Dein Gehirn steht kurz vor dem Infarkt, denn es rennt jeden Tag von Hamburg nach Paris. Hier erfährst du, warum uns Information Overload mental erschöpft und wie wir die Informationsflut überwinden.
Was ist Information Overload?
Information Overload heißt in Deutschland Informationsüberflutung. Sie bezeichnet das Gefühl der Überforderung im Umgang mit Informationen.
Jeden Tag buhlen E-Mails, Nachrichten, Werbung, Social Media und auch Blogs wie dieser um die Aufmerksamkeit der Menschen. Die Menge an Inhalten steht jedoch in keinem Verhältnis zu unserer Zeit und Kapazität, sie zu verarbeiten.
So entsteht Informationsüberflutung. Wir kämpfen mit Sandsäcken gegen Hochwasser und ertrinken allmählich in einem Meer voll Content.
Doch wie konnte es so weit kommen?
Wie sich die Informationsflut entwickelte.
In den letzten Jahren stieg die Menge an Informationen dramatisch. Rechnet man TV, Radio und Print zusammen, konsumierten die Menschen bereits 1986 täglich das Äquivalent von 40 Zeitungen pro Tag. Bis 2007 verdreifachte es sich auf über 174 Zeitungen.
Quelle
Hari, J. (2021). Stolen focus (First edition). Crown. S. 40.
Im selben Jahr stellte Steve Jobs dann das iPhone vor. Heute begleiten uns E-Mails, Social Media und Nachrichtenportale in die Pause, die U-Bahn und aufs Klo.
Dank Smartphones, Tablets, Fernseher und Laptops prasseln heute mind. 74 GB an Daten auf uns ein. Das sind umgerechnet mindestens 350 Zeitungen.
Stell dir den gestressten Postboten vor, der dir jeden Tag 350 Zeitungen in die Bude schleppt. Der arme Kerl – und deine arme Wohnung!
Wie viel unser Postbote in den nächsten Jahren noch schleppen wird, kann niemand sagen. Schließlich können wir uns heute dank Künstlicher Intelligenz mit Google unterhalten.
Doch hier wird's knifflig. Theoretisch kann das Gehirn eine unvorstellbare Menge an Informationen speichern. Also warum erschöpfen wir dabei?
Was Informationsflut mit deinem Gehirn macht.
Um das herauszufinden, habe ich mein Gehirn für dich mit Fachliteratur geflutet (welch Ironie!).
Unangenehm wie das Kind in der letzten Reihe sind mir dabei das Gedächtnis, Multitasking und die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gehirns aufgefallen.
Die drei sind eigentlich unschuldig (so wie ich damals in der letzten Reihe).
1. Das Gedächtnis ist ein schlechter Jongleur
Jeden Tag filtert das Ultrakurzzeitgedächtnis (UKZG) eine unvorstellbare Menge an Reizen, ohne dass wir etwas davon bemerken. Alles Unwichtige fliegt sofort raus.
An diesem Punkt kommt Marketing ins Spiel. Werbeagenturen, Nachrichtensender und Influencer nutzen Geräusche, Farben und Emotionen, um dem Gehirn zu signalisieren: „Beachte mich, ich bin wichtig!“.
Dadurch drängen sich täglich Millionen von Besuchern in die Eingangshalle und schreien laut, warum ausgerechnet sie einen Termin mit dem Chef benötigen.
Das UKZG muss dabei in Millisekunden entscheiden, welche Informationen wirklich (also wirklich wirklich) relevant sind. Die Qualitätskontrolle versagt und immer mehr Inhalte landen auf der nächsten Stufe, dem Kurzzeitgedächtnis (KZG).
Das KZG kann jedoch viel weniger Informationen aufnehmen als das UKZG. Früher nahmen Psychologen an, dass sich Menschen zwischen 5 und 9 Informationen gleichzeitig merken (die bekannte 7±2-Regel).
Vergiss das, denn die 7±2-Regel berücksichtigt Chunking nicht angemessen. Statt uns 0172 als 4 unabhängige Ziffern vorzustellen, erkennen wir sie als Vorwahl (Chunk). Genauso wie wir uns das Wort Chunk nicht als einzelne Buchstaben einprägen.
