darauf rein. Nur noch diese eine Sache, dann sind wir zufrieden. Wie [Nietzsche](https://www.markusdotzler.de/readings/nietzsche-froehliche-wissenschaft-interpretation/#aphorismus-14-warum-uns-besitz-nicht-gl%C3%BCcklich-macht) einst schrieb: > „*Wir werden des Alten, sicher Besessenen allmählich überdrüssig und strecken die Hände wieder aus; selbst die schönste Landschaft \[...\] ist unserer Liebe nicht mehr gewiss*“. Wir denken viel darüber nach, was wir uns als nächstes kaufen. Zu wenig überlegen wir uns dabei, wie die Zufriedenheit, die wir mit diesen Produkten erreichen wollen, eigentlich aussieht. Deshalb kaufen wir einfach weiter. Wir kaufen uns in einen Rausch. Wir jagen Konsum statt Sinn. Unser Besitz wächst. Unsere Zufriedenheit bleibt aber irgendwo auf der Strecke. Als ich damals aus meinem WG-Zimmer auszog, war ich entsetzt, wie viel Mist auf 14 m2 Platz findet. Parkinsons Gesetz besagt, dass sich die Komplexität einer Aufgabe auf die für sie zur Verfügung stehenden Zeit ausdehnt. Mein Gesetz hingegen besagt, dass sich die Menge des persönlichen Besitzes stets auf den ihm zur Verfügung stehenden Raum ausdehnt. Stehen dir 14 m2 zur Verfügung, dann hast du bald genauso viel Besitz. Steigst du auf eine 60 m2 Wohnung um, weil dir das Zimmer mittlerweile zu klein geworden ist, dann hast du bald 60 m2 Besitz. Und wenn du dir dann ein Haus kaufst, dann hoffe ich, dass du darin alt werden kannst und sich deine Erben um deine Hinterlassenschaften kümmern müssen. Ansonsten wünsche ich dir viel Spaß beim Umzug. Das Problem dabei ist nicht der Besitz selbst. Um dir all die schönen Dinge zu leisten, brauchst du eine Einnahmequelle. Je mehr du kaufst, desto mehr musst du verdienen. Doch denk bloß nicht, dass ein höheres Einkommen deine Probleme löst. Je mehr du verdienst, desto teurer werden deine Spielzeuge und desto mehr musst du wiederum arbeiten. Auf einmal arbeitest du für deinen Besitz. Es ist ein ewiger Kreislauf. Es ist ein Fass ohne Boden. Die Dinge, die du besitzt, besitzen irgendwann dich. Fight Club zeigt dir, dass dein Bedürfnis nach mehr Besitz keine Quelle der Zufriedenheit ist. Tyler Durden ist ein Extrembeispiel, klar. Du musst nicht in einem verlassenen Haus leben, in das es hineinregnet. Doch die Anzahl an Personen auf unserem Planeten, die durch mehr Geld, mehr Macht oder mehr Besitz wahrhaftig zu besseren Menschen werden, ist klein. > Vielleicht ist Geld auch sowas wie ein Lautstärkeregler. Es dreht die Person, die in uns schlummert, auf Anschlag. Manchmal ist es also besser, wenn wir leise leben. Dieser ständige Kaufimpuls beraubt dich letztendlich deiner Freiheit. Alles, was du kaufst, muss erst verdient werden. Der wahre Preis einer Sache ist deine Lebenszeit. Der Lebensinhalt mancher Menschen besteht lediglich aus dem Impuls, Dinge kaufen und besitzen zu wollen. [Konzerne spielen mit ihrer Willenskraft](https://www.markusdotzler.de/warum-willenskraft-scheitert/). Das muss nicht so sein. Du musst nicht so sein. Du bist mehr als dein Besitz. Hör auf, kurzfristige Bedürfnisbefriedigung mit langfristiger Lebenszufriedenheit zu verwechseln. ## Lektion #4 – Nihilismus: Der Sinn des Lebens ist leben. Der Erzähler in Fight Club stellt sein Leben und die Welt um sich herum komplett auf den Kopf. Er lässt seine Wohnung, seinen Job, sein gesamtes Leben zurück. Tyler Durden ist sowas wie sein Katalysator, der ihm dabei hilft, sich von sämtlichen Fesseln zu lösen. Dabei trifft er immer wieder harte Urteile über unsere Gesellschaft. Im letzten Kapitel kommt er jedoch zu einer einfachen, aber wichtigen Erkenntnis. Die meisten Leben sind nichts besonderes. Sie bestehen vor allem aus ganz alltäglichen Dingen. Sie sind weder