Es heißt, Stillstand ist Rückschritt. Wer auf der Stelle tritt, verpasst den Anschluss. Doch manchmal bedeutet Rückschritt auch Fortschritt. Klingt paradox? In diesem Artikel erkläre ich dir, warum Lernplateaus völlig normal sind und wie du sie überwindest.

Inhaltsverzeichnis

  1. Fortschritt ist nicht geradlinig.
  2. Warum Lernplateaus völlig normal sind.
  3. Was hilft, um Lernplateaus zu überwinden?
  4. Ergebnis vs. Prozessorientierung
  5. Was Haruki Murakami, Michael Jordan und Stephen King verbindet.
  6. Erfolg ist (k)ein Zufall.
  7. Quellen

Fortschritt ist nicht geradlinig.

Wann hast du dir das letzte Mal eine neue Fähigkeit angeeignet? Eine neue Sprache oder Sportart? Ein Instrument? Eine Fort- oder Ausbildung?

Die ersten Tage gehen meist leicht von der Hand. Du bist motiviert und lernst schnell. Das ist die Honeymoon-Phase. Die Schmetterlinge im Bauch tragen dich mühelos über die ersten Hürden.

Doch Fortschritt verläuft nicht geradlinig. Auf die Hochzeitsnacht folgt der erste Ehekrach. Und nach den anfänglichen Erfolgen rennst du gegen eine unsichtbare Wand.

Trotz Übung haust du beim Tennis in die Luft. Dein Spanisch klingt immer noch wie Klingonisch. Die mathematische Formel sieht plötzlich aus wie Hieroglyphen. Und statt der Gitarre könntest du genauso gut einen Baseballschläger in die Hand nehmen.

Dieses Plateau erlebe ich momentan selbst. Seit ein paar Wochen übe ich Kopfrechnen. Zu Beginn stellte ich regelmäßig neue Rekorde auf (X Aufgaben in Y Minuten). Doch seit ein paar Tagen stecke ich im Schlamm fest. Jeden Zentimeter nach vorne muss ich erkämpfen. Und an manchen Tagen rutsche ich aus und falle zurück in den Dreck.

Warum Lernplateaus völlig normal sind.

Das ist völlig normal. Wenn du etwas Neues lernst, benötigt dein Gehirn Zeit, die Informationen einzuordnen, einen Sinn darin zu finden und sie mit bereits vorhandenem Wissen zu vernetzen. Auf neuronaler Ebene bedeutet das: Dein Gehirn vernetzt Nervenbahnen auf neue Art und Weise miteinander. Und das dauert.

Dieser Prozess verläuft nicht geradlinig. Er ist komplex, verschachtelt und nimmt Umwege. Keine Autobahn auf direktem Weg nach Berlin, sondern eher ein Trampelpfad. Und manchmal verläuft sich dein Gehirn dabei im Wald.

Ich verstehe deine Frustration über ausbleibenden Fortschritt. Wichtig ist jedoch, dass du dich von dieser Frustration nicht besiegen lässt, sondern dran bleibst. Denn erst wenn der Sämling eines Baumes dem Wind trotzt, gewinnt er an Widerstandskraft.

Das Scheitern weist dir den Weg zu deinem Ziel.

Rick Rubin

Was hilft, um Lernplateaus zu überwinden?

Manchmal musst du deine Prozesse überdenken:

  • Hat deine Lernapp ausgedient?
  • Lernst du wirklich am besten mit Podcasts oder solltest du lieber mal ein Buch in die Hand nehmen?
  • Funktionieren analoge Lernmethoden wie Karteikarten nicht für dich?
  • Und wann lernst du eigentlich am effektivsten?
  • Bist du wirklich eine Nachteule oder redest du dir das nur ein, weil du die Augen nicht vom Smartphone lösen kannst?
Hüte dich vor der Annahme, deine Arbeitsweise wäre die beste, bloß weil du immer schon so gearbeitet hast.

Rick Rubin

Andere Male hingegen musst du die Prozesse nicht überdenken, sondern ihnen lediglich vertrauen. Schenk deinem Gehirn die Zeit, die es benötigt, um das neue Wissen zu verarbeiten. Dein Gehirn ist anpassungsfähig. Doch für Anpassung benötigt es Zeit.

Nimm Abstand. Mach eine Pause. Treib Sport. Schlaf eine Nacht darüber. Lass deinen geistigen Zement trocknen, damit die Mauer am Ende nicht einstürzt. Vertrau darauf, dass sich dein Gehirn anpasst. Denn das ist seine Stärke.

Wer heute etwas tut, ist schon morgen, wenn er sich erneut an die Arbeit macht, ein anderer Mensch.