Neuere Schätzungen gehen deshalb davon aus, dass unser KZG lediglich mit 3-5 (gechunkten) Informationen gleichzeitig jongliert. Da wir ihm jedoch immer mehr Bälle zuwerfen, überfordern wir es.
Das Ergebnis? Information Overload. Ob daran jedoch unser Gedächtnis Schuld ist oder die Menge und Emotionalität der Inhalte, darfst du selbst entscheiden.
Quelle für dieses Kapitel
Richard J. Gerrig & Philip G. Zimbardo (with Dörfler, T., & Roos, J.). (2016). Psychologie (A. Klatt, Übers.; 20., aktualisierte und erweiterte Auflage). Pearson. S. 243ff.
2. Das Gehirn ist ein schlechter Multitasker.
E-Mails beantworten UND dem Meeting folgen? Auf Instagram doomscrollen UND dem Partner zuhören? Youtube gucken UND nach dem nächsten Youtube-Video suchen?
Glaub mir, ich kenn's. Aber bitte lass uns damit aufhören.
Menschen sind keine Multitasker, auch wenn viele das glauben.
Quelle
Bannister, F., & Remenyi, D. (2009). Multitasking: The Uncertain Impact of Technology on Knowledge Workers and Managers. S. 2ff.
Ich weiß, was du jetzt sagst. Ja, du kannst Kochen und gleichzeitig Podcast hören. Doch wenn das Nudelwasser überläuft, kriegst du vom Podcast nichts mehr mit.
Deshalb ist das Wort Multifokussierung zutreffender. Ständig unsere Aufmerksamkeit neu auszurichten ist anstrengend und führt langfristig zu mentaler Erschöpfung.
Das äußert sich z.B. durch:
- weniger Erinnerungen
- Konzentrationsprobleme
- möglicherweise sogar ein Verlust von Hirnzellen
Quelle
- Gedächtnis: Hari, J. (2021). S. 40.
- Aufmerksamkeit: Naish, J. (2010). Genug: Wie Sie der Welt des Überflusses entkommen. Bastei Lübbe Taschenbuch. S. 270.
- Hirnzellen: Dobelli, R. (2020). Die Kunst des digitalen Lebens: Wie Sie auf News verzichten und die Informationsflut meistern. Piper. S. 115.
Diese Erkenntnisse sind angesichts einer Studie der Soziologin Noelle Chesley problematisch. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass digitale Technologien Multitasking fördern.
Quelle
Chesley, N. (2014). Information and communication technology use, work intensification and employee strain and distress. Work, Employment and Society, 28(4), 589–610. https://doi.org/10.1177/0950017013500112
Findet ein Meeting online statt, gehört es für viele Menschen zur gängigen Praxis, nebenbei etwas anderes zu erledigen. Genauso wie wir manchmal in Doomscrolling versinken, obwohl wir eigentlich eine Serie gucken.
So überlasten wir unser Arbeitsgedächtnis (denk an die 3-5 Chunks), erschöpfen und erinnern uns am Ende des Tages schlechter daran, was passiert ist.
Auch hier frage ich dich, ob es wirklich die Schuld unseres Gehirns ist, dass es am liebsten eine Aufgabe nach der anderen bearbeitet oder ob uns die Fear Of Missing Out (FOMO) zu unnatürlichem Verhalten antreibt?

Mehr über Multitasking erfährst du hier.
3. Das Gehirn ist „unerträglich langsam“.
Wir wissen nun, dass das Kurzzeitgedächtnis schnell überlastet und wir schlecht multitasken. Zu allem Überfluss arbeitet unser Gehirn aber auch noch „unerträglich langsam“.
Jieyu Zheng und Markus Meister vom California Institute for Technology berechneten, dass das Gehirn Informationen mit einer ernüchternden Geschwindigkeit von ca. 10 Bit pro Sekunde verarbeitet.
Quelle
Zheng, J., & Meister, M. (2025). The unbearable slowness of being: Why do we live at 10 bits/s? Neuron, 113(2), 192–204. https://doi.org/10.1016/j.neuron.2024.11.008
Um das einzuordnen: Selbst die allerersten Modems der 1960er Jahre waren mindestens 10 Mal schneller. Um die 74 GB an Daten herunterzuladen, die wir heute täglich konsumieren, benötigt eine 10-Bit-Leitung fast 2000 Jahre!