besonders gut, noch schlecht. Sie sind. Viele von uns versuchen einfach nur durch den Tag zu kommen. Wir haben uns unsere Existenz nicht ausgesucht und müssen sie trotzdem bewältigen. Doch nur, weil wir existieren, sind wir trotz all der Probleme, die wir verursachen, weder besonders gut noch böse. Wir sind. Ultimativ geht es in Fight Club also darum, den Nihilismus zu überwinden, der unsere Existenz so oft begleitet. Was hat das Leben für einen Sinn? Die Antwort des Erzählers auf diese Frage wäre wahrscheinlich ganz einfach: > Der Sinn des Lebens ist das Sein. Der Sinn des Lebens ist leben. **Die erste Regel von Fight Club ist, dass man nicht daüber spricht.* ****Über meinen Blog schon.** Hol dir meine Impulse zu Psychologie und Philosophie direkt in deinen Posteingang. Kein Hintergrundrauschen, sondern Inhalt, der bleibt. [Jetzt anmelden. ](#/portal/signup/free) ### Fitness für Anfänger: 5 Tipps für mehr Bewegung. URL: https://www.markusdotzler.de/fitness-ist-einfach/ Last updated: 2026-05-03T04:38:28.000Z Fitnessstudios gelten als Ausdruck eines gesunden Lebens. Auch ich bin angemeldet. Jedoch denke ich, dass wir durch das Training im Gym aus den Augen verlieren, was Fitness bedeutet. Fitness ist einfach – eigentlich. Das gilt vor allem beim Sport für Anfänger. Genau darum geht es hier: Einfache Gewohnheiten für mehr Bewegung. ## Komplexität: Der Killer für Trainingsanfänger. Einer meiner Freunde meldete sich neulich in einem Fitnessstudio an und erhielt von seinem Trainer einen Anfängerplan. Das gehört zur Etikette der meisten Studios. Der Trainingsplan meines Kollegen umfasste jedoch mehr als zehn Übungen. Um sein Training vollständig zu absolvieren, benötigte er 90 Minuten. Das hat mich zum Stutzen gebracht. Auch bei anderen Personen habe ich beobachtet, dass Anfänger oft ellenlange Trainingspläne erhalten. Warum verkomplizieren wir Sport für Anfänger? ## Isolation: Der Weg zu mehr Fitness? Viele Trainingspläne für Anfänger teilen den Körper in kleine Muskelgruppen und trainieren sie isoliert voneinander. So erhält jeder Muskel Aufmerksamkeit. Der Nachteil: Dafür benötigst du viele verschiedene Übungen. Der Plan bläht sich auf wie eine Ziehharmonika und das Training raubt dir viel Zeit im Alltag. Zusammen mit Auf- und Abwärmen sowie An- und Abreise ist das für viele Menschen eine enorme Verpflichtung. So erschweren wir gerade Anfängern den Einstieg. Ist das wirklich die beste Art, fit zu werden? Was bedeutet das überhaupt? ## Was fit wirklich bedeutet. Das Wort *fit* bedeutet im Englischen nichts anderes als *tauglich* oder *fähig*. *Bei Fitness geht es also in erster Linie um Funktionsfähigkeit.* Ein Körper muss nicht nur gesund oder gut aussehen, sondern vor allem funktions- bzw. leistungsfähig sein. Das finde ich spannend. Da Fitness „fähig“ bedeutet, wirkt es auf mich völlig verdreht, dass wir Funktionsfähigkeit durch isolierte Bewegungen herstellen. Vielen Menschen, die mehr Sport in ihren Alltag einbinden möchten, wollen nicht funktionsfähig in einzelnen, voneinander getrennten Übungen sein. Ihnen fehlen viel mehr Ausdauer, Muskeln oder Kraft, sei es nur, um mit ihren Kindern im Park zu spielen oder nach diesen verdammten Treppen nicht mehr außer Atem zu sein. Diese Beispiele bringen uns auch direkt zum springenden Punkt. ## Fitness entsteht durch natürliche Bewegung. Bei menschlicher Bewegung benötigt unser Körper immer mehrere Muskelgruppen gleichzeitig, egal ob beim Laufen, Tanzen, Bücken oder Hochheben. Unsere Muskeln funktionieren natürlich auch in Isolation, doch sie arbeiten am liebsten zusammen. Wie oft machst du in deinem Alltag Bizepscurls oder wirst bei einer Bewegung von einer Maschine gestützt? *Bewegung ist ein ganzheitlicher Prozess.