Dein Gehirn braucht keine 1000 Apps zum Lernen. Es braucht Mehl, Wasser und Salz. Denn ob du es glaubst oder nicht, Brotbacken und effektiv Lernen hat eine Menge miteinander zu tun. Fünf Gemeinsamkeiten erkläre ich dir in diesem Artikel.
- Meine ersten Schritte als Bäcker.
- Brotbacken und effektiv Lernen: 5 einfache Lektionen.
- Das Rezept in aller Kürze
Meine ersten Schritte als Bäcker.
Seit 1,5 Jahren backe ich mein eigenes Sauerteigbrot. Was ich zuerst für ein Hirngespinst hielt, wurde bald zu einer Tradition. Jedes Wochenende gibt es frisches Brot bei uns zu Hause.
Anfangs befürchtete ich, dass das Backzubehör als Staubfänger in der Küche enden wird. So einen gusseisernen Topf könnte man wahrscheinlich noch als Blumenkübel verwenden. In Kombination mit einem Kochlöffel kann ich damit vielleicht auch die Tauben auf meinem Dach vertreiben. Oder die Nachbarn, die sich gelegentlich da oben tummeln. Verdammte Dachterrasse.
Doch aus irgendeinem Grund hat sich das Brotbacken tatsächlich gehalten. Vielleicht lag es daran, dass die ersten Versuche so missrieten. Ich wollte - nur ein einziges Mal - ein schönes Brot aus dem Ofen ziehen. Und als ich den Dreh endlich raus hatte, hörte ich nicht mehr damit auf.
Mittlerweile verstehe ich, dass Brotbacken nicht nur eine Aktivität ist. Genauso wie Brot nicht einfach nur ein Produkt ist.
Im Brotbacken steckt eine Philosophie. Die Schönheit des Lebens liegt oft in seiner Einfachheit.
Aus Zutaten, über die jeder Haushalt verfügt, stellst du etwas her, das nicht nur schmeckt, sondern ein Lächeln auf das Gesicht jeder Person zeichnet, der du ein selbstgebackenes Brot schenkst.
Und diese Philosophie hat eine Menge mit menschlichem Lernen zu tun. Lass mich es dir erklären.
Brotbacken und effektiv Lernen: 5 einfache Lektionen.
1. Verkomplizier es nicht.
Die Zutaten für ein gutes Brot sind simpel. Mehl, Wasser, Salz und Sauerteig. Mehr brauchst du nicht. So ist das auch beim Lernen. Du benötigst keine 1000 Apps. Auch keine Produktivitätstools. Für effektives Lernen benötige ich drei Dinge:
- ein Buch
- etwas zum Schreiben und
- ununterbrochene Aufmerksamkeit
Verkomplizier den Prozess nicht. Du kannst einen Brotteig zwar mit Körnern, geschmolzener Schokolade oder Bier verfeinern. Aber braucht es das?
Menschen lernen schon seit Jahrhunderten mit Büchern, einem Stift und voller Konzentration. Warum sollte das für dich nicht mehr funktionieren?
Andere Zutaten wiederum haben im Brotteig überhaupt nichts zu suchen. Leberwurst zum Beispiel.
Auch für effektives Lernen solltest du auf manche Zutaten verzichten. Social Media oder dein Smartphone lenken dich von deinem Ziel ab. Man könnte sagen, Social Media ist die Leberwurst des Lernens. Weg damit. Hat da nix verloren!
2. Gib dir Zeit.
Eine der wichtigsten Zutaten für gutes Brot ist Zeit. Dafür steht der Sauerteig. Um das beste Triebmittel zuzubereiten, das die Natur zu bieten hat, benötigst du keine Chemie und keine Zusatzstoffe. Nur Mehl und Wasser in gleichen Teilen und ein paar Tage Zeit (das Rezept findest du weiter unten). Ganz einfach.
Der Sauerteig schenkt dem Brot über Nacht Struktur. Auch dein Kopf braucht manchmal etwas Zeit, um Gelerntes zu verarbeiten. Was dir heute unverständlich erscheint, könnte morgen schon klicken.
Und so wie ich mein Brot über Nacht in den Kühlschrank stelle, so benötigt auch dein Gehirn oft lediglich eine Mütze Schlaf, um Informationen Struktur zu geben.
3. Finde das richtige Verhältnis.
Ein Bäcker weiß: Das richtige Verhältnis der Zutaten ist entscheidend. Zu viel Mehl und der Teig wird trocken. Zu viel Wasser und er schwimmt dir davon.
Dasselbe gilt für unseren Umgang mit Informationen. Die digitalen Medien konfrontieren uns täglich mit einem Faktenbuffet. Der endlose Nachrichtenzyklus, ein Bombardement an Pushbenachrichtigungen auf unserem Smartphone, die Wut in den soziale Netzwerken, das dröhnende Gelaber in Podcasts.
Wir überschütten unser Gehirn mit Mehl und wundern uns, dass es davon Hustenanfälle kriegt.
Zu oft setzen wir Informationen mit Verständnis gleich. Doch einzelne Fakten offenbaren dir rein gar nichts. Erst aus ihrer Vernetzung kann Verständnis entstehen.
Das geht übrigens lächerlich einfach. Wenn du etwas lernst, stell dir folgende Frage: Was weiß ich bereits darüber? Indem du etwas aus deinem Gedächtnis kramst, das mit der neuen Information zusammenhängt, verleihst du ihr Gewicht. So bleibt mehr vom Gelernten hängen.