Rick Rubin

Ergebnis vs. Prozessorientierung

Wir sind heutzutage sehr ergebnisorientiert. Das Ziel hat Priorität. Der Weg dorthin ist sekundär. Wir wollen Großes erreichen und möglichst schnell durch die Ziellinie laufen.

Online können wir all die Menschen beobachten, die längst am Ziel angekommen sind. Wir folgen ihren Profilen, aber in Wirklichkeit folgen wir dem Traum davon, an ihrer Stelle zu stehen.

Doch was wir nicht sehen: Wie sehr andere Menschen für ihren Erfolg kämpfen mussten. Wie oft sie im Schlamm feststeckten. Wie dreckig sie wurden.

Das Bild vom Siegertreppchen mit Schampus in der Hand kommt auf Social Media besser an, auch wenn es nur ein Schnappschuss des Endes einer langen Reise ist. Wir sehen das Ergebnis, aber nicht den Prozess.

Was Haruki Murakami, Michael Jordan und Stephen King verbindet.

1978, mit 29 Jahren, kam dem heutigen Weltschriftsteller Haruki Murakami bei einem Baseballspiel die Idee, einen Roman zu schreiben. Also kaufte er Füller, Tinte und Papier und begann zu schreiben. Ein halbes Jahr später hielt er das Manuskript seines ersten Buches in der Hand. Es hieß Wenn der Wind singt.

Das Manuskript schickte er an den Gunzo-Verlag – ohne sich eine verdammte Kopie vom Originaltext zu machen. Vielleicht war Murakami leichtsinnig. Ich lese aus seiner Darstellung jedoch etwas anderes heraus:

Murakami war weniger am Ergebnis und mehr am kreativen Prozess interessiert. Das Schreiben war ihm wichtiger als die Veröffentlichung. Er wollte Laufen lernen und dachte dabei weder an die Ziellinie, noch an das Risiko hinzufallen. Das ist der Grund, warum wir heute seinen Namen kennen.

Dieses Muster erkenne ich immer wieder. Michael Jordan schaffte es nicht in die erste Mannschaft seiner High School. Sein damaliger Trainer entschied sich lieber für den knapp zwei Meter großen Mitschüler Leroy Smith. Wäre Jordan nur am Ergebnis interessiert gewesen, hätte ihn dieser Rückschlag aus der Bahn werfen können.

Doch Michael Jordan liebte Basketball. Er liebte das Spiel, den Wettbewerb und den Prozess, der nötig ist, um zu den Besten zu gehören. In den zwei Jahren nach der verpassten Aufnahme in die erste Mannschaft trainierte er härter als alle anderen. Bei der nächsten Auswahl konnte ihn sein Trainer nicht länger ignorieren.

Stephen King erhielt für sein erstes Buch Carrie mehr als 30 Absagen – eine mir unvorstellbare Demütigung. Was machte King? Er befestigte die Ablehnungsschreiben mit einem Haken an der Wand und schrieb weiter. Was sonst sollte ein Schriftsteller auch tun, wenn nicht schreiben? Heute existiert kaum ein Bücherladen ohne Kings Werke.

Erfolg ist (k)ein Zufall.

Wenn du jetzt sagst, „Murakami, Jordan und King sind perfekte Beispiele für den Survivorship-Bias“, dann sage ich dir: Du hast recht. Für jeden Stephen King gibt es wahrscheinlich Tausende Schriftsteller, deren Geschichten niemand kennt.

Die harte Wahrheit lautet: Selbst wenn du dich anstrengst, bedeutet das nicht, dass du es schaffst. Und trotzdem glaube ich: Falls du es schaffst, dann nur, weil du dich anstrengst.

Das ist das Serendipitätsprinzip: „Lady Luck favors the one who tries". Erfolg benötigt Glück, doch erst das Handeln öffnet dem Zufall die Tür. Deshalb nenne ich es auch gerne das „Murakami-Prinzip“.

Am Anfang dieses Artikels schrieb ich: Stillstand ist Rückschritt. Wer auf der Stelle tritt, verpasst den Anschluss. Das wussten Haruki Murakami, Michael Jordan und Stephen King. Sie alle bewegten sich beharrlich nach vorne.

Doch wie du vor allem an Michael Jordans und Stephen Kings Geschichte sehen kannst, bedeutet Fortschritt manchmal auch Rückschritt. Denn vor allem dann, wenn du dich nach vorne bewegst, kannst du auf die Nase fallen.

Das ist egal, solange du deinen Blick nach vorne richtest. Bleib dran. Streng dich an. Lern dazu. Bilde dich weiter. Hör nicht auf zu laufen. Der wichtigste Schritt ist nicht der letzte, sondern der nächste. Vertrau auf dich und den Prozess, egal, wie schwierig es sich manchmal anfühlt.

Tu, was du kannst, mit dem, was du hast. Mehr brauchst du nicht.

Rick Rubin

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Quellen