Hätte Jesus von Nazareth als Jungspund schon eine Internetleitung besessen, wäre er heute erst fertig mit dem Download – und das für nur einen Tag.
Nehmen wir einmal an, das Gehirn wäre ein Modem, das jede Sekunde 10 Bit herunterlädt, während wir wach sind. Bei 8 Stunden Schlaf (Eltern schütteln jetzt vermutlich mit dem Kopf) addiert sich das zu 576.000 Bits oder 72 Kilobyte pro Tag.
Vielleicht sagen dir Bits und Bytes genauso wenig wie mir. Setzen wir die 72 Kilobytes also mit Zentimetern gleich, um das Ganze zu veranschaulichen.
Wir erhalten dadurch in etwa eine Schrittlänge. Das ist die Distanz, die das Gehirn jeden Tag läuft. Die 74 GB ergeben im Verhältnis dazu 750 Kilometer.
Obwohl das UKZG den Großteil der 74 GB aussortiert und somit nicht jeden Kilometer der Strecke selbst läuft, muss es die Daten trotzdem filtern, denn es könnte ja etwas wichtiges dabei sein.
Stell dir das vor, als müsstest du die Strecke von Hamburg nach Paris jeden Tag mit dem Auto abfahren und dabei deinen Schlüssel und Geldbeutel suchen.
Wäre ich ein Gehirn, hätte ich auf diese ständige Suche auch keine Lust. Ich find ja meinen Schlüssel schon zu Hause nicht!
Die Folgen kognitiver Überlastung.
Informationsüberflutung ist ein reales Phänomen (nein, du bist nicht allein damit). Eine Befragung der bitkom research berichtet, dass sich jeder zweite Mensch häufig vom Überangebot an Informationen überlastet fühlt.
Wie anstrengend das ist, zeigt eine repräsentative Befragung des Institut für Digitale Resilienz. Menschen unter 30 fühlen sich zwar nach der Nutzung sozialer Netzwerke oft inspiriert, fröhlich und motiviert, jedoch berichtet mehr als ein Viertel von psychischen Beschwerden wie Überforderung, Schlappheit und innerer Leere.
Johann Hari erklärt in seinem Buch „Stolen Focus“ dazu, dass die Reizüberflutung den präfrontalen Kortex (denk an das UKZG und KZG) überfordert, unserer Aufmerksamkeitsspanne schadet, die Fehleranfälligkeit erhöht und innere Unruhe erzeugt.
Quelle
Hari, J. (2021). S. 52f.
So opfern wir unseren Fokus, eine unserer wichtigsten Fähigkeiten, und erhalten im Gegenzug Überforderung, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme.
Wenn das mal kein schlechter Deal ist.

Informationsüberflutung spüren wir aber auch als Gesellschaft. Eine Studie des Massachussetts Institute of Technology fand heraus, dass sich Falschinformationen auf Twitter sechs mal schneller verbreiten als faktisch wahre Nachrichten.
Quelle
Hari, J. (2021). S. 152f.
Der Grund? You guessed it. Emotionen. Falschinformationen und radikale Meinungen erreichen mehr Aufmerksamkeit und somit mehr Klicks als viele etablierte Nachrichten, die sachlich und neutral berichten.
Kein Wunder, dass sich alle öffentlichen Debatten so gespalten anfühlen.
Und mit dieser Erkenntnis wären wir wieder bei dir und mir. Im Vergleich zu positiven Informationen reagieren Menschen emotional bis zu doppelt so stark auf negative Reize.
Quelle
Dobelli, R. (2020). S. 77f.
Für das Erkennen von Gefahren in der Savanne war das hilfreich, aber nicht in einer reizüberfluteten Medienwelt. Deshalb fühlt sich die Informationsflut wie ein ständiger emotionaler und gesellschaftlicher Shitstorm an.
Was für ein Clusterfuck!
Doch bedeutet das jetzt, wir sollten Informationen aus unserem Leben verbannen?
Können wir vollständig auf Informationen verzichten?
Kurze Antwort: Nein. Lange Antwort: Es kommt drauf an.