Wie mit allem im Leben - egal, ob beim Brot oder beim Lernen - ist das Gleichgewicht entscheidend. Also: Denk wie ein Bäcker. Ertränk dich nicht in Informationen. Mach lieber Brot daraus.
4. Streng dich an.
Wenn aus dem Teig am nächsten Tag ein richtiges Brot entstehen soll, dann braucht es Hitze. Viel davon. Du heizt deinen Ofen auf 250 Grad vor. Dann backst du das Brot bei 240 Grad in einem gusseisernen Topf bei geschlossenem Deckel. Nach 30 Minuten nimmst du den Deckel ab, reduzierst auf 230 Grad und lässt das Brot weitere 20-25 Minuten im Ofen.
Für das Lernen brauchst du zwar keinen gusseisernen Topf, doch heiß darf es gerne werden. Es ist ein Irrglaube, dass Verstehen einfach zu sein hat. Die besten Lernmethoden sind anstrengend. Dein Kopf darf dampfen wie das Brot im Ofen.
Verständnis erwächst, wenn du mit Ideen ringst. Dadurch entsteht Friktion. Reibung. Hitze. Und je heißer es wird, desto besser bleibt das Wissen hängen. Das Endergebnis? Eine durchgebackene Erkenntnis, von der du dich lange ernähren kannst.
5. Verstehe deine Individualität.
Was mich immer wieder aufs Neue erstaunt, wenn ich ein Brot aus dem Ofen ziehe, ist, dass das Ergebnis jedes Mal anders aussieht. Selbst wenn du stets die gleichen Zutaten verwendest, erhältst du nie dasselbe Resultat.
Ein Brot ist so individuell wie dein Gehirn. Zwei Menschen können dasselbe lernen, aber zu unterschiedlichen Erkenntnissen kommen. Man könnte sagen: Das Leben backt niemals zwei gleiche Gehirne.
Die Erkenntnis, die du gewinnst, muss nicht schlechter sein als die einer anderen Person. Wahrscheinlich auch nicht besser. Doch eins ist sie auf jeden Fall: deine eigene.
Hoffentlich erkennst du nun den Zusammenhang: Manchmal brauchst du zum Lernen nicht mehr als etwas Mehl, Wasser und Salz. Und erst wenn du die Zutaten miteinander verarbeitest, entsteht etwas Schönes daraus.
Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Limonade daraus. Und wenn das Leben dich mit Mehl bewirft, mach Brot daraus.
Das Rezept in aller Kürze
Was du brauchst.
- einen gusseisernen Topf oder Römertopf
- einen Gärkorb (inkl. Leinentücher)
- Zutaten (siehe unten)
Für den Sauerteig
- 25 g Wasser und 25 g Mehl in einem großen Glas verrühren.
- Jeden Tag einmal 25 g Wasser und 25 g Mehl dazu geben ("auffrischen").
- Vier bis fünf Tage lang wiederholen.
Wenn du Weizenbrot backen willst, nimm Weizenmehl für den Ansatz. Willst du Roggenbrot backen, nimm Roggenmehl.
Für das Brot
- 500 Gramm Mehl deiner Wahl
- 360 Gramm Wasser
- 10 Gramm Salz
- 60 Gramm Sauerteigansatz
Mehlmischungen, die immer gelingen.
- 300 Gramm 550er Weizenmehl und 200 Gramm Emmervollkorn
- 350 Gramm 550er Weizenmehl und 150 Gramm Roggenvollkorn
- 250 Gramm 550er Weizenmehl und 250 Gramm Weizenvollkornmehl.
- 500 Gramm Weizenvollkornmehl.
Profitipp: Vorsicht bei zu viel Vollkornmehl.
Erstens, gärt das Vollkornmehl schneller.
Zweitens benötigt es oft mehr Wasser.
Was mir noch nie gelungen ist:
500 Gramm Roggenvollkornmehl.
Falls du Tipps hast, melde dich.
Die Zubereitung.
Meine Empfehlung: Starte am Nachmittag mit der Zubereitung, damit der Teig über Nacht ruhen kann. Dein Sauerteig sollte frisch sein. Am besten du frischt ihn am Morgen oder am Abend vorher auf, bevor du loslegst.
- Die Brotzutaten vermischen und zwei Stunden bei Zimmertemperatur stehen lassen.
- Danach in Abständen von 30 Minuten Dehnen und Falten (Auf Youtube findest du Anleitungen dafür).
- Insgesamt 3 - 4 Mal dehnen und falten, danach den Teig in einen gut bemehlten Gärkorb geben.
- Den Gärkorb über Nacht in den Kühlschrank stellen. 8-10 Stunden sollten reichen.
- Ofen auf 250 Grad vorheizen. Das Brot in einen gusseisernen Topf geben, leicht anschneiden, abdecken und bei 240 Grad in den Ofen stellen.
- Nach 30 Minuten den Deckel des Topfes abnehmen und das Brot weitere 20-25 Minuten backen.
Zum Schluss am besten auf einem Gitterrost auskühlen lassen, damit das Brot nicht "schwitzt".
PS: Butter und Salz auf das geschnittene Brot geben und genießen. Mehr braucht es nicht.
PPS: Papa, falls du das hier liest: Der Artikel ist für dich. Und jetzt ran an den Speck!