Wenn du das Gefühl hast, auf der Stelle zu treten, solltest du jetzt aufpassen. Denn viele Menschen, die nach der Schule eine Ausbildung anhängen, studieren oder direkt ins Arbeitsleben einsteigen, enden häufig in einer Sackgasse. Und der Grund dafür ist oft der gleiche:
Das Bildungssystem bringt dir bei, dass Lernen nichts anderes als Informationswiedergabe für einen Test bedeutet. Und das ist falsch. In diesem Artikel erfährst du, wie's richtig geht.
Inhaltsverzeichnis
- Bulimielernen: Das Erfolgsrezept, das keines ist.
- Verständnis: Das einzige Mittel gegen Bulimielernen
- Noten sind unerheblich.
- Quellen
Bulimielernen: Das Erfolgsrezept, das keines ist.
Aus eigener Erfahrung weiß ich: Du kannst Schulaufgaben und Klausuren schreiben, ohne wirklich etwas davon zu verstehen. Im Studium habe ich Klausuren mit 1,0 bestanden, ohne auch nur einmal die Vorlesung zu besuchen. Bulimielernen sei Dank.
Die Erfolgsformel? Zwei Wochen vor der Klausur auswendig lernen, was der Professor hören will und es ihm am Tag der Klausur aufs Blatt spucken.
Die Ironie? Das Bildungssystem belohnt dich dafür mit einer guten Note und einem Abschluss.
Manche Abschlüsse sind nichts anderes als eine Bescheinigung im Selbstbetrug. Die Note gaukelt dir vor, dass du etwas verstehst, von dem du eigentlich keine Ahnung hast und das du schon bald wieder vergessen wirst.
Doch wenn ein System nur Bulimielernen belohnt, dann ist die logische Folge, dass seine Akteure (du und ich) sich nicht auf Lernmethoden fokussieren, die Verstehen fördern, sondern lediglich Informationswiedergabe.
Verstehen kostet Zeit und Zeit ist immer knapp. Also hämmern wir uns Stoff ins Hirn, um ihn bald wieder zu vergessen. Damit betrügen wir uns selbst, denn: Aus mehreren Studien geht hervor, dass Pauken, also das sogenannte Bulimielernen nur einen kurzfristigen Lernerfolg verspricht.
Wenn du morgen einen Test schreibst, ist es tatsächlich keine schlechte Idee, den Stoff fast schon mechanisch zu wiederholen. Aber Vorsicht: Was schnell kommt, geht meistens auch wieder schnell. In denselben Studien reichte schon eine einzige Woche aus, um den Großteil des Stoffes zu vergessen.
Denjenigen hingegen, die den Inhalt wirklich verstanden und langsamere Lernmethoden nutzten (z.B. Zusammenfassungen schreiben, Schaubilder erstellen, Selbsttests und die Feynman-Technik anwenden), passierte das nicht1.
Für viele Tests können kurzfristige Lernmethoden funktionieren. Doch je länger der Zeitraum ist, für den du Wissen im Kopf behalten musst, desto mehr Informationen musst du am Ende wieder auffrischen, wenn du nur paukst statt zu verstehen.
Denk z.B. an eine Ausbildung. Meine Auszubildenden bereiten sich gerne kurzfristig auf eine Ex oder Schulaufgabe vor. In der Folge vergessen sie danach den Großteil des Gelernten. Das mag für die Notenbildung funktionieren.
Vor ihrer Abschlussprüfung kommen sie dann allerdings ins Schwitzen. Auf einmal gilt es, alles wieder aufzuholen, was sie in drei Jahren Ausbildung vergessen haben. Bulimielernen lässt grüßen. Ein gutes Ergebnis ist dann fast unmöglich.
Verständnis: Das einzige Mittel gegen Bulimielernen
Warum gibt es so viele Auszubildende, die in der Berufsschule überzeugen, diese guten Leistungen allerdings nicht auf ihre Abschlussprüfungen übertragen können? Worüber ich mich lange Zeit wunderte, leuchtet mir heute ein:
Die Schule belohnt kurzfristiges Lernen. Die Abschlussprüfung hingegen belohnt Verständnis.