Informationen sind überlebenswichtig. Hätten Menschen früher nicht über Generationen hinweg weitergegeben, wie wir Feuer nutzen, müssten wir uns heute noch vor Raubtieren verstecken.
2026 benötigen wir Informationen zwar nicht mehr, um in der Savanne zu überleben, aber dafür im Büro oder im Netz. Ein Großteil der Menschen verdient so seinen Lebensunterhalt. Ein vollständiger Verzicht kommt also selten in Frage.
Die Kunst liegt darin, Inhalte, die uns belasten, von denen zu trennen, die uns wirklich weiterbringen (wie mein Blog, hehe). Doch wer hilft uns dabei?
Natürlich könnten Konzerne langweilige Apps und weniger aufdringliche Werbeanzeigen entwerfen. Aber wieso? Sie verdienen Dollars mit unserer Aufmerksamkeit.
Und wenn es keine nervigen Werbespots mehr gäbe, was würde Ralf Schuhmacher mit seiner Freizeit anstellen?
Ich befürchte, dass sich die Reizüberflutung in den nächsten Jahren verschlimmert, denn je mehr Informationen um uns schwirren, desto lauter müssen Konzerne schreien, damit wir zuhören.
Deshalb sehe ich nur eine Schlussfolgerung (und ich bin kein Fan von ihr):
Das bedeutet in der Konsequenz, dass du auch meinen Blog aus deinem Leben streichen musst, wenn dir meine Artikel nicht helfen. So ehrlich muss ich sein.
Was wir also brauchen ist eine Informationsdiät. Genauso wie wir uns fragen, was und wie viel wir essen, müssen wir auch über unseren Medienkonsum nachdenken.
Leider kennt unser Gehirn kein Sättigungsgefühl und hat keine Lust auf Enthaltung. Solange wir also Informationen suchen wie ein Eichhörnchen nach Nüssen vor dem Winterschlaf, fehlt uns das Gefühl für das richtige Verhältnis.
Ein vernebelter Kopf sieht schlecht.
Die Lösung? Wir drücken für 30 Tage auf den Reset-Knopf. Wie das funktioniert, erklärt Dr. Anna Lembke in „Die Dopamin-Nation“.
Wie wir uns vor der Informationsflut schützen.
Ich liebe Akronyme. Mein neuer Favorit: DOPAMINE. Was das bedeutet und wie du es umsetzt, erkläre ich dir jetzt anhand einer meiner am längsten anhaltenden Süchte: Youtube.
Quelle für dieses Kapitel
Lembke, A. (2022). Die Dopamin-Nation: Balance finden im Zeitalter des Vergnügens (3. deutsche Auflage 2023). Unimedica ein Imprint der Narayana Verlag. S. 75ff.

D für Data (Daten)
Um problematisches Verhalten im Umgang mit Informationen zu erkennen, benötigen wir – welch Ironie – Informationen. Praktischerweise liefern die Geräte, die wir so gerne nutzen, diese Daten frei Haus.
Jedes Handy und jeder Laptop speichert Bildschirmaktivität. Du findest sie unter:
- iOS: Einstellungen -> Bildschirmzeit -> App- und Websiteaktivität
- Android: Einstellungen -> Digitales Wohlbefinden (den Wochenbericht klappst du rechts oben über die drei Balken auf)

Genau das tat ich vor drei Wochen. Dabei musste ich z.B. feststellen, dass ich an einem Samstag knapp 4 Stunden Youtube guckte. Das tat zwar weh, jedoch war ich gleichzeitig froh über den Hinweis.
Ich liebe Youtube (duh), doch so will ich meine Zeit nicht verbringen.
O für Objectives (Ziele)
Säße ich gerade Anna Lembke gegenüber, würde sie mich vielleicht fragen: Warum hast du 4 Stunden Youtube an einem Samstag geguckt, an dem du Wandern gehen wolltest?
Vor drei Wochen war ich in einem Rabbithole gefangen, das aus Kameraequipment, Tipps zum Start auf Youtube und Videoideen für Vlogs bestand. Mein augenscheinliches Ziel bestand darin, meinen Interessen nachzugehen.
Doch wenn ich etwas genauer nachdenke, dann war ich an diesem Samstag allein zu Hause, hatte keine Verabredungen und drückte mich davor raus zu gehen.
Stille kann manchmal ganz schön laut sein. Youtube war meine Betäubung.
P für Problems (Probleme)
Nach 4 Stunden Youtube (wahrscheinlich schon nach einer) wusste ich überhaupt nicht mehr, was ich tun sollte.
Welches Objektiv kaufe ich mir denn jetzt für meine Kamera? Welches Zubehör benötige ich?
Ich überfrachtete mich mit Informationen, bis ich erstarrte. Das heißt Analysis Paralysis. Eine Entscheidungslähmung, die wir spüren, weil wir nie alle Informationen überblicken und deshalb eine Fehlentscheidung befürchten.
Darüber hinaus ärgerte es mich auch einfach. Statt das schöne Wetter beim Wandern zu genießen, saß ich in meiner Bude vor dem Rechner.
A für Abstinence (Abstinenz)
Mein Gehirn ist ein Junkie und sucht ständig nach seinem nächsten Fix. Dabei schüttet es Dopamin aus, ein Botenstoff, der uns antreibt weiterzusuchen, bis wir die Belohnung erhalten.
Auf Youtube suche ich manchmal stundenlang nach dem perfekten Video, das die alles entscheidende Information für mich parat hat.
Wenn das mal kein FOMO ist?
Doch indem ich ständig konsumiere, kontert das Gehirn die Ausschüttung von Dopamin z.B. durch Dynorphin, ein körpereigener Dämpfer, der ein Gefühl von Unbehagen oder Leere auslösen kann.
Männer kennen das auch als „post nut clarity“.
Wer's kennt, der kennt's.
Diesen Zustand bekämpfen wir unglücklicherweise oft durch noch mehr Stimulation. Langfristig kann das Gehirn dadurch eine Toleranz aufbauen. Es wird sozusagen „dopamin-unempfindlicher“.
Je mehr Youtube ich konsumiere, desto mehr muss ich konsumieren. Aus einem Video werden 20. Noch während ich etwas gucke, suche ich schon nach dem nächsten K(l)ick.
So kippt meine Neugier ins Bingen und ich verliere die Kontrolle über mein Verhalten.
Aus diesem Grund mache ich zur Zeit genau das, was Anna Lembke empfiehlt: Ich faste 30 Tage lang Youtube.
Lembke nennt das Abstinenz. Cal Newport nennt es Digital Detox. Das Prinzip ist dasselbe: Wir verzichten, um unseren Dopaminhaushalt zu normalisieren.
M für Mindfulness (Achtsamkeit)
Meine Informationsdiät ziehe ich nun seit zwei Wochen durch. Täglich spüre ich diese kleinen Momente der Langeweile. Dann greif ich manchmal reflexartig nach meinem Laptop, bis ich feststelle:
Youtube ist passwortgeschützt. Ich kann momentan nicht darauf zugreifen, um meine Langeweile zu übertönen.

Plötzlich stehe ich da und muss mich mit mir selbst auseinandersetzen. Pfui.
Wahrscheinlich nehme ich deshalb mittlerweile sogar freiwillig den Staubsauger in die Hand. Meine Freundin war völlig schockiert, als sie das hörte (und höchst erfreut).
Genau darum geht es bei Achtsamkeit. Also nicht ums Staubsaugen, sondern darum, unser Verhalten oder unsere Gedanken zu beobachten und zu lernen, mit den Gefühlen umzugehen, die wir sonst durch Konsum unterdrücken.
I für Insights (Erkenntnisse)
Nach zwei Wochen Youtube Entzug bemerke ich: Ich lese wieder mehr am Abend und gehe früher ins Bett.
Manchmal sitze ich einfach nur in meinem gelben Sessel und tue gar nichts. Wie Gustave in Clair Obscur so schön sagt: Ich genieße meine Nutzlosigkeit (was mir als alter Produktivitätsjunkie lange schwer fiel).

Sollte ich meine Langeweile überhaupt nicht mehr aushalten, bringt sie mich manchmal sogar auf neue Ideen oder treibt mich an, etwas zu tun. Ich hab gelernt:
Langeweile ist nichts, was ich vermeiden muss, sondern ein Zustand, den ich bewusst erfahren kann, um mich selbst mit Sinn zu versorgen.
Langeweile motiviert – wenn das keine Erkenntnis ist?
N für Next Steps (Nächste Schritte)
Am Ende der Abstinenz werde ich mir überlegen, wie ich in Zukunft mit Youtube umgehe. Ich will nicht dauerhaft darauf verzichten. Es ist ein geniales Werkzeug, um Neues zu lernen und ich folge einigen Kanälen gerne zur puren Unterhaltung.
In Zukunft möchte ich jedoch bewusster damit umgehen. Vielleicht, indem ich nur an ein bis zwei Tagen darauf zugreife. Wie genau das aussieht, weiß ich noch nicht, aber das bringt mich zum letzten Punkt.
E für Experiment (Experimentieren)
Es gibt kein Patentrezept für den Umgang mit digitalen Technologien. Jeder Mensch muss selbst herausfinden, was für ihn funktioniert.
Persönlich möchte ich darauf achten, wie ich Youtube nutze. Das erfordert Ausprobieren und sieht für jeden Menschen anders aus.
Anna Lembke warnt dabei vor dem „Abstinenzverletzungseffekt“: Integrieren wir nach einer längeren Phase der Abstinenz ein bestimmtes Verhalten wieder in unser Leben, besteht die Gefahr, dass wir rückfällig werden und auf demselben Niveau weiterkonsumieren wie vorher. Quasi der Jojo-Effekt der Sucht.
Trotzdem glaube ich, dass Youtube mein Leben bereichert, wenn ich es gezielt nutze. Wie mein Experiment verlaufen wird, kann ich heute noch nicht sagen. Nur eine Sache weiß ich:
Du wirst davon auf meinem Blog erfahren.
Zusammenfassung – deine nächsten Schritte.
Jetzt darfst du erst mal durchschnaufen, denn ich habe deinen Kopf gerade mit Informationen überflutet. Du weißt jetzt:
- Informationsüberflutung bezeichnet das Gefühl der Überforderung im täglichen Umgang mit einer Vielzahl an Reizen.
- Unser Informationspensum hat durch TV, Radio, Print, Internet und eine Fülle an digitalen Technologien rapide zugenommen.
- Das Gefühl der Überforderung könnte sich durch die Funktionsweise des Gedächtnisses, unserer Veranlagung zum Monotasking und die „unerträgliche Langsamkeit“ des Gehirns erklären.
- Informationsüberflutung kann sich als Erschöpfung, Gereiztheit, innerer Unruhe, Aufmerksamkeitsdefizite und Stress bemerkbar machen.
- Konzerne, Marketingagenturen und Content Creator (sorry) kämpfen um Aufmerksamkeit und erhöhen deshalb die Reizintensität ihrer Botschaften, was die Informationsüberflutung weiter antreibt.
- Ein lebenslanger Verzicht auf Informationen ist keine alltagstaugliche Lösung, ein bewusster Umgang hingegen schon.
- Das DOPAMINE-Framework kann dir helfen, den Reset-Knopf zu drücken, sobald du ein bestimmtes Verhalten als problematisch erkennst.
- 30 Tage Digital Detox oder einfach nur eine Teildiät versetzen deinen Dopamin-Haushalt in seinen Ausgangszustand, damit du klarer siehst, wie du in Zukunft mit Nachrichten, Social Media und TV umgehen willst.
Zum Abschluss empfehle ich dir meinen Artikel „4 Regeln für mehr Fokus“, in dem ich dir 4 Strategien für mehr Fokus in deinem All- und Arbeitstag zeige:

Ich hoffe, dass dir dieser Artikel hilft, den Reset-Knopf zu finden oder einfach öfter mal den Stecker zu ziehen oder das Smartphone zur Seite zu legen.
Nicht alles, was um unsere Aufmerksamkeit kämpft, ist so wichtig, wie es uns manchmal glauben lässt.
Worauf verzichtest du?
Lust auf mehr?!
In meinem Newsletter liefere ich dir alle zwei Wochen Ideen zu den Themen Fokus, Lebensführung und Wachstum.
Kein Spam. Kein Doomscrolling. Nur das Wesentliche.