* Ich stelle mir unseren Körper wie ein Orchester vor. Eine Geige klingt allein sehr schön, doch wenn sie mit einem Klavier, einem Kontrabass oder anderen Streichern zusammenspielt, garantiert das Gänsehaut. Ein Training, das lediglich auf Isolation basiert, ist nicht nur unpraktisch im Alltag, sondern auch unnatürlich. Stattdessen sollte es die natürliche Bewegung des Menschen fördern. So werden nicht nur für Anfänger, sondern alle Menschen fitter. ## Wann Isolation funktioniert (und wann nicht). Bitte versteh das nicht als Hetze. Einzelne Muskeln zu isolieren hilft, Schwachstellen auszugleichen oder bestimmte Bereiche hervorzuheben. Wer Isolation gezielt einsetzt, kann seine Funktionsfähigkeit verbessern, indem er beim Training einzelne Muskeln identifiziert, die mit den anderen nicht mithalten können. Isolation jedoch als Grundprinzip für körperliche Fitness einzusetzen, wie es bei meinem Kollegen der Fall war, funktioniert nur begrenzt. Denn wenn jemand eine ganze Muskelkette nicht zusammenhängend trainiert, führt Isolation z.B. zu dem Ergebnis, dass manche Menschen trotz großer Oberarme keinen einzigen Klimmzug schaffen. Das ist nicht funktional. Das ist nicht fit. ## Grundübungen statt Isolation für mehr Fitness. Die Funktionsfähigkeit des Körpers unterstützen wir am besten, indem wir Übungen ausführen, die unsere natürlichen Bewegungsabläufe imitieren und mehrere Muskelgruppen gleichzeitig aktivieren. Das geschieht vor allem bei den Grundübungen bzw. den sogenannten „compound exercises": - Liegestützen - Klimmzüge - Kniebeugen Da sie den Namen „Grundübung“ im Deutschen tragen, halten wir sie oft für leicht. *Grundübungen sind jedoch nicht leicht. Sie sind unkompliziert.* Das weiß jeder, der schon einmal Klimmzüge gemacht hat. Mit diesen drei Übungen kann jeder Mensch fit werden. Je nach Intensität des Trainings kannst du sogar ganz schön ins Schwitzen kommen. Auf diese einfache Art [strukturiere ich mein Training *bis heute*](https://www.markusdotzler.de/fitness-gamification/). Die Schlichtheit von Grundübungen erlaubt es gerade Anfängern, das Handtuch nicht schon beim Blick auf den Trainingsplan in den Ring zu werfen. Sie benötigen fast gar kein Equipment und auch keine Mitgliedschaft. Ich bin fest davon überzeugt, dass Einfachheit gerade beim Sport für Anfänger die entscheidende Zutat ist. Denn wenn wir unseren Trainingsplan einfach gestalten, ist Fitness kinderleicht. ## Funktionalität für lebenslange Erfolge. Das erste Ziel eines Trainingsplans sollte die Verbesserung der Funktionsfähigkeit des Körpers sein. Wir wollen unsere Körper alltagstauglicher und gesünder machen. Deshalb sehe ich Ästhetik, Muskeln und sogar Gewichtsabnahme am Anfang als Nebensache. Was bringt ein ausuferndes Trainingsprotokoll, um Gewicht zu verlieren, an das wir uns nie halten? Muskeln und Gewichtsverlust stellen sich bei mir oft sogar wie von selbst ein. Sie sind Nebenprodukte und je funktionsfähiger der Körper ist, desto leichter fällt später auch das Ausdauertraining zur Gewichtsabnahme oder das Gewichtheben zum Muskelaufbau. Ganzheitliche Fitness ist eines der wichtigsten Investments des Lebens. Wer es schafft, durch Einfachheit regelmäßig Bewegung in seinen Alltag zu integrieren, bleibt bis ins Alter fit. Mein Opa ging mit 89 Jahren jede Woche ins Schwimmbad und regelmäßig Spazieren. Mein Papa fuhr mit 85 fast täglich mit seinem E-Bike in die Stadt oder zum Bierkeller. Beide waren nie Extremsportler, doch sie verschrieben sich einem einfachen Motto: Bewegung ist Leben. Deshalb beginne mit dem ersten Schritt. Konzentriere dich auf Funktionalität. Der Rest folgt. Damit das klappt, gebe ich dir nun 5 Tipps für