Die Azubis, die Verständnis priorisieren, haben hintenraus nicht nur weniger Stress, sondern profitieren auch noch nach der Abschlussprüfung von ihrem Wissen.
Ergo: Wer schnell lernt, vergisst auch schnell. Wer sich hingegen Zeit nimmt und versteht, wird langfristig belohnt.
Reine Fakten zu kennen bedeutet noch lange nicht, sie zu verstehen. Und Wissen, das nach einer Ausbildung nicht mehr da ist, bringt dir überhaupt nichts. In einer Ausbildung zum Elektroniker oder Lokführer kann dieser Unterschied durchaus überlebenswichtig sein.
Und genau das ist das Problem an unserem Bildungssystem: Es belohnt immer noch das Pauken, Auswendig- und Bulimielernen, obwohl es Verständnis fördern sollte.
Das Ziel des Bildungssystems – wie ich es zumindest definiere – ist die Selbstbefähigung der Menschen. Zusammenhänge erkennen, kritisch Denken, Probleme lösen. All diese Fähigkeiten bilden die Grundlage für Selbstbefähigung.
Doch wenn wir Informationen gegenüber Verständnis priorisieren, dann befähigen wir niemanden. Du lernst lediglich auszuspucken, was dir Autoritäten vorgegeben und innerhalb eines vorgegebenen Rahmens zu funktionieren.
Die einzige Tatsache, die du so kapierst, ist, dass Verständnis nicht nötig ist, sondern nur die Note zählt. So wirst du zu einem Nebendarsteller in deinem eigenen Leben. Du wirst passiv. Du wirst gefügig. Das nennen Psychologen erlernte Hilflosigkeit.
Die einzige Lösung ist, das Verständnis wieder stärker in den Fokus deines Lebens zu rücken.
Noten sind unerheblich.
Es ist mir egal, ob du die Mittelschule, eine Walldorfschule oder ein Gymnasium besucht hast; ob du 10 oder 12 Jahre, 6 oder 8 Semester für deinen Abschluss gebraucht hast.
Mich interessiert auch nicht, für welches Wissen du mal gute Noten bekommen hast. Das Meiste davon hast du eh schon wieder vergessen.
Wichtig ist, was du auf deinem Bildungsweg kapiert hast. Denn wer versteht, muss gelernt und das Gelernte angewendet haben. Doch wer nur lernt, hat noch lange nicht verstanden.
Eine Information ist nur so gut wie ihre Anwendung. Ein Seminar nur so gut wie die Veränderung, die es bewirkt. Ein Sachbuch nur so gut wie seine praktische Umsetzung.
Dein Erfolg im Leben bemisst sich nicht daran, ob du Informationen treffsicher auf ein Blatt Papier kotzen kannst. Dein Erfolg hängt davon ab, ob du Zusammenhänge erkennst, Probleme löst, Informationen kritisch hinterfragst und Wissen anwendest.
Kurzum: Dein Erfolg bemisst sich daran, ob du dein Leben so gestalten kannst, wie du es willst. Und wenn du dich nicht selbst befähigst, dann wirst du die Richtung, die dein Leben einschlägt, niemals bestimmen (oder zumindest beeinflussen).
Lernen ist nicht Pauken. Lernen ist nicht sture Wiederholung. Lernen bedeutet nicht, das zu sagen, was der Professor hören will. Es geht viel mehr um persönliches Wachstum. Kontinuierlichen Fortschritt. Anpassung an eine sich immer rasanter verändernde Welt.
Denn wenn du lernst, Zusammenhänge zu verstehen, lernst du, dich auf die Zukunft einzustellen. Nur so funktioniert Selbstbefähigung.
Du bist nicht schuld daran, wenn du nicht weißt, wie du richtig lernst. Aber sobald du verstanden hast, wie es besser geht, trägst du die Verantwortung dafür, es anders zu machen.
Also nimm deine Bildung selbst in die Hand. Befähige dein zukünftiges Ich.
Mehr zu diesem Thema gibt's in meinem Artikel „Schluss mit dem Pauken! Warum du falsch lernst und wie du es besser machst.“