mehr Bewegung im Alltag an die Hand, die ich selbst nutze. ## 5 Tipps für mehr Bewegung im Alltag ### Tipp 1: Bewegung direkt nach dem Aufstehen Ich beginne meinen Tag ganz simpel mit einer kurzen Runde Grundübungen: Liegestütze, Klimmzüge und Kniebeuge. Du kannst diese Übungen je nach Fitnesslevel durch Alternativen ersetzen: Liegestützen auf den Knien, Kniebeugen mit einem Stuhl, gesprungene Klimmzüge oder Rudern mit einem Widerstandsband. Ich sehe das nicht als Training, sondern als Aufwachen, und halte es deshalb extrem kurz. Meist nicht mehr als ein Satz pro Übung, maximal 5 Minuten. Danach fühle ich mich wach und bereit für den Tag, auch ohne Kaffee. Aber sind wir mal ehrlich: Den Kaffee trink ich trotzdem. ### Tipp 2: Bewegung in den Zwischenräumen Wenn du viel am Schreibtisch sitzt wie ich, nimm dir einmal pro Stunde die Zeit, um aufzustehen, dich zu strecken und ein paar Kniebeugen zu machen. Arbeitest du hingegen im Stehen, dehn dich zwischendrin. Eine Minute reicht völlig aus. Ein Bonustipp fürs Homeoffice: Meine Klimmzugstange hängt zu Hause im Türrahmen zwischen Flur und Bad. Jedes Mal, wenn ich daran vorbeigehe, mache ich ein paar Klimmzüge und kriege somit regelmäßig Bewegung. Du kannst auch einfach an der Stange hängen und deinen Körper strecken. Er wird es dir danken. ### Tipp 3: Halte dein Training unkompliziert Wenn es nicht dein Ziel ist, konkret Muskeln aufzubauen, dann halte dein Training im Studio unkompliziert. Drei bis vier Übungen können deinen gesamten Bewegungsapparat abdecken. Denk dabei an die Grundübungen. Die funktionieren auch mit Gewichten. Liegestützen kannst du durch die Brustpresse ersetzen. Klimmzüge übst du an der Maschine oder du ruderst. Kniebeugen ersetzt du mit einer Beinpresse. Beim Training mit Gewichten gilt neben Einfachheit ein weiterer, simpler Grundsatz: Wenn ich zum Training gehe, nehme ich meine Sporttasche mit, aber lasse mein Ego zu Hause. Soll heißen: Form und Technik sind wichtiger als das Gewicht. Also lass dir die Übungen von einem Trainer zeigen, falls du sie nicht kennst, führ sie mit wenig Gewicht aus und film dich gelegentlich dabei. ### Tipp 4: Sport darf Spaß machen Ich seh das Gym als meine Spielwiese, auf der ich mich austoben darf. Einfachheit und Spaß sind für mich wichtig, denn sonst trainiere ich nicht. Über mein einfaches Trainingssystem, das Sätze und Wiederholungen in einen Levelbalken verwandelt, schreibe ich in meinem Artikel „*Wie du im Gym wie in World of Warcraft levelst*“. Dort zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du meinen simplen, [gamifizierten Trainingsplan selbst nachbauen](https://www.markusdotzler.de/training-gamifizieren-anleitung/) kannst. ### Tipp 5: Ersetze Verkehrsmittel wo möglich Statt das Auto zum Einkaufen zu benutzen, geh ich zu Fuß. Fahr ich ins Büro, schwing ich mich aufs Rad. Das dauert meistens nicht viel länger und ich beweg mich dabei. Klar, nicht jeden Einkauf wirst du zu Fuß bewältigen und nicht jede Strecke durch das Rad ersetzen. Aber das ist auch nicht wichtig. Nicht das „immer“ entscheidet, sondern das „ab und zu“ und das „immer wieder mal“. Irgendwann sickert dieser Gedanke ein und du fragst dich: „*Brauch ich dafür wirklich mein Auto?*“ Mit diesen 5 Tipps bleibt Fitness einfach. Wenn du es schaffst, Bewegung mit Leichtigkeit in deinen Alltag zu integrieren, dann wird auch dein Leben leichter. Sei ein Hai im Leben (im positiven Sinne). Die [hören niemals auf sich zu bewegen](https://www.markusdotzler.de/bewegung-ist-leben/)! Gefällt dir dieser Artikel? Hier meldest du dich für meinen kostenlosen Newsletter an und erhältst in Zukunft alle Artikel bequem in deinen Posteingang: [Anmelden ](#/portal/signup